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Die doppelte Last der Arbeiter
Französische Arbeiter und Arbeiterinnen sind
weniger gesund als Führungskräfte und sterben
früher Die Lebenserwartung in Frankreich
wächst kontinuierlich. Konnten Franzosen 1980 noch mit einer
durchschnittlichen Lebensdauer von 70 Jahren rechnen, so dürfen sie
heutzutage ein ganzes Jahrzehnt mehr erwarten. Frauen erreichen dabei mit
durchschnittlich 84 Jahren ein deutlich höheres Alter als Männer,
die im Schnitt 77 Jahre alt werden. Diese Zahlen sagen allerdings wenig
darüber aus, wie das Sterbealter innerhalb der Geschlechtergruppen
verteilt ist.
Französische Wissenschaftler haben die Lebenserwartung nun auch in
Hinblick auf Unterschiede zwischen verschiedenen Berufen untersucht. Sie
fanden heraus, dass die Berufsgruppe eine ähnlich entscheidende Rolle
spielt wie das Geschlecht. So können sich 35-jährige
männliche Führungskräfte auf 47 weitere Lebensjahre freuen,
während Arbeiter nur noch knapp 41 Jahre vor sich haben. Frauen
dagegen weisen eine ausgeglichenere Statistik auf: 35-jährige
weibliche Führungskräfte leben im Schnitt nur etwa zwei Jahre
länger als Arbeiterinnen gleichen Alters. Dies liegt unter anderem
daran, dass sich Frauen stärker in der sozialen Mittelschicht
konzentrieren und Fallzahlen in Ober- und Unterschicht somit gering sind.
Auch in punkto Gesundheit schneiden Arbeiter und Arbeiterinnen schlechter
ab als ihre Chefs. Die Wissenschaftler untersuchten in diesem Zusammenhang,
in welchem Maße Angehörige verschiedener Berufsgruppen mit
körperlichen Einschränkungen zu kämpfen haben. Um eine
differenzierte Auswertung zu ermöglichen, unterteilten sie die
Einschränkungen in drei Typen. Diese reichten von kleineren
funktionellen über andauernde Störungen, die eine
Berufsfähigkeit einschränken, bis hin zu Einschränkungen,
die eine betroffene Person zum Pflegefall machen. Die Ergebnisse zeigen,
dass 35-jährige Arbeiter sich darauf einstellen müssen, nur 24
der ihnen verbleibenden 41 Jahre ohne jede körperliche
Beeinträchtigung zu verbringen. Dies entspricht einem Anteil von 58
Prozent. Zum Vergleich: Männliche Führungskräfte gleichen
Alters verbringen 34 ihrer 47 restlichen Lebensjahre in bester Gesundheit,
was einem Anteil von 72 Prozent entspricht. Frauen weisen ähnlich
große Unterschiede auf: So können 35-jährige weibliche
Führungskräfte damit rechnen 69 Prozent ihres restlichen Lebens
ohne Beschwerden zu verbringen, während Arbeiterinnen nur auf 55
Prozent kommen.
Auch hinsichtlich schwererer Beeinträchtigungen fanden die
Wissenschaftler das gleiche Schema vor, wenn auch etwas weniger
ausgeprägt: Arbeiter und Arbeiterinnen haben durchweg längere
Leidenszeiten, obwohl sie kürzer leben. Als Erklärung für
diese Beobachtung führen die Forscher an, dass Arbeiterinnen und
Arbeiter schlechteren Zugang zu Gesundheitssystemen haben und im Laufe
ihres Lebens mehr gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. So ist es in
ihrem körperlich fordernden Arbeitsumfeld ungleich wahrscheinlicher,
Opfer eines Unfalls zu werden oder dauerhaft zu erkranken.
Der Beruf entscheidet 

Sowohl Arbeiter als auch Arbeiterinnen leiden
verstärkt an körperlichen Beschwerden. Besonders groß ist
der Unterschied bei den kleineren funktionellen Störungen.
Männliche Führungskräfte leben über dies hinaus auch
deutlich länger als Arbeiter. Dieser Trend ist bei Frauen weniger
ausgeprägt (Datengrundlage: INED).
Während Führungskräfte einerseits und Arbeiter und
Arbeiterinnen andererseits die Skala der Lebenserwartung nach oben
respektive unten hin begrenzen, liegen die Werte von Selbstständigen,
Landwirten und normalen Angestellten zwischen denen der beiden
Extremgruppen. Sie gelten als "mittlere" Berufsgruppen, die in den meisten
Fällen die Beobachtung bestätigen, dass eine höhere
Lebenserwartung mit weniger körperlichen Einschränkungen
einhergeht.
Literatur / Links
Cambois, E., Laborde, C., & Robine, J.M. (2008): La "double peine" des
ouvriers: plus d’années d’incapacité au sein
d’une vie plus courte. In: Population & Sociétés,
441.
Luy,
M. (2006). Differentielle Sterblichkeit: die ungleiche Verteilung der
Sterblichkeit der Lebenserwartung in Deutschland. Rostocker Zentrum zur
Erforschung des Demografischen Wandels. Diskussionspapier.. 
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Mexikos große Chance
Der demografische Trend bietet gute
Entwicklungsperspektiven - aber nur für begrenzte Zeit Auf der Liste der bevölkerungsreichsten Länder der
Erde belegt Mexiko derzeit mit seinen 109 Millionen Einwohnern den elften
Platz. Das könnte sich in Zukunft ändern, denn in kaum einem
anderen Land fällt die Geburtenrate so schnell wie in Mexiko, wo die
durchschnittliche Kinderzahl je Frau heute bei 2,2 liegt. Dieser Wert
übertrifft nur knapp das Niveau, das für eine stabile
Bevölkerungsentwicklung nötig ist. Im Jahr 1970 bekam jede
Mexikanerin noch durchschnittlich 6,5 Kinder. In Zukunft wird die
Kinderzahl nach UN-Berechnungen weiter abnehmen, und die Bevölkerung
Mexikos könnte sogar schrumpfen.
Die Bevölkerungsentwicklung Mexikos folgt damit dem Muster des
demografischen Übergangs, wie er auch in den Industrienationen
abgelaufen ist. Zunächst sanken in den 1950er Jahren die Sterberaten,
und die Lebenserwartung begann zu steigen. Sie liegt heute bei 75 Jahren.
In Folge der besseren Lebensbedingungen und Bildungsmöglichkeiten
insbesondere für Frauen sank auch die Geburtenrate. Den
ungewöhnlich schnellen Geburtenrückgang haben zwei Faktoren
beschleunigt: die Familienplanungsprogramme der Regierung und die
wirtschaftlich motivierte Abwanderung junger, überwiegend
männlicher Mexikaner in die USA.
Ein Blick auf die heutige Altersstruktur der mexikanischen
Bevölkerung verrät, dass sich diese grundlegend ändern wird.
Da immer weniger Kinder geboren werden, verschieben sich die am
stärksten besetzten Altersklassen nach oben. Laut UN-Prognosen wird
das Medianalter, das die Bevölkerung zahlenmäßig in eine
ältere und jüngere Hälfte teilt, von heute 26 Jahren auf 43
Jahre im Jahr 2050 steigen. Ein so hohes Medianalter entspricht dem
derzeitigen Wert Deutschlands oder Japans - Länder, die im
internationalen Vergleich stark altern.
Altersstruktur Mexikos: 1970, 2005 und 2050 


Die Altersstruktur Mexikos wandelt sich so schnell wie in
fast keinem anderen Land der Welt: 1970 glich sie noch der für
Entwicklungsländer typischen Form einer Pyramide, die auf eine hohe
Geburtenrate, eine hohe Kindersterblichkeit und eine geringe
Lebenserwartung hindeutet. Bis zum Jahr 2005 ist die Lebenserwartung
deutlich angestiegen und es kommen immer weniger Kinder zur Welt.
Gleichzeitig steigt der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung.
Bis zum Jahr 2050 wird sich die Situation nochmals verändern. Dann hat
Mexiko eine Altersstruktur wie sie für ein Industrieland typisch ist:
Viele Alte und vergleichsweise wenige Kinder. Anschließend
dürfte die Bevölkerung schrumpfen (Datengrundlage: UN).
Doch bevor der Großteil der Bevölkerung älter als 65 Jahre
sein wird, durchlaufen diese Menschen zwischen Ausbildung und Rentnerdasein
ihre produktivste Lebensphase. In dieser Zeit, in der die
erwerbsfähige Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren die
größte Gruppe bildet, lässt sich eine so genannte
demografische Dividende einfahren: Die Staatseinnahmen durch Einzahlungen
in Steuer- und Sozialkassen fallen überproportional hoch aus,
während immer weniger in die nachwachsende, zahlenmäßig
schrumpfende Generation investiert werden muss. Gleichzeitig sind noch
vergleichsweise wenige Renten auszuzahlen. Insgesamt steht dem Staat in
dieser Zeit mehr Kapital zur Verfügung als jemals zuvor. Das
hoffnungsvolle Szenario: Die Nachfrage nach bestimmten Gütern steigt,
mehr Arbeitsplätze entstehen, die Arbeitsproduktivität
erhöht sich, die Löhne wachsen und damit steigt auch der
Lebensstandard, und mehr Geld fließt in das Bildungs- und
Gesundheitswesen. Allerdings ergibt sich so ein positiver Verlauf nicht
automatisch. Die Regierung ist gefordert, entsprechende Reformen
einzuleiten, damit das gesamte Land profitieren kann. In den nächsten
zwei Jahrzehnten bietet sich in Mexiko dazu die einmalige Gelegenheit.
Was muss getan werden? Neben Reformen in der Wirtschaft und auf dem
Arbeitsmarkt, die darauf zielen, Investitionen zu fördern, Kapital zu
sammeln und das System zu stabilisieren, sind Bildung, Alterssicherung und
der informelle Sektor Schlüsselthemen. Es ist wichtig, den
Bildungsstand der Arbeitnehmer zu verbessern und sie für formale Jobs
zu qualifizieren. In Mexiko arbeiten nach Schätzungen des
Auswärtigen Amtes 40 Prozent der arbeitswilligen Menschen im
informellen Sektor, der so genannten Schattenwirtschaft. Sie verdienen sich
ihren Lebensunterhalt durch einfache Dienstleistungen wie Schuhe putzen
oder dem Verkauf selbst angebauter oder gefertigter Waren auf lokalen
Märkten. Diese Menschen werden nicht von der amtlichen
Arbeitsstatistik erfasst, haben weder geregelte Arbeitszeiten noch ein
festes Einkommen und zahlen deshalb auch nicht in die staatlichen
Sozialkassen ein. Das ist problematisch, denn wer niemals in die
Rentenkassen einbezahlt hat, hat auch keinen Anspruch auf
Unterstützung im Alter. Aus diesem Grund hat Mexiko schon heute
Probleme, seine noch wenigen Alten zu versorgen. In Zukunft wird sich
dieses Problem verschärfen, wenn sich die Regierung nicht stärker
dem Thema der Alterssicherung annimmt und nicht den Anteil der Einzahlenden
in die Rentensysteme erhöht.
Angesichts der weltweiten Finanzkrise könnten die Pläne für
die staatliche Erneuerung allerdings auf die lange Bank geraten. Doch die
Zeit drängt: Schon vom Jahr 2025 an geht der Anteil der
Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren zu
Gunsten der Älteren zurück. Dann sinkt der ökonomische
Nutzen der jungen Bevölkerung und die Kosten für die Älteren
steigen. Wenn bis 2025 nicht wesentlich mehr junge Menschen qualifiziert
werden, die dann mehr Wirtschaftskraft entfalten, könnte sich der
Zustand der mexikanischen Volkswirtschaft generell verschlechtern. Dann
würde sich die - teilweise illegale - Abwanderung in die USA weiter
verstärken. Die Migration aus den entlegenen ländlichen Gebieten
in die übervölkerten Städte würde zunehmen, und
regionale Ungleichgewichte könnten sich verschärfen. Der
problematische informelle Sektor dürfte weiter wachsen und
hinterließe eine steigende Zahl von Mexikanern ohne geregeltes
Einkommen.
Literatur / Links
Auswärtiges
Amt (2008): Mexiko. Wirtschaft.
Sedano, Fernando
(2008): Economic Implications of Mexico’s Sudden Demographic
Transition. In: Business Economics, Vol. 43/ Nr. 3.
UN Population Division
(2007): World Population Prospects: The 2006 Revision Population
Database). 
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Ältere bleiben länger jung - und
mischen stärker mit
Bei der Bundestagswahl 2009 werden die 50- bis
70-Jährigen fast die Hälfte der Wahlberechtigten stellen
Das Bild der "Alten" und "Älteren" hat sich
in Deutschland stark gewandelt. In den Medien dominieren nicht mehr
Vorstellungen von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen am Rande des
gesellschaftlichen Lebens, sondern solche von kaufkräftigen,
lebenslustigen Menschen über 50. Die Werbung nennt ihre neue
Zielgruppe "Best Ager" oder "PEGGIs"; ein Name, der auf die Begriffe
"Persönlichkeit", "Erfahrung", "Geschmack", "Geld", "Interesse"
verweist.
Dieter Otten behandelt in der "50+ Studie" also ein viel diskutiertes
Thema. Die von ihm per Internet befragten 50- bis 70-Jährigen scheinen
sich bester Gesundheit zu erfreuen. Auch bringen viele von ihnen, immerhin
haben sie die Studentenrevolte der sechziger und siebziger Jahre erlebt,
liberale und individualistische Ideale mit. Diese Beobachtungen haben
manchen Trendforscher schon veranlasst, von einer Revolution der "jungen
Alten" zu sprechen. Warum sollte eine Generation, die schon einmal das
gesellschaftliche Wertesystem in Deutschland auf den Kopf gestellt hat,
nicht im Alter zum letzten Kreuzzug ansetzen? Werden diese Menschen jetzt
nicht dasselbe Recht auf Selbstbestimmung für Ältere einfordern,
das sie schon damals für sich als junge Leute beanspruchten?
Dieter Otten sieht - dem Untertitel der Studie zum Trotz - nicht, dass
"die jungen Alten die Gesellschaft revolutionieren". Aber er entdeckt in
den 50- bis 70-Jährigen immerhin ein "ungeheures Potenzial für
gesellschaftliche Veränderung". Was der Unterschied ist? Die
untersuchte Altersgruppe wird bei der Bundestagswahl 2009 rund 45 Prozent
der Wahlberechtigten stellen. Damit wäre sie beinahe in der Lage, aus
sich heraus eine Mehrheit zu schaffen. Ferner verfügen die Befragten
über ein hohes Bildungsniveau, haben überdurchschnittliche
Einkommen und sind körperlich durchweg in guter Verfassung. Otten
kommt deshalb zu dem Schluss, dass die jungen Alten eine tragende Rolle bei
der Gestaltung der Zukunft Deutschlands spielen werden. Für die
meisten seiner Revolutionshypothesen findet er indes keine Belege: So
trennen sich die Befragten im Alter entgegen seinen Erwartungen nicht
überproportional oft von ihren Partnern, geben sich nicht massenhaft
der Esoterik als Religionsersatz hin und verleihen ihrem Recht auf
Selbstbestimmung auch nicht durch vermehrten Suizid Ausdruck.
Anhand der Daten identifiziert das Buch die Befragten als Menschen, die
zwar älter, aber nicht alt sind. Ausgestattet mit einer guten
Gesundheit engagieren sie sich nach dem Berufsleben in Ehrenamt oder
Eigenarbeit, treiben Sport und genießen ein erfülltes
Sexualleben. Dieter Otten weist die Politik einmal mehr darauf hin, dass
veränderte Altersstrukturen in eine umfassende Sozialreform
münden müssen. Als Beispiel führt er das Bürgergeld an,
welches das Generationenmodell in der Rentenversicherung ablösen und
breite politische Unterstützung unter Älteren erfahren
könnte.
Leider tendiert der Autor dazu, die Befragten als homogenere Einheit
darzustellen, als sie es in Wirklichkeit sind. So kommt der Versuch, das
Siegel „Generation“ (oder sogar "Meta-Generation") für die
untersuchte Gruppe aufgrund gemeinsamer einschneidender Erlebnisse zu
rechtfertigen, etwas konstruiert daher. Die Daten bestätigen dies:
Berufstätige haben andere finanzielle Möglichkeiten als Rentner.
Und auch was die körperliche Fitness anbelangt ist die Gruppe der 50-
bis 70-Jährigen sehr heterogen.
Die Studie belegt mit ihren Daten neue Bilder vom Alter, die die Medien
schon seit längerem zeichnen: Die "jungen Alten" sind breit
interessiert und sogar im Rentenalter gewillt, im Rahmen nicht
erwerbsmäßiger Tätigkeiten weiter Verantwortung zu
übernehmen. Kurzum, sie sind weit entfernt von dem, was man gemeinhin
altes Eisen nennt.
Dieter
Otten: Die 50+ Studie. Wie die jungen Alten die Gesellschaft
revolutionieren. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 2008. 277 S., 12
Euro.
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