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Hauptrisiko Alter
Warum gibt es immer mehr Alzheimerkranke und
wer versorgt die wachsende Zahl an Patienten? In Zukunft wird der Anteil älterer Menschen in der
deutschen Bevölkerung stetig größer. Dank des medizinischen
Fortschritts leben wir immer länger. Und weil wir immer weniger an
"einfachen", früher tödlichen Infektionskrankheiten sterben,
erkranken immer mehr Menschen an chronischen Zerfallserscheinungen wie der
Alzheimerschen Krankheit. Denn das Risiko für Demenzen steigt mit dem
Alter rapide an. Während von den 65-Jährigen gerade jeder 26.
Alzheimer bekommt, ist es bei den 85-Jährigen schon jeder Dritte. Die
Kranken- und Pflegekassen und letztlich jeder einzelne Privathaushalt
müssen sich auf eine ständig steigende Zahl von
Alzheimer-Patienten einstellen.
Vor hundert Jahren, als der Nervenarzt Alois Alzheimer auf einer Tagung
der Südwestdeutschen Irrenärzte am 3. November 1906 in
Tübingen von der "eigenartigen Erkrankung der Hirnrinde" seiner
Patientin Auguste Deter berichtete, stieß er bei den Fachkollegen
zunächst auf wenig Interesse. Lange blieb die Krankheit von
untergeordneter Bedeutung - schlicht und einfach, weil es wenige Fälle
gab. Erst seit die amerikanische Schauspielerin Rita Hayworth in den 1980er
Jahren an Alzheimer erkrankte, aber vor allem als der ehemalige
amerikanische Präsident Ronald Reagan mit seinem Leiden an die
Öffentlichkeit trat, findet die Krankheit öffentliche Beachtung.
Heute sind in Deutschland etwa eine Million Menschen betroffen, in den USA
vier, weltweit zwölf Millionen - und es wird intensiv nach Ursachen
und Therapieansätzen geforscht.
Menschen mit Alzheimer verlieren nach und nach ihr Gedächtnis und
damit die Erinnerung an ihre eigene Persönlichkeit. Im
fortgeschrittenen Stadium sind sie komplett auf fremde Hilfe angewiesen.
Was genau die Alzheimersche Demenz auslöst, ist noch immer wenig
verstanden. Als Hauptrisikofaktor nennen Mediziner das Alter selbst.
Der demografische Wandel wird also mit Sicherheit mehr Alzheimerfälle
mit sich bringen:
Schon 2020 wird jeder dritte Deutsche über 60 Jahre alt sein. Das
liegt nicht nur an der ständig steigenden Lebenserwartung, sondern
auch daran, dass die Deutschen immer weniger Kinder bekommen. Seit gut 30
Jahren liegen unsere Geburtenraten weit unter dem "Ersatzniveau", bei dem
die Kinder- ihre Elterngeneration ersetzt. Seit den 1970er Jahren bekommt
jedes Paar im Mittel 1,4 Kinder, wodurch jede Nachwuchsgeneration rein
rechnerisch um ein Drittel kleiner ist als die ihrer Eltern. Entwicklung der unter 6- und über 75-Jährigen an
der Gesamtbevölkerung 1950 bis 2050 
Datengrundlage: Statistisches Bundesamt
Dank einer steigenden Lebenserwartung und durch mangelnden Nachwuchs
steigt die Zahl der über 75-Jährigen an, während die der
Kindergartenkinder zurückgeht. Bis 2050 werden in Deutschland 13
Millionen Menschen das 75. Lebensjahr überschritten haben. Entsprechend beginnen die wirklichen Probleme für die
Gesundheitssysteme, wenn die in den 1960ern geborenen, geburtenstarken
Jahrgänge über 60 Jahre alt werden - also etwa von 2020 an. Denn
mit dem 60. Lebensjahr steigen die Gesundheitskosten pro Kopf
überdurchschnittlich stark an. "Die höhere Lebenserwartung
fußt auf einem medizinischen System, das mit immer neuen, und immer
teuereren Methoden ein erträgliches Leben auch in Gegenwart von
Krankheiten ermöglicht", sagte Reiner Klingholz, Direktor des
Berlin-Instituts, auf dem Symposium "Altern und Alzheimer" des
Interdisziplinären Forschungszentrum für Neurowissenschaften
(IFZN) in Mainz. Aus heute zwei Millionen Pflegebedürftigen werden bis
zum Jahr 2050 vermutlich fünf Millionen. Auf diese Entwicklung sind
die Versorgungssysteme bisher weder von der Infrastruktur noch von der
finanziellen Ausstattung her vorbereitet. 
Von der Pyramiden- zur Pilzform: Wenn die geburtenstarken
Jahrgänge, heute 35 bis 50 Jahre alt, also mitten im Berufsleben, ins
Rentenalter kommen, wird es nicht mehr so viele Erwerbstätige geben.
Zwangsläufig sinken dann die Einzahlungen in die Sozialsysteme. Weil
mittlerweile die geburtenschwachen, in den 1970ern und später
geborenen Jahrgänge selbst im Elternalter sind, die ihrerseits im
Mittel nur 1,4 Kinder bekommen, wird die Zahl der jungen Menschen weiter
zurückgehen. Neben der Frage, wovon die Alten
in Zukunft leben sollen, stellt sich die, wer sie pflegen wird. Heute
spielen die Pflegeheime bei der Versorgung eine untergeordnete Rolle: Die
meisten Pflegebedürftigen werden bisher in der Familie versorgt, meist
von Partnern, Töchtern und Schwiegertöchtern. Familien gibt es
aber immer weniger - und Schwiegertöchter, die versorgend eingreifen,
werden aufgrund steigender Scheidungsraten ebenfalls immer seltener. Zudem
werden die wenigen jungen Menschen stetig mobiler und sind oft aus rein
räumlichen Gründen nicht in der Lage, ihre eigenen Eltern zu
betreuen. (siehe Newsletter "Kinder? Nein Danke")
Bei der Diagnose Alzheimer können Mediziner heute noch immer keine
heilende Therapie anbieten: Die gebräuchlichen Medikamente
verzögern den Krankheitsverlauf im besten Fall um ein, zwei Jahre. Nur
40 Prozent der Patienten sprechen überhaupt darauf an. Außerdem
ist die Einnahme meist mit Nebenwirkungen verbunden. Der schleichende
Prozess, der die Nervenzellen abtötet, beginnt bereits 15 bis 30 Jahre
bevor die Krankheit sich zu erkennen gibt. Bestimmte Proteine, so genannte
Amyloide, verklumpen im Gehirn zu steinharten Plaques und greifen die
Nervenzellen an, die dann absterben. Dieser Prozess ist eng verknüpft
mit anderen altersbedingten Veränderungen. So entstehen die
gefährlichen Proteine vor allem dort, wo viel Cholesterin in die
Zellmembran eingelagert ist und am ehesten, wenn die Zelle besonders viel
oxidativem Stress durch freie Radikale ausgesetzt ist. Freie Radikale
entstehen beim Stoffwechsel und können Zellmembran, wichtige Proteine
sowie Erbmaterial beschädigen.
Wie beim ganz normalen Alterungsprozess kann das Gehirn den Verlust von
Nervenzellen zunächst gut kompensieren, weshalb man dem Patienten
nichts anmerkt. Dass es sich um eine Demenz handelt, wird meist erst klar,
wenn das Gedächtnis schon stark in Mitleidenschaft gezogen ist. Das
ist auf Hirn-Bildern aus der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) zu
erben. "Bei Alzheimer ist der Verlust meist zuerst am Hippocampus zu sehen,
einer Gehirnstruktur, die für Speicherung und Erhalt von
Gedächtnisinhalten wichtig ist", so die Psychiaterin Isabella Heuser
von der FU Berlin auf dem Symposium in Mainz. Erste Anzeichen für eine
verminderte Gedächtnisleitung sollten daher ernst genommen werden.
"Wenn man das Gefühl hat, es habe sich etwas verändert mit dem
Gedächtnis, sollte man das in einer Memory Clinic checken lassen."
Wenn eine leichte kognitive Störung (Mild Cognitive Impairmant, MCI)
schon früh erkannt wird, können Medikamente wie bestimmte
Entzündungshemmer noch der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz entgegen
wirken.
Mangels Therapie raten Mediziner auf die wichtigsten Risikofaktoren selbst
Einfluss zu nehmen: Bluthochdruck, hoher Kalorienverbrauch und
Übergewicht, Cholesterin und Diabetes mellitus stehen im Zusammenhang
mit Alzheimer. "Eine kalorienarme, an mehrfach ungesättigten
Fettsäuren reiche Diät (mediterrane Diät), der Genuss von
viel grünem Tee, sowie körperliche und geistige Aktivität
senken das Risiko beachtlich", sagt Christian Behl von der Universität
Mainz. Doch es gibt auch genetische Faktoren, die auf die
Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, einwirken. Wie groß
der Einfluss von Genen ist, welche Rolle Umweltfaktoren spielen und welche
Rolle der Zufall spielt, ist noch umstritten.
Manche Forscher, die neue Alzheimer-Medikamente entwickeln, hoffen, dass
es bald gelingen wird, die Krankheit aufzuhalten, auch wenn sie bereits
ausgebrochen ist. "Ich denke, wir werden in fünf Jahren so weit sein",
glaubt Falk Fahrenholz von der Universität Mainz. Es werden sowohl
Stoffe gesucht, die Enzyme daran hindern, dass sich Plaques überhaupt
bilden, als auch solche, die die vorhandenen Plaques auflösen und
über die Blutbahn abführen können. Doch bisher haben Stoffe,
die im Tierversuch Wirkung zeigten, sich am Menschen nicht bewährt. Im
praktischen Alltag mit Demenzkranken zeigt sich denn auch menschliche
Nähe und Zuwendung als das wirkungsvollste Medikament, so das Fazit
von Michael Jürgs, Autor des Buches "Alzheimer - Spurensuche im
Niemandsland".
Literatur: Michael Jürgs, Alzheimer - Spurensuche im Niemandsland,
Bertelsmann, München, 2006
Weitere Informationen unter: www.ifzn.uni-mainz.de 
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Von Ost- nach Westdeutschland
Die Zahl der Wanderungen aus den neuen in die
alten Bundesländer nimmt ab - wer umziehen kann und will, hat es schon
getan. Aus dem Osten in den Westen, aus der Stadt ins Umland. Zurück
bleiben dünn besiedelte Landschaften, in deren Infrastruktur zu
investieren sich kaum noch lohnt. Immer
weniger Menschen verlassen die neuen Bundesländer. Vor allem das
Potenzial an jungen Erwachsenen, die im Westen Arbeit oder Ausbildung
suchen, scheint nach und nach erschöpft zu sein. Das zeigen Zahlen,
die das Statistische Bundesamt zum Tag der deutschen Einheit
veröffentlicht hat. Netto verloren die neuen Bundesländer im
vergangenen Jahr rund 49 000 Einwohner, fast 3000 weniger als noch 2004.
Damit setzt sich ein rückläufiger Trend fort, der seit 2001 zu
beobachten ist.
Seit der Wende verlieren die neuen Bundesländer Einwohner an die
Länder des alten Bundesgebiets. Während der ersten Welle der
deutschen Binnenmigration verließen rund eine Million Menschen den
Osten (1989-1992). Mit den umfangreichen Investitionen zum "Aufbau Ost" kam
in den Neunzigerjahren die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft in den neuen
Bundesländern doch noch erholen würde - und die Abwanderung
erreichte 1996 den Tiefststand der Nachwendezeit mit 25 000
Netto-Abgewanderten. Doch schon ab dem folgenden Jahr nahm die Abwanderung
in das alte Bundesgebiet wieder zu, bis 2001 mit netto 97 000 ein
nächster Hochpunkt erreicht war. Seitdem geht der Saldo wieder langsam
zurück.
Ost-West-Wanderungssaldo (ab 2001 ohne Berlin) 
Direkt nach der Wende verlor der Osten die meisten
Einwohner. In den Neunzigerjahren ging die Zahl auf 25 000 (1996)
zurück, nahm aber zur Jahrtausendwende hin wieder zu. Seit 2001
wandern immer weniger Menschen von Ost nach West. Frauen verlassen den
Osten seit 1991 in wesentlich größerem Umfang als Männer.
Ende der neunziger Jahre wurden die Gesamtabwanderungsquoten der neuen
Länder dadurch abgemildert, dass viele Berliner ihren Wohnsitz vor die
Stadtgrenzen verlegten. Berücksichtigt man diese spezielle
West-Ost-Bewegung, die eigentlich durch die Suburbanisierung Berlins
entsteht, beträgt das Abwanderungssaldo des Ostens 1996 nur rund 17
000, 1997 nur 2500 Menschen. Bis 2001 verringerte sich die Stadtflucht aus
Berlin von rund 26 000 Menschen in 1997 auf 7000 und bleibt seither auf
etwa diesem Niveau.
Mehr als die Hälfte der Ostflüchtigen sind zwischen 18 und 25
Jahren alt. Doch nun ist vor allem in dieser beweglichsten Altersgruppe in
den vergangenen Jahren Ruhe eingekehrt. Sind 2001 noch drei Prozent der
jungen Erwachsenen vom Osten in den Westen gezogen (netto), waren es 2005
nur noch zwei Prozent. Ursache könnte sein, dass die qualifizierten
und dynamischen jungen Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt im Westen eine
Chance haben, bereits größtenteils den Osten verlassen haben -
und dass es nicht viel Nachwuchs an 18jährigen Wanderungswilligen und
- fähigen gibt.
Junge Frauen zieht es nach wie vor stärker in den Westen als junge
Männer, auch wenn die Wanderung insgesamt nachlässt. 2001 sind
netto 2,3 Prozent der jungen Männer abgewandert, aber 3,7 Prozent der
jungen Frauen. 2005 sind es nur noch 1,6 Prozent der 18-25-jährigen
Männer, aber 2,5 Prozent der jungen Frauen. 
Mehr als die Hälfte der Abwanderer aus Ostdeutschland
ist zwischen 18 und 25 Jahre alt. Nach wie vor wandern mehr junge Frauen
als Männer ab, wobei die Zahl der Wanderungen insgesamt seit 2001
zurückgeht: von 2,3 Prozent der jungen Männer und 3,7 Prozent der
jungen Frauen (2001) auf 1,6 Prozent der Männer und 2,5 Prozent der
Frauen (2005).
Für junge Menschen aus dem Osten liegt der wohl wichtigste Grund, in
den Westen zu gehen, in besseren Chancen auf dem Arbeits- und
Ausbildungsmarkt. Vor allem Ostdeutsche Frauen mit traditionell hohen
Erwerbsquoten suchen im Westen eine Arbeit oder
Ausbildungsmöglichkeit, die es im Osten nicht mehr gibt, schreibt das
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in der Analyse
"Bevölkerungsumverteilungen und Auswirkungen innerdeutscher
Wanderungen". Mittlerweile besteht in allen Regionen der neuen
Bundesländer ein Männerüberschuss, vor allem bei den jungen
Erwachsenen. Einzig in einigen Universitätsstädten gibt es noch
genauso viele junge Frauen wie junge Männer. Besonders gravierend ist
das Ungleichgewicht in ländlichen Gebieten - in einigen Landkreisen
kommen auf 100 Männer weniger als 80 Frauen. Das erklärt sich
dadurch, dass weniger Frauen als Männer in die neuen Bundesländer
(zurück) wandern (Statistisches Bundesamt).
Arbeitsplätze gibt es in wirtschaftsstarken Regionen. So profitieren
diese von der Abwanderung aus dem Osten und betreiben "demografischen Klau"
an qualifizierten Arbeitskräften. Mehr als jeder fünfte
Abwanderer zieht nach Bayern. Etwas weniger gehen jeweils nach
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die meisten
kommen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Auch Verdichtungsräume wie etwa um Hamburg, Köln,
Frankfurt/Main, Stuttgart und München ziehen mit einem dynamischen
Arbeitsmarkt und Bildungs- Kultur- und Freizeitangeboten Menschen aus
Schwundregionen an.
Die Binnenmigration hat weit reichende Folgen für die wirtschaftliche
und soziale Entwicklung der Regionen und löst in vielen Bereichen
einen weiteren Bevölkerungsschwund aus. Die überdurchschnittliche
Abwanderung der Frauen führt dazu, dass in den Geberregionen noch
weniger Kinder geboren werden und sich familienfreundliche Strukturen kaum
noch lohnen. Kindergärten und Schulen werden geschlossen. Mit der
Wende ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in den neuen
Bundesländern von 1,7 (1988) auf 0,7 (1994) zurückgegangen.
Zwingende Folge war, dass sieben Jahre später die Hälfte der
Schulbänke leer blieb. Mit der Schließung der Schulen werden die
Schulwege länger - das macht diese Regionen noch unattraktiver
für Familien.
Ein Verlust an qualifizierten Arbeitskräften führt zu einer
wirtschaftlichen Abwärtsspirale. Denn trotz einer hohen
Arbeitslosigkeit mangelt es im Osten an Fachkräften. Und wo kein
qualifizierter Nachwuchs ist, siedeln sich auch keine Firmen an. Ein
überwiegender Teil der Arbeitslosen ist bereits über 55 Jahre
alt, unter den jungen haben überdurchschnittlich viele keinen
Schulabschluss. Bis 2010 wird sich die Zahl der Schulabgänger nochmals
halbieren, da dann die geburtenschwachen Nachwende-Jahrgänge ins
Ausbildungsalter kommen.
Dramatisch sind die Folgen des Bevölkerungsschwunds für
ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind. In schrumpfenden
Regionen schließen Supermärkte, Arztpraxen und Behörden.
Daher ist damit zu rechnen, dass Ältere in Zukunft verstärkt
wieder in die Städte ziehen oder in Gebiete, die sich mit ihrem
Dienstleistungsangebot speziell auf Ältere eingestellt haben.
Angesichts der steigenden Bedeutung dieser Bevölkerungsgruppe sind
diese Bewegungen nicht zu unterschätzen.
Stadtplaner haben mit Leerständen und einer zu geringen Auslastung
von Infrastrukturen wie Wasser- und Abwasserleitungen zu kämpfen. Eine
Million Wohnungen, 13 Prozent des Bestandes der neuen Bundesländer,
sind unbewohnt - die Hälfte davon ist abrissbereit. Bei einer geringen
Einwohnerzahl haben die Kommunen auch weniger Einnahmen, mit denen sie die
Aufrechterhaltung der Infrastrukturen finanzieren könnten.
Fast überall verlieren die Städte Einwohner an das Umland. Meist
sind es Familiengründer, die ein attraktives Wohnumfeld suchen,
möglichst nah an der Großstadt, aber dennoch im Grünen. Die
Abwanderung dieser Gruppe aus den Kernstädten führt zu einer
Suburbanisierung: Einkommensstarke Schichten wohnen in den
Speckgürteln der Städte, während einkommensschwache
Schichten in den Stadtkernen zurück bleiben. Dadurch büßen
die Städte dringend benötigte Steuereinnahmen ein.
Um der Unterversorgung mit Bildungs-, und Gesundheitsangeboten zu
begegnen, sollte sich die Förderung der schrumpfenden Regionen auf
einzelne Städte als Wachstumskerne konzentrieren. Eine
flächendeckende Versorgung ist angesichts leerer Staatskassen und dem
unaufhaltsamen demografischen Wandel nicht zu gewährleisten, folgert
das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Um die
Suburbanisierung zu begrenzen, müssen Städte familienfreundlicher
werden und die einkommensstarken Schichten an sich binden.
Mehr über das Ausmaß, die Ursachen und Folgen der
Binnenmigration lesen Sie in der Analyse "Bevölkerungsumverteilungen
und Auswirkungen innerdeutscher Wanderungen", die das Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung im Auftrag der
Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt hat.
Quellen:
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 29.9.2006
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung:
Bevölkerungsumverteilungen und Auswirkungen innerdeutscher
Wanderungen
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