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Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Schweiz in Bewegung

Schweiz in Bewegung

Das Schweizer Forschungsprogramm «nccr – on the move» hat eine interaktive Datenbank mit umfangreichen Indikatoren und Visualisierungsmöglichkeiten rund ums Thema Migration und Mobilität veröffentlicht. 

Die sogenannten Migration-Mobility Indicators geben etwa Aufschluss darüber, wie viele Migranten zu welchem Zeitpunkt in die Schweiz gekommen sind, in welchen Wirtschaftszweigen sie arbeiten und ob und wo sie eingebürgert wurden. Die Daten liegen überwiegend für alle Kantone und bis auf Gemeindeebene vor. Durch die Verknüpfung verschiedener Datenbanken bietet die Online-Plattform die Möglichkeit, einzigartige Längsschnittdaten zu generieren. Damit lässt sich auf eindrückliche Weise der Wandel in der Schweizer Migrationslandschaft darstellen.

 

Wer kommt, wer geht, wer bleibt wie lange?

Migranten aus den verschiedensten Ländern kommen in die Schweiz. Manche nur vorübergehend, im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit. Andere auf Dauer. Menschen aus Japan oder den USA, die vermutlich hochqualifiziert sind, gehören zur ersten Gruppe. Überwiegend dauerhaft einrichten tun sich hingegen Personen aus dem früheren Jugoslawien oder aus Sri Lanka. Sie sind eher als Flüchtlinge in die Schweiz gelangt und finden dort wesentlich bessere Lebensbedingungen vor als in ihrer ehemaligen Heimat. (Datengrundlage: Migration-Mobility Indicators)

  

Ungleich verteilt

Asylanträge werden in der Schweiz vergleichsweise zügig behandelt, aber nach strikten Kriterien verteilt. Wer wissen will, wo die Schutzsuchenden ihren Antrag stellen, findet in der nccr-Datenbank detaillierte Antworten: Besonders viele Anträge haben die Behörden in den Agglomerationen zu bearbeiten. Vergleichsweise wenige in den ländlichen Gebirgsregionen der Kantone Graubünden und Uri. (Datengrundlage: Migration-Mobility Indicators)

Die Migration-Mobility Indicators sollen sowohl Wissenschaftlern einen raschen Zugang zu wichtigen Forschungsdaten ermöglichen als auch Entscheidungsträgern, Verwaltungsangestellten und anderen interessierten Personen die Gelegenheit bieten, sich kostenfrei, unkompliziert und detailliert über Migration zu informieren. Um die Reichweite zu erhöhen, stellt das nccr die Informationen in drei Sprachen bereit: Englisch, Französisch und Deutsch.

Ein vergleichbares, überregionales Forschungsprogramm gibt es in Deutschland bislang nicht. Auch mangelt es hierzulande an einer Datenbank, welche elementare Statistiken aus verschiedenen Bundesländern, Regierungsbezirken, Kreisen, Städten und Gemeinden bündelt, nutzerfreundlich aufbereitet und laufend aktualisiert. Dies wäre aber dringend notwendig, denn zuverlässige Daten sind eine unabdingbare Grundlage für eine wohlüberlegte Politik, die auf einer soliden Informationsgrundlage beruht. Nicht zuletzt tragen allgemein zugängliche Analysewerkzeuge dazu bei, Mythen um das Migrationsgeschehen aufzulösen und die öffentliche Debatte auf faktenbasierte Argumente zu stützen.

Das schweizerische Forschungsprogramm «nccr – on the move» wurde im Juni 2014 gestartet und erforscht Themen rund um Migration und Mobilität. Das Programm ist gezielt interdisziplinär angelegt und beinhaltet Forschungsprojekte aus den Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. An der Universität Neuenburg angesiedelt, umfasst der «nccr – on the move» siebzehn Forschungsgruppen an sieben Schweizer Universitäten: Neuenburg, Basel, Bern, Freiburg, Genf, Lausanne und Luzern.


Quelle

Migration-Mobility Indicators (2017): NCCR on the Move. National Center of Competence in Research – The Migration-Mobility Nexus. University of Neuchatel.