| |
Frauen auf dem Vormarsch - aber Deutschland
hinkt hinterher
Die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Europa hat
zugenommen. Qualitativ unterscheiden sich die Arbeitsplätze von Frauen
und Männern aber nach wie vor stark voneinander. Das Beschäftigungswachstum in Europa ist vor allem auf
die gestiegene Erwerbsbeteiligung von Frauen zurückzuführen.
Immer noch werden sie jedoch auf dem Arbeitsmarkt gegenüber
Männern benachteiligt. Ihr Anteil am Arbeitsmarkt ist geringer als
jener der Männer. Sie werden schlechter bezahlt und sind weniger in
Führungsetagen vertreten. Das ist das Ergebnis eines gerade
veröffentlichten Berichts der Europäischen Kommission zur
Gleichstellung von Frauen und Männern. Er betrachtet erstmals das auf
27 Mitgliedsstaaten erweiterte Europa und soll deren Staats- und
Regierungschef im März vorgelegt werden.
Auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem
Arbeitsmarkt lassen sich dennoch Fortschritte beobachten: Über 7,5 der
zwölf Millionen Arbeitsplätze, die in der EU seit 2000 neu
entstanden, wurden von Frauen besetzt. Die Beschäftigungsquote von
Frauen ist seither um 3,5 Prozentpunkte gestiegen (die von Männern nur
um einen Prozentpunkt) und liegt nun bei 57,2 Prozent. Bei den über
55-jährigen Frauen ist die Beteiligung am Arbeitsmarkt seit 2000 sogar
um 7,4 Prozentpunkte auf heute 34,8 Prozent gestiegen.
Unterschiedliche Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern (in
Prozentpunkten), 2001 und 2006 
In den Jahren 2001 und 2006 lag im Jahresdurchschnitt in
allen 27 Mitgliedsstaaten der EU in der Altergruppe der 15- bis
64-Jährigen die Beschäftigungsquote von Frauen unter jener der
Männer. Nach wie vor bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern, auch wenn die Kluft in der Mehrzahl der Länder
abgenommen hat. In Malta sind die Unterschiede am höchsten, in
Finnland am niedrigsten. In Deutschland sind Männer zu elf Prozent
häufiger beschäftigt als Frauen (Quelle: Eurostat, Labour Force
Survey).
Trotz der positiven Tendenz ist Europa von einer Gleichstellung der
Geschlechter noch weit entfernt: Obwohl Frauen ein durchweg höheres
Bildungsniveau haben als Männer und 59 Prozent der
Universitätsabsolventen weiblich sind, liegt die Erwerbsbeteiligung
von Frauen 14,4 Prozent unter jener der Männer. Frauen verdienen dabei
durchschnittlich 15 Prozent weniger Gehalt pro Stunde. Letzteres liegt auch
daran, dass Männer tendenziell die attraktiveren Jobs in den
höheren Etagen besetzen. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als
Männer: 32,9 Prozent der Frauen gegenüber 7,7 Prozent der
Männer haben keine volle Stelle.
Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in Prozent,
2006 
In allen Mitgliedsstaaten der EU verdienen Frauen weniger
als Männer. In Deutschland sind die Unterschiede besonders groß.
In Malta sind sie am geringsten - allerdings sind dort vergleichsweise
wenige Frauen berufstätig (Quelle: Eurostat; die Werte für
Dänemark, Deutschland, Estland, Italien, Litauen, die Niederlande,
Portugal und das Vereinigte Königreich stammen aus dem Jahr 2005; die
Schätzungen für die EU-27 beruhen auf nach der Bevölkerung
gewichteten Durchschnittswerten; die Berechnungen für die Tschechische
Republik basieren auf den Durchschnittseinkommen).
Anteil der Frauen und Männer, die in Teilzeit arbeiten, an den
Beschäftigten insgesamt in Prozent, 2007 
In allen Mitgliedsstaaten der EU arbeiten mehr Frauen als
Männer in Teilzeit. Besonders hoch ist der Unterschied in den
Niederlanden, in Deutschland und Großbritannien (Quelle: Eurostat,
Labour Force Survey; für Deutschland: voraussichtlicher Wert; Estland:
unsichere Datenlage bei den Männern).
Tatsächlich ist nur ein Drittel der Führungspositionen von
Frauen besetzt. Der Anteil steigt zudem nur sehr langsam. Darüber
hinaus bestehen offensichtlich Ungleichheiten bei der Vereinbarkeit von
Familie und Beruf - die Beschäftigungsquote von Müttern mit
Kindern unter zwölf Jahren liegt im europäischen Mittel bei 62,4
Prozent, die der Väter demgegenüber bei 91,4 Prozent.
Der Bericht zieht das Fazit, dass weitere Anstrengungen erforderlich
seien, um eine Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen. Die
mangelnde Gleichstellung verschenke Leistungspotenziale. Der Bericht
empfiehlt, insbesondere das Angebot und die Qualität der Dienste
verbessern, die zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen, um auch
denen die Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen, die Abhängige,
also Kinder oder pflegebedürftige Personen betreuen. Darüber
hinaus sollte weiter auf den Abbau von Stereotypen hingewirkt werden, da
diese etwa die Entscheidung für und gegen bestimmte Tätigkeiten,
die Berufswahl, die Aufgabenverteilung, sowie die Wahl von
Führungskräften beeinflussen.
Literatur / Links
Kommission
der Europäischen Gemeinschaften (2008): Bericht der Kommission an den
Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und
Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zur Gleichstellung von
Frauen und Männern 2008. Brüssel.
Kommission
der Europäischen Gemeinschaften (2007): Mitteilung der Kommission an
den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts-
und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. Bekämpfung des
geschlechtsspezifischen Lohngefälles. Brüssel. 
|
|
|
| |
Wenn Pyramiden Geschichte
widerspiegeln
Die weltweiten demografischen Unterschiede nehmen
zu: Mancherorts wächst die Bevölkerung extrem, an anderen Orten
schrumpft und überaltert sie. Derzeit
wächst die Weltbevölkerung um gut 200.000 Häupter pro Tag.
Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 1,2 Prozent. Weitaus
schneller allerdings steigt die Zahl der Menschen über 60 Jahre
nämlich um 2,6 Prozent pro Jahr. Der Alterungsprozess schreitet in den
Entwicklungsländern schneller und stärker voran als in den
Industrienationen. Denn in den meisten Ländern Südamerikas,
Asiens und in Teilen von Afrika sinken die Kinderzahlen je Frau und steigt
die Lebenswartung schneller, als dies früher in den heutigen hoch
entwickelten Ländern der Fall war. Den Entwicklungsländern bleibt
damit weniger Zeit, sich auf die Folgen des demografischen Wandels
einzustellen.
Aktuell zeigen sich noch deutliche Unterschiede in der
Bevölkerungsstruktur von weit und weniger weit entwickelten
Ländern. So weist Uganda mit 15 Jahren das weltweit geringste
Medianalter auf und Japan mit 43 Jahren das höchste im globalen
Mittel liegt es bei 28 Jahren. Das Medianalter beschreibt jenes Alter, das
eine Bevölkerung zahlenmäßig in zwei Hälften teilt.
Bis zum Jahr 2050 sagen die Vereinten Nationen einen Anstieg des
Medianalters auf 38 Jahre voraus.
Bevölkerungspyramiden verdeutlichen die altersmäßige
Bevölkerungsstruktur eines Landes. Indirekt zeigen sie auch, welche
wirtschaftliche Entwicklung ein Land hinter sich, ob es Kriege oder
verheerende Krankheiten erlebt hat. Bevölkerungspyramiden können
deshalb sehr unterschiedlich aussehen. An Beispielen der Länder
Botswana, Lesotho, Liberia, Iran, Kuwait sowie der ehemaligen
portugiesischen Kolonie Macao, die heute zu China gehört, sind diese
Besonderheiten aufgeführt.
Bevölkerungspyramide Botswana 2005 
Datengrundlage: Population Division of the Department of
Economic and Social Affairs of the United Nations Secretariat, World
Population Prospects 2006.
Da südafrikanische Land könnte ein Musterland sein: Es ist
politisch stabil, seine Wirtschaft entwickelt sich positiv und die
Lebensumstände für die meisten Bewohner verbessern sich. Botswana
hat sich damit von der Ländergruppe mit den niedrigsten Einkommen pro
Kopf wegbewegt und ist zu jenen mit mittleren Einkommen aufgestiegen. Zu
verdanken ist das vor allem den lokalen Diamantenvorkommen und der direkten
Investition von Gewinnen in die Entwicklung des Landes. Aber diese
positive Entwicklung ist stark gefährdet durch die extrem hohe
Infektionsrate mit dem HI-Virus. Neben Swaziland und Lesotho verzeichnet
Botswana die höchsten Aids-Raten der Welt.
Im Jahr 2006 waren schätzungsweise 24 Prozent der Bevölkerung
mit dem HI-Virus infiziert, viele von ihnen sterben früh. Dadurch
sinkt die durchschnittliche Lebenserwartung. Zudem wandern viele Botswaner
in die Nachbarländer ab. Die Bevölkerungspyramide zeigt deshalb
bei Männern (links) und Frauen (rechts) einen deutlichen Rückgang
in den Bevölkerungsgruppen über 25 Jahre, der sich kontinuierlich
bis in den älteren Altersgruppen durchzieht. Bei anhaltender
Entwicklung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Generation der
über 40-Jährigen weiter stark ausdünnt. Die Bevölkerung
des Landes hat bereits begonnen zu schrumpfen.
Bevölkerungspyramide Lesotho 2005 
Datengrundlage: Population Division of the Department of
Economic and Social Affairs of the United Nations Secretariat, World
Population Prospects 2006.
Lesotho liegt als Insel inmitten von Südafrika und ist aufgrund
seiner Lage politisch und wirtschaftlich stark von seinem einzigen Nachbarn
abhängig. Mit 1,8 Millionen Einwohnern im Jahr 2007 ist Lesotho etwa
so groß wie Botswana. Der Anteil von HIV-Infizierten liegt nur
geringfügig unter dem von Botswana. Und die Zahlen steigen: Die UN
schätzen, dass im Jahr 2025 fast 40 Prozent der Lesother von dem
HI-Virus betroffen sein könnten.
Die Bevölkerungspyramide zeigt die verheerenden Folgen von Aids.
Sichtbar ist eine rapide Abnahme der Bevölkerung über 20 Jahre
und stark ausgedünnte ältere Bevölkerungsgruppen. Auch in
diesem Land ist von einer weiteren Verringerung der Lebenserwartung
auszugehen. Da die Frauen (rechte Pyramidenhälfte) in Lesotho
häufiger von dem HI-Virus betroffen sind als die Männer (linke
Pyramidenhälfte), und ein großer Anteil der weiblichen
Bevölkerung nicht das 30. Lebensjahr erreicht, fällt das
natürliche Wachstum gering aus. Im Gegensatz zu Botswana existieren
keine umfangreichen Programme im Gesundheitssystem, um das Fortschreiten
von AIDS aufzuhalten. Das Land hat darüber hinaus mit einer
Abwanderung der arbeitsfähigen Bevölkerung, insbesondere von
medizinischem Personal zu kämpfen. Ein Vergleich der
Bevölkerungspyramiden von Botswana und Lesotho in den mittleren
Bevölkerungsgruppen zeigt deutlich, dass Bekämpfungsprogramme
gegen das HI-Virus in Botswana bereits zum Tragen kommen. Die Einschnitte
in die Pyramide sind nicht ganz so dramatisch wie in Lesotho.
Bevölkerungspyramide Liberia 2005 
Datengrundlage: Population Division of the Department of
Economic and Social Affairs of the United Nations Secretariat, World
Population Prospects 2006.
Wenn das keine Pyramide ist: Wie in einem Lehrbuch für
Bevölkerungsexplosion präsentiert sich das westafrikanische Land
an der Atlantikküste. Deutlich werden die hohen Kinderzahlen von
durchschnittlich 6,8 je Frau, die dafür sorgen, dass jeder
Nachwuchsjahrgang weitaus größer ist als die vorhergehenden
Generationen. Nach oben dünnt sich die Pyramide aufgrund einer hohen
Kindersterblichkeit und einer geringen Lebenserwartung von 45 Jahren aus.
Dennoch wächst Liberia rapide. Waren es im Jahr 2007 noch 3,8
Millionen Einwohner, wird für das Jahr 2050 eine Zahl von 12,5
Millionen prognostiziert - eine glatte Verdreifachung innerhalb von 45
Jahren.
Bevölkerungspyramide Iran 2005 
Datengrundlage: Population Division of the Department of
Economic and Social Affairs of the United Nations Secretariat, World
Population Prospects 2006.
Das muslimische Land gilt als Paradebeispiel für eine politisch
gesteuerte Familienpolitik. Bis in die 1980er Jahre bekamen Iranerinnen im
Durchschnitt 6,6 Kinder. Dann sah sich die Regierung gezwungen, dem
rasanten Bevölkerungswachstum entgegen zu wirken. 1988 wurde ein
nationales Familienprogramm verabschiedet. Ziel der Politik war es, das
Alter bei der Erstgeburt zu erhöhen und die Kinderzahl auf maximal
drei Kinder je Frau zu beschränken. Aus diesem Grund stellte der Staat
Verhütungsmittel kostenfrei zur Verfügung. Im Jahre 2007 hat Iran
eine Gesamtfruchtbarkeitsrate von 2,0 Kindern je Frau erreicht. Der
Rückgang der Kinderzahl ist deutlich in den drei jüngsten
Altersgruppen sichtbar. Die aktuelle Regierung scheint einen anderen Weg
der Familienpolitik gehen zu wollen und setzt nun wieder auf eine
Erhöhung der Fertilität.
Bevölkerungspyramide Kuwait 2005 
Datengrundlage: Population Division of the Department of
Economic and Social Affairs of the United Nations Secretariat, World
Population Prospects 2006.
Das Emirat Kuwait am persischen Golf ist bekannt für seinen enormen
Reichtum an Erdöl. Wie in anderen Golfstaaten entwickeln sich
Industrie und Dienstleitungsgewerbe stürmisch. Der Aufschwung
lässt sich ohne Arbeitsmigranten nicht bewerkstelligen, und wie man an
der Pyramide sieht, sind diese vorwiegend männlich und kommen vor
allem in einem Alter von 25 bis 35 Jahren. Fast 60 Prozent der
Gesamtbevölkerung bestehen aus ausländischen Arbeitskräften
und deren Angehörigen. Kuwait hatte im Jahr 2007 rund 2,8 Millionen
Einwohner und dürfte bis 2050 auf 5,1 Millionen anwachsen. Ob der
Männerüberschuss dann noch im Lande ist und unter welchen
Bedingungen er gegebenenfalls altern wird, ist unbekannt.
Bevölkerungspyramide Macao, China, 2005 
Datengrundlage: Population Division of the Department of
Economic and Social Affairs of the United Nations Secretariat, World
Population Prospects 2006.
Die ehemalige portugiesische Kolonie Macao ist eine Sonderverwaltungszone
in der Volksrepublik China, die im Jahr 1999 an China zurückging.
Ursprünglich aus drei Inseln bestehend, ist das Gebiet heute durch
Landaufschüttung zum Teil an das Festland angewachsen. Die beiden
Inseln Taipa und Coloane sind zu einer geworden.
Die Pyramide von Macao zeigt, wie Flüchtlingswellen eine
Bevölkerung prägen können. Als im Jahr 1949 die Kommunisten
in China an die Macht kamen, lösten sie eine Flüchtlingswelle
aus, die in Macao zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerung
führte. In den 1950er Jahren wuchs die Bevölkerung nicht nur
durch Zuwanderung sondern auch durch eine hohe Geburtenzahl. Die
durchschnittliche Kinderzahl lag damals bei sechs pro Frau. Die
Bevölkerungspyramide zeigt deutlich die geburtenstarken Jahrgänge
aus den 1950er Jahren, die wiederum zu geburtenstarken
Kinderjahrgängen in den Altersgruppen der heute Zehn- bis
24-Jährigen führten. Im Jahr 2007 verzeichnete Macao mit nur noch
0,9 Kindern pro Frau die niedrigste Fertilitätsrate der Welt. Bei
vermutlich steigender Lebenserwartung, die heute schon bei 79 Jahren liegt,
und konstanter Kinderzahl wird Macao mit einer sehr starken
Überalterung der Bevölkerung zu rechnen haben.
Literatur / Links
Population
Action International (2007): The Shape Of Things To Come.
Washington.
United Nations (2007): World Population Ageing. New York. 
|
|
|