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Falsch gepaart
Liegt ein Schlüssel zur Demografie in den
Genen? Ob Frauen Kinder kriegen, ist offenbar nicht allein eine Frage der
gesellschaftlichen Umstände. Wann, mit wem und wieviel Nachwuchs sie
bekommen, wird auch durch ihr evolutionäres Erbe bestimmt - und durch
die hormonelle Verfassung, in der sie sich befinden. Forschungen der Evolutionspsychologin Martie Haselton von der
University of California in Los Angeles legen nahe: Die weibliche
Entscheidung für Nachwuchs wird unter anderem von Jahrmillionen alten
unbewussten Faktoren gesteuert, die in unserer evolutionären
Vergangenheit geformt wurden. Viele heimliche Kriterien für die
Partnerwahl sind kaum bekannt. Diese archaischen Instinkte könnten
jedoch mit kulturellen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten in modernen
Industriegesellschaften kollidieren.
Wie subtil viele tief im menschlichen Stammbaum verankerte Vorlieben die
weibliche Sexualität prägen, konnte Haselton in ihrer
jüngsten Veröffentlichung zeigen. Die Psychologin fand heraus:
Ohne es zu wissen, signalisieren Frauen an ihren fruchtbarsten Tagen
eindeutig Paarungsbereitschaft. Sie kleiden sich schicker, legen mehr Rouge
auf, gehen öfter aus - und flirten häufiger mit anderen
Männern als mit ihrem festen Partner.
Diese Befunde stellen eine lang gehegte Theorie auf den Kopf: Bisher
dachten die Forscher, dass man Frauen ihre Fruchtbarkeit nicht ansehen
könne - anders als etwa bei Affenweibchen, die mit ihren deutlichen
Genitalschwellungen auf sich aufmerksam machen. Nun glauben die
Wissenschaftler, sich auch die menschlichen Paarungssignale mit der so
genannten Gute-Gene-Hypothese erklären zu können:
Primaten-Weibchen (zu denen auch die der Spezies Homo sapiens
gehören), die in einer geschützten Zweierbeziehung leben,
können mit einem Seitensprung zur richtigen Zeit das Erbgut
flatterhafter, aber besonders viriler Partner auf ihre eigenen Kind
übertragen.
Hinter dieser Taktik verbirgt sich ein biologischer Trick: Während
Partner, die sich durch gute soziale Eigenschaften auszeichnen, als gute
Väter begehrt sind, weil sie für Verlässlichkeit, für
Schutz und Nahrung sorgen, taugen jene Männer, die für
Evolutionspsychologen besonders erfolgreiches Erbgut signalisieren -
kantiges Kinn, symmetrisches Gesicht, tiefe Stimme - eher als kurzfristige
Partner.
Weil die Partner mit "Guten Genen" von vielen Konkurrentinnen begehrt
sind, können sie schon rein quantitativ nicht alle als netter Papi
dienen. Das tut dann jener, zuverlässige aber genetisch eher glanzlose
Mann, dem derartige Kuckuckskinder untergejubelt werden.
Zu diesem Bild passt: Frauen in festen Beziehungen sehnen sich am Gipfel
der Fruchtbarkeit vermehrt nach Partnern mit Macho-Eigenschaften. Solche
Merkmale sind zur Zeit des Eissprungs auch dann attraktiv, wenn die
getesteten Frauen normalerweise auf derartige Tarzan-Symbole eher hinab
sehen. Doch die Verlockungen fremder Gene sind so subtil, dass auch
anspruchsvolle Frauen messbar nachgeben: "Frauen am Gipfel ihres Zyklus
haben eine Vorliebe für intelligente, kreative, aber unstete Typen",
hat Haselton herausgefunden. "In anderen Phasen ihrer Periode mögen
sie eher solide Versorger".
Kriterien, die in unserer fernen Vergangenheit ihren Nutzen hatten, sind
auch im heutigen Leben weiter im Spiel - freilich verdeckt. Schon
länger bekannt ist etwa, dass sich Partner mit unterschiedlichen
Immunsystemen anziehen - vermutlich, weil eine solche Mischung gesunde
Nachkommen wahrscheinlicher macht. Solche Attraktivität können
wir zwar nicht bewusst erfassen. Aber wir erkennen - intuitiv - am Geruch,
wie ähnlich das Immunsystem eines potenziellen Partners dem unseren
ist. Die unerklärliche und blitzartige Anziehung zwischen zwei
Menschen geht durch die Nase. Auch die Tage um den Eisprung können
Männer erschnuppern. Testpersonen bewerteten den Körpergeruch von
Frauen während der Ovulation als besonders attraktiv.
"Für wen wir dahinschmelzen, wird von einer ganzen Reihe Faktoren
bestimmt, von denen uns einige bewusst sind, andere nicht", sagt Haselton.
Aber all diese Faktoren - das vergessen wir heute oft - stehen im Dienste
eines evolutionären Zieles: Kinder zu kriegen. Was Menschen als
Attraktivität erleben, ist in vieler Hinsicht, so zeigen Haseltons
Untersuchungen, ein maskierter Kinderwunsch. Hier liegt der springende
Punkt: Genau diese archaischen, aber sensiblen psychologischen Mechanismen
setzt unsere Zivilisation häufig außer Kraft.
Dazu trägt besonders die Pille bei, die über 80 Prozent der
deutschen Frauen zur Verhütung bevorzugen. Die Pille polt nachweislich
die Geruchssignale möglicher Partner um - und bringt in einem
verhängnisvollen coup de foudre immunologisch gesehen genau die
Falschen zusammen, die sich ohne Hormontabletten kaum finden würden.
"Frauen, die mit der Pille verhüten, riskieren es, einen Mann zu
wählen, der genetisch nicht mit ihnen harmoniert", sagt Haselton.
Probleme tauchen möglicherweise dann auf, wenn sie das
Verhütungsmittel absetzen und Nachkommen planen: Plötzlich fehlen
die unbewussten Impulse zur Familienplanung. Wenn der Partner immunologisch
nicht passt, bleibt der Kinderwunsch möglicherweise aus - trotz
Ganztagsbetreuungsangebot und Elterngeld.
Leben in Deutschland - dessen Frauen wie in kaum einer zweiten Nation zur
Kontrazeption die Pille favorisieren - Millionen von Paaren zusammen, die
auf einer elementaren biologischen Ebene nicht optimal aufeinander
eingestellt sind? Es ist jedenfalls denkbar - wenn auch experimentell und
statistisch nicht belegt - dass die Konsequenzen der Anti-Baby-Pille
über die reine Empfängnisverhütung hinausgehen. Sie
könnten nicht nur die Biologie, sondern auch die Psychologie der
Fruchtbarkeit verändern und so ein Klima der seelischen Verhütung
schaffen, in dem viele Paare Kinder intuitiv nicht wollen - auch wenn sie
sich selbst nicht erklären können, warum.
Haseltons Forschungen unterstreichen, wie komplex die Psychologie der
menschlichen Fortpflanzung ist. Ihre Erkenntnisse machen deutlich, warum es
so schwer sein kann, Unterschiede in der Fruchtbarkeitsrate einzelner
Länder wie Deutschland und Frankreich zu erklären, die zwar alle
einen ähnlichen Lebensstandard haben, aber doch alle auch
unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten, Traditionen und Rollenbilder.
Die Brisanz von Haseltons Ergebnissen und denen anderer Forscher zeigt:
Unsere emotionale Seite wird von Sozialwissenschaftlern bis heute zu wenig
in Rechnung gestellt.
Gerade hier schlummern aber möglicherweise Lösungen für
hartnäckige Probleme. So ließe sich vermuten, dass die
schwankende Präferenz für bestimmte Rollenbilder während des
weiblichen Zyklus mit wichtigen Bedürfnissen und Selbstbildern einer
modernen Frau kollidiert - und dass auch ein solches Dilemma den
Kinderwunsch unbewusst einschränken könnte. Ungeahnte - und
politisch nicht korrekte Zusammenhänge eröffnen sich: Selbst die
in der deutschen Gesellschaft noch in Teilen übliche Abwertung von
Frauen, die sich attraktiv kleiden, könnte Konsequenzen für die
nationale Fertilität haben.
"Einen Partner zu wählen ist die folgenreichste Entscheidung unseres
Lebens", sagt Martie Haselton. "Und doch sind wir mit ihr oft unzufrieden".
Für die modernen westlichen Gesellschaften könnte sich nicht nur
ein emotionales Dilemma dahinter verbergen - sondern auch ein
demografisches.
Quellen:
Buss et al. (1998): Adaptations, Exaptations, and Spandrels. American
Psychologist 53 (5): 533-548.
Haselton, M. G. (2006): Sexual attraction: the magic formula. Times
Online, 28. Mai.
Haselton, M. G.; Miller, G. M. (2004): Fertility favors Creative
intelligence. In preparation (online unter
http://www.sscnet.ucla.edu/comm/haselton/webdocs/haseltonmiller.pdf).
Haselton, M.G.; Gangestad, S. W. (2006): Conditional expression of
womens's desires and men's mate guarding across the ovulatory cycle.
Hormones and Behavior 49: 509-518.
Haselton, M.G. et al. (2007): Ovulatory shifts in human female
ornamentation: Near ovulation, women dress to impress. Hormones and
Behavior 51(1): 40-45.
Pillsworth, E. G.; Haselton, M. G.; Buss, D. M. (2004): Ovulatory shifts
in female sexual desire. J Sex Res 41(1): 55-65.
Für Nachfragen und Interviews steht Dr. Andreas Weber unter
0170-8118492 zur Verfügung.

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Familienförderung in Italien
Italien - das einst so kinderreiche Land
altert. Was tut die Familienpolitik, um dies zu
ändern? Italien hat eine der niedrigsten
Geburtenraten weltweit. Nur 1,34 Kinder bringen die italienischen Frauen im
Durchschnitt zur Welt. Angesichts des traditionell hohen Stellenwertes von
Familie und Kindern in Italien wirkt es befremdlich, dass gerade hier so
wenige Geburten zu verzeichnen sind.
Wie lässt sich das erklären?
Aufschluss darüber gibt ein Blick auf die Familienpolitik, die in
Italien gewisse Besonderheiten aufweist: Nur 3,8 Prozent der Sozialausgaben
werden für den Bereich Familie verwendet. Im Vergleich dazu geben die
europäischen Länder 8,2 Prozent aus. Als Anteil am
Bruttoinlandsprodukt nehmen die Ausgaben für Familien in Italien nicht
einmal ein Prozent ein. Abgesehen von Spanien ist Italien darüber
hinaus das einzige Land Europas, das kein universelles System der
Kindergeldzahlungen besitzt.
Die Kinderzahl je Frau in Italien von 1950 bis 2005

Quelle: Eurostat 2006
Die Fertilitätsrate in Italien sinkt seit 1965. Im Jahr 1995
erzielt sie ihr historisches Tief von 1,19 Kindern pro Frau. Seitdem steigt
sie wieder leicht an. Allerdings ist diese Erholung nicht für
Gesamtitalien kennzeichnend, sondern nur für die norditalienischen
Regionen. Im Süden sinkt die Geburtenrate weiterhin. In Gesamtitalien
erreicht sie im Jahr 2005 einen Wert von 1,34 Kindern pro Frau, der
deutlich unter dem bestandserhaltenden Wert von 2,1 Kindern pro Frau
liegt.
Zentraler Bestandteil der italienischen Familienpolitik ist der assegno
per il nucleo familiare, eine Beihilfe für die Kernfamilie, die sich
nach der Höhe des Familieneinkommens und der Anzahl der von diesem
Einkommen abhängigen Personen richtet. Bei wenigen Familienmitgliedern
und bei steigendem Einkommen sinken die Leistungen. Ab einer bestimmten
Einkommensgrenze werden überhaupt keine Gelder mehr bezogen.
Um den nucleo familiare, die Kernfamilie, zu bestimmen, zählt man den
Antragssteller, den Ehepartner (wenn er nicht gesetzlich geschieden ist),
die Kinder unter 18 Jahren sowie die Kinder über 18, wenn sie
behindert und nicht arbeitsfähig sind. Dies gilt für alle diese
Personen unabhängig davon, ob sie mit dem Antragsteller zusammen leben
oder nicht. Ausgeschlossen sind die volljährigen Kinder, auch wenn sie
im gleichen Haushalt leben (Studenten, Arbeitslose oder junge Menschen auf
der Suche nach der ersten Arbeit). Alleinerziehenden, Geschiedenen oder
Ledigen mit minderjährigen oder behinderten Kindern werden höhere
Einkommensgrenzen einberaumt. Langzeitarbeitslose und Selbstständige
haben keinen Anspruch auf Zahlungen.
Die Beihilfe wird anhand eines Schlüssels berechnet, der jedes Jahr
zum 1. Juli
entsprechend der Preisentwicklung aktualisiert wird. Aufgrund der
Einkommensbescheide erhalten die bezugsberechtigten Familien dann im
darauffolgenden Berechnungszeitraum den ihnen zustehenden monatlichen
Betrag.
1999 wurden zwei weitere Beihilfen eingeführt: der assegno per i
nuclei con almeno tre figli minori, eine Beihilfe für Familien mit
mindestens drei minderjährigen Kindern von 118,38 Euro monatlich
für einen Zeitraum von dreizehn Monaten und der assegno di
maternità, eine Mutterschaftsbeihilfe von 283,92 Euro monatlich
für fünf Monate. Aber auch diese richten sich sowohl nach der
Anzahl der Familienmitglieder, als auch nach dem Familieneinkommen. Auch
hier gilt: Nur Familien mit geringem Einkommen und vielen Kindern kommen in
den Genuss dieser Beihilfe.
Auch Steuererleichterungen werden auf der Basis des Haushaltseinkommens
und der Größe der Familie gewährt. Vom Familieneinkommen
abhängige Personen dürfen nur geringe eigene Einkünfte
haben, um bei der Steuerbemessung berücksichtigt zu werden. Kinder
werden hierbei bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres berücksichtigt,
auch wenn sie nicht im Haushalt der Eltern leben. Für Studenten
können bis zur Vollendung des 26. Lebensjahres Steuererleichterungen
bezogen werden. Für behinderte Kinder gelten steuerliche
Sonderregelungen.
Sowohl die Familienbeihilfen als auch die steuerlichen Entlastungen
richten sich in Italien nach dem Einkommen. Mit steigendem Einkommen sinkt
nicht nur der monatliche Betrag oder die monatliche Begünstigung. Es
sinkt vor allem die Wahrscheinlichkeit, überhaupt in deren Genuss zu
kommen. Diese Regelung ist problematisch, da so Einverdienerhaushalte und
einkommensschwache Personen bevorzugt werden. Familien mit mittlerem und
hohem Einkommen werden auf diese Art und Weise von den Zahlungen und
Vergünstigungen ausgeschlossen. Frauen werden nicht motiviert einer
Arbeit nachzugehen.
Auch bei der Kinderbetreuung werden in Italien massive Defizite deutlich.
Sie gilt als nicht zeitgemäß und wird noch immer mehr der
Familie als öffentlichen Einrichtungen zugeschrieben. Die asili nidi,
die Kinderkrippen, in denen die Kinder bis zum dritten Lebensjahr betreut
werden, erreichten im Jahr 2000 nicht einmal sechs Prozent der Kinder. Eine
bessere Abdeckungsquote mit fast 90 Prozent erreicht hingegen die scuola
materna, der Kindergarten oder die Vorschule, in der die drei- bis
fünfjährigen Kinder betreut werden. Allerdings existieren hier
starke regionale Unterschiede. Besuchen im Norden des Landes fast alle
Kinder die Vorschule, so sind es in den südlichen Regionen, vor allem
auf den Inseln Sardinien und Sizilien, gerade einmal 80 Prozent. Im Norden
sind die Vorschulen über acht Stunden am Tag geöffnet,
während auf den Inseln der größte Teil der Einrichtungen
nur vormittags öffnet.
Auch an dieser Stelle fallen die Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von
Beruf und Familie auf. Die Betreuung der Kleinstkinder kann nicht allein
der Familie überlassen werden. Auf diese Art und Weise werden
Mütter dazu gezwungen, für längere Zeit aus dem Berufsleben
auszusteigen, ein Umstand, der viele junge Menschen von der
Familiengründung abhält.
Eine kleinere, aber dennoch wichtige Erneuerung ergab sich im Bereich des
Elternschaftsurlaubes, den seit dem Jahr 2000 beide Elternteile
gleichzeitig in Anspruch nehmen können. Der so genannte fakultative
Elternurlaub kann in den ersten acht Lebensjahren des Kindes sowohl von der
Mutter als auch vom Vater genommen oder zwischen ihnen aufgeteilt werden.
Beide Elternteile zusammen können insgesamt elf, ein Elternteil allein
sechs Monate zu Hause bleiben. Erklärt sich auch der Vater bereit,
mindestens drei Monate Urlaub zu machen, kann die Mutter auch sieben Monate
Elternschaftsurlaub beanspruchen. Alleinstehenden steht es frei, zehn
Monate von der Arbeit fern zu bleiben. Selbstständige hingegen haben
nur die Möglichkeit, drei Monate im ersten Lebensjahr des Kindes zu
pausieren. Während dieser Zeit werden bis zu einer festgelegten
Einkommensgrenze 30 Prozent des Gehaltes gezahlt. Die Aufteilung des
Erziehungsurlaubs erleichtert so zumindest ansatzweise die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie für Frauen.
Ob die familienpolitischen Leistungen aber insgesamt in der Lage sind, die
gegenwärtigen demografischen Probleme zu lösen, ist fraglich. Die
Lösung scheint im Interesse der italienischen Politik zu sein, denn im
Jahr 2006 wurde ein eigenes Familienressort geschaffen, das sich nun
konkret um die Probleme der Familien und um eine bessere Vereinbarkeit von
Familie und Beruf kümmern soll. Künftiges Ziel ist eine
Betragserhöhung der Familienbeihilfe. Außerdem sollen die
Steuererleichterungen in Abhängigkeit zum Gehalt erhöht werden.
Für Kinderbetreuung sollen zusätzliche Mittel bereitgestellt
werden.
All dies ändert allerdings nichts an dem grundsätzlichen
Problem, dass die familienpolitischen Leistungen nicht universell sondern
nach wie vor einkommensabhängig gezahlt werden. Nutzen daraus ziehen
primär Einverdienerhaushalte oder einkommensschwache Familien.
Außerdem richten sie sich grundsätzlich nur an angestellte
Arbeitnehmer und nicht an Selbstständige oder an
Langzeitarbeitslose.
Optimisten könnten behaupten, die ersten Schritte der italienischen
Familienpolitik zeigten bereits Erfolge. Denn tatsächlich ist die
Geburtenrate von 1,19 Kindern im Jahr 1995 auf nunmehr 1,34 Kinder je Frau
gestiegen. Die gegenwärtige Steigerung geht allerdings nur auf die
norditalienischen Regionen zurück und nicht auf den Süden
Italiens. Zwar sind die Geburtenraten im Süden wesentlich später
zurückgegangen, liegen nun aber unter den Werten des Nordens. Die
norditalienischen Regionen verzeichnen einen deutlich höheren
Ausländeranteil, der zum Teil die dortigen Steigerungen
erklärt.
Eine gute Familienpolitik wäre aber vor allem angesichts der Alterung
der italienischen Gesellschaft von großer Bedeutung. Denn auf Grund
der niedrigen Kinderzahlen und der sehr hohen Lebenserwartung altern die
Italienerinnen und Italiener schneller als beispielsweise die Deutschen.
Im Jahr 2005 lag der Anteil der über 65-Jährigen bei 19,5 und
der Anteil der unter 18-Jährigen bei 17,1 Prozent. Im Jahr 2050 werden
34 Prozent der Menschen 65 Jahre und älter und nur 15,4 Prozent der
Italiener und Italienerinnen unter 18 Jahren alt sein.
Die Lebenserwartung von italienischen Frauen und Männern von 1980
bis 2003

Quelle: Eurostat 2006
Die Lebenserwartung der Männer und Frauen steigt seit Jahrzehnten
konstant an. Mit Werten von 76,8 Jahren bei Männern und 82,5 Jahren
bei Frauen liegt Italien im Jahr 2003 im internationalen Vergleich unter
den führenden Nationen. Der Rückgang der Lebenserwartung im Jahr
2003 gründet auf der erhöhten Sterblichkeit während des
ungewöhnlich heißen Sommers.
Literatur:
- Saraceno, Chiara (2003): Mutamenti della famiglia e politiche sociali in
Italia. Il Mulino. Bologna
- Governo Italiano - Italienische Regierung: www.governo.it
- ISTAT - Statistisches Zentralamt www.istat.it
- Missoc Info:
http://ec.europa.eu/employment_social/social_protection/missoc_info_de.htm
- Statistisches Amt der EU (Eurostat): http://www.eds-destatis.de/
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