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Bevölkerungswachstum als globale
Herausforderung - auch für die Klimapolitik
Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
(DSW) hat die neuesten Zahlen zu demografischen und sozialen Entwicklungen
für über 180 Länder der Welt vorgestellt. Der
"DSW-Datenreport" informiert etwa über die aktuellen
Bevölkerungszahlen, die Geburtenrate, die Altersstruktur, die
Lebenserwartung sowie erstmals über den Anteil untergewichtiger Kinder
unter fünf Jahren sowie die Kohlendioxid-Emissionen. Der DSW-Datenreport basiert auf den Zahlen des "2007 World
Population Data Sheet", das Carl Haub, der Leiter des Population Reference
Bureau, zusammengestellt hat. Schwerpunkthema des DSW-Datenreports 2007 ist
Afrika. Die Bevölkerung der Entwicklungsländer wächst weiter
- am stärksten in Afrika, und dort besonders in den Ländern
südlich der Sahara. Dort müssen drei Viertel der Menschen
obendrein mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Jedes vierte
Kind unter fünf Jahren ist unterernährt. Durch die
Bevölkerungszunahme verschärft sich die Armut. In Afrika bekommt
eine Frau durchschnittlich fünf Kinder. Private und staatliche
Investitionen in Bildung und Gesundheit werden dadurch erschwert.
Weltbevölkerung und prognostiziertes Wachstum nach
Regionen 
Rund 99 Prozent des Bevölkerungswachstums finden in
den weniger entwickelten Ländern statt (Quelle: 2007 World Population
Data Sheet/DSW-Datenreport 2007).
Den Klimawandel verursachen die Industrienationen
Nach wie vor sind die Industrieländer mit einem Ausstoß von
11,7 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf und Jahr die Hauptverursacher des
Klimawandels. Das entspricht weltweit einem Anteil von sechzig Prozent.
Seit Jahren halten die USA den Emissionsrekord: Mit weniger als fünf
Prozent der Weltbevölkerung produzieren sie mehr als 20 Prozent der
globalen CO2-Emissionen, fast zwanzig Tonnen pro Kopf. In Deutschland
stoßen die Einwohner jährlich pro Kopf 10,5 Tonnen Kohlendioxid
aus. In den Entwicklungsländern liegt der Ausstoß dagegen nur
bei 2,1 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf und Jahr, in Äthiopien sogar nur
bei 0,1. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2002.
Kohlendioxid-Emissionen von Industrie- und
Entwicklungsländern 
Die aufstrebenden Schwellenländer China und Indien, in
denen die Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum besonders schnell
fortschreiten, produzieren pro Kopf der Bevölkerung jährlich 2,9
respektive 1,1 Tonnen Kohlendioxid. Das ist wenig im globalen Vergleich,
aber viel angesichts der hohen Zahl Menschen in diesen Ländern.
China stößt heute doppelt soviel Treibhausgase aus wie 1990.
Nur ein Prozent der 560 Millionen Stadtbewohner Chinas atmet Luft ein, die
von der von der Europäischen Union für gesundheitlich
unbedenklich gehalten wird. Peking zählt zu den Städten der Welt
mit der schlechtesten Luftqualität: Jährlich verpesten rund 1,3
Millionen Tonnen giftige Schadstoffe aus Autoabgasen die Luft, täglich
werden rund 1.000 neue Autos zugelassen. Ein viertägiges Fahrverbot
Mitte August, mit dem die Regierung testen wollte, ob sich so während
der Olympischen Sommerspiele 2008 der Dauersmog verhindern ließe,
zeigte zwar kurzfristig Wirkung, kann das Problem aber langfristig nicht
lösen.
Da die Bevölkerung der Entwicklungsländer den UN-Prognosen
zufolge bis 2050 auf gut acht Milliarden wachsen wird, würden sogar
ihre verhältnismäßig geringen Pro-Kopf-Emissionen selbst
eine Reduktion des CO2-Ausstoßes der Industrieländer um 40
Prozent wettmachen. Von diesem Ziel sind letztere aber weit entfernt. Im
Klimaprotokoll von Kyoto aus dem Jahr 1997 war eine Halbierung der
CO2-Emissionen der alten Industrieländer bis 2012 vereinbart worden.
Tatsächlich haben die Emissionen in vielen Ländern sogar
zugenommen, in Deutschland um 0,6 Prozent, in Japan sogar um 16 Prozent.
Während ihres letzten Japan-Besuchs schlug Bundeskanzlerin Merkel vor,
eine Pro-Kopf-Emissionsgrenze für den Ausstoß von CO2
festzulegen, die sich zunächst an den Werten der klassischen
Industrieländer orientieren und jeweils angepasst werden solle. Damit
hätten die Schwellen- und Entwicklungsländer zunächst noch
Zeit, sich nach dem Vorbild der klassischen Industrienationen zu
entwickeln, müssten sich aber bereits jetzt um möglichst
klimaneutrale Technologien bemühen.
Ursachen des Bevölkerungswachstums
Die Ursachen des Bevölkerungswachstums liegen vor allem in der
mangelnden Bildung und Aufklärung, insbesondere der Frauen. Hier kann
die Entwicklungszusammenarbeit mit Programmen zur Familienplanung und
reproduktiven Gesundheit ansetzen. Diese Politik könnte obendrein
helfen, die HIV-Epidemie einzudämmen. Der Anteil der HIV-infizierten
Erwachsenen in Afrika südlich der Sahara, wo mehr als zehn Prozent der
Weltbevölkerung leben, lag 2005 / 2006 bei 5,4 Prozent.
Wissen über HIV-Prävention 
In vielen Ländern Afrikas ist der Kenntnisstand
über die Ausbreitung von HIV schlecht. Das belegen Umfragen von
UNAIDS, bei denen die Menschen Methoden der HIV-Prävention wie den
Gebrauch von Kondomen ankreuzen und Mythen über HIV - etwa dass Aids
durch Moskitostiche übertragen oder durch Sexualverkehr mit einer
Jungfrau geheilt wird - erkennen sollten.
Literatur
Deutsche
Stiftung Weltbevölkerung: Datenreport 2007
Population Reference
Bureau: 2007 World Population Data Sheet 
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Zahlen, die die Welt verändern
Würden bei der Volkszählung die
richtigen Fragen gestellt, ließen sich Reformen besser
planen Um gesellschaftlichen Problemen und
sozioökonomischen Trends in der Bundesrepublik mit angemessenen
politischen Maßnahmen begegnen zu können, sollte man wissen, wer
in diesem Land unter welchen Bedingungen lebt. So haben beispielsweise die
Ergebnisse der PISA-Studie deutlich gezeigt, dass Kinder aus sozial
schwachen Elternhäusern im deutschen Bildungssystem benachteiligt
sind. Dies belegt, dass erst auf der Grundlage valider und
aussagekräftiger Daten eine nachhaltige Bindungs- und Familienpolitik
wie auch die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund zu
bewältigen ist. Das Berlin-Institut fordert deshalb seit langem, in
den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes auch zentrale Merkmale wie den
Geburtsort der Eltern zur Ermittlung des Migrationshintergrunds, die
Religionszugehörigkeit und die Kinderzahl von Frauen und Männern
abzufragen.
Gegen diese Fragen, die angeblich die Privatsphäre der Bürger
verletzen, hatten die deutschen Behörden anders als die entsprechenden
Institutionen in den meisten anderen Nationen lange große Vorbehalte.
Doch langsam legen sich diese Bedenken. Beim Mikrozensus von 2005, einer
Stichprobenbefragung von einem Prozent der Bevölkerung, wurde neben
den jährlich erhobenen Basisdaten erstmals eine Zusatzerhebung
durchgeführt. Die bisherige statistische Erfassung der
Bevölkerung unterschied nur zwischen Menschen mit und ohne deutschen
Pass und gab keine Auskünfte über eingebürgerte Zuwanderer
und die als Deutsche geborenen Nachkommen von Migranten. Eine Statistik
über Menschen mit Migrationshintergrund war deshalb unmöglich.
Sie wäre aber wichtig, weil sich mit dem Erhalt eines deutschen Passes
nicht automatisch die Integration in die Gesellschaft vollzieht.
Jetzt lassen sich über die Abfrage der Staatsangehörigkeit der
Eltern in der 2005er Erhebung Rückschlüsse auf die Zahl der in
Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund ziehen. Ergebnis:
Der Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt in
Deutschland bei fast 19 Prozent und ist damit mehr als doppelt so
groß wie der bisher erfasste ausländische
Bevölkerungsanteil. Deutschland ist somit seit langem ein
Zuwanderungsland. Wüsste man jetzt noch, wie viele Kinder diese
Menschen bekommen, dann ließen sich der künftige Anteil von
Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung, der
Integrationsbedarf und die notwendigen Bildungsangebote weitaus besser
abschätzen. Absurderweise aber wollen die deutschen Behörden bei
der EU-weiten Zensusrunde 2010/2011 nach derzeitigem Planungsstand weder
Fragen nach der Zahl der Kinder noch nach dem Migrationshintergrund
stellen.
Bevölkerungsanteile nach Migrationshintergrund in
Prozent 
Mehr als die Hälfte der Personen mit
Migrationshintergrund besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft.
Neben der Staatsangehörigkeit der Eltern fragen die Zusatzerhebungen
des Mikrozensus noch weitere Merkmale ab. 2005 und 2009 werden Fragen zu
Lebensversicherung, Schichtarbeit und betrieblicher Altersversorgung sowie
Gesundheit und Behinderung gestellt. 2006 und 2010 werden ergänzende
Angaben zur Wohnsituation der Bevölkerung, 2007 und 2011 zu
Krankenversicherung und Tätigkeit und Stellung im Betrieb und 2008 und
2012 Pendlereigenschaften abgefragt. Auch diese Auswertungen sind für
die Planung von Infrastruktur wie auch für das Abschätzen von
Versicherungsbeiträgen und -leistungen von Bedeutung.
Andere wichtige Merkmale sparen die Statistiker im Mikrozensus aber nach
wie vor aus: Um wirksame Integrationskonzepte zu entwerfen, wäre die
Abfrage der Religionszugehörigkeit und der im jeweiligen Haushalt
gesprochenen Sprache zu empfehlen. Unverständlich ist auch, dass
dringend benötigte Informationen nur in jeweils zwei Zusatzerhebungen
im Abstand von vier Jahren abgefragt werden und nicht in den
Basisdatenkatalog aufgenommen wurden. Die Feststellung von Trends der
Bevölkerungsentwicklung und das Ableiten möglicher
Zukunftszenarien wird dadurch erschwert.
Zusatzerhebungen im Mikrozensus 
Die Staatsangehörigkeit der Eltern ermöglicht
Rückschlüsse auf den Migrationshintergrund.
Möglich wäre es, bei einem Zensus die zusätzlichen Fragen
zu stellen, denn die Europäische Union stellt ihren Mitgliedstaaten
die Wahl der Erhebungsmethode frei. Wird der Zensus aber wie von der
Bundesregierung beschlossen durchgeführt, wird es keine
Volkszählung im klassischen Sinne geben. Stattdessen werden in einem
registergestützten Verfahren Bevölkerungsdaten der Melderegister,
der Bundesagentur für Arbeit, sowie der Besoldungs- und
Versorgungsstellen zusammengezogen. Ein Patchwork aus verschiedenen
Datenbeständen soll so umfassende Informationen über die
Gesamtbevölkerung liefern. Auf die Ungenauigkeit und
Fehleranfälligkeit eines solchen Verfahrens hat das Berlin-Institut
ausführlich hingewiesen (vgl. "Land
ohne Daten" und "Zensus
light"). Zentrale Fragen der demografischen Entwicklung wie die
Kinderzahl und der Migrationshintergrund können auf diese Weise jedoch
gar nicht geklärt werden, weil es für sie in Deutschland keine
Register gibt, auf die sich die Statistiker stützen könnten.
Kritiker befürchten deshalb, dass die geplante Volkszählung hohe
Kosten verursacht aber wenig neue Erkenntnisse zu Tage bringt.
Daran dürfte auch die jüngst berufene Zensuskommission der
Bundesregierung wenig ändern. Deren Vorsitzender, der
Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung,
Gert G. Wagner, ist ebenso wie Johann Hahlen, zuständiger
Staatssekretär im Bundesinnenministerium und ehemaliger Präsident
des Statistischen Bundesamtes, ein strikter Gegner einer klassischen
Volkszählung.
Als Hauptgrund für einen registergestützten Zensus werden immer
wieder die angeblich niedrigeren Kosten im Vergleich zu einer Vollerhebung
bemüht. Die Folgen von Fehlplanungen aufgrund fehlender und
fehlerhafter Daten sind in dieser Kalkulation freilich nicht mit berechnet.
Literatur
Berlin-Institut (Hg.): "Land
ohne Daten". In: Newsletter Demos 16, 07. September 2005.
Berlin-Institut (Hg.): "Zensus
light". In: Newsletter Demos 28, 07. Dezember 2006.
Ickler, Günter (2004): Mikrozensus 2005. In: Statistische Monatshefte
Rheinland-Pfalz, 12, 507-514.
Statistisches Bundesamt (2007): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit
- Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus
2005, Fachserie 1, Reihe 2.2.
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