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Die Weltbevölkerung wächst und
altert
Unter den ökonomischen Folgen der
Alterung leiden am meisten die wenig entwickelten
Länder Nie in der Geschichte ist die
Weltbevölkerung so schnell gewachsen wie im vergangenen Jahrhundert.
Von 1900 bis heute hat sie sich von rund 1,6 Milliarden auf 6,5 Milliarden
Menschen vervierfacht. Derzeit wächst sie jedes Jahr um etwa 76
Millionen Menschen. Nach der mittleren Prognose der Vereinten Nationen
werden wir im Jahr 2050 etwa 9,1 Milliarden Menschen auf der Erde
zählen.
Dieser Zuwachs beruht nicht nur auf der Kinderzahl je Frau, die im
weltweiten Mittel mit einem Wert von 2,6 über der Ziffer von 2,1
liegt, die langfristig Stabilität versprechen würde. Sondern auch
darauf, dass die Menschen immer älter werden. Dieser Trend gilt
insbesondere für die gut entwickelten Industrienationen. Nach Angaben
von Sarah Harper, Direktorin des Oxford Institute of Aging, steigt die
Lebenserwartung für Neugeborene in Europa pro Jahr um drei Monate
beziehungsweise alle vier Jahre um ein Lebensjahr.
Laut Angaben des statistischen Bundesamtes lag die durchschnittliche
Lebenserwartung in Deutschland für Männer im Jahr 1900 bei 46,4
und für Frauen bei 52,5 Jahren. Nach den aktuellen Daten hat das
Bundesamt eine durchschnittliche Lebenserwartung für einen heute
geborenen Jungen von 81,7 und für ein Mädchen von 87,8 Jahren
berechnet. Somit hat sich die Lebenserwartung in diesem Zeitraum in etwa
verdoppelt. 
Die Deutschen werden immer älter. Im Schnitt gewinnen
sie alle drei bis vier Jahre ein Jahr an Lebenserwartung hinzu. Und es
sieht so aus, als ginge diese Entwicklung vorerst weiter. Frauen haben
dabei deutlich mehr vom Leben. Nach einer Modellrechnung des Statistischen
Bundesamtes kann ein im Jahr 2004 geborener Junge damit rechnen 82 Jahre
alt zu werden, während ein im selben Jahr geborenes Mädchen auf
durchschnittlich sechs Jahre mehr zählen kann.
Dabei hat sich vor allem der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen
Männern und Frauen deutlich vergrößert hat. Während
Anfang des 20. Jahrhundert Frauen etwa drei Jahre länger lebten als
Männer, sind es heute sechs. Im europäischen Vergleich liegt die
Lebenserwartung für einen neugeborenen Jungen in Deutschland um 0,2
Jahre sowie für ein Mädchen um 0,3 Jahre höher als im
europäischen Durchschnitt. Spitzenreiter im internationalen Vergleich
ist derzeit Japan mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 78,4
Jahren für einen neugeborenen Jungen beziehungsweise von 85,3 Jahren
für ein Mädchen.
Die Gründe für das immer längere Leben liegen im
medizinischen Fortschritt, der unter anderem die einst hohe Säuglings-
und Müttersterblichkeit deutlich reduziert hat, in verbesserter
Hygiene und besserer Ernährung sowie einem Rückgang
körperlich belastender Berufe. Weniger Kinder und ein längeres
Leben bedeuten generell eine Alterung der Gesellschaft. Vor allem die
Industrienationen stehen jetzt vor einer starken Alterung der
Bevölkerung. Dabei gilt Japan, mit einem Anteil der über
65-Jährigen von rund 20 Prozent, heute als „ältestes“ Land der
Welt. Bis 2025 werden etwa 30 Prozent aller Japaner so alt sein.
Überraschend ist, dass dieser Trend zunehmend auch in den
Entwicklungsländern einsetzt. Zwar werden in den 50 ärmsten
Entwicklungsländern der Welt derzeit noch durchschnittlich fünf
Kinder je Frau geboren werden. Aber den Prognosen des United Nations
Population Fund (UNFPA) zufolge werden es bis 2050 nur noch etwa 2,6 Kinder
je Frau sein. Da sich mit dem Rückgang der Fertilität in
Entwicklungsländern im Allgemeinen ein Anstieg des Wohlstandes zu
beobachten, ist damit zu rechnen, dass sich die durchschnittliche
Lebenserwartung in den Entwicklungsländern von heute etwa 51 Jahren
bis 2050 auf 66,5 Jahre erhöht.
Und weil dieser Prozess in den Schwellen- und Entwicklungsländern
heute schneller abläuft als einst in den Industrienationen, werden
erstere die Folgen der Alterung stärken zu spüren bekommen.
Während es etwa in Frankreich 115 Jahren gedauert hat, bis der Anteil
der über 60-Jährigen von sieben auf 14 Prozent angestiegen ist,
wird Thailand für die gleiche Entwicklung (die vermutlich 2031
abgeschlossen sein wird) nur 20 Jahre brauchen. 
In Ländern, in denen sich Industrialisierung und der
Rückgang der Kinderzahl früh eingestellt haben, hat der Prozess
der Alterung entsprechend früh begonnen. Schwellen- und
Entwicklungsländer erleben ihn später, dafür aber zeitlich
komprimiert.
Im Jahr 2005 waren weltweit 672 Millionen Menschen über 60 Jahre alt,
zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Bis 2050 wird es etwa zwei
Milliarden älterer Menschen geben, wovon dann rund 80 Prozent in den
heutigen Entwicklungsländern leben werden. Aber gerade dort treffen
sie auf relativ schlecht ausgebaute Gesundheits- und Sozialsysteme. Viele
der Älteren haben nie Lesen und Schreiben gelernt und haben kaum eine
Chance einen lukrativen Job zu bekommen, über den eine private
Altervorsorge zu finanzieren wäre. Die meisten Entwicklungsländer
beginnen erst jetzt ein Sozial- und Rentensystem aufzubauen. Während
in den OECD-Ländern 84 Prozent der über 60-Jährigen eine
Rente beziehen, sind es in Lateinamerika unter 20, in Südostasien
weniger als zehn und im subsaharischen Afrika keine fünf Prozent.
Diese wenigen haben meist in ihrem Berufsleben gut verdient und leben
überwiegend in Städten. Älteren Menschen in ländlichen
Regionen, die in der Landwirtschaft meist nur unregelmäßige
Einkommen erzielen, droht das Altwerden ohne ausreichende Versorgung.
Hinzu kommt, dass traditionelle, familiäre Netzwerke, in denen
Ältere früher Fürsorge erwarten konnten, zunehmend
auseinander brechen. Zum einen weil weniger Kinder geboren werden. Und zum
anderen weil Kinder und Enkelkinder auf dem Lande immer seltener Arbeit
finden und deshalb in die großen Städte ziehen. Besonderes
betroffen sind Witwen, die aufgrund der höheren Lebenserwartung von
Frauen am Ende ihres Daseins häufig alleine dastehen. 
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Junge Gehirne lernen leichter
Investition in frühe Bildung macht sich
in vielen Bereichen der Gesellschaft bezahlt Internationale Vergleichsstudien zeigen fünf Jahre nach
Pisa, dass sich an der erschreckenden Bilanz wenig geändert hat: Fast
jeder vierte 15-Jährige kann einen einfachen Text kaum verstehen und
nur auf Grundschulniveau rechnen. Ein ebenso großer Teil eines
Jahrgangs gilt als nicht ausbildungsfähig. Mit 2,5 Prozent der
Bevölkerung hat Deutschland den niedrigsten Studierendenanteil unter
den OECD-Ländern und den höchsten Anteil an Studienabbrechern.
Auch berufliche Weiterbildung wird in Deutschland von weit weniger Menschen
genutzt als in Vergleichsstaaten.
Unter den Studenten bilden Frauen mittlerweile die Mehrheit und sie
erreichen auch durchweg bessere Schul- und Hochschulabschlüsse. Doch
da Familie und Beruf in Deutschland schwer zu vereinbaren sind, stehen
viele Akademikerinnen entweder nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung -
oder sie entscheiden sich zugunsten einer Karriere gegen Kinder.
Angesichts der demografischen Entwicklung ist das eine fatale
Verschwendung vorhandener Potenziale. Denn wenn die geburtenstarken, in den
1960ern geborenen Akademiker-Jahrgänge von 2015 an in Rente gehen,
wird es zu einem bedrohlichen Mangel an Fachkräften kommen. Der
Innovationsstandort Deutschland wäre in Gefahr, zumal nachwuchsstarke
Schwellenländer wie Indien, China oder Indonesien im internationalen
Wettbewerb rapide aufholen.
Trotzdem wird in der Bundesrepublik mit knapp fünf Prozent des
Bruttoinlandsproduktes weniger in die Bildung investiert als in anderen
Industrienationen wie den USA oder Großbritannien. Besonders wenig
Geld fließt in den Primarbereich - also in Kindergarten, Grund- und
Sonderschule. Dabei sind mangelnde frühe Bildung und Betreuung die
Dreh- und Angelpunkte, an denen viele gesellschaftliche Probleme entstehen,
wie das Berlin-Institut in der vom Bundeskanzleramt und vom Ministerium
für Bildung und Forschung in Auftrag gegebenen Studie "Unterm Strich - Erbschaften und Erblasten für das
Deutschland von morgen" analysiert.
So sind bei einem unzureichenden Betreuungsangebot Familie und Beruf
schwer zu vereinbaren und längst nicht alle Mütter setzen ihre
berufliche Qualifikation zum Wohle der Gesellschaft ein. Und weil sich so
wenige junge Menschen für eine Familie entscheiden, überaltert
die Gesellschaft noch stärker als ohnehin schon, was die bestehenden
demografischen Probleme weiter verschärft.
Außerdem führt eine unzureichende Vorschulbildung zu einer
frühen Selektion der Kinder nach kulturellem und sozialem Hintergrund.
Schon die Pisa-Studie hat gezeigt: In keinem anderen OECD-Staat hat die
Schichtzugehörigkeit einen so entscheidenden Einfluss auf die
Bildungschancen wie in Deutschland. Bildungsferne Schichten, ob mit oder
ohne Migrationshintergrund, haben immer weniger Chancen, den Anschluss an
die Wissensgesellschaft zu halten. Dabei wächst diese
Bevölkerungsgruppe mehr als alle anderen und könnte - heutige
Bedingungen hochgerechnet - im Jahr 2050 mehr als die Hälfte der
Bevölkerung ausmachen. 
Das heutige Bildungssystem investiert wenig in die
jüngsten Bürger. Dadurch werden die Weichen für den
späteren Lebensweg häufig falsch gestellt. Sozial Schwache haben
in Deutschland geringe Chancen, ihr geistiges Potenzial zu
verwirklichen.
Eine Veränderung an der zentralen Stellschraube Vor- und
Grundschulbildung könnte diese Entwicklung umkehren: Eine bessere
frühkindliche Bildung würde nicht nur mehr Chancengleichheit
bedeuten, sondern auch für mehr Produktivität in der Gesellschaft
sorgen. Während heute viele jungen Menschen bei der Ausbildung und im
Beruf unter ihren Fähigkeiten bleiben, könnten sie sich - richtig
gefördert - besser entfalten. Bei einem guten Betreuungsangebot
könnten mehr gut ausgebildete Mütter arbeiten, sie würden
mehr Dienstleistungen beanspruchen und so die Arbeitslosigkeit verringern.
Vermutlich würden sich unter diesen Bedingungen mehr Menschen auf das
Abenteuer Familie einlassen und die demografischen Probleme ließen
sich dämpfen. 
Eine hochwertige Betreuung von Vor- und Grundschülern
würde nicht nur für mehr Chancengleichheit sorgen. Sie
könnte sich auch positiv auf die Familienfreundlichkeit und die
Integration von Migranten auswirken - würde also letztlich die
Wirtschaftskraft des Landes erhöhen.
Das Berlin-Institut folgert aus den Analysen, dass eine für alle
verfügbare, frühkindliche Bildung und Schulausbildung im
Ganztagsangebot eine zentrale Weichenstellung für eine
zukunftsfähige Gesellschaft darstellt.
Wie aber könnte eine bessere Bildung im Vor- und Grundschulalter
aussehen? Nicht nur das System, auch unser Verständnis von Bildung und
Wissen muss sich ändern, schreibt das Berlin-Institut. Weniger das in
der Schule gemeinhin vermittelte Faktenwissen hilft im Leben weiter,
sondern Neugierde und die Fähigkeit zum Wissenserwerb, also das Wissen
darüber, wie man zu Wissen kommt. Auch Lebens- und Umgangsformen
sollten in der Schule vermittelt werden: Denn in der Berufswelt von morgen
zählen mehr denn je "weiche Faktoren" wie
Kommunikationsfähigkeit, Zuverlässigkeit,
Begeisterungsfähigkeit und Selbständigkeit - Fähigkeiten,
die jedes Kind in sich trägt, die aber individuell gefördert
werden müssen.
Wie ein nachhaltiges und umfassendes Bildungsprogramm für die Vor-
und Grundschulzeit aussehen kann, zeigt der Bildungs- und Erziehungsplan "Bildung von Anfang an" des Hessischen Kultus- und
Sozialministeriums, der seit Herbst 2005 an 128 Standorten in Hessen
erprobt wird. Der Pädagoge und Psychologe Wassilios Fthenakis, Leiter
des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München, und
seine Mitarbeiter haben einen Orientierungsrahmen ausgearbeitet, der darauf
abzielt, jedem Kind von Geburt an möglichst optimale Bildungschancen
zu bieten. Dabei wird berücksichtigt, dass Kinder im Alter von vier
bis acht Jahren am meisten und am schnellsten Informationen aus ihrer
Umwelt aufgreifen. In dieser Zeit erwerben sie Basiskompetenzen, die den
Grundstein für lebenslanges Lernen bilden. Das betrifft
Mehrsprachigkeit genauso wie mathematisches Denken, Raumorientierung,
Musikalität oder Sinn für Ästhetik. Auch soziale und
lernmethodische Kompetenzen erwerben Kinder in dieser Kernzeit. Werden sie
in ihrer natürlichen Neugierde, Kreativität und
Emotionalität bestärkt und gefördert, wirkt sich das nicht
nur auf ihre Intelligenz, sondern auch auf die Widerstandsfähigkeit
gegenüber belastenden Situationen aus.
Das wichtigste soziale Auffangnetz des Kindes bildet aber immer noch die
Familie. Deshalb sieht der hessische Plan eine enge Zusammenarbeit der
Eltern, Lehrer und Erzieher sowie verstärkte Hilfsangebote wie ein
"Eltern-Coaching" vor. Eltern stehen heute Herausforderungen
gegenüber, die früher weitgehend unbekannt waren: Es gilt,
Familie und Beruf zu vereinbaren, partnerschaftlich zusammenzuarbeiten,
flexibel und mobil zu sein. Arbeitslosigkeit, Migrationshintergrund oder
ein geringes Einkommen können die Situation erschweren. Gerade in
schwierigen Situationen aber sollten Eltern unterstützt werden, damit
sie ihren Kindern trotz allem ein Gefühl von Sicherheit und
Geborgenheit geben können. Vorbild für diese Art der
Familienbetreuung sind die "Early Excellence Centres" in England, in denen
auch Eltern-Kurse angeboten werden.
Die unterschiedlichen Voraussetzungen, die Kinder mit in den Kindergarten
und in die Schule bringen, sollten, so Fthenakis, nicht als Problem,
sondern als Chance zum sozialen Lernen aufgefasst werden. So sollen die
Kinderlerngruppen möglichst gemischt sein, was Alter,
sozioökonomische und kulturelle Herkunft betrifft. Wie schon in
einzelnen Einrichtungen erprobt, schlägt Fthenakis zum Beispiel vor,
dass Hort-Kinder vom Säuglingsalter bis zu zwölf Jahren zusammen
betreut werden. Bei entsprechend individueller, sensibler und stabiler
Betreuung in einer offenen Lernsituation haben alle Kinder etwas davon: Die
jüngeren lernen von älteren oft schneller als von Erwachsenen,
und die größeren lernen, verantwortungsvoll mit Schwächeren
umzugehen. Ob älter oder jünger, hochbegabt oder lernbehindert,
jedes Kind soll sich in seinem eigenen Tempo entwickeln können und
immer wieder vielfältige Anreize dazu erhalten. Die Aufgabe der
Erwachsenen ist es, diesen Lernprozess zu moderieren.
In kulturell gemischten Gruppen können Kinder die Zugehörigkeit
zur eigenen Kultur entdecken und reflektieren. Sie lernen, mit dem
Gefühl der Fremdheit umzugehen, das in ähnlicher Form in der
Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht auftaucht und haben Anreize
zur Mehrsprachigkeit. Auch die Mischung von Kindern unterschiedlicher
sozioökonomischer Herkunft bietet Möglichkeiten, voneinander zu
lernen, Zusammenhänge zwischen Geld und Konsum zu begreifen und eine
wertschätzende Haltung zu üben.
Quellen:
"Unterm Strich - Erbschaften und Erblasten für das
Deutschland von morgen"
Hessisches Sozialministerium, Hessisches Kultusministerium
(2005): "Bildung von Anfang an Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder
von 0 bis 10 Jahren in Hessen"
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