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von Rainer Lindner

 

Der Beitrag ist ein Auszug aus der SWP-Studie „Russlands defekte Demographie“.

 

Dimensionen der demografischen Krise

 

Die demografische Krise Russlands resultiert aus einer geringen Geburtenrate, der europaweit niedrigsten Lebenserwartung, hohen Sterberaten und der Alterung der Gesellschaft. Der Gesundheitszustand der meisten Menschen ist mangelhaft. Hinzu kommen Sonderprobleme wie übermäßiger Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch. Die Peripherieregionen Russlands entvölkern sich im Zuge starker Abwanderung bei geringer Zuwanderung. Die Zukunftsrisiken, die sich aus der demografischen Krise ergeben, betreffen die Staatlichkeit Russlands sowie die wirtschaftliche und militärische Sicherheit des Landes.


Bevölkerungsentwicklung

 

Fertilität. Nach offiziellen Angaben könnte sich die Bevölkerung Russlands bis 2050 von derzeit 142 auf etwa 100 Millionen Menschen verringern.1 Dafür werden zumeist die niedrige Geburtenrate, die steigende Mortalität und der schlechte Gesundheitszustandverantwortlich gemacht. Der negative demografische Trend hat historische und aktuelle Ursachen: Seit Ende der fünfziger Jahre wurden in der Sowjetunion wie in den westlichen Industrieländern weniger Kinder geboren, als für den Erhalt des Bevölkerungsbestands notwendig gewesen wären. Schon die sowjetische Demografie hatte in den sechziger Jahren einen Bevölkerungsschwund vorausgesagt. Russland wurde von der »demografischen Transition«,2 dem historischen Übergang von hohen zu niedrigen Geburten- und Sterberaten, verzögert erfasst. Durch seine nachholende Industrialisierung, die stalinistische Modernisierung von oben und die Umgestaltung des sowjetischen Dorfes setzten die Urbanisierungsprozesse und der Rückgang der für die ländliche Gesellschaft typischen Großfamilien hier später ein als im übrigen Europa.

Die sowjetische Regierung versuchte Anfang der achtziger Jahre, den rückläufigen Geburtenzahlen durch Kampagnen wie einem bezahlten Babyjahr bei Sicherung des Arbeitsplatzes und des Einkommensgegenzusteuern. Die Geburtenrate ließ sich jedoch auf diese Weise nicht nachhaltig erhöhen.3 Den Kampagnen zur Steigerung der Geburtenrate in der späten Sowjetzeit stand die dramatische Zahl der Schwangerschaftsabbrüche entgegen, die bis in die Gegenwart nur unwesentlich zurückgegangen ist. Für 2005 bestätigte die Vorsitzende des Duma-Komitees für Frauen, Familie und Kinder, Ekaterina Lachowa, die Gesamtzahl von 1,7 Millionen Aborten bei 1,4 Millionen Lebendgeburten.4

Die schwachen Geburtsjahrgänge in den Jahren des Umbruchs nach 1991 werden in Russland und anderen postsowjetischen Staaten in absehbarer Zeit für weiter sinkende Geburtenzahlen sorgen. Hinzukommen regionale Unterschiede. Lediglich in 18 der 81 Föderationssubjekte des heutigen Russlands ist eine ausgeglichene Geburten-Sterbe-Quote zu verzeichnen: In 17 davon leben vor allem nichtrussische Minderheiten. So bringt eine Frau im überwiegend muslimisch bevölkerten Dagestan durchschnittlich 4,9 Kinder, eine Moskauerin jedoch nur 1,4 Kinder zur Welt. Während die demografische Krise vor allem die urbanen ethnisch russischen Bevölkerungsanteile erfasst, nahm in den letzten Jahren die Geburtenrate der muslimischen Bevölkerung stetig zu. Tschetschenen und andere Kaukasusvölker verzeichnen derzeit die höchsten Geburtenraten des Landes. So verwundertes nicht, dass seit 1989 der Anteil der Muslime in Russland zwischen 40 und 50 Prozent gestiegen ist. Regionen mit überwiegend muslimischen Einwohnern sind vor allem Tatarstan, Inguschetien, Tschetschenien, Karatschajewo-Tscherkessien, Kabardino-Balkarien und Dagestan. Der Anteil der ethnischen Russen hingegen ging landesweit zwischen 1996 und2006 von 83 auf 79,8 Prozent zurück.5 Einzig das energiereiche Gebiet Tjumen in Westsibirien weist ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen auf, da dort ein höheres Pro-Kopf-Einkommen, der Zuzug junger Familien und die gute soziale Infrastruktur für höhere Geburtenzahlen sorgen.6

Mortalität. Der demografische Sonderweg, den Russland abweichend von anderen europäischen und außereuropäischen Staaten eingeschlagen hat, ist vor allem ein Ergebnis der hohen Sterberate. Während in entwickelten Industrienationen wie Deutschland oder Japan, aber auch in China die Alterung zum dominierendendemografischen Problem geworden ist,7 wird dieses Problem in Russland noch durch die dramatisch sinkende Lebenserwartung von Frauen und Männern verschärft.8 Die geringe Lebenserwartung ist das Ergebnis versäumter Gesundheits- und Sozialreformen sowohl in der sowjetischen als auch in der postsowjetischen Zeit.

Gegenwärtig haben in Russland Männer eine Lebenserwartung von 58,4 Jahren, Frauen von 71,9 Jahren. Damit belegt das Land den 136. Platz weltweit.9 Vor allem die Sterberate für Männer im arbeitsfähigen Alter hat einen beunruhigenden Höchststanderreicht. Seit Mitte der sechziger Jahre gehörte die Sowjetunion aufgrund ihres unterentwickelten Gesundheitssystems und des Alkoholismus zu den Ländern mit geringer Lebenserwartung (1965: 65 Jahre für Männer, 73,6 Jahre für Frauen).10 Der Abwärtstrend des durchschnittlichen Lebensalters hielt in Russland indes noch an, während die Menschen im übrigen Europa immer älter wurden. Zwischen 1991 und 2003 sank die Lebenserwartung bei Männern in Russland um 4,9 und bei Frauen um 2,4 Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann im Alter zwischen 15 und 60 Jahren sterben wird, lag 2006 in Russland bei 48 Prozent, während die Vergleichswerte in Deutschland lediglich 11,2 Prozent und in Japan gar nur 9,2 Prozent betrugen.11

Russland wie auch die Ukraine mit ihrer drastisch sinkenden Lebenserwartung weichen von dem überwiegendpositiven europäischen Trend ab.12 Die im Wahljahr 2007 veröffentlichten Zahlen des russischen Statistikamtes kündeten von einem plötzlichen Ansteigender Lebenserwartung auf durchschnittlich 66,8 Jahre (Männer auf 60,37 Jahre, Frauen auf 73,23 Jahre) im Jahr 2007. Außerdem war von einer steigenden Geburten- und einer sinkenden Sterberate in nahezu allen Föderationssubjekten Russlands die Rede.13 Aus den von den Vereinten Nationen (UN) veröffentlichten Zahlen lässt sich dagegen keine schnelle Trendwende ablesen. Unter der Annahme einer schrittweisen Verbesserung der Gesundheitsversorgung rechnet die UN mit einer wachsenden durchschnittlichen Lebenserwartung auf 65,8 Jahre für den Zeitraum 2010 bis 2015 und weiter auf 67,1 Jahre (2015 bis 2020), 68,6 Jahre (2020 bis 2025) und 73,4 Jahre (2045 bis 2050).14

Demografische Kennziffern für die Russische Föderation

 

1990

2006

2007d

Bevölkerungszahla

147.665

142.754

142.000

(in 1.000 Menschen)

 

 

 

Stadtbevölkerung

108.736

104.105

103.800

Landbevölkerung

38.929

38.649

384.000

Arbeitsfähigeb

83.943

90.328

o.A.

Lebenserwartung

 

 

 

Gesamtbevölkerung

69,2

66,8

o.A.

Männer

63,7

60,4

o.A.

Frauen

74,3

73,2

o.A.

Auf 1.000 Personen

 

 

 

Geburten

13,4

10,4

11,8

Tote

11,2

15,2

15,6

darunter

 

 

 

Kinder < 1 Jahrc

17,4

10,2

10,8

a Am 1. Januar des Jahres.
b Männer zwischen 16 und 59 Jahren, Frauen zwischen 16 und 54 Jahren.
c Auf 1.000 Lebendgeburten.
d 1. Oktober 2007.

Anmerkung zur Datenlage: Die letzte offizielle Volkszählung fand 2002 statt; die nächste Zählung ist für 2010 vorgesehen. Daher handelt es sich sowohl bei den Zahlen des Statistikamts der Russischen Föderation wie auch bei jenen der Vereinten Nationen lediglich um Schätzungen. Die Ergebnisse der Volkszählung von 2002 finden sich unter www.perepis2002.ru/index.html?id=11 (Quelle: Statistikamt der Russischen Föderation (Goskomstat), www.gks.ru/free_doc/2006/b06_13/04-01.htm; www.gks.ru/free_doc/2007/b07_11/05-01.htm; www.gks.ru/bgd/free/b07_00/IssWWW.exe/Stg/d06/8-0.htm; www.gks.ru/bgd/free/b07_00/IssWWW.exe/Stg/d100/8-0.htm).

Alterung. Trotz der hohen Mortalität und einer in den letzten fünfzig Jahren gesunkenen (vor allem männlichen) Lebenserwartung ist in Russland die Alterung ein zentrales Problem. Der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen wird 2025 bei 18 Prozent liegen, im Jahr 2000 waren es zwölf Prozent.15 Dies wird die öffentlichen Haushalte erheblich belasten. Die staatlichen Ausgaben für Altenpflege und medizinische Versorgung werden ebenso zunehmen wie der Druck, neue gesundheitspolitische und andere Vorsorgekonzepte für ältere und pflegebedürftige Menschen umzusetzen. Nach dem Wahljahr 2007/08 werden Regierung und Präsident hier zentrale innenpolitische Aufgabenfelder vorfinden, die über den Rahmen der bislang ins Auge gefassten »Nationalen Projekte« deutlich hinausgehen.16

Nach Ansicht der Demografen wird die so genannte Altenlast (age dependency ratio) innerhalb der nächsten 15 Jahre zu sozialen Disproportionen führen: 2050 wird nach moderaten Schätzungen der UN ein Drittel der Bevölkerung (32,8 Prozent) älter als 60 Jahre sein; zugleich ist zu erwarten, dass die Zahl der 18-jährigen Männer bereits in den kommenden 15 Jahren um 50 Prozent zurückgehen wird.17

Russlands demografische Koordinaten werden sich verschieben. Das Gewicht der Rentner in den Alterskohorten nimmt deutlich zu, wie die Abbildung der Alterspyramide zeigt. Die auf der letzten Volkszählung von 2002 basierende Grafik veranschaulicht zugleich das Geburtendefizit in den vergangenen sechzehn Jahren.

Gesundheitskrise

 

Die Gesundheitskrise gehört zum Ursachenkomplex der demografischen Krise.18 Das historische Erbe der »kostenlosen« Gesundheitsversorgung in der Sowjetzeit wiegt hier noch immer schwer. In den sechziger und siebziger Jahren gab der sowjetische Staat pro Kopf vier- bis sechsmal weniger im Gesundheitswesen aus als die Vereinigten Staaten, Japan oder Frankreich. Die Folge einer schlechten medizinischen Grundversorgung und einer lückenhaften Gesundheits- und Hygieneerziehung ist eine kranke Gesellschaft. Die chaotischen Transformationsprozesse der neunziger Jahre bewirkten eine weitere soziale Differenzierung und eine Verarmung großer Bevölkerungsteile, für die Gesundheit nicht mehr bezahlbar war. Die schlechte Gesundheitsversorgung und der übermäßige Alkoholkonsum machen die Menschen anfällig für Folgekrankheiten. Betroffen sind längst nicht nur Erwachsene. Fast die Hälfte (45 Prozent) der in Russland geborenen Kinder kommt bereits mit Herz-Kreislauf-Schädigungen oder Immunschwächen wie AIDS zur Welt. Herzkrankheiten bei unter Vierzigjährigen haben seit 2001 um 36 Prozent zugenommen. Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die mit 1,28 Millionen Fällen und 56 Prozent noch immer die Haupttodesursache in Russland sind, ist vor allem die hohe Zahl an Tuberkuloseinfizierten (Tbc) auffällig: mit 120.000 Neuerkrankungen pro Jahr (2007 wurden 117.738 Tbc-Infektionen registriert, davon 3.000 Fälle bei Kindern unter 14 Jahren) und 32.000 Tbc-Toten 2006. Eine hohe Dunkelziffer nicht erfasster Fälle dürfte hinzukommen.

30 Prozent der Tbc-Infektionen in Russland gelten aufgrund fehlender Medikamente als nicht behandelbar. Zu erwähnen sind zudem HIV/AIDS und Hepatitis. Auch Grippewellen mit größeren Opferzahlen grassieren immer wieder in Russlands Städten.

Die Gesundheitskrise hat unmittelbare Auswirkungen auf die Geburtenrate: Infolge schlechter medizinischer Versorgung und unzureichender hygienischer Bedingungen sind geschätzte zehn Millionen Frauen im reproduktionsfähigen Alter unfruchtbar.19

Insbesondere HIV/AIDS ist in Russland auf dem Vormarsch. 2006 waren Schätzungen der UN zufolge in Russland bis zu 1,6 Millionen Menschen mit dem HIV-Virus infiziert, obgleich nur 369.187 Fälle offiziell registriert waren.20 Murray Feshbach vom Woodrow Wilson Center schätzt, dass 80 Prozent der russischen AIDS-Patienten jünger als 30 Jahre sind, im Westen dagegen sind 70 Prozent älter als 30.21 Wegen des löchrigen Erfassungssystems, fehlender Versicherungsnetze und eines erheblichen Misstrauens der Bevölkerung gegenüber ärztlicher und klinischer Versorgung ist die Dunkelziffer weit größer. Lange Zeit überwogen ideologische Widerstände, die die Menschen glauben machen wollten, die Epidemie werde an der Grenze zu Russland Halt machen. Worst-case-Szenarios rechnen unterdessen mit bis zu acht Millionen infizierten Menschen bis zum Jahr 2010. Dies dürfte dramatische Konsequenzen für Gesundheitssystem und Staatsfinanzen mit sich bringen.22 Nach Berechnungen der UN würden die Menschen in Russland ohne HIV/AIDS bis 2006 durchschnittlich 0,6 Jahre und bis 2020 sogar bis zu zwei Jahre älter werden können.23 Transformationsgesellschaften sind »gestresste« Gesellschaften. Der Untergang der Sowjetunion verursachte in großen Teilen der Gesellschaft zusätzlichen psychischen Stress. Individuen fühlen sich als Folge einer Pluralisierung von Lebenswelten sozial verunsichert.24 Die Flucht in Drogen, Alkohol und Kriminalität sind Folgeerscheinungen. Derzeit sind etwa fünf Millionen Menschen in Russland drogenabhängig. Bis zu 10.000 Menschen sind 2007 an den Folgen von Drogenmissbrauch gestorben. Nicht nur die geografische Nähe zu Produzentenländern wie Afghanistan, sondern auch die rasante Vergrößerung des Abnehmermarktes haben Russland zu einem der größten Heroinmärkte weltweit gemacht.25

Der Alkoholkonsum ist dramatisch hoch, insbesondere bei Männern. Fast 900.000 Menschen starben offiziellen Angaben zufolge von 1995 bis 2006 an den Folgen von Alkoholmissbrauch.26 Noch immer kommen in Russland jährlich bis zu 40 000 Menschen durch akute Alkoholvergiftungen ums Leben. Fast die Hälfte der Männer, die an Unfällen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben, war zum Zeitpunkt des Todes alkoholisiert. Es besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch – 19 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr (im Vergleich zu zwölf Litern im EU-Durchschnitt) – und anderen Krankheitsbildern.27 Zu konstatieren ist darüber hinaus eine ansteigende Gewaltbereitschaft in der russischen Gesellschaft. Immer häufiger entladen sich soziale Spannungen, kriminelle Energie und Alkoholmissbrauch in physischer Gewaltanwendung gegen andere und gegen sich selbst. Die Selbstmordrate ist in den neunziger Jahren um 50 Prozent angewachsen; etwa 500.000 Menschen begingen zwischen 1995 und 2003 Suizid. Trotz leicht sinkender Zahlen kamen 2006 im Jahresdurchschnitt auf 100.000 Einwohner noch immer 19 Morde und 28 Selbstmorde. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten weist etwa die Mordrate einen zehn- bis zwanzigfach höheren Wert auf.28


Anmerkungen

 

1 »K 2050 godu naselenie Rossii možet umen’šitsja na tret’« [Bis 2050 könnte sich die Bevölkerung Russland um ein Drittel verringern], in: polit.ru, 25.10.2006, <www.polit.ru/news/2006/10/25/1_3.html>. Nach UN-Prognosen werden 2015 in Russland 136,5 und 2050 noch 107,8 Millionen Menschen leben; UN Population Division (Hg.), World Population Prospects. The 2006 Revision, New York 2007, S. 47, <www.un.org/esa/population/publications/wpp2006/WPP2006_Highlights_rev.pdf>.

2 Vgl. David Coleman, »Immigration and Ethnic Change in Low-Fertility Countries: A Third Demographic Transition«, in: Population and Development Review, 32 (2006) 3, S. 401–446.

3 S. V. Zacharov, »Demografièeskij analiz effekt mer semejnoj politiki v Rossii v 1980-ch gg. « [Demographische Analyse der Effekte der Familienpolitik in Russland in den achtziger Jahren], in: SPERO (Social’naja politika: ekspertiza, rekomendacii, obzory), (2006) 5, S. 33–69, <http://spero.socpol.ru/docs/N5_2006-33_69.pdf>.

4 Vgl. »Pundits Call for Urgent Measures to Reserve Demographic Decline in Russia« [Source: Channel One TV, Moscow, in Russian, 15:00, 4.12.2005], in: Johnson’s Russia List, 6.12.2005 (Internetausgabe). Mit weiteren Zahlen: Nicholas Eberstadt, »Russia’s Demographic Straightjacket«, in: SAIS Review of International Affairs, 24 (2004) 2, S. 9–25, hier S. 13f.

5 Kim Murphy, »The Vanishing Russians, Part III«, in: Los Angeles Times, 10.10.2006, S. A-1.

6 Paul Goble, »Culture, Not Cash Driving Demographic Trends in Russia«, in: Johnson’s Russia List, 21.8.2006.

7 In China wird der Anteil der über Sechzigjährigen 2050 voraussichtlich bei 31Prozent liegen. Der Anteil der arbeitenden Bevölkerung könnte im gleichen Zeitraum auf 47Prozent zurückgehen. Vgl. Anna Marohn, »China: Die demographische Zeitbombe «, in: Handelsblatt.com, 23.5.2007 (Internetausgabe). Pakistan dagegen, wo 1975 70 Millionen Menschen lebten, wird 2025 mutmaßlich über 250 Millionen Einwohner haben; vgl. Nicholas Eberstadt, Some Strategic Implications of Asian/Eurasian Demographic Trends, Cambridge, Mass.: Harvard Center for Population and Development Studies, November 2004 (Working Paper Series, 14/8), S. 7, <www.aei.org/docLib/20041116_Eberstadt_wp1408.pdf>; vgl. auch Jamestown Foundation, Eurasia Daily Monitor, 2 (16.6.2005) 117.

8 Alterspyramide 1979–2026, nach Statistikamt der Russischen Föderation (Goskomstat), <www.gks.ru/WebContent/pyramid/index.html>.

9 A. Višnevskij (Hg.), Demografièeskaja modernizacija Rossii: 1900–2000 [Demographische Modernisierung Russlands: 1900–2000], Moskau 2006, S. 386. In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung für ein 2007 geborenes Mädchen bei 82,1 Jahren, für einen Jungen bei 76,6 Jahren. Vgl. »Deutsche werden immer älter«, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.8.2007, S. 8.

10 1965 befand sich die Mortalitätsrate der Sowjetunion auf gleicher Höhe mit jener der Industrienationen, bei Frauen lag sie mit 73,6 Jahren sogar höher als diejenige in den USA. Vgl. Evgeny M. Andreev, Demographic Consequence of Mortality Reversal in Russia, Paper for the XXV IUSSP International Population Conference, Tours (France), 18.–23.7.2005, <http://iussp2005.princeton.edu/download.aspx?submissionId=51271>.

11 Höher ist die Rate nur noch in Afghanistan (50,9 Prozent), Sierra Leone (57,9 Prozent) und Simbabwe (85,7 Prozent). Vgl. Kim Murphy, »The Vanishing Russians, Part I«, in: Los Angeles Times, 8.10.2006, S. A-1.

12 Vgl. UN Population Division, World Population Prospect 2006 [wie Fn. 1], S. 14. In der Ukraine wird demnach die Bevölkerungszahl zwischen 2000 und 2025 um ein Fünftel sinken.

13 Vgl. Statistikamt der Russischen Föderation (Goskomstat): <www.gks.ru/bgd/free/b07_00/IssWWW.exe/Stg/d06/8-0.htm>. Bevölkerungsentwicklung

14 UN Population Division, World Population Prospect 2006 [wie Fn. 1], S. 83.

15 World Bank (Hg.), Russian Economic Report, (November 2007) 15, S. 22ff, <http://siteresources.worldbank.org/INTRUSSIANFEDERATION/Resources/RER15_Eng.pdf>.

16 Zu den »Nationalen Projekten« siehe ausführlich unten, S. 23ff.

17 UN Population Division, World Population Prospect 2006 [wie Fn. 1], S. 64.

18 Zuerst im Westen wahrgenommen von Nicholas Eberstadt/Hans Groth, »Eine Gesundheitskrise gefährdet Russlands Wachstum«, in: Neue Zürcher Zeitung, 5.8.2004, S. 23; Pamela Abbott/Claire Wallace, »Talking about Health and Well-Being in Post-Soviet Ukraine and Russia«, in: <st1:personname w:st="on">Journal</st1:personname> of Communist and Transition Politics, 23 (2007) 2, S. 181–202.

19 Murphy, »The Vanishing Russians, Part I« [wie Fn. 11].

20 Vgl. die letzten Zahlen der WHO, HIV/AIDS Country Profiles for the WHO European Region, <www.euro.who.int/aids/surveillance/20051114_1>. Schon den offiziellen Angaben zufolge ist damit die Verbreitung von AIDS in den vergangenen Jahren um das Hundertfache angewachsen: von 3623 (1993) auf 369 187 Fälle (2006). 2006 wurden 39 207 Neuerkrankungen registriert.

21 Murray Feshbach, HIV/AIDS in the Russian Military – Update, Washington, D.C.: Woodrow Wilson International Center for Scholars, prepared for UNAIDS Meeting, Copenhagen, 22.–23.2.2005, <www.wilsoncenter.org/docs/staff/Feshbach_militaryHIVFeb18.pdf>.

22 Dominique Moran, »The Geography of HIV/AIDS in Russia: Risk and Vulnerability in Transition«, in: Eurasian Geography and Economics, 46 (2005) 7, S. 525–551, hier S. 526.

23 UN Population Division, World Population Prospect 2006 [wie Fn. 1], S. 16.

24 David Alich, Uncertainty and Insecurity in the Life of Russian Men. A Reason for Changing Family and Fertility Behavior, Rostock: Max Planck Institute for Demographic Research, 2005 (Internal Report, 6/2005).

25 Claire Bigg, »Russia: Drug Users Face Lonely Recovery«, in: Radio Free Europe/Radio Liberty, 11.1.2008, <www.isn.ethz.ch/news/sw/details_print.cfm?id=18520>.

26 »Rossija v ciffrach« [Russland in Zahlen], in: Kommersant’’- Vlast’, 11.9.2006, S. 12. Hier findet sich auch der Hinweis, dass innerhalb einer Woche im September 2006 im Gebiet Belgorod 10 Menschen mit Alkoholvergiftungen in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Fünf von ihnen starben.

27 Nicholas Eberstadt, »Four Surprises in Global Demography«, in: Watch on the West. A Newsletter of FPRI’s Center for the Study of America and the West, 5 (2004) 5 <www.fpri.org/ww/0505.200407.eberstadt.demography.html>.

28 World Health Organization, Regional Office for Europe, Highlights on Health, Russian Federation 2005: Main Causes of Death, 23.10.2006, <www.euro.who.int/eprise/main/WHO/Progs/CHHRUS/sum/20041125_24>. Zuletzt Wiliam Alex Pridemore, »Die Rolle des Alkohols bei gewaltsamen Toden in Russland«, in: Russland-Analysen, (14.3.2008) 161, S. 2–6.


Literatur / Links

 

Rainer Lindner: Russlands defekte Demographie. SWP-Studie, Berlin 2008. http://www.swp-berlin.org/produkte/swp_studie.php?id=8874.

Erik Albrecht: Extremes Gefälle aus Tradition. In: Das Parlament 35/36,25.08./01.09.2008.

 

Rainer Lindner: Dramatischer Schwund. In: Das Parlament 35/36,25.08./01.09.2008.


Nicole Alexander: Abgehängt vom Aufschwung. In: Das Parlament 35/36,25.08./01.09.2008.

 

 

Stand: November 2008

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