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2. Ausgabe, 9. Oktober 2003 Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Abdruck von Artikeln und Grafiken ist honorarfrei. Um
die Übersendung eines Belegexemplars wird gebeten. |
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1. Kinder für den Krieg In Israel und Palästina droht das Bevölkerungswachstum
zu eskalieren 2. Jede vierte deutsche Frau ohne Kinder Tagung befasst sich mit den Ursachen von Kinderlosigkeit
und Geburtenrückgang 3. Wölfe statt Menschen Wenn ländliche Regionen sich entvölkern,
gewinnt die Natur |
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| 1. Kinder für
den Krieg
Die Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern drohen sich durch die demografische Entwicklung der Region zu verschärfen. Davor warnt das "Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung". Die verfeindeten Gruppen wachsen mit einem Tempo, das sonst nur aus den unterentwickeltsten Gebieten Schwarzafrikas bekannt ist. Dabei tragen zu dem Wachstum auf der einen Seite die leicht zu radikalisierenden, mittel- und landlosen Palästinenser bei. In Israel bekommen die ultraorthodoxen Juden am meisten Kinder. Sie weisen eine der höchsten Fortpflanzungsraten der Welt auf. "Der immense Zuwachs unter den fanatischen Bevölkerungsgruppen wird auf lange Sicht jeden Friedensprozess erschweren", meint das Berlin-Institut. Für Rückfragen und Interviews steht Ilsabe v.
Campenhausen unter 0172-40 83 182 zur Verfügung. |
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2. Jede vierte
deutsche Frau ohne Kinder Für Rückfragen und Interviews steht Steffen Kröhnert
unter 0179-48 46 701 zur Verfügung. |
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Für Rückfragen und Interviews steht Ilsabe v. Campenhausen unter 0172-40 83 182 zur Verfügung. |
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| 1. Kinder für
den Krieg In Israel und Palästina droht das Bevölkerungswachstum zu eskalieren Kein Tag vergeht ohne Gewalt im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Doch das bekannte Problem droht sich in Zukunft dramatisch zu verschärfen. "Die demografische Entwicklung in der Region könnte jede Aussicht auf Frieden vollends blockieren", warnt das "Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung": "Bei beiden Konfliktparteien wird mit Bevölkerungswachstum regelrecht Politik betrieben." Die Bevölkerung der palästinensischen Autonomiegebiete, die auf einem von Mauern und Zäunen getrennten Flickenteppich von Land leben muss, wächst derzeit bei einer durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau von 5,7 mit einer Rate von 3,5 Prozent im Jahr. Die Zahl der Palästinenser wird sich nach Berechnungen der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2020 von heute drei auf 6,5 Millionen mehr als verdoppeln - unter anderem durch zusätzliche Einwanderungen. Auch die Zahl der Palästinenser im Staatsgebiet von Israel wächst dramatisch: Sie wird sich bis zum Jahr 2020 auf zwei Millionen verdoppeln - für das Jahr 2050 gehen die Prognostiker gar von 3,7 Millionen aus. In der Stadt Jerusalem machen die Palästinenser schon 2020 mit 43 Prozent fast die Hälfte der Bewohner aus. Das palästinensische Autonomiegebiet gleicht einem Flickenteppich
In Israel leben Bevölkerungsgruppen mit extrem unterschiedlicher Kinderzahl auf so engem Raum zusammen wie sonst nirgendwo auf der Welt. Während moderate und laizistische Israelinnen im Mittel 2,4 Kinder bekommen, sind es bei den ultraorthodoxen Juden statistisch gesehen 6,4 Kinder. Das entspricht der Fortpflanzungsrate der ärmsten Länder Schwarzafrikas. Palästinenser wie orthodoxe Israelis haben damit eine Fertilitätsrate, die um 70 Prozent über jener von Staaten mit vergleichbarem Entwicklungsstand liegt. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Bevölkerung in Israel schneller wächst als in allen anderen arabischen Ländern außerhalb der arabischen Halbinsel. Und dass sie immer mehr um begrenzte Ressourcen, vor allem um Wasser für die Landwirtschaft, konkurrieren wird. Hohes Bevölkerungswachstum im Krisengebiet
Quelle: Prognose für Juden und Araber in Israel: Central
Bureau of Statistics, Israel Mit den Jahren, in denen die Menschenzahl wächst, wachsen
jedoch die Menschen nicht näher zusammen. Im Gegenteil: "Menschen,
die in großer Armut leben und keine Zukunftsperspektive besitzen,
bekommen besonders viele Kinder.", meldet das Berlin-Institut. "Gerade
diese Menschen ohne Hoffnung lassen sich am leichtesten radikalisieren." Moderate Juden verlieren an Gewicht
Quelle: Sergio Della Pergola (2000): Israels population and Middle East normalization: trends and challenges. In: Lezione dalle scuole estive sul processo de pace in Medio Oriente, C.I.R.P., Università degli Studi di Bari. "Eine friedliche Regelung für das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern muss daher so schnell wie möglich gefunden werden.", sagt Dr. Reiner Klingholz, Direktor des "Berlin-Institutes für Weltbevölkerung und globale Entwicklung": "Die Bevölkerungsdaten zeigen, das jede Verzögerung den radikalen Kräften in die Hände spielt." Für Rückfragen und Interviews steht Ilsabe v.
Campenhausen unter 0172-40 83 182 zur Verfügung. |
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2. Jede vierte deutsche Frau ohne Kinder Tagung befasst sich mit den Ursachen von Kinderlosigkeit und Geburtenrückgang Deutschland gehört zu den kinderärmsten Gesellschaften der Welt. Frauen im gebärfähigen Alter bringen im Schnitt gerade noch 1,4 Kinder zur Welt. Die nachfolgende Generation ist damit jeweils um ein Drittel kleiner als die der Eltern, denn durchschnittlich zwei Nachkommen sind notwendig, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. Begnügen sich zu viele Familien mit dem umsorgten Einzelkind? Irrtum, einen Trend zum Einzelkind gibt es nicht. Frauen, die sich in Deutschland für eine Familie entscheiden, haben weiterhin durchschnittlich zwei Kinder. Jedoch: Immer mehr Frauen bleiben ganz kinderlos. In Westeuropa gehört Deutschland damit zu den Länder mit dem höchsten Anteil Kinderloser. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes werden in den alten Bundesländern die Frauen des Jahrganges 1965, also die heute 38jährigen, zu etwa 30 Prozent kinderlos bleiben. Dieser Anteil ist bereits doppelt so hoch wie bei den älteren Frauen des Geburtsjahrganges 1950. Auch Ostdeutschland, wo bis zum Mauerfall Kinderlosigkeit selten war, wird von diesem Trend erfasst. Von den Frauen des Jahrgangs 1960 in der DDR hatte nur etwa jede zwanzigste keine Kinder, von den 1965 geborenen Frauen wird bereits jede vierte kinderlos bleiben. Ungewollt ist die Kinderlosigkeit nur für etwa 15 Prozent der betreffenden Frauen im Alter von 30 bis 39 in Westdeutschland. Der Verzicht auf Nachwuchs ist also in der großen Mehrzahl der Fälle eine freiwillige Entscheidung, dies ergab der Family and Fertility Survey des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden. Immer mehr Frauen verzichten auf Familie
Quelle: Bundesinsititut für Bevölkerungsforschung Über die Gründe, die mehr als ein Viertel der jungen Frauen hierzulande dazu bringen, auf Kinder ganz zu verzichten, rätseln Sozialpolitiker und Demografen gleichermaßen. Während in den neuen Bundesländern die Kinderlosigkeit eindeutig mit niedrigem Einkommen und der hohen Arbeitslosigkeit von Frauen zusammenhängt, liegen in Westdeutschland die höchsten Anteile Kinderloser in den mittleren Einkommensgruppen. Grund dafür dürfte dort ein anspruchsvoller Stil der Lebens- und Freizeitgestaltung sein, den Kinder in erheblichem Maße einschränken würden. Unter westdeutschen Akademikerinnen, die vor dem Problem stehen, sich nach einer langen Ausbildungszeit noch beruflich zu etablieren, ist Kinderlosigkeit am weitesten verbreitet. 41 Prozent der Frauen mit Hochschulbildung bleiben ohne Kinder. Eine Konferenz zu "Fertilität und Kinderlosigkeit in Europa" will sich nun wissenschaftlich diesem Thema nähern. Am 9. und 10. Oktober werden im westfälischen Münster neben deutschen auch italienische und russische Wissenschaftler erwartet, die sich mit Ursachen und Auswirkungen des fehlenden Nachwuchses in Europa auseinandersetzen. Der Familiensoziologe Max Wingen wird dort erneut sein Konzept einer "bevölkerungsbewussten Familienpolitik" vorstellen. Wingen fordert neben einer familiengerechten sozialen Infrastruktur den finanziellen Ausgleich kinderbedingter Mehrkosten sowie eine familienfreundliche Personalpolitik in Unternehmen. Das Thema enthält durchaus gesellschaftspolitischen Zündstoff. Denn während auf der einen Seite die selbstbestimmte Entscheidung für oder gegen Kinder als Grundwert unserer Gesellschaft gilt, macht die Debatte um eine Reform der Sozialsysteme die Kinderlosen zur Zielscheibe der Kritik. Zuletzt äußerte der Saarländische Ministerpräsident Peter Müller, dass zukünftige Abstriche bei der Rente für Kinderlose unvermeidlich seien. Allerdings, so meint das "Berlin-Institut für Weltbevölkerung" schaffen es familienpolitische Maßnahmen allein kaum, mehr Paare zur Familiengründung zu motivieren. Wirksam könnte dagegen eine Verkürzung der durchschnittlichen Ausbildungsdauer sein. Akademiker schließen ihr Studium hierzulande erst mit 29 Jahren ab. Nach den dann folgenden Jahren des Berufsseinstiegs entscheiden sich viele Frauen nicht mehr für eine Familie. Nähere
Informationen im Internet Für Rückfragen und Interviews steht Steffen Kröhnert
unter 0179-48 46 701 zur Verfügung. |
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| 3. Wölfe
statt Menschen
Wenn ländliche Regionen sich entvölkern, gewinnt die Natur Zwei Wolfsrudel leben inzwischen dauerhaft in der Oberlausitz,
nahe der Grenze zu Polen. Vierzehn Welpen kamen allein in diesem Frühjahr
zur Welt. Der Umweltminister des Freistaates Sachsen, Steffen Flath, freut
sich: Der einzige frei lebende Wolfsbestand Deutschlands sei "ein
Symbol für eine einzigartige Naturlandschaft". Gleichzeitig,
stellt das "Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale
Entwicklung" fest, ist er ein Indikator für die Ursprünglich war Canis lupus, wie der Vorfahr des Haushundes wissenschaftlich heißt, in ganz Europa verbreitet. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Wolf jedoch in weiten Teilen Mitteleuropas ausgerottet. Jäger stellten ihm nach, und die Wälder, die ihm - und seinen Beutetieren - Lebensraum boten, verschwanden. Nur in sehr abgelegenen Gegenden konnte der scheue Räuber sich behaupten. Einzelne umherstreifende Wölfe wurden jedoch immer
wieder auch in besiedelten Gebieten beobachtet. Die Oberlausitzer Population
gründet sich wahrscheinlich auf "Einwanderer", die vor
vier Jahren aus Polen kamen. In Die Bevölkerungsentwicklung in der weiteren Umgebung tut ein übriges: Der Landkreis Niederschlesische Oberlausitz ist mit 79 Einwohnern je Quadratkilometer eher dünn besiedelt. Der gesamtdeutsche Durchschnitt liegt bei 262 Menschen je Quadratkilometer. Zwischen 1990 und 1999 hat die Einwohnerzahl um 6,9 Prozent abgenommen, vor allem, weil der Braunkohlebergbau und die Energieerzeugung nach der Wende wegbrachen. In der nördlich des Truppenübungsplatzes gelegenen
Stadt Weißwasser, wo es zu DDR-Zeiten noch eine Glasindustrie gab,
sackte die Einwohnerzahl von 37.388 im Jahre 1987 binnen vierzehn Jahren
auf 25.000. Die Nach Ansicht des "Berlin-Instituts für Weltbevölkerung und globale Entwicklung" bieten sich für die Wölfe gute Überlebensbedingungen auch in anderen Regionen. Denn der Schwund durch Geburtenrückgang und Abwanderung beschränkt sich nicht auf die Randlage in Sachsen. Im Herzen Deutschlands, im Thüringer Wald, ist nach den Prognosen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung zwischen 2000 und 2020 ein Rückgang um bis zu 18,6 Prozent zu erwarten - mehr noch als in der Oberlausitz (14,6 Prozent) oder im benachbarten Landkreis Löbau-Zittau (16,8 Prozent). Drastischer Einwohnerschwund in ländlichen Regionen
Quelle: Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung Auch im Hunsrück oder im Pfälzerwald weisen
die Bevölkerungzahlen eine abnehmende Tendenz auf. Wo Industrie und
Gewerbe fehlen, wo bäuerliche Betriebe stillgelegt werden, weil Landwirtschaft
sich nicht mehr lohnt, gewinnt die Natur Oberhand. Damit sind gute Voraussetzungen
für die Wiederansiedlung von Raubtieren geschaffen, die lange keine
Chance hatten. Im Pfälzerwald leben bereits seit einiger Zeit wieder
Luchse. Sie kamen aus Frankreich, wo durch Landflucht ganze Regionen praktisch
verwaist sind. "Sehr wahrscheinlich, dass die Oberlausitzer Wolfspopulation
dann nicht die einzige in Deutschland bleibt", schätzt Dr. Reiner
Klingholz, Direktor des "Berlin-Instituts für Weltbevölkerung
und globale Entwicklung". Für Rückfragen und Interviews steht Ilsabe v. Campenhausen unter 0172-40 83 182 zur Verfügung. |
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