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Verjüngung durch Zuwanderung
Die Schweiz profitiert von Immigranten, muss aber
ihre Integration verbessern Arbeitsmigranten sind
ein Plus für die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz: Sie
vergrößern die erwerbstätige Bevölkerung, erhöhen
die Produktivität der Volkswirtschaft und tragen zum Wachstum des
Bruttoinlandsproduktes bei. Besonders der Wohnungsmarkt profitiert von den
Einwanderern. Mehr Einwanderer bedeutet außerdem mehr Konsumenten und
steigende Nachfrage.
Nach dem zweiten Weltkrieg kamen Tausende ungelernte Industriearbeiter in
die Schweiz, unterbrochen nur von einer kurzen Phase in den 1970er Jahren,
in denen ihre Anträge in Folge des Konjunktureinbruchs abgelehnt
wurden. Ende der 1940er Jahre war die Schweiz das erste Land, das
Arbeitsmigranten anwarb. Angezogen wurden sie vor allem von der
Mehrsprachigkeit und dem vergleichsweise hohen Lohnniveau. Sie blieben im
Land und ihre Frauen zogen nach. Ihre Kinder besuchten Schweizer Schulen.
Vielen gelang ein beruflicher Aufstieg, und andere folgten, die ihre
ursprüngliche, einfacherer Arbeit verrichteten. Der typische Migrant
war zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt, männlich und oft nur
gering qualifiziert. Er arbeitete in der Industrie, der Gastronomie oder
auf Baustellen. Und er kam aus Südeuropa oder Jugoslawien.
In den 1990er Jahren änderte sich das Migrationsmuster. Zum einen
wurde die Gruppe der Ausländer heterogener, denn in Folge von Kriegen
und Konflikten wuchs die Zahl der Asylanten. Menschen strömten aus
Afrika und Asien in die Schweiz. Die Eidgenossenschaft gewährte vielen
von ihnen Aufenthalt. Prozentual an der Gesamtbevölkerung gemessen
waren es die meisten aller OECD-Länder. Zum anderen wuchs die Sorge
der Schweizer Behörden über zu viele Arbeitsmigranten. Man
vermutete, die ungelernten Industriearbeiter verzögerten die
wirtschaftliche Entwicklung. Die Schweizer wollten auf keinen Fall den
Anschluss an die Dienstleistungs- und Wissensgesellschaften ihrer
Nachbarländer verpassen. Dieser "tertiäre Sektor" verzeichnete in
der Schweiz nur schleppende Wachstumsraten.
So wurde eine neue Migrationspolitik ins Leben gerufen. Künftig
sollten vor allem gut ausgebildete Personen in die Schweiz kommen.
Vorzugsweise aus den europäischen Nachbarländern.
Hochqualifizierten Personen aus den "alten" EU-Staaten wurde die
Zuwanderung erleichtert, ungelernten Arbeitern aus anderen Ländern
erschwert.
Diese Einwanderungspolitik besteht im Wesentlichen und trotz verschiedener
Reformen bis heute fort. Die neuen Arbeitsmigranten sind nicht mehr fast
ausschließlich männlich, sie stammen immer öfter aus
mittel- und nordeuropäischen Ländern, sind besser ausgebildet als
ihre Vorgänger und haben sich weitere Berufsfelder erschlossen: die
Bildungsbranche und Wissenschaft, die IT-Branche, aber vor allem auch das
Bank- und Finanzwesen. Nicht zuletzt dank der neuen Migranten gelang der
Schweiz schließlich ein Strukturwandel und der Dienstleistungssektor
wuchs stärker.
Beschäftigung von Zuwanderern nach den wichtigsten zehn
Sektoren 
Vor allem die Zahl der im Bauwesen beschäftigten
Migranten ging im Laufe der betrachteten zehn Jahre zurück,
während der Bildungssektor, die IT-Branche, das Bank- und Finanzwesen
sowie die hochtechnologische Chemie- und Erdölindustrie von der
Zuwanderung profitieren konnten - Bereiche, in denen qualifizierte Personen
beschäftigt sind. Traditionelle Arbeitsplätze in der
Lebensmittelindustrie und der Metallverarbeitung haben dagegen für
Migranten an Bedeutung verloren. Nach wie vor verdient ein Großteil
der Zuwanderer seinen Lebensunterhalt in der Hotelbranche und der
Gastronomie (Quelle: Becker, Leonhard et al. 2008).
Jobs ja, Integration vielleicht
Die Schweiz zählt derzeit 7,6 Millionen Einwohner. Rund 22 Prozent
davon sind ausländischer Herkunft. Das ist nach Luxemburg europaweit
der zweithöchste Wert.
Was die Integration ihrer Zuwanderer betrifft, weist die Schweiz jedoch
noch erhebliche Defizite auf. Im europäischen Vergleich gelingt ihr
die Integration von nicht-europäischen Ausländern nur
mittelmäßig gut. Der Integrationsindex, der die
Integrationschancen von Ausländern aus Nicht-EU-Staaten misst,
vergleicht 140 Indikatoren aus den Bereichen Einwanderung und
Familienzusammenführung, Aufenthalts- und Arbeitsrecht,
Einbürgerung, politische Partizipation sowie Anti-Rassismus- und
Diskriminierungsgesetze. Die Schweiz belegt dort Rang 16 der 28
untersuchten Länder. Vor allem für den Spracherwerb der Migranten
müsste das Alpenland mehr tun. Die kommen nämlich häufig
nicht aus den Nachbarländern und beherrschen meistens keine der vier
Landessprachen als Muttersprache. Wie in Deutschland sind laut
Pisa-Schulbildungs-Studie Migrantenkinder in der Schweiz weniger
erfolgreich im Lernen als ihre einheimischen Altersgenossen. Das ist
problematisch, denn wer in der Schule zurückbleibt, hat später
schlechtere Chancen. Dann besteht das Risiko, dass Kinder von Zuwanderern
im selben Kreislauf aus ungelernter Arbeit und niedrigem Verdienst gefangen
bleiben wie ihre Eltern.
Doch braucht das Land die Migranten nicht nur für die
Wirtschaftsleistung, sondern auch für seine demografische Entwicklung.
Längst nämlich wächst die Bevölkerung nicht mehr aus
eigener Kraft. Bei einer selbst für europäische Verhältnisse
niedrigen Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau lässt nur die
Zuwanderung die Bevölkerung weiter wachsen.
Anteil ausländischer Bevölkerung an der
Gesamtbevölkerung nach Altersgruppen 
Die meisten Ausländer gehören der Altersgruppe
der erwerbstätigen Bevölkerung an. Etwa die Hälfte dieser
Personen befindet sich in einem für die Familiengründung
typischen Alter (Quelle: Statistikamt Schweiz).
Derzeit verjüngen die Migranten die Bevölkerung, denn ihr
Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren, knapp zehn Jahre unter dem
Mittelwert der Schweizer. Auf lange Sicht verschwinden die
Herausforderungen einer alternden Gesellschaft aber nicht, denn auch
Zuwanderer werden älter.
Literatur / Links
Bade, Klaus J. et al. (2007): Enzyklopädie. Migration in Europa. Vom
17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Paderborn.
Becker, Leonhard et al. (2008): Migration Policy and Industrial Structure:
The Case of Switzerland. In: International Migration Vol. 46 (2).
British Council/ Migration Policy
Group/ EU (2007): Migrant Integration Policy Index
Bundesamt für
Migration der Schweiz
Bundesamt
für Statistik der Schweiz
OECD (2007): Economic Surveys. Switzerland. Vol. 2007/19. Suppl. No. 1
Schuler, Martin et al. (2007): Atlas des räumlichen Wandels der
Schweiz. Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, Zürich. 
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"Wir müssen schnell einen ehrgeizigen
Klimaschutz umsetzen"
Interview mit Prof. Margareta
Kulessa 
Margareta Kulessa ist seit 2002 als Professorin für
Allgemeine Volkswirtschaftslehre und Internationale Wirtschaftsbeziehungen
an der Fachhochschule Mainz tätig. Darüber hinaus gehört sie
seit 2000 dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale
Umweltveränderungen (WBGU) an. Der
WGBU ist ein unabhängiges wissenschaftliches Beratergremium, das 1992
im Vorfeld der Rio-Konferenz von der Bundesregierung eingerichtet wurde. Zu
den Aufgaben des WGBU zählt, globale Umwelt- und Entwicklungsprobleme
zu analysieren und darüber in Gutachten zu berichten sowie Handlungs-
und Forschungsempfehlungen zu erarbeiten.
Die reichen Industrieländer verursachen den Klimawandel - die
armen Entwicklungsländer tragen die Folgen. Lässt sich so die
Diskussion um globale Gerechtigkeit und Klimawandel zusammenfassen?
Das ist zwar ein wesentlicher Teil der Klimaschutzdebatte, wie wir sie
heute führen, aber die tatsächlichen Zusammenhänge sind viel
komplexer. Je nachdem, um welche Treibhausgase es geht und welchen Zeitraum
man betrachtet, kann sich das Bild verschieben. Dann zeigt sich, ob
wirklich nur die Industrieländer Verursacher des Klimawandels sind,
oder ob nicht auch die Entwicklungsländer mit dazu beitragen.
Am stärksten ins Auge stechen die klimatischen Veränderungen
in den Entwicklungsländern. Mehr Dürren, mehr Stürme - die
Katastrophen finden in immer kürzeren Abständen statt. Woran
merken wir in den Industrieländern, in Europa, dass sich das Klima
verändert - und dass wir auch unsere politische Haltung ändern
müssen?
Der Klimawandel ist ungerecht, er trifft besondere Regionen besonders
hart. Und das sind zum großen Teil die ärmsten Regionen, und
dort trifft er wiederum die ärmsten Menschen, die von der
Landwirtschaft abhängig sind, am stärksten. Natürlich
betrifft der Klimawandel, sogar über seine Extremereignisse, auch die
Industrieländer. Denken Sie an die USA und Hurrikane, aber denken Sie
auch an die Hitzewellen in Europa in den vergangenen Jahren. Gerade
Südeuropa wird erheblich mit der Dürre zu kämpfen haben.
Selbst wir in Deutschland bekommen den Klimawandel spüren. Aber weil
unsere Wirtschaftsstruktur kaum noch von der Landwirtschaft abhängt,
haben wir viel bessere Chancen, uns anzupassen.
Wie müssen wir denn als verantwortliche Weltgemeinschaft darauf
reagieren?
Es geht vor allem darum, schnell einen ehrgeizigen Klimaschutz umzusetzen.
Das bedeutet, den Trend zu steigenden Emissionen in den nächsten
Jahren umzukehren. Bis Mitte des Jahrhunderts müssen wir die
Emissionen global gesehen halbiert haben. Alle, die zur Vermeidung von
Emissionen beitragen können, müssen alles in ihrer Kraft Stehende
tun. Das heißt, vor allem die wirtschaftlich Wohlhabenden sind in der
Pflicht. Aber auch die Länder, in denen sich große
terrestrischen Kohlenstoffspeicher befinden, das sind etwa Länder mit
erheblichem Bestand an tropischen Wäldern.
Das Ziel der internationalen Politik ist es, bis 2050 die
CO2-Emissionen zu halbieren. Das ist noch lange hin - ist das wirklich als
ehrgeizig zu bezeichnen?
Das ist sehr ehrgeizig! Das Ziel resultiert aus der Überzeugung, dass
es auch erreichbar sein muss - und mehr dürfte wirklich kaum machbar
sein. Es geht es darum, möglichst zu vermeiden, dass erstens die
Temperatur langfristig nicht um über zwei Grad Celsius ansteigt, und
dass sie zweitens pro Dekade nicht um über 0,2 Grad Celsius steigt.
Wenn man das alles erreichen will, ist man gut beraten, bis 2050 eine
Halbierung umzusetzen.
Was würde passieren, wenn diese Schwellenwerte nicht eingehalten
würden?
Die Natur, das Ökosystem, und auch die Menschen sind nur begrenzt in
ihrer Fähigkeit, sich in einer bestimmten Zeit an
Umweltveränderungen anzupassen. Über die Jahrzehnte können
wir vielleicht gerade mit zwei Grad umgehen, das gilt für die
Ökosysteme wie für den Menschen, aber wenn wir schon in einer
Dekade einen deutlichen Anstieg hätten, dann würden wir die
ökologische und sozio-ökonomische Anpassungsfähigkeit des
Ökosystems überstrapazieren.
Eine gemeinsame Anstrengung aller Staaten der Welt ist also notwendig.
Dafür braucht es ein Regelwerk. Was bewerten Sie vor diesem
Hintergrund die Forderung, die Ecuadors Energieminister Alberto Acosta im
Mai dieses Jahres erhoben hat: 350 Millionen Dollar pro Jahr als
Entschädigung dafür, dass sein Land den Regenwald als Speicher
von Treibhausgasemissionen erhält sowie die Ureinwohner und
Artenvielfalt schützt?
Das ist ein Ansatz, der seine Berechtigung hat. Wir kennen Staaten und
Naturschutzorganisationen, die Ländern für das Nichtabholzen in
Naturschutzgebieten Geld zahlen. Und der Gedanke ist auch richtig, da
einerseits vom Erhalt der Tropenwälder alle profitieren, und
andererseits gerade wirtschaftlich ärmere Länder durch deren
Vernichtung kurzfristig Einnahmen generieren können. Hier ist es
richtig, dass die wirtschaftlich wohlhabenden Länder einen Teil der
Kosten übernehmen, damit diese Kohlenstoffspeicher nicht vernichtet
werden. Allerdings verlangt Ecuador einen sehr hohen Preis, der deutlich
über dem liegt, was bisher bei ähnlichen Projekten gezahlt
wurde.
Das Interview führte Margret Karsch.
Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut)
erlaubt. 
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"Man muss nur kreativ sein!"
Interview mit Chuan Shi 
Chuan Shi ist Managing Director des Deutsch-Chinesischen
Kooperationsbüros für Industrie und Handel in
Nürnberg.
Ist in Chinas Öffentlichkeit Klimawandel ein Thema?
Die zentrale chinesische Regierung hat das zu einem Hauptthema gemacht,
zumindest in der Propaganda. In allen Zeitungen liest man jeden Tag
über die CO2-Emissionen, den Feinstaub in den Städten, den Smog,
und im Zusammenhang damit auch über den Klimawandel. Zumal dieser
China in den letzten zwei Jahren wesentlich härter getroffen hat, als
man dachte. Das Ausmaß hat auch die Regierung überrascht, obwohl
sie wie wir alle immer optimistisch waren und auch noch sind.
Wie bekommt die Bevölkerung die Folgen der Abgase zu
spüren?
Erstens - täglich und vor allem - am Smog: Wenn Sie in Chinas
Städten unterwegs sind, ersticken Sie fast. Die offizielle Statistik
der Asia Development Bank besagt, dass jährlich ungefähr 150.000
Menschen daran sterben, inoffiziell sollen es zwei- oder dreimal so viele
sein. Das ist ein Gesundheitsproblem, aber nicht nur. Der Klimawandel
trifft zweitens die Landwirtschaft sehr hart, das merken die Bauern als
erste. Und damit stellt sich die Frage, wie sich ein Land wie China seine
1,3 Milliarden Menschen ernähren kann, wenn die Agrarfläche
zerstört wird. Drittens trifft der Klimawandel die Infrastruktur: Der
Schneesturm im letzten Jahr beispielsweise hat halb China praktisch lahm
gelegt. Der wirtschaftliche Schaden war immens. Zusammengefasst: Die Folgen
des Klimawandel werden in absehbarer Zeit zu einer gesellschaftlichen Krise
führen, wenn man sie nicht meistern kann.
Die Stadtbevölkerung, die sich jeden Tag unter einer Dunstglocke
bewegt, hat zwar besseren Zugang zu den Medien als die
Landbevölkerung, aber die Bauern spüren unmittelbar, wie ihnen
die Lebensgrundlage entzogen wird, wenn ihre Felder überschwemmt
werden oder vertrocknen. Wie unterscheidet sich das Bewusstsein der
Bevölkerung auf dem Land von dem in der Stadt?
In China wächst das Bewusstsein der Bevölkerung in den
Städten sehr schnell, das ist vergleichbar mit Deutschland, wo die
Menschen sich vor zwanzig Jahren über die Wasserqualität oder den
Ruß beklagt und den Umgang mit der Umwelt verändert haben. Die
Landbevölkerung hat andere Sorgen als den Klimawandel, da sie jeden
Tag ums Überleben kämpft. Das ist das Dilemma der Regierung. Sie
muss immer zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Umweltschutz
abwägen.
Das Handeln von 1,3 Milliarden Chinesen fällt bei einer Zahl von
insgesamt 6,7 Milliarden Menschen auf der Welt ganz besonders ins Gewicht.
Wird in China ein Zusammenhang zwischen Klimawandel und
Bevölkerungsentwicklung hergestellt? Etwa zur Ein-Kind-Politik, die ja
immer noch gilt, auch wenn sie nicht mehr so streng angewandt wird.
Auch wenn sie umstritten ist: Immerhin haben wir dadurch 300 Millionen
Menschen weniger - sonst hätten wir noch mehr CO2-Emissionen und noch
größere Nahrungsmittelsorgen.
Gibt es denn konkrete Pläne der chinesischen Regierung, auf den
Klimawandel zu reagieren?
Zum einen erschien 2007 ein White Paper der chinesischen Regierung, das
beschreibt, welche schlimmen Folgen der Klimawandel für China mit sich
bringt und in Zukunft noch bringen wird. Zum anderen setzt die chinesische
Regierung auf erneuerbare Energien und Energiesparen und hat dazu seit 2007
eine Reihe von Gesetzen und Maßnahmen verabschiedet. Die Aufgabe
besteht nun darin, sie umzusetzen.
Das Dilemma ist: Höherer Wohlstand geht bis dato mit höheren
CO2-Emissionen einher.
Nicht unbedingt!
Setzen Sie auf neue Technologien, die das ändern?
Ja. Neue Technologien bringen nicht nur Lösungen, sie schaffen auch
wirtschaftliches Wachstum. Schauen Sie zum Beispiel auf neue Technologien
im der Bereich Solar- und Windenergie: Diese neuen Technologien bringen uns
vielleicht irgendwann von der fossilen Energie ganz weg, die wir uns
sowieso nicht mehr leisten können. Sie schaffen aber auch einen ganz
neuen Wirtschaftszweig, der viele Menschen beschäftigt. Man redet
jetzt viel über Bewusstseinswandel. Das ist zwar notwendig. Aber dann
kommt immer: "Wir müssen verzichten!" Das macht der Bevölkerung
Angst, und dann macht sie nicht mit. Bei Bewältigung des Klimawandels
geht es nicht darum, den bestehenden Wohlstand neu zu verteilen, sondern
darum, dass alle mehr bekommen, durch neue Technologien und kreative
Lösungen!
Das klingt sehr optimistisch angesichts der bereits spürbaren
Folgen des Klimawandels und der Schwierigkeit die Energieversorgung schnell
genug zu revolutionieren.
Die Chinesen sind immer optimistisch gegenüber allen
Herausforderungen. Man muss nur kreativ sein, um die Probleme zu
lösen. Die Menschheit ist darauf eingestellt, jeden Tag, jedes Jahr
neue Probleme zu lösen. Klimawandel ist kein Weltuntergang. Das ist
nur eine größere Herausforderung!
Sie halten den Wunsch der chinesischen Bevölkerung nach mehr
Wohlstand also für völlig unproblematisch, was den Klimawandel
betrifft?
Jeder Mensch hat Recht auf mehr Wohlstand. Die Frage ist nur wie, nicht
ob. Problematisch wäre es dann, wenn die chinesische Bevölkerung
eine Lebensart wie Amerikaner anstrebte. Mein Traum ist, dass China das
Klimaziel von Deutschland in Jahr 2050 (zwei Tonnen Kohlendioxid pro Person
und pro Jahr) auch annähernd erreichen kann. An der Lösung und
Umsetzung arbeiten wir gerade.
Das Interview führte Margret Karsch.
Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut)
erlaubt.

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Lust auf Vielfalt
Der neue Stiftungsreport zeigt, warum Vielfalt
ein Gewinn für die Gesellschaft ist Wie
lassen sich Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte in unsere
Gesellschaft integrieren? Dieser Frage, einem der Topthemen des
demografischen Wandels, widmet sich der neue Stiftungsreport 2008/09. Er
beschreibt, wie sich Stiftungen in diesem Bereich engagieren und welche
zivilgesellschaftliche Rolle ihnen dabei zukommt.
Seit der Jahrtausendwende wird sich die deutsche Politik der verpassten
Chancen in Bezug auf die Integration von Zuwanderern bewusst. Dies zeigt
sich in der Änderung des Einbürgerungsgesetzes, dem Nationalen
Integrationsplan und den Integrationsgipfeln. Die Zahlen machen deutlich,
wie überfällig solche Konzepte sind: Fast 20 Prozent der
deutschen Bevölkerung weisen eine Migrationgeschichte auf. Viele von
ihnen sind in Deutschland geboren und/oder besitzen die deutsche
Staatsangehörigkeit. Trotzdem sind sie im Bildungsbereich und auf dem
Arbeitsmarkt benachteiligt. In Fachkreisen spricht man von einem "Brain
Waste", also der Verschwendung von Fähigkeiten, welche die
schrumpfende und alternde deutsche Gesellschaft so gut gebrauchen
könnte.
Vielen Stiftungen ist diese Problemlage bekannt. Sie mahnen die Politik
nicht nur seit geraumer Zeit zum Handeln, sie tun auch selbst etwas. Das
START-Projekt der Hertie-Stiftung, in dem begabte und engagierte
Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund gezielt
gefördert werden, ist nur ein Beispiel hierfür. Viele andere
Initiativen stellt der Report in Fallbeispielen, Reportagen und Interviews
vor. Das Spektrum reicht dabei von finanziell reich geförderten
Großprojekten hin zu kleinen individuellen Engagements. Dies sind
erste Schritte einer praktischen Integration. Klaus J. Bade, Begründer
des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
mahnt deshalb zur Eile: "In Sachen Integrationsförderung gibt es keine
Erkenntnislücke, sondern ein Umsetzungsproblem."
Stiftungen bieten den idealen Rahmen für zivilgesellschaftliches
Engagement. Ohne auf Wählerstimmen Rücksicht nehmen zu
müssen sind sie schnell handlungsfähig und auch bereit, Fehler
zuzugeben und ihren Kurs gegebenenfalls zu korrigieren. Sie können auf
eigenes Risiko innovativ sein und somit Pionierleistungen vollbringen. Da
wundert es nicht, dass die Akzeptanz der Stiftungen in der Bevölkerung
kontinuierlich wächst. Während 2005 im Leben der meisten
Bundesbürgerinnen und -bürger Stiftungen kaum eine Rolle
spielten, ist inzwischen jede/r dritte Deutsche bereit, die Arbeit von
Stiftungen zu unterstützen. 25 Prozent tun dies sogar bereits. Die
breite Zustimmung schlägt sich in der Statistik nieder: Täglich
werden drei neue Stiftungen gegründet.
Und noch eines bringt der Stiftungsreport zu Tage: Stiftungen hätten
einen größeren finanziellen Spielraum, wenn sie ihr Geld besser
verwalten (lassen) würden. "Banken und Berater müssen die
Stiftungen künftig besser beraten, damit von den jährlichen
Erträgen mehr Geld für das Gemeinwohl übrig bleibt", meint
Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher
Stiftungen. Auch wollen die meisten Stiftungen in ethisch-ökologische
Geldanlagen investieren, sehen dafür aber oft keine Möglichkeit.
Dieses Potenzial hätten Banken und Finanzberater bisher verschlafen.
Nichtsdestotrotz sind über 70 Prozent der befragten Stiftungen mit
ihren Banken zufrieden.
Erfrischend unabhängig von parteipolitischen Gerangel bringt der
Report zum Ausdruck, was Stiftungen im sozialen Engagement, insbesondere in
der Integrationsförderung, auszeichnet: Unabhängige,
praxisorientierte Initiativen auf der Grundlage der Erkenntnis, dass
Vielfalt in jeder Hinsicht unsere Gesellschaft bereichert.
Stiftungsreport 2008/09 Wie Vielfalt
zusammenhält - Projekte, Initiativen und Menschen. Herausgegeben vom
Bundesverband Deutscher Stiftungen in Kooperation mit der BMW Stiftung
Herbert Quandt, 208 Seiten, 18,90 Euro.
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Das Berlin-Institut für Bevölkerung und
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Veränderungen zu betreiben und das öffentliche Wissen über
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