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Europas Einwanderungsland Nummer
eins
15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund
leben in der Bundesrepublik. Sie stammen aus unterschiedlichen Weltregionen
und verzeichnen ganz verschiedene Integrationserfolge Fast 20 Prozent der Bevölkerung Deutschlands haben ihre
familiären Wurzeln im Ausland. Anders ausgedrückt: 15 der 82
Millionen Einwohner sind entweder nicht in Deutschland geboren oder haben
Elternteile, die nach Deutschland eingewandert sind. Diese Zahlen machen
Deutschland zu Europas Zuwanderungsland Nummer eins.
Die Menschen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich zum Teil stark
voneinander. Sie stammen von allen Kontinenten, gehören verschiedenen
Kulturkreisen an und sind aus unterschiedlichen Gründen eingewandert.
Die meisten kamen auf der Suche nach einer besseren Zukunft nach
Deutschland: zum Arbeiten wie die ehemaligen Gastarbeiter, wegen der
politischen Sicherheit als Asylanten oder als Bildungsmigranten, um hier zu
studieren. Hochqualifizierte folgten einem Jobangebot, Ehefrauen- und
-männer ihrem Partner.
In der neuen Studie "Ungenutzte Potenziale - Zur Lage der Integration in
Deutschland" hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und
Entwicklung anhand eines Index den Stand der Integration von acht
Herkunftsgruppen analysiert: Aussiedler, Türkischstämmige,
Europäer aus Ländern der EU-25 (ohne Südeuropa), Migranten
aus den südeuropäischen Ländern, dem ehemaligen Jugoslawien,
dem Fernen und Nahen Osten sowie aus Afrika.
Deutschland, ein Einwanderungsland 
Fast 20 Prozent der deutschen Bevölkerung haben einen
Migrationshintergrund. Über die Hälfte dieser Menschen besitzt
einen deutschen Pass. Sie sind Deutsche mit ausländischen Wurzeln. Die
größte Gruppe unter den Migranten sind die Aussiedler, gefolgt
von den Türkischstämmigen. Insgesamt überwiegen Menschen aus
europäischen Ländern, wenngleich der Anteil jener mit
nahöstlichen und afrikanischen Migrationshintergrund
wächst.
Die Aussiedler sind die größte Gruppe. Obwohl ihre
Zuwanderungsgeschichte im Wesentlichen erst mit dem Fall der Mauer 1989
begann, stellen die rund vier Millionen Menschen beachtliche 4,7 Prozent
der deutschen Bevölkerung. Die Aussiedler unterscheiden sich
demografisch kaum von der einheimischen Vergleichsgruppe: Insgesamt altert
und schrumpft auch ihre Gruppe, denn es werden weniger Kinder geboren als
es Menschen in den älteren Altersgruppen gibt.
2,8 Millionen Menschen in Deutschland haben ihre Wurzeln in der
Türkei. Ursprünglich kamen die meisten von ihnen als gering
qualifizierte Gastarbeiter und holten später zum Teil ihre Familien
nach. Mittlerweile ist fast die Hälfte aller
Türkischstämmigen bereits in Deutschland geboren. Auch wenn in
der jüngeren Vergangenheit nur noch relativ wenige zuwandern, wird ihr
Anteil an der Gesamtbevölkerung weiter zunehmen, denn sie sind eine
der jüngsten Migrantengruppen. 28 Prozent sind jünger als 15
Jahre - bei den Einheimischen liegt dieser Anteil bei nur 12 Prozent. Weil
die heute unter 15-Jährigen die Eltern von morgen sind, werden
künftig mehr Kinder türkischstämmige Eltern haben als heute.
Die drittgrößte Migrantengruppe stellen mit 1,9 Millionen
Menschen die Migranten aus den Ländern der EU-25 (die
südeuropäischen Länder ausgenommen). Sie sind demografisch
gesehen jünger als die Einheimischen. Im Vergleich zu diesen sind
weniger als halb so viele Personen im Rentenalter. Dafür sind fast
zwei Drittel im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Die
meisten sind vermutlich wegen eines Jobangebotes nach Deutschland gekommen
oder weil sie einer Partnerin oder einem Partner gefolgt sind: 61 Prozent
dieser Migranten sind mit einem einheimischen Ehepartner verheiratet. In
keiner anderen Herkunftsgruppe ist der Anteil an bikulturellen Ehen so
hoch.
Anders ist die Situation der 1,5 Millionen Menschen aus den ehemaligen
Gastarbeiternationen Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Zwar
ähneln sie im Altersaufbau den Migranten aus den weiteren EU-25
Ländern, doch ist das Geschlechterverhältnis in dieser Gruppe
unausgeglichen. Das liegt daran, dass in den 1960er und 1970er Jahren
vorwiegend Männer dem Arbeitsangebot in Deutschland folgten.
Die 1,1 Millionen Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien kamen in zwei
Einwanderungswellen nach Deutschland. Zunächst als Gastarbeiter - und
dann, zwanzig bis dreißig Jahre später als
Bürgerkriegsflüchtlinge. Entsprechend leben in den älteren
Jahrgängen mehr Männer als Frauen. Insgesamt gleicht sich das
Geschlechterverhältnis aus, denn viele der ehemaligen Gastarbeiter
haben ihre Familien beziehungsweise jüngere Partnerinnen nachgeholt.
Die Migranten aus dem Fernen Osten (den Ländern Süd-, Ost-,
Südostasiens und des Pazifiks) gehören einer demografisch jungen
Herkunftsgruppe an. Weniger als zwei Prozent von ihnen sind im Rentenalter.
In den Altersgruppen der Erwachsenen gibt es einen Frauenüberschuss,
der offensichtlich auf die vielen Heiratsmigrantinnen
zurückzuführen ist. Diese Annahme wird durch den hohen Anteil an
bikulturellen Ehen bestätigt, wobei es vor allem die Frauen dieser
Herkunftsgruppe sind, die eine Ehe mit einem einheimischen Partner
eingehen.
Mehr Männer als Frauen gibt es hingegen unter den erwachsenen
Migranten aus dem Nahen Osten (den Ländern Westasiens). Unter ihnen
sind Bildungsmigranten, Hochqualifizierte aber auch politische
Flüchtlinge, die häufig ohne ihre Familien nach Deutschland
eingereist sind. In den jüngeren Jahrgängen gleicht sich das
Geschlechterverhältnis aber wieder aus. 29 Prozent sind jünger
als 15 Jahre. Damit sind die Menschen aus dem Nahen Osten zusammen mit den
Türkischstämmigen die jüngste Herkunftsgruppe. Weil sie mehr
Kinder bekommen als zum Erhalt der Elterngeneration nötig wäre,
wird ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Zukunft weiter wachsen.
Mit nur 502.000 Menschen - diese Zahl entspricht etwa der Einwohnerschaft
von Nürnberg - sind die Afrikanischstämmigen die kleinste aller
untersuchten Migrantengruppen. Auch ihr Anteil an der
Gesamtbevölkerung wird auf natürliche Weise wachsen, weil die
Kinderzahlen von afrikanischen Zuwanderern vergleichsweise hoch liegen. Das
Geschlechterverhältnis ist unausgeglichen, denn in dieser Gruppe es
gibt einen starken Männerüberschuss. Anders als bei den Migranten
aus dem Fernen Osten werden bikulturelle Ehen tendenziell zwischen
zugewanderten Männern und einheimischen Frauen geschlossen.
Weitere Ergebnisse der neuen Studie "Ungenutzte Potenziale" finden Sie auf
der Homepage des Berlin-Instituts
für Bevölkerung und Entwicklung.
Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Franziska Woellert unter 0
30-31 01 74 50, Steffen Kröhnert unter 0 30-22 32 48 44 und Dr. Reiner
Klingholz unter 0 30-31 01 75 60 zur Verfügung. 
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Woher kommen die erfolgreichsten
Migranten?
Weshalb bestimmte Herkunftsgruppen besondere
Probleme mit der Integration haben 30 Prozent
aller Türkischstämmigen in Deutschland sind ohne jeden
Bildungsabschluss - unter den Zugewanderten und ihren Nachkommen aus den
Ländern der EU-25 (ohne Südeuropa) und unter den Aussiedlern sind
es nur jeweils drei Prozent. Es sind Werte wie diese, die dazu führen,
dass in Deutschland die Menschen türkischer Herkunft relativ gesehen
am schlechtesten integriert sind.
Zu diesem Ergebnis kommt das Berlin-Institut für Bevölkerung und
Entwicklung in seiner neusten Studie "Ungenutzte Potenziale", in der
die Lage der Integration von acht verschiedenen Herkunftsgruppen in
Deutschland anhand eines Index zur Messung von Integration (IMI) bewertet
wird. In diesen Index sind 15 Indikatoren aus den Bereichen Assimilation,
Bildung, Arbeitsmarkt und soziale Absicherung eingeflossen. Fünf
weitere Indikatoren messen, wie stark sich die Integration von der
Generation der selbst Zugewanderten zu der der in Deutschland Geborenen
verbessert oder verschlechtert.
Beim Vergleich der Ergebnisse wird deutlich, dass jede Herkunftsgruppe
ihre spezifischen Stärken und Schwächen bei der Integration
aufweist. So zeigt sich etwa, dass gut gebildete Migranten aus den
fernöstlichen Ländern deutlich leichter mit den Hürden des
Arbeitsmarktes zurechtkommen als die Mehrheit der Zugewanderten aus der
Türkei oder aus dem ehemaligen Jugoslawien. Herkunftsgruppen mit einem
hohen geschätzten Anteil an Asylbewerbern, wie etwa die afrikanischen
oder nahöstlichen Migranten, können ihr teils gutes
Bildungsniveau wiederum wenig auf dem Arbeitsmarkt nutzen. Die Gruppe mit
südeuropäischer Herkunft dagegen ist trotz relativ geringer
Bildungswerte auf dem Arbeitsmarkt recht gut integriert. Es scheint, dass
die ehemaligen Gastarbeiter aus Italien oder Griechenland erfolgreich
ökonomische Nischen besetzen, zum Beispiel in der Gastronomie.
Weil die betrachteten Zuwanderergruppen unterschiedliche Startbedingungen
hatten und verschieden gut gebildet sind, fordert das Berlin-Institut, dass
differenzierte Programme aufgelegt werden, die den jeweiligen
Bedürfnissen entgegenkommen. Wer ohne Schul- oder Bildungsabschluss
ist, muss zuerst dort aufholen. Wer Zeugnisse vorweisen kann, benötigt
einen einfacheren Zugang zum Arbeitsmarkt. Vor allem bei den
Türkischstämmigen ist es notwendig, den Nutzen einer
Qualifikation klarer als bisher zu machen, um den Bildungshunger unter den
Jüngeren zu wecken. Ebenso wichtig ist es, in Gruppen, deren
Wertesystem festgeschriebene Verhaltsregeln für Frauen und Männer
vorsieht, die Diskussion über Geschlechterrollen anzuregen.
Bei all diesen Punkten sind nicht nur die Migranten in der Pflicht, sich
auf die hiesigen Regeln und Normen einzulassen. Auch die
Mehrheitsgesellschaft ist gefordert, offener auf die Migranten zuzugehen.
Denn die demografische Entwicklung in Deutschland - immer ältere und
immer weniger Menschen - zwingt dazu, alle vorhandenen Potenziale zu nutzen
und zu binden. Nur eine Gesellschaft, die offen mit der Vielfalt ihrer
Mitglieder umzugehen weiß, wird im globalen Wettbewerb um die
klügsten Köpfe bestehen.
Bildungsniveau der Erwerbslosen 
Die meisten erwerbslosen Migranten sind schlecht
qualifiziert. Aber unter den Zugewanderten verbirgt sich auch ein
ungewöhnlich hoher Anteil von Personen mit Abitur oder abgeschlossenem
Studium. So bleiben vor allem bei der afrikanischen, der nah- und der
fernöstlichen Herkunftsgruppe viele gut Ausgebildete ohne
Beschäftigung.
Weitere Ergebnisse der neuen Studie "Ungenutzte Potenziale" finden Sie auf
der Homepage des Berlin-Instituts
für Bevölkerung und Entwicklung.
Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Franziska Woellert unter 0
30-31 01 74 50, Steffen Kröhnert unter 0 30-22 32 48 44 und Dr. Reiner
Klingholz unter 0 30-31 01 75 60 zur Verfügung. 
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Integration in süddeutschen und
rheinländischen Städten am besten
Menschen mit Migrationshintergrund gelingt es in
München, Bonn, Frankfurt und Düsseldorf am ehesten, mit der
Mehrheitsgesellschaft gleichzuziehen Wie gut
Menschen aus anderen Ländern in die deutsche Gesellschaft integriert
sind, hängt massiv vom regionalen Angebot an Arbeitsplätzen ab.
Dort, wo klassische Industriebereiche wie Kohle, Stahl oder Schiffbau lange
eine wichtige Rolle gespielt haben, aber durch den Strukturwandel besonders
viele Jobs verloren gegangen sind, ist der Anteil meist gering
ausgebildeter ehemaliger Gastarbeiter groß. Viele von ihnen sind
heute ohne Arbeit und entsprechend schlecht integriert. Wo hingegen eine
moderne Dienstleistungswirtschaft gut bezahlte Arbeit verspricht, werden
auch qualifizierte Zuwanderer angelockt.
Dies zeigt die Studie "Ungenutzte
Potenziale" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und
Entwicklung. Darin wurden die 20 einwohnerreichsten Städte und
Stadtregionen Deutschlands anhand des vom Berlin-Institut entwickelten
"Index für Integration" (IMI) verglichen. Etwa ein Fünftel aller
Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland lebt in Städten mit
mehr als 300.000 Einwohnern.
Die Spitzenreiter punkten vor allem durch gute Arbeitsmarktwerte: In
München, Bonn, Frankfurt und Düsseldorf, den vier Städten,
die vorne liegen, stehen rund 70 Prozent aller Personen mit
Migrationshintergrund im erwerbsfähigen Alter dem Arbeitsmarkt zur
Verfügung. Vergleichsweise viele Migranten sind in so genannten
Vertrauensberufen mit besonderer sozialer Verantwortung tätig oder
beruflich selbstständig. Zudem sind in diesen Städten relativ
wenig Migranten von öffentlichen Leistungen abhängig. In
München waren es im Untersuchungsjahr nur acht Prozent - kaum mehr als
unter den Einheimischen, bei denen der Wert bei fünf Prozent lag. Der
Akademikeranteil unter dem Zugewanderten mit Berufsausbildung erreichte
hohe Werte: zwischen 32 Prozent in Bonn und 40 Prozent in München.
Von klassischen Industrien geprägte Großstädte bilden die
Schlusslichter des Städtevergleichs. Die fränkische
Industriemetropole Nürnberg und die Ruhrgebietsstädte
Bochum/Herne, Dortmund und Duisburg schneiden im Index für Integration
am schlechtesten ab. In den Ruhrgebietsmetropolen verfügen zwischen 17
(Bochum/ Herne) und 22 Prozent (Duis-burg) aller Zugewanderten weder
über einen schulischen noch über einen beruflichen
Bildungsabschluss. Nach wie vor herrscht hohe Arbeitslosigkeit -
entsprechend ausgeprägt sind die sozialen Probleme unter Migranten. In
Nürnberg, das den Strukturwandel zwar besser be-wältigt und
hochwertige Arbeitsplätze geschaffen hat, profitieren die früher
in der Industrie beschäftigten Zuwanderer kaum. Zusätzlich sind
in der fränkischen Großstadt nur sieben Prozent der
erwerbstätigen Migranten im öffentlichen Dienst und drei Prozent
in Vertrauensberu-fen beschäftigt. Bei beiden Indikatoren ist
Nürnberg Schusslicht des Städtevergleichs.
Besonders problematisch ist die Situation laut Studie in Duisburg - der
Akademikeranteil unter Migranten mit Berufsabschluss ist dort mit nur neun
Prozent der bundesweit geringste. Nur 60 Prozent aller Migranten im
erwerbsfähigen Alter stehen dem Arbeitsmarkt überhaupt zur
Verfügung, und von den Migrantinnen bleibt fast die Hälfte dem
Arbeitsmarkt fern.
Allerdings, so das Fazit der Studie "Ungenutzte Potenziale", ist die
Integration auch in den bestplatzierten Städten nicht zufrieden
stellend. Auch dort ist die Erwerbslosenquote unter Migranten doppelt bis
dreimal so hoch wie unter Einheimischen.
Klassische Industriestädte mit den größten
Problemen
Ausgewählte Indikatoren für die vier best- und letztplatzierten
Städte in Prozent 
Wo es, wie in den Dienstleistungsmetropolen
Süddeutschlands und im Rheinland, gut bezahlte Jobs gibt, ist es auch
für Migranten einfacher, Arbeit zu finden. Die Situation am
Arbeitsmarkt motiviert zu höheren Bildungsabschlüssen und zieht
gut Qualifizierte an. Anders ist die Lage dort, wo einst viele Gastarbeiter
hingezogen sind. In diesen Zentren sind viele alte Industrien weggebrochen,
viele gering Qualifizierte wurden arbeitslos und haben selbst dort nicht
den Anschluss an den Arbeitsmarkt gefunden, wo neue Gewerbszweige aufgebaut
wurden. Dies gilt vor allem für Nürnberg. Dort ist die
Modernisierung der Wirtschaft weitgehend an den Migranten
vorbeigegangen.
Weitere Ergebnisse der neuen Studie "Ungenutzte Potenziale" finden Sie auf
der Homepage des Berlin-Instituts
für Bevölkerung und Entwicklung.
Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Franziska Woellert unter 0
30-31 01 74 50, Steffen Kröhnert unter 0 30-22 32 48 44 und Dr. Reiner
Klingholz unter 0 30-31 01 75 60 zur Verfügung. 
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