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Klimawandel führt zu mehr
Hungersnöten
Die zu erwartenden Ernteausfälle treffen vor
allem die Ärmsten der Welt. Sie leben zugleich in den Regionen mit dem
größten Bevölkerungswachstum. Steigende Temperaturen und abnehmende Niederschlagsmengen in
den semi-ariden Zonen werden in den kommenden zwanzig Jahren die
Erträge von Mais, Weizen und Reis senken. Die Landwirtschaft muss sich
besser an den Klimawandel anpassen, um seine Folgen zu bewältigen. Zu
diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam von der kalifornischen Stanford
Universität. Die im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte Studie
untersucht, wie sich der Klimawandel bis zum Jahr 2030 auf die
Landwirtschaft auswirken wird. Die Forscher um David Lobell haben dazu
zwanzig verschiedene Klimamodelle für die zwölf Weltregionen
erstellt, in denen laut der Welternährungsorganisation der Vereinten
Nationen (FAO) fast 95 Prozent der unterernährten
Weltbevölkerung leben. Es handelt sich um große Teile Asiens,
Zentralamerikas und Afrikas, wo die Ernährungssicherheit der Menschen
oft von den lokalen landwirtschaftlichen Erträgen abhängig ist.
Südasien und Südafrika sind besonders gefährdet.
Ernteausfälle bedeuten für diese Regionen, dass vielen
Subsistenzbauern die Grundlage zur Selbstversorgung und zum Verkauf ihrer
Agrarprodukte entzogen wird. Selbst wo noch Nahrungsmittel erhältlich
ist, kann wachsende Armut so zu einer Hungersnot führen. Hinzu kommen
die bei Ernteausfällen steigende Weltmarktpreise für Getreide,
welche die Ärmsten wiederum am meisten treffen, sowie Krankheiten wie
HIV/Aids und Malaria. Letztere könnte sich angesichts klimatischer
Veränderungen sogar schneller verbreiten.
Weitere Ernährungs-Engpässe können durch die steigenden
Ölpreise (wegen der Transportkosten), die Globalisierung des
Weltmarktes für Getreide, die wachsende Nachfrage nach Biotreibstoffen
und den zunehmende Pro-Kopf-Konsum in China und Indien entstehen.
Darüber hinaus spielt das Bevölkerungswachstum in den
ärmsten Regionen der Welt eine entscheidende Rolle: 99 Prozent des
weltweiten Zuwachses finden in Entwicklungsländern statt. Mehr Kinder
bedeuten eine verschärfte Konkurrenz um alle Ressourcen, um Nahrung,
Ackerland, gesundheitliche Versorgung und Bildungsangebote. Wächst die
Wirtschaft dieser Länder langsamer als die Zahl der Menschen,
müssen diese immer ärmer werden und die Versorgung mit sozialen
Dienstleistungen und Arbeitsplätze für die nachwachsende
Generation kann nicht gewährleistet werden.
Weltbevölkerung und prognostiziertes Wachstum nach
Regionen 
Prognostizierte Niederschlagsveränderungen bis
2030 
Die Spannweite der Prognosen für die zu erwartenden
Temperatur- und Niederschlagsveränderungen ist enorm. Aufgezeichnet
sind hier die durchschnittlichen zu erwartenden Veränderungen
(Balken), sowie die extremen Prognosen (gestrichelte Linien) im Vergleich
zum heutigen Durchschnittwert (0). In der Tendenz wird es somit in
Westafrika feuchter, in Brasilien aber trockener. Mit Sicherheit werden die
Extremwerte weiter als bisher ausschlagen, die Landwirte haben also mit
Dürre in bisher unbekanntem Ausmaß, aber auch ungewöhnlich
starken Regenperioden zu rechnen. Das macht es für die Bauern
schwierig, sich auf den Klimawandel einzustellen, indem sie beispielsweise
Pflanzen mit einem geringen Bedarf an Niederschlag oder mit einer hohen
Toleranz gegenüber Trockenheit anbauen.
Der Studie zufolge werden die Durchschnittstemperaturen in beinahe allen
untersuchten Regionen im Mittel um ein Grad ansteigen. Die kalifornische
Forschergruppe teilt die Pflanzen nach dem Grad ihrer Anfälligkeit
für die Folgen des Klimawandels in drei Gruppen: erstens sehr
temperaturempfindliche Feldfrüchte, die wie Weizen und Mais in
Südafrika stark gefährdet sind, zweitens Pflanzen, die wie die
Erdnuss in Südasien und Hirse in Südafrika sensibel auf
Niederschlagsveränderungen reagieren, und drittens wenig von den
Veränderungen betroffene Pflanzen wie Weizen in Westafrika.
Ein Drittel der Bauern in den Entwicklungsländern ist nach den
Ergebnissen der Studie von Hungersnöten bedroht. Das bestätigt
der neue Bericht über die menschliche Entwicklung (Human
Developing Report 2007/2008). Diesem zufolge droht bei einem
Temperaturanstieg von zwei Grad bis zu 600 Millionen Menschen die Gefahr,
keinen Zugang zu ausreichender Nahrung zu haben. Die Regionen, für die
heute keine Ernährungssicherheit besteht, müssten Programme
einrichten, um die Versorgung in Krisenzeiten zu gewährleisten.
Verbesserte Systeme, um den Klimawandel besser beobachten zu können,
wären notwendig, damit die Regierungen frühzeitig Maßnahmen
ergreifen können, heißt es in der Studie. Dünger und die an
den Klimawandel angepasstes Saatgut können die Ernte zusätzlich
steigern.
Literatur / Links:
Molly E. Brown / Christopher C. Funk (2008): Food Security Under Climate
Change. In: Science 319, 1 February 2008, 580-581, www.sciencemag.org.
William Cline (2007): Global Warming and Agriculture: Impact Estimates by
Country. Washington.
FAOSTAT, http://faostat.fao.org
Christina Kamp: Klimawandel: Wachsende Gefahr einer "ökologischen
Schuldenkrise". Bericht über die menschliche Entwicklung (HDR)
2007/2008. In: Informationsdienst der Deutschen Gesellschaft für die
Vereinten Nationen (2007): Bevölkerung und Entwicklung 64. S. 1-5.
David B. Lobell et al (2008): Prioritizing Climate Change Adaption Needs
for Food Security in 2030. In: Science 319, 1 February 2008, 607-610, www.sciencemag.org.
UNDP (2007): Human Development Report 2007/2008. Fighting climate change.
Human solidarity in a divided world. Genf.
UNFPA (2006): State of World Population 2006. New York. www.unfpa.org/swp. 
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Der Wert der Vielfalt
Warum die Welternährung von der
Biodiversität abhängt Die pflanzliche
und tierische Vielfalt bildet eine der Voraussetzungen, um die menschliche
Ernährung zu sichern. Die Menschen sind auf diese "Biodiversität"
angewiesen, denn das genetische Material von Wildformen unserer
Nutzpflanzen ist notwendig für Neuzüchtungen, die den Bedarf an
abwechslungsreicher und gesunder Nahrung decken sollen. Ziel von
genetischen Kreuzungen ist es, Pflanzen zu züchten, die weniger unter
Schädlingen und Krankheiten leiden, möglichst
wetterunabhängig sind und zu verschiedenen Jahreszeiten hohe
Ernteerträge liefern. Angesichts wachsender Weltbevölkerung und
des Klimawandels zeigt sich besonders, wie wichtig die Biodiversität
ist. Ein Zeichen für das Bewusstsein hierfür ist, dass die UN vom
19. bis 30. Mai in Bonn eine Konferenz
zur biologischen Vielfalt veranstaltet.
Doch die biologische Vielfalt ist gefährdet: Schätzungen der Food and Agriculture Organisation der United
Nation (FAO) gehen davon aus, dass bei einer auf heutigem Niveau
bleibenden Aussterberate bis 2025 über 60.000 Pflanzenarten
verschwinden werden. Die FAO nimmt an, dass seit 1900 etwa drei Viertel der
Vielfalt unter einheimischen Nutzpflanzen bereits ausgestorben sind - ein
riesiger Verlust an genetischem Kapital.
In welchem Ausmaß die biologische Vielfalt für die
Ernährung der Weltbevölkerung eine Rolle spielt, lässt sich
am Beispiel Reis verdeutlichen. Es gibt zahllose regionale Sorten und
Varietäten, also unterschiedlichen Formen, die irgendwo auf der Welt
angebaut werden oder wurden, welche vermutlich bereits vor Jahrtausenden
entstanden sind. Diese frühen Kulturpflanzen haben sich nahezu
überall auf der Welt den jeweiligen Umweltbedingungen angepasst. Sie
wachsen auf trockenen und bewässerten Feldern, in künstlich oder
natürlich überfluteten Gebieten, auf sauren wie auf basischen
Böden, in heißen und kalten Gegenden und sichern weltweit die
Existenz von Milliarden von Menschen. Laut FAO wurden im von den Vereinten
Nationen ausgerufenen "Reisjahr" 2004 weltweit über 608 Millionen
Tonnen Reis produziert.
Reisproduktion ausgewählter Länder 2004 
Reis wird überwiegend in Asien produziert und ist in
den Ländern mit der größten Produktion auch
Hauptnahrungsmittel. Die Produktion steigt weltweit jedoch nicht in
gleichem Maße, wie die Weltbevölkerung wächst (Datenquelle:
FAO).
Grundnahrungsmittel Reis 
Nur drei Pflanzen - Mais, Weizen und Reis - liefern die
Hälfte der weltweit durch Nahrungsaufnahme zugeführten Kalorien.
Der Verbrauch von Industrie- und Entwicklungsländern unterscheidet
sich erheblich: Je ärmer ein Land ist, desto höher ist der
Stellenwert, der Reis im Ernährungsplan zukommt (Datenquelle:
FAO).
Reis ist weltweit für mehr als drei Milliarden Menschen, davon zwei
Milliarden in Asien, wo das absolute Bevölkerungswachstum am
größten ist, das Hauptnahrungsmittel. Insgesamt wird zwar mehr
Weizen angebaut, aber der dient zu einem großen Teil als Tierfutter.
Die Bewohner von Ländern wie Bangladesch ernähren sich praktisch
nur auf Reisbasis, obwohl das Getreide an sich kein hochwertiges
Nahrungsmittel ist, das viele Proteine oder Vitamine enthält. Dem
daraus resultierenden Problem der Mangelernährung begegnen bestimmte
Züchtungen.
Das oberste Ziel der Kreuzungen war in den 1960er Jahren jedoch die
Ertragssteigerung, die nicht nur durch die Intensivierung der
Landwirtschaft, sondern auch durch Anpassung an verschiedene
Umweltbedingungen erreicht wurde - ermöglicht allein durch die
genetische Vielfalt. Die so genannte "grüne Revolution" brachte
riesige Erfolge bei der Armutsbekämpfung, insbesondere in Bangladesch,
Indien und Pakistan. Die gezüchteten Ertragssorten, die Umstellung auf
Monokulturen und der Einsatz von Düngemitteln sorgten dafür, dass
sich weltweit innerhalb von 25 Jahren die Welt-Reisernte verdoppelte, was
viele Menschen vor Hungersnöten bewahrt hat.
Monokulturen gefährden jedoch die Biodiversität, sind
anfälliger für Krankheiten und Schädlinge und belasten durch
ihre spezifischen Anbaumethoden die Umwelt stärker als die
traditionelle Landwirtschaft. In allen Ländern, die Reis anbauen,
schwindet die Vielfalt unter den angebauten Sorten. Auf den Philippinen
etwa, wo um 1950 noch etwa 1.000 Reisvarietäten wuchsen, findet man
heute nur noch wenige. Der Abfluss der Düngemittel und Pestizide
verschmutzt das Grund- und das Oberflächenwasser, und die Pestizide
töten außer den Reisschädlingen oft auch deren
natürliche Feinde.
Die wachsende Weltbevölkerung benötigt immer mehr Land für
Häuser, Fabriken, Geschäfte und Straßen - gleichzeitig
wächst der Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln und damit an immer
größeren oder produktiveren Anbauflächen, was wiederum die
biologische Vielfalt bedroht. Viele Länder Afrikas und Asiens werden
die Ernährung ihrer Bevölkerung nur sichern können, wenn sie
den Reisanbau intensivieren. Um diesen Konflikt nachhaltig zu
entschärfen und die Nutzpflanzen-Biodiversität langfristig zu
sichern, ist eine weltweite Zusammenarbeit zwischen Farmern und
Regierungen, auf regionaler und makropolitischer Ebene dringend geboten.
Das hieße, weltweit den Anbau von möglichst vielen der seltenen,
aber lokal angepassten Sorten zu fördern, selbst wenn diese nicht die
Erträge der Hochleistungsvarietäten erbringen. Nur so lassen sich
diese Reissorten in ihren eigentlichen Biotopen erhalten. Die zweitbeste
Lösung wäre die Lagerung der tausenden von weltweit gesammelten
Varietäten in Genbanken. Solche, wie sie etwa im Internationalen
Reisforschungsinstitut auf den Philippinen existieren, müssen aber
immer wieder aufgefrischt werden. Dazu sähen die Wissenschaftler die
eingelagerten Proben regelmäßig auf Testfeldern aus und ernten
die neu produzierten Reiskörner. Diese werden dann wiederum
eingelagert, um das Saatgut jeweils in einem keimfähigen Zustand zu
halten.
Zum wachsenden Bedarf an Reis kommt aktuell hinzu, dass das
Grundnahrungsmittel in Asien wegen gering ausgefallener Ernten und
steigender Nachfrage ein knappes Gut geworden ist. Der Preis ist laut
Weltbank in nur zwei Monaten um 75 Prozent angestiegen. Einige
Produzentenländer wie China, Indien, Ägypten oder Vietnam haben
bereits Ausfuhrbeschränkungen erlassen um die Versorgung ihrer eigenen
Bevölkerung sicher zu stellen. Dadurch hat sich das Problem
beispielsweise auf den Philippinen und in Kambodscha verschärft, wo
die Menschen auf die Importe angewiesen sind. Länder wie Bangladesch,
in denen fast die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze
lebt, sind besonders stark betroffen.
Literatur / Links:
Akzente
1/2008
FAO
Ruaraidh Sackville Hamilton (2007): Strength in Diversity. In: Rice Today
January-March 2007, Vol. 6, No. 1; S. 26-29.
International Rice Research Institute, www.irri.org
Manfred Rist: Asien leidet unter hohen Reispreisen. In: Neue Zürcher
Zeitung, 29./30.03.2008. 
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Präzise Einblicke in die
Schweiz
Die OECD untersucht in regelmäßigen
Abständen die Leistungsfähigkeit der
Volkswirtschaften. Die Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erstellt in
regelmäßigen Abständen Wirtschaftsanalysen einzelner
Länder, nicht nur der 30 Mitgliedstaaten. Jährlich erscheinen 18
dieser "Economic Surveys", die einen exzellenten Überblick über
die aktuelle Lage geben und dabei alle Faktoren berücksichtigen, die
einen Einfluss auf die Entwicklung haben, von der Arbeitsmarktpolitik
über die Qualität des Bildungssystems bis zur Steuergesetzgebung.
Auch soziale und Umweltfragen fließen ein. Weil die OECD-Experten
über einen breiten Horizont und eine hervorragende Datenbasis
verfügen, sind sie in der Lage, nicht nur die Situation in den
jeweiligen Ländern zu beschreiben, sondern diese mit der anderer
Staaten zu vergleichen. Messerscharf analysieren sie, welche politischen
Rahmenbedingungen zu Vorteilen im internationalen Wettbewerb führen,
warum sich ein Staat in einem bestimmten Bereich flexibler und klüger
anstellt als andere. Sie benennen aber auch schonungslos, wo die
Schwächen liegen und welche Entwicklungen ins Abseits führen, und
sie geben Empfehlungen ab. Denn die Probleme ähneln sich häufig.
Der Blick über den Tellerrand hinaus hilft, gute
Lösungsansätze zu identifizieren und diese gegebenenfalls zu
übernehmen.
Jüngst ist ein Economic Survey über die Schweiz erschienen. Das
Land im Herzen Europas gilt trotz einer Krise zu Beginn des Jahrtausends
gemeinhin als Inbegriff für Wohlstand, Prosperität und
Stabilität, als kreativ und anpassungsfähig. Die Schweiz mutet
ihren Bürgern viel Eigenverantwortung zu, was mit ein Grund dafür
ist, dass ihre Sozialsysteme tragfähiger sind als etwa die deutschen.
Die direktdemokratische Kontrolle über die Steuersätze und der
föderalistische Wettbewerb der Kantone und Gemeinden untereinander um
die Ansiedlung guter Steuerzahler sorgen zusammen mit strengen
Budget-Regeln für eine hohe Ausgabendisziplin. Die OECD-Fachleute
loben dies, finden indessen auch einiges, was verbesserungsfähig ist.
So liegt die Arbeitsproduktivität deutlich unter dem Niveau anderer
Hochlohnländer, aufgrund übermäßiger Regulierung in
manchen Sektoren. Dabei ist vor allem die Landwirtschaft zu nennen:
Niederländische Bauern erwirtschaften pro Arbeitsstunde fünf Mal,
spanische immer noch zwei Mal so viel wie ihre Schweizer Kollegen mit der
Folge, dass landwirtschaftliche Primärerzeugnisse aus der Schweiz im
Durchschnitt doppelt so teuer sind wie auf dem Weltmarkt. Aber auch in
anderen Bereichen, die woanders längst privatisiert wurden, wie Post,
Telekommunikation, Eisenbahn und Elektrizitätsversorgung, übt der
Staat noch großen Einfluss aus oder hält gar das Monopol. Das
bremst den freien Wettbewerb und mindert die Leistungsfähigkeit.
Ein weiteres Hemmnis für die ökonomische Entwicklung liegt im
Steuersystem, das Frauen von einer Erwerbstätigkeit abhält.
Rund 20 Prozent der Schweizer Gesamtbevölkerung von gut sieben
Millionen sind Ausländer oder haben einen Migrationshintergrund, das
ist der zweithöchste Wert innerhalb der OECD nach Luxemburg. Das
Alpenland verdankt den Zuwanderern nicht nur ein anhaltendes
Bevölkerungswachstum, sondern auch Wirtschaftskraft. In jüngster
Zeit zieht die Schweiz vermehrt hoch qualifizierte Arbeitskräfte an,
vor allem aus Deutschland, Frankreich und den englischsprachigen
europäischen Ländern. Dennoch hapert es allen Bemühungen zum
Trotz nach wie vor mit der Integration. So liegt die Arbeitslosigkeit unter
den Migranten über dem nationalen Durchschnitt, und ausländische
Kinder haben schlechtere Bildungschancen als einheimische. Sie verlassen
die Schule viermal häufiger ohne Abschluss als ihre Schweizer
Mitschüler.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Ausgaben für das Gesundheitssystem.
Es sei zwar von herausragender Qualität, schreiben die Autoren des
Economic Survey, was zu der hohen Lebenserwartung der Bevölkerung
beitrage und den Schweizern etwa die niedrigste Rate an
Herz-Kreislauferkrankungen in der OECD beschere, aber die Kosten dafür
seien extrem hoch. Tatsächlich wendet die Schweiz 11,6 Prozent ihres
Bruttoinlandsprodukts für Gesundheit auf und folgt damit an zweiter
Stelle der OECD-Rangliste nach den USA. Und die Kostenspirale dreht sich
unaufhaltsam weiter, unter anderem aufgrund der hohen Ärztedichte.
Auch das Schweizer Rentensystem kritisieren die OECD-Fachleute - obwohl es
wegen des "Drei-Säulen-Systems", das neben der umlagefinanzierten
staatlichen Rentenversicherung einen obligatorischen Eigenbeitrag sowie
Möglichkeiten zur freiwilligen Aufstockung der Altersvorsorge
vorsieht, als vorbildlich gilt: Es sei schlecht auf den demografischen
Wandel, sprich: die Alterung der Schweizer Bevölkerung vorbereitet.
OECD
Economic Surveys, Volume 2007/19, November 2007: Switzerland.
Jüngst erschienen: OECD 
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