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| Ausgabe 36, 27. Juni 2007
Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Abdruck von Artikeln und Grafiken ist honorarfrei. Um die Übersendung eines Belegexemplars wird gebeten. Wenn Sie den Newsletter DEMOS nicht mehr erhalten wollen, können Sie sich hier abmelden. |
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Ungewollt kinderlos Großes Potenzial für die
Familienpolitik |
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Ungewollt kinderlos 12,8 Millionen Menschen zwischen 25 und
59 Jahren in Deutschland wünschen sich sehnlich Kinder oder haben sich
früher welche gewünscht. Darunter sind 1,4 Millionen, bei denen
es mit dem Schwangerwerden nicht klappte, obwohl sie mehr als ein Jahr lang
"probiert" haben. Das Problem ungewollter Kinderlosigkeit aus medizinischen
Gründen wurde bislang kaum öffentlich diskutiert. Angesichts
sinkender Geburtenzahlen könnte sich dies ändern: Im Mittel der
letzten zehn Jahre (1997 bis 2006) kamen in Deutschland jährlich
14.000 Babys weniger zur Welt als jeweils im Vorjahr. Dieser Rückgang
fiele noch drastischer aus, wären nicht im Zeitraum 1997 bis 2005
insgesamt rund 95.000 Kinder nach künstlicher Befruchtung geboren
worden, also durchschnittlich rund 10.000 Babys pro Jahr.
Deutschland liegt beim Anteil der Kinder, die nach
künstlicher Befruchtung geboren werden, an der Gesamtgeborenenzahl im
europäischen Mittelfeld. Deutlich sichtbar ist ein Rückgang
dieses Anteils nach der Einführung des
Gesundheitsmodernisierungsgesetzes am 1. Januar 2004. Zuvor trugen die
gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten für vier Behandlungen in
vollem Umfang, danach nur noch für drei Behandlungen und nur zur
Hälfte.
Die Prognosen für die Entwicklung der Bevölkerung
Deutschlands im Jahre 2050 beruhen auf der Basis-Variante der
Europäischen Statistikbehörde Eurostat. Mit Hilfe der
Bevölkerungsdaten des Jahres 2004 berechnet Eurostat ein Trendszenario
2050 der Bevölkerungsstruktur nach Alter und Geschlecht.
Das zweite Szenario verläuft von 2000 bis 2006
identisch, ab 2007 geht es von dem entsprechenden Durchschnittswert
für Dänemark über die Jahre 2000 bis 2005 aus (3,96). Im
Jahr 2050 tauchen in der Altersgruppe der dann 50- bis 54-Jährigen die
ersten IVF-Kinder auf, die ihrerseits von 1997 an geboren sind, 2016 deren
erste Kinder und 2036 die ersten Enkel.
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Großes Potenzial für die
Familienpolitik Rund 70 Prozent der 25- bis
59-jährigen Bevölkerung in Deutschland haben Kinder, 30 Prozent
sind kinderlos. Nur acht Prozent in dieser Altersgruppe bleiben jedoch
freiwillig ohne Nachwuchs. Fast ein Viertel der befragten Altersgruppe
wünscht sich aktuell ein Kind, genau 22 Prozent. Darunter fallen 13
Prozent bisher Kinderlose und neun Prozent, die bereits Eltern sind und
ihre Familie vergrößern möchten. Hinzu kommen weitere 14
Prozent, die früher einmal ein erstes oder ein zusätzliches Kind
wollten. Zusammengenommen sind das 36 Prozent. Das heißt, bei 12,8
Millionen Frauen und Männer zwischen 25 und 59 Jahren blieb der Wunsch
nach einem Kind (bis jetzt) unerfüllt.
Fast ein Drittel aller Erwachsenen zwischen 25 und 59
Jahren in Deutschland ist kinderlos. Bei den bisher Kinderlosen mit
aktuellem unerfülltem Kinderwunsch wird das Fehlen des richtigen
Partners als Hauptgrund genannt. Ungefähr jeder siebte Befragte mit
derzeitig unerfülltem Kinderwunsch gibt an, es habe mit dem
Schwangerwerden nicht geklappt. Die Vermutung liegt nahe, dass dies
medizinische Ursachen hat.
Eltern und ihr Wunsch nach weiteren Kindern
Die Ursachen für unerfüllte Kinderwünsche sind
vielfältig und haben bei Kinderlosen und Eltern, die mehr Nachwuchs
wollen oder früher gewollt hätten, unterschiedliches Gewicht. Bei
den Kinderlosen gibt fast die Hälfte an, es habe (bisher oder damals)
am richtigen Partner gefehlt. Erst danach kommen finanzielle
Erwägungen oder Befürchtungen, Kinder seien mit den beruflichen
Ambitionen nicht vereinbar. Eltern, die sich zusätzliche Kinder
wünschen, nennen hingegen finanzielle Gründe und den mangelnden
Willen des Partners am häufigsten.
Gründe für frühere unerfüllt gebliebene Kinderwünsche von Eltern und Kinderlosen
82 Prozent der Frauen, die sich aktuell ein Kind wünschen
und bereits ein Jahr oder länger vergeblich versuchen, schwanger zu
werden, haben deshalb schon einen Arzt um Rat gefragt. Aber nur 30 Prozent
dieser Gruppe haben ein spezialisiertes Kinderwunschzentrum oder einen
Facharzt für Reproduktionsmedizin aufgesucht. Denn die meisten dieser
Frauen (77 Prozent), die noch keine reproduktionsmedizinische Hilfe in
Anspruch genommen haben, hoffen, es werde auch ohne medizinische Hilfe
klappen. Viele sehen die künstliche Befruchtung oder andere
reproduktionsmedizinische Methoden als "letzten Ausweg" an, der dann auch
erst spät beschritten wird - manchmal zu spät. Denn wie die
Allensbach-Befragung zeigt, unterschätzen die 25- bis 59-Jährigen
die Abnahme der Fruchtbarkeit der Frauen mit zunehmendem Lebensalter
massiv: 40 Prozent nehmen an, dass die natürliche Fruchtbarkeit erst
ab 40 zurückgehe, weitere 14 Prozent sind sogar der Meinung, dies sei
erst ab etwa 45 Jahren der Fall. Tatsächlich geht die natürliche
Fruchtbarkeit bereits vom 30. Geburtstag an allmählich zurück,
und auch bei reproduktionsmedizinischen Behandlungen wird bei über
30-Jährigen die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es zu einer
Schwangerschaft kommt.
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