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Immer mehr Rentner, immer weniger
Erwerbsfähige
Die Rentensysteme müssen auf die
demografische Entwicklung in Europa reagieren Kindermangel und eine steigende Lebenserwartung lassen die
europäischen Gesellschaften altern. Im Schnitt bekommt eine
EU-Bürgerin 1,6 Kinder, nötig für eine demografisch stabile
Gesellschaft wären etwas über zwei Kinder. Außerdem werden
die Europäer immer älter. In den letzten 50 Jahren stieg ihre
Lebenserwartung um fünf Jahre, bis 2060 werden noch mal sieben
hinzukommen.
Europa altert - und das stellt die Altersversorgung in den meisten
europäischen Ländern vor große Schwierigkeiten. Immer
weniger Erwerbstätige müssen in Zukunft immer mehr Rentner
versorgen. In 50 Jahren wird fast ein Drittel der europäischen
Gesellschaft 65 Jahre oder älter sein. Heute liegt der Anteil dieser
Altersgruppe noch bei rund 17 Prozent. Aber wenn die ersten Jahrgänge
der Babyboomer-Generation ab 2020 dazukommen, wird er deutlich steigen.
Allerdings unterscheiden sich die europäischen Staaten bei der
Alterung stark voneinander: In Schweden, Frankreich und
Großbritannien beispielsweise werden die Bevölkerungen langsamer
altern und eher eine moderate Entwicklung erleben, während sie in
Zentral- und Osteuropa besonders ab dem Jahr 2020 rasant altern werden.
Aber alle Staaten werden auf die demografische Entwicklung reagieren
müssen.
Bis 2060 wird fast jeder dritte Mensch in Europa 65 Jahre oder
älter sein
Anteile verschiedener Altersgruppen in der EU von 1990 bis 2060 in
Prozent 
Der Bevölkerungsanteil der Europäer, die 65 Jahre
oder älter sind, wird 2060 bei 30 Prozent liegen und sich damit
gegenüber 1990 mehr als verdoppelt haben. Der Anteil der über
79-Jährigen wird sich in diesem Zeitraum sogar fast vervierfachen.
Sinken wird demgegenüber der Anteil der EU-Bürger im typischen
Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren. Im Jahr 2060 wird nur noch jeder zweite
Europäer zu dieser volkswirtschaftlich besonders produktiven
Altergruppe zählen. Besonders deutlich wird der Anteil der unter
20-Jährigen zurückgehen: auf unter 19 Prozent im Jahr 2060 - von
noch knapp 27 Prozent im Jahr 1990 (Europäische Kommission
2011).
"Früh in Rente" wird zum Auslaufmodell
Die größte Herausforderung für die europäischen
Rentensysteme besteht darin, ein angemessenes Rentenniveau zu erreichen
oder zu halten und zugleich nicht die zukünftigen Erwerbstätigen
zu stark zu belasten. Letzteres kann nur gelingen, wenn in Zukunft mehr
Menschen länger berufstätig sind. Dazu müssen sich vor allem
die Beschäftigungsquoten bei Frauen und älteren
Erwerbsfähigen erhöhen. Stehen heute noch jedem Rentner vier
Erwerbstätige gegenüber, werden es 2060 nur noch zwei sein.
Gegenwärtig steigen die Berufstätigen in den meisten
europäischen Ländern aus ihrem Beruf aus, bevor sie das
gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben, oft sogar einige Jahre
früher. Dabei bestehen große Unterschiede zwischen den
Ländern und den Geschlechtern. Laut Gesetz müssen beispielsweise
sowohl die Männer in Luxemburg als auch in Portugal bis zu ihrem 65.
Lebensjahr arbeiten. Tatsächlich verlassen die Luxemburger jedoch
schon zehn Jahre vor den Portugiesen den Arbeitsmarkt. Die Slowakinnen
beenden ihre Karriere acht Jahre vor den Norwegerinnen - obwohl in beiden
Ländern noch ein paar Jahre mehr im Job vorgesehen sind.
Wie lange in Europa wirklich gearbeitet wird
Gesetzliches und tatsächliches durchschnittliches
Renteneintrittsalter von Männern und Frauen 
In den meisten europäischen Ländern liegt das
gesetzliche Renteneinstiegsalter bei 65 Jahren. Das tatsächliche Alter
beim Erwerbsaustritt variiert im europäischen Vergleich jedoch
deutlich. Mit 57 Jahren gehen die Luxemburger am frühsten in Rente,
rund zwölf Jahre vor den Isländern, die mit einem
durchschnittlichen Renteneintrittsalter von 70 Jahren am längsten
berufstätig bleiben. Auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern
sind groß: Während etwa in Belgien, Spanien und Portugal
für Frauen und Männer dasselbe gesetzliche Renteneintrittsalter
gilt, treten sie nur in Belgien im Mittel tatsächlich im selben Alter
aus dem Beruf aus - in Spanien dagegen arbeiten die Frauen erheblich
länger, in Portugal die Männer (OECD 2011).
Ähnlich wie Luxemburg ermöglichten viele europäische
Länder lange einen vorzeitigen Berufsausstieg. Jüngere Menschen
sollten dadurch einfacher ins Berufsleben einsteigen können. Jedoch
hat sich gezeigt, dass sich jüngere Beschäftigte am Arbeitsmarkt
nicht gegen ältere aufrechnen lassen. Verlassen ältere
Erwerbstätige früh den Arbeitsmarkt, kann dies auch die
Beschäftigung insgesamt senken, da ihre Qualifikation und
Produktivität verloren geht. Jüngere Menschen, die
nachrücken, können oftmals noch nicht die entstandene Lücke
schließen. Ältere qualifizierte Beschäftigte schaffen somit
im Allgemeinen mehr Arbeit als sie "wegnehmen".
In Frankreich gingen Frauen und Männer 1970 im Durchschnitt erst mit
68 Jahren in Rente. In Portugal, Irland und der Schweiz arbeiteten die
meisten sogar bis zum 73. Lebensjahr. Die seitdem eingeführten
nationalen Vorruhestandsprogramme senkten das Renteneintrittsalter in den
letzten Jahrzehnten immer weiter. Mitte der neunziger Jahre verließen
die meisten Erwerbstätigen in Frankreich den Arbeitsmarkt, bevor sie
60 Jahre alt wurden. Auch in den restlichen europäischen Ländern
sank das durchschnittliche Renteneintrittsalter deutlich.
Erst in den letzten Jahren haben die Staaten zunehmend damit begonnen,
diesem Trend entgegenzuwirken. Zum einen erhöhten viele Länder
das gesetzliche Renteneintrittsalter, zum anderen schufen sie Anreize,
damit Arbeitnehmer wieder länger berufstätig bleiben. So sollen
Erwerbstätige, die früher in Ruhestand gehen, auch weniger Rente
erhalten als jene, die länger arbeiten.
Länger zu arbeiten, lohnt sich nicht überall
Unterschiede der Netto-Rentenhöhe eines durchschnittlichen
Erwerbstätigen, der entweder mit 63 Jahren (38 Arbeitsjahren) oder 67
Jahren (42 Arbeitsjahren) in Rente geht, in Abhängigkeit seines
Rentenanspruchs mit 65 Jahren, in den Jahren 2044 bis 2048 
Auf der Grundlage der aktuellen nationalen Rentensysteme
hat die Europäische Kommission die zukünftig zu erwartenden
Unterschiede der Netto-Rentenhöhe berechnet. Für eine bessere
Vergleichbarkeit wurde das gesetzliche Renteneintrittsalter in allen
Ländern auf 65 Jahre gesetzt. Die Berechnung zeigt: Überall
beeinflusst ein zwei Jahre früheres oder späteres Verlassen des
Arbeitsmarktes den Rentenanspruch. Dabei fallen die Ab- und Zuschläge
in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich aus. Erwerbstätige
in Dänemark und Luxemburg können ihre Rentenbezüge kaum
erhöhen, wenn sie statt mit 65 Jahren zwei Jahre später in Rente
gehen. Ihre Rente würde sich nur um ein Prozent verändern. Im
Gegensatz dazu steigen bei einem um zwei Jahre späteren Renteneintritt
mit 67 Jahren die Renten in der Slowakei und in Portugal um zehn
beziehungsweise zwölf Prozent (Europäische Kommission
2009).
Ob es sich lohnt, länger zu arbeiten oder eher nicht, hängt von
den nationalen Rentensystemen ab. In Dänemark und Luxemburg erreichen
Erwerbstätige schon früh einen hohen Rentenanspruch, eine
längere Berufstätigkeit ändert die Höhe der Rente
dagegen nur geringfügig. Die wenigsten werden sich in diesen
Ländern dafür entscheiden, bis zu ihrem 67. Lebensjahr weiter zu
arbeiten. In Tschechien, Schweden und Portugal hingegen können
Berufstätige ihren Rentenanspruch deutlich aufbessern, wenn sie ihren
Ruhestand um zwei Jahre hinausschieben.
Frauen gegenüber Männern benachteiligt
Die Frauenerwerbsquote ist in den europäischen Ländern immer
noch sehr unterschiedlich. Während die Erwerbsquote von Männern
und Frauen in den skandinavischen und baltischen Ländern fast
ausgeglichen ist, arbeiten in Südeuropa deutlich weniger Frauen als
Männer. Dass Frauen arbeiten und in die Rentensysteme einzahlen ist
aber nicht nur für die Nachhaltigkeit der Alterssicherung insgesamt
von entscheidender Bedeutung, sondern verringert auch ihr individuelles
Risiko der Altersarmut. In den meisten europäischen Ländern
unterbrechen Frauen immer noch häufiger als Männer ihre
Berufstätigkeit, um gemeinsame Kinder zu betreuen. Auch verdienen
Frauen oft weniger und sind seltener vollzeitbeschäftigt. All das
spiegelt sich später in der Höhe ihrer Rente wider.
Schweden und Frankreich haben schon in den 1970er Jahren damit begonnen,
jungen Müttern eine schnelle Rückkehr ins Berufsleben zu
ermöglich. Der Ausbau von Kindertagesstätten und Ganztagsschulen
sorgte für mehr Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt und
förderte zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Andere
europäische Länder, darunter auch Deutschland, zogen in den
letzten Jahren nach. Erste Erfolge sind sichtbar: Im Jahr 2010 waren in
Europa rund 58 Prozent der Frauen berufstätig, das sind immerhin
sieben Prozent mehr als noch vor 13 Jahren.
Die ersten Fortschritte werden sichtbar
Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern im
erwerbsfähigen Alter, von Frauen derselben Altergruppe sowie von
älteren erwerbsfähigen Frauen und Männern 
Frauen und ältere Erwerbsfähige schließen
in Europa bei der Beschäftigungsquote langsam auf: Die
Beschäftigungsquote ist in den letzten 13 Jahren sowohl bei den
älteren Erwerbsfähigen im Alter von 55 bis 64 Jahren als auch bei
erwerbsfähigen Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren stärker
gestiegen als die Beschäftigungsquote aller Erwerbsfähiger im
gleichen Zeitraum. Besonders deutlich war die Zunahme der
Beschäftigungsquote bei den älteren Erwerbsfähigen. 1997
waren nur 37 Prozent dieser Altergruppe berufstätig, 2010 waren es
fast 47 Prozent (Eurostat).
Auch wenn die Beschäftigungsquote von älteren
Erwerbsfähigen in den letzen Jahren gestiegen ist, liegt sie dennoch
weiterhin unter den Werten von vor einigen Jahrzehnten. Das
europäische Ziel einer Beschäftigungsquote von 50 Prozent ist
ebenfalls noch nicht erreicht worden. Dass durchaus noch höhere Werte
möglich sind, zeigen Norwegen und Schweden, wo etwa 70 Prozent der 55-
bis 64-Jährigen berufstätig sind. Übertroffen werden diese
beiden Länder noch von Island, hier stehen sich fast 80 Prozent dieser
Altersgruppe noch im Arbeitsleben.
Ein Blick in den Norden Europas zeigt, dass Alter und Geschlecht nicht
überall der Berufstätigkeit im Wege stehen. Wie nachhaltig die
europäischen Rentensysteme in Zukunft sein werden, hängt
maßgeblich davon ab, ob es die restlichen europäischen
Länder ebenfalls schaffen, das ganze Potenzial der Generationen im
erwerbsfähigen Alter zu nutzen.
Links / Literatur
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2011): Vorbildliche
Familienpolitik: das schwedische Doppelverdiener-Modell. In: Demos 110, 26.
Januar 2011.
Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung (2010): Die Zahl älterer
Erwerbstätiger wächst - vor allem Frauen arbeiten länger.
In: Demos 100, 26. Juli 2010.
Berlin-Institut für
Bevölkerung und Entwicklung (2010): Frankreichs Familienpolitik auf
dem Prüfstand. In: Demos 90, 23. Februar 2010.
Europäische Kommission [Hg.] (2010): Angemessene, nachhaltige und
sichere europäische Pensions- und Rentensysteme. Luxemburg. http://ec.europa.eu
Europäische Kommission [Hg.] (2011): Demography Report 2010.
Luxemburg. http://ec.europa.eu
Europäische Kommission [Hg.] (2009): Updates of current and
prospective theoretical pension replacement rates 2006- 2046. Luxemburg. http://ec.europa.eu
Europäische Kommission [Hg.] (2008): Längere Lebensarbeitszeiten
durch Rentenreformen. Luxemburg. http://ec.europa.eu
Fuchs, Gesine (2011): Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt. Ein
europäischer Vergleich. www.bpb.de
Mannheim Research Institute for the Economics of Aging (2010): Zunehmende
Altersarmut in Deutschland - vermeidbar oder unvermeidlich. Mannheim. www.mea.uni-mannheim.de
Statistische Amt der europäischen Union (2011): Eurostat-Online
Datenbank. http://epp.eurostat.ec.europa.eu
OECD (2011): Pension at a Glance 2011. Paris. www.oecd.org


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"Lern-Werkstadt" Demenz zum
Nachmachen
Ein Handbuch für Kommunen, die sich und ihre
Bürger auf den demografischen Wandel vorbereiten wollen Die Stadt Arnsberg im Sauerland hat etwas über 74.000
Einwohner. Geschätzte 1.200 sind an einer Demenz erkrankt. Davon leben
über 60 Prozent zu Hause und werden von Angehörigen
unterstützt. Mit diesen Zahlen liegt Arnsberg ziemlich genau im
gesamtdeutschen Durchschnitt. Weit überdurchschnittlich ist
allerdings, was die Kommune tut, um die Lebensqualität ihrer
demenzkranken Bürger und deren Angehöriger zu verbessern - und
wie sie dabei professionelles mit zivilgesellschaftlichem Engagement
verknüpft.
Arnsberg ist ein Modell dafür, "wie Kommunen fantasievoll mit dem
demografischen Wandel umgehen können", heißt es im "Demenz-Report"
des Berlin-Instituts. Jetzt hat die Fachstelle Zukunft Alter der Arnsberger
Stadtverwaltung ihre Erfahrungen in einem Handbuch für Kommunen
veröffentlicht. Nachahmung ausdrücklich erwünscht.
Das Handbuch "Arnsberger 'Lern-Werkstadt' Demenz" besteht aus zwei Teilen.
Unter dem Titel "Strategie" setzt sich der erste Teil damit auseinander,
warum Kommunen sich überhaupt mit Demenz befassen sollten, und
schildert, wie es in Arnsberg dazu kam. Vor drei Jahren lud die Verwaltung
die Einwohner zum Nachdenken darüber ein, wie sie selbst dazu
beitragen könnten, Menschen mit Demenz ein besseres Leben zu
ermöglichen. Dies setzte eine intensive öffentliche Diskussion in
Gang. Menschen aller Generationen und aus den unterschiedlichsten Bereichen
der Gesellschaft entwickelten eine Fülle von Ideen. Heute arbeiten
Kindergärten mit Altenheimen zusammen. Rüstige Senioren gehen mit
unruhigen Demenzkranken wandern. Handwerker haben sich das Knowhow für
den demenzgerechten Umbau von Wohnungen erarbeitet.
Der zweite Teil ist mit "Praxis" überschrieben. Darin werden die
vielen Maßnahmen und Vorhaben im Detail geschildert, gegliedert nach
den unterschiedlichen Gruppen: Stadt, Bürger, Ehrenamtliche, Familien
und Betroffene selbst. Von der Ausrichtung einer Initiativkonferenz
über Plakataktionen für die Bürger oder den Aufbau eines
Beratungsnetzwerks bis hin zum Tanztee für Menschen mit und ohne
Demenz bietet das Handbuch vielfältige Anregungen. Überdies ist
es lebendig und somit gut nachvollziehbar geschrieben. Wo immer
möglich, sind die Beispiele mit Links und Adressen versehen. Auf jedes
der Unterkapitel folgt eine Merkliste. Darin stehen zum Ankreuzen so
einfache, aber wichtige Sätze wie: "Ziele und Leitbilder entwickeln:
Wo wollen wir hin? Was wollen wir erreichen?"
Ein guter Anfang. Denn eines stellte schon der "Demenz-Report" des
Berlin-Instituts klar: Es muss etwas geschehen, wenn sich der Anteil
Demenzkranker an der Bevölkerung Deutschlands bis 2030 verdoppelt, im
gleichen Zeitraum aber nur noch etwa halb so viele Menschen im
erwerbsfähigen Alter als professionell Pflegende oder als
Betreuungspersonen innerhalb der Familie zur Verfügung stehen.
Stadt Arnsberg (Hg.) (2011): Arnsberger "Lern-Werkstadt" Demenz. Handbuch
für Kommunen. Arnsberg. Online abrufbar unter www.projekt-demenz-arnsberg.de
oder kostenlos zu beziehen über die Fachstelle Zukunft Alter der Stadt
Arnsberg. Ansprechpartner: Martin Polenz, Lange Wende 16a, 59755 Arnsberg,
02932 201 2206, m.polenz@arnsberg.de 
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