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Chinas jüngstes Sorgenkind: die
Rente
Warum der demografische Wandel in China rasches
Umdenken erfordert China wird alt, sehr alt
sogar. Die demografischen Verhältnisse wandeln sich in China so
schnell und umfangreich wie fast nirgendwo sonst auf dieser Welt. Innerhalb
einer einzigen Generation wird die chinesische Bevölkerung die
amerikanische in Sachen Alterung überholt haben. Zudem wird China im
Jahr 2020 seinen Titel als bevölkerungsreichstes Land an Indien
abtreten.
Das Reich der Mitte hat eine extreme demografische Entwicklung hinter und
vor sich. Kamen im Jahre 1975 auf einen über 60-Jährigen sage und
schreibe sechs Kinder zwischen null und 14 Jahren, so stehen eine
Generation später einem einzigen Kind zwei Rentner gegenüber.
Absturz mit der Ein-Kind-Politik
Entwicklung der Fertilität im mittleren Szenario 
Datengrundlage: UN, World Population Prospects: The 2008
Revision
Nachdem sich das Zentralkomitee 1979 entschied, dem Kindersegen per
Ein-Kind-Politik ein radikales Ende zu bereiten, stagniert die
Fertilität seit 2000 bei 1,8 Kindern. In den Mega-Städten, allen
voran Peking und Shanghai, fiel die Rate sogar unter ein Kind. Dieser
Entwicklung gingen starke Jahrgänge voraus - zeitweise kletterte die
Fertilität sogar auf sechs Kinder je Frau.
Oberste Priorität der chinesischen Bevölkerungspolitik war
damals, die Kinderzahl zu senken. Die Strategie scheint aufzugehen:
Unbändiges Bevölkerungswachstum wurde gegen unbändiges
Wirtschaftswachstum eingetauscht. Steigender Wohlstand verspricht nicht nur
niedrigere Kinderzahlen, sondern auch eine längere Lebenserwartung.
Niedrige Fertilitätsraten und ein längeres Leben lösen im
Zuge von Industrialisierung und Modernisierung hohe Kinderzahlen und hohe
Sterblichkeit ab.
Niedrige Fertilität wie Mortalität gehen mit wirtschaftlicher
und sozialer Entwicklung einher. Denn weniger Kinder und ein längeres
Leben in Gesundheit versprechen zunächst einen höheren Anteil an
Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter, die wiederum weniger
Finanzressourcen zur Versorgung der nicht erwerbstätigen
Bevölkerungsgruppen aufwenden müssen. Das führt zu
Wirtschaftswachstum und einem höheren Pro-Kopf-Einkommen.
Das Ende der Dividende
Anteil an Kindern (null bis 14 Jahre) und Rentnern (65 Jahre und
älter) auf 100 erwerbsfähige Personen (15 bis 64 Jahre) 
Datengrundlage: UN, World Population Prospects: The 2008
Revision
Demografen bescheinigen China eine außerordentlich hohe
sogenannte demografische
Dividende. So fiel im Jahr 2005 der Anteil an Kindern und Rentnern auf
100 erwerbsfähige Personen von 67 im Jahre 1980 auf 42. Dieser im
Verhältnis zur arbeitsfähigen Bevölkerung niedrige Anteil an
zu versorgenden Personen tut der Volkswirtschaft gut. Doch wird sich dieser
Effekt von dem Jahr 2010 an umkehren und im Jahr 2050 fast wieder auf das
Niveau von 1975 steigen.
Beanspruchte ein solcher demografischer
Übergang in unseren Breiten - im angelsächsischen Raum, Japan
und West-Europa - ein ganzes Jahrhundert, ist die gleiche Entwicklung in
China innerhalb einer Generation zu beobachten. Hinzu kommt, dass sich
entwickelte Industriestaaten des Westens gegenüber einer alternden und
schrumpfenden Gesellschaft einigermaßen gewappnet sehen und ihre
Wohlfahrtssysteme nach und nach ausgebaut haben. China hingegen emanzipiert
sich noch vom sozialistischen Regime, durchläuft ein rapides, aber
noch junges Wirtschaftswachstum und hat noch nicht genug Wohlstand für
ausgereifte Sozialsysteme aufgebaut.
Seit jeher stützte sich die Mehrheit der chinesischen
Bevölkerung im Pensionsalter auf traditionelle Altersvorsorge durch
das soziale Netz der Familie. Eine kleine privilegierte Minderheit genoss
Fürsorge auf Lebenszeit in verstaatlichten Unternehmen -
großzügige Renten inklusive. Beide Säulen der
Altersvorsorge brechen nun weg: Zum einen haben Industrialisierung und
Urbanisierung die Land-Stadt-Migration befördert - das macht die
Altersversorgung innerhalb der Familie praktisch unmöglich. Zum
anderen beschleunigt Chinas neue Wirtschaftspolitik Privatisierungen und
lässt staatliche Firmenrenten seltener werden.
Ein neues System für eine breit aufgestellte Altersversorgung
erscheint unausweichlich. Zwar führte das chinesische Zentralkomitee
in den frühen 1990er Jahren eine umlagefinanzierte Altersvorsorge
für Erwerbstätige in den Städten ein, doch haben diesen
Bemühungen eher prinzipiellen als greifenden Charakter. Denn lediglich
ein Fünftel der chinesischen Arbeiterschicht profitiert von dieser
Basisrente. Insgesamt erhält knapp ein Drittel Leistungen aus
staatlichen Rentenprogrammen. Gut zwei Drittel haben dagegen überhaupt
keinen Anspruch auf Rente - ein Großteil von ihnen lebt in
ländlichen Räumen. Die demografische Entwicklung verschärft
diese ohnehin prekäre Situation. 1985 waren es noch knapp acht
Erwerbstätige, die einen Rentner versorgten, heute sind es nur 5,4
Erwerbstätige, und im Jahr 2050 werden voraussichtlich gerade einmal
1,6 Arbeiter einen Rentner finanzieren müssen.
Nicht nur, dass China eine alternde und schrumpfende Gesellschaft
erwartet, auch ein nicht zu unterschätzender Frauenmangel hat weit
reichende Konsequenzen. Bis 2020 wird es den Prognosen nach einen
Überschuss von über 30 Millionen Männern geben. Die
konfuzianische Kultur bevorzugt Söhne als rechtmäßige Erben
der Familientradition, und die pränatale Diagnose ermöglicht
heute die Geschlechtsbestimmung vor der Geburt. In der Folge kommt es
häufig zur Abtreibung von ungewollten weiblichen Föten. Abgesehen
von den sozialen Konflikten, die ein Heer unverheirateter Männer mit
sich bringen kann, verringert sich die Zahl potenzieller Mütter wie
Töchter, die die Fürsorge übernehmen, signifikant. Was in
China als "4-2-1-Problem" (ein Kind versorgt zwei Eltern und vier
Großeltern) bereits in der Mitte des Volkes angekommen ist, besteht
also nicht allein aufgrund zu niedriger Fertilitätsraten, sondern auch
aufgrund einer kulturell bedingten Geschlechterungleichheit. Die
chinesische Regierung hat die Zeichen der Zeit erkannt und ihrem Volk per
Gesetz die familiäre Fürsorgepflicht und die Gleichwertigkeit von
Tochter und Sohn verschrieben. Bis auf eine Klagewelle (2.000 Klagen allein
in Peking 2005) in finanzielle Not geratener Eltern und Großeltern,
sind jedoch keine erkennbaren "Erfolge" zu verzeichnen.
Ein erster Schritt zu einer langfristig tragfähigen staatlichen
Alterssicherung war die Rentenreform von 1997. Private Altersvorsorge
sollte die umlagefinanzierte Basisrente aus Zeiten der "eisernen
Reisschüssel", als jeder Chinese zumindest eine Basisversorgung
erwarten konnte, entlasten. Dies war auch dringend nötig, haben doch
Rentner, die vor 1997 in Rente gingen, und Erwerbstätige, die vor 1997
ihre Arbeit aufnahmen, weiterhin Anspruch auf ein Rentenniveau von bis zu
80 Prozent. Zudem liegt das Renteneintrittsalter für Frauen bei 50
beziehungsweise 60 Jahren bei Männern deutlich unter hiesigem Standard
von 65 Jahren. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters ist vorerst kaum zu
erwarten, da jedes Jahr rund zehn Millionen junge Arbeitskräfte auf
den Markt drängen.
In der hohen Zahl der vor 1997 Pensionierten liegt eines der strukturellen
Problemen der chinesischen Altersversorgung: Die Verbindlichkeiten aus dem
alten Rentensystem gehen zu Lasten der heute erwerbstätigen Personen,
ohne dass diese selbst mit Leistungen im gleichen Umfang rechnen
können. Ein weiteres Problem besteht darin, dass das Rentensystem in
seiner jetzigen Form nicht nur unterschiedliche Beitragssätze nach
Region und Provinz vorsieht, sondern auch nach Art des Unternehmens. Eine
Vereinheitlichung könnte dazu beitragen, Intransparenz und
Ungleichheit abzubauen und das Vertrauen der Beitragszahler zu
stärken. Darüber hinaus wirft es Probleme auf, dass Chinas
derzeit noch unterentwickelte Kapitalmärkte nur ungenügend
rentable Anlageinstrumente bieten, um ein vernünftiges individuelles
Rentenniveau zu erreichen.
Die Bewältigung dieser strukturellen Defizite würde den Weg
für ein mehrsäuliges Rentensystem ebnen, das der bevorstehenden
Alterswelle standhalten könnte. Erste Schritte wurden bereits
unternommen. Der 2000 ins Leben gerufene NPF ("National Pension Fund") ist
als Rücklage für die erwartete Ausgabensteigerung gedacht. Er
stellt eine Kombination aus staatlichen Zuweisungen, Staatsanleihen und
Investitionsrenditen dar. Neben Basisrente und privater Vorsorge soll zudem
über das "Enterprise Annuity Program" eine dritte Säule aufgebaut
werden. Hierbei werden Anreize für Arbeitgeber zur Einführung
einer betrieblichen Altersvorsorge geschaffen.
Ein Patentrezept für die Bewältigung der Herausforderungen des
demografischen Wandels in China wird es sicher nicht geben. Derzeit setzt
das Land vor allem auf Wirtschaftswachstum, um ein tragfähiges
Rentensystem zu entwickeln.
Literatur/Links:
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Jackson/ Keisuke Nakashima/ Neil Howe (2009): China's Long March to
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Strategic & International Studies. Washington D.C.
Margret
Karsch (2009): Die alte Welt. Die demografische Entwicklung erfordert
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Karsch / Rainer Münz (2007): Demografische Dividende. In:
Online-Handbuch Demografie, www.berlin-institut.org.
Reiner
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demografische Entwicklung stellt die chinesische Ein-Kind-Politik auf den
Prüfstand. In: DEMOS 14, 6.04.2005.
Joshua Kurlantzick (2008): The Family Way. The Loss of Countless Children
in the Sichuan Quake Signals Time to End China's One-Child Policy. In: Time
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und Praxis. In: Online-Handbuch Demografie, www.berlin-institut.org.
Wolfgang
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Wolfgang
Taubmann (2007): Ländliche Räume Chinas. In: Online-Handbuch
Demografie, www.berlin-institut.org.
Tamara
Trinh (2006): Chinas Rentensystem. Zwischen erdrückenden Altlasten und
demografischer Zeitbombe. In: Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen
358.
Population Division of the Department of
Economic and Social Affairs of the United Nations Secretariat, World
Population Prospects: The 2008 Revision. 
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Wenn Auswanderer zurückkehren
Schwellenländer profitieren davon, dass
Hochqualifizierte bei der Rückkehr aus dem Ausland Wissen, Kapital und
Erfahrungen mitbringen In Forscherkreisen wurde
die internationale Migration von Hochqualifizierten jahrzehntelang mit
einem Verlust für die Herkunftsländer gleichgesetzt. Denn diese
verlieren ausgerechnet jene Einwohner, in die hohe Bildungsinvestitionen
geflossen sind und von denen die heimatliche Volkswirtschaft sich Gewinne
verspricht. Von der Mobilität der Hochqualifizierten, von der OECD
definiert als Menschen mit mindestens 13-jähriger Schul- oder
Hochschulausbildung, profitieren zunächst die Aufnahmeländer der
Migranten.
Seit den 1990er Jahren wird in der Forschung neben dem Brain Drain auf der
einen und dem Brain Gain auf der anderen Seite die so genannte Brain
Circulation diskutiert. Diese Elitenmigration beschreibt den Prozess des
Hin- und Her- oder Weiterwanderns von Hochqualifizierten. Auswanderung
führt demnach nicht zwangsweise zum endgültigen Verlust gut
ausgebildeter Einwohner, sondern kann dem Herkunftsland auch Gewinne
bringen - und zwar dann, wenn die Auswanderer nach einigen Jahren mit neuem
Wissen und Erfahrungen sowie Kapital in ihre Heimat zurückkehren.
Schwellenländer sind die Gewinner der Brain Circulation
Indien mit seinen 1,1 Milliarden Einwohnern ist ein positives Beispiel
für Brain Circulation. Jährlich wandern aus Indien zehntausende
IT-Spezialisten ab, Hauptziel sind die USA. Ein Teil der ausgewanderten
Spezialisten kehrt jedoch langfristig mit zusätzlichem Know-how
zurück. Daraus entstehen oft Firmenneugründungen, vor allem in
der stetig wachsenden Softwarebranche. In den Führungsetagen der
erfolgreichsten Softwareunternehmen des Landes sitzen häufig Inder,
die zuvor im Ausland gelebt haben. Die "Returned Non-Resident Indian
Association" (ein Zusammenschluss von hochqualifizierten Indern, die
mindestens zwei Jahre im Ausland gelebt haben) schätzt, dass innerhalb
eines Jahrzehnts 30.000 bis 40.000 ehemalige Migranten allein nach
Bangalore zurückgekehrt sind. In dieser Stadt ist ein Zentrum der
indischen IT-Branche entstanden. Außerdem flossen 2007 laut Weltbank
zur Unterstützung der in der Heimat gebliebenen Familienmitglieder
geschätzte 27 Milliarden US-Dollar an Rücküberweisungen auf
den Subkontinent zurück.
Verdoppelung der Rücküberweisungen nach Indien 
In nur sieben Jahren haben sich die
Rücküberweisungen durch im Ausland lebende Indischstämmige
verdoppelt. Nach Schätzungen der Weltbank flossen 2007 auf diesem Weg
in kein Land mehr Mittel als nach Indien. Die tatsächliche Summe liegt
noch über den hier angegeben Werten, denn die Statistik der Weltbank
erfasst nur offizielle Überweisungen.
Zu den Gewinnern der Brain Circulation zählt auch China.
Geschätzte 60 bis 65 Prozent aller Auslandsinvestitionen stammen von
den rund 60 Millionen im Ausland lebenden Chinesen. Auslandschinesen mit
Hochschulabschluss kehren immer häufiger in die Heimat zurück.
Ganz ohne Steuerung von oben funktioniert das Spiel der Rückwanderung
aber nicht. Das Mutterland China lockt die Wissenschaftler mit speziellen
Anreizen zurück in die Heimat. Arme Entwicklungsländer mit einem
maroden Staatsapparat wie Burundi oder Simbabwe haben dagegen kaum eine
Chance, dass ihre einmal ausgewanderte Elite zurückkehrt. Wo
Korruption und schlechte Regierungsführung den Alltag bestimmen und wo
hohe Steuern auf Im- und Exporte bestehen, gründet kaum jemand ein
Unternehmen. Bislang haben es daher nur Schwellenländer wie Indien und
China verstanden, Teile ihrer Elite zurückzuholen. Mit Hilfe ihrer
aktiven Wirtschaftspolitik bieten sie den Rückkehrern neue Chancen.
Steuerbefreiungen, die Erleichterung von Geldtransfers und
Wirtschaftssonderzonen wirken sich zudem positiv auf
Wanderungsentscheidungen aus.
Traditionelle Einwanderungsländer liegen vorn
Im Wettbewerb um internationale Migranten haben sich die Vereinigten
Staaten gut aufgestellt. Sie werben seit Jahrzehnten Einwanderer an, und
verschiedene Visaregelungen sichern den Zuwanderern unterschiedliche Rechte
zu. Doch jenseits dieser eher technischen Regelungen spielen Sprache und
Gesellschaft nicht nur für indische IT-Spezialisten eine entscheidende
Rolle. Die englische Sprache wirkt auf Migranten - insbesondere auf jene
aus dem Commonwealth - weniger abschreckend als Finnisch oder Deutsch. Auch
um die Integration der Zuwanderer und der sich daraus ergebenden Chancen im
Privat- und Berufsleben ist es in der multikulturellen Gesellschaft der USA
besser bestellt als hierzulande. Am wichtigsten sind jedoch private oder
berufliche Verbindungen im Zielland. Wer über solche Netzwerke in
einem anderen Land verfügt, ist schneller bereit, dorthin zu
übersiedeln. Dank einer langen Einwanderungstradition ist das in den
USA der Fall.
Kaum ein europäisches Land kann es im internationalen Wettbewerb um
hochqualifizierte Migranten mit traditionellen Einwanderungsländern
wie den Vereinigten Staaten oder Kanada aufnehmen. In Deutschland etwa
schauen Firmen sehnsüchtig ins Ausland, weil hierzulande
Fachkräfte fehlen - allein im IT-Bereich rund 45.000 Experten, so das
Ergebnis einer im Herbst 2008 vom Bundesverband Informationswirtschaft
Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) veröffentlichten Studie.
Ein erster Versuch der deutschen Politik, dem Fachkräftemangel zu
begegnen, war die im Jahr 2000 eingeführte Green Card. Doch die
erhofften Erfolge blieben aus, weil die Einwanderung trotz Sonderreglung an
strenge Auflagen geknüpft war. Statt der erwarteten zehntausend Inder
kamen zwar Spezialisten aus Osteuropa, aber insgesamt blieb die Nachfrage
deutlich unter dem Angebot. Im innereuropäischen Vergleich steht
Deutschland dennoch nicht allzu schlecht da, denn hinsichtlich der
Migration Hochqualifizierter verzeichnet das Land Wanderungsgewinne. Das
heißt, es wandern insgesamt mehr Menschen mit
Universitätsabschluss zu als ab. Die meisten dieser Migranten kommen
allerdings aus den europäischen Nachbarländern, wo ebenfalls
hochqualifizierte Menschen fehlen. Im Wettbewerb um nicht-europäische
Migranten hinkt Deutschland nach wie vor hinterher.
Die meisten hochqualifizierten Migranten in Deutschland sind
Europäer 

Mehr als die Hälfte der in Deutschland lebenden,
hochqualifizierten Migranten - hier definiert als Menschen über 25
Jahre mit Hochschulabschluss - stammt aus Europa. Vor allem für
Menschen aus den EU-25-Staaten ist es einfach, sich in Deutschland
niederzulassen. In den USA zeigt sich ein bunteres Bild, denn die
US-Einwanderungspolitik unterscheidet nicht nach der Herkunft der
Migranten. Vor allem Asiaten, darunter zehntausende Inder und Chinesen,
zieht es in die USA.
Europäische Arbeitsmarktforscher fordern eine EU-weite
Migrationspolitik. Nur wenn sich die europäischen Staaten
zusammenschließen und als ein vielfältiger und chancenreicher
Arbeitsmarkt auftreten, sind sie für hochqualifizierte Einwanderer
wirklich attraktiv.
Literatur/Links:
Steffen Angenendt (2002): Einwanderungspolitik und
Einwanderungsgesetzgebung in Deutschland 2000-2001. In: Klaus J. Bade/
Rainer Münz (Hg.): Perspektiven. Frankfurt am Main, S. 31-60.
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2008): Die demografische Zukunft
von Europa. Wie sich die Regionen verändern. München.
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2009): Ungenutzte Potenziale.
Zur Lage der Integration in Deutschland. Berlin.
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2009): Wettstreit um die klugen
Köpfe. In: Demos 74, 11.06.2009.
Bitkom
(2008): Fachkräftestudie: 45.000 offene Stellen im Herbst 2008.
Berlin.
Uwe
Hunger (2003): Vom Brain Drain zum Brain Gain. Die Auswirkungen der
Migration von Hochqualifizierten auf Abgabe- und Aufnahmeländer.
Expertise im Auftrag der FES. Münster.
International
Organization for Migration (2008): World Migration 2008: Managing Labour
Mobility in the Evolving Global Economy. Genf.
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Home to More Success. In: Washington Post, 28.02.2006.
Jakob
von Weizsäcker (2008): Divisions of labour: rethinking Europe’s
migration policy. Bruegel Blueprint Series Vol. VI. Brüssel.
Weltbank
(2008): Migration and Remittances Factbook 2008. Washington. 
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Wachsendes
Nord-Süd-Gefälle
Die Menschheit nähert sich der
Sieben-Milliarden-Grenze. Europa altert wie kein zweiter Kontinent. Und die
jüngere Bevölkerung konzentriert sich zunehmend in Afrika und
Asien. In der vergangenen Woche hat das "Population Reference Bureau (PRB) in
Washington, D.C. das neue "2009 World Population Data
Sheet" vorgestellt sowie einen zusammenfassenden Bericht zur Lage der
Weltbevölkerung. Die Veröffentlichungen enthalten detaillierte
Informationen über ländliche, regionale und weltweite
Bevölkerungsmuster.
Laut dem Bericht wird die globale Bevölkerung im Jahr 2011 die
Sieben-Milliarden-Menschen-Grenze überschreiten. Dieser
Bevölkerungszuwachs geht praktisch allein auf die weniger entwickelten
Länder zurück, wo der Anteil der jungen Menschen im Alter von 15
bis 24 Jahren stetig wächst.
"Trotz sinkender Fertilitätsraten in vielen Ländern wächst
die Weltbevölkerung rasant", konstatiert PRB-Präsident Bill Butz.
"Der Anstieg von sechs auf sieben Milliarden Menschen wird wahrscheinlich
zwölf Jahre dauern, genauso lange wie der Anstieg von fünf auf
sechs Milliarden. Beide Ereignisse sind beispiellos in der
Weltgeschichte."
Zwar gehen viele Demografen davon aus, dass die Fertilitätsrate in
den Entwicklungsländern mittelfristig auf das heutige Niveau der
Industriestaaten von ungefähr zwei Kindern pro Frau absinken wird.
Aber ob und wann dies wirklich geschieht, ist unklar. Derzeit verzeichnet
Nigeria, mit 153 Millionen Einwohnern das achtgrößte Land
Afrikas, die weltweit höchste Fertilitätsrate von 7,4 Kindern pro
Frau. Im Jahr 2050 dürften in dem westafrikanischen Land 285 Millionen
Menschen leben. Taiwan hingegen weist die niedrigste Fertilitätsrate
mit 1,0 Kindern pro Frau auf.
"Der Großteil der heutigen 1,2 Milliarden Jugendlichen - beinahe 90
Prozent - lebt in den weniger entwickelten Ländern", sagt Carl Haub,
leitender PRB Demograf und Co-Autor des Datenblatts. Acht von zehn dieser
Jugendlichen leben in Afrika und Asien. "In den nächsten Jahrzehnten
werden diese jungen Leute höchstwahrscheinlich auf der Suche nach
Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, Erwerbsarbeit und angemessener
medizinischer Versorgung den aktuellen Trend der Abwanderung aus
ländlichen Gebieten in die Städte fortsetzen. Eine der
wichtigsten sozialen Fragen der nächsten Jahrzehnte, ob ihre
Erwartungen erfüllt werden können."
Das "2009 World Population Data Sheet" präsentiert nicht nur neueste
Daten zur Demografie, Gesundheit und Umwelt für alle Länder und
wichtigen Weltregionen. Es zeigt auch wie extrem die Gegensätze
zwischen reichen und armen Ländern und Regionen sind, wie aus der
Tabelle mit Daten aus Deutschland, Europa (mit Russland / ohne Türkei)
und Uganda zu entnehmen ist.
Demografische Schlüsselindikatoren für Deutschland, Europa
(mit Russland/ ohne Türkei) und Uganda, 2009 
(Datengrundlage: PRB, 2009 World Population Data Sheet)
Die Bevölkerungszahl Deutschlands und Europas wird bis 2050 um elf
respektive 36 Millionen abnehmen. In beiden Regionen gibt es bereits mehr
Personen, die 65 Jahre und älter sind, als junge Menschen unter 15
Jahren. Im Vergleich dazu wird das ostafrikanische Uganda, das derzeit
knapp 40 Prozent der Einwohner Deutschlands hat, seine Bevölkerung bis
2050 verdreifachen. Fast die Hälfte der in Uganda Lebenden ist unter
15 Jahren alt. Frauen in Uganda bekommen im Durchschnitt 6,7 Kinder. Das
sind über fünf Kinder mehr als in Deutschland oder Europa.
Das "2009 World Population Data Sheet" enthält in diesem Jahr eine
Reihe von neuen Indikatoren: CO2-Emissionen pro Kopf, Anteil der
Bevölkerung, der von weniger als zwei US-Dollar pro Tag lebt, sowie
Anteil der HIV-infizierten jungen Männern und Frauen zwischen 15 und
24 Jahren.
Weitere wichtige Erkenntnisse:
Afrikas Bevölkerung hat die Eine-Milliarde-Grenze
überschritten. Das jährliche Bevölkerungswachstum des
Kontinents beträgt rund 24 Millionen und die Einwohnerzahl wird sich
bis 2050 verdoppeln.
Ungefähr die Hälfte der Welt lebt in Armut. Fast 50
Prozent der Weltbevölkerung muss mit weniger als zwei US-Dollar pro
Tag auskommen. Weitere hunderte Millionen von Menschen leben knapp
über diesem Niveau.
Die Verbreitung von HIV scheint in Afrika zurückzugehen, aber die
Raten sind immer noch höher als in anderen Weltregionen. Swasiland
weist weltweit die höchste HIV-Rate auf: 26 Prozent der
Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren sind HIV-positiv.
US-amerikanische Teenager bekommen doppelt so viele Kinder wie ihre
Altersgenossen in allen anderen entwickelten Ländern. Auf 1.000
junge Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren kommen in den USA 42 Geburten im
Jahr; die Rate für alle entwickelten Länder beträgt 21
Geburten pro 1.000 junge Frauen.
Literatur/Links:
Population
Reference Bureau (2009): World Population Data Sheet. Washington,
D.C.
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