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"Döner war gestern"
Interview mit Ele Schöfthaler,
Quartiersmanagerin in Schwabach Ele
Schöfthaler, geboren 1952, hat Soziologie in Berlin und Tübingen
studiert und gehörte 1976 zu den Gründerinnen der feministischen
Zeitschrift "Courage". Sie hat lange als Journalistin gearbeitet. Seit 2002
ist sie Quartiersmanagerin und Vorsitzende des Zentrums für Arbeit und
Kultur (ZAK e.V.), in Schwabach. Dort hat sie für das Projekt
"Sonnenkinder von Schwabach" bereits zum zweiten Mal den Bundespreis
"Soziale Stadt" vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung verliehen bekommen - für das Schaffen und die
Förderung familienfreundlicher Initiativen und erfolgreiche
Integrationsarbeit. 
Schwabach ist mit rund 40.000 Einwohnern die kleinste
kreisfreie Stadt Bayerns und gehört zur Metropolregion Nürnberg.
Was macht eine Quartiersmanagerin dort?
Sie sorgt dafür, dass Menschen, die schon seit langer Zeit in dem
Quartier wohnen, dort auch wohnen bleiben können. Aber möglichst
zu besseren Bedingungen. Sie regt also beispielsweise die Besitzer an,
Häuser, die in einem schlechten Zustand sind, zu renovieren. Oder sie
regt die Besitzer dazu an, die Häuser an Menschen zu verkaufen, die
die Kosten für eine Renovierung stemmen können.
Geht es vor allem darum, die Lebens- durch die Wohnqualität zu
heben?
Ich bin eine Mittlerin zwischen dem reinen Bauen und zwischen dem, was
sonst an anderen Orten die Manager machen. Ich bin für Geschäfte
zuständig, aber auch direkt für die Menschen, die dort leben, und
da spielt Bauen natürlich eine große Rolle.
Auch die Förderung der lokalen Wirtschaft?
Ja, wir renovieren eine Straße nach der anderen - und wenn
Läden leer stehen, ist das natürlich schade. Es gibt da viele
schöne Ideen, wie man Läden beleben kann, und ich verhandele dann
mit den Besitzern. Beispielsweise läuft nun in einem ehemaligen
Drogeriemarkt, der leer stand, die Ausstellung von Holzkunstwerken eines
stadtbekannten Künstlers. Das ist eine sinnvolle Zwischennutzung.
Haben Sie auch Beispiele für länger laufende
Läden?
Ja, in einem bietet eine ehemalige Langzeitarbeitslose ihre Dienste als
Büglerin an. Ein anderes Beispiel ist ein über 50-jähriger
Franzose, der auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen hatte, sich aber mit einem
Geschäft selbstständig gemacht hat. Er hatte mich gefragt, ob ich
ihm dazu Kapital verschaffen könne, und ich habe ihm geraten, sich mit
einem Kollegen in Potsdam zusammenzutun und Waren auf Kommission zu
verkaufen. Mit seinem französischen Akzent lockt er gerade Frauen an.
Er hat mit Tischdecken angefangen, inzwischen verkauft er auch
französischen Honig und Schokolade, die Leute pilgern sogar aus
Nürnberg hierher. Dort hatte er auf dem Christkindlmarkt für
seinen kleinen Laden in Schwabach geworben - das zieht.
Die Deutschen werden weniger, älter und kulturell
vielfältiger, wie auch Ihr letztes Beispiel verdeutlicht - wie sieht
die Entwicklung in Schwabach aus?
In der Altstadt haben wir immer noch sehr viele Kinder, weil dort relativ
viel großer Wohnraum zur Verfügung steht. Nach wie vor leben
hier auch viele ältere Menschen. Aber die Wohnungen sind oft noch
nicht so umgebaut, dass sie auch für Ältere geeignet sind.
Welchen Anteil stellen Menschen mit Migrationshintergrund?
In Schwabach insgesamt knapp acht Prozent der Einwohner. In der Altstadt
leben doppelt so viele wie in den anderen Stadtteilen, auch deshalb haben
wir eine sehr lebendige Innenstadt. Aber auch im Rest Schwabachs klappt das
Zusammenleben sehr gut. Schwabach ist von der Tradition her eine alte
Hugenottenstadt und offen gegenüber Fremden.
Wie zeigt sich das?
In Vereinen trifft man sich unabhängig von nationaler Herkunft. In
der Altstadt haben wir jetzt eine türkisch-deutsche
Schülerküche eingerichtet. Hier bekommen Schülerinnen und
Schüler für einen Euro ein Mittagessen. Zwei Türkinnen
kochen, und eine deutsche Metzgerin lernt bei ihnen, wie man nach alter
türkischer Küche die Mahlzeiten zubereitet.
Kommt das an bei den Schülern?
Das kommt super an. Und inzwischen haben wir daraus auch einen
Partyservice entwickelt - das ist trendig, die kleine, feine Art.
Früher war das nur italienische oder griechische Küche, heute ist
es auch die türkische. Und eben nicht Döner - Döner war
gestern.
Sie mischen als Quartiersmanagerin also auch dabei mit,
Geschäftsideen zu entwickeln und zu verwirklichen?
Ja, ich habe einen kleinen Verein gegründet, mit dem wir schnell
handeln können, er hat nur zehn Mitglieder, alle altstadtinteressiert.
Wir haben beispielsweise ein Projekt vom Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge bekommen, und mit dem Geld konnten wir drei Jahre lang
Integration in der Praxis fördern - beim Nähen oder Kochen.
Letzteres hat sich als großer Erfolg erwiesen, weil wir da zwei
besonders begabte Frauen in Schwabach haben, die das langfristig betreiben
können mit der Schülerküche und dem Partyservice.
Was ist der Vorteil dabei, dass Sie das nicht als Privatperson, sondern
als Quartiersmanagerin leisten?
Als Quartiersmanagerin kann ich meine Zeit darauf verwenden, Anträge
zu stellen und Projektvorschläge an verschiedene Institutionen zu
schicken. Und ich kann dann nach einem Verein suchen, der das umsetzt -
oder das Projekt selbst mit dem eigenen Verein durchführen, wenn der
Vorstand zustimmt.
Gehören auch Kinder zu Ihrer Zielgruppe?
Ja - und im Vergleich zu dem, wie es in anderen Städten aussieht,
herrscht in Schwabach Luxus: Bei uns kann man die Kleinsten in
Kindernestern, so genannten Tagesmütterkooperativen, zu allen Zeiten
betreuen lassen, zu denen die Eltern tatsächlich arbeiten - und das
Ganze für einen Euro in der Stunde. Wir haben ein
flächendeckendes Netz von Tagesmüttern und
Krankheitsvertretungen. Dadurch ist die Betreuung so solide wie in einer
regulären Kindereinrichtung - nur eben flexibler.
Steigt in Schwabach die Zahl älterer Menschen?
Ja, auch wenn die Innenstadtviertel zu einem guten Teil lange aus sehr
heruntergekommenen Häusern bestanden haben. Dort lebten wenig
ältere Menschen, enge, steile Treppenhäuser, mangelhafte
sanitäre Anlagen. Das war für ältere Menschen, die ein
bisschen Geld haben, nicht gerade verlockend. Wir haben jetzt in der
Altstadt einen Treffpunkt organisiert, an dem Ältere unabhängig
von Religion und politischer Richtung zusammenkommen. Von den
Wohlfahrtsverbänden werden wir dafür ein bisschen kritisch
beäugt, der so genannte Markt der Alten war ja lange verteilt unter
den Wohlfahrtsverbänden.
Es gelingt Ihnen also, den Älteren die Teilhabe am sozialen Leben
zu ermöglichen?
Ja, die sind dabei und sagen, was ihnen gefällt und was nicht. Wir
hatten zum Beispiel eine Spielplatzinitiative organisiert: Kinder haben die
Spielplätze getestet und dazu auch Ältere befragt. Mehrheitliches
Ergebnis: Die älteren Menschen hätten auch gerne einen
Spielplatz. Wir haben deshalb überlegt, ob wir Spielplatzecken
entsprechend zu Senioren-Spielplätzen aus- oder umbauen könnten,
also Geräte aufzustellen, an denen Ältere ihr
Körpergefühl ausprobieren können.
So ähnlich wie die Klimmzugstangen, Ringe und Schaukeln in China,
die von Älteren und Jüngeren gleichermaßen genutzt werden?
Das hat in Deutschland ja bereits an verschiedenen Orten Schule
gemacht.
Das Gute daran ist, dass neben der Bewegungsmöglichkeit auch
Treffpunkte entstehen - im Unterschied zu den Trimm-dich-Pfaden.
Wenn ich aus Ihren Tätigkeiten ein Berufsbild ableiten sollte,
stellt sich mir die Frage: Sind Sie als Quartiersmanagerin so etwas wie
Integrationsbeauftragte, Familien- und Wirtschaftspolitikerin in einer
Person?
Ja.
Eine spezielle Ausbildung dafür gibt es aber nicht?
Nein, viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind Sozialpädagogen, ich
bin Soziologin und Journalistin mit Erfahrung in der
Journalistenausbildung.
Sie sind sehr erfolgreich mit Ihren Projekten und haben dafür
viele Auszeichnungen erhalten - haben Sie Tipps für Ihre Kolleginnen
und Kollegen in anderen Städten?
Alle müssen sehen, welches Potenzial in ihnen selber liegt und das
Potenzial der Region ausloten. Mein Prinzip ist es, auf Lücke zu
arbeiten: Eine Quartiersmanagerin muss gucken, was ohnehin schon da ist,
und das fördern, was noch gebraucht wird. Eine Musikgruppe
Jugendlicher braucht beispielsweise einen Probenraum, andere brauchen Raum,
um ihre Waren zu präsentieren - da kann ich mit relativ einfachen
Mitteln gezielt und schnell weiterhelfen.
Das Interview führte Margret Karsch.
Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut)
erlaubt. 
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Weniger ungewollte Schwangerschaften, mehr
Schutz für die Natur
In der Entwicklungszusammenarbeit lassen sich
Umweltschutz, Gesundheitsversorgung und Familienplanung erfolgreich
verbinden Die Industriestaaten sind zwar die
Hauptverantwortlichen für Ressourcenausbeutung, Umweltverschmutzung
und Klimawandel. Sie bekommen die Folgen der Naturzerstörung aber
nicht so stark und unmittelbar zu spüren wie die weniger entwickelten
Länder der Welt. Dort sind die Mütter- und Kindersterberaten
hoch, viele Menschen kämpfen mit dem täglichen Überleben und
haben keine Möglichkeit, sich an die Veränderungen in ihrer
Umwelt anzupassen: Sie sind auf eine intakte Natur angewiesen - auf ein
Klima, das ihnen die Ernte sichert, auf fruchtbaren Boden, auf den
Fischbestand und sauberes Trinkwasser.
Dies gilt umso mehr, je mehr Menschen sich gemeinsame Nahrungsquellen wie
den Ertrag der Felder oder die Fischpopulation eines Sees teilen. Starkes
Bevölkerungswachstum erhöht den Druck auf die natürlichen
Ressourcen. Wer viele Kinder zu versorgen hat und fruchtbaren Boden zum
Nahrungsmittelanbau braucht, fällt Bäume - auch wenn es die
letzten sind. Eine an die Umweltbedingungen angepasste Familienplanung kann
deshalb einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Rückgang der weltweiten Waldbestände und
Bevölkerungswachstum 
Während die Weltbevölkerung stetig wächst,
nimmt der Waldbestand kontinuierlich ab. Da der Flächenbedarf vor
allem dort steigt, wo das Bevölkerungswachstum am höchsten ist,
sind es meist die artenreichen, tropischen Regenwälder, die für
Siedlungs- und Ackerfläche weichen müssen. Vielerorts stecken
allerdings kommerzielle Interessen hinter dem Raubbau an der Natur
(Datengrundlage: FAOSTAT).
Bei kleineren Familien können Eltern ihre Kinder zudem besser
versorgen. Die Größe der Familien wirkt sich somit auch auf den
Gesundheitszustand ihrer Mitglieder aus. Nicht überall jedoch
verfügen Frauen und Männer über Zugang zu Aufklärung
und Verhütungsmitteln.
Einige Projekte der Entwicklungszusammenarbeit verknüpfen deshalb
Naturschutz mit Gesundheitsversorgung und Familienplanung. Die Idee dazu
ist allerdings nicht neu: Seit dem Jahr 2000 kämpfen beispielsweise Geo
schützt den Regenwald e.V. und die Deutsche Stiftung
Weltbevölkerung zusammen mit weiteren Partnern für den Erhalt
der verbliebenen Regenwälder im südwestlichen Hochland von
Äthiopien. Das Bonga
Forest Projekt verfolgt das Ziel, die wildwachsenden Kaffeepflanzen,
die dort nicht nur ihren Ursprung sondern auch das weltweit einzige
natürliche Verbreitungsgebiet haben, mitsamt ihrem Naturraum zu
schützen. Ein nachhaltiges Waldmanagementsystem ermöglicht eine
Ressourcen schonende Nutzung des Waldes. Die Verarbeitung der Kaffeebohnen
und der Aufbau von Vermarktungsstrukturen sichern den Menschen in der
Region ein Einkommen. Eine weitere Komponente des seit zehn Jahren
erfolgreichen Projektes ist Aufklärungsarbeit, denn ungewollte
Schwangerschaften sind der Hauptgrund für das dortige
Bevölkerungswachstum. Vor allem Jugendliche - die Eltern von morgen -
erhalten Informationen über und Zugang zu Mitteln der Familienplanung.
Im Idealfall sinken mit Hilfe des Projektes die Kinderzahlen je Frau, die
Familien können sich besser ernähren und haben mehr Mittel, in
die Bildung ihrer Kinder zu investieren. Diese können dann andere
Berufe als die des Kleinbauern ergreifen, was wiederum den Druck auf die
verbleibenden Naturräume mindert.
Auch die amerikanische Entwicklungshilfeorganisation United States Agency for International Development
(USAID) unterstützt Projekte, die Familienplanung und Naturschutz
kombinieren. So zum Beispiel in Kambodscha. Im Cardamom Gebirge im
Südwesten des Landes leben bedrohte Arten wie der asiatische Elefant,
der Tiger und das siamesische Krokodil. Der dortige Wald ist aber auch die
Lebensgrundlage der seit Jahrhunderten ansässigen und stetig
wachsenden Khmer Bevölkerung. Unkontrollierte Migration, hohe
Bevölkerungswachstumsraten und kommerzielle Interessen haben dazu
geführt, dass die Menschen zunehmend in die Natur eingreifen und diese
aus dem Gleichgewicht gerät. Heute sind 43 Prozent der lokalen
Bevölkerung unter 15 Jahre jung und werden im Erwachsenenalter erst
noch eine Familie gründen, was ohne Geburtenkontrolle sämtliche
Naturschutzaktivitäten binnen einer Generation zu Nichte machen
würde. Das von Conservation
International und der Mitorganisation CARE
in Kambodscha umgesetzte Projekt ermöglicht der Bevölkerung den
Zugang zu Verhütungsmitteln und trägt zum Ausbau der
Gesundheitsinfrastruktur bei. Gleichzeitig stärkt es die Arbeit
bestehender Naturschutzorganisationen, indem Landnutzungspläne
aufgestellt und umgesetzt werden und alternative Einkommensquellen wie die
Rekultivierung aufgegebener Reisfelder geschaffen werden.
Ein anderes von USAID mitgetragenes Projekt führen Save the Children und der World Wide Fond for Nature (WWF) auf den
Philippinen durch. Ziel ist es, das einzigartige, maritime Ökosystem
der Sulu Sulawesi Meeresökoregion zu erhalten, das von
Überfischung bedroht ist. Hinter dem Fischfang stecken einerseits
wirtschaftliche Interessen, andererseits aber auch die Armut der über
35 Millionen Küstenbewohner. Bis zum Jahr 2035 soll sich ihre
Bevölkerungszahl verdoppeln. Um den Bevölkerungsdruck zu
verringern, leisten die Projektträger zum einen Aufklärungsarbeit
und bauen Gesundheitsdienstleistungen wie den Zugang zu
Verhütungsmitteln und reproduktiver Gesundheitsversorgung aus. Zum
anderen schaffen sie lokale Strukturen, um das maritime System zu
überwachen und zu schützen. Zum dritten fördern sie
umweltverträgliche, Einkommen generierende Maßnahmen wie die
Algenzucht und schulen die lokale Bevölkerung, nachhaltig zu fischen.
Literatur / Links
CARE
Conservation International
Deutsche
Stiftung Weltbevölkerung: Pille als Waldschutz
Geo
schützt den Regenwald e.V.: Rettung für die Kaffeewälder in
der Kaffa Region, Äthiopien
Save the Children
USAID
(2008): Integrating Population, Health and Environment in Cambodia
USAID:
Cambodia - Population Environment Project
USAID:
Successful Communities from Ridge to Reef
World Wide Fond for Nature (WWF) 
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Größe und Zusammensetzung von
Bevölkerungen verändern sich - was folgt daraus für die
Politik?
Der neue "Atlas der Globalisierung" liefert
Fakten und Analysen zu Alterung, Migration, Bevölkerungswachstum und
anderen demografischen Entwicklungen weltweit 
Das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung steigt - was
hat diese Nachricht mit meinem alltäglichen Leben zu tun? Statistiken
bleiben oft abstrakt. Der von der Monatszeitschrift "Le Monde diplomatique"
herausgegebene neue "Atlas der Globalisierung" zeigt die Bedeutung
weltweiter Entwicklungen für den Einzelnen, indem er sie durch
Beispiele und Grafiken veranschaulicht, Zusammenhänge herstellt, die
politischen Rahmenbedingungen hinterfragt und Alternativen zu den
gängigen Handlungskonzepten der Akteure auslotet.
So lässt sich in nahezu allen Ländern der Welt eine Entwicklung
von hohen zu niedrigen Geburten- und Sterberaten beobachten. Dieses
Phänomen wird als "demografischer Übergang" bezeichnet. Er
vollzieht sich in zwei Phasen, die allerdings unterschiedlich lang andauern
können: Vor langer Zeit lagen überall auf der Welt Geburten- und
Sterberaten hoch. Dann sank letztere in den sich entwickelnden Staaten,
während die Geburtenrate unverändert hoch blieb. In dieser Phase
wächst die Bevölkerung. Später sank auch die Geburtenrate,
und das Bevölkerungswachstum verlangsamte sich - zunächst in den
Industrienationen, später in den Schwellen- und vielen
Entwicklungsländern. Wenn schließlich die Geburten- unter die
Sterbeziffer sinkt, kommt es zu einem Bevölkerungsrückgang. Die
Bevölkerung wird älter.
Die Geburten- und Sterberate beeinflussen die Altersstruktur einer
Bevölkerung – ebenso wie die Migration. Von der Struktur der
Bevölkerung, vor allem deren Alter und Bildungsgrad, hängt die
wirtschaftliche Entwicklung wesentlich ab. Deshalb fordern
Bevölkerungsveränderungen die sozialen Systeme heraus: Sind viele
Kinder und alte Menschen zu versorgen? Übernimmt dies die Gesellschaft
oder die Familie? Teilen Frauen und Männer sich die hier anfallende
Arbeit gleichermaßen? Wie kann ein finanzierbares Sozialsystem
aussehen? Die Politik muss außerdem dafür sorgen, dass
Zuwanderer sich integrieren können. Nur dann werden ihre Potenziale
genutzt. Dabei dürfen die Folgen nicht außer Acht gelassen
werden, die es für die Herkunftsländer hat, wenn junge Menschen
ihre Heimat in großer Zahl verlassen und etwa von West- oder
Ostafrika nach Westeuropa oder Nordamerika ziehen. In diesen Regionen muss
der Hunger bekämpft, der Zugang zu sauberem Trinkwasser garantiert
werden.
Der "Atlas der Globalisierung" stellt in allen Beiträgen auch die
Frage: Wie können wir mehr Gerechtigkeit schaffen? Diese Frage richtet
sich genauso an die professionellen politischen Macher wie an den
Einzelnen. Das Heft sucht Antworten darauf und fordert dazu auf,
Verantwortung zu übernehmen. Die Herausgeber sind dabei keine
weltfremden Idealisten, sie glauben an Gestaltungsmöglichkeiten.
Ob es um wirtschaftliche Entwicklungen wie die gegenwärtige
Finanzkrise geht, um die Energie- oder die Wasserversorgung, den
Klimawandel oder Umweltschutz, regionale, nationale oder internationale
Interessen und Konflikte - das Heft liefert zu allen wichtigen Themen, die
die Welt gerade beschäftigen, grundlegende Informationen. Wem das
nicht reicht, für den verweisen die Autoren auf die Quellen und
weiterführende Literatur.
Die Monatszeitung "Le Monde diplomatique" ist eine der verlässlichen
Institutionen, die regelmäßig einen kritischen Blick auf
vorherrschende Strukturen wirft, auf intelligente Art Kritik übt und
nach neuen Lösungen sucht. Wie die beiden vorherigen Ausgaben
rückt der jüngste "Atlas der Globalisierung" zudem Regionen in
den Blick, die in den täglichen Nachrichten sonst nur am Rande
vorkommen - obwohl die Probleme dort oft besonders dringlich sind. Die
Verbindung von theoretischem und geschichtlichem Hintergrund sowie
praktischen Vorschlägen, welche Reformen mehr Gerechtigkeit schaffen
könnten, gelingt auch in diesem Heft. Der Preis macht es auch für
Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende
erschwinglich, die aufbereiteten Fakten lassen sich gut im Unterricht
nutzen. Die Autorinnen und Autoren sind anerkannte Wissenschaftler und
Journalisten. Der Atlas ist in diesem Oktober zum dritten Mal erschienen -
und wie 2003 und 2006 ist es ein Gewinn, ihn zu lesen.
Le Monde
diplomatique: Atlas der Globalisierung. Berlin 2009, 313 S., 13
Euro. 
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Aktuelle Daten über Standort- und
Lebensbedingungen in Deutschland
Die CD-ROM "INKAR 2009" des Bundesinstituts
für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) enthält Indikatoren und
Karten zur Raum- und Stadtentwicklung 
Die Haushalte im Landkreis Starnberg verfügen mit
durchschnittlich 2.300 Euro über das höchste Einkommen in
Deutschland. Dort haben männliche Neugeborene mit über 80 Jahren
zugleich die höchste Lebenserwartung. Im mecklenburgischen
Uecker-Randow liegt das durchschnittliche Haushaltseinkommen dagegen
lediglich bei 1.100 Euro. Männer werden dort im Durchschnitt 73 Jahre
alt. Wer sich über die Standort- und Lebensbedingungen in Deutschlands
Städten, Kreisen und Regionen informieren möchte, sollte die
aktuelle CD-ROM "INKAR 2009" des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und
Raumforschung (BBSR) zur Hand haben. Die diesjährige Ausgabe der
CD-ROM umfasst 450 Indikatoren zu gesellschaftlichen Schlüsselfeldern
wie Arbeit, Wirtschaft, Finanzen, Bevölkerung und Bildung. Die
Indikatoren basieren auf Daten der amtlichen Statistik des Bundes und der
Länder sowie von Forschungseinrichtungen und Verbänden.
INKAR 2009 erlaubt als interaktive Anwendung einen flexiblen Zugang zu den
Indikatoren und Raumeinheiten. In wenigen Schritten lassen sich thematische
Karten erstellen, beispielsweise zum Anteil der Hochschulabsolventen in
einem Landkreis oder einer Region, zur durchschnittlichen Rentenhöhe
oder zur Prognose der Schülerzahlen. Die Visualisierung der
Indikatorwerte gibt den Anwendern der CD-ROM einen schnellen Überblick
über das Ausmaß regionaler Unterschiede. Die Werte der einzelnen
Indikatoren sind ebenfalls in einer Tabelle darstellbar. Diese kann
für vertiefende Analysen wie Rankings von Kreisen und Regionen dienen.
Die Karten, Grafiken und Tabellen können ausgedruckt und in alle
gängigen Formate umgewandelt werden.
Mit der CD-ROM bietet das BBSR eine verlässliche Recherchequelle
für Medien, Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen, Kreise und Regionen
sowie Verbände. Unternehmen können INKAR unter anderem für
regionale Marktanalysen nutzen. Für den Geografie- und
Gemeinschaftskundeunterricht ist die CD-ROM ein wesentliches didaktisches
Arbeitsmittel.
Die CD-ROM kostet 45,00 Euro zzgl. Versand und ist beim BBSR oder im
Buchhandel erhältlich.
BBSR
(2009): INKAR - Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung.
CD-ROM
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