Das Wachstum gestalten, Megatrends berücksichtigen
Eine neue Studie des Berlin-Instituts hat die deutsche Hauptstadt auf ihre Zukunftsfähigkeit untersucht. Um künftig in der ersten Liga der Metropolen mitzuspielen, muss sich Berlin für die wichtigsten „Megatrends“ fit machen, die auf alle großen Städte der Welt einwirken. Gleichzeitig muss es seine Alleinstellungsmerkmale bewahren, welche die Stadt seit einiger Zeit wieder auf Wachstumskurs gebracht haben. Dazu braucht Berlin ein klares Leitbild und eine mittelfristige Strategie, bei der alle Verwaltungsressorts an einem Strang ziehen.
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Heute in die Köpfe von morgen investieren
Wissen ist der zentrale Treiber für gesellschaftlichen und ökonomischen Fortschritt. Eine neue Studie des Berlin-Instituts zeigt: Berlin hat als exzellenter Wissenschaftsstandort zwar gute Karten im Wettbewerb um kluge Köpfe. Doch die Leistungsfähigkeit der Berliner Schülerinnen und Schüler, also des eigenen Nachwuchses, lässt zu wünschen übrig. Hier hat die Stadt erheblichen Nachholbedarf.
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Das Wachstum gestalten, Megatrends berücksichtigen
Eine neue Studie des Berlin-Instituts hat die deutsche Hauptstadt auf ihre Zukunftsfähigkeit untersucht. Um künftig in der ersten Liga der Metropolen mitzuspielen, muss sich Berlin für die wichtigsten „Megatrends“ fit machen, die auf alle großen Städte der Welt einwirken. Gleichzeitig muss es seine Alleinstellungsmerkmale bewahren, welche die Stadt seit einiger Zeit wieder auf Wachstumskurs gebracht haben. Dazu braucht Berlin ein klares Leitbild und eine mittelfristige Strategie, bei der alle Verwaltungsressorts an einem Strang ziehen.

Nach Jahren der Krise, nach Strukturwandel und Abwanderung befindet sich Berlin seit einigen Jahren wieder auf dem Wachstumspfad. Die Stadt ist heute Magnet für junge Menschen, Wissenschaftler und Kulturschaffende aus der ganzen Welt und hat sich als Gründerzentrum und Tourismusdestination etabliert. Das Wirtschaftswachstum liegt seit 2008 jedes Jahr über dem Bundesdurchschnitt. Die Bevölkerung nahm in den letzten drei Jahren jährlich um 45.000 zu. Hält dieser Trend an, ist bis 2030 ein Bevölkerungszuwachs auf knapp vier Millionen realistisch. Was Berlin bisher jedoch fehlt, ist eine klare Linie für die Planung dieser Entwicklung, heißt es in der neuen Studie „Berlin 2030 – Grundzüge einer smarten Wachstumsstrategie.“

Richtung Vier-Millionen-Stadt

Seit der letzten Bevölkerungsprognose für Berlin hat die reale Entwicklung einen unerwartet hohen Verlauf genommen, denn es ziehen deutlich mehr Menschen nach Berlin als ursprünglich angenommen. Deshalb empfiehlt die Senatsverwaltung die obere Variante bei Planungen zu verwenden.

Vorbereitung auf die Megatrends

Berlin ist – historisch bedingt – ein Nachzügler unter den Metropolen. Im Gegensatz zu Paris oder London ist die Stadt noch unfertig, bietet gesellschaftliche, wie städtebauliche Freiheiten. Diese Alleinstellungsmerkmale, zu denen auch die relativ niedrigen Lebenshaltungskosten sowie ein tolerantes Umfeld für alternative Lebensentwürfe zählen, machen den besonderen Reiz der Stadt aus. Doch mit diesen Vorzügen allein kann Berlin kaum im internationalen Wettbewerb der Metropolen bestehen.

Dafür sollte sich die Stadt auf die wichtigsten globalen Megatrends einstellen, von der Globalisierung über die Digitalisierung bis zum demografischen Wandel und der ökologischen Nachhaltigkeit. Berlin muss seinen Bewohnern und den Einpendlern aus dem Umland zudem eine umweltfreundliche Mobilität garantieren, damit sie auf Straße, Schiene und Radwegen zügig und sicher von A nach B kommen. Angesichts eines milliardenschweren Sanierungsstaus bei der Verkehrsinfrastruktur ist die Stadt bisher unzureichend auf die starke Reurbanisierung und den Zuzug von zehntausenden Menschen vorbereitet. Die internationale Anbindung wird durch die anhaltenden Probleme am Großflughafen BER behindert. Bei der Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft ist Berlin mit einem der wettbewerbsfähigsten Hochschulsysteme Europas sowie einer großen Zahl von außeruniversitären Forschungszentren und Technologieparks sehr gut aufgestellt. Im Bereich der Digitalisierung zieht Berlin mittlerweile europaweit die meisten Risikokapitalinvestitionen an. Was den eigenen Nachwuchs, das Schulsystem und die dort erbrachten Leistungen anbelangt, schneidet Berlin allerdings vergleichsweise schlecht ab. Auch bei dem Megatrend Gesundheit ist die Hauptstadt in einer guten Ausgangslage. So verfügt die Stadt über eine breit gefächerte Gesundheitsinfrastruktur mit einer hohen Dichte an niedergelassenen Ärzten und zahlreichen Einrichtungen der Hochleistungsmedizin. Hier hat Berlin das Potenzial zu einem europaweit bedeutenden Standort der Gesundheitswirtschaft zu werden.

Megatrends prägen Berlins künftige Entwicklung

Die neun Megatrends bringen weitreichende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen mit sich. Diese sind regional unterschiedlich ausprägt und entsprechend gilt es, eine berlinspezifische Strategie zum Umgang mit den Megatrends zu entwickeln.

Wachstum auf festen Boden stellen

Angesichts dieser Herausforderungen müssen Politik und Verwaltung das Wachstum so organisieren, dass Berlin seine Freiheiten und Freiräume bewahrt und gleichzeitig zu einer wohlhabenderen, lebenswerteren und nachhaltigeren Metropole werden kann. Eine solche smarte Wachstumsstrategie benötigt ein übergeordnetes Leitbild, das von der Mehrheit der Bevölkerung, von den Unternehmen und Forschungseinrichtungen getragen wird. Dafür sind einige grundlegende Voraussetzungen zu schaffen: Erstens benötigt Berlin eine Investitionsoffensive für die Infrastruktur der wachsenden Stadt. Zweitens bedarf es einer Effizienzrevolution in der Verwaltung, wobei sich die anstehende Pensionierungswelle für eine umfassende Modernisierung nutzen lässt. Drittens müssen Berlins zentrale Standortakteure die Bereitschaft und Fähigkeit entwickeln, in der ersten Liga internationaler Metropolen mitzuspielen – sie brauchen den Willen zu einer Exzellenzkultur. Viertens ist die Kooperation zwischen Berlin und Brandenburg auszubauen, um das Umland der Metropole in den Wachstumsprozess einzubinden. Um es im Jargon der Hauptstadt auszudrücken: Berlin muss umschalten von dem Slogan „arm aber sexy“ zur Devise „smart und sexy“.

Für Interviewanfragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Dr. Reiner Klingholz, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, klingholz[at]berlin-institut.org, Tel. 030-31 01 75 60

Dr. Daniel Müller-Jentsch, Avenir Suisse, daniel.mueller-jentsch[at]avenir-suisse.ch Tel. 0041-79-3656305

Klemens Maget, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, maget[at]berlin-institut.org, Tel. 030-31 01 68 35

Die Studie steht Ihnen gratis als Download zur Verfügung unter:

http://www.berlin-institut.org/index.php?id=1098

 

Heute in die Köpfe von morgen investieren
Wissen ist der zentrale Treiber für gesellschaftlichen und ökonomischen Fortschritt. Eine neue Studie des Berlin-Instituts zeigt: Berlin hat als exzellenter Wissenschaftsstandort zwar gute Karten im Wettbewerb um kluge Köpfe. Doch die Leistungsfähigkeit der Berliner Schülerinnen und Schüler, also des eigenen Nachwuchses, lässt zu wünschen übrig. Hier hat die Stadt erheblichen Nachholbedarf.

Neue Arbeitsplätze in wissensintensiven Gesellschaften entstehen dort, wo eine kritische Masse an innovativen Unternehmen, Forschungszentren und klugen Köpfen zusammenkommt. Berlin ist in diesem Wettbewerb gut aufgestellt, denn es verfügt mit einer Vielzahl an Hochschulen, darunter zwei „Eliteuniversitäten“, an außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Technologieparks und damit über die vielfältigste Forschungslandschaft der Republik, heißt es in der neuen Studie „Berlin 2030 - Grundzüge einer smarten Wachstumsstrategie“. Zudem ist die Stadt attraktiv genug, um Hochqualifizierte aus dem In- und Ausland anzulocken. 53 Prozent der Berliner Erwerbstätigen besitzen einen akademischen Abschluss. Das ist bundesweit Spitze. Aus dieser Gemengelage heraus sind mittlerweile zahllose Startups entstanden und im Bereich der Informationstechnologie gilt Berlin als Gründerzentrum Europas.

Im Vergleich zu internationalen Wissenschaftsstandorten wie Boston oder Zürich hat Berlin jedoch noch Luft nach oben. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sind zwar die zweithöchsten im Land, sie stammen aber überwiegend aus öffentlichen Mitteln. Was in Berlin fehlt, sind Unternehmen, die aus privatem Kapital Innovationen und Arbeitsplätze schaffen.

Vielfaltige Berliner Forschungslandschaft

In Berlin und seinem Umland finden sich Dutzende von Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Technologieparks. Keine andere deutsche Großstadt hat eine derart vielfältige Forschungslandschaft.

Leistungsschwacher Nachwuchs

Während die Hauptstadt in Forschung und Wissenschaft auf Kurs liegt, offenbart sie im Schul- und Ausbildungssystem massive Defizite. Zwar leistet sich die Hauptstadt bundesweit die vierthöchsten Bildungsausgaben pro Schüler, Erfolge bleiben jedoch weitgehend aus. Die Berliner Schüler schneiden in Leistungsvergleichstests generell schlechter ab als ihre Altersgenossen aus anderen Bundesländern. Ihre Leistungen sind zudem stark von der Herkunft ihrer Eltern geprägt. Beinahe jedes vierte einzuschulende Kind weist Sprachdefizite auf, besonders Kinder mit Migrationshintergrund haben schlechte Startbedingungen. Etwa jeder elfte Schüler bricht die Schule vorzeitig ab und zu viele Jugendliche erreichen keinen Berufsabschluss. Sie sind die Arbeitslosen und Geringverdiener von morgen.

Defizite der Berliner Bildungspolitik

Der Bildungsmonitor analysiert und vergleicht die Bildungspolitik der einzelnen Bundesländer anhand von 93 Indikatoren in zwölf Handlungsfeldern. Im Gesamtranking liegt Berlin auf dem letzten Platz. Berlins schlechtes Abschneiden spiegelt sich in den mangelhaften Ergebnissen bei standardisierten Tests wie dem IQB-Ländervergleich wider.

Stärken stärken und Schwächen schwächen

Berlin muss deshalb deutlich größere Anstrengungen unternehmen, um die Defizite in der Bildungspolitik auszugleichen. Investitionen in die vorschulische Bildung und die gezielte Förderung leistungsschwacher Schüler, etwa durch Sprachunterricht, bringen nicht nur eine hohe volkswirtschaftliche Rendite, sondern sind auch der Schlüssel für mehr Bildungsgerechtigkeit. Gute Kinderbetreuung und leistungsstarke Schulen sind zudem ein positiver Standortfaktor im Wettbewerb um jene Fachkräfte, auf die der Wissenschaftsstandort Berlin nicht verzichten kann.

Für Interviewanfragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Dr. Reiner Klingholz, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, klingholz[at]berlin-institut.org, Tel. 030-31 01 75 60

Dr. Daniel Müller-Jentsch, Avenir Suisse, daniel.mueller-jentsch[at]avenir-suisse.ch Tel. 0041-79-3656305

Klemens Maget, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, maget[at]berlin-institut.org, Tel. 030-31 01 68 35

Die Studie steht Ihnen gratis als Download zur Verfügung unter:
http://www.berlin-institut.org/index.php?id=1098

 

In eigener Sache
Veranstaltungshinweis: „Engagiert für die Kommune von morgen“

Um in Zeiten des demografischen Wandels das gesellschaftliche Gefüge zusammenzuhalten, werden große Hoffnungen in das Engagement Älterer gesetzt. Was ist schon heute der Beitrag der Generation 60+, um das Zusammenleben im demografischen Wandel zu stärken? Was zeichnet das Engagement 60+ in Deutschland in Zukunft aus? Was sind die Erfolgsfaktoren und Konzepte für ein starkes Engagement von Älteren in Gemeinden und Städten? Diesen Themen widmet sich das sechste Symposium in der Reihe „Potenziale des Alters“ (http://www.koerber-stiftung.de/gesellschaft/potenziale-des-alters/symposium-2015.html) der Körber-Stiftung, das am 19. und 20. November 2015 in Hamburg stattfindet.

Das Berlin-Institut hat die Körber-Stiftung bei der Recherche internationaler Good-Practice-Beispiele unterstützt. Vier Projekte aus Großbritannien, Irland, Slowenien und der Schweiz zeigen, wie vielfältig Ältere sich mit ihren Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen und das soziale Miteinander stärken können – ob vor der eigenen Haustür oder landesweit, ob für sich oder für andere, ob innerhalb oder zwischen den Generationen. Kurzporträts der vier inspirierenden Projekte finden Sie hier:

Ältere für Ältere, Slowenien: Aufsuchende Hilfe – Vertrauen dank Gleichaltrigkeit
http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Mediathek/AeltereFuerAeltere-Sloweninen.pdf

Fáilte Isteach, Irland: Besser als Bingo – Alltagsenglisch mit Einwanderern üben
http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Mediathek/FailteIsteach-Irland.pdf

LinkAge Bristol, Großbritannien: Engagement macht Freude, Ehrenamt macht Angst
http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Mediathek/LinkAge-Bristol.pdf

Zeitvorsorge St. Gallen, Schweiz: Zeit haben für Betagte, Zeit sammeln für sich
http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Mediathek/Zeitvorsorge-StGallen.pdf



Ausgabe 191, 16.11.2015

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