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Europe´s Demographic Future - Growing
Regional Imbalances
Die neue Studie des Berlin-Instituts liegt jetzt
auch auf Englisch vor Vielerorts in Europa liegen
die Kinderzahlen auf niedrigem Niveau. Immer mehr Menschen kommen ins
Rentenalter. Das stellt die Sozialsysteme überall vor große
Herausforderungen. Zudem spielen in der Europäischen Union Grenzen
immer weniger eine Rolle. Die Menschen ziehen dahin, wo sie sich bessere
Lebensbedingungen erhoffen - innerhalb ihrer Herkunftsstaaten, aber sie
verlassen ihre Heimatländer auch. Alte wie neue Mitgliedsstaaten der
Europäischen Union wollen von der EU-Erweiterung profitieren. Billige
Produktion wandert gen Osten, aber am meisten verdient wird nach wie vor in
den Innovationszentren
im Norden und im Westen.
In dieser Studie werden 285 Regionen aller 27 EU-Mitgliedsstaaten und der
Nicht-EU-Länder Island, Norwegen und Schweiz mittels eines
statistischen Indikatorensystems in ihrer demografischen und
wirtschaftlichen Entwicklung vergleichend analysiert und bewertet. Die
ehemals jugoslawischen Staaten sowie die Ukraine, Weißrussland und
Moldawien sind getrennt beschrieben.
Der Ländervergleich zeigt, wo welche Entwicklungen zu erwarten sind.
Wie Italien oder Island, Frankreich oder Bulgarien die Zuwanderer
integrieren, wie sie ihr Bildungssystem reformieren, was sie mit entleerten
Regionen anfangen und welche Familienpolitik sie betreiben. Aus dem
Vergleich der einzelnen Staaten und ihren jeweils unterschiedlichen
Ansätzen, mit den demografischen und wirtschaftlichen
Herausforderungen umzugehen, können alle Europäer etwas
lernen. 
Cover der englischen Ausgabe
Die ersten Kommentare von Experten liegen bereits vor:
"Here for the first time ever is a unique report of demographic trends,
their causes and consequences all over Europe - a comprehensive,
indispensable analysis not only of the significant differences that exist
between European regions but of the efforts governments are or should be
making to meet the many challenges of demographic challenge."
Christoph Bertram, Former Director, German Institute for International and
Security Affairs, Berlin
"Ageing and falling populations threaten economic growth, if not the very
existence of European civilization as we know it. It has become
fashionable, therefore, to speak of the demographic time-bomb. However,
instead of alarmist rhetoric, what is needed in view of the profound
changes happening to Europe’s populations is solid information and
unbiased judgement, as provided in this timely book."
Florian Coulmas, Director, German Institute of Japanese Studies, Tokyo
Author of "Population Decline and Ageing in Japan - the Social
Consequences"
"Demography is the backbone for understanding social change, because in
the end it is the people and their changing compositions that cause such
change. This book provides a highly welcome and accessible illustration of
how demographic change matters for the regions of Europe."
Wolfgang Lutz, Leader, World Population Program
International Institute for Applied Systems Analysis, Laxenburg,
Austria
"Europe´s Demographic Future is a treasure - and a treasury. It
offers the reader both a panoramic overview of the demographic trends that
are reshaping Europe today, and a wealth of fascinating information about
change within Europe at the local level on such important issues as ageing,
migration, labour force and the family. Specialists will find this
compendium indispensable - but non-demographers may find it irresistible,
as well."
Nicholas Eberstadt, Henry Wendt Chair in Political Economy
American Enterprise Institute, Washington
Die deutsche Ausgabe der Studie Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2008): Die demografische Zukunft
von Europa. Wie sich die Regionen verändern. München ist im
August erschienen (vgl. Newsletter
54).
Sie können die englische Studie bei Earthprint
bestellen. 
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Abstieg einer Weltmacht
Russlands Bevölkerungsverluste
gefährden die Wirtschaftsentwicklung Russland, das Riesenreich zwischen Kaliningrad und
Wladiwostok, hat seine demografische Blütephase lange hinter sich. Die
Lebenserwartung von Männern sinkt seit geraumer Zeit und liegt mit
heute 59 Jahren 15 bis 19 Jahre unter den Niveau entwickelter Länder
und sogar niedriger als in Bangladesch oder Pakistan. Frauen werden im
Mittel 13 Jahre älter. Exzessiver Alkohol- und Zigarettenkonsum,
schlechte Ernährung, hohe Raten von Herz-Kreislauferkrankungen,
Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Aids, Verkehrsunfälle,
Gewaltkriminalität und Selbstmorde gelten als Hauptgründe
für das kurze Leben der Männer. Die Hälfte von ihnen erlebt
nicht einmal das Alter der Pensionierung. Wegen der Übersterblichkeit
der Männer gibt es in Russland heute über zehn Millionen mehr
Frauen als Männer. In der Altersklasse der über 80-Jährigen
kommen auf 100 Männer 380 Frauen, heißt es in einem neuen Report
der Vereinten Nationen über die demografische Lage in Russland.
Russische Männer sterben früher... 
... russische Frauen auch

Sowohl für Männer als auch für Frauen geht
die Lebenserwartung in Russland zurück. Diese Entwicklung fällt
aus dem positiven Bild heraus, das andere osteuropäische Länder
abgeben. Insbesondere seit dem Zerfall der Sowjetunion haben es viele der
ehemaligen Satellitenstaaten verstanden, die Lebenserwartung stetig zu
erhöhen.
Schätzungen zufolge sterben in Russland jährlich eine halbe
Million Personen an Folgen des Alkoholmissbrauchs, 330.000 an den Folgen
des Rauchens und 40.000 bei Verkehrsunfällen. Die Vereinten Nationen
schätzen die Zahl der Aids-Erkrankungen auf knapp eine Million,
beziehungsweise über ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung,
russische Quellen kommen sogar auf eine Zahl von 1,3 Millionen. Das Risiko,
während des Erwerbsalters zu sterben, ist in Russland für
Männer drei bis fünfmal und für Frauen zweimal höher
als in entwickelten Nationen. Die Hälfte dieses Unterschiedes ist dem
ungesunden Lebenswandel zuzuschreiben. Das hohe Wirtschaftswachstum seit
2000 und der neue Reichtum in Russland haben bis dato nichts Wesentliches
an diesen verheerenden Verhältnissen geändert.
Die Krise der Männer ist zudem ein wichtiger Grund dafür, dass
russische Frauen immer seltener bereit sind, Familien zu gründen und
in den vergangenen Jahren nur noch auf eine Fertilitätsrate von 1,3
Kindern je Frau kommen. Deutlich über zwei Kinder bekommen einzig die
Frauen in Tschetschenien im Süden Russlands. Das schlechte russische
Gesundheitssystem und die Armut in weiten Kreisen wirken sich auch auf die
Gesundheit der Kinder aus. Neun von 1.000 Kindern sterben vor dem ersten
Lebensjahr, 22 bevor sie fünf Jahre alt sind.
Die Zahl der Sterbefälle insgesamt ist zwar nach jüngsten,
vorläufigen Zahlen etwas zurückgegangen und es sind auch wieder
mehr Geburten zu verzeichnen als noch im Jahr 2000. Damals gab es mit nur
1,2 Millionen Neugeborenen einen Negativrekord. Der jüngste Anstieg
liegt aber vor allem daran, dass derzeit mit den Enkeln der in der
Nachkriegszeit geborenen Babyboomer eine kopfstarke Kohorte ins Elternalter
gekommen ist, die anschließend von einer umso dünner besetzten
Generation abgelöst wird. Von 2012 an ist wieder mit einem starken
Rückgang der Neugeborenenzahlen zu rechnen.
Trotz der niedrigen Lebenserwartung altert die russische Bevölkerung
wegen des fehlenden Nachwuchses rapide. In den kommenden zehn Jahren wird
die Zahl der Personen im Erwerbsalter um zwölf Prozent auf nur noch 78
Millionen fallen, während die der Rentner wächst: Bis 2050
dürfte auf einen Ruheständler nur noch eine Erwerbsperson kommen.
Die russische Wirtschaft, die schon heute unter einem Fachkräftemangel
leidet, steuert Prognosen zufolge auf einen generellen
Arbeitskräftemangel von 20 Prozent zu.
Ohne die großen Wellen von russischstämmigen Einwanderern aus
der Ukraine, Weißrussland und den baltischen Staaten nach dem Zerfall
der Sowjetunion wäre Russlands Bevölkerung in der jüngeren
Vergangenheit um fast eine Million pro Jahr geschrumpft. So ist "nur" ein
Verlust von 6,5 Millionen seit 1992 zu verzeichnen. Das Potenzial für
weitere Zuwanderung Russischstämmiger ist mittlerweile weitgehend
erschöpft, denn die entsprechenden Länder leiden ebenfalls unter
starkem Einwohnerschwund. Glaubt man den Prognosen der Vereinten Nationen,
werden in Russland im Jahr 2050 noch rund 110 Millionen Menschen leben -
heute sind es noch 142 Millionen. War die ehemalige Sowjetunion 1950 noch
die viertbevölkerungsreichste Nation der Welt, so dürfte
Russland, das flächenmäßig größte Land der Welt,
hundert Jahre später auf Platz 17 abgerutscht sein.
Am stärksten betroffen von der demografischen Krise ist Sibirien.
Seit dem Zusammenbruch des Sowjetreichs sind vor allem junge Menschen aus
dem Gebiet zwischen dem Ural und dem Pazifik weggezogen, insbesondere aus
den extremen Klimazonen im hohen Norden. Von den insgesamt 89 russischen
Regionen verzeichnen lediglich 16 - vorwiegend im Großraum Moskau -
ein Bevölkerungswachstum, alle anderen schrumpfen bereits. 17 davon
haben zwischen 2001 und 2005 mehr als zehn Prozent ihrer Einwohner verloren
- insbesondere in Sibirien. Dort leben heute rund 30 Millionen Menschen, so
viele wie in Portugal und Rumänien zusammengerechnet - allerdings auf
einer Fläche von rund zehn Millionen Quadratkilometern. Wegen des
Wegzugs der jungen Menschen wird die sibirische Bevölkerung besonders
stark überaltern und in der Folge auch weiterhin überproportional
schrumpfen.
Die Einkommen liegen in Sibirien mit umgerechnet durchschnittlich 270 Euro
fast zwei Drittel unter dem Niveau von Moskau. "Wenn alle könnten wie
sie wollen, würden morgen alle Russen in Moskau leben", sagt Sergej
Ryazantsev von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Mittlerweile
fragen sich viele Experten, wer in Sibirien künftig die Rohstoffe
fördern, in den Fabriken und der Landwirtschaft arbeiten, die
nötige Infrastruktur entwickeln und unterhalten sowie die endlosen
Grenzen des Landes sichern soll. In der rohstoffreichen Region Krasnojarsk,
wo die Hinterlassenschaften der russischen Atomindustrie weite Flächen
verseucht haben, lebt beispielsweise nur eine Person auf einem
Quadratkilometer. Australien ist dreimal dichter besiedelt.
In Sibirien liegt die Lebenserwartung noch einmal ein Jahr unter dem
ohnehin schon niedrigen, russischen Niveau. Im zentralen und nordwestlichen
Teil Sibiriens werden Männer im Mittel nur 50 bis 52 Jahre alt.
Besonders wenig vom Leben zu erwarten haben Menschen, die in der Nähe
von großen, luftverschmutzenden Industrieanlagen wie Aluminium- oder
Nickelhütten, Chemiefabriken oder Ölraffinerien wohnen. In
Berezniki etwa, einer Chemiestadt im Ural, liegt die Lebenserwartung
für Männer acht Jahre unter dem nationalen Durchschnitt.
Zuwanderung kann den demografischen Niedergang Russlands nur abmildern,
keineswegs aufhalten. Fast 90 Prozent der 12,4 Millionen Migranten,
Menschen, die nicht in Russland geboren sind, stammen aus Staaten der
ehemaligen Sowjetunion und sprechen im allgemeinen Russisch.
Zusätzlich dürften sich nach Schätzungen fünf bis 15
Millionen Migranten illegal in Russland aufhalten. Gut eine Million
Gastarbeiter, vor allem aus China, der Ukraine und Usbekistan sind in
Russland beschäftigt.
Insgesamt hat Russland wenig Erfahrung mit der Aufnahme von Zuwanderern
aus anderen Weltregionen. Vorbehalte gegen Ausländer sind weit
verbreitet und werden vor allem von rechtsextremen Parteien geschürt.
Die Hälfte aller Russen glaubt, Migranten würden die
Kriminalitätsrate im Lande erhöhen - ein Zusammenhang, den die
Statistik eindeutig widerlegt. Eine bessere Integration von Migranten und
ihre dauerhafte Aufnahme in die Gesellschaft sind aber die Voraussetzungen,
wenn Russland künftig den Schwund von jährlich über einer
Million Erwerbspersonen kompensieren will.
Literatur / Links
United
Nations in Russia (2008): Demography Policy in Russia: From Reflection to
Action. Moscow. 
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Die wirtschaftliche Zukunft gehört den
Metropolen
Das Ziel regional ausgewogenen
Wirtschaftswachstums hat sich als Illusion erwiesen Viele Regierungen haben ein großes Interesse daran,
möglichst alle Regionen ihrer Länder zu fördern und zu
entwickeln. Im föderalen Deutschland verlangt sogar das Grundgesetz
eine "Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen". Die Weltbank überrascht
jetzt mit einer anderen Meinung, wie im neuesten "World Development Report
2009" mit dem Titel "Reshaping Economic Geography" nachzulesen ist.
Darin heißt es, die wirtschaftliche Disparität der Regionen
solle akzeptiert und sogar gefördert werden. Denn in allen
Ländern der Welt wächst die Wirtschaft vor allem in den
Metropolregionen. Versuche, diese ökonomische Konzentration zu
verhindern und mittels politischer Maßnahmen auf die Fläche zu
verteilen, seien nicht nur zum Scheitern verurteilt, unterm Strich
behinderten sie sogar das Wirtschaftswachstum eines Landes insgesamt.
Ökonomisch erfolgreiche Nationen erleichtern es der Wirtschaft, sich
mit ihren Produktionsstandorten auf bestimmte Regionen zu konzentrieren.
Wenn Regierungen schon versuchten, gegenzusteuern, sollten sie das nach
Ansicht der Weltbank allein tun, um das Auseinanderdriften des
Lebensstandards von Zentrum und Peripherie gering zu halten. Vor allem
grundlegende Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sollten
flächendeckend bereit stehen. Ebenso müssten entlegene Gebiete
mittels Straßen, Schienen, Häfen und Telefonleitungen den
Anschluss an die Wachstumszentren halten. Nur die Mobilität von
Gütern, Dienstleistungen, Menschen und Ideen zwischen den
ökonomisch wachsenden Metropolregionen und dem weniger entwickelten
Hinterland könne den Lebensstandard in den Peripherregionen heben. Der
Weltbank-Report beschäftigt sich zwar nicht explizit mit Deutschland,
aber hierzulande würde das vor allem für ländliche, von
Abwanderung betroffene Gebiete in den neuen Bundesländern, von der
Altmark bis zur Lausitz gelten, aber auch im Westen und dort entlang der
ehemals deutsch-deutschen Grenze und in der Südwestpfalz. Das belegen
die Studien "Die
demografische Lage der Nation" und "Die
demografische Zukunft von Europa" des Berlin-Instituts.
Der World Development Report 2009 betrachtet anhand von Studien des
Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung in seiner
Analyse auch die innerdeutsche Migrationsbewegung seit 1990 (World
Development Report, S. 235). Seither sind rund 1,7 Millionen Menschen aus
Ostdeutschland in wirtschaftstarke Regionen des Westens abgewandert. Nur
ostdeutsche Großstadtregionen konnten sich seither demografisch
stabilisieren. Steffen Kröhnert, Sozialwissenschaftler am
Berlin-Institut, hat als Short-Term-Consultant zum World Development
Bericht 2009 beigetragen. Die gemeinsam mit Co-Autor Sebastian Vollmer von
der Universität Göttingen entstandene Analyse "Where have all the
young women gone?" zur überproportionalen Abwanderung junger Frauen
aus den neuen Bundesländern, die bereits Thema der Studie "Not am
Mann" des Berlin-Instituts war, ist offizielles Hintergrund-Papier zum
Weltbank-Report.
Literatur / Links
World
Development Report (2009): Reshaping Economic Geography. Washington.
Steffen
Kroehnert/Sebastian Vollmer (2008): Where Have All The Young Women Gone?
Background paper for the WDR 2009.
Steffen
Kroehnert/Franziska Medicus/Reiner Klingholz (2006): Die demografische Lage
der Nation. München.
Steffen
Kroehnert/Iris Hoßmann/Reiner Klingholz (2008): Die demografische
Zukunft von Europa. München.
Steffen
Kroehnert/Reiner Klingholz (2007): Not am Mann. Berlin 2007. 
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