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Emanzipation hebt die
Nachwuchszahlen
Warum die Kinderzahlen in den Ländern
Westeuropas so unterschiedlich hoch sind Im Jahr
2005 hat das Berlin-Institut die Untersuchung "Emanzipation oder
Kindergeld? Der europäische Vergleich lehrt, was man für
höhere Geburtenraten tun kann" veröffentlicht. Darin wurden die
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die unterschiedlichen
Kinderzahlen in westeuropäischen Nationen anhand einer Reihe
sozioökonomischer Indikatoren verglichen. Dabei wurde deutlich, dass
die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, die früher zu
immer weniger Kindern geführt hat, diesen Effekt heute nicht mehr hat.
Mittlerweile werden in jenen Ländern mehr Kinder geboren, die in Bezug
auf Wohlstand und auf die Gleichbehandlung der Geschlechter die modernsten
Gesellschaftssysteme aufweisen.
Das Berlin-Institut hatte deshalb vorgeschlagen, das Problem
nachwuchsarmer Länder aus einem neuen Blickwinkel zu diskutieren. Um
Menschen in modernen Industriegesellschaften zu höheren Kinderzahlen
zu motivieren, sei weniger die Höhe von Kindergeld und sonstigen
Transferleistungen entscheidend. Ausschlaggebend sei vielmehr die
Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft.
Seit 2005 haben viele Länder, aufgeschreckt durch anhaltende niedrige
Geburtenziffern, versucht ihre Familienpolitik zu modernisieren. Das Ziel
ist, Familie und Beruf für Frauen und Männer besser vereinbar zu
machen. Und Familien zu entlasten - zum einen, indem mehr
Betreuungseinrichtungen für die Kleinen bereitgestellt werden, und zum
anderen durch finanzielle Unterstützung.
Auch wenn sich ein Zusammenhang zwischen neuer Politik und der
Nachwuchszahl nicht unmittelbar belegen lässt: In einigen
Ländern, darunter Deutschland, steigen die Kinderzahlen je Frau wieder
an. Das Berlin-Institut hat deshalb die Untersuchung von 2005 mit neuem
Datenmaterial wiederholt, um herauszufinden, ob die damals formulierten
Erkenntnisse neu zu formulieren sind. Die Zusammenhänge zeigen sich
aber eher noch klarer.
Nach wie vor bestätigt sich, dass die wohlhabenderen Staaten
Westeuropas wie Island (2,05 Kinder je Frau) oder Norwegen (1,90)
höhere Kinderzahlen haben als ärmere wie Griechenland (1,39) oder
Portugal (1,35). Noch deutlicher wird der Zusammenhang zwischen modernen
Gesellschaftsstrukturen und Kinderzahl bei der Frauenerwerbstätigkeit:
Denn es werden dort mehr Kinder geboren, wo mehr Frauen im Beruf stehen.
Eine hohe Fertilität korreliert zudem mit dem Vorhandensein guter
Betreuungseinrichtungen und mit dem Anteil von Frauen mit hohen
Bildungsabschlüssen in Naturwissenschaft und Technik.
Die Differenz zahlreicher ökonomischer Indikatoren für
Männer und Frauen in einer Gesellschaft sagt etwas darüber aus,
wie gleichberechtigt beide Geschlechter am gesellschaftlichen Leben
teilnehmen können. Dies gilt etwa für die Differenz zwischen
Männer- und Frauenerwerbslosigkeit und -erwerbstätigenquote. So
liegt die Arbeitslosigkeit von Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren in den
kinderarmen Ländern Spanien und Griechenland etwa doppelt so hoch wie
die von Männern. In den vergleichsweise kinderreichen Nationen
Frankreich sind die Unterschiede wesentlich geringer, in Norwegen und
Island sind sogar Männer häufiger ohne Job.
Bruttoinlandsprodukt (in Kaufkraftstandards je Einwohner) und
Gesamtfertilität in Westeuropa (2006) 
Korrelationskoeffizient BIP je
Einwohner/Gesamtfertilität = 0,27.
Der Trend ist nicht sehr stark, aber eindeutig: Die reicheren Länder
vor allem im Norden Europas haben mehr Kinder als die ärmeren im
Süden. Der Banken- und Finanzstandort Luxemburg fällt mit seiner
ungewöhnlich hohen Wirtschaftskraft aus dem Rahmen (Quelle: Eurostat,
eigene Berechnung. Werte der Gesamtfruchtbarkeitsrate für Italien,
Belgien und Island: Statistikamt Italien, Statistikamt Belgien,
Statistikamt Island).
Erwerbstätigenquote von Frauen (25 bis 59 Jahre) und
Gesamtfertilität in Westeuropa (2006) 
Korrelationskoeffizient Erwerbstätigenquote von
Frauen/Gesamtfertilität = 0,63.
Wiederum stechen die nordischen Länder hervor, wenn es um die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Diese Politik wird belohnt: Denn
in diesen Ländern tragen besonders viele Frauen zur Volkswirtschaft
bei - und trotzdem liegen die Kinderzahlen hoch (Quelle: Eurostat, eigene
Berechnung. Werte der Gesamtfruchtbarkeitsrate für Italien, Belgien
und Island: Statistikamt Italien, Statistikamt Belgien, Statistikamt
Island).
Am deutlichsten wird der Zusammenhang zwischen Emanzipation und
Kinderzahlen bei der Zahl der nichtehelichen Geburten. In allen
westeuropäischen Ländern, die eine Gesamtfertilitätsrate von
mehr als 1,7 Kindern je Frau aufweisen, wird ein größerer Anteil
aller Kinder außerhalb von Ehen geboren als in Deutschland.
Länder wie Italien und Griechenland, in denen uneheliche
Lebensgemeinschaften und uneheliche Kinder noch immer stigmatisiert sind
und dementsprechend selten vorkommen, haben die geringsten Geburtenraten
Westeuropas.
Das Festhalten an traditionellen Familienstrukturen schafft somit
keinerlei demografischen Vorteil: Bei den geburtenfreudigen Schweden,
Norwegern und Franzosen kommt hingegen etwa die Hälfte aller Kinder
außerehelich zur Welt - in Island, dem Staat mit der europaweit
höchsten Kinderzahl je Frau sind es sogar über 65 Prozent.
Der Grund für diesen zunächst verblüffenden Zusammenhang
ist sicher nicht, dass instabile Beziehungen das Kinderkriegen
begünstigen. Die Scheidungshäufigkeit ist vielmehr ein Indikator
für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Wo Frauen die
Möglichkeit haben, finanziell unabhängig von ihrem
männlichen Partner zu existieren, steigt die Bedeutung der emotionalen
gegenüber der juristisch fixierten und ökonomisch notwendigen
Bindung. Dies trägt, gemeinsam mit der gesellschaftlichen Akzeptanz
von Ehescheidungen, offenbar dazu bei, dass auch die Wahrscheinlichkeit,
sich nach einer Eheschließung wieder zu trennen, steigt.
Anteil nichtehelicher Geburten und Gesamtfertilität in Westeuropa
(2006) 
Korrelationskoeffizient Anteil nichtehelicher
Geburten/Gesamtfertilität = 0,76.
In Ländern mit einem höheren Anteil außerehelicher
Geburten kommen generell mehr Kinder zur Welt. In allen
westeuropäischen Ländern, die eine Gesamtfertilitätsrate von
mehr als 1,7 Kindern je Frau aufweisen, wird ein größerer Anteil
aller Kinder außerhalb von Ehen geboren als in Deutschland.
Länder wie Italien und Griechenland, in denen uneheliche
Lebensgemeinschaften und uneheliche Kinder noch immer stigmatisiert sind
und dementsprechend selten vorkommen, haben die geringsten Geburtenraten
Westeuropas (Quelle: Eurostat, eigene Berechnung. Wert der
Gesamtfruchtbarkeitsrate für Island: Statistikamt Island. Keine Werte
für Belgien und Italien).
Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Steffen Kröhnert unter
030-22324844 und Dr. Reiner Klingholz unter 030-31017560 zur
Verfügung.
Die Studie "Emanzipation oder Kindergeld?" können Sie hier
lesen.
Eine englische Fassung wird in Kürze hier
zu lesen sein. 
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Alterung ist ein europaweites
Problem
Wissenschaftler diskutieren die Auswirkungen des
demografischen Wandels auf Europas Städte Das Schrumpfen von Städten in Tschechien und Polen hat im
Gegensatz zu Ostdeutschland bisher nicht zu massiven
Wohnungsleerständen und Abrissen geführt. Leer stehende Wohnungen
haben in den Ländern des früheren Ostblocks unterschiedliche
Ursachen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsprojekt des
Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), das die Entwicklung der
Bevölkerung in den Städten Brno (Brünn) und Ostrava (Ostrau)
in Tschechien sowie Gdansk (Danzig) und Lodz in Polen mit Leipzig
vergleicht. Im Gegensatz zu Ostdeutschland sei der Leerstand in Polen und
Tschechien keine Folge des Überangebots an Wohnungen sondern des
großen Sanierungsbedarfes in den Altstadtquartieren. Da viele Mieter
nicht angemeldet seien oder Untermieter beherbergen würden gebe die
offizielle Statistik oft nicht die Realität wieder, so die Forscher.
Gleichzeitig gebe es viel Parallelen zu Deutschland: Die Bevölkerung
altert, die Haushalte schrumpfen und immer weniger Menschen wohnen in den
Innenstädten.
Mehr als 81.000 Einwohner hat Lodz seit der Wende verloren. Das ist mehr
als jeder zehnte Bewohner dieser polnischen Stadt. Auch in vergleichbaren
tschechischen Städten sieht es nicht viel besser aus. Ostrava und Brno
verloren jeweils sieben Prozent. In beiden Ländern spielt die Alterung
der Gesellschaft eine große Rolle. Doch daneben gibt es auch
Ursachen, die sich stark unterscheiden: Während in den polnischen
Städten die Bevölkerung entweder in die Hauptstadt oder ins
Ausland wegzieht, ziehen Bewohner der tschechischen Städte meist in
Eigenheimsiedlungen im Umland. Diese so genannte Suburbanisierung spielt in
Tschechien genauso eine große Rolle wie in Ostdeutschland. In Polen
dagegen ist sie kaum von Bedeutung. Die Bevölkerungsverluste jetzt
sind nur der Anfang: Da in den Ländern des ehemaligen Ostblocks die
Geburtenraten inzwischen zu den niedrigsten weltweit gehört, sind die
Prognosen alarmierend. Das Statistische Hauptamt in Polen rechnet in den
größeren Städten allein bis 2030 mit einem Rückgang
der Bevölkerung um 20 bis 30 Prozent.
Auch innerhalb der Städte tut sich einiges: In allen vier
untersuchten Städten haben die innenstadtnahen Wohngebiete zwischen
den Volkszählungen 1991 und 2001 deutlich an Bewohnern verloren.
Während die Gesamtbevölkerung in Lodz um rund 10 Prozent
zurückging, waren es in der inneren Stadt laut offizieller Statistik
sogar 20 Prozent. Doch diese Zahlen sind aus Sicht der
Sozialwissenschaftler mit Vorsicht zu betrachten. Gerade Innerstädte
ziehen oft jüngere Menschen an, die sich nicht anmelden oder zu
Untermiete wohnen. In Brno beispielsweise soll laut Volkszählung die
Bevölkerung der inneren Stadt über dem Altersdurchschnitt der
Gesamtstadt liegen. "Doch unsere qualitativen Studien ergaben für Brno
eine deutliche und oft weder vom Einwohnermelderegister noch durch die
Volkszählungen bemerkte Verjüngung der inneren Stadt", schreiben
die Forscherinnen in ihrem Zwischenbericht.
Ein genereller Trend ist jedoch auch in Polen und Tschechien zu
registrieren: Die Zahl der Singles steigt. Einpersonenhaushalte machen
derzeit zwischen 30 und 35 Prozent aus, in der inneren Stadt sogar 40
Prozent. Auch der Anteil Alleinerziehender hat sich erhöht. Dagegen
hat der Anteil von Haushalten mit mehr als drei Personen, also die
klassischen Familie, seit 1990 stark abgenommen.
Nach 1989 wurde der staatliche Wohnungsbestand in Polen und Tschechien in
die Verantwortung der Kommunen übergeben und anschließend
langsam privatisiert. Im Gegensatz zu den Neubaugebieten der Nachkriegszeit
gehören Altbauwohnungen in der Innenstadt jedoch weiterhin den
Kommunen und werden von den alteingesessenen Mietern als "Quasi-Eigentum"
betrachtet, die oftmals als Alleinstehende in großen Wohnungen leben.
Dagegen können junge Haushalte oft keinen geeigneten Wohnraum finden,
was den Wohnungsmangel verschärft. Zudem gibt es in allen vier
Untersuchungsstädten Aufwertungsgebiete mit einkommenstarken Bewohnern
sowie Gebiete, in denen sich Einkommensschwache konzentrieren.
Der demografische Wandel und seine Folgen für die Stadtentwicklung
ist ein gesamteuropäisches Phänomen. Langfristig wird er auch in
Ostmitteleuropa ähnliche Folgen für die Nachfrage auf dem
Wohnungsmarkt und die Auslastung der Infrastruktur haben wie sie schon
jetzt in verschiedenen europäischen Regionen zu beobachten sind. Die
heute in Ostdeutschland zu bewältigenden Probleme haben Signalwirkung
für Polen und Tschechien in den nächsten Jahrzehnten, wo
ähnliche Entwicklungen erwartet werden. Gleichzeitig können auch
ostdeutsche Kommunen von ihren östlichen Nachbarn lernen. Zum
Beispiel wirkt sich größere Autonomie der Stadtteile in
Tschechien positiv auf deren Entwicklung aus.
Literatur / Links
Annegret Haase,
Katrin Großmann, Sigrun Kabisch, Annett Steinführer:
Städte im demographischen Wandel - Perspektivenwechsel für
Osteuopa.
OSTEUROPA , 58. Jg., 1/2008, S. 77-90.
Der Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung
(UFZ). 
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Arme und Ungebildete sterben
früher
Wie früh und woran man in den USA stirbt,
hängt stark von Schichtzugehörigkeit, Hautfarbe, Bildungsstand
und Einkommen ab In manchen armen Regionen des
amerikanischen Südens sinkt seit den 1980er Jahren die
Lebenserwartung. Dieser Trend widerspricht allen Erfahrungen hoch
entwickelter Staaten, in denen die Lebenserwartung seit Jahrzehnten
kontinuierlich steigt und dies aller Erwartung nach auch weiterhin tun
wird. Ausnahmen sind Russland oder andere ehemalige GUS-Staaten, wo vor
allem Männer aufgrund riskanter Lebensweise immer früher aus dem
Leben scheiden. In den Südstaaten der USA sterben vor allem Frauen vor
ihrer Zeit an den Folgen chronischer Erkrankungen, die in Zusammenhang mit
einem ungesunden Lebensstil entstehen, mit Rauchen, Übergewicht und
Bluthochdruck.
Veränderung der Lebenserwartung in den USA auf Bezirksebene
(County) nach Geschlecht 
Die Bezirke wurden je nach der Art, wie sich ihre
Lebenserwartung im Verhältnis zur nationalen, geschlechterspezifischen
Lebenserwartung (1961 bis 1983 Männer 4,1 und Frauen 4,8 sowie 1983
bis 1999 Männer 3,1 und Frauen 1,3) verhält, in sechs Gruppen
geteilt. Wie überall in den hochentwickelten Staaten ist auch in den
USA die Lebenserwartung gestiegen. Allerdings nur im nationalen Mittel und
regional sehr unterschiedlich. In Gruppe 1 stieg die Lebenserwartung
bedeutend über den nationalen geschlechterspezifischen Durchschnitt,
in Gruppe 6 sank die Lebenserwartung stark (Quelle:
PLoS Medicine).
Dies geht aus einer Studie hervor, die der Gesundheitsforscher Majid
Ezzati von der Harvard School of Public Health in dem offen
zugänglichen Fachjournal "PLoS Medicine" veröffentlicht hat. Das
Forschungsprojekt wurde von der amerikanischen Seuchenkontrollbehörde
"Centers for Disease Control and Prevention" unterstützt.
Wie fast überall auf der Welt haben auch in den Vereinigten Staaten
Impfungen und bessere Hygiene und ausreichende Ernährung über die
vergangenen hundert Jahre zu einem stetigen Anstieg der Lebenserwartung
geführt. Allein zwischen 1961 bis 1999 konnten amerikanische
Männer im nationalen Durchschnitt über sieben zusätzliche
Jahre verbuchen. Ihre Lebenserwartung stieg von 66,9 auf 74,1 Jahre,
während die der Frauen in demselben Zeitraum um knapp sechs Jahre, von
73,5 auf 79,6 Jahre zunahm. Der positive Trend vermochte allerdings die
bereits bestehenden sozialen Unterschiede nicht einzuebnen. Mancherorts
haben sie sich sogar vergrößert.
Ezzati und sein Team analysierten die Sterbedaten des Nationalen Zentrums
für Gesundheitsstatistik nach Geschlecht und Todesursachen über
fast vier Jahrzehnte hinweg, von 1961 bis 1999. Für die Zeit nach 1999
standen die entsprechenden Daten nicht zur Verfügung. Die Forscher
glichen die Werte Bezirk für Bezirk mit den Einwohner- und
Binnenwanderungsdaten des US-Zensus ab. Sie fanden eine höhere
Sterblichkeit vor allem in armen Regionen von 1983 an. Besonders deutlich
fiel die Schere zwischen Arm und Reich für die weibliche
Bevölkerung aus: Für 19 Prozent der Frauen ergab sich eine gleich
bleibende oder sinkende Lebenserwartung, aber nur für vier Prozent der
männlichen Bevölkerung. Als wichtigste Ursachen für diese
Entwicklung machten die Forscher das Rauchen und die damit verbundenen
Erkrankungen sowie Bluthochdruck und Übergewicht aus.
"Ein Rückgang der Lebenserwartung wird üblicherweise als
Anzeichen dafür gewertet, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme
versagt haben, wie dies etwa in Teilen Afrikas oder in Osteuropa der Fall
war", kommentiert einer der Koautoren der Studie, der
Gesundheitsstatistiker Christopher Murray von der Universität
Washington, die Befunde: "Dass jetzt Amerikaner in großer Zahl
betroffen sind, sollte als Anstoß aufgefasst werden, das
US-Gesundheitssystem ernsthaft zu überdenken".
Literatur
Majid
Ezzati et al. (2008): The Reversal of Fortune: Trends in County Mortality
and Cross-Country Mortality Disparities in the United States. PLoS med
5(4): e66 
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Der Kampf gegen die Armutsspirale
Mikroversicherungen als Instrument nachhaltiger
Entwicklungszusammenarbeit Wo Krankheit
Einkommensausfälle, wo Dürre Hunger und wo Naturkatastrophen
Obdachlosigkeit bedeuten und betroffene Menschen unausweichlich in eine
Spirale aus Armut und Elend stürzen, bieten Mikroversicherungen
Schutz. Sie sind somit ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die Armut.
Denn für eine nachhaltige Entwicklung ist es wichtig, gerade gering
verdienende Haushalte gegen drohende Risiken und Gefahren abzusichern.
Der entscheidende Unterschied von Mikroversicherungen zu gewöhnlichen
Versicherungen besteht darin, dass sie sich an Kunden richten, die
über ein zu geringes Einkommen verfügen, um sich die
Beiträge der gewöhnlichen Versicherungen leisten zu können.
Mikroversicherungen bemessen ihre Beiträge an diesen niedrigen
Einkommen und erfassen dadurch eine neue Zielgruppe.
Kann diese Rechnung aufgehen? Sie geht auf. Mit dem Konzept lassen sich
teilweise sogar Gewinne erwirtschaften. Auf über 250 Millionen neue
Kunden schätzt der Allianzkonzern, der sich im Bereich
Mikroversicherungen in Asien engagiert, das Marktpotenzial allein in
Indien. Das jüngst erschienene Kompendium "Protecting the poor. A
microinsurance compendium" fasst aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und
Praxis zusammen. Das Buch basiert auf einem weltweiten Forschungsprojekt
verschiedener nationaler Entwicklungsagenturen sowie der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) und berichtet Erfahrungen von rund vierzig
Versicherungsanbietern aus insgesamt fünfundzwanzig Fallstudien in
Asien, Afrika und Lateinamerika. Die an dem Projekt beteiligten Experten,
zumeist aus der Entwicklungszusammenarbeit und dem Versicherungswesen, sind
die Autoren des Buches. Darin liegt die Stärke der Publikation, denn
das Thema wird detailliert und fachgerecht aus unterschiedlichen
Blickwinkeln diskutiert.
Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt der Veröffentlichung: Wie
funktionieren Mikroversicherungen? Welche Organisationsmöglichkeiten
gibt es? Wie tragen staatliche und private Akteure zum Funktionieren des
Mikroversicherungswesens bei? Mit welchen Hindernissen ist beim Aufbau
neuer Versicherungsstrukturen in Entwicklungsländern zu rechnen?
Themen wie Unternehmensführung, Vermarktungstechniken und
Finanzmanagement werden ausführlich in allen Facetten erörtert.
Die Autoren diskutieren unterschiedliche Versicherungsprodukte wie eine
Kranken- oder Lebensversicherung für Arme und sie analysieren die
besonderen Bedürfnisse von Frauen und Kindern. Alle Kapitel bauen
durch zahlreiche Fallbeispiele einen starken Bezug zur Praxis auf.
Verschiedene Schaubilder und Tabellen illustrieren die Beispiele.
Das Kompendium richtet sich in erster Linie an Versicherungen, Banken,
Finanzexperten, Regierungen und Nichtregierungs-Organisationen. Die Leser
erfahren in insgesamt zwölf Strategien mit all ihren Pros und Contras,
wie sich Mikroversicherungen aussichtsreich und nachhaltig einführen
lassen. Hieraus müssen sie jedoch am Ende selbst die passende
Handlungsempfehlung herauslesen.
Wenngleich sich aus dem Buch kein allgemeingültiges Patentrezept zum
Aufbau von Mikroversicherungen ableiten lässt, bietet es zumindest die
Bausteine für das eigene Vorgehen. Durch den starken Praxisbezug und
die Erkenntnisse, die sich aus den weltweiten Erfahrungen ergeben, bietet
es dem Leser dennoch - so das erklärte Ziel der Publikation - die
Möglichkeit, aus den Erfahrungen anderer zu lernen und deren Fehler zu
vermeiden.
Churchill,
Craig (Hg.) (2008): Protecting the poor. A microinsurance compendium. New
Delhi, 654 S., 80 US-Dollar.
Erhältlich bei:
International
Labor Organization
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