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Kurzfassung
Eine neue Studie des Berlin-Instituts erforscht das Entstehen
von kriegerischen Konflikten
"Jugend und Kriegsgefahr", eine neue Studie des
Berlin-Instituts, untersucht, ob Länder mit hohem Bevölkerungswachstum
überproportional zu Konflikten beitragen. Das Ergebnis steht im Widerspruch
zu einer landläufigen Theorie, nach der von Nationen mit einem besonders
hohen Anteil an Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren ein erhöhtes
Kriegsrisiko ausgeht. Zwar erweisen sich wohlhabende Länder mit einem
geringen Anteil junger Menschen als relativ friedlich. Das Konfliktrisiko
steigt, bis der Jugendanteil 19 bis 21 Prozent erreicht. Doch in Ländern
mit noch mehr Jugendlichen sinkt die Gefahr, in kriegerische Auseinandersetzungen
verwickelt zu sein, deutlich. Dies sind Länder, in denen einst hohe
Geburtenraten zurückgegangen sind und aus der jüngsten Kohorte
weniger Kinder nachwachsen. Dadurch steigt der relative Anteil der 15-
bis 24Jährigen. Diese produktive Altersgruppe trägt zu einem
Wirtschaftsaufschwung und damit zu einer friedlichen Entwicklung bei.
Das Berlin-Institut macht deshalb vor allem wirtschaftliche Gründe,
marode Bildungssysteme und modernisierungsresistente Politiker für
den Ausbruch von Konflikten verantwortlich.
Die vollständige Studie des Berlin-Instituts, "Jugend und Kriegsgefahr",
ist hier
abrufbar.
Für Interviews steht der Autor der Studie, Steffen
Kröhnert unter 030-22324845 zur Verfügung
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Langfassung
Machen junge Männer
Krieg?
Wissenschaftler behaupten, dass übermäßig
viele Jugendliche innerhalb einer Bevölkerung kriegstreibend wirken.
Eine neue Studie des Berlin-Instituts widerlegt diese These.
In Ländern mit hohem Bevölkerungswachstum kommt es häufig
zu gewaltsamen Konflikten. Tatsächlich verzeichnen viele Nationen,
die unter Bürgerkrieg und Terror leiden, wie Ruanda, Sierra Leone
oder Afghanistan, enorme Wachstumsraten. Doch gibt es einen ursächlichen
Zusammenhang zwischen dem Bevölkerungsdruck und der Gewalt?
Eindeutig, behaupten US-Geheimdienst-Experten, aber auch der Bremer Völkermordforscher
Gunnar Heinsohn. In seinem Buch "Söhne und Weltmacht" schreibt
er, dass rasches Bevölkerungswachstum unweigerlich zu einem so genannten
"youth bulge" führe, einem Überhang an jungen Menschen,
die keinen angemessenen Platz in der Gesellschaft finden. Sobald die Altersgruppe
der 15- bis 24Jährigen eine kritische Grenze von 20 Prozent an der
Gesamtbevölkerung übersteige, komme es mit hoher Wahrscheinlichkeit
zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Vor allem islamisch geprägte
Länder, wo sich die Zahl der Menschen binnen eines Jahrhunderts von
150 auf 1200 Millionen Menschen verachtfacht hat, gelten deshalb unter
US-amerikanischen Strategen als Konfliktherde der Zukunft. Al-Qaida und
Hamas wären damit keine politischen oder ideologischen Phänomene,
sondern Folge einer demografischen Entwicklung.
"Jugend und Kriegsgefahr", eine neue Studie des "Berlin-Instituts
für Weltbevölkerung und globale Entwicklung" zeigt, dass
diese lineare Verknüpfung zwischen Jugend-Überhang und Kriegen
falsch ist. Dass Konflikte vielmehr weitaus komplexere, vor allem aber
wirtschaftliche Hintergründe haben.
Während sich die Theorie eines bedrohlichen "youth bulge"
vor allem auf Einzelbeobachtungen stützt, hat das Berlin-Institut
den Zusammenhang zwischen Jugend-Überschuss und Kriegsgefahr mit
statistischen Methoden ausgewertet. Dazu wurden die demografischen Daten
aus 159 Nationen mit den 238 Kriegen und bewaffneten Konflikten seit 1945
abgeglichen.
Aus der Studie geht zunächst hervor, dass die Auseinandersetzungen
seit dem Zweiten Weltkrieg proportional mit der wachsenden Weltbevölkerung
zugenommen haben. Dass die relative Zahl der Kriege pro Millionen Erdenbürger
jedoch keinesfalls angestiegen ist. Was nichts anderes bedeutet, als dass
es unter mehr Menschen auch zu mehr Auseinandersetzungen kommt.

Während die Weltbevölkerung seit 1950 kontinuierlich
angewachsen ist, stieg auch die Anzahl der Konflikte. Doch pro Erdenbürger
gemessen ist die Welt keinesfalls kriegerischer geworden.
Wenn das Kriegsrisiko auf Basis der vermeintlich konfliktträchtigen
Gruppe der 15- bis 24Jährigen berechnet wird, erweisen sich Gesellschaften
mit weniger als 15 Prozent Anteil an dieser Kohorte als relativ friedlich.
Das ist kein Wunder, denn dies sind mehrheitlich wohlhabende Nationen
ohne Bevölkerungswachstum. Das höchste Konfliktrisiko besitzen
Länder mit 19 bis 21 Prozent "youth bulge". Ist jedoch
der Überschuss an jungen Menschen noch größer, sinkt erstaunlicherweise
und im Widerspruch zur Theorie die Wahrscheinlichkeit für Konflikte
massiv.
Dies lässt sich mathematisch erklären: Ein großer
Jugend-Überschuss entsteht häufig, wenn in Ländern mit
zuvor hohen Geburtenraten die Kinderzahlen zurückgehen. In dieser
Phase wachsen aus der jüngsten Kohorte weniger Kinder nach, also
steigt der relative Anteil der 15- bis 24Jährigen. Gleichzeitig entlastet
der Geburtenrückgang die Familien und den Staat, es wird mehr investiert
und es kommt zu wirtschaftlicher Entwicklung. Dieser Zusammenhang erklärt,
warum es in Asien Ende der 1970er Jahre zu einen deutlichen Anstieg der
angeblich bedrohlichen "youth bulges" kam - die Zahl der Kriege
aber keinesfalls zunahm, sondern im Gegenteil zurückging.

Asien war bis in die 1960er Jahre ein konfliktbeladener
Kontinent. Als es dann zu einem massiven Überhang an jungen Menschen
kam, ging die Zahl der Kriege trotz wachsender Bevölkerung deutlich
zurück.
Die Ergebnisse zeigen, dass Konflikte im Wesentlichen von anderen Faktoren
abhängen. Das Unruhepotential von Ländern wie Saudi Arabien,
Afghanistan oder dem Irak geht zu einem guten Teil auf das Konto von modernisierungsresistenten
Diktaturen und maroden Bildungssystemen. Andere Nationen, etwa Bangladesch,
Malaysia oder die Türkei, in denen der Bildungsgrad steigt und Frauen
mehr Rechte erlangen, erleben eine ökonomische Belebung und sie verlieren
an Brisanz.
In Staaten mit rasch wachsender Bevölkerung hingegen
verschlechtern sich häufig die Lebensbedingungen mit jedem neuen
Konkurrenten um Brennholz und Ackerland, um Kapital und Arbeit. Der niedrige
Lebensstandard provoziert hohe Geburtenraten, was die Lösung der
Probleme weiter erschwert. In dieser Abwärtsspirale stellen die jungen
Menschen des "youth bulge" ein Problem dar. Aber nur eines von
vielen Problemen.
Die vollständige Studie des Berlin-Institutes, "Jugend und Kriegsgefahr",
ist hier
abrufbar.
Für Interviews steht der Autor der Studie, Steffen
Kröhnert unter 030-22324845 zur Verfügung.
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