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Verlässliche Daten zu Lebenslagen
europäischer Roma sind rar
Die westlichen EU-Staaten bieten eher einen
Ausweg aus Armut und Arbeitslosigkeit als osteuropäische Länder -
aber überall sind die Hürden zur Integration für Roma
hoch In ganz Europa wird die Zahl der Roma auf
mindestens neun Millionen geschätzt, viele Forscher - darunter etwa
Wolfgang Wippermann von der Freien Universität Berlin - sprechen gar
von zwölf Millionen. Die Bezeichnung Roma steht hierbei für eine
über den gesamten Kontinent verteilt lebende Volksgruppe mit
verschiedenen Untergruppen, allesamt Nachfahren mittelasiatischer
Volksgruppen, die vor über 600 Jahren eingewandert sind. Die
große Mehrzahl der Roma führt in ihren Heimatländern ein
ganz normales Leben als Teil der Gesellschaft. Auch in Westeuropa leben
Roma vorwiegend als langjährig in den Ländern verwurzelte
Staatsbürger. Hinzu kommt hier eine steigende Zahl an
Roma-Flüchtlingen, unter ihnen besonders viele Rumänen und
Bulgaren.
Nach wie vor ist Europas größte ethnische Minderheit
Diskriminierungen ausgesetzt. Zudem stehen einzelstaatliche Maßnahmen
wie die Beschlüsse Frankreichs, illegale Wohnkolonien der Roma
aufzulösen und eine große Zahl an Roma aus Frankreich
auszuweisen, im Widerspruch zu den menschenrechtlichen Zielsetzungen der
Europäischen Union (EU) und zur Freizügigkeitsrichtlinie. Das
haben auch das Europäische Parlament, die Kommission und der
Expertenausschuß der Vereinten Nationen "zur Beseitigung der
Rassendiskriminierung" (CERD) kritisiert. Frankreich steht jedoch nicht
allein: Italien
hat tausende Roma in spezielle Verwahrungslager umgesiedelt und wie Belgien,
Großbritannien,
Dänemark
oder auch Schweden
abgeschoben.
In der Bundesrepublik Deutschland leben dem Zentralrat Deutscher Sinti und
Roma zufolge etwa 70.000 bis 80.000 Roma und Sinti. Sinti sind ebenso wie
Aschkali und Ägypter eine Untergruppe der europäischen Roma.
Deutschland und die Republik Kosovo haben im April dieses Jahres eine
Vereinbarung unterzeichnet, um die Ausweisung von jährlich bis zu
2.500 der insgesamt rund 10.000 in Deutschland geduldeten
Roma-Flüchtlinge in den Kosovo zu regeln. Bislang wurden 143 Personen
abgeschoben, obwohl der Europarat sich wegen der dortigen humanitären
Situation dagegen ausgesprochen hat. Das Auswärtige Amt, dessen
Lagebericht zum Kosovo allerdings als vertraulich eingestuft und deshalb
nicht einsehbar ist, sieht die Sicherheit von Roma im Kosovo nicht generell
bedroht - im Gegensatz zur Einschätzung von Amnesty International und
anderen Menschenrechtsorganisationen. Diese weisen zudem immer wieder
darauf hin, dass laut Genfer Flüchtlingskommission und
EU-Qualifikationsrichtlinie massive Diskriminierung eine Form von
politischer Verfolgung darstelle. Zudem sei die Hälfte der
Roma-Flüchtlinge Kinder, die im Fall der Abschiebung vermutlich keine
Chance auf eine sichere gesundheitliche Versorgung oder einen
Schulabschluss hätten.
Den Mitgliedsstaaten der EU fehlt ein überzeugendes Konzept, wie die
gesellschaftliche Ausgrenzung von Roma beendet werden könnte.
Unstrittig ist, dass nahezu überall in Europa viele Roma sich mit
einem niedrigeren Lebensstandard zufriedengeben müssen als der
Durchschnitt der Bevölkerung: mit einem geringeren Einkommen, einem
schlechteren Gesundheitszustand, schlechteren Wohnbedingungen, höherer
Arbeitslosigkeit. Um diese Roma gesellschaftlich besser zu integrieren,
wurden verschiedene Initiativen gestartet - darunter eine 2005 von
Bulgarien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Mazedonien, Rumänien,
Serbien und der Slowakei unterzeichnete Erklärung, mit der die
Roma-Dekade ("Decade of the Roma Inclusion, 2005-2015") ausgerufen wurde.
Die beteiligten Länder haben vereinbart, jeweils einen nationalen
Handlungsplan aufzustellen, um die Lebensbedingungen von Roma zu
verbessern, etwa den Zugang zu Bildung, Beschäftigung und
Gesundheitsversorgung zu erleichtern. Ein halbes Jahrzehnt ist inzwischen
vergangen - und noch immer liegt der Erfolg in weiter Ferne.
Die Lebensbedingungen in Osteuropa sind ungleich härter
Vor allem in Osteuropa leiden viele Roma unter Armut und Arbeitslosigkeit.
Hier finden sie sich spätestens seit dem politischen Umsturz Anfang
der 1990er Jahre am untersten Ende der sozialen Rangordnung. Sie leben oft
in prekären Verhältnissen und in abgelegenen Siedlungen ohne
Verkehrsanbindung, sind teilweise offener Diskriminierung und mancherorts
sogar gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt. Gesellschaftlicher Aufstieg
scheint für Mitglieder ihrer Volksgruppe nahezu unmöglich. Nach
Westeuropa zu ziehen, ist deshalb attraktiv.
Millionen Roma leben in Osteuropa in Armut 
Allein in den osteuropäischen Staaten Rumänien
und Bulgarien leben mehr als zwei Millionen Roma. Mehrheitlich
verfügen sie noch nicht einmal über eine grundlegende
Schulbildung. Entsprechend hoch ist die Arbeitslosigkeit. Ein erschreckend
hoher Prozentsatz lebt in absoluter Armut - Sachgüter und
Nahrungsmittel reichen hier nicht einmal zur Befriedigung der
Grundbedürfnisse. Um hierfür Lösungen zu finden,
müssten zudem die Ursachen analysiert und weitere Daten erhoben werden
- in einigen Ländern mangelt es selbst an Schätzungen zur
Lebenssituation von Roma (Datengrundlage: Open Society Insitute, Unicef,
Worldbank).
Einige Roma aus Osteuropa haben sich nun in Frankreich,
Großbritannien und Spanien niedergelassen und wohnen dort vorwiegend
in provisorischen Behausungen. Gemessen an den Lebensbedingungen in ihren
Herkunftsregionen ist ihnen damit bereits ein sozialer Aufstieg gelungen.
Doch auch hier haben sie so gut wie keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Vor
allem Sprach- und Qualifizierungsdefizite behindern sie dabei, am
gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Anfeindungen der Bevölkerung
sind sie nach wie vor ausgesetzt - manche Roma geraten in einen
Teufelskreis aus Diskriminierung und Straffälligkeit, weil sie sich
mangels Alternative in die Grauzonen der Erwerbstätigkeit
zurückziehen und mit Musizieren, Betteln und Kleinkriminalität
Geld verdienen.
Zielländer erscheinen gänzlich konzeptlos
Dies ist jedoch nur die eine Seite - den Zielländern muss attestiert
werden, dass sie über so gut wie keinen Integrationswillen
gegenüber diesen Heimatlosen verfügen. Die Westeuropäer
fürchten sich vor Zuwanderern, die ihre Sozialsysteme belasten
könnten und davor, dass zahllose weitere Roma nachfolgen würden,
wenn man ihnen nur ein angenehmeres Leben ermöglichte. Durch ihre
Abwehrhaltung verstärken sie die Barrieren für ein produktives
Miteinander. So bleibt es bei der seit Jahrzehnten angewendeten Praxis:
Abschotten, Ignorieren und nach Möglichkeit Ausweisen.
Ein gesamteuropäische Lösung für diese Problematik ist
nicht abzusehen, denn im Endeffekt sind die verschiedenen Szenarien sowohl
in den Herkunfts- als auch den Zielländern sehr unterschiedlich.
Derzeit diskutieren Roma-Experten über die Möglichkeit, einen
europaweiten Roma-Fonds einzurichten, in welchen alle EU-Länder Gelder
einzahlen und der seine Einlagen auf die Länder gemessen an ihrer
jeweiligen Roma-Population zurückzahlen könnte. Dieses Geld
könnte für angepasste Integrationsmaßnahmen verwendet
werden. Allerdings wäre der bürokratische Aufwand hoch - zudem
ist die Datenlage zu den ansässigen Roma regional sehr
unterschiedlich.
Datenerfassung à la Großbritannien ermöglicht
zielgerichtetere Integrationsmaßnahmen
In vielen Ländern werden Roma von offizieller Seite deutlich
untererfasst. Dies trifft besonders auf die östlichen
Herkunftsländer zu, aber auch auf die Zielländer, wo rigide
Bestimmungen zur Datenerhebung keine klaren Aussagen zur
Bevölkerungsstärke und gesellschaftlichem Erfolg erlauben. So ist
es in den EU-Ländern mehrheitlich nicht vorgesehen,
Bevölkerungsdaten mit dem Unterscheidungsmerkmal "ethnischer
Hintergrund" von Amts wegen zu erfassen. Das britische System der
Datenerfassung ist in diesem Punkt anders und wurde auch vom Open Society
Institute - einem führenden Institut der Roma-Forschung - als
vorbildlich für die gesamte EU eingestuft. Dort finden ethnisch
differenzierende Erhebungen statt, beispielsweise in Bildungseinrichtungen,
in Arbeitsstätten und auch durch den Bevölkerungszensus. Mit
diesen Erkenntnissen können Ressourcen und Initiativen auf ethnische
Bevölkerungsgruppen konzentriert werden, die quantifizierbare Probleme
in der gesellschaftlichen Teilhabe aufweisen. Fast noch wichtiger ist
jedoch der Aspekt, dass durch diese Daten Erfolge im Zeitverlauf messbar
werden. Dadurch können nachweislich erfolgreiche Programme weiter
ausgebaut und gescheiterte Projekte gekippt werden.
Nachhaltige Problemlösung durch Armutsbekämpfung im Osten der
EU
An der Suche nach pragmatischen Lösungen wie diesen gehen die
populistischen Debatten, wie sie beispielsweise momentan in Frankreich
geführt werden, meilenweit vorbei. Maßnahmen wie Räumungen
und Abschiebungen passen weder in den europäischen Rechtsrahmen, noch
zeugen sie von einer langfristigen Strategie. Sie scheinen eher
tagespolitisch motiviert zu sein und ändern nichts am Ursprung des
Problems: den schlechten Lebensbedingungen der Roma in Osteuropa.
Es ist kaum anzunehmen, dass die jüngst aus Frankreich Ausgewiesenen
sich mit ihrem Schicksal in der alten Heimat arrangieren. Sehr
wahrscheinlich werden sie über kurz oder lang erneut nach Mittel- und
Westeuropa einreisen. Nur eine wirkliche Verbesserung ihrer
Lebensumstände in den Herkunftsländern könnte den
Wanderungsdruck mindern. Besonders Rumänien und Bulgarien, wo die
größten Roma-Bevölkerungen leben, müssen gemeinsam mit
den Eltern und Kindern Wege suchen, um die Zahl der Schul- und
Ausbildungsabschlüsse und damit die Arbeitsmarktchancen der Roma zu
erhöhen. So ließe sich der Teufelskreis der Armut
durchbrechen.
Spätestens im Jahr 2014 werden die Übergangsregelungen fallen,
mit denen Länder wie Frankreich, Österreich, Italien und auch
Deutschland ihren Arbeitsmarkt gegenüber Rumänen und Bulgaren
noch teilweise abschotten dürfen. Spätestens dann wird es auch
ungleich schwerer werden, Roma ohne genaue Prüfung des Einzelfalls des
Landes zu verweisen.
Am 20. Oktober haben Vertreter der 47 Mitgliedsstaaten des Europarates,
der Europäischen Union und der Roma-Gemeinschaft in Straßburg
eine Erklärung veröffentlicht, die einen Neuanfang
verheißt: Die "Straßburger Erklärung" enthält
Leitlinien zur Nichtdiskriminierung, zur Bürgerschaft, zu Frauen- und
Kinderrechten, zur soziale Eingliederung, zur Selbstbestimmung und zu einem
besseren Zugang zur Justiz. Die Erklärung sieht außerdem die
Einrichtung eines neuen europäischen Trainingsprogramms für
über 1.000 Roma-Mediatoren vor, welche die Gemeinschaften in
rechtlichen und administrativen Fragen beraten sollen. An der Frage, wie
mit den Roma in Zukunft umgegangen wird, wird sich zeigen, wie ernst es
Europa mit der Angleichung der Lebensbedingungen seiner Bürger und den
Menschenrechten ist.
Literatur / Links
Amnesty International (2010): Left Out. Violations of the Rights of Roma
in Europe. London.
www.amnesty.org.
Council of Europe (2010): The Strasbourg Declaration on Roma. Strasbourg.
www.coe.int.
Decade of Roma Inclusion 2005-2015, www.romadecade.org.
European Parliament (2010): Resolution of 8 July 2010 on the European
integration process of Kosovo. Strasbourg. www.europarl.europa.eu.
European Union Agency for Fundamental Rights (2009): Die
Situation von Roma-EU-Bürgern, die sich in anderen EU-Mitgliedstaaten
niederlassen. Vergleichender Bericht. Luxemburg.
Grienig, Gregor (2010): Roma
in Europa. In: Online-Handbuch Demografie. Hgg. vom Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung. Berlin.
Knaus, Verena et al. (2010): Integration unter Vorbehalt. Zur Situation
von Kindern kosovarischer Roma, Ashkali und Ägypter in Deutschland und
nach ihrer Rückführung in den Kosovo. Deutsches Komitee für
Unicef. Köln.
www.unicef.org.
Netzwerk Migration in Europa e.V. (2010): Deutschland/Kosovo
Rücknahmeabkommen. In: Migration und Bevölkerung 5/2010.
Netzwerk Migration in Europa e.V. (2010): Europa:
Diskussion um Umgang mit Roma. In: Migration und Bevölkerung
8/2010.
Netzwerk Migration in Europa e.V. (2010): Frankreich:
Roma-Abschiebungen forciert. In: Migration und Bevölkerung
7/2010.
Open Society Institute (2010): No Data - No Progress. Data Collection in
Countries Participating in the Decade of Roma Inclusion 2005–2015.
New York. www.soros.org.
Unicef (2007): Breaking the Cycle of Exlusion. Roma Children in South East
Europe. Belgrad. www.unicef.org. 

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Arm und Reich
Im wiedervereinigten Deutschland geht die
Wohlstandsschere auseinander - zunehmend weniger zwischen Ost und West als
zwischen Land und Stadt sowie zwischen Gering- und
Spitzenverdienern Gegensätze tun sich 20
Jahre nach der Wiedervereinigung nicht mehr nur zwischen Ost und West auf.
Ein Autorenteam um den Münchner Politikwissenschaftler und Direktor
des Centrums für Angewandte Politikforschung Werner Weidenfeld hat
"Deutsche Kontraste 1990 - 2010" unter die Lupe genommen. Umweltschutz und
Wirtschaftswachstum, Sozialstaat und Marktwirtschaft, Deutsche und
Zuwanderer, Arm und Reich sind solche tatsächlichen oder
vermeintlichen Gegensatzpaare, die in der deutschen Gesellschaft für
Diskussionen sorgen und die der Band beleuchtet. Steffen Kröhnert vom
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat für die
jüngst veröffentlichte Studie einen Blick auf die Gegenpole Arm
und Reich in den vergangenen zwei Jahrzehnten geworfen.
Die problematische ökonomische Entwicklung der DDR sowie das enorme
Wohlstandsgefälle zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem
anderen Teil Deutschlands zählen zu den wesentlichen Ursache
dafür, dass Ostdeutsche in den Westen flüchteten. Die
Wiedervereinigung beider Staaten im Jahr 1990 gab den Menschen die
Hoffnung, dass die Ost-West-Unterschiede hinsichtlich des materiellen
Wohlstandes rasch verschwinden würden. 20 Jahre später ist das
Klischee vom armen Osten und dem reichen Westen nicht völlig
verschwunden - doch der Gegensatz zwischen Arm und Reich zeigt sich heute
in Deutschland zunehmend stärker entlang anderer gesellschaftlicher
Grenzen.
Im Vergleich zum früheren West-Deutschland, das in den 1970er und
1980er Jahren eines der reichsten Länder der Welt war, ist im
wiedervereinigten Deutschland Normalität eingezogen. Während die
alte Bundesrepublik gemessen am Bruttoinlandsprodukt je Einwohner noch im
Jahr 1980 die viertreichste Nation in Europa war, schaffte es das
wiedervereinigte Deutschland 2008 gerade noch auf Rang 14. Beim
Medianeinkommen nahm Deutschland 2007 den neunten Platz in Europa ein -
auch wegen der Kosten der Einheit.
Starnberg und die Uckermark - die regionale Dimension der
Wohlstandsverteilung
In den vergangenen 20 Jahren gab es beim Wohlstandsniveau eine deutliche
Annäherung von Ost an West. Allerdings spiegelt das verfügbare
Einkommen der Ostdeutschen, das etwa 80 Prozent des West-Niveaus
beträgt, nicht die Wirtschaftskraft des Ostens wieder. Denn zu einem
erheblichen Teil stammt der Wohlstand bis heute aus Transferzahlungen des
Bundes, der westdeutschen Länder und der Sozialversicherungen. Die
empfangenen Sozialleistungen liegen in den neuen Bundesländern pro
Einwohner ein Fünftel über dem Wert in Westdeutschland,
während die gezahlte Einkommenssteuer pro Kopf nur gut die Hälfte
des westdeutschen Wertes ausmacht.
Beim durchschnittlich verfügbaren Einkommen liegen gegenwärtig
die wohlhabendsten Kreise der neuen Bundesländer noch immer unterhalb
des gesamtdeutschen Mittelwertes. Manches deutet darauf hin, dass eine
weitere Angleichung nach oben vor allem jenen Regionen nicht möglich
sein wird, die Bevölkerung verlieren. Vielmehr dürften sich im
Osten Deutschlands einige wenige Wachstumszonen herausbilden, während
der ländlich-periphere Raum im Wohlstandsniveau zurückbleiben
wird. In den fünf Jahren zwischen 2002 und 2007 ist das
Nettovermögen in den alten Ländern um mehr als elf Prozent
gestiegen, in den neuen Bundesländern nahm es hingegen um knapp zehn
Prozent ab. Hauptgrund dieser negativen Entwicklung ist der Wertverlust von
Immobilien im Osten Deutschlands aufgrund der demografischen Entwicklung:
Deutlich schrumpfende Einwohnerzahlen durch Abwanderung und eine stark
negative natürliche Bevölkerungsentwicklung (mehr
Sterbefälle als Geburten) entwerten vor allem außerhalb von
Metropolregionen Immobilien nachhaltig. Die Unterschiede zwischen
Metropolregionen einerseits und ländlichem Raum andererseits finden
sich allerdings nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern
zunehmend auch in den alten Bundesländern.
Trotz Annäherung bleiben große Unterschiede im
Wohlstandsniveau
Entwicklung des verfügbaren Einkommens zwischen 1995 und 2007 nach
Kreisen (Deutschland=100) 
Im Ostdeutschland haben vor allem Umlandregionen von
Großstädten den Anschluss an das Wohlstandsniveau West
geschafft. Strukturschwache Regionen des Ostens, vor allem im dünn
besiedelten Norden, aber auch in Nordthüringen und im Norden und
Süden von Sachsen-Anhalt gelegen, bleiben von wirtschaftlicher Dynamik
abgekoppelt und dürften angesichts stark alternder und schrumpfender
Bevölkerungen kaum noch deutlich aufholen. Das Wohlstandsgefälle
zwischen der ärmsten und der reichsten Region der Republik ist kaum
geringer als im Jahr 1995. Im reichsten Landkreis Deutschlands, dem
oberbayerischen Starnberg, liegt das durchschnittliche verfügbare
Einkommen weit mehr als doppelt so hoch wie im ärmsten Landkreis, dem
vorpommerschen Uecker-Randow (Datengrundlage: Statistische Ämter der
Länder (2009), eigene Berechnungen, eigene Darstellung).
Die Mittelschicht schrumpft
Nicht nur die regionale Verteilung von Wohlstand, auch jene zwischen
Einkommensschichten hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland
erheblich verändert. Die Einkommensmittelschicht ist allein in den
Jahren 1996 bis 2006 von 61 auf 54 Prozent der Bevölkerung
geschrumpft, sowohl der Anteil Einkommensstarker als auch der
Einkommensschwacher ist gewachsen. Ursachen dieser Entwicklung liegen unter
anderem in einer starken Zunahme von Beschäftigung im
Niedriglohnbereich in diesem Zeitraum und in dem Stagnieren mittlerer
Einkommen auf der einen Seite. Menschen mit Migrationshintergrund sind mit
einem Anteil von 40 Prozent in der Einkommensunterschicht gegenwärtig
mehr als doppelt so häufig vertreten, wie es ihrem Anteil an der
Gesamtbevölkerung entspricht. Hierfür ist zu einem erheblichen
Teil das geringe Bildungs- und Qualifikationsniveau nicht nur der selbst
Zugewanderten, sondern auch ihrer in Deutschland geborenen Kinder
verantwortlich.
Auf der anderen Seite haben die Einkommen der Spitzenverdiener deutlich
zugenommen. Eine Studie zu Managergehältern kommt zu dem Ergebnis,
dass bereits zwischen 1994 und 2005 die durchschnittlichen Bezüge der
Vorstandsmitglieder in den 30 Unternehmen des Deutschen Aktienindex (DAX)
um mehr als 300 Prozent gestiegen sind. Während vor zehn Jahren
Vorstandsmitglieder der DAX-30-Unternehmen im Durchschnitt das 20-fache
eines normalen Mitarbeiters erhielten, lagen ihre Bezüge im Jahr 2007
beim 52-fachen des Mitarbeitergehalts. Mittlerweile gilt es als erwiesen,
dass die Vervielfachung von Managerbezügen im vergangenen Jahrzehnt
nicht an tatsächliche Unternehmenserfolge gekoppelt war - erfolglose
Manager profitierten davon in gleicher Weise.
Was heißt eigentlich soziale Gerechtigkeit?
Die Entwicklung der vergangenen Jahre - stagnierende oder gar sinkende
Realeinkommen der Einkommensmittel- und -unterschicht bei deutlich
steigenden Spitzeneinkommen - birgt politische Brisanz: Je nach
Fragestellung halten Umfragen zufolge zwischen 75 und 85 Prozent der
deutschen Bevölkerung die Wohlstandsverteilung für ungerecht.
Diese Werte sind im Osten höher als im Westen, eine Differenz, die
jedoch zum Teil mit dem deutlich geringeren Einkommensniveau in den neuen
Bundesländern zu erklären ist.
Dennoch bekennen sich nahezu ohne Ost-West-Unterschied etwa 90 Prozent der
Befragten zu einer Einkommensverteilung nach Leistung. Verloren gegangen
ist vielen Deutschen indes der Glaube daran, dass das Leistungsprinzip
hierzulande gilt: Im Osten Deutschlands sind lediglich 25 Prozent der
Bevölkerung der Meinung, dass in Deutschland Leistung belohnt wird. In
Westdeutschland hat sich der Glaube an die Belohnung von Leistung seit 1991
nahezu halbiert und liegt nur noch bei etwa 30 Prozent.
Im Gegensatz zu der aus diesen Umfragen ablesbaren Unzufriedenheit mit der
Leistungsgerechtigkeit konzentriert sich die Gerechtigkeitsdebatte
hierzulande oft hauptsächlich auf die Ergebnisse von Verteilungen. Die
Gleichheit der Chancen hingegen gerät häufig aus dem Blickfeld.
Dabei glauben etwa drei Viertel der Deutschen nicht, dass hierzulande alle
Menschen dieselben Chancen haben, aufzusteigen. Der Zugang zu Bildung ist
hierbei eine Schlüsselstelle - in kaum einem anderen Land hängt
jedoch die Bildungsbiografie so stark von der sozialen Herkunft ab wie in
Deutschland. Und nur wenige OECD-Staaten geben einen geringeren Anteil
ihres Bruttoinlandsproduktes für Bildung aus. Dennoch halten drei
Viertel aller Deutschen das Bildungssystem für gerecht.
Nach aktuellen Prognosen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der
Menschen im erwerbsfähigen Alter, also der 20- bis 64-Jährigen,
durch den Renteneintritt der Babyboomer-Generation bereits in den kommenden
20 Jahren um etwa 15 Prozent abnehmen. Die Zahl derer, die aus dem
Erwerbsleben ausscheiden, wird dagegen steigen. Auch aus diesem Grund ist
für den Durchschnittsdeutschen in den kommenden Jahrzehnten kaum ein
großer Wohlstandszuwachs zu erwarten, und die Diskussion um den
Kontrast zwischen Arm und Reich dürfte sich noch verstärken.
Literatur / Links
Deutsches PISA-Konsortium (2005): Pisa
2003. Münster.
Frick, Joachim R./Grabka, Markus M. (2009): Gestiegene
Vermögensungleichheit in Deutschland. In: Deutsches Institut
für Wirtschaftsforschung (Hg.): DIW-Wochenbericht 4/2009. Berlin.
Kliemt, Hartmut/Schwalbach, Joachim (2008): Managergehälter - ein
Problem? In: WiSt, Heft 12/2008. S. 649-653.
Miegel, Meinhard/Wahl, Stephanie/Schulte, Martin (2008): Von Verlierern
und Gewinnern - Die Einkommensentwicklung ausgewählter
Bevölkerungsgruppen in Deutschland. In: Institut für Wirtschaft
und Gesellschaft (Hg.): Arbeitspapier Juni 2008. Bonn.
Schrenker, Markus/Wegener, Bernd (2007): Was ist gerecht? Ausgewählte
Ergebnisse aus dem International Social Justice Project 1991-2007. In: ISJP
Arbeitsbericht Nr. 150. Berlin.
The Conference Board Total Economy Database (2009),
www.conference-board.org.
Der Text ist eine Zusammenfassung von Kröhnert, Steffen (2010): Arm
versus Reich. In: Glaab, Manuela/Weidenfeld, Werner/Weigl, Michael
(Hg.): Deutsche Kontraste 1990 - 2010. Politik - Wirtschaft - Gesellschaft
- Kultur. Frankfurt/New York. S. 387-420. 

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In eigener Sache
Neu im Online-Handbuch Demografie "Australia's
Population Policy"
by Peter McDonald
At 1 January 2010, Australia's population was estimated to be 22.16
million. This was more than double the population fifty years beforehand in
1960. In both 2008 and 2009, Australia's population grew by more than two
per cent per annum, the fastest growth of any country in the developed
world at the time. All three demographic parameters contributed to this
high growth rate. The fertility rate of 1.97 births per woman in 2008 was
the highest level the country had experienced since 1977. At over 300,000,
the level of net overseas migration in 2008 was by far the highest on
record. The death rate in 2008 in turn was at its lowest level in history
and, at 81.5 years, Australia's expectation of life for both sexes in 2005
was third only to Japan and Switzerland. In 2009, its human development
index was the second highest of all countries.
Full
version
Wir haben den Beitrag
"Übergewicht" von Ylva Köhncke aktualisiert.
Wir essen zu fett, zu süß und vor allem zu viel. In den USA
leben schon heute ungefähr zwei Drittel der Bevölkerung mit
Übergewicht. In Deutschland waren 2009 laut dem Statistischen
Bundesamt sechzig Prozent der Frauen und vierzig Prozent der Männer
übergewichtig. Eine krankhafte, starke Form von Übergewicht
bezeichnet man als Adipositas beziehungsweise Fettleibigkeit oder
Fettsucht. Im vergangenen Jahr litten hierzulande 16 Prozent der
Männer und 14 Prozent der Frauen an dieser Erkrankung.Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer weltweiten
Fettsuchtepidemie: Angaben der WHO zufolge waren 2005 mehr als eine
Milliarde aller Erwachsenen übergewichtig und über 300 Millionen
Menschen fettsüchtig. Und der Trend zum Übergewicht steigt weiter
an. Im Jahr 2015 werden nach Prognosen 2,3 Milliarden Menschen
übergewichtig und rund 700 Millionen Menschen fettsüchtig
sein.
Zum
vollständigen Artikel
Außerdem liegt die aktualisierte Fassung jetzt auch in englischer
Übersetzung unter dem Titel "Overweight"
vor.
We eat excessive amounts of fatty and sweet food. Today about two thirds
of the population in the United States of America (USA) is overweight or
obese. In Germany more than half of the population suffers from overweight:
according to the German Federal Statistical Office, in 2009 sixty per cent
of men and forty per cent of women were overweight, with obesity affect-ing
sixteen per cent of the adult male population and fourteen per cent of the
adult female population. The resulting health implications are enormous.
Full
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