
Auf der Grundlage von:
Arthur Haupt; Thomas Kane: Handbuch Weltbevölkerung, Balance Verlag, Stuttgart 1999.
Ergänzt und bearbeitet von Steffen Kröhnert, Rose-Elisabeth Herden und Rainer Münz, Humboldt-Universität Berlin
(auch Gesamtabhängigkeitsquotient, Lastquotient; engl. total dependency ratio)
Der Abhängigkeitsquotient bezeichnet das Verhältnis der wirtschaftlich abhängigen Altersgruppen (Personen, die noch nicht bzw. nicht mehr im erwerbsfähigen Alter sind) zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. In den Industriestaaten geht man auf Grund der meist längeren Ausbildungszeiten und des häufig frühen Rentenalters meist von einem produktiven Alter zwischen 20 und 60 Jahren aus, in weniger entwickelten Ländern ist eher ein produktives Alter von 15 bis 65 Jahren anzunehmen.
Die Gruppen der Jugendlichen bzw. der Senioren können auch einzeln zur produktiven Altersgruppe ins Verhältnis gesetzt werden. Man spricht dann vom Jugend- bzw. Altersabhängigkeitsquotienten. Der Abhängigkeitsquotient gibt an, wie hoch die Belastung einer Volkswirtschaft bzw. der Bevölkerung im produktiven Alter durch die nicht produktive Bevölkerung auf Grund der Altersstruktur ist.
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| Abhängigkeitsquotient |
| Personen der Altersklasse 0 bis 14 Jahre |
| Personen der Altersklasse ab 65 Jahre |
| Personen der Altersklasse 15 bis 64 Jahre |
Beispiel:
In Deutschland lebten im Jahr 2000 1.277.300 Personen im Alter unter 15 Jahren und 1.369.300 Personen über 65 Jahre. Im erwerbsfähigen Alter waren dagegen 21.276.500 Personen. Der Abhängigkeitsquotient beträgt demzufolge:

Das bedeutet, dass 100 Personen im erwerbsfähigen Alter ca. 47 Rentner und Kinder zu finanzieren haben. In Brasilien entfielen im gleichen Jahr 51 Kinder und Rentner auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter.
Abwanderung
(auch Emigration, engl. emigration)
Abwanderung bezeichnet das Verlassen einer bestimmten geographischen Einheit (Land, Region, Gemeinde) um in einer anderen geographischen Einheit einen dauerhaften oder temporären Wohnsitz zu nehmen. Siehe auch Wanderung
(engl. Gross Emigration Rate)
Die Abwanderungsrate ist ein Maß, das die Zahl der Abwanderer (Emigranten) pro Jahr je 1000 Einwohner einer geographischen Einheit angibt. Die Abwanderungsrate berücksichtigt nicht die im gleichen Zeitraum erfolgten Zuzüge und lässt deshalb keinen Rückschluss auf die Bevölkerungsentwicklung zu; hierfür ist die Wanderungsbilanzrate besser geeignet.

| Abwanderungsrate |
| Anzahl der abgewanderten Personen (Emigranten) im Zeitintervall (t0, t1) |
| Durchschnittsbevölkerung im Zeitintervall (t0, t1) |
Beispiel:
Im Jahr 2001 verzeichnete Berlin 114.857 Fortzüge bei einer durchschnittlichen Einwohnerzahl von 3.385.149 Einwohnern. Dies entspricht einer Abwanderungsrate von 34 Fortzügen je 1.000 Einwohner. Im gleichen Jahr wanderten jedoch auch 125.324 Personen nach Berlin zu, was in der Abwanderungsrate jedoch nicht zum Ausdruck kommt.
Agglomeration, Agglomerationsraum
(städtischer Verdichtungsraum)
Der Begriff Agglomerationsraum oder Verdichtungsraum ist eine generelle Bezeichnung für eine gegenüber dem Umland verdichtete Besiedlung, wobei ein bestimmter Wert der Bevölkerungsdichte erreicht werden muss. Es existiert dafür jedoch keine einheitliche Definition.
Gewöhnlich wird der Begriff "Agglomeration" für dicht besiedelte Regionen verwendet, die über die administrativen Grenzen einer einzelnen Stadt hinaus reichen. Eine Agglomeration bzw. Verdichtungsraum kann mehrere große Städte beinhalten (wie etwa das Ruhrgebiet), oder auch nur eine große Stadt, die jedoch über ihre administrativen Grenzen hinaus eine dichte Besiedelung generiert (wie Los Angeles).
Die Phänomene Großstadt, Metropole oder Megastadt werden mit dem Begriff "Agglomerationsraum" häufig bevölkerungsgeographisch besser beschrieben, da administrative Grenzen häufig nicht die tatsächliche Siedlungs- und Verdichtungsstruktur der Region wiedergeben.
Alter
Das Alter oder Lebensalter oder chronologisches Alter ist ein grundlegendes Merkmal bei der Untersuchung der Struktur einer Bevölkerung. Es wird im allgemeinen angegeben nach Jahren, oder Jahren und Monaten bzw. auch nach Altersstufen (z.B. die 0- bis unter 5-Jährigen; die 0- bis unter 10-Jährigen etc.). In der Demografie wird das Alter gewöhnlich auf die Zahl der abgeschlossenen Lebensjahre abgerundet. Man spricht dann von vollendeten Altersjahren, was dem Alter beim letzten Geburtstag entspricht.
Alters- und Geschlechtsstruktur
Die Alters- oder Geschlechterstruktur einer Population gibt Auskunft über die Anzahl oder den Anteil der männlichen und weiblichen Personen in den Altersgruppen sowie den Anteil einzelner Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung.
Sie ergibt sich aus der Summe der demographischen Ereignisse wie Geburten, Sterbefälle und Wanderungen in den vorangegangenen Jahren. Kenntnis der Alters- und Geschlechterstruktur einer Gesellschaft ist wichtig für die Beschreibung und Prognose demographischer Entwicklungen.
Vgl. Bevölkerungspyramide
Altersabhängigkeitsquotient
(auch Altenlastquotient; engl. old age dependency ratio)
Der Altersabhängigkeitsquotient bezeichnet das Verhältnis der in der Regel wirtschaftlich abhängigen "Alten" einer Population zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter.
Siehe auch Abhängigkeitsquotient

| Altersabhängigkeitsquotient |
| Personen der Altersklasse ab 65 Jahre |
| Personen der Altersklasse 15 bis 64 Jahre |
Beispiel:
In Deutschland lebten im Jahr 2000 1.369.300 Personen über 65 Jahre. Im erwerbsfähigen Alter waren dagegen 21.276.500 Personen. Der Abhängigkeitsquotient beträgt demzufolge:

Das bedeutet, dass 100 Personen im erwerbsfähigen Alter ca. 24 Personen im Pensionsalter zu finanzieren haben. In Brasilien entfielen im gleichen Jahr 8 Rentner auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter.
Alterspyramide
Siehe Bevölkerungspyramide
Altersspezifische Rate
Eine altersspezifische Rate gibt die Häufigkeit von demographischen Ereignissen oder Merkmalen nicht für die Gesamtpopulation, sondern für eine bestimmte Altersgruppe an. (z.B. Fertilitätsrate der Frauen in der Altersgruppe zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr).
Alterung
Demografische Alterung tritt bei einem steigenden Anteil der älteren und sinkenden Anteil der jüngeren Bevölkerung auf. Das Medianalter der Population steigt. Ursache dieser Entwicklung kann sinkende Fertilität, steigende Lebenserwartung oder auch die Abwanderung jüngerer Bevölkerungsgruppen sein.
Beispiel:
In Deutschland waren im Jahr 1950 lediglich 14,6 Prozent der Gesamtbevölkerung älter als 60 Jahre. Im Jahr 2000 betrug dieser Anteil bereits 23,2 Prozent. Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 38 Prozent der deutschen Bevölkerung älter als 60 Jahre sein.
Ein/e Asylberechtigte/r ist eine Person, die ein nach der geltenden staatlichen Gesetzgebung geregeltes Asylverfahren durchlaufen hat und als asylberechtigt anerkannt wurde. Anspruch auf Asyl hat in Deutschland jede Person, die in ihrer Heimat politisch verfolgt wird und aus diesem Grund schwerwiegende Angriffe auf sein Leben, seine Gesundheit oder seine Freiheit zu befürchten hat.
Dabei muss die Verfolgung über das Maß hinausgehen, das die Bewohner des Heimatstaates auf Grund des dort herrschenden Systems allgemein hinzunehmen haben. Asylsuchende aus Bürgerkriegsgebieten erhalten deshalb in der Regel kein Asyl, da sich die Verfolgung nicht gezielt gegen sie richtet. Solche Flüchtlinge können lediglich Schutz als Konventionsflüchtling erhalten.
"Babyboom"
Der "Babyboom" bezeichnet einen starken Anstieg der Fertilitätsraten und der absoluten Zahl der Geburten in zahlreichen Ländern unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg. Er trat zuerst in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland auf (1947 bis 1961).
Mit Verzögerung fand ein Babyboom auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt (1957-65). Die Ursache des Babybooms wird vor allem im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung nach Ende des Weltkrieges gesehen.
Der Begriff "ältere Bevölkerung" beschreibt die Altersstruktur einer Population mit einem relativ hohen Anteil älterer Personen, in der Regel mit einem Medianalter von über 30 Jahren.
Beispiel:
Praktisch alle Industrieländer besitzen heute "ältere Bevölkerungen". An der Spitze liegt Japan mit einem Medianalter von 41 Jahren. Jedoch auch Deutschland (40 Jahre) und die USA (36 Jahre) fallen in diese Kategorie. Die am wenigsten "alte" Bevölkerung in Europa hat Polen, mit einem Medianalter von 35 Jahren.
Der Begriff "junge Bevölkerung" beschreibt die Altersstruktur einer Population mit einem hohen Anteil an jungen Menschen, in der Regel bei einem Medianalter unter 20 Jahren.
Beispiel:
Viele Länder Afrikas habe "junge Bevölkerungen", so z.B. Nigeria mit einem Medianalter von 17,2 Jahren oder Kenia mit 18 Jahren.
Der Begriff "mittlere Bevölkerung" beschreibt die Altersstruktur mit einem relativ ausgeglichenen Verhältnis zwischen jungen und alten Personen, in der Regel mit einem Medianalter zwischen 20 und 30 Jahren.
Beispiel:
Die meisten lateinamerikanischen Länder besitzen eine solche "mittlere Bevölkerung", so etwa Peru mit einem Medianalter von 23, Brasilien mit 26 oder Argentinien mit 29 Jahren.
Siehe Alterung, demografische
Bevölkerungsbewegung
Die Bevölkerungsbewegung bezeichnet die Gesamtheit der demografischen Ereignisse (Geburten und Sterbefälle, Zu- und Fortzüge) einer Population in einem Zeitintervall. Dabei werden natürliche Bevölkerungsbewegung sowie räumliche Bevölkerungsbewegung unterschieden.
Während die natürliche Bevölkerungsbewegung Geburten und Sterbefälle betrachtet, umfasst die räumlich Bevölkerungsbewegung Zu- und Abwanderungen (Siehe auch Migration). Die Bevölkerungsbewegung wird mathematisch mit Hilfe der Bilanzgleichung ausgedrückt.
Bevölkerungsbewegung, natürliche
Die natürliche Bevölkerungsbewegung bezeichnet Anzahl und Verhältnis von Geburten und Sterbefällen in einer Population.
Siehe Bevölkerungsbewegung
Bevölkerungsbewegung, räumliche
Die räumliche Bevölkerungsbewegung bezeichnet Anzahl und Verhältnis von Zu- und Abwanderungen in einer Population.
Siehe Bevölkerungsbewegung
Bevölkerungsdichte
Die Bevölkerungsdichte gibt die Zahl der Bewohner pro Flächeneinheit an, in der Regel die Zahl der Einwohner pro Quadratkilometer. Für spezielle Berechnungen können bestimmte Teile der Bodenfläche aus der Berechnung ausgeschlossen werden. So werden bei der "physiologischen Bevölkerungsdichte" eines Staats nur die tatsächlich besiedelten und genutzten Gebiete berücksichtigt.
"Bevölkerungsexplosion"
Der Begriff Bevölkerungsexplosion beschreibt ein sehr rasches Bevölkerungswachstum. Der Begriff wird insbesondere im Zusammenhang mit der starken Bevölkerungszunahme in Entwicklungsländern verwendet.
Beispiel:
Liberia hatte im Jahr 1950 eine Gesamtbevölkerung von 823.000 Einwohnern. Bis zum Jahr 2000 stieg die Einwohnerzahl um 250 Prozent auf 2,9 Millionen. Bis 2025 wird ein weiteres Bevölkerungswachstum auf 7,6 Millionen Einwohner erwartet.
Mit dem Bevölkerungsoptimum soll eine für die ökologische und ökonomische Entwicklung einer Region optimale Bevölkerungsgröße bezeichnet werden. Bei einer "Überbevölkerung" können die Grenzen der Tragfähigkeit einer Region erreicht werden.
Es gibt jedoch kein objektives Kriterium, ein Bevölkerungsoptimum festzulegen. Es ist weniger die absolute Bevölkerungszahl, sondern vielmehr der Entwicklungsstand und die Art des Ressourcenverbrauchs einer Bevölkerung, welche die Tragfähigkeit eines Gebietes beeinflusst.
Andererseits scheint eine bestimmte Mindestgröße der Bevölkerung Anreize für technische und wirtschaftliche Innovationen zu liefern und stellt einen Pool von Arbeitskräften und Konsumenten für die wirtschaftliche Entwicklung bereit, von der zu dünn besiedelte Gebiete nicht profitieren können.
Gesamtheit aller staatlichen Maßnahmen zur Beeinflussung von Größe, Wachstum und räumlicher Verteilung einer Bevölkerung.
Hinsichtlich politischer Maßnahmen, mit denen die natürliche Bevölkerungsbewegung beeinflusst werden soll, unterscheidet man pronatalistische und antinatalistische Bevölkerungspolitik
Bevölkerungspolitik, antinatalistische
Antinatalistische Politik bezeichnet die Gesamtheit der Maßnahmen einer Regierung, über eine Begrenzung der Geburtenzahlen das Bevölkerungswachstum zu verlangsamen.
Viele Staaten der Dritten Welt, die in den vergangenen Jahrzehnten eine Bevölkerungsexplosion erlebt haben, betreiben heute eine antinatalistische Politik. Etwa 60 Prozent aller Entwicklungsländer verfügten 2002 über politische Programme, um die Fertilität zu reduzieren. Dies erfolgt im wesentlichen durch Aufklärung der Bevölkerung über Schwangerschaftsverhütung und Bereitstellung von Kontrazeptiva, aber auch durch materielle Anreize zur Geburtenbeschränkung.
Vereinzelt versuchten Regierungen auch, mit repressiven Mitteln Geburtenzahlen zu reduzieren. So wurden in Indien (1970er Jahre) oder China (1980er Jahre) auch Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen durchgeführt.
Bevölkerungspolitik, pronatalistische
Pronatalistische Bevölkerungspolitik bezeichnet politische Maßnahmen einer Regierung, die auf eine Erhöhung der Geburtenzahl und damit auf Bevölkerungswachstum bzw. auf die Verhinderung von Bevölkerungsrückgang ausgerichtet sind. Dies erfolgt meist mit Hilfe von familienpolitischen Maßnahmen wie finanzielle Anreize oder materielle Vergünstigungen, die im Zusammenhang mit der Geburt von Kindern gewährt werden (z.B. in Frankreich).
Gelegentlich haben Regierungen auch versucht, mit Hilfe repressiver Maßnahmen einen Geburtenzuwachs zu erreichen, etwa durch das Verbot von Verhütungsmitteln oder von Schwangerschaftsabbrüchen (z.B. in Rumänien in den 1960er Jahren). Die langfristige Wirksamkeit politischer Maßnahmen zur Geburtenförderung gilt als sehr begrenzt. Nachgewiesene langfristige Wirkungen, wenn auch von geringem Ausmaß, zeigen heute lediglich Maßnahmen, die auf eine bessere Vereinbarkeit von Frauenerwerbstätigkeit und Kindererziehung abzielen.
Bevölkerungsprojektionen sind demographische Methoden, bei denen, auf Grundlage einer bekannten Alters- und Geschlechterstruktur, mit Hilfe von Annahmen über die zukünftige Entwicklung von Fertilität, Mortalität oder Migration Aussagen über die zukünftige Entwicklung einer Population getroffen werden sollen.
Die Berechnungen erfolgen meist mittels einer Kohorten-Komponenten-Methode, wobei die Berechnungen in der Regel für verschieden Szenarien erfolgen, je nachdem ob ein hoher, mittlerer oder niedriger Wert für die betrachteten demographischen Kennziffern angenommen wird.
Beispiel einer Bevölkerungsprojektion für Deutschland:
Jahr | niedriges Szenario | mittleres Szenario | hohes Szenario |
1995 (Stand) | 81.283 | 81.283 | 81.283 |
2015 | 77.679 | 80.365 | 84.326 |
2030 | 69.955 | 74.846 | 81.180 |
Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin, Lehrstuhl Bevölkerungswissenschaft
Annahmen:
Niedriges Szenario: Zuwanderung 80.000 Personen pro Jahr
Mittleres Szenario: Zuwanderung 190.000 Personen pro Jahr
Hohes Szenario: Zuwanderung 300.000 Personen pro Jahr
Bevölkerungspyramide
Die Bevölkerungspyramide ist die grafische Darstellung der Alters- und Geschlechterstruktur einer Bevölkerung. Dabei werden in einem Koordinatensystem Altersgruppen als Anzahl oder Anteil in Form eines liegenden Balkens abgebildet und übereinander gestapelt. Von der Mittelachse des Koordinatensystems aus wird dabei links die Anzahl der männlichen und rechts die Anzahl der weiblichen Personen abgetragen.
Daraus ergibt sich, zumindest für traditionelle Gesellschaften mit dauerhaft über der Fertilität liegender Sterblichkeit, eine pyramidenförmige Gestalt: eben die Bevölkerungspyramide. Bei zurückgehender Fertilität kann sich eine "Bevölkerungspyramide" auch umkehren. Bei einer Überzahl an Personen in älteren Jahrgängen nimmt sie dann eine Urnenform an. Die Bevölkerungspyramide stellt stets eine Momentaufnahme der Alters- und Geschlechterstruktur dar und bezieht sich auf einen Stichtag.
Bevölkerungsregister, Einwohnerregister
Bevölkerungsregister sind staatliche demographische und sozioökonomische Datensammlungen für die gesamte oder für Teile der Bevölkerung, die ständig aktualisiert werden.
In Ländern wie Dänemark, Schweden und Israel gibt es umfassende Register für die Gesamtbevölkerung mit aktuellen Angaben der wichtigen Ereignisse (Geburt, Heirat, Umzug, Tod) für alle Einwohner. In anderen Ländern gibt es Teilregister, so z.B. Sozialversicherungs- und Wählerregister in den USA und das Ausländerzentralregister in Deutschland. In Österreich befindet sich ein Einwohnerregister im Aufbau. Länder mit Gesamtregistern haben die Möglichkeit, die allgemeine Volkszählung mittels Fragebogen durch eine Registerzählung zu ersetzen.
Zahl und Zusammensetzung einer Bevölkerung nach Geschlecht, Alter, Familienstand und anderen Merkmalen (z.B. Staatsbürgerschaft, Erwerbsstatus, ethnische Zugehörigkeit) an einem bestimmten Stichtag. Siehe auch Alters- und Geschlechterstruktur, Vgl. Bevölkerungsbewegung
Mit dem Begriff Bevölkerungsstruktur bezeichnet man Anteile oder Verteilung von Bevölkerungsgruppen mit bestimmten Merkmalen innerhalb einer Gesamtpopulation.
In der Demografie sind dies am häufigsten die Merkmale Alter und Geschlecht (Alters- und Geschlechterstruktur), es kann jedoch auch von einer Bevölkerungsstruktur nach Berufen, Bildungsstand, Einkommen o.ä. gesprochen werden.
Streuung der Bevölkerung im Raum nach ihrer absoluten Zahl oder nach ihren Siedlungsplätzen. Während die Bevölkerungsdichte als Relativzahl die "Belastung" der Fläche durch die auf ihr wohnenden Menschen angibt, steht bei der Bevölkerungsverteilung das Distanzmoment im Mittelpunkt der Betrachtung.
Neben einer mehr oder weniger gleichmäßigen Streuung der Bevölkerung in der Fläche (Dispersion) treten verschiedene Formen der Bevölkerungskonzentration auf. Hierbei kommt es zu einer Ballung von Menschen an einem Ort (zentralisiert) oder mehreren Orten (dezentralisiert) der betrachteten Fläche.
Bevölkerungswachstum und Bevölkerungsrückgang
Veränderung der Bevölkerungsgröße zwischen zwei Stichtagen als Ergebnis der Geburten/ und Sterbefälle sowie der Zu- und Abwanderungen (Migration). Vgl. Bevölkerungsbewegung
Bevölkerungswachstum, natürliches
Von natürlichem Bevölkerungswachstum spricht man, wenn eine Population einen Überschuss der Geburten über die Sterbefälle aufweist.
Bilanzgleichung, demografische
(auch demografische Komponentengleichung)
Demografische Grundformel für die Veränderung einer Bevölkerungsgröße in einem Zeitintervall.
Dabei wird sowohl die natürliche Bevölkerungsbewegung (Geburten und Sterbefälle) als auch die räumliche Bevölkerungsbewegung (Zu- und Wegzüge) berücksichtigt.
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| Bevölkerungsgröße am Beginn (t0) und am Ende (t1) der Beobachtungs-periode |
| Anzahl der Lebendgeborenen im Zeitintervall (t0, t1) |
| Anzahl der Gestorbenen im Zeitintervall (t0, t1) |
| Anzahl der zugezogenen Personen (Immigranten) im Zeitintervall (t0, t1) |
| Anzahl der abgewanderten Personen (Emigranten) im Zeitintervall (t0, t1) |
Beispiel:
Deutschland 2001
Bevölkerung Ende 2000: | 82.248.000 |
Bevölkerungsbewegung im Jahr 2001 |
|
Lebendgeborene: | 734.000 |
Gestorbene: | 829.000 |
Zuzüge: | 879.000 |
Fortzüge: | 606.000 |
Bilanzgleichung:
Bevölkerungsstand (Ende 2001) = 82.248.000+734.000-829.000+879.000-606.000=82.426.000
Nach der Bilanzgleichung leben Ende 2001 82.426.000 Personen in Deutschland.
Allgemein sind Binnenwanderungen solche Wanderungsbewegungen, die innerhalb einer betrachteten geographischen (oder politischen) Einheit stattfinden.
Häufig versteht man darunter Wanderungen innerhalb eines Staates (im Gegensatz zu internationalen Wanderungen). Wichtige historische Binnenwanderungsvorgänge sind z.B. die Land-Stadt-Wanderung oder die Suburbanisierung.
Mit Brain drain wird die Abwanderung von Menschen mit hohem Bildungsstand bezeichnet, z.B. in Länder, die bessere wirtschaftliche Möglichkeiten bieten.
Bruttoreproduktionsrate
Die Bruttoreproduktionsrate gibt an, wie viele Töchter eine Frau der untersuchten Population durchschnittlich in ihrem Leben zur Welt bringen würde, wenn die altersspezifischen Fertilitätsziffern eines gegebenen Jahres als konstant angenommen werden. Die Bruttoreproduktionsrate ist demzufolge die auf die Zahl der Töchter beschränkte Gesamtfruchtbarkeitsrate.
Vgl. Nettoreproduktionsrate, Gesamtfruchtbarkeitsrate

| Bruttoreproduktionsrate |
| Anzahl der von Frauen in der Altersklasse x lebend geborenen Mädchen (entsprechend der alterspezifischen Fertilitätsrate und Anteil der Mädchen an der Geborenenzahl) |
| Anzahl der Frauen in der Altersklasse x |
DALY
DALY ist die Abkürzung für Disease-Adjusted Life Years. Mit DALY soll nicht nur die Sterblichkeit sondern auch die Beeinträchtigung des normalen, beschwerdefreien Lebens durch eine Krankheit erfasst werden. Die Zahl der verlorenen Lebensjahre durch vorzeitigen Tod (verlorene Lebensjahre) wird mit dem Verlust an Lebenszeit durch Behinderung bzw. Erkrankung kombiniert. Dabei gehen Erkrankungs- bzw. Behinderungsjahre als "verlorene Lebensjahre" prozentual je nach Grad der Beeinträchtigung in die Berechnung ein.
Die Demografie, auch Bevölkerungswissenschaft, vereinigt Elemente von Soziologie, Geographie, Medizin und Ökonomie. Sie beinhaltet die wissenschaftliche Untersuchung menschlicher Populationen, analysiert Größe, Zusammensetzung, Verteilungen, Dichte, Wachstum und andere Eigenschaften von Populationen sowie ihre Veränderungen und betrachtet deren Ursachen und Folgen.
(auch demografische Transformation, demografischer Übergang, engl. demographic transition)
Die Demografische Transition bezeichnet den historischen Prozess des Übergangs von hohen zu niedrigen Geburten- und Sterberaten. Dabei lassen sich heute mindestens vier verschiedene Phasen der demografischen Transition unterscheiden:
Demografischer Übergang
Siehe Demografische Transition
Demografisches Momentum
Der Begriff demografisches Momentum oder auch Trägheitseffekt bezeichnet die Eigenschaft von Populationen, die Tendenz von Bevölkerungswachstum oder -rückgang auch noch nach Eintritt des Ersatzniveaus beizubehalten.
Eine Bevölkerung, deren Fertilität auf das Ersatzniveau oder bereits darunter gesunken ist, kann noch mehrere Jahrzehnte weiter wachsen, da hohe Fertilitätsraten in der Vergangenheit zu einer starken Besetzung der jungen Altersgruppen geführt haben, die nun ins fertile Alter eintreten (Beispiel: China). Ebenso ist ein negatives Momentum denkbar: Würde Deutschland im Jahr 2000 das Ersatzniveau der Fertilität erreichen und weitere 100 Jahre halten können, so nähme die Bevölkerungszahl trotzdem weitere 70 Jahre ab. Dies liegt an der geringen Besetzung derjenigen Altersklassen, welche die zukünftige Elterngeneration darstellen.
Durchschnittsalter
Das Durchschnittsalter einer Population zu einem bestimmten Zeitpunkt ist das arithmetisches Mittel des Alters aller Personen dieser Population. Siehe auch Medianalter.

| Durchschnittsalter der Bevölkerung |
| Bevölkerungsgröße |
| Alter der Person i |
Beispiel:
Das Durchschnittsalter aller Erwerbstätigen in Deutschland betrug im Jahr 1999 39,5 Jahre. Damit ist es seit 1991 um fast ein Jahr gestiegen. In einzelnen Berufsgruppen ist das Durchschnittsalter noch höher, deutsche Lehrer waren im Jahr 2000 durchschnittlich 47,3 Jahre alt.
Ehescheidungsziffer
Siehe Scheidungsrate
Eheschließungsziffer
Siehe Heiratsrate
Emigration
Siehe Abwanderung
Epidemiologie
Die Epidemiologie ist eine Wissenschaftsdisziplin, die sich mit der Verbreitung und dem Verlauf von Krankheiten und deren verursachenden Faktoren in der Bevölkerung befasst. Während sie ursprünglich ihren Schwerpunkt in der Untersuchung der Ausbreitung infektiöser Erkrankungen und deren Bekämpfung hatte, hat sich heute, zumindest in den Industriestaaten, eine Verlagerung hin zur Verursachung (Ätiologie) chronischer Erkrankungen ergeben.
Epidemiologische Transformation
Der Begriff der epidemiologischen Transformation bezeichnet die Veränderung der menschlichen Todesursachenstruktur im historischen Verlauf.
Herrschten in der vorindustriellen Bevölkerung parasitäre und infektiöse Erkrankungen als Todesursachen vor, konnten solche Erkrankungen durch Verbesserung der Ernährungs- und Lebensbedingungen, sowie durch medizinischen Fortschritt immer mehr zurückgedrängt werden. Haupttodesursachen werden nun mehr und mehr degenerative Erkrankungen, vor allem Herzkrankheiten und Krebs.
Viele Entwicklungsländer haben den Prozess der epidemiologischen Transformation noch nicht vollzogen. Deshalb unterscheidet sich die Todesursachenstruktur zwischen Erster und Dritter Welt deutlich. Der epidemiologische Übergang ist jedoch nicht irreversibel. Durch neue Epidemien (wie AIDS) oder gesellschaftlichen Niedergang (wie in Staaten der ehemaligen Sowjetunion) kann die Sterblichkeit durch infektiöse Krankheiten wieder ansteigen.
Beispiel:
In den Entwicklungsländern waren 1997 43% aller Todesfälle durch infektiöse und parasitäre Erkrankungen verursacht. Im gleichen Jahr betrug diese Zahl in den Industrieländern 1%. Bösartige Neubildungen (Krebs) verursachten 21% der Sterbefälle in den Industrieländern, jedoch nur 9% der Sterbefälle in den Entwicklungsländern.
Ereignis, demografisches
Als demografische Ereignisse bezeichnet man jene Prozesse der Mikroebene, die zur Veränderung der Bevölkerungsstruktur beitragen. In erster Linie sind dies Geburten, Sterbefälle und Wanderungen, jedoch werden auch Familienstandsänderung (Eheschließungen, Scheidungen, Verwitwungen) als demografische Ereignisse aufgefasst.
Ereignismaße
Ersatzniveau
Das Ersatzniveau bezeichnet die durchschnittlich notwendige Kinderzahl pro
Paar bzw. pro Frau in einer Population, die zum Ersatz der gesamten Elterngeneration führt und damit dafür sorgt, dass die Populationsgröße dauerhaft stabil bleibt. In entwickelten Gesellschaften mit niedriger Kindersterblichkeit müssen dazu durchschnittlich 2,1 Kinder je Frau geboren werden.
Erstheiratsrate, altersspezifische
(auch Erstheiratsziffer, engl. Age-Specific Nuptiality Rate)
Altersspezifische Erstheiratsraten geben an, welcher Anteil von Personen einer bestimmten Altersklasse im betrachteten Jahr eine Ehe geschlossen hat.

| Alterspezifische Erstheiratsrate von Frauen |
| Anzahl der Eheschließungen lediger Frauen der Alterklasse x im Zeitintervall (t0, t1) |
| mittlere Anzahl von Frauen der Altersklasse x im Zeitintervall (t0, t1) |
Erstheiratsrate, zusammengefasste
(auch zusammengefasste Erstheiratsziffer, allgemeine Erstheiratsziffer, engl. Completed Nuptiality Rate)
Zusammengefasste Erstheiratsraten stellen die Summe aller altersspezifischen Erstheiratsraten dar. Sie können entweder für eine bestimmte Geburtskohorte oder für ein bestimmtes Kalenderjahr ermittelt werden.
Kohortenbezogene zusammengefasste Erstheiratsraten geben an, wie hoch in der betrachteten Geburtskohorte der Anteil derjenigen Personen ist, die bis zum Alter von 50 Jahren mindestens ein Mal geheiratet haben. Dieser Wert kann im Prinzip nur ex post bestimmt werden, also wenn die betrachtete Kohorte das 50.Lebensjahr erreicht hat.
Eine jahresspezifische zusammengefasste Erstheiratsrate fasst die Erstheiratsraten aller Altersgruppen in einem bestimmten Kalenderjahr zusammen. Dies ist einfach zu berechnen, unterliegt jedoch starken Einflüssen temporärer Veränderungen der Heiratsneigung und der Veränderung der durchschnittlichen Heiratsalters.

| zusammengefasste Erstheiratsrate von Frauen |
| Alterspezifische Erstheiratsraten von Frauen |
| höchste betrachtete Alterklasse |
Eine Ethnie stellt eine familienübergreifende Gruppe von Personen dar, die sich selbst eine kollektive Identität zuschreibt. Als Identifikationsmerkmale können sowohl kulturelle (Sprache, Kultur, Geschichte, Traditionen) herangezogen werden, als auch physische Merkmale.
Die Abgrenzung von Ethnien beruht auf einer Definition, die von ihren Mitgliedern selbst stammt und in einer Dichotomie von "wir-andere" verankert ist. Ethnische Gruppen, die als Minderheiten wahrgenommen werden, sind sich oft bewusst, dass ihre Herkunft, Kultur, Sprache oder Religion und damit auch ihre Verhaltensweisen sie von anderen unterscheiden.
Expositionsrate
Bei einer Expositionsrate wird eine Anzahl demografischer Ereignisse auf diejenige Teilpopulation bezogen, die in dem zu untersuchenden Zeitintervall auch tatsächlich dem Risiko unterlagen, das Ereignis zu erfahren.
So ist beispielsweise die Erstheiratsrate Lediger die Anzahl der Eheschließungen je 1000 ledige Personen in einem Zeitintervall. Bei Nichtexpositionsraten sind dagegen nicht alle Mitglieder der Bezugspopulation dem Risiko des untersuchten Ereignisses ausgesetzt. (So bezieht etwa die rohe Geburtenrate die Anzahl der Geburten auf die Gesamtbevölkerung, obwohl Männer, Kinder und Alte nicht dem Risiko einer Geburt unterliegen).
Fallziffer
Zahl der Fälle einer bestimmten Krankheit pro Jahr je 100.000 Personen einer Bevölkerung. Sie erfasst jene Personen mehrmals, die im Bezugszeitraum mehrmals erkrankt sind (im Gegensatz zur Erkrankungsziffer).
Familie
Der Begriff Familie ist, ungeachtet seiner alltagssprachlichen Verbreitung, nicht einheitlich definiert. Er kann sowohl als rechtliche (im Sinne der gemeinsamen Wohnung und Wirtschaftsführung) als auch als sozio-biologische Einheit (im Sinne der Abstammung oder Fürsorge) definiert werden.
In der Soziologie wird häufig nur eine Gruppe von mindestens zwei Personen, die zueinander in einer Generationenbeziehung stehen, als Familie aufgefasst. Das Vorhandensein einer Eltern-Kind-Beziehung ist hier das konstituierende Element (während Lebenspartnerschaften ohne Kinder als Paar- oder Zweierbeziehung aufgefasst werden).
Rechtlich und politisch wird jedoch auch das Kriterium der Verheiratung oder der Lebenspartnerschaft (auch ohne Kinder) als Familie begründend angesehen. Bevölkerungsstatistisch werden, anders als familiensoziologisch, immer nur in einem Haushalt zusammenlebenden Personen als Familie verstanden. In Anlehnung an Empfehlungen der UN zählen in Deutschland sowohl Ehepaare mit und ohne Kinder als auch alleinerziehende ledige, verheiratet getrennt lebende, geschiedene und verwitwete Mütter und Väter mit ihren im gleichen Haushalt lebenden ledigen Kindern (bevölkerungsstatistisch) als Familien.
Familienplanung
Bewusste Maßnahmen von Paaren, um die Zahl und den zeitlichen Abstand ihrer Kinder durch künstliche oder natürliche Empfängnisverhütung zu beeinflussen. Familienplanung beinhaltet nicht nur die Kontrolle der Empfängnis, um Schwangerschaften zu verhindern, sondern auch bewusste Maßnahmen, um eine Schwangerschaft herbeizuführen.
Vgl. antinatalistische Politik, pronatalistische Politik.
Fertilität
(auch Fruchtbarkeit, engl. fertility)
Im biologischen Sinn wird bereits die potenzielle Fähigkeit, sich fortzupflanzen, als Fertilität aufgefasst (auch Fekundität, Fortpflanzungsfähigkeit).
Demgegenüber bezeichnet der Begriff Fertilität in der Demografie nur die tatsächlich realisierten Geburten (Geburtenhäufigkeit) einer Einzelperson, eines Paares, einer Gruppe oder einer gesamten Bevölkerung. Als demographische Maße für Fertilität werden allgemeine und altersspezifische Fertilitätsraten sowie die Gesamtfertilitätsrate berechnet.
Fertilitätsrate, allgemeine
(auch Fruchtbarkeitsziffer, allgemeine, engl. general fertility rate)
Die allgemeine Fertilitätsrate gibt die Zahl der lebend geborenen Kinder je 1000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 45 Jahren (manchmal zwischen 15 und 49 Jahren) an. Die Berechnung erfolgt unabhängig vom Familienstand der Frauen bzw. der Legitimität der Kinder.

| allgemeine Fertilitätsrate |
| Anzahl der im Zeitintervall (to, t1) lebend geborenen Kinder |
| mittlere Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter im Zeitintervall (to, t1) |
Beispiel:
Deutschland 1999: Lebendgeborene: 770.744
Zahl der Frauen in der Altersgruppe 15 bis unter 45 Jahre: 16.881.100
1999 wurden in Deutschland von 1000 Frauen im gebärfähigen Alter 46 Kinder lebend geboren.
Fertilitätsrate, altersspezifische
(auch Fruchtbarkeitsziffer, alterspezifische, engl. age-specific fertility rate)
Die altersspezifische Fertilitätsrate bezeichnet die Zahl der von Frauen einer bestimmten Altersgruppe (z.B. Frauen zwischen 20 und 25 Jahren) lebend geborenen Kinder bezogen auf 1000 Frauen in der betreffenden Altersgruppe.
| altersspezifische Fertilitätsrate |
| Anzahl der von x-jährigen Müttern im Zeitintervall (to, t1) lebendgeborenen Kinder |
| mittlere Anzahl der x-jährigen Frauen im Zeitintervall (to, t1) |
Beispiel:
Deutschland 1999:
Zahl der Geburten bei Frauen im Alter von 30: | 60.007 |
Zahl der Frauen im Alter von 30: | 627.900 |
Im Jahr 1999 wurden in Deutschland von 1.000 Frauen der Altersgruppe 30 96 Kinder lebend geboren.
(auch Fruchtbarkeitsziffer, eheliche)
Die eheliche Fertilitätsrate bezeichnet die Zahl der ehelichen Geburten pro Jahr je 1000 verheirateter Frauen zwischen 15 und 45 Jahren bzw. 15 und 49 Jahren.

| eheliche Fertilitätsrate |
| Anzahl der von verheirateten Müttern im Zeitintervall (to, t1) lebend geborenen Kinder |
| mittlere Anzahl der verheirateten Frauen im Zeitintervall (to, t1) |
Flüchtling
Ein Flüchtling nach der Genfer Flüchtlingskonvention ist eine Person, die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will.
Für demografische Berechnungen wird als "gebärfähiges Alter" i.d.R. die Zeit zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr einer Frau angenommen.
Teilweise wird, insbesondere bei Berechnungen für Entwicklungsländer, wo häufiger auch nach dem 45. Lebensjahr noch Kinder geboren werden, der Zeitraum bis zum 49. Lebensjahr einbezogen. Außerhalb dieser Zeitspanne treten kaum noch Geburten auf.
Geburtenrate, rohe
(auch Geburtenziffer, rohe; Geburtenziffer, allgemeine, engl. crude birth rate)
Die rohe Geburtenrate bezeichnet die Zahl der lebendgeborenen Kinder pro Jahr je 1.000 Einwohner eines Gebietes. Anders als Fertilitätsraten werden also hier die Geburten nicht nur auf Frauen im gebärfähigen Altern, sondern auf die Gesamtpopulation bezogen.
Altersstruktureffekte können sich so in rohen Geburtenraten deutlich bemerkbar machen.

| rohe Geburtenrate |
| Anzahl der im Zeitintervall (to, t1) lebend geborenen Kinder |
| Durchschnittsbevölkerung im Zeitintervall (t0, t1) |
Beispiel:
Deutschland 2001
Geburten: | 734.000 |
Durchschnittsbevölkerung: | 82.340.000 |

Im Jahr 2001 wurden in Deutschland je 1000 Einwohner 9,4 Kinder lebend geboren. In Indien waren dies im gleichen Jahr 26,2; in China 16,2 und in Niger 55,4 Kinder je 1.000 Einwohner.
Generation
Unter einer Generation wird allgemein eine Gruppe gleichzeitig geborener und aufgewachsener Individuen bezeichnet. Dabei wird jedoch nicht auf einzelne Geburtsjahrgänge, sondern, im soziologischen Sprachgebrauch, historische Ereignisse oder Situationen Bezug genommen, die eine ganze Reihe von Geburtsjahrgängen geprägt haben. So bezeichnet man die zwischen 1939 und 45 Geborenen als "Kriegskinder-Generation" oder die Jahrgänge 1950 bis 1960 als "Wirtschaftswunder-Generation".
Demografisch ist von einer Generation häufig dann die Rede, wenn von der Gruppe der gleichzeitig fertilen Bevölkerung gesprochen wird. Vgl. Kohorte
Generative Struktur
Die generative Struktur einer Gesellschaft bezeichnet - auf der Makroebene - die Summe des generativen Verhaltens ihrer Mitglieder.
Als generatives Verhalten bzw. Handeln wird der die Fortpflanzung betreffende Teil demographisch relevanten menschlichen Verhaltens aufgefasst, so z.B. Zeitpunkt und Häufigkeit sexueller Kontakte, Eheschließungen, Schwangerschaftsverhütung, Geburten, Scheidungen, Abtreibungen u.ä. Die Zahl der Kinder eines Paares ist auf dessen generatives Verhalten zurückzuführen.
(auch Gesamtfruchtbarkeitsrate, zusammengefasste Geburtenziffer, engl. total fertility rate, TFR)
Die Gesamtfertilitätsrate gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich bekommen würde, wenn die für den gegebenen Zeitpunkt maßgeblichen altersspezifischen Fruchtbarkeitsverhältnisse der betrachteten Population als konstant angenommen werden.
Die Gesamtfertilitätsrate errechnet sich als Summe der altersspezifischen Fertilitätsraten. Sie fasst die Fertilität aller Frauen in einem Bezugszeitraum (Zeitintervall t0, t1) zusammen.

| Gesamtfertilitätsrate |
| altersspezifische Fertilitätsrate |
Beispiel:
Deutschland: Veränderung der Gesamtfertilitätsrate 1950-1999
| 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 1995 | 1999 |
Ost- | 2,4 | 2,3 | 2,2 | 1,9 | 1,5 | 0,8 | 1,2 |
West-deutsch- | 2,1 | 2,4 | 2,0 | 1,4 | 1,5 | 1,3 | 1,4 |
Deutsch- | ... | ... | ... | ... | 1,5 | 1,3 | 1,4 |
Geschlossene Bevölkerung
Bevölkerung, die sich weder durch Zuwanderung noch durch Abwanderung verändert und deren Entwicklung lediglich durch Geburten und Sterbefälle bestimmt ist.
Als Großstädte werden Städte ab einer Einwohnerzahl von 100.000 Einwohnern bezeichnet. Da die Abgrenzung einer Großstadt zu ihrem Umland oft schwierig ist und die administrativen Stadtgrenzen keineswegs eine Siedlungsgrenze darstellen, spricht die Bevölkerungsgeographie auch von städtischen Agglomerations- oder Verdichtungsräumen.
Haushalt
Einen Privathaushalt stellt jede zusammen wohnende und wirtschaftende Personengemeinschaft (Mehrpersonen-Haushalte) dar, sowie Personen, die allein wohnen und wirtschaften (Single-Haushalte).
Zum Haushalt können verwandte und familienfremde Personen gehören (z.B. Hauspersonal). Familien mit mehreren Wohnsitzen werden in der Statistik unter Umständen mehrfach als Haushalte gezählt. Gemeinschafts- und Anstaltsunterkünfte, wie z.B. Internate, Kasernen, Studentenwohnheime, Asylbewerberwohnheime, Durchgangslager für Aussiedler, Gefängnisse, gelten nicht als Haushalte, können aber Privathaushalte beherbergen (z.B. den Haushalt des Anstaltsleiters oder des Hausmeisters).
Heiratsrate der heiratsfähigen Personen
Die Heiratsrate heiratsfähiger Personen bezieht, im Gegensatz zur rohen oder allgemeinen Heiratsrate, nicht nur das Alter, sondern auch den Familienstand der Personen mit ein. Sie gibt die Anzahl der Eheschließungen auf 1000 ledige Personen im Alter über 15 Jahre an.

| Heiratsrate der heiratsfähigen Personen |
| Anzahl der Eheschließungen im Zeitintervall (t0, t1) |
| mittlere ledige Gesamtbevölkerung über 15 Jahre im Zeitintervall (t0, t1) |
Heiratsrate, allgemeine
(Eheschließungsziffer, allgemeine, engl. nuptiality rate)
Die allgemeine Heiratsrate gibt die Anzahl der Eheschließungen auf 1000 Personen einer Population im Alter über 15 Jahre an. Im Gegensatz zur rohen Heiratsrate werden also der nichtheiratsfähige jugendliche Bevölkerungsteil aus der Berechnung ausgeschlossen. Die allgemeine Heiratsrate wird häufig für Männer und Frauen getrennt berechnet.

| allgemeine Heiratsrate |
| Anzahl der Eheschließungen im Zeitintervall (t0, t1) |
| Durchschnittsbevölkerung über 15 Jahre im Zeitintervall (t0, t1) |
Heiratsrate, rohe
(Eheschließungsziffer, rohe, engl. crude nuptiality rate)
Die rohe Heiratsrate gibt die Anzahl der Eheschließungen auf 1000 Personen einer Population innerhalb eines bestimmten Jahres an. Nachteil dieser Maßzahl: in die Berechnung gehen auch Personen ein, die im betrachteten Zeitraum gar keine Ehe schließen können (wie Minderjährige). Die rohe Heiratsrate ist somit stark altersstrukturabhängig.

| rohe Heiratsrate |
| Anzahl der Eheschließungen im Zeitintervall (t0, t1) |
| Durchschnittsbevölkerung im Zeitintervall (t0, t1) |
Beispiel:
Deutschland 2001
Anzahl der Eheschließungen: | 389.591 |
Mittlere Bevölkerung 2001: | 82.340.000 |
Pro 1.000 Personen wurden 2001 in Deutschland 4,7 Ehen geschlossen.
Deutschland:
Eheschließungen je 1000 Einwohner, 1950-1998
1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 1998 |
11,0 | 9,5 | 7,4 | 6,3 | 6,5 | 5,1 |
Heiratsverhalten
(auch Nuptialität)
Das Heiratsverhalten umfasst Häufigkeit und die Merkmale von Eheschließungen und Scheidungen in einer Bevölkerung. Das Heiratsverhalten kann z.B. mit Kennziffern wie Heiratsraten, altersspezifischen oder zusammengefassten Erstheiratsraten oder dem durchschnittlichen Heiratsalter untersucht werden.
Hyperurbanisierung bezeichnet das Phänomen der Unausgewogenheit zwischen dem Verstädterungsprozess einer Region (meist einzelner Staaten) und deren wirtschaftlicher bzw. industrieller Entwicklung. Vor allem in Entwicklungsländern verursacht die Land-Stadt-Wanderung und das natürliche Bevölkerungswachstum in den Städten ein rapides urbanes Wachstum. Die Zahl der Arbeitsplätze steigt aber nicht entspechend an.
Hyperurbanisierte Staaten sind z. B. Belgien und Italien unter den Industrieländern, Uruguay und Venezuela unter den Schwellenländern und Nicaragua und Sierra Leone unter den Entwicklungsländern.
Vgl. auch Zuwanderung
Als Inzidenz bezeichnet man die in einer Population in einem definierten Zeitraum neu aufgetreten Fälle einer bestimmten Erkrankung.
Inzidenzrate
Die Inzidenzrate gibt die Anzahl der Neuerkrankungen in einem bestimmten Zeitraum je 100.000 Personen einer Population an.
Jugendabhängigkeitsquotient
(auch Jugendlastquotient; engl. youth dependency ratio)
Der Jugendabhängigkeitsquotient bezeichnet das Verhältnis der wirtschaftlich abhängigen Jugendlichen einer Population zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Siehe auch Abhängigkeitsquotient
| Jugendabhängigkeitsquotient |
| Personen der Altersklasse 0 bis 14 |
|
|
Beispiel:
In Deutschland lebten im Jahr 2000 1.277.300 Personen im Alter unter 15 Jahre. Im erwerbsfähigen Alter waren dagegen 21.276.500 Personen. Der Abhängigkeitsquotient beträgt demzufolge:

Das bedeutet, dass 100 Personen im erwerbsfähigen Alter ca. 23 Kinder zu versorgen haben. In Brasilien liegt dieser Wert im gleichen Jahr bei 0,44.
Kinder-Frauen-Proportion
(engl. Child-Women-Ratio)
Zahl der Kinder unter fünf Jahren je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter. Sie kann als Ersatz für exakte Fertilitätsdaten herangezogen werden, wenn diese nicht verfügbar sind.
Die endgültige Kinderzahl gibt die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau an, die bis zum Ende des gebärfähigen Alters einer Kohorte tatsächlich geboren wurden.
Im Gegensatz zur Gesamtfertilitätsrate, in der die durchschnittliche Kinderzahl je Frau aufgrund der gegenwärtigen altersspezifischen Geburtenraten ermittelt wird, kann die endgültige Kinderzahl erst nach Ablauf der fertilen Lebensphase einer Frauenkohorte ermittelt werden.
Beispiel:
Deutschland 1998:
Lebendgeborene pro Frau der nachfolgend genannten Geburtsjahrgänge
1930 | 1935 | 1940 | 1945 | 1950 |
2,1 | 2,2 | 2,0 | 1,8 | 1,7 |
Kohorte
Unter einer Kohorte versteht man demographisch eine Personengruppe mit einem gemeinsamen zeitbezogenen Charakteristikum, am häufigsten das Geburtsjahr.
Beispielweise bilden alle Personen, die im gleichen Jahr geboren wurden, eine Geburts- oder Alterskohorte. Man kann jedoch auch andere zeitliche Gemeinsamkeiten, wie das Jahr der Heirat oder das Jahr des Berufseinstiegs für die Kohortendefinition zugrunde legen. Man spricht dann entsprechend von Heirats- bzw. Berufseintrittskohorten.
Kohortenanalyse
Unter Kohortenanalyse versteht man die Beobachtung des demographischen Verhaltens einer Kohorte über das gesamte Leben oder einen längeren Zeitraum hinweg, also im Längsschnitt.
Ein Beispiel dafür wäre die Analyse des generativen Verhaltens aller Personen, die zwischen 1940 und 1945 geboren wurden, während ihres fertilen Lebensabschnitts. Kohortenanalysen können nur retrospektiv durchgeführt werden, d.h. nachdem die Kohorte den zu untersuchenden Zeitraum vollständig durchlaufen hat. Deshalb wird in der Demographie häufig versucht, von Querschnittsmaßen auf Kohortenmaße zu schließen.
Vgl. Querschnittsanalyse
Kennziffern, die aus einer Kohortenanalyse hervorgehen.
Kontingentflüchtling
Die Gewährung eines Status als Kontingentflüchtling ist ein staatliches Instrument um auf aktuelle Massenfluchtbewegungen reagieren zu können, in denen schnell gehandelt werden muss oder die Möglichkeit fehlt, Asylverfahren durchzuführen. In diesem Fall entscheidet jeder Staat souverän über Umfang, Zusammensetzung und Rechtsstatus, also über ein "Kontingent" der Aufzunehmenden.
Konventionsflüchtlinge sind Flüchtlinge, deren Aufenthalt in einem Land unter dem Schutz der "Genfer Flüchtlingskonvention" steht. In diesem völkerrechtlichen Vertrag aus dem Jahr 1951 verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, Zuwanderer nicht in Länder auszuweisen, in dem ihr Leben oder ihre Freiheit gefährdet wäre. Der Begriff wird zur Abgrenzung von anderen Rechtsstati wie Kontingentflüchtling oder Asylberechtigter verwendet.
Der Status des Konventionsflüchtlings ist nicht gleichbedeutend mit dem eines anerkannten Asylberechtigten. Um diesen zu erlangen, müssen nationalstaatlich unterschiedlich geregelte Asylverfahren erfolgreich durchlaufen werden.
Anteil der Personen mit einer bestimmten Krankheit in einem Bezugszeitraum je 100 Personen einer Bevölkerung.
Längsschnittanalysen untersuchen die Veränderung von Variablen bei ein und derselben Population im Zeitverlauf. Die Ausprägung einer Variablen muss dazu zu mehreren Zeitpunkten erhoben werden.
Vgl. Kohortenanalyse
Kennziffern, die aus einer Längsschnittanalyse hervorgehen
Lebendgeborene
Lebendgeborene sind Kinder, bei denen nach der Trennung vom Mutterleib entweder das Herz geschlagen oder die Nabelschnur pulsiert oder die natürliche Lungenatmung eingesetzt hat.
Das Geburtsgewicht muss eine bestimmte Grenze überschreiten (in Deutschland seit 1994 mindestens 500 Gramm). Geborene, deren Geburtsgewicht unter der Mindestgrenze liegt, gelten als Fehlgeburten und erscheinen nicht in der Geburtenstatistik.
Die Lebenserwartung bezeichnet die durchschnittliche Zahl der zu erwartenden Lebensjahre einer Person unter der Annahme, dass die gegenwärtigen altersspezifischen Sterbeziffern konstant bleiben. Die Lebenserwartung wird entweder für die Neugeborenen (Lebenserwartung bei Geburt) oder für ein bestimmtes Alter (fernere Lebenserwartung, die Zahl noch zu erwartender Lebensjahre) angegeben.
Vgl. Sterbetafel
Beispiel:
Deutschland (früheres Bundesgebiet): Veränderung der Lebenserwartung Neugeborener (in Jahren):
| 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 190/92 | 1997/99 |
männlich | 64,6 | 66,9 | 67,4 | 70,0 | 72,9 | 74,8 |
weiblich | 68,5 | 72,4 | 73,8 | 76,7 | 79,3 | 80,7 |
Lebensgemeinschaft, nichteheliche
In Deutschland wird unter einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft eine Haushaltsgemeinschaft von zwei unverheiratet zusammenlebenden Personen verschiedenen Geschlechts mit einem Mindestalter von 18 Jahren verstanden. In diesem Haushalt können noch ledige, gemeinsame Kinder oder ledige Kinder des einen oder anderen Partners vorhanden sein.
Lebensspanne
Höchstes Alter, das ein Mensch unter günstigen Lebensbedingungen erreichen kann.
Anteil der erkrankten Personen, die in einem bestimmten Zeitraum an einer bestimmten Krankheit sterben.
Demografische Maße sind Zahlenangaben über die Ausprägung bestimmter demografischer Variablen in einer Population. Dabei kann man in Struktur- und Ereignismaße unterscheiden.
Während in Strukturmaße die Zahl der Personen mit bestimmten demografischen Eigenschaften eingeht (z.B. Bevölkerung über 65 Jahre, Zahl der Verheirateten) nehmen Ereignismaße auf demografisch relevante Ereignisse bezug (z.B. Eheschließungen im Jahr x, Geburten im Jahr x).
Struktur- und Ereignismaße können als absolute und als relative Maße angegeben werden. Absolute Maße geben die absolute Zahl von Merkmalsträgern oder Ereignissen in einer Population an (z.B. Zahl der Geborenen). Relative Maße beziehen diese Absolutzahlen in Form von Raten oder Quoten auf die Gesamtpopulation oder auf eine Teilpopulation (z.B. Anzahl der Geborenen pro 1.000 Einwohner, Anteil der Verheirateten an der Gesamtbevölkerung).
Das Medianalter ist jenes Lebensalter, das eine Population statistisch in zwei gleich große Gruppen teilt: 50 Prozent der Bevölkerung sind jünger, und 50 Prozent sind älter als dieser Wert.
Beispiel: Das Medianalter der Weltbevölkerung lag 2005 über 27 Jahren. Nach Projektionen der Vereinten Nationen wird das Medianalter der Weltbevölkerung bis 2050 vermutlich auf 37,3 Jahre steigen.
Als Megastädte wird die größte Kategorie städtischer Agglomerationen bezeichnet. Die Definition ist jedoch uneinheitlich. Teilweise werden bereits städtische Agglomerationen ab 5 Millionen Einwohner als Megastädte betrachtet, andere Definitionen sehen die Grenze zur Megastadt erst bei einer Einwohnerzahl von 10 Millionen.
Megastädte sind (legt man die 10 Mill. Definition zugrunde) erstmals im 20. Jahrhundert aufgetreten, entwickelten sich dann aber rapide und nehmen an Zahl ständig zu. Um 1940 gab es nur zwei Megastädte weltweit, Tokio und New York. Gegenwärtig (2000) haben bereits 16 Agglomerationen diese Größe, wobei nur vier in entwickelten Industriestaaten liegen. Die UN rechnet bis zum Jahr 2015 mit 21 Megastädten über 10 Mill. Einwohner.
Metropole
Als Metropolen bezeichnet man Großstädte mit mehr als einer Million Einwohner. 1990 lebte ein Drittel der weltweiten städtischen Bevölkerung in 275 Metropolen.
Der Metropolisierungsgrad ist der Anteil der Bevölkerung in Metropolen an der Gesamtbevölkerung eines Landes. Besonders hoch ist der Metropolisierungsgrad in Australien (50,6 Prozent). Jedoch auch viele Entwicklungs- und Schwellenländer weisen einen hohen Grad der Metropolisierung auf (Argentinien 42,5 Prozent; Brasilien 35,3 Prozent)
Migrant
Im Gegensatz zu Flüchtlingen oder Vertriebenen versteht man unter einem Migranten in der Regel eine Person, die aus freiem Willen die Option zur Wanderung ergriffen hat, also nicht unter Zwang handelte. Diese Auffassung ist jedoch eher politischer als soziologischer Art, denn wie die Migrationsforschung zeigt, ist eine klare Trennung zwischen zwangsweiser und freiwilliger Migration kaum zu treffen.
Siehe Wanderung.
Befragung einer repräsentativen Auswahl von Einzelpersonen oder Haushalten z.B. zur Feststellung demographischer Eigenschaften oder zu Entwicklungstendenzen in Teilen der Bevölkerung oder der Gesamtbevölkerung. Vgl. Volkszählung.
In Deutschland wird die "Repräsentativerhebung der Bevölkerung und des Erwerbslebens" - kurz: Mikrozensus -seit 1957 (in den neuen Bundesländern und Ostberlin seit 1991) jährlich durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Stichprobenerhebung, bei der 1 Prozent aller Haushalte der Bundesrepublik nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und befragt werden.
(engl. general mobility rate)
Die allgemeine Mobilitätsrate bezeichnet die Zahl der Wanderungsvorgänge in einem Kalenderjahr bezogen auf 1.000 Personen der Bevölkerung zur Jahresmitte in der Raumeinheit.

| allgemeine Mobilitätsrate |
| Wanderungsvolumen im Zeitintervall (t0, t1) |
| Durchschnittsbevölkerung im Zeitintervall (t0, t1) |
Beispiel:
Deutschland 2001
Wanderungsvolumen: 1.485.000
(Zugezogene: 879.000; Fortzüge: 606.000)
Mittlere Bevölkerung 2001: 82.340.000

Im Jahr 2001 gab es in Deutschland 18 Zu- bzw. Fortzüge je 1.000 Einwohner.
Morbidität
Häufigkeit und Verteilung von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen in einer Bevölkerung.
Müttersterberate
(engl. maternal mortality ratio)
Die Müttersterberate bezeichnet die jährliche Zahl der Sterbefälle von Frauen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt je 100.000 Lebendgeborene.
Als Müttersterbefall gilt dabei der Tod jeder Frau während oder innerhalb von 42 Tagen nach Beendigung der Schwangerschaft, wenn die Todesursache damit in Verbindung steht, nicht jedoch aufgrund von Unfällen.

| Müttersterberate |
| Anzahl der im Zeitintervall (to, t1) im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt verstorbenen Frauen |
| Anzahl der im Zeitintervall (to, t1) lebend geborenen Kinder |
Beispiel:
Müttersterblichkeit 1999: Todesfälle je 100.000 Lebendgeborene
Deutschland | 6,0 |
Frankreich | 9,6 |
Ägypten | 170 |
Ecuador | 210 |
Nettoreproduktionsrate
(engl. net reproduction rate)
Die Nettoreproduktionsrate ist die zentrale Maßzahl für die Reproduktionskraft einer Bevölkerung. Die Nettoreproduktionsrate gibt an, wie viele Töchter eine Frau (oder eine Gruppe von Frauen) im Durchschnitt entsprechend der gegenwärtigen altersspezifischen Fertilitäts- und Sterbeziffern in ihrem Leben bekommen würde.
Im Gegensatz zur Bruttoreproduktionsrate berücksichtigt die Nettoreproduktionsrate, dass ein Teil der Frauen bereits vor dem Ende ihres gebärfähigen Alters versterben. Bei einer Nettoreproduktionsrate von 1 spricht man vom Erreichen des Ersatzniveaus der Fertilität, d.h. eine Müttergeneration wird quantitativ vollständig durch eine Töchtergeneration ersetzt. Vgl. Gesamtfertilitätsrate, Ersatzniveau.

| Nettoreproduktionsrate |
| Anzahl der von Frauen in der Altersklasse x lebend geborenen Mädchen (entsprechend der alterspezifischen Fertilitätsrate und Anteil der Mädchen an der Geborenenzahl) |
| Anzahl der Frauen der Altersklasse x |
| Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau die Altersklasse x erreicht |
Beispiel:
Deutschland: Nettoreproduktionsrate 1998
Westdeutschland: | 0,68 |
Ostdeutschland: | 0,52 |
Deutschland insgesamt: | 0,65 |
Im Jahr 1998 lag die Nettoreproduktionsrate in Deutschland insgesamt um 35 Prozent unterhalb des Ersatzniveaus; in Westdeutschland um 32 Prozent und in Ostdeutschland um 48 Prozent unterhalb des Ersatzniveaus.
Nettowanderung
Siehe Wanderungsbilanz
Nettowanderungsrate
Siehe Wanderungsbilanzrate
Parität
Parität bezeichnet die Ordnungszahl der Geburten einer Frau. Nach der Parität teilt man Frauen ein in solche, die (noch) keine Kinder geboren haben ("nulliparae"), in Erstgebärende ("primiparae") nach der ersten Entbindung und in Mehrgebärende ("multiparae") ab der zweiten Entbindung.
Population
Als Population bezeichnet man in der Regel die Gesamtheit aller Personen innerhalb eines bestimmten Territoriums. Jedoch können auch durch andere gemeinsame Merkmale verbundenen Personengruppen als Populationen aufgefasst werden.
Als Prävalenz bezeichnet man die statistische Häufigkeit einer Erkrankung, also die Anzahl der an einer bestimmten Krankheit Leidenden, in einer Population zu einem definierten Untersuchungszeitpunkt.
Prävalenzrate
Die Prävalenzrate gibt den Anteil der Erkrankten an der Gesamtpopulation zu einem bestimmten Zeitpunkt in Prozent an.
Primacy
Der Begriff der Primacy (Vorrangstellung) bezeichnet die beherrschende Stellung einer bestimmten Region, in der Regel einer Stadt, gegenüber den übrigen Teilen eines Landes (Primatstadt).
Man unterscheidet demographische und funktionale Primacy. Während demographische Primacy die Konzentration der Bevölkerung eines Landes in einer oder wenigen Städten bezeichnet, betrachtet die funktionale Primacy die Konzentration wirtschaftlicher, kultureller und infrastruktureller Einrichtungen in den großen Städten.
Die Besonderheit von Megastädten der Entwicklungsländer ist häufig nicht ihre demografische Primacy, diese ist auch in Industrieländern anzutreffen. Vielmehr ist es die funktionale Konzentration, welche die Zuwanderung in die Stadt noch verstärkt, während andere Regionen des Landes von der Entwicklung abgekoppelt bleiben.
Die "Push-Pull-Hypothese" ist ein verbreiteter Begriff zur theoretischen Erklärung von Migrationsbewegungen. Der Ansatz geht davon aus, dass bestimmte "Abstoßungsfaktoren" (Push) einer Herkunftsregion in Kombination mit "Anziehungsfaktoren" (Pull) einer Zielregion für Wanderungsentscheidungen verantwortlich sind.
Das Push-Pull-Paradigma ist jedoch letztlich kein eigenständiger theoretischer Ansatz. Trotz der plausiblen Annahme existierender Push- und Pull-Faktoren bleibt letztlich offen, was diese Faktoren im einzelnen sind und wie sie wirken. Dies muss durch Hypothesen eines eigentlichen Theorieansatzes gefüllt werden.
Die Querschnittsanalyse untersucht die Ausprägung von Variablen einer Population zu einem gegebenen Zeitpunkt (oder in einem kurzen Zeitabschnitt). Sie liefert eine Momentaufnahme der Untersuchungsvariablen für eine Population (z.B. Geburten im Jahr x).
Die meisten in Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungsgeographie verwendeten Kennziffern sind, auch wenn sie vorgeben, Aussagen über die Zukunft zu treffen (wie etwa die "Lebenserwartung") von Querschnittsdaten abgeleitet und deshalb letztlich nur für den Erhebungszeitpunkt gültige Kennziffern. Vgl. Längsschnittanalyse; Kohortenanalyse.
Querschnittsdaten
Querschnittsdaten sind Daten, die aus einer Querschnittsanalyse hervorgehen
Rate, Ziffer, Quote
Raten, Ziffern und Quoten sind relative Struktur- oder Ereignismaße. Trotz unterschiedlicher, teilweise verwirrender Verwendung in der Literatur drücken alle drei Begriffe im Prinzip das Gleiche aus: Raten, Ziffern und Quoten sind das Ergebnis einer Division und beziehen Gruppen von Ereignissen oder Merkmalsträgern auf eine größere Bezugsgruppe bzw. -population.
So ist etwa die (rohe) Geburtenrate eine Angabe über die Anzahl der Geburten innerhalb eines Jahres je 1000 Personen der Gesamtbevölkerung. Die Arbeitslosenquote ist dagegen eine Angabe über die Anzahl von Erwerbslosen je einhundert Erwerbsfähige zu einem Zeitpunkt.
Die Berechnung erfolgt immer in der Form: Anzahl der Ereignisse oder Personen dividiert durch die Bezugspopulation multipliziert mit einem Standardwert (meist 100 oder 1000). Rohe Raten beziehen sich auf die Gesamtbevölkerung, spezifische Raten nur auf eine Teilgruppe (z.B. auf eine bestimmte Altersgruppe), die auf ein spezifisches Ereignis hin untersucht werden soll. Vgl. Expositionsrate.
Als Maximaldefinition bedeutet reproduktive Gesundheit ein vollständiges körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden (nicht bloß die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechlichkeit) im Hinblick auf die Fortpflanzung.
Nach der Definition des Aktionsprogramms der UN-Weltbevölkerungskonferenz von Kairo (ICPD 1994) bedeutet reproduktive Gesundheit, dass Menschen ein befriedigendes und ungefährliches Sexualleben haben können und dass sie die Fähigkeit zur Fortpflanzung und die freie Entscheidung darüber haben, ob, wann und wie oft sie hiervon Gebrauch machen wollen.
(engl. infant mortality)
Die Jährliche Anzahl der vor Vollendung des 1. Lebensjahres gestorbenen Säuglinge bezogen auf 1000 Lebendgeborene im Kalenderjahr. Da die gestorbenen Säuglinge eines Kalenderjahres zwei unterschiedlichen Geburtsjahrgängen und damit zwei unterschiedlichen Gesamtheiten von Lebendgeborenen entstammen, wird die Säuglingssterberate wie folgt berechnet:

| Säuglingssterberate |
| im Berichtsjahr gestorbene Säuglinge, die im Berichtsjahr geboren wurden |
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