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Leben Migranten länger?
Wieso die Sterberate von Zuwanderern verzerrt
ist Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung
von knapp 83 Jahren werden ausländische Männer dem Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge zufolge fast sechs Jahre älter
als deutsche. Ausländische Frauen erreichen ein durchschnittliches
Alter von über 86 Jahren. Deutsche Frauen sterben laut der amtlichen
Statistik (bezogen auf die Jahre 2005/06) in der Regel vier Jahre
früher, mit 82,5 Jahren.
Jahrelang bereitete den Forschern dieses Phänomen Kopfzerbrechen.
Wieso leben Migranten länger, obwohl sie doch oft sozial und
wirtschaftlich schlechter gestellt sind? Das scheint ein Widerspruch zu
sein, da viele Studien auf Zusammenhänge zwischen erhöhter
Sterblichkeit und ungleichen Lebensbedingungen hinweisen (vgl. DEMOS 37
und 51).
Schreibt man die auffällig hohe Lebenserwartung der Migranten
allerdings statistischen Messfehlern zu, löst sich dieser Widerspruch
auf. Tatsächlich sind die Daten örtlicher Melderegister
höchst fehlerhaft, was zu erheblichen Verzerrungen bei der Messung der
Sterblichkeit führt. Die Zahl der Migranten wird in Deutschland oft
überschätzt, weil viele von ihnen zwar immer noch hier gemeldet
sind, aber längst anderswo leben. Laut Gesetz müssten sie sich
offiziell abmelden, bevor sie Deutschland dauerhaft verlassen. Kaum jemand
tut das aber. Andere wiederum möchten ihren Wohnsitz in der
Bundesrepublik behalten, verbringen aber trotzdem eine große Zeit
ihres Ruhestandes in ihrem Heimatland und sterben möglicherweise dort.
Von den Ämtern werden nur Geburten- und Sterbefälle in
Deutschland registriert, weil sie einer Anzeigepflicht unterliegen.
Ausländer, die längst fortgezogen oder im Ausland verstorben
sind, altern in der Statistik und sterben nie. So steigt die
durchschnittliche Lebenserwartung der Migranten zu Unrecht. Manch einer
erreicht ein biblisches Alter von über hundert Jahren. Die Beamten
dürfte das stutzig machen, aber in den seltensten Fällen
fällt ein solcher Fall überhaupt auf. Noch seltener wird
daraufhin die Einwohnermeldestatistik korrigiert (vgl. DEMOS
16).
Woher stammen die Sterbezahlen der Migranten?
Üblicherweise drückt die "rohe Sterberate" aus, wie viele
Menschen in einem bestimmten Zeitraum bezogen auf 1.000 Personen gestorben
sind. Voraussetzung hierfür ist ein funktionierendes Meldewesen, das
die Sterbefälle dokumentiert. Präzisere Aussagen über
bestimmte Bevölkerungsgruppen sind möglich, wenn die Sterberate
auf eben solche Gruppen beschränkt wird. So kann die Sterblichkeit
einer bestimmten Altersgruppe oder einer Nationalität gemessen
werden.
Die Sterblichkeit von Migranten ist schwer zu bestimmen, weil die
Datenlage dafür relativ schlecht ist. Die letzte Volkszählung in
Deutschland, bei der die gesamte westdeutsche Bevölkerung erfasst
wurde, fand 1987 statt. Der letzte Zensus der DDR stammt aus dem Jahr 1981.
Befragt wurden die damaligen Einwohner neben demografischen Angaben zu
Alter, Geschlecht und Familienstand auch nach ihrer
Staatsangehörigkeit. Zwischen den jeweiligen Zensen wird die
Bevölkerung statistisch fortgeschrieben und vom Statistischen
Bundesamt veröffentlicht, um regelmäßige Aussagen zu den
Einwohnerzahlen treffen zu können. Hierbei schleichen sich Jahr
für Jahr Fehler ein, die über die Zeit kumulieren. So ist dem Statistischen
Bundesamt seit längerer Zeit bekannt, dass in Deutschland
mindestens 1,3 Millionen Menschen weniger leben als offiziell
angegeben.
Zu Ungenauigkeiten bei der Bestimmung der Mortalität von Migranten
können weiterhin die Angaben über Staatsangehörigkeit und
Alter führen. Eine Person, die zwar zugewandert ist, aber nach einer
Zeit eingebürgert wurde, verschwindet aus der Statistik der
ausländischen Migranten. Wenn sie stirbt, wird ihr Fall der Sterberate
der Deutschen zugerechnet. Asylbewerber oder Flüchtlinge haben oft
keinen Reisepass, manche kennen nicht einmal ihr Geburtsjahr. Falsche
Schätzungen oder Einträge können deshalb die Sterberate von
Migranten verzerren.
Schließlich bestimmt das Alter einer Bevölkerungsgruppe deren
Sterblichkeit. Da die Altersgruppe der über 60-Jährigen die
meisten natürlichen Sterbefälle pro 1.000 Personen aufweist, der
Anteil der über 60-jährigen Ausländer aber vergleichsweise
niedrig ist, liegt die rohe Sterberate der ausländischen
Bevölkerung insgesamt unter jener der deutschen Bevölkerung. Dem
Statistischen Bundesamt zufolge zählen 25 Prozent der Deutschen zu
dieser Alterklasse, aber nur 12,6 Prozent der Ausländer.
Eine entscheidende Rolle spielt ferner die Datenquelle, auf der die
Berechnungen der Sterblichkeit basieren. Anstelle der amtlichen Statistik
der Sterbefälle durch die Einwohnermeldeämter können
statistische Analysen über Migranten mit Daten des
Ausländerzentralregisters gespeist werden. Das
Ausländerzentralregister dokumentiert neben demografischen Daten,
Meldestatus und Staatsangehörigkeit auch den Sterbezeitpunkt eines
Ausländers. Ein Vergleich mit der amtlichen Statistik zeigt, dass die
Unterschiede in der Sterblichkeit zwischen Ausländern und Deutschen
basierend auf den Daten des Ausländerzentralregisters geringer
ausfallen. Doch auch hier können sich Erhebungsfehler einschleichen.
Die durchschnittliche Lebenserwartung im Vergleich 
Während die Differenz in der Lebenserwartung von
deutschen und ausländischen Männern nach der amtlichen Statistik
5,8 Jahre beträgt, verringert sie sich nach dem
Ausländerzentralregister (AZR) auf vier Jahre. Die Lebenserwartung von
ausländischen Frauen unterscheidet sich nach dem AZR sogar nur um zwei
Jahre von der der deutschen, gegenüber 3,7 nach der amtlichen
Statistik. Tatsächlich dürfte die Lebenserwartung von
Ausländern unter der von Alteingesessenen liegen (Quelle: Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge (2008): Leben Migranten wirklich
länger? Eine empirische Analyse der Mortalität von Migranten in
Deutschland. Working Paper 16. Nürnberg).
Für Mortalitätsanalysen besser geeignet sind daher Daten aus der
gesetzlichen Rentenversicherung, die ebenfalls den Todeszeitpunkt eines
Mitgliedes erfassen. Da die Rentenauszahlung von dem Meldestatus des
Empfängers abhängt, treten Meldefehler seltener auf.
Problematisch ist allerdings, dass bestimmte Erwerbsgruppen wie
Selbstständige, Beamte und auch Hausfrauen nicht erfasst werden
können und die Daten daher nicht vollständig sind.
Die Sterberate der über 60-Jährigen im Vergleich 
Die Sterberate, die sich hier auf die Altersgruppe der
über 60-Jährigen bezieht, ist auch nach den Daten der
gesetzlichen Rentenversicherung für ausländische Mitbürger
niedriger als für deutsche. Die Differenz zwischen ausländischen
und deutschen Frauen ist größer als bei den Männern. Die
Ursachen könnten in der unvollständigen Datenlage liegen (Quelle:
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008): Leben Migranten
wirklich länger? Eine empirische Analyse der Mortalität von
Migranten in Deutschland. Working Paper 16. Nürnberg. Nach Daten der
Gesetzlichen Rentenversicherung).
Vieles deutet also darauf hin, dass die Migranten gar nicht älter
werden, sondern dass ihre Todesfälle einfach nur seltener registriert
werden.
Literatur / Links
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2005): Land ohne Daten. Demos
16. Berlin.
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2007): Gesundheit und ein langes
Leben für alle? Demos 37. Berlin.
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2008): Arme und Ungebildete
sterben früher. Demos 51. Berlin.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008):
Healthy-Migrant-Effect, Erfassungsfehler und andere Schwierigkeiten bei der
Analyse der Mortalität von Migranten. Eine Bestandesaufnahme. Working
Paper 15. Nürnberg.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008): Leben Migranten
wirklich länger? Eine empirische Analyse der Mortalität von
Migranten in Deutschland. Working Paper 16. Nürnberg.
Robert Koch-Institut/Statistisches Bundesamt (2008): Migration und
Gesundheit. Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichtserstattung des
Bundes. Berlin.
Statistisches
Bundesamt (2008): Bevölkerungszahl vermutlich um 1,3 Millionen zu
hoch. Pressemitteilung Nr. 265 vom 22.07.2008.
Statistisches Bundesamt (2008): Bevölkerung und
Erwerbstätigkeit. Ergebnisse aus dem Ausländerzentralregister.
Wiesbaden. 
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Den USA gehen die qualifizierten
Arbeitskräfte aus
Das Zusammentreffen von der Verrentung der
Babyboomer, einer stagnierenden Bildungs- und einer restriktiven
Einwanderungspolitik steht dem Wirtschaftswachstum im Weg Ihren Aufstieg zur Supermacht und ihre wirtschaftliche
Vormachtstellung verdanken die USA unter anderem einer hochqualifizierten
Arbeitnehmerschaft. Bei ihrem Eintritt in die Arbeitswelt galten die
Arbeitnehmer der Babyboomer-Generation als die besten der Welt. Nun kommen
sie allmählich in die Jahre. Gehen die Babyboomer in Rente, fehlt es
an gut ausgebildetem Nachwuchs. Denn aufgrund schwerer Versäumnisse in
der Bildungspolitik stagniert das Bildungsniveau auf dem Stand von vor 30
Jahren.
Zwar könnte die Zuwanderung von qualifizierten Kräften aus dem
Ausland Abhilfe schaffen, doch ausgerechnet die wurde in den letzten Jahren
stark eingeschränkt. Und da andere Staaten nicht schlafen,
verschärft sich nun der Wettbewerb um die klügsten Köpfe.
Großzügige Investitionen in das Bildungssystem werden nach der
langen Periode des Stillstands nur langfristig Wirkung zeigen. Kurzfristig
hilft nur qualifizierte Einwanderung. Dazu müssen die
Zuwanderungsgesetze reformiert werden, um den stetigen und wirtschaftlich
bedeutsamen Zufluss von hochqualifizierten Arbeitskräften
einzuleiten.
Doch stattdessen schraubten die USA in den vergangenen Jahren die
Zuwanderungshürden hoch. Dabei ist die Nachfrage vorhanden: Im April
2008 stellten US-Unternehmen 163.000 Anträge auf ein H-1B Visum
(qualifizierte Arbeitskräfte und ausländische Studenten mit
Abschluss einer US-Universität), von denen nur knapp die Hälfte
bewilligt wurde. Die größten und wettbewerbsfähigsten
amerikanischen Unternehmen bekommen keine Visa für dringend
benötigte Fachkräfte.
Dabei war Zuwanderung schon immer eine der Grundlagen für die
Innovationsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft: Wie bei Google,
eBay und Yahoo stammt bei mehr als der Hälfte der in den vergangenen
15 Jahren im Silicon Valley gegründeten Firmen mindestens einer der
Gründer aus dem Ausland. Nicht nur aufstrebende Staaten wie Indien und
China konkurrieren mit den USA um das beste Personal. Auch OECD-Staaten,
die von einer noch stärkeren Alterung der Bevölkerung betroffen
sind, arbeiten an der Liberalisierung ihrer Einwanderungsgesetze für
hochqualifizierte Zuwanderer. Das Interessante dabei: Vielen Staaten
kopieren das US-Modell, beispielsweise die EU mit der Blue-Card, einer
Abwandlung der amerikanischen Greencard (vgl.
GMR Juli 2008). Hier könnte sich ein erbitterter Wettbewerb um die
klügsten Köpfe entwickeln. Für die USA steht nicht weniger
als ihre Führungsrolle in der globalen Wirtschaft auf dem Spiel.
Literatur / Links
Atlantic
Community (2008): Global Must Reads, August 2008.
Jacob
F. Kirkegaard (2008): US-High-Skilled Immigration Policy: A Self-Inflictet
Wound, Peterson Institute for International Economics, Juli 2008. 
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Entwicklung braucht Zusammenarbeit
Die ärmsten Länder stellen die
wirkliche Herausforderung für die Entwicklungszusammenarbeit
dar In seinem Buch "Die unterste Milliarde"
vergleicht Paul Collier die Welt mit einem Kuchen. Dieser Kuchen besteht
aus sechs Stücken mit jeweils einer Milliarde Menschen. Auf einem der
Stücke - jenem mit dem Sahnehäubchen - leben wir Europäer
und Nordamerikaner in Wohlstand. Vier weitere Stücke gehören den
Menschen aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie Indien, China oder
Brasilien. Länder, mit denen es allmählich bergauf geht. Ein
letztes Kuchenstück wird von den ärmsten Menschen der Erde
bewohnt. Es sind Länder, deren Entwicklung stagniert oder sich
verschlechtert hat. Diese Menschen nennt Paul Collier die "unterste
Milliarde".
Die zentrale These des Buches ist, dass sich die Distanz zwischen den
ärmsten Ländern und den übrigen Entwicklungsländern
vergrößert hat. Die ärmsten Länder schließen
insgesamt 58 kleine Staaten ein, die zusammen eine Milliarde Menschen - ein
Sechstel der Weltbevölkerung also - beherbergen. Zu 70 Prozent liegen
sie in Afrika. Aber auch Länder anderer Kontinente wie Nordkorea oder
der Jemen zählen dazu. Sie stellen die wirkliche Herausforderung
für die Entwicklungszusammenarbeit dar. Während andere
Länder allmählich wachsen und sich mit der Zeit dem Wohlstand
annähern werden, haben sich die Werte der Entwicklungsindikatoren bei
der untersten Milliarde verschlechtert. Diese Länder sind heute
ärmer als vor vierzig Jahren.
Paul Collier hat dafür plausible Erklärungen. Mit zahlreichen
Forschungsergebnissen und anschaulichen Länderbeispielen untermauert,
beschreibt er vier Entwicklungsfallen. In mindestens einer davon ist ein
jedes Land der untersten Milliarde gefangen. Die Konfliktfalle verhindert
die Entwicklung von Ländern, die längere Perioden der Gewalt
durchlaufen. Das können Bürgerkriege wie in Somalia oder Ruanda
sein, militärische Konflikte mit Nachbarländern oder
Staatsstreiche. Die Ressourcenfalle bedeutet nicht, dass ein rohstoffarmes
Land für immer vom Handel ausgeschlossen sein wird, sondern eine
Gefahr, die vom Umgang mit Überfluss ausgeht: Rohstoffreichtum kann
den Wert anderer Exportgüter verringern und so eine nachhaltige
wirtschaftliche Entwicklung verhindern. Im Fall von Nigeria war es der
Ölboom, in Kenia der Kaffeeexport. In der dritten Falle sitzen
Binnenstaaten, die von sogenannten schlechten Nachbarn umgeben sind.
Nachbarn, die sie von der Außenwelt, vom Handel und von ihrer Chance
auf Entwicklung abschneiden. Sei es, weil sie dem Land ihrerseits keinen
Marktplatz für dessen Waren bieten können und wollen, sei es,
weil es an Straßen- und Bahnlinien fehlt oder in ihnen
Bürgerkrieg herrscht. Von solchen Nachbarn ist etwa Uganda umgeben. In
der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan und in Somalia herrschen Gewalt
und in Kenia und Tansania sind die Straßen sehr schlecht. Die vierte
Falle ist die der Bad Governance, der fehlerhaften Regierungsführung.
Korruption und eine schlechte Wirtschaftspolitik verhindern das Wachstum,
wie das Beispiel des Tschads zeigt, der laut Transparency
International zu den korruptesten Staaten der Erde zählt.
Die unterste Milliarde sitzt seit Jahrzehnten in diesen Entwicklungsfallen
fest. Aus eigener Kraft schaffen sie den Aufstieg nicht mehr. Staaten wie
Indien oder China haben mittlerweile die Nischen im Weltmarkt gefüllt.
Dennoch ist die unterste Milliarde nicht dazu verflucht, in ewiger Armut zu
verharren, sofern die Industrienationen ihnen helfen. Doch zur Lösung
ihrer Probleme bedarf es mehr als Entwicklungshilfe. Paul Collier betont,
dass die G-8-Länder sich dem Thema annehmen müssen und entwirft
eine Strategie: Neben der Entwicklungshilfe, die im Wesentlichen auf
Budgethilfe reduziert wird, spielen darin drei andere Instrumente eine
Rolle: militärische Interventionen, Gesetze und Chartas sowie eine
reformierte Handelspolitik.
Inwieweit seine Vorschläge durchführbar sind und
tatsächlich zur Lösung der Probleme führen, darüber
lässt sich allerdings streiten. Auch der starke
wirtschaftswissenschaftliche Fokus bietet Angriffsfläche für
Kritik. Für den ehemals bei der Weltbank beschäftigten
Ökonomen Paul Collier steht und fällt die Entwicklung eines
Landes mit dessen Wirtschaftswachstum. Aspekte der menschlichen Entwicklung
wie Bildung und Gesundheit, die insbesondere für das Erreichen der
Millenniumsentwicklungsziele von Bedeutung sind, werden nicht thematisiert.
Dass aber gerade ein hohes Bevölkerungswachstum die wirtschaftliche
Entwicklung negativ beeinflusst, belegen andere Studien. Hohe
wirtschaftliche Wachstumsraten sollten deshalb nicht das
ausschließliche Ziel von Entwicklung sein. Wirtschaftliche
Entwicklung ist nur ein Teilbereich von Entwicklung, und Armut definiert
sich nicht nur durch fehlenden materiellen Wohlstand. Das wird deutlich am
Beispiel des südindischen Bundesstaates Kerala. Im indischen Kontext
verzeichnet Kerala nach Carl
Haub und O.P. Sharma die besten Ergebnisse in der menschlichen
Entwicklung und weist unter anderem die höchste Alphabetisierungsrate
bei den Frauen, die niedrigste Fertilität und eine hohe
Lebenserwartung auf. In der wirtschaftlichen Entwicklung aber schneiden
andere Bundesstaaten besser ab, denn Investoren bevorzugen diese Regionen
des Subkontinents.
Collier, Paul (2008): Die unterste Milliarde. Warum die ärmsten
Länder scheitern und was man dagegen tun kann. C.H. Beck,
München, 19,90 Euro (gebundene Ausgabe).
Erhältlich im Buchhandel oder bei der Bundeszentrale
für politische Bildung. 
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