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Demografischer Wandel trifft die Kirchen
besonders hart
Eine Studie zeigt, dass weiterer
Mitgliederschwund und sinkende Kirchensteuereinnahmen unausweichlich
sind Der Mitglieder-Schwund der evangelischen und
katholischen Kirchen lässt sich in deutschen Großstädten
kaum aufhalten. Grund ist der demografische Wandel, wie eine Studie des
Statistischen Amtes in Stuttgart am Beispiel der
baden-württembergischen Landeshauptstadt zeigt. Die Zahl der
Kirchenmitglieder, besonders der evangelischen Kirche, wird danach in
Stuttgart weiter stark sinken. "Die Talsohle des Mitglieder-Rückgangs
ist noch nicht erreicht", betont Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen
Amtes.
Denn die Zahl der Seelen nimmt nicht nur ab, weil die Stuttgarter aus der
Kirche austreten. Es werden auch weniger Kinder getauft als Menschen
beerdigt werden. Zusätzlich ist der Anteil derjenigen, die keiner
Religion oder einer anderen Religions-Gemeinschaft wie dem Islam
angehören, in den vergangen 30 Jahren deutlich gestiegen. Heute ist
dort nur noch gut die Hälfte der Bevölkerung Mitglied in einer
der beiden großen christlichen Volkskirchen: 31 Prozent der
Stuttgarter sind evangelisch, 26 Prozent katholisch. 1975 stellen die
Christen noch 81 Prozent der Bevölkerung.

Der Anteil der Stuttgarter, die keiner Religion oder einer
nicht christlichen wie dem Islam angehören, ist in den vergangenen 30
Jahren deutlich gestiegen. Im Gegensatz zu einer großen Mehrheit von
81 Prozent im Jahr 1975 sind heute nur noch 57 Prozent der Stuttgarter
Einwohner Mitglied einer der beiden christlichen Volkskirchen. 31 Prozent
sind evangelisch, 26 Prozent katholisch.
Der Stuttgarter Trend ist auch in anderen deutschen Großstädten
erkennbar: In München liegt der Anteil der Kirchenmitglieder bei 56
Prozent, in Frankfurt sogar nur bei 48 Prozent. Dieser Mitglieder-Schwund
wirkt sich finanziell aus. So haben sich die Steuereinnahmen der
evangelischen Kirche in Stuttgart zwischen 1993 und 2004 von 30,4 auf 21
Millionen Euro reduziert. Das wird auch die Kommunen vor neue
Herausforderungen stellen: Beispielsweise erhalten die kirchlichen
Kindergärten und Kindertagesstätten, damit rund ein Drittel aller
Kitas in Deutschland, direkte Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln. Die
Stadt Hamburg muss bereits den zehnprozentigen Eigenanteil in Höhe von
fünf Millionen Euro übernehmen, den die Kirchen zuletzt für
ihre Kindergärten bezahlt hatten.
Situation verschärft sich
Angesichts der heutigen Probleme stellt sich die Frage, wie sich die Zahl
der Kirchensteuer-Zahler, also der Kirchenmitglieder mit eigenem Einkommen,
in den kommenden Jahren entwickeln wird? Die Studie des Statistischen Amtes
Stuttgart ist die erste, die das detailliert für eine deutsche Stadt
untersucht hat. Das Ergebnis ist ernüchternd: Das im Juli in einem
"Perspektivpapier" der evangelischen Kirche formulierte Ziel, den Anteil
der evangelischen Bevölkerung in Deutschland konstant zu halten,
"erscheint aufgrund der nachhaltig kaum beeinflussbaren demografischen
Prozesse sehr unrealistisch", stellt Amtsleiter Thomas Schwarz fest.
Diese Prognose wird verständlich bei einem Blick auf die Gründe
für den Mitgliederschwund der evangelischen Kirche in Stuttgart in der
Zeit zwischen 1993 und 2005: 41 Prozent des Rückgangs erklären
sich dadurch, dass mehr Menschen starben als getauft wurden; 39 Prozent
durch Austritte und 20 Prozent durch Abwanderung. Dabei zogen im Saldo
deutlich mehr Christen aus Stuttgart fort (9.000 evangelische und 8.500
katholische Einwohner) als Einwohner ohne oder mit anderer
Religionszugehörigkeit. Bei dieser Bevölkerungsgruppe glichen
sich Zu- und Wegzüge aus.
Durch weniger Kirchenaustritte beziehungsweise mehr -eintritte lässt
sich das Schrumpfen der evangelischen wie der katholischen Bevölkerung
in Stuttgart somit nicht aufhalten. Denn aufgrund der niedrigen
Geburtenraten und der Alterung der Gesellschaft wird es auch künftig
einen deutlichen Überschuss der Beerdigungen über die Taufen
geben. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren liegt in der
evangelischen Kirche heute 63 Prozent niedriger als 1975, bei der
katholischen Kirche 56 Prozent. Das erklärt sich zum Teil mit der
nachlassenden Bindung der Bevölkerung an die beiden Volkskirchen.
Kinder werden zudem oft später getauft, nämlich im 10. Lebensjahr
(Kommunion) beziehungsweise im 14. Lebensjahr (Konfirmation).
Auch durch Zuwanderung werden sich die Mitgliederzahlen kaum aufbessern
lassen, denn das Gros der Personen, die aus dem In- oder Ausland nach
Stuttgart ziehen, ist nicht christlichen Glaubens. 1975 waren noch knapp
die Hälfte der Ausländer in Stuttgart Mitglieder der katholischen
Kirche, vor allem italienische, spanische und kroatische "Gastarbeiter" mit
ihren Familien. Von diesen sind mittlerweile viele in ihre
Heimatländer zurückgekehrt. Mittlerweile ist der Anteil der
muslimischen Ausländer (meist aus der Türkei) gestiegen.
Insgesamt hat sich in den vergangenen 30 Jahren der Anteil der Einwohner
ohne Bindung an eine der beiden Volkskirchen fast verdoppelt.
Gruppe der Kirchenmitglieder altert schneller als der Rest der
Bevölkerung
Durch den Wandel stieg in den vergangenen 30 Jahren auch der
Altersdurchschnitt der Kirchenmitglieder: Bei der evangelischen Kirche von
40,6 auf 46,6 Jahre, bei der katholischen Kirche von 36,3 auf 43,2 Jahre.
Damit sind die Mitglieder der beiden großen Volkskirchen doppelt so
stark gealtert wie die Einwohner Stuttgarts insgesamt. Die Gruppe der
Menschen ohne oder mit sonstiger Religionszugehörigkeit hat sich
dagegen sogar etwas verjüngt - vor allem, weil Migranten in jungen
Jahren nach Deutschland kommen und weil sie mehr Kinder haben als die
alteingesessene Bevölkerung. 
Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart, Statistisches Amt
Schon vor 30 Jahren war an der Altersstruktur der Stuttgarter
Einwohnerschaft zu erkennen, dass es wenig Nachwuchs gibt. 2005 sind
große Anteile aller Altersstufen nicht Kirchenmitglieder - bei den
Kindern unter zehn Jahren die Mehrzahl. Das liegt daran, dass Kinder
heutzutage später getauft werden als früher und daran, dass ein
großer Teil der neugeborenen Stuttgarter aus Migrantenfamilien
stammt.
Immer ältere und dabei immer weniger Kirchen-Mitglieder - diese
Kombination wird vielfältige Auswirkungen auf die Kirche haben. Wer
übernimmt die Ehrenämter, wer kümmert sich um die wachsende
Gruppe der betagten Gemeindemitglieder? Wer spendet noch? Wie können
bei sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer die sozialen Einrichtungen
von Drogenberatungsstellen bis Kindergärten weiter funktionieren?

Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart, Statistisches Amt
Die Mitgliederschaft der Kirchen wird immer älter. In der
evangelischen Kirche ist das Durchschnittsalter der Mitgliederschaft in den
letzten drei Jahrzehnten um rund sechs Jahre, in der katholischen um rund
sieben Jahre angestiegen.
Fundierte Datengrundlage für künftige Planung fehlt
Um sich an dem Wandel so gut wie möglich anzupassen, brauchen die
Kirchen neue Strategien und dazu müssen sie zunächst Strukturen
und Entwicklung der Mitglieder kennen. Allerdings sind die Basisdaten kaum
aufbereitet - der Einfluss des demografischen Wandels auf die
Kirchenmitglieder ist bisher nur für Stuttgart untersucht.
Die Planung der Kommunen wird auch durch die dünne Datenlage
beeinträchtigt. Die Melderegister erfassen nur
öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften, also evangelische und
katholische Kirchen. Da für Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften
wie des Islam keine Kirchensteuer erhoben wird, existiert keine
Rechtsgrundlage, die Religionszugehörigkeit im Melderegister zu
speichern und statistisch auszuwerten. Die Zahl der Muslime in Deutschland
etwa kann demnach nur sehr grob geschätzt werden.
Die Kommunen, betont Amtsleiter Thomas Schwarz, hätten aber
dringenden einen Datenbedarf zur demografischen Entwicklung der Kirchen.
Der müsse in der derzeit debattierten Volkszählung 2011
berücksichtigt werden. Absurderweise aber soll bei diesem europaweiten
Zensus nach dem derzeitigen Stand der Planung die
Religionszugehörigkeit in Deutschland nicht erfragt werden.
Quelle: Joachim Eicken; Kirchen im demographischen Wandel am Beispiel der
Landeshauptstadt Stuttgart, Statistik und Informationsmanagement
Monatshefte, 7/2006 (PDF-Version)

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Illegale in Deutschland
Wer sie sind, woher sie kommen und warum sie
bleiben Dank der Globalisierung können
Güter, Kapital, Informationen und Ideen fast unbegrenzt über
nationale Grenzen hinweg ausgetauscht werden. Menschen hingegen, die der
Dynamik von Angebot und Nachfrage auf dem weltweiten Arbeitsmarkt folgen,
müssen oft höhere Hürden überwinden. Als "Asymmetrie in
der Globalisierung", beschreibt der United Nations Population Fund (UNFPA)
diese Diskrepanz ("State of World
Population 2006"). Eine Folge davon ist illegale Migration: Nach
Schätzungen des UNFPA leben weltweit 30 bis 40 Millionen Menschen
ohne gültigen Aufenthaltsstatus außerhalb ihres Heimatlands.
Wie viele Menschen sich illegal - also ohne gültiges Visum oder eine
Aufenthaltsgenehmigung - in Deutschland aufhalten, kann nur geschätzt
werden. Vorsichtige Hochrechnungen kommen auf 100.000, andere auf eine bis
1,5 Millionen. Einen Anhaltspunkt bieten die Zahlen der von Bundespolizei
und Zoll aufgegriffenen Menschen ohne gültige Papiere: 2004 waren das
81.000, wobei durch wiederholte Aufgriffe darunter auch
Mehrfachzählungen sein können. Die absolute Zahl ist nicht nur
schwer zu ermitteln, weil Illegale nirgendwo gemeldet sind, sondern auch,
weil sich die Zahl durch Zu- und Abwanderung von Saisonarbeitern
ständig ändert und sich die Gruppen der Illegalen stark
unterscheiden. "Den illegalen Migranten gibt es nicht", schreibt das
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in einem
zusammenfassenden Bericht
zur Illegalität von Migranten in Deutschland.
Viele Wege führen in die Illegalität
Die wenigen Daten, die über die Unregistrierten gesammelt wurden,
beleuchten nur kleine Ausschnitte der Population und sind mit Vorsicht zu
interpretieren. Dennoch kann man einen Eindruck gewinnen, wie sie in die
Illegalität geraten sind, warum sie kommen und warum sie bleiben. Ein
Großteil der illegalen Migranten scheint mit einem legalen Visum
eingereist und nach Ablauf der Aufenthaltsgenehmigung geblieben zu sein.
Andere sind ohne oder mit gefälschten Papieren illegal eingewandert
und haben einen Asylantrag gestellt. Während der Antrag läuft,
sind sie zunächst legal, bei Ablehnung aber wieder ausreisepflichtig
oder müssen als "Geduldete" ständig mit der Abschiebung rechnen.
Davon waren 2004 knapp 203.000 Menschen in Deutschland betroffen. Von einer
Abschiebung bedroht tauchen viele davon unter. In einer Befragung
der Diakonie von Beratungsstellen im Rheinland und in Westfalen (2002)
hatten 40 Prozent von 441 illegalen Klienten schon einen Asylantrag
gestellt und wurden abgelehnt. Insgesamt wurden 2005 fast zwei Drittel der
Anträge nicht stattgegeben. Von 48.100 Entscheidungen im Jahr 2005
(Erst- und Folgeanträge) fielen 57 Prozent negativ aus, auch in den
Jahren zuvor schwankte die Ablehnungsquote um 60 Prozent. Die wichtigsten
Herkunftsländer der Asylsuchenden sind vermutlich auch die der
Illegalen: die Russische Föderation, Serbien und Montenegro, die
Türkei, der Irak und China. Doch es gibt auch Illegale, die gar nicht
erst Asyl beantragen. So tauchen in der Aufgegriffenen-Statistik
zusätzlich zu Personen aus den genannten Ländern viele
Rumänen und Ukrainer auf. Auch Migranten aus Lateinamerika suchen
erfahrungsgemäß fast nie Asyl. Dadurch vermeiden sie es,
aufzufallen.

Im Jahr 2005 kamen die meisten Asylbewerber aus dem
ehemaligen Jugoslawien, aus der Türkei, dem Irak und Russland. Da
einige Flüchtlinge, die kein Asyl gewährt bekommen, dennoch in
Deutschland bleiben, stammen auch Illegale größtenteils aus
diesen Ländern. Allerdings tauchen die Nationalitäten derer, die
gar nicht erst Asyl beantragen, in der Grafik nicht auf. Beispielsweise
gehören Rumänien und die Ukraine zu den häufigsten
Herkunftsländern der von Bundespolizei und Zoll aufgegriffenen
Illegalen. Auch Lateinamerikaner beantragen selten Asyl.
Die heimlichen Einwanderer kommen aus den unterschiedlichsten Gründen
nach Deutschland. Sie ziehen zu ihren bereits hier angesiedelten Familien,
suchen als Flüchtlinge Schutz oder wollen einfach arbeiten. Viele
können mit dem Lohn, den sie in ihr Heimatland schicken, eine
Großfamilie ernähren. Seit Jahren bilden Einwanderer aus
Osteuropa die größte Gruppe Illegaler. Mit der EU-Osterweiterung
ist der Aufenthalt für die neuen EU-Bürger nun
aufenthaltsrechtlich legal geworden, es fehlt meist nur die
Arbeitserlaubnis.
Wenig Geld ist viel wert
Experten sind sich weitgehend einig, dass die unerlaubten Migranten, wie
viele es auch sein mögen, keine negativen Auswirkungen auf die
übrige Gesellschaft haben. Bis auf ihren unerlaubten Aufenthalt
begehen diese Menschen kaum Straftaten, beziehen keinerlei Sozialleistungen
und belegen auf dem Arbeitsmarkt eine Nische, die nur einen Bruchteil der
Schwarzarbeit ausmacht: 87 Prozent der in der Schattenwirtschaft erbrachten
Arbeitsstunden leisten Deutsche und legale Ausländer. Für den,
der Schwarzarbeiter beschäftigt, haben Illegale den "Vorzug", dass sie
für einen minimalen Lohn eine maximale Stundenzahl zu arbeiten bereit
sind. Oft profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen
davon, wie in Interviews einer qualitativen Studie von Philip Anderson im
Auftrag der Stadt München (2003) deutlich wurde. Problematisch ist
allerdings die ständige Gefahr, erpresst und ausgenutzt zu werden. Vor
allem Frauen geraten leicht in Abhängigkeitsverhältnisse. Denn
unerlaubter Aufenthalt ist ein Straftatbestand (Studie
über Illegale in München, Philip Anderson (2003)).
Je länger sie sich schon in Deutschland aufhalten, desto härtere
Strafen haben Illegale zu befürchten, wenn sie entdeckt oder verraten
werden. Auch jemand, der ihnen Unterkunft gewährt, macht sich
strafbar. Deshalb ist es besonders für Flüchtlinge mit
ungesichertem Status gefährlich, weitere Landsleute aufzunehmen.
Zurück ins Heimatland zu gehen, ist für Viele unvorstellbar.
Wenn sie kein Asyl bekommen, bleibt als Weg aus der Illegalität die
Heirat mit einem einheimischen Staatsbürger oder
Aufenthaltsberechtigten. Allerdings sind Zweckehen nicht nur strafbar,
sondern münden nicht selten in unwürdige Abhängigkeit.
Dass viele der illegalen Immigranten kommen, um zu arbeiten, zeigt sich
auch an der demografischen Zusammensetzung dieser Gruppe. Auch wenn kaum
gesicherte Daten vorliegen, ist anzunehmen, dass die meisten zwischen 20
und 40 Jahre alt sind - in der Mehrzahl Männer. Von der
Reinigungskraft über den Krankenpfleger bis zum Softwareentwickler
sind sie in den verschiedensten Jobs beschäftigt, wie sich bei den
Befragungen in München zeigte. Frauen sind oft als private
Haushaltshilfen beschäftigt, die fast nur in den alten
Bundesländern benötigt werden. Auch die Nationalitäten
verteilen sich ungleich: So finden sich in Norddeutschland mehr Afrikaner,
im Süden mehr Südeuropäer. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es
beispielsweise mehr Philippinas als in anderen Regionen, weil sie in den
Haushalten der dort stationierten US-amerikanischen Streitkräfte
arbeiten. Da Großstädte mehr Anschlussmöglichkeiten bieten,
sind hier mehr Illegale zu vermuten als auf dem Land. Wenn wohl auch die
meisten arbeitsfähig, jung und gesund sind, gibt es dennoch illegale
Kinder und ältere Menschen, die den jungen nachgezogen sind. Nach
äußerst vagen Schätzungen von Beratungsstellen kommt auf
zehn bis fünfzehn Erwachsene ein Kind.
Krankenhäuser und Schulen bleiben verschlossen
Schwangerschaft und Krankheit treffen Illegale besonders hart - denn
sobald sie Hilfe in Anspruch nehmen, werden sie dem Ausländeramt
gemeldet. Unprofessionelle Behandlung als Folge kann die Gesundheit aller
gefährden, da so auch ansteckende Krankheiten verschleppt werden.
Einige Arztpraxen bieten anonyme Hilfe an, doch ein Krankenhausaufenthalt,
zum Bespiel zur Entbindung, ist aufgrund der Meldepflicht und
Abrechnungsschwierigkeiten nur in den seltensten Fällen möglich.
Auch Schulen sind prinzipiell dazu verpflichtet, Menschen ohne
Aufenthaltsstatus zu melden. Doch nicht alle halten sich daran. So
entschied die Stadt Freiburg, dass der Aufenthaltsstatus bei der Aufnahme
nicht erfragt wird.
In Deutschland begeben sich alle, die Illegalen helfen, in eine rechtliche
Grauzone. Dies handhaben nicht alle Staaten so. In Spanien und
Großbritannien zum Beispiel können sich Illegale bei den
kommunalen Behörden melden und bekommen Zugang zum öffentlich
finanzierten Gesundheitssystem mit einer minimalen Grundversorgung. Auch in
Frankreich, Italien und den Niederlanden bestehen entsprechende Regelungen.
Das Bamf schlägt vor, ein solches Modell als Vorbild zu nehmen. Es
empfiehlt, legale Zuwanderungsmöglichkeiten zu erweitern,
Illegalität vom Straftatbestand zu einer Ordnungswidrigkeit
herabzustufen und die humanitäre Hilfe zu entkriminalisieren. Weiter
sollten Illegale Zugang zu Bildungseinrichtungen, Rechtsberatung und
Krankenversicherung haben.
Massenlegalisierungen, wie sie von Menschenrechtlern gefordert werden,
sind allerdings umstritten und stehen in der deutschen Politik nicht zur
Debatte. Auch in Spanien, das im vergangenen Jahr noch fast 750.000
afrikanischen Flüchtlingen Aufenthaltsgenehmigungen erteilte, wird bei
dem anhaltenden Run auf die Grenzen Kritik laut. "Es wird keine
Massenlegalisierungen mehr geben", sagte Spaniens
Vizeministerpräsidentin Maria Teresa de la Vega kürzlich in den
Medien. 23.000 Flüchtlinge haben seit Jahresbeginn den vermeintlich
sicheren Boden der Kanarischen Inseln erreicht. Befürchtungen zufolge
hat die Legalisierung eine "Sogwirkung" auf neue Immigranten. In einem
Bericht für den Sachverständigenrat für Zuwanderung und
Integration heißt es, dass solche Maßnahmen zwar die aktuelle
Situation der Betroffenen verbessern können, bei gleicher Nachfrage
würden aber neue Illegale nachwandern (Bericht
für den Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration
(2004)). Die Erfahrungen zeigen, dass Chancen auf dem Arbeitsmarkt,
Verbindungen zu Landsleuten oder die Möglichkeit, im Zielland Asyl zu
bekommen eine illegale Einwanderung weit mehr fördern als Barrieren
sie verhindern können. Höhere Zäune und mehr Kontrollen
vermögen den Zustrom also kaum zu stoppen, sondern beleben allenfalls
die Geschäfte von Schleusern und Schmugglern. Um Lösungen zu
diskutieren, wäre eine ausreichende Datenlage wünschenswert. Auf
der Basis der wenigen vorhandenen Daten können nur wenige ungenaue
Schlüsse gezogen werden. Eine Möglichkeit der anonymen Erfassung
Illegaler würde eine medizinische Grundversorgung bieten.
Quellen:
Migrationsbericht
des Bamf (2005)
UNFPA-Bevölkerungsbericht
(2006)
Working
Paper des Bamf (2/2005)
Studie
über Illegale in München, Philip Anderson (2003)
Studie
der Diakonie im Rheinland und in Westfalen (2002)
Bericht
für den Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration
(2004)
Zusammenfassung
der Forschungsergebnisse durch die Arbeitsstelle Interkulturelle Konflikte
und gesellschaftliche Integration (Aki) (2004)
Expertise
"Menschenschmuggel" des Europäischen Forums für Migrationsstudien
(efms) für den Sachverständigenrat (2004)
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