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Fisch - wichtige Proteinquelle und knappes
Gut
Die Nachfrage nach Fisch steigt: 2009 wird der
weltweite Markt für Aquakultur und Fischerei mehr als 123 Millionen
Tonnen umfassen. Die jüngst
veröffentlichte Studie "Aquacultures and Fisheries: A Global Strategic
Business Report" von Global Industry Analysts hat ermittelt, dass der
globale Fischverbrauch weiter ansteigt. Laut Angaben der Food and
Agricultural Organization (FAO) der Vereinten Nationen lag der weltweite
Fischverbrauch bereits 2003 bei 132 Millionen Tonnen, während er 1950
noch 19 Millionen Tonnen betrug. Seitdem hat sich der Verbrauch damit um
600 Prozent erhöht. Auf den menschlichen Konsum entfallen davon 103
Millionen Tonnen, der Rest wird vor allem für die Produktion von
Fischmehl und Ölen genutzt.
Weltweit bildet Fisch für rund eine Milliarde Menschen den
Grundlieferanten von tierischem Eiweiß. Das betrifft insbesondere die
Küstenregionen, in denen der Zugang normalerweise zuverlässiger
ist. In Indonesien, Japan, Sri Lanka, Bangladesch und Kambodscha trägt
Fisch bei der Ernährung zu rund 50 Prozent des gesamten tierischen
Eiweißes bei.
Zu den zehn größten Fischfangnationen gehören seit 1992
dieselben Länder, wobei auf China und Peru allein ein Viertel des
weltweiten Fischfangs entfällt. Die durch das
Bevölkerungswachstum gestiegene Nachfrage und neue Fangmethoden haben
dazu geführt, dass die Meere immer intensiver befischt und häufig
sogar überfischt sind. Noch Anfang der fünfziger Jahre galten der
FAO zufolge über 60 Prozent der 200 Fischarten, auf die etwa 65
Prozent des Fischfangs entfallen, als gering befischt. Schon Anfang der
siebziger Jahre war dieser Anteil auf unter zehn Prozent gefallen, seit
Ende der siebziger Jahre trifft dies auf keine der 200 Fischarten mehr
zu.
Meeresfisch 
Während 1974 lediglich zehn Prozent der
Fischbestände auf offener See als überfischt oder bereits
erschöpft galten, liegt ihr Anteil seit Mitte der achtziger Jahre bei
gut einem Viertel. Darüber hinaus sind mehr als die Hälfte der
Fischbestände am biologischen Limit befischt. Nur ein knappes Viertel
der Fischbestände gilt als moderat oder gering befischt - darunter ist
jedoch keine der 200 für den menschlichen Konsum wichtigsten
Fischarten.
Die steigenden Preise und der Zugang zu billigem, wildem Fisch haben in
bedeutender Weise abgenommen. Fische aus Aquakulturen ersetzen zunehmend
die Fische aus dem ehemaligen Wildfang. Während in den frühen
fünfziger Jahren die weltweite Zucht in Aquakulturen weniger als eine
Million Tonnen umfasste, lag sie 2004 bei 59,4 Millionen Tonnen. Seit 1970
ist der Fischzucht- beziehungsweise Aquakultur-Sektor um beinahe neun
Prozent und damit schneller als jeder andere Lebensmittelsektor
gewachsen.
Der Asien-Pazifik-Raum ist im Bereich der Fischerei- und
Aquakulturproduktion mit einem geschätzten Anteil von rund 60 Prozent
für 2006 die führende Weltregion. Allein China kam 2005 auf
beinahe 50 Millionen Tonnen, davon entfallen gut 32 Millionen auf die
Aquakultur- und gut 17 Millionen auf die Fischereiproduktion. Europa und
Japan stellen weitere produktionsstarke Regionen für Fischerei und
Aquakultur. In Deutschland wurden 2005 in der Fischerei-Industrie insgesamt
rund 330.000 Tonnen produziert, davon knapp 45.000 Tonnen in
Aquakulturen.
Der Pro-Kopf-Konsum sowohl von hoch- als auch von niedrigwertigem Essfisch
in den Entwicklungsländern wird den Berechnungen der Global Industry
Analysts zufolge steigen. Eine Ausnahme bildet Afrika südlich der
Sahara, wo der Markt ebenso wie in den Industrieländern stagnieren
wird. In den meisten Entwicklungsländern wird die Nachfrage der
Haushalte nach Fisch und anderen Tierprodukten aufgrund von
Verstädterung, steigendem Einkommensniveau und
Bevölkerungswachstum zunehmen. 2020 werden Indien, Lateinamerika und
China sich voraussichtlich in Nettoexporteure verwandelt haben. Bereits
2002 entfielen 91 Prozent der gezüchteten Fische auf Asien.
Das Wachstum der Weltbevölkerung befördert den steigenden
Marktanteil von Aquakulturen, insbesondere in den wohlhabenden
Industrienationen. Dadurch verringert sich die Kluft zwischen der Nachfrage
nach Fisch und Meeresfrüchten und dem tatsächlichen Zugang zu
diesen Produkten.
Literatur / Links
Bundeszentrale
für politische Bildung: Globalisierung, 2007
FAO: The State
of the World Fishery and Aquaculture 2006, 2007
Fishupdate.com, 30. July,
2007 
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Wird Japan ein Zuwanderungsland?
Lange Zeit war Japan nahezu frei von Menschen aus
anderen Ländern. Jetzt ist ein Streit darüber entbrannt, ob das
Land Zuwanderung braucht. Japan, das
zehntbevölkerungsreichste Land der Welt, erlebt einen noch massiveren
demografischen Wandel als Deutschland. Die Kinderzahl je Frau liegt mit
einem Wert von 1,25 unter dem hiesigen Niveau, die Lebenserwartung ist um
dreieinhalb Jahre höher. Die Alterung der Gesellschaft verläuft
also schneller, die Bevölkerung schrumpft seit dem Jahr 2005 und sie
wird dies künftig mit höherer Geschwindigkeit als in Deutschland
tun. Vor allem ländliche Gebiete haben bereits deutlich an Einwohnern
verloren und den Prognosen zufolge wird sich dieser Prozess bald auf die
Städte ausweiten. Bis zum Jahr 2050 rechnet das Gesundheitsministerium
des Landes mit einem Bevölkerungsrückgang von 27 Millionen - von
über einem Fünftel der heutigen Einwohnerschaft. Dennoch hat
Japan bis dato sehr wenig Zuwanderung erlebt.
Ende Oktober 2007 hat das internationale Symposium "Migration
und Integration" in Tokio gezeigt, wie wenig Japan auf die
künftigen Veränderungen vorbereitet ist. Die öffentliche
Diskussion, ob Zuwanderer die demografischen Veränderungen abfedern
können, steht ganz am Anfang. Eine offizielle Einwanderungspolitik
existiert bislang nicht und Integrationsbemühungen seitens der
Regierung sind unbekannt.
Bis vor 30 Jahren bildeten die Japaner eine nahezu hermetische
Gesellschaft, die selbst die Existenz von ethnischen Minderheiten im
eigenen Land geleugnet hat. Bis heute haben viele Japaner keinerlei Kontakt
zu Ausländern. Inzwischen aber leben 2,1 Millionen Menschen aus
anderen Nationen auf dem Inselreich, die meisten davon in Tokio. Die
Ausländer machen 1,6 Prozent der Gesellschaft aus, ein Wert, der
für eine Industrienation extrem niedrig ist. In Deutschland etwa haben
fast 20 Prozent aller Bürger einen Migrationshintergrund.
Jährliche Netto-Migrationsrate (je 1.000 Einwohner) im
Mittel der Jahre 2000 bis 2005 
Unter den Industrienationen weist Japan eine extrem
niedrige Zahl von Zuwanderern auf. Nach Deutschland kommen sieben Mal mehr
und nach Spanien sogar 25 Mal mehr Menschen aus anderen Ländern
(Quelle: UN-Population Division 2006).
Netto-Migration 2000 bis 2005 (in Tausend) 
Quelle: UN Population Division (2006)
Flüchtlinge unerwünscht
Anerkannte Zahl der Flüchtlinge zwischen 1990 und 1999 
Im letzten Jahrzehnt hat Japan gerade mal 49
Flüchtlinge anerkannt und aufgenommen. Weil die Bedingungen
ungewöhnlich rigoros sind, ersuchen ohnehin wenige Menschen Asyl in
Japan. Kanada oder Deutschland haben im gleichen Zeitraum über 100.000
Flüchtlinge aufgenommen (Quelle: UNHCR, 2000).
Die Zuwanderer setzen sich aus wenigen Nationalitäten zusammen: Bis
Mitte der 1980er Jahre kamen vor allem Koreaner (die als Bewohner der
ehemaligen japanischen Kolonie mit dem japanisch-koreanischen
Friedensvertrag von 1952 ihre japanische Nationalität verloren hatten)
sowie Japanischstämmige aus China ins Land. Ende der 1980er Jahre
setzte eine erste Welle von Arbeitsmigration ein, da die boomende Industrie
dringend Hilfskräfte brauchte. 1990 verzeichneten 58 Prozent aller
japanischen Firmen einen Arbeitskräftemangel. Um den Begriff
"Zuwanderung" zu umgehen, wurden die meisten Migranten als "Trainees",
"Students" oder "Researcher" beschäftigt, die nur für begrenzte
Zeit im Land bleiben dürfen, nicht dem Arbeitsrecht unterliegen sowie
für reduzierte Gehälter deutlich unter dem japanischen
Minimallohn und ohne Sozialversicherung arbeiten. Offiziell gilt dieses
Programm als entwicklungspolitische Maßnahme, denn die
Billigarbeitskräfte sollen neu erworbenes Wissen mit in ihre
Herkunftsländer zurücknehmen. Andere Zuwanderer erhielten
"Entertainer"-Visa, vor allem Frauen, die im Rotlicht-Milieu landeten.
Obwohl in Japan 920.000 Nichtjapaner arbeiten, haben nur rund 400.000 den
offiziellen Status einer Arbeitskraft.
Neben Koreanern und Chinesen kommen vor allem Brasilianer nach Japan. Es
sind die Nachfahren von Japanern, die in den 1920er Jahren nach
Südamerika ausgewandert waren und dort eng mit der japanischen Kultur
verbunden blieben. Über 300.000 von ihnen sind bisher
zurückgekommen, viele leben in kleinen Städten wie Oizumi,
nordwestlich von Tokio, wo sie einen Anteil von 16 Prozent ausmachen.
Zusätzlich gibt es eine größere Zahl von legal und illegal
eingereisten Filipinos, die so genannte "ddd-jobs" (day care, dirty,
demanding) annehmen, also "dreckige" und "anstrengende" Arbeiten verrichten
oder im Pflegebereich tätig sind. Hinzu kommt eine kleine
Migrationselite, bestehend aus Professoren, Journalisten oder Managern wie
dem in Brasilien geborenen französischen Nissan-Chef Carlos Ghosn.
Billige Arbeitskräfte für das Toyota-System
Zahl der in Japan registrierten Ausländer nach
Herkunftsländern 
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam eine begrenzte Menge von
japanischstämmigen Menschen aus Korea und China nach Japan. Erst Ende
der 1980er Jahre erzwang der Arbeitskräftemangel der boomenden
Industrie die Zuwanderung von Billig-Gastarbeitern, die häufig aus
Brasilien stammen und Nachfahren von ausgewanderten Japanern sind.
Insgesamt liegt der Anteil der Ausländer in Japan bei gerade einmal
1,6 Prozent. Nur wenige werden "naturalisiert", also eingebürgert
(Quelle: Arudou Debito: Japans Future as an International, Multicultural
Society: From Migrants to Immigrants. In: Japan Focus 2004-2007).
In der öffentlichen Wahrnehmung gelten sämtliche Zuwanderer als
Fremde, selbst wenn sie irgendwann einen japanischen Pass erhalten, was nur
rund 20.000 Mal im Jahr geschieht. Von politischer Seite wird eine
Integration abgelehnt. Die etwa 100.000 Kinder von Zuwanderern erhalten im
Allgemeinen nur eine schlechte Schulbildung, die Lehrer sind selten
für den Unterricht von nicht oder schlecht japanisch sprechenden
Kindern ausgebildet. Für Ausländer besteht nicht einmal eine
Schulpflicht, so dass Kinder von Migranten oft gar keine Schule besuchen.
Viele Ausländer lernen zwar im Alltag die japanische Sprache,
können aber die komplizierten Schriftzeichen weder lesen noch
schreiben und bleiben deshalb von einer weiteren Qualifizierung
ausgeschlossen.
Für die zukünftige Zuwanderung werden derzeit zwei
Extremvarianten diskutiert: Erstens, Japan schottet sich gegen weitere
Zuwanderung ab, Ausländer werden als "Gastarbeiter" nur mit
temporären Visa ausgestattet, und die Bevölkerung schrumpft
stark. Dieser Rückgang an sich wäre kein Problem, denn Japan ist
insgesamt dicht besiedelt (337 Menschen auf einem Quadratkilometer, in
Deutschland sind es 231) und lebt auch ökologisch weit über seine
Verhältnisse. Allerdings dürfte die sich stark beschleunigende
Alterung der Bevölkerung zu Schwierigkeiten führen. Während
im Jahr 2005 rund 21 Prozent der Japaner über 65 Jahre alt waren (in
Deutschland: 23,4), werden es 2050 schon 33,7 Prozent sein (in Deutschland:
28,4). Unter diesen Bedingungen würden die Kosten für das
Gesundheitssystem bei gleichzeitigem Rückgang der Arbeitskräfte
stark steigen, arbeitsintensive Prozesse würden ins Ausland verlagert
und die internationale Wettbewerbsfähigkeit ginge zurück. Japan
würde zur "Sonnenuntergangs-Gesellschaft". Dagegen wollen die
Befürworter dieser Variante mit einer gesteigerten Produktivität
ankämpfen - mit weiterer Robotisierung, längeren
Lebensarbeitszeiten und mit mehr Frauen im Erwerbsleben sowie mit massiven
Lernprogrammen für Junge wie Ältere, damit die Gesellschaft mit
den immer kürzer werdenden Innovationszyklen der modernen Gesellschaft
mithalten kann.
Nach der zweiten Variante öffnet sich Japan der globalen Migration,
steigert seine Migrantenbevölkerung bis 2020 auf 20 Millionen,
erhält dadurch eine wirtschaftliche aktivere Bevölkerung und
schrumpft auf lediglich 120 Millionen. Diese Variante ist wahrscheinlicher,
denn die meisten Experten glauben nicht, dass das "Toyota-System" der stark
vom Export abhängigen japanischen Wirtschaft ohne Zuwanderer
funktionieren kann. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass Japan
jährlich 600.000 Zuwanderer braucht, will es seinen Lebensstandard und
die derzeitigen Steuereinnahmen halten. Wie unrealistisch eine Abschottung
gegen Zuwanderung wäre zeigt eine Langfristprognose des National
Institute of Population and Social Security Research: Würden
Fertilität, Lebenserwartung auf heutigem Niveau verharren und
kämen keine weitere Zuwanderer ins Land, schrumpfte Japans
Bevölkerung bis 2200 auf weniger als zehn Millionen zusammen und
wäre gegen 2300 so gut wie verschwunden.
Vor allem die Versorgung der alternden Bevölkerung könnte
ausländische Hilfe erfordern: "Bis 2015 fehlen allein 500.000
Pflegekräfte", sagt Nana Oishi von der International Christian
University in Tokio. "Es ist aber fraglich, ob wir so viele bekommen
können, denn bis heute finden sie in Japan keine attraktiven
Arbeitsbedingungen. Länder wie Kanada bezahlen für Pflegepersonal
wesentlich mehr und bieten weit bessere Einwanderungsbedingungen."
Literatur / Links
www.dijtokyo.org
Japan Focus - an
Asia-Pacific E-Journal
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