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Kinder - nein Danke!
In Deutschland wünschen sich immer mehr
Menschen ein Leben ohne Nachwuchs Jeder
vierte Mann und jede siebte Frau in Deutschland wollen keine Familie
gründen. Was die Deutschen zu dieser Einstellung bewegt und wo
Familienpolitik überhaupt noch ansetzen kann, zeigt eine neue Studie
des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) im Auftrag
der Robert Bosch Stiftung. Die Untersuchung Kinderwünsche in Deutschland Konsequenzen für
eine nachhaltige Familienpolitik basiert vor allem auf dem Generations
Gender Survey (2005), einer Befragung des BiB von 10.000 Teilnehmern, davon
gut die Hälfte im Alter von 20 bis 49 Jahren.
Demnach sind in keinem anderen der untersuchten europäischen
Länder Kinder so wenig erwünscht wie in Deutschland: Eine Frau
hätte statistisch gesehen gerne 1,75 Kinder, ein Mann nur 1,59. In
den neuen Bundesländern ist der Kinderwunsch tendenziell etwas
höher. Tatsächlich wurden im Jahr 2004 1,37 Kinder pro Frau
geboren. Damit die Bevölkerung in Deutschland langfristig stabil
bleibt, müssten es 2,1 sein. Mit Hilfe von 200.000 Einwanderern im
Jahr würden auch 1,7 Kinder ausreichen, wie ein Gutachten des
Bundesfamilienministeriums besagt. Das entspräche genau der von
Frauen gewünschten Ziffer.
Wunsch und Wirklichkeit 
Die Wunschkinderzahl liegt in Deutschland niedriger als in
anderen europäischen Ländern. Besonders stark sind die
Abweichungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit in den osteuropäischen
Ländern ein Zeichen dafür, dass die dortigen Lebenssituation
eher familienfeindlich ist. Wo sowohl die Wunsch- wie auch die
tatsächlichen Kinderzahl vergleichsweise hoch liegen, in Finnland und
den Niederlanden, dürften die familienpolitischen Rahmenbedingungen am
besten sein. Was hindert also die Menschen, sich
ihre Wünsche nach Familie zu erfüllen? Und warum wollen viele
gar keine Kinder?
Ob sich jemand für oder gegen Kinder entscheidet, hat viele schwer
messbare Ursachen. Erfragt wurden finanzielle wie auch emotionale
Überlegungen. Dabei hat sich in den vergangenen Jahren vor allem die
sozial-emotionale Einstellung zu Kindern verändert: Eltern zu werden
ist für viele Menschen nur noch eine unter zahlreichen
Möglichkeiten, dem Leben einen Sinn zu verleihen oder sich selbst
eine Lebensaufgabe zu stellen. So glaubt weniger als die Hälfte aller
Kinderlosen, dass ein Kind ihre Lebensfreude steigern würde. Bei den
Eltern glaubt nur jeder vierte, ein zweites Kind, und jeder achte, ein
drittes Kind würde zum Quell zusätzlicher Freude. Die meisten
erwarten überhaupt keine Veränderung ihrer persönlichen
Zufriedenheit. Ähnlich wird die Auswirkung von Nachwuchs auf die
Qualität der Partnerschaft beurteilt. Dass ein Kind zu einem
erfüllten Frauenleben dazugehört, glaubten 1990 noch zwei
Drittel aller Befragten, heute ist es weniger als ein Drittel. Bei einem
Männerleben verhält es sich ähnlich. Auch die Angst vor
Einsamkeit im Alter ist für die meisten kein Grund, Kinder zu
bekommen. Insgesamt haben sich 37 Prozent der Kinderlosen und 85 Prozent
der Eltern definitiv gegen (weitere) Kinder entschieden.
Kaum Zugewinn an Lebensfreude durch mehr Kinder 
Für fast die Hälfte aller Kinderlosen würde
das Leben durch Nachwuchs bereichert. Doch fast genauso vielen ist es egal,
ob Kinder in ihrem Leben auftauchen. Wer Kinder hat, findet das Leben schon
bereichert. Aber mehr davon müssen es nicht unbedingt sein. Trotz der gesellschaftlichen Toleranz für
unterschiedliche Formen des familiären Zusammenlebens beherrscht die
traditionelle Kernfamilie die Vorstellung potenzieller Eltern: 81 Prozent
der Männer und 71 Prozent der Frauen finden es unerlässlich,
dass Kinder mit beiden Elternteilen aufwachsen. 73 Prozent der Männer
und 61 Prozent der Frauen machen eine stabile Partnerschaft zur
Voraussetzung. Ebenso wichtig erscheint den Befragten die materielle
Absicherung: Mindestens ein Elternteil sollte einen festen Arbeitsplatz
haben.
Dieses Ideal ist besonders für Frauen schwer zu verwirklichen denn
zwei von drei Frauen glauben, als Mutter schlechtere Chancen auf dem
Arbeitsmarkt zu haben. Außerdem befürchten mehr Frauen als
Männer, sich mit Kind finanziell einschränken zu müssen.
Denn meist sind sie diejenigen, die das eigene Einkommen verlieren. Auch
vermuten immer noch mehr Mütter als Väter, nach einer weiteren
Geburt nicht mehr so viel Zeit für sich selbst zu haben. Männer
erwarten hingegen keinen Unterschied in der persönlichen Freiheit,
wenn sie Kind oder mehrere haben. Dies ist ein Zeichen dafür, dass in
Deutschland die Lasten innerhalb einer Familie nach wie vor ungleich
verteilt sind.
Die vielfältigen Sorgen, die potenzielle Eltern davon abhalten,
Kinder in die Welt zu setzen, unterscheiden sich in ihrer Gewichtung je
nach sozialem und wirtschaftlichem Hintergrund der Familien. Während
fast alle gern mehr Möglichkeiten hätten, ihre Zeit flexibler
einzuteilen, ist für kinderreiche Familien und für Eltern mit
Hauptschul- oder ganz ohne Abschluss finanzielle Unterstützung
wichtiger als ein gutes Betreuungsangebot. Für höher
Qualifizierte oder Familien mit weniger Kindern haben Kindergarten- und
Hortplätze dagegen einen höheren Stellenwert. Auch die oft
berufstätigen Mütter in Ostdeutschland wünschen sich
bessere Betreuung in den ersten Lebensjahren ein Wunsch der nicht ganz
die Wirklichkeit widerspiegelt: Denn in den neuen Bundesländern gibt
es praktisch flächendeckende Betreuungsmöglichkeiten auch
für Kleinkinder. Allein Erziehende wünschen sich in allen
Bereichen mehr Unterstützung.
Als besonders wichtig, aber auch stressgefüllt erleben viele junge
Menschen die Zeit zwischen Mitte zwanzig und Anfang dreißig. In
diese Rush hour des Lebens fällt oft der Abschluss der Ausbildung
und der Start in den Beruf. Dann denken die meisten auch über Kinder
nach. Die Erfahrung zeigt, dass diejenigen, die sich bis Ende
dreißig nicht für Kinder entschieden hat, es später
wahrscheinlich auch nicht mehr tun werden. Da Kinder für viele erst
bei einem gesicherten Einkommen und einer stabilen Partnerschaft in Frage
kommen, konzentrieren sie sich zunächst auf die Karriere. Dabei fehlt
dann oft sogar die Zeit, einen passenden Partner zu finden.
Familienpolitische Maßnahmen könnten helfen, Ausbildungs- und
Arbeitszeiten zu verkürzen, um Druck aus der Rush Hour zu nehmen.
In jungen Jahren ist Familie kein Thema 
Ende zwanzig beschäftigen sich die meisten Menschen
mit der Frage: Wollen wir eigentlich Kinder? Ab Mitte dreißig
haben sich die meisten bereits entschieden immer häufiger gegen
Kinder. Männer kommen generell später auf den Gedanken der
Familiengründung. Trotz solcher Ansätze
machen es gesellschaftliche Konventionen und verbreitete Meinungen
berufstätigen Müttern nicht leicht: Besonders in den alten
Bundesländern meinen viele, Familie und Beruf seien nicht unter einen
Hut zu kriegen. So denken 43 Prozent der Westdeutschen, dass ein Kind im
Vorschulalter darunter leidet, wenn die Mutter arbeitet. Im Osten sind nur
23 Prozent dieser Ansicht. Der dreijährige Erziehungsurlaub
genießt im Westen einen besseren Ruf als im Osten. Hausfrauenarbeit
wird im Westen von mehr Befragten als genauso erfüllend angesehen wie
Erwerbstätigkeit. Dennoch herrscht in Ost wie West ein großer
Widerspruch zwischen den gewünschten und den tatsächlichen
Arbeitsverhältnissen. In 67 Prozent der Ost-Familien mit kleinen
Kindern geht ein Partner arbeiten, der andere bleibt zuhause. Zufrieden
sind damit nur vier Prozent. Im Westen wünschen sich 14 Prozent diese
klassische Rollenaufteilung, sie ist aber nur für 77 Prozent der
Familien die Realität.
Was sollte angesichts dieser Umfrageergebnisse an den familienpolitischen
Rahmenbedingungen verändert werden? Da kaum Studien zur Wirksamkeit
einzelner Maßnahmen vorliegen, bieten Ländervergleiche
Anhaltspunkte für Verbesserungen (siehe auch: Emanzipation oder Kindergeld?). In der Untersuchung
des Berlin-Instituts zeigt sich, dass die Geburtenraten tendenziell dort
am höchsten liegen, wo die Gleichstellung der Geschlechter am
weitesten fortgeschritten ist. Wo beide Elternteile etwa gleich viel
verdienen und sich die Kinderbetreuung teilen. Wo Frauen wie Männer
berufstätig sein könne, ohne auf Familie verzichten zu
müssen. Deshalb sollten vor allem Frauen darin gefördert werden,
Job und Mutterschaft vereinen zu können. Essentiell sind dabei das
Angebot von Ganztagsbetreuung und die Förderung flexibler
Arbeitszeiten. Die Familienpolitik sollte laut Empfehlung der
Robert-Bosch-Studie eng mit den Ressorts Wirtschaft und Steuerpolitik
zusammenarbeiten und Arbeitgeber sowie Gewerkschaften motivieren, flexible
Arbeitszeitmodelle auszuarbeiten und umzusetzen. Nicht zuletzt muss im
Sinne der partnerschaftlichen Aufteilung der Erziehungsarbeit das
Engagement der Väter durch Anreize unterstützt werden. Dem
schwedischen Modell folgend könnte ein Teil der Elternzeit nur
für Väter reserviert werden.
Welches Potenzial eine moderne Familienpolitik hat, zeigt sich bei der
Frage nach den konkreten Auswirkungen bestimmter Maßnahmen auf das
Leben der Menschen. Vier von fünf gaben an, dass es ihnen bei der
entsprechenden Politik leichter fiele, einen Kinderwunsch zu
verwirklichen. Jeder fünfte von denen, die sich gegen Kinder
entschieden hatten, gab an, es sich unter bestimmten Umständen noch
einmal anders zu überlegen. Weniger empfänglich für
verbesserte Rahmenbedingungen sind junge Menschen in der Ausbildung,
besonders gut empfänglich wären höher Qualifizierte und
solche mit bereits einem Kind.
Das optimistische Fazit der Untersuchung: Politische Maßnahmen
können helfen, vorhandene Kinderwünsche zu erfüllen und die
Entscheidung gegen Kinder noch einmal zu überdenken.
Zur Studie: Kinderwünsche in Deutschland
Konsequenzen für eine nachhaltige Familienpolitik
Mehr zum Thema Familienpolitik:
ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
"Berlin-Institut" 
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Englisch verliert als Weltsprache an Bedeutung
Immer mehr Menschen sprechen Chinesisch,
Arabisch oder Spanisch Englisch wird nicht
die einzige Weltsprache bleiben. Das ergaben Studien des britischen
Sprachforschers David Graddol. Zwar ist die Zahl der Menschen, die
weltweit Englisch lernen, in den vergangenen Jahren rapide angestiegen.
Mittlerweile sprechen in Indien schon mehr Menschen englisch als in
Großbritannien und den USA zusammen. Doch es gibt immer weniger
Personen, die Englisch als Muttersprache beherrschen. Dies ist aber
wichtig für das Funktionieren einer Weltsprache, weil diese Menschen
über Literatur, Film, Nachrichtensendungen und Lehrmaterial Standards
setzen.
Graddol gibt auch einen Ausblick auf das sich ändernde
Sprachengemenge der Welt: Unterhielten sich 1950 noch neun Prozent aller
Erdenbürger auf Englisch, werden es bis 2050 voraussichtlich nur noch
fünf Prozent sein. Genau so viele werden dann spanisch und arabisch
sprechen. Etwa sechs Prozent werden Hindi und mehr als doppelt so viele
Chinesisch als Muttersprache haben. Ein Hauptgrund für die massive
Verschiebung liegt in der Bevölkerungsentwicklung: Mit dem
demografischen Wachstum Chinas und Indiens, der arabischen und der
spanischen Welt können die Angelsachsen nicht mithalten.
Bevölkerungsentwicklung verändert die Weltsprachen

Unter den Hauptsprachen der Welt wird vor allem Arabisch
an Bedeutung gewinnen - weil die Bevölkerung in den entsprechenden
Ländern am stärksten wächst. Chinesisch in all seinen
Dialekten und Varianten - ist und bleibt die mit Abstand häufigste
Sprache. Am schnellsten wächst derzeit die
Bevölkerung der arabischen Länder. Sie wird demografisch
gesprochen - auch in einem halben Jahrhundert noch die Form einer Pyramide
haben weil in arabischsprachigen Ländern die Geburtenraten so hoch
liegen, dass stets größere Kohorten junger Menschen
nachwachsen. Die Generation junger Araber, die jetzt aufwächst,
bestimmt die Zukunft der Weltsprache Arabisch, schreibt Graddol in seiner
aktuellen Studie English Next. Heute unterscheidet sich das gesprochene
Arabisch vieler Regionen noch stark voneinander. Doch die Verbreitung
arabischer Medien wie des Fernsehsenders Al Dschasira wird nach Graddols
Einschätzung dafür sorgen, dass die Sprache einheitlicher wird.
Arabisch hat also gute Aussichten, an internationaler Bedeutung zu
gewinnen.
Chinesisch hat von allen Sprachen die meisten Sprecher. Innerhalb Chinas
gibt es viele Dialekte, doch Mandarin hat sich als für alle
verständliche Sprache durchgesetzt und breitet sich jetzt auch auf
südostasiatische Nachbarländer aus. Aufgrund des raschen
Wirtschaftswachstums der Volksrepublik wird es für Mitarbeiter von
Firmen und Organisationen der ganzen Welt immer wichtiger, auch Mandarin
zu sprechen. Aus derzeit 30 Millionen Sprechern sollen nach
Einschätzung der chinesischen Regierung innerhalb der nächsten
Jahre 100 Millionen werden. Die chinesische Regierung unterstützt das
weltweit wachsende Interesse an der Sprache aktiv mit dem 2004
gegründeten Netzwerk Confucius Institutes. Nach deren
Schätzungen soll die Zahl international der Mandarin-Lernenden in den
nächsten Jahren von 30 Millionen auf 100 Millionen ansteigen.
Spanisch ist heute für ebenso viele Menschen die Muttersprache wie
Englisch. In den USA spricht mittlerweile ein Fünftel der
Bevölkerung zuhause Spanisch. Dieses Ergebnis einer Volksbefragung
aus dem Jahr 2000 veranlasste den US-Senat im Mai dieses Jahres, eine
Resolution zum Schutz und zur Förderung von Englisch als
Nationalsprache zu verabschieden. Sowohl in den Vereinigten Staaten wie
auch in Südamerika gewinnt Spanisch an wirtschaftlicher Bedeutung.
Das brasilianische Schulsystem stellt sich darauf ein: Seit Juli 2005
müssen alle Schüler in Brasilien neben der Erstsprache
Portugiesisch auch Spanisch lernen.
Chinesisch auf dem Vormarsch im Internet 
Englisch war nicht nur die erste sondern lange auch die
dominierende Sprache im Internet. Aber seit immer mehr Menschen auch in
den Schwellenländern Zugang zum Netz haben, verliert das Englische an
Bedeutung. Vor allem Chinesisch breitet sich rapide aus. Ein zusätzlicher Faktor für die Bedeutung der
künftigen Weltsprachen ist die Migration: Alternde Gesellschaften wie
die deutsche brauchen junge ausländische Arbeitskräfte, um den
Mangel an Menschen im arbeitsfähigen Alter auszugleichen. Die jungen
Zuwanderer stammen meist aus Ländern, in denen die Bevölkerung
noch wächst. Sie verändern nicht nur das Sprachgefüge in
den Zielländern, sondern auch in ihrer Heimat. Denn wer später
dorthin zurückkehrt, bringt Sprachkenntnisse und Kontakte mit, welche
auch die Verhältnisse im Heimatland verändern.
In der wirtschaftlichen Entwicklung der Schwellenländer machen
kommunikationsintensive Dienstleistungen einen immer größeren
Anteil der Exporte aus. Der Trend ist klar, schreibt Graddol: Sobald es
irgendeine Dienstleistung gibt, die nicht an einen Standort gebunden ist,
wird sie dorthin ausgelagert, wo die Löhne billiger sind. So nehmen
kalifornische Kinder Nachhilfeunterricht in Indien, Fast Food Restaurants
in Amerika lassen ihre Bestellungen von indischen Call Centers
entgegennehmen natürlich auf Englisch.
In der globalisierten Arbeitswelt ist Englisch zu sprechen nicht mehr ein
Attribut der Elite, sondern oft die einzige Möglichkeit, mit Kollegen
und Kunden zu kommunizieren. Die Zukunft liegt in der Mehrsprachigkeit,
meint Graddol. Und ermahnt seine Landsleute, Fremdsprachen zu lernen.
Welche Sprachen wirtschaftlich wichtig werden, bestimmt der Markt. Dabei
richten sich Anbieter nach den Konsumenten. Und die gibt es in Zukunft vor
allem in China: Das nächste Muss ist Mandarin, sagt Graddol. Jetzt
reagiert das erste britische College und macht die chinesische Sprache ab
sofort zum Pflichtfach für alle 13- bis 18-jährigen
Schüler.
Besonders deutlich werden die Veränderungen der Sprachlandschaft im
Internet. Dieses Medium verbreitet nicht nur die Sprache, es
verändert sie auch. Diasporisch verstreut lebende
Bevölkerungsgruppen halten über Internet und Emails Kontakt zu
ihrer Kultur. Und dabei verliert die englische Sprache seit einigen Jahren
rapide an Bedeutung. Vor sechs Jahren war noch mehr als die Hälfte
aller Internetinhalte in englischer Sprache, vor einem Jahr waren es nur
noch 32 Prozent. Chinesisch hat seine Präsenz von 5,4 auf 13 Prozent
mehr als verdoppelt.
Auch im Fernsehen verliert Englisch an Einfluss. Jahrzehntelang gaben
englischsprachige Sender wie BBC und CNN den Ton in der internationalen
Berichterstattung an. Doch seit einigen Jahren wächst die
internationale Konkurrenz: 1996 wurde mit Al Dschasira in Katar der
erste internationale arabische Nachrichtensender gegründet. Es
folgten Al Arabija in Dubai (2003) und Al Hurra in Washington (2004).
Mit der Verbreitung neuer Technologien bekommt die englische Sprache nicht
nur immer mehr internationale Konkurrenz, sondern sie verändert sich
auch. In welche Richtung, lässt sich erahnen: In E-Mails, Blogs und
SMS kann jeder schreiben wie er will wobei sich eine einfache,
informelle Sprache als besonders effizient erweist. Dadurch wird die
Sprache destandardisiert, die Grammatik vereinfacht. Der Wortschatz wird
durch Neuschöpfungen und Slangausdrücke größer.
Dem Siegeszug der neuen Weltsprachen steht das Aussterben vieler kleiner,
regionaler Sprachen gegenüber: Wir verlieren heute täglich eine
Sprache, schreibt Graddol. Noch gibt es etwa 6000 Sprachen, in 45 Jahren
sind davon, wenn sich der Trend fortsetzt, nur noch 600 übrig. Eine
Hoffnung bleibt für den Sprachforscher: In den urbanen Schmelztiegeln
könnten über Subkulturen und deren Slangs regelrechte neue
Sprachen entstehen und für neue Vielfalt sorgen.
Denn die englische Sprache ist längst nicht mehr nur ein Mittel der
globalen Verständigung. In vielen Ländern, die früher zum
Commonwealth gehörten, hat sich Englisch zur individuellen
Nationalsprache mit eigenen Ausdrücken und Einsprengseln von
Lokalsprachen entwickelt. Der britische Linguist David Crystal vermutet,
dass sich solche Lokalformen des Englischen zu neuen Sprachen entwickeln.
Obwohl auch Crystal davon ausgeht, dass es in Zukunft normal sein wird,
mehrere Sprachen zu sprechen, glaubt er, anders als David Graddol, nicht,
dass Englisch an Bedeutung verliert, sondern sie sich lediglich
verändern wird. Wer viele Sprachen spreche, müsse diese nicht
perfekt beherrschen, sondern so, wie es die Situation erfordert, so
Crystal. Weil es heute schon in zahlreichen mehrsprachigen Ländern
üblich sei, auf dem Markt eine andere Sprache zu sprechen als
zuhause, bei der Arbeit, in der Schule, Universität oder Kirche,
werde es in Zukunft nicht darauf ankommen, jedes einzelne Wort einer
Sprache zu beherrschen, um effizient mehrsprachig kommunizieren zu
können.
Quellen:
David Crystal: The Language Revolution. Policy Press, 2004
David Graddol: English Next. British Council, 2006
David Graddol: The Future of Language. In: Science, Vol. 303, 27.Februar
2004
David Graddol: The Future of English? British Council, 1997,2000
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