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Längere Lebensarbeitszeit geht nur bei
guter Gesundheit
Die Lebenserwartung steigt, aber innerhalb der
EU-25 schwankt die Zahl der Jahre, die über 50-Jährige ohne
gesundheitliche Einschränkungen erleben Von
allen Europäern bleiben Däninnen und Dänen am längsten
gesund und beschwerdefrei: Nach ihrem 50. Geburtstag können sie
statistisch noch mit rund 24 Lebensjahren ohne körperliche
Beeinträchtigungen rechnen. Hierzulande sind es lediglich 13,5 Jahre.
Damit liegt Deutschland unter den EU-25-Staaten im hinteren Mittelfeld.
Ein Forscherteam um die britische Epidemiologin Carol Jagger von der
Universität Leicester hat europaweit die Zahl der "gesunden
Lebensjahre über 50" ermittelt. Der Vergleich, Ende November im
Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht, ergab massive Unterschiede
innerhalb der EU-25. Dabei fanden sich die höchsten Werte dort, wo
auch am meisten Wohlstand herrscht, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, und
wo am meisten Geld für die Versorgung älterer Mitbürger
ausgegeben wird.
Die steigende Lebenserwartung in den entwickelten Ländern dient
längst als Grundlage für politische Zukunftsplanungen. Allerdings
war bislang wenig darüber bekannt, wie es um die Gesundheit der
zunehmenden Zahl von Menschen in den höheren Altersklassen bestellt
ist, das heißt, wie arbeitsfähig beziehungsweise wie
versorgungsbedürftig diese sind. Die Studie offenbart eine große
Variationsbreite. Da teilweise auch die Altersgrenzen für den
Renteneintritt sehr niedrig liegen, so die Autoren, bedeute dies, dass die
Europäische Union wahrscheinlich ihr Ziel nicht erreiche, die
Beschäftigungsquote bei der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen bis
zum Jahr 2010 von 43,5 Prozent in 2006 auf 50 Prozent zu erhöhen.
Die Wissenschaftler berechneten die "gesunden Lebensjahre über 50"
aus Bevölkerungs- und Gesundheitsdaten des Jahres 2005 und
verknüpften sie mit Indikatoren wie Bruttoinlandsprodukt und Anteil
der Gesundheitsausgaben für Ältere, Einkommensverteilung,
Arbeitslosigkeit und Bildungsstand. Im Durchschnitt der EU-25-Länder
kann demnach ein 50-jähriger Mann bis zum Alter von 67,3 Jahren
uneingeschränkt beruflichen - oder auch ehrenamtlichen -
Aktivitäten nachgehen, eine Frau von 50 sogar bis zum Alter von 68,1
Jahren. Dabei schwanken die Werte für die einzelnen Länder jedoch
gewaltig: Am unteren Ende der Skala steht Estland, wo diese Spanne für
Männer 9,1 Jahre beträgt, für Frauen 10,4 Jahre. Beim
Spitzenreiter Dänemark hingegen bleiben Männer 23,6 Jahre
einsatzfähig, Frauen sogar 24,1 Jahre.
Lebenserwartung und "gesunde Lebensjahre über 50" in Jahren
für die EU-25 Länder 

Es überrascht wenig, dass die Staaten der "alten"
EU-15 besser abschneiden als die erst 2004 beigetretenen Länder.
Deutschland liegt mit einem Durchschnittswert von 13,6 Jahren für
beide Geschlechter an letzter Stelle unter den großen,
bevölkerungsreichen Altmitgliedern Frankreich, Großbritannien,
Italien und Spanien. Deutsche haben zwar eine höhere Lebenserwartung
als Polen, bleiben aber weniger lang gesund (Datengrundlage: Carol Jagger
et al.: Inequalities in healthy life years in the 25 countries of the
European Union in 2005: a cross-national meta-regression analysis. In: The
Lancet, 17. November 2008).
Generell drückt Langzeitarbeitslosigkeit bei den Männern die
Zahl der gesunden Jahre nach unten, während lebenslanges Lernen und
Fortbildungsmöglichkeiten sich positiv auf die Gesundheit im Alter
auswirken. Wie lang die Zeitspanne ausfällt, in der über
50-Jährige uneingeschränkt aktiv bleiben können, hängt
indessen in erster Linie vom Wohlstand ab - und von dessen Verwendung:
Erhöht sich der Anteil der Ausgaben für die Gesundheit und Pflege
älterer Menschen am Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent, so der Befund
des Forscherteams, so steigt die gesunde Lebenszeit um ein Jahr.
Literatur / Links
Carol
Jagger et al.: Inequalities in healthy life years in the 25 countries of
the European Union in 2005: a cross-national meta-regression analysis. The
Lancet, 17. November 2008.
Eurostat
(2008). Europe in Figures. Eurostat Yearbook 2008. Luxemburg. 
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Künstliche Befruchtung bessert die
Geburtenstatistik auf
Je tiefer unfruchtbare Paare für eine
reproduktionsmedizinische Behandlung in die eigene Tasche greifen
müssen, desto eher verzichten sie darauf - und bleiben
kinderlos Es lohnt sich für den Staat,
künstliche Befruchtung finanziell zu unterstützen. Angesichts
rückläufiger Geburtenzahlen in den industrialisierten
Ländern sind diese Ausgaben als Gewinn bringende Investition in die
Zukunft zu sehen. Zu diesem Befund kommt der schwedische Ökonom Anders
Svensson in einer Studie, die in der November-Ausgabe des "Scandinavian
Journal of Public Health" erschienen ist.
Die In-vitro-Fertilisation (IVF), umgangssprachlich als
„künstliche Befruchtung“ bezeichnet, kann unfruchtbaren
Paaren zu Nachwuchs verhelfen. Seit der Geburt von Louise Brown, dem ersten
Menschen, der in einer Schale mit Nährlösung gezeugt wurde, vor
genau 30 Jahren ist die Methode laufend verfeinert und erweitert worden. So
kann die Reproduktionsmedizin bei schlechter Spermienqualität sogar
eine einzelne Samenzelle direkt in die Eizelle einbringen
(intracytoplasmatische Spermieninjektion, ICSI).
Dem Deutschen IVF-Register zufolge führt eine künstliche
Befruchtung hierzulande mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent
pro Behandlungszyklus zum Erfolg, also zur Geburt eines Babys. IVF-Kinder
haben zwar ein doppelt so hohes Risiko wie natürlich gezeugte, mit
Fehlbildungen zur Welt zu kommen, wie eine kürzlich
veröffentlichte große Fallkontrollstudie der amerikanischen
Centers of Disease Control and Prevention ergab. Die Quote ist jedoch
insgesamt so niedrig, dass ein Zusammenhang mit den Techniken der
Reproduktionsmedizin nicht eindeutig nachzuweisen ist. Wahrscheinlicher
ist, dass die Fehlbildungen auf die gleichen Ursachen zurückgehen, die
der Unfruchtbarkeit zugrunde liegen.
Das Deutsche IVF-Register führt seit 1997 eine Statistik über
die auf diesem Wege gezeugten Kinder. Ihre Zahl stieg von damals rund 4.000
kontinuierlich auf fast 19.000 im Jahre 2003, ihr Anteil an der Gesamtzahl
der jährlich in Deutschland geborenen Kinder wuchs von einem halben
Prozent im Jahre 1997 auf immerhin 2,6 Prozent im Jahre 2003. Bis dahin
hatten die gesetzlichen Krankenkassen maximal vier Behandlungszyklen voll
erstattet. Die Gesundheitsreform von 2004 bürdete jedoch Paaren mit
unerfülltem Kinderwunsch die Hälfte der Kosten für
höchstens drei Behandlungszyklen auf, von denen einer durchschnittlich
3.200 Euro kostet.
Seitdem ist das durchschnittliche Alter, in dem Frauen eine
Kinderwunsch-Sprechstunde aufsuchen, von 33,1 auf 35 Jahre gestiegen, denn,
so Klaus Bühler, Vorsitzender des Deutschen IVF-Registers: "Die Paare
müssen länger sparen." Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch nicht
nur die natürliche Fruchtbarkeit ab, auch die Erfolgsaussichten einer
künstlichen Befruchtung schwinden.
Die Zahl der begonnenen Behandlungen ging nach 2003 um mehr als die
Hälfte zurück. Der Anteil der mit Hilfe von IVF oder ICSI
geborenen Kinder an der jährlichen Gesamtzahl aller Neugeborenen sank
auf etwa ein Prozent.
Die Reproduktionsmedizin leistet also einen nicht zu
vernachlässigenden Beitrag zur demografischen Entwicklung. Wie viel
sie beiträgt, hängt offensichtlich davon ab, wie die Behandlung
von Unfruchtbarkeit finanziert wird. So weist Dänemark, wo drei
IVF-Behandlungen an einer öffentlichen Klinik voll bezahlt werden, mit
rund vier Prozent europaweit den höchsten Anteil von außerhalb
des Körpers gezeugten Kindern an der Gesamtzahl der Neugeborenen auf.
Nach den Daten, die das Berlin-Institut für
Bevölkerung und Entwicklung 2007 im Rahmen der Studie "Ungewollt
kinderlos" durch das Institut für Demoskopie Allensbach erheben
ließ, gibt es in Deutschland etwa zwei Millionen Erwachsene über
25, deren Wunsch nach Kindern oder nach einer Vergrößerung der
bestehenden Familie trotz "Probierens" unerfüllt bleibt. Darunter rund
1,4 Millionen, die es schon mindestens ein Jahr lang vergeblich versucht
haben, bei denen also mit hoher Wahrscheinlichkeit medizinische oder
biologische Ursachen vorliegen. Dieser Teil der Bevölkerung
könnte von staatlicher Unterstützung profitieren. Im Vergleich zu
anderen familienpolitischen Maßnahmen wie dem Elterngeld oder dem
Ausbau des Betreuungsangebotes, die Paaren mit lediglich aufgeschobenem
Kinderwunsch die Familiengründung erleichtern sollen, würde die
volle Erstattung für künstliche Befruchtung den Haushalt wenig
belasten. Im Gegenteil, langfristig würde das Gemeinwesen sogar davon
profitieren, wie das Berlin-Institut in der Studie "Ungewollt kinderlos"
berechnete: Der Saldo aus dem, was der Staat investiert, und dem, was jeder
Mensch, der ohne Reproduktionsmedizin nicht geboren worden wäre, im
Laufe seines Lebens an die Solidargemeinschaft zurückgibt, ist auch
nach Abzug der Kosten für die Behandlung noch positiv. Läge der
Anteil der nach künstlicher Befruchtung geborenen Kinder an der
jährlichen Zahl der Neugeborenen in Deutschland heute auf
dänischem Niveau, betrüge dieser Anteil der IVF-Kinder
einschließlich deren Nachkommen bis in die zweite Generation im Jahre
2050 bei den dann Null- bis Vierjährigen bereits 7,2 Prozent.
Szenario nach dem "dänischen Modell" 
Die Grafik zeigt die Altersgruppen in Lebensjahren sowie
die absolute Zahl der Personen in der jeweiligen Altersgruppe, den Anteil
der IVF-Kinder und deren Nachkommen in Prozent. Der rote Balken bezeichnet
den IVF-Anteil an der Gesamtzahl der Geborenen (Datengrundlage: Eurostat,
Deutsches IVF-Register, eigene Berechnung).
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt jetzt die Untersuchung von Anders
Svensson für Schweden. In dem skandinavischen Land kommen
jährlich etwa drei Prozent aller Neugeborenen auf dem Umweg über
IVF oder ICSI zur Welt. Wie hoch die Zuzahlung ausfällt, liegt in der
Entscheidung der jeweiligen Provinz (län). Über alle regionalen
Unterschiede gemittelt, ist es dem Autor der Studie zufolge etwa die
Hälfte. Der Saldo seiner Kosten-Nutzen-Rechnung für einen
statistischen Durchschnittsmenschen ist ebenfalls positiv. Auf die
Bevölkerungskurve Schwedens, so Svensson, wirke sich eine volle
Bezahlung "vergleichbar aus wie eine Erhöhung des Kindergeldes um 25
Prozent - bei geringeren Kosten". In Ländern mit einem weniger
kostspieligen Wohlfahrtssystem als dem schwedischen könne der Nutzen
für den Staat sogar noch höher ausfallen.
Die Arbeit entstand auf Anregung und unter Mitarbeit von Rand Europe,
einem Ableger des gemeinnützigen amerikanischen Forschungsinstituts
Rand Corporation. Rand Europe ist 2006 bereits für
Großbritannien zu den gleichen Schlüssen gekommen wie jetzt die
Untersuchung für Schweden.
Literatur / Links
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2007): Ungewollt kinderlos.
Berlin.
Deutsches
IVF-Register
Eurostat
Interview mit Klaus Bühler, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.
November 2008.
J.
Reefhuis et al. (2008): Assisted reproductive technology and major
structural birth defects in the United States. Human Reproduction, Advance
Access Online publication, 16. November 2008.
A. Svensson
et al. (2008): Long-term fiscal implications of subsidizing in-vitro
fertilization in Sweden: A lifetime tax perspective. In: Scandinavian
Journal of Public Health, Vol. 36, No. 8, 841-849 (2008), DOI:
10.1177/1403494808095086. 
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Facetten des Alters
Älter werden wir alle - aber wie gehen wir
damit um? Immer weniger Kinder, immer mehr immer
ältere Menschen - der demografische Wandel ist eine große
Herausforderung für alle Mitglieder der Gesellschaft. Er wirkt in
sämtliche Lebensbereiche. Die Politik muss die
Sozialversicherungssysteme, die Alters-, die Pflege- und die
Krankenversicherung an die Veränderungen anpassen und neue
Lösungen finden, damit diese weiter ihre Funktionen erfüllen.
Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften hat 2006 eine
fächerübergreifende Konferenz organisiert, um zunächst auf
die Frage "Was ist Alter(n)?" eine Antwort zu finden. Inzwischen ist der
Tagungsband erschienen, und die Autorinnen und Autoren weisen nicht nur auf
die Komplexität und Breite der Veränderungen hin, die die
Alterung der Gesellschaft für den Einzelnen und für die
Gemeinschaft mit sich bringt, sondern liefern auch Anregungen, wie den zu
erwartenden Schwierigkeiten angemessen begegnet werden kann.
Die ersten Beiträge nehmen den Körper aus biologischer,
biochemischer und medizinischer Perspektive in den Blick. Sie
erläutern den Prozess des Alterns, der auf molekularer und
zellulärer Ebene abläuft, ebenso wie die körpereigenen
Regenerations- und Erneuerungsprozesse, die nicht nur von den Genen,
sondern auch von äußeren Faktoren wie dem Verhalten beeinflusst
werden.
Dem Verhalten widmet sich auch der zweite Block von Beiträgen. Darin
wird die Frage beantwortet, warum die Menschen unterschiedlich altern, und
wieso bestimmte Fähigkeiten in verschiedenem Maße von dem
Alterungsprozess betroffen sind. Altern ist somit kein kontinuierlicher
Prozess, sondern erfordert spezifische Anpassungsleistungen für
bestimmte Herausforderungen.
Die dritten und vierten Teile beschreiben die Bedeutung des Alterns in
Gesellschaft und Politik. Das Spektrum der Themen reicht dabei von der
Zuwanderung als einer Möglichkeit, den demografischen Alterungsprozess
abzumildern, bis hin zu den zwiespältigen Erfahrungen, die die
Menschen schon immer mit dem Alter gemacht haben. Die Vielfalt der
Altersbilder wird dabei über Beiträge aus der Geschichts- und der
Literaturwissenschaft wie aus der Philosophie deutlich.
Im Ausblick plädiert der Tagungsband dafür, das Altern als
Prozess zu begreifen, der gestaltbar ist. Die Politik dürfe keine
Lebensformen vorschreiben, sondern müsse der Vielfalt Raum geben.
Gleichzeitig muss sie dafür sorgen, dass die Älteren, sofern sie
dazu in der Lage sind, die Möglichkeiten auch nutzen, länger und
verantwortlich an der Gesellschaft teilzuhaben. Bei der Erwerbsarbeit
könnte dies etwa durch Anreize, länger zu arbeiten, durch
lebenslanges Lernen, durch flexible Arbeitszeiten oder dadurch geschehen,
dass zivilgesellschaftliches Engagement gefördert wird. Alle
müssten umdenken, die Jüngeren und die Älteren, damit der
Gewinn an Jahren des Gebens an die Gemeinschaft mit einem Gewinn an
Lebenszufriedenheit verbunden ist.
Anders und nüchtern-realistisch ausgedrückt: Wenn wir schon alt
werden müssen, was unzweifelhaft mit Einbußen und
Einschränkungen verbunden ist, dann sollten wir wenigstens das Beste
für uns selbst und für die Gemeinschaft draus machen.
Ursula
M. Staudinger / Heinz Häfner (Hg.): Was ist Alter(n)? Neue Antworten
auf scheinbar einfache Fragen. Mit 24 Abbildungen, davon 17 in Farbe.
Springer, Berlin / Heidelberg 2008, 248 S., 29,95 Euro. 
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