| 17. Ausgabe, 4. Oktober 2005
Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Abdruck von Artikeln und Grafiken ist honorarfrei. Um die Übersendung eines Belegexemplars wird gebeten. Wenn Sie den Newsletter DEMOS nicht mehr erhalten wollen, können Sie sich hier abmelden. |
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1. Vom Babyboom zur Rentenlücke 2. Schwund im Osten - Zuwachs im Westen
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1. Vom Babyboom zur Rentenlücke Die Bevölkerungsstruktur Deutschlands hat sich in den
vergangenen 30 Jahren stark verändert - und sie wird es weiter auf
dramatische Weise tun. Was dies bedeutet, macht eine neue Animation des
Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung klar. Sie zeigt,
wie sich die Bevölkerungspyramide von 1950 bis 2050 allmählich
zu einem Pilz verformt. Zur animierten Bevölkerungspyramide
Dabei gehen die Statistiker davon aus, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bei einer Ziffer von 1,4 verharrt; dass sich die Lebenserwartung weiter erhöht, bei Männern von heute 75 auf 81 und bei Frauen von 81 auf 87 Jahre; und dass die Zahl der Zuwanderer konstant auf einem Niveau von 200.000 pro Jahr liegt. Bei dieser Entwicklung würde sich die Bevölkerungszahl
in Deutschland bis 2050 um acht Millionen Menschen reduzieren. Nach Mitte
des Jahrhunderts wird sich der Rückgang verstärkt fortsetzen.
Die jüngste Entwicklung lässt allerdings befürchten, dass
der Schwund noch deutlicher ausfallen könnte: Denn zum einen ist
die Kinderzahl pro Frau mittlerweile (2003) auf 1,3 gesunken. Zum anderen
lag die Zahl der Zuwanderer im Jahr 2003 aufgrund verschärfter Einreisebedingungen
mit 142.645 deutlich unter dem Soll von 200.000.
Würden in Deutschland wieder mehr Kinder geboren,
könnte das den demografischen Wandel bestenfalls abfedern - aufzuhalten
wäre er nicht. Um die seit über 30 Jahren entstandenen Lücken
zu füllen, müssten die Deutschen über viele Jahre etwa
vier Kinder pro Frau bekommen, so viel wie in den Entwicklungsländern
Simbabwe oder Ghana. Selbst wenn die Kinderzahl wieder auf 2,1 stiege,
was sogar optimistische Familienpolitiker für illusorisch halten,
würde es ein ganzes Menschenleben dauern, bis sich die Bevölkerungszahl
auf einem stabilen Niveau einpendelte. Dieses läge durch die vorangehenden
Jahrzehnte des Schwundes allerdings deutlich unter dem heutigen Wert. Quelle: Für Interviews erreichen Sie einen Mitarbeiter des Berlin-Instituts unter: 030-31017450 oder 0171-5078390
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Niedrige Kinderzahlen, eine steigende
Lebenserwartung und die Abwanderung aus wirtschaftsschwachen Gebieten
bewirken, dass sich die Bevölkerungsstruktur in Deutschland radikal
verändert. Von diesem demografischen Wandel sind die Regionen allerdings
ganz unterschiedlich betroffen. Die Animation des Berlin-Instituts für
Bevölkerung und Entwicklung zeigt beispielhaft die Entwicklung je
eines west- und ostdeutschen Bundeslandes - Baden-Württemberg und
Sachsen - seit der Wende sowie die Prognose bis 2020.
In Westdeutschland verschwendete die Regierung keinerlei Gedanken an den drastischen Rückgang der Kinderzahlen und reagierte folglich auch nicht mit familienpolitischen Maßnahmen. Entsprechend bleibt der Pillenknick in Baden-Württemberg als dauerhafte Erscheinung in der Bevölkerungspyramide bestehen, während er sich in Sachsen nur als kurze, vorübergehende Delle abzeichnet. Die leichte Verstärkung der Jahrgänge nach dem Pillenknick in Baden-Württemberg ist einzig auf das "Echo" der geburtenstarken Elternjahrgänge aus der "Babyboom-Generation" zurückzuführen. Doch im Verlauf der 1980er Jahre reagierten die DDR-Bürger immer weniger auf die staatliche Familienpolitik und der Trend zu mehreren Kindern je Frau ging zurück. Zur Wende bekamen die Frauen in Ost und West wieder etwa gleich wenige Kinder. Die Wiedervereinigung bescherte dem Osten Deutschlands dann einen dramatischen Geburteneinbruch. Binnen zweier Jahre halbierte sich die Geburtenziffer auf 0,7 Kinder je Frau. In Sachsen war 1994 das absolute Tief beim Nachwuchs zu verzeichnen. Seither steigen die Kinderzahlen je Frau im Osten wieder, erreichen allerdings nicht das Niveau des Westens.
Was für den wirtschaftsstarken Süden der Republik ein Segen ist, spiegelt das Problem des Ostens wieder: In Sachsen dünnen sich die Jahrgänge der bis zu 40-Jährigen durch die Abwanderung junger Familien immer weiter aus. Von 2015 an wird es dann zu einem weiteren Rückgang der ohnehin schon extrem niedrigen Kinderzahlen kommen, denn es fehlen die Mütter, die nach der Wende gar nicht erst nicht geboren wurden.
Für Interviews erreichen Sie einen Mitarbeiter des
Berlin-Instituts unter: 030-22324844 oder 0171-5078390
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