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Bunte Republik Deutschland
Knapp ein Fünftel der Einwohner Deutschlands
hat einen Migrationshintergrund. Doch die Zugewanderten verteilen sich
höchst ungleich über das Land Gerade
einmal vier Prozent aller fast 15 Millionen in Deutschland lebenden
Menschen mit Migrationshintergrund wohnen in den fünf neuen
Bundesländern - allein auf die Hauptstadt Berlin entfällt mit
fünf Prozent ein größerer Anteil. Fast 30 Prozent aller
Migranten in Deutschland wohnen im einwohnerreichsten Bundesland
Nordrhein-Westfalen, das nur knapp zehn Prozent der deutschen
Landesfläche ausmacht.
In allen Bundesländern außer in den Stadtstaaten Berlin und
Hamburg stellen Aussiedler den größten Anteil unter den
Zugewanderten. Der Staat regelt die Niederlassung der Deutschstämmigen
aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks so, dass diese sich in der
Republik verteilen. Dagegen konzentrieren sich Menschen türkischer
Abstammung in den Metropolen. In zehn der 20 größten Städte
Deutschlands machen Personen türkischer Herkunft den
größten Migrantenanteil aus. Es gibt keine westdeutsche
Großstadt über 300.000 Einwohner, in denen Zuwanderer deutlich
weniger als ein Fünftel der Bevölkerung stellen. Selbst in den
ostdeutschen Großstädten Dresden und Leipzig, die bis 1990 kaum
Zuwanderer kannten, erreicht der Bevölkerungsanteil mit
Migrationshintergrund heute an die zehn Prozent.
In sechs der 20 größten Städte der Republik machen
türkische Migranten und Aussiedler zusammen mehr als die Hälfte
aller Zugewanderten aus. Am wenigsten divers ist die Bevölkerung mit
Migrationshintergrund in Duisburg, sie besteht zu zwei Dritteln aus
Türkischstämmigen und Aussiedlern. Der Anteil
türkischstämmiger Migranten ist vor allem in
nordrhein-westfälischen Städten hoch: In Duisburg haben 48, in
Köln 37 Prozent aller Migranten türkische Wurzeln. Obwohl in
Berlin lediglich ein Viertel aller Zugewanderten einen türkischen
Migrationshintergrund hat, wird die Hauptstadt aufgrund ihrer Einwohnerzahl
dem Ruf als "größte türkische Stadt" außerhalb der
Türkei gerecht: Sechs Prozent aller Berliner sind selbst aus der
Türkei zugewandert oder mindestens ein Elternteil ist es - insgesamt
fast 190.000 Menschen.
Im Vergleich zu westdeutschen Großstädten hat Berlin mit
insgesamt 22 Prozent Migranten allerdings einen eher moderaten Anteil
zugewanderter Bevölkerung. Hannover (29 Prozent) oder München (31
Prozent) etwa sind weit stärker von Zuwanderern geprägt. Die an
Migran-ten reichste Großstadt Deutschlands ist Frankfurt am Main mit
38 Prozent, gefolgt von Stuttgart mit 36 Prozent.
Die Ursache der unterschiedlichen Zusammensetzung der Migranten nach ihrer
Herkunft liegt meist in der Zuwanderungsgeschichte: In einstige
Schwerindustriestädte wanderten viele türkische Gastarbeiter und
viele blieben auch, als die Jobs verschwanden. Dienstleistungsmetropolen
wie Frankfurt, Düsseldorf oder München locken hingegen auch hoch
qualifizierte Zuwanderer aus Ländern der Europäischen Union an.
In der bayerischen Landeshauptstadt stellen die Menschen aus den weiteren
Ländern der EU-25 (ohne Südeuropa) sogar den größten
Migrantenanteil. Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien konzentrieren sich
in Süddeutschland - wo Flüchtlinge, die auf dem Landweg kamen,
zuerst deutschen Boden betraten. Im Gegensatz zu den
Ruhrgebietsstädten setzt sich die zugewanderte Bevölkerung in
Frankfurt und München, aber auch in Leipzig und Dresden recht
gleichmäßig aus Menschen ganz verschiedener Herkunft zusammen.
In Frankfurt ist auch der Bevölkerungsanteil afrikanischer Migranten,
mit vier Prozent aller Einwohner, am größten - wahrscheinlich
spielt dabei die Einwanderung über den größten deutschen
Flughafen eine besondere Rolle.
Türkischstämmige finden sich eher in Duisburg, afrikanische
Migranten in Frankfurt und Bonn 
Während in Duisburg, Köln oder Berlin die
türkischen Migranten dominieren, sind in München Zugewanderte aus
den weiteren Ländern der EU-25 (ohne Südeuropa) am
häufigsten. Frankfurt und Stuttgart haben mit 38 respektive 36 Prozent
die höchsten Migrantenanteile unter den deutschen
Großstädten. In Berlin haben lediglich 22 Prozent aller Personen
ausländische Wurzeln. Der vergleichsweise geringe Anteil liegt an den
nach wie vor niedrigen Migrantenzahlen im Osten der Stadt. Köln und
Duisburg haben die höchsten Anteile türkischstämmiger
Migranten.
Weitere Ergebnisse der neuen Studie "Ungenutzte Potenziale" finden Sie auf
der Homepage des Berlin-Instituts
für Bevölkerung und Entwicklung.
Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Franziska Woellert unter 0
30-31 01 74 50, Steffen Kröhnert unter 0 30-22 32 48 44 und Dr. Reiner
Klingholz unter 0 30-31 01 75 60 zur Verfügung. 
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Keine Angst vor Neuem
Forscher erklären Integration zum
wichtigsten Motor kultureller und sozialer Entwicklung Viele Industrienationen erleben momentan zwei Prozesse, welche
die gesellschaftliche Ordnung massiv verändern werden. Sie schrumpfen
und altern aus demografischer Sicht, nd sie erleben einen wachsenden
Zuwanderungsdruck, vorrangig aus ärmern Regionen. In all diesen
Ländern gehört die Diskussion um Migration und Integration zur
politischen Tagesordnung. Dabei steht zum einen der Bedarf an hoch
qualifizierten Zuwanderern im Vordergrund. Zum anderen werden aber auch die
Integrationsprobleme der schon vor Jahrzehnten eingewanderten Personen und
ihrer Nachkommen immer dringender.
Insbesondere Deutschland hat seit der Jahrtausendwende anerkennen
müssen, dass es längst zum Einwanderungsland geworden ist. Das
Missachten dieser Tatsache hat zu massiven Versäumnissen in der
Integrationspolitik geführt. In Deutschland lebende Menschen mit
Migrationshintergrund sind unabhängig von ihrer
Staatsbürgerschaft im Durchschnitt schlechter gebildet und
häufiger erwerbslos als einheimische Deutsche (siehe dazu auch die
neue Studie des Berlin-Instituts
für Bevölkerung und Entwicklung "Ungenutzte
Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland"). Sie gehören
damit häufiger zu den so genannten Unterschichten, hängen
vermehrt von Sozialleistungen ab und kommen eher mit dem Gesetz in Konflikt
als die Durchschnittsbevölkerung. Viele Einheimische haben deshalb
Vorbehalte gegen Migranten. Häufig dominieren
Überfremdungsängste und die Sorge vor sozialen Belastungen die
Diskussion.
Dabei werden Migrationsbewegungen in der sozio-kulturellen Forschung schon
lange als wichtige Motoren der kulturellen Evolution anerkannt. Allerdings
wurden dabei meist die Migrationsbewegungen von ökonomisch oder
militärisch starken Gesellschaften in schwächere untersucht, zum
Beispiel anhand des europäischen Imperialismus. Peter J. Richardson
und Robert Boyd, Kulturevolutionsforscher an der Universität von
Kalifornien in Davis und Los Angeles haben nun einen neuen Ansatz
entwickelt. Sie untersuchten anhand vieler empirischer Beispiele den
Einfluss der Immigration von Menschen aus ärmeren, oft von Chaos
regierten Ländern in reichere Nationen. Dabei stellen die
Wissenschaftler fest, dass diese Migranten wichtige Anreize für die
kulturelle Entwicklung der Aufnahmegesellschaften geben können.
Allerdings nur, wenn sich die Zuwanderer nicht einfach nur an die
Mehrheitsgesellschaft anpassen, sondern auch eigene Ideen und Institutionen
einbringen. Durch eine solche Integration werden Ideen verbreitet, die sich
positiv auf die Wirtschaftsleistung, auf die soziale Ordnung und die
Chancengleichheit in der gesamten Gesellschaft auswirken. Und nur
Gesellschaften, die sich durch diese Eigenschaften auszeichnen, wachsen in
ihrer weltweiten Bedeutung, weil sich Menschen von ihnen angezogen
fühlen.
In einer Welt, in der Menschen hauptsächlich aus armen, häufig
politisch und sozial unsicheren Ländern in reichere, sichere
Länder auswandern, bedeutet die Erkenntnisse der beiden Forscher eine
Trendwende in der Integrationsdebatte. Für alle Gesellschaften, die
nach qualifizierten Zuwanderern rufen, ist deshalb wichtig: Migranten
kommen vor allem dorthin, wo man ihnen prinzipiell freundlich gesonnen ist
und ihnen den Raum lässt, ihre Ideen und Konzepte in und mit der
ansässigen Gesellschaft zu entfalten. Diese kreative Wirkung von
Vielfalt - häufig unter dem Begriff "Diversity" diskutiert - muss auch
den europäischen Gesellschaften besser bewusst werden: Denn die
Zukunft bedeutet für alle diese Länder eine stärkere
Mischung von einheimischen und zugewanderten Kulturen - und das kann
grundsätzlich von Vorteil sein.
Literatur / Links
Richardson,
Peter J. und Boyd, Robert (2008): Migration: An engine for social change.
In: Nature, Vol. 465, 18/25 December 2008, S. 877. 
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Aus unterschiedlichen Gründen nur in der
Warteschleife
Migrantinnen sind in Deutschland bei der Bildung
und auf dem deutschen Arbeitsmarkt besonders benachteiligt - trotz des
Fachkräftemangels Migrantinnen und Migranten
verfügen über viele Fähigkeiten. Sie können diese
jedoch oft nicht nutzen, weil ihre Qualifikationen auf dem deutschen
Arbeitsmarkt nicht anerkannt werden, weil rechtliche Hürden oder
sprachliche Probleme bestehen. Häufig üben sie deshalb
Tätigkeiten aus, für die nur eine geringe Qualifikation
erforderlich ist, arbeiten in prekären
Beschäftigungsverhältnissen und sind somit stärker von
Arbeitslosigkeit bedroht. Das gilt vielfach selbst dann, wenn sie gut
Deutsch sprechen, gut ausgebildet sind und über Berufserfahrung
verfügen. Angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland ist das
eine geradezu absurde Situation.
Eine neue Studie von MigraNet, einem Netzwerk für die berufliche
Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, untersucht die
beruflichen Schwierigkeiten und die Potenziale, Migranten in den
großstädtischen Regionen Bayerns und Brandenburgs haben. Die
Autoren der Studie gehen der Frage nach, ob die berufliche Integration
durch Diskriminierung wegen der Nationalität, der ethnischen
Zugehörigkeit, der religiösen Ausrichtung und des Geschlechts
behindert wird. Sie liefern darüber hinaus Empfehlungen, wie die
Politik insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund dabei
unterstützen könnte, auf dem Arbeitsmarkt erfolgreicher zu
sein.
Die von der EU geförderte Studie stützt sich auf statistische
Daten und auf Interviews mit arbeitsuchenden Migranten. Leider ist die
Datenlage nicht immer zufrieden stellend: "Menschen mit
Migrationshintergrund" bilden eine äußerst heterogene Gruppe, zu
der Ausländer, aber auch Aussiedler ebenso wie Eingebürgerte
gehören. Und alle Migranten haben mit spezifischen Zuschreibungen zu
kämpfen, je nachdem, welcher Gruppe sie angehören. Aber nicht
für alle Türkinnen und Araberinnen gilt, dass sie nicht arbeiten
wollen oder von ihren Ehemännern daran gehindert werden.
Welche Zuschreibungen welche Rolle für die Benachteiligung spielt,
kann die Studie nicht genau bemessen. Aber dass
herkunftsländertypische Vorstellungen, dass Fremd- und Selbstbilder
von Frauen und Männern, von Muslimen die Einstellungen von
Arbeitssuchenden beeinflussen, verdeutlicht die Lektüre. Die Autoren
weisen darauf hin, welche Verantwortung hier der Politik zukommt - etwa in
Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, denn Schwächen
in diesem Bereich haben immer noch zur Folge, dass eher die Mütter zu
Hause bleiben.
Im internationalen Vergleich ist in Deutschland der Bildungsgrad besonders
stark von der Schichtzugehörigkeit abhängig - und der berufliche
Erfolg stark vom Geschlecht. OECD-Studien belegen dies
regelmäßig. Oft haben es Migrantinnen auf dem deutschen
Arbeitsmarkt deshalb doppelt schwer. Es spielen aber noch zahlreiche
weitere Faktoren eine Rolle: So haben beispielsweise Osteuropäer
höhere Erwerbsquoten als türkische und arabische
Staatsangehörige. Die Beteiligung am Arbeitsmarkt unterscheidet sich
auch nach Bundesland, Migrationsgruppe und Geschlecht. Diese Ergebnisse
verdeutlicht auch die neueste Studie des Berlin-Instituts "Ungenutzte
Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland".
Die Studie zeigt: Migrantinnen und Migranten lassen sich nicht über
einen Kamm scheren, sondern ihre Probleme auf dem Arbeitsmarkt müssen
differenziert betrachtet werden. Die Autoren empfehlen deshalb unter
anderem, die Beratung zu verbessern, arbeitsmarktpolitische Programme
besonders für Frauen aus der Türkei und anderen
Nicht-EU-Ländern aufzulegen und die Kinderbetreuung neu zu
strukturieren.
Die Autoren bemängeln auch eine unzureichende Datenlage. Sie zu
verbessern, wäre notwendig, um die Zusammenhänge zwischen
Herkunft, sozialer Lage, Bildung und Erwerbstätigkeit eindeutiger zu
klären. Nur dann können weitere sinnvolle Maßnahmen zur
Verbesserung der beruflichen Integration von Migranten konzipiert und
ergriffen werden. Um die Benachteiligungen abzuschaffen, sind nach Meinung
der Autoren Veränderungen nicht nur seitens Mehrheitsgesellschaft,
sondern auch auf Seiten der Migranten nötig.
Färber,
Christine/Arslan, Nurcan/Köhnen, Manfred/Parlar, Renée:
Migration, Geschlecht und Arbeit. Probleme und Potentiale von Migrantinnen
auf dem Arbeitsmarkt. BudrichUniPress Ltd., Opladen & Farmington Hills
2008. 270 Seiten, 24,90 Euro. 
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