
Newsletter Demos 130, 02. Januar 2012
Lehrermangel in Afrika
Defizite im Bildungssystem gefährden die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Subsahara-Afrika
Eines der größten Entwicklungshemmnisse armer Länder ist die mangelnde Bildung der Bevölkerung. Gerade in Entwicklungsländern, die ein hohes Bevölkerungswachstum haben, ist der Bedarf besonders nach Grundschul- und Sekundarbildung aber sehr hoch, um der stetig wachsenden jungen Bevölkerung Ausbildungsmöglichkeiten und damit eine Zukunftsperspektive zu geben. Dies zeigt sich exemplarisch in Subsahara-Afrika.Zwar hat sich in den letzten Jahren die Bildungssituation der Bevölkerung verbessert, allerdings bestehen nach wie vor viele Defizite, wie aus einer neuen Studie der UNESCO hervorgeht. Weltweit lebt die Hälfte aller Kinder im Grundschulalter, die nicht eingeschult sind, in Staaten südlich der Sahara.
Newsletter Demos 125, 15. September 2011
Afrika vor demografischen Herausforderungen
Eine neue Studie des Berlin-Instituts untersucht, wie sich das Bevölkerungswachstum auf die Entwicklung Afrikas auswirkt und wo die demografischen Chancen liegen
Bildung als Entwicklungsmotor
Der Bildungsstand der Frauen beeinflusst die Fertilitätsrate eines Landes stark - für die wirtschaftliche Entwicklung ist jedoch der Bildungsstand der gesamten Bevölkerung entscheidend
Bildung steht im Zentrum aller Entwicklungsfragen, weil sie den größten Einfluss auf die verschiedensten Lebens- und Gesellschaftsbereiche hat. Dies belegt nicht nur die Geschichte jener Länder, die sich in der Vergangenheit dynamisch entwickeln konnten, sondern auch die Tatsache, dass ein Bildungsrückstand die Entwicklungsfähigkeit eines Landes weitaus stärker begrenzt als ein Einkommensrückstand.
Newsletter Demos 126, 30. September 2011
Tritt Indien in Chinas Fußstapfen?
Indiens demografische Vorzeichen für wirtschaftliche Entwicklung stehen gut
Im Schatten Chinas hat Indien eine rasante Entwicklung genommen. Die Bevölkerung hat sich seit 1950 mehr als verdreifacht. In etwa zehn Jahren dürfte Indien China als bevölkerungsreichstes Land ablösen. Ob Indien China auch wirtschaftlich einholt, bleibt dagegen fraglich. Immerhin hat sich das indische Bevölkerungswachstum seit Mitte der 1970er Jahre stetig verlangsamt, und davon könnte das Land ökonomisch profitieren. Aber nur dann, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, wird Indien auf mehr wirtschaftliches Wachstum hoffen können. Dasselbe gilt für Pakistan, wo zwar wesentlich weniger Menschen leben, das aber gegenwärtig prozentual eine deutlich größere Bevölkerungszunahme verzeichnet als Indien und erst recht als China.
Newsletter Demos 124, 25. August 2011
Die Weltbevölkerung erreicht die Sieben-Milliarden-Grenze
Der neue Datenreport des Population Reference Bureau (PRB) informiert darüber, wie sich die Bevölkerung verändert - weltweit und in einzelnen Ländern
Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe liegt auf dem weltweiten Bevölkerungswachstum in den letzten Jahrzehnten. Denn in diesem Jahr dürfte dem Datenreport zufolge die Zahl der Erdbewohner die Sieben-Milliarden-Grenze erreichen. Die Welt befindet sich in der Phase des schnellsten Bevölkerungswachstums in der Geschichte: Sowohl die sechste als auch die siebte Milliarde wurden innerhalb von zwölf Jahren erreicht - und so lange wird es wohl auch dauern, bis acht Milliarden Menschen auf dem Globus leben. Der Schritt von der Vier- zur Fünf-Milliarden-Grenze, die 1987 erreicht wurde, erforderte noch 13 Jahre, von der dritten zur vierten Milliarde hatte es 14 Jahre gedauert, und der von der zweiten zur dritten Milliarde sogar 30 Jahre - das war 1960.
Newsletter Demos 123, 15. August 2011
Ungleiche Chancen
Grafiken und Karten liefern anschauliche Beispiele dafür, wie sich die Lebensverhältnisse von Kindern weltweit unterscheiden
Auf der ganzen Welt leben heute den Vereinten Nationen zufolge knapp sieben Milliarden Menschen - über 1,8 Milliarden davon sind unter 15 Jahre alt, also Kinder. Seit dem Jahr 2000 stagniert die Zahl der Kinder weltweit, die regionalen Entwicklungen verlaufen jedoch gegensätzlich. Während in Asien und Europa immer weniger Kinder leben, werden es in Afrika immer mehr. Die Zahl der Kinder stieg dort in den letzten zehn Jahren um 69 Millionen. Die überwältigende Mehrheit der Kinder lebt aber weiterhin in Asien: fast 1,1 Milliarden an der Zah.
Newsletter Demos 122, 27. Juli 2011
"Bildung hat gesellschaftlich immer mehr an Wert verloren - und war am Ende nichts mehr wert"
Interview mit Amine Sami Ben Sassi, tunesischer Gynäkologe und Internetaktivist
Amine Sami Ben Sassi (geb. 1967 in Paris) ist in Tunis (Tunesien) aufgewachsen und lebt dort. Er arbeitet als Gynäkologe und engagiert sich unter anderem in einer Nichtregierungsorganisation (non-governmental organisation, NGO) für die Bekämpfung von Aids. Seit Beginn der Revolution betätigt er sich außerdem als Internetaktivist und Blogger. Im Februar 2011 gründete er die NGO "Tunisian Citizenship Association ACT Think and Decide", der er als Präsident vorsteht. Diese setzt sich für die kulturelle und ökonomische Entwicklung Tunesiens ein, um so den Demokratisierungsprozess voranzubringen. Darüber hinaus ist Ben Sassi seit März 2011 unabhängiges Mitglied in der "Hohen Instanz für die Errungenschaften der Revolution, politische Reformen und demokratischen Übergang" ("Haute Instance pour la réalisation des objectifs de la Révolution, de la réforme politique et de la transition démocratique").
Kinderkriegen: die häufigste Todesursache bei Frauen in Subsahara-Afrika
Gutscheine für medizinische Leistungen und Verhütung könnten in Entwicklungsländern das Leben vieler Frauen und Kleinkinder retten
Während in entwickelten Ländern die Geburt eines Kindes zumeist ein fröhliches und hoffnungsvolles Ereignis darstellt, ist sie für Frauen in vielen ärmeren Ländern darüber hinaus ein lebensgefährlicher Vorgang. Folgende Zahlen zeigen es: Jedes Jahr sterben weltweit über 500.000 Frauen in Folge einer Schwangerschaft oder Geburt. 99 Prozent der Sterbefälle werdender Mütter betreffen Frauen in Entwicklungsländern - und dort vor allem jene, die in einem afrikanischen Land südlich der Sahara leben. In dieser ärmsten Region der Welt finden mehr als die Hälfte aller Sterbefälle statt. Das lebenslange Risiko einer Frau, im Zuge einer Schwangerschaft oder Geburt zu sterben, liegt dort bei eins zu 22 - in den entwickelten Ländern nur bei eins zu 6.000. Wenn Frauen also wie etwa in Niger im Mittel sieben Kinder bekommen, bedeutet dies für jede dritte Frau den Tod. Damit ist Kinderkriegen in Subsahara-Afrika heute die häufigste Todesursache unter Frauen zwischen 15 und 49 Jahren.
Newsletter Demos 120, 29. Juni 2011
Umbruch in der arabischen Welt
Trotz guter Ausbildung sind junge Ägypter häufig arbeitslos
Den Anfang nahmen die Unruhen in der arabischen Welt in Tunesien, ausgelöst durch die Selbstverbrennung eines jungen Obsthändlers. In seinem eigentlichen Beruf als studierter Informatiker fand der 26-jährige Mohammed Bouazizi keinen Job, er schlug sich mit einem Verkaufsstand durch. Als die Polizei wieder einmal seine Ware beschlagnahmte, weil er keine Genehmigung als Obstverkäufer besaß, verzweifelte er. Viele junge Araber, die trotz oder gerade wegen ihrer guten Bildung besonders häufig arbeitslos sind, konnten offenbar seine Frustration und Wut nachempfinden. Deshalb gilt diese Begebenheit als der Funke, an dem sich die Konflikte in der Region entzündeten.
Newsletter Demos 113, 08. März 2011
Gleichstellung von Frauen und Männern weltweit
Eine Datensammlung verdeutlicht, dass das Ziel noch längst nicht erreicht ist
Rechtzeitig zum 100. Jahrestag des Internationalen Frauentags am 8. März 2011 hat das Population Reference Bureau das World's Women and Girls 2011 Data Sheet veröffentlicht. Darin sind aus allen Ländern der Welt Daten und Fakten zu Demografie, reproduktiver Gesundheit, Ausbildung sowie Arbeit und öffentlichem Leben zusammengefasst. Das Data Sheet gibt so Auskunft über den Stand der Gleichstellung von Männern und Frauen - beziehungsweise über das Machtgefälle zwischen ihnen. Ziel der Zusammenstellung ist es, durch Verbreitung der Fakten die Barrieren zu beseitigen, die einer Gleichstellung der Geschlechter im Wege stehen.
Newsletter Demos 110, 26. Januar 2011
Heirat statt Schulbildung
In Nepal werden Mädchen aus armen Familien früh verheiratet - auch deshalb ist die Müttersterblichkeit hoch
In Deutschland folgen üblicherweise auf Schulbesuch und Ausbildung erst Erwerbstätigkeit und dann Familiengründung. In vielen anderen Ländern der Welt werden heranwachsende Mädchen von ihren Familien entweder auf eine weiterführende Schule geschickt, für bezahlte und unbezahlte Arbeit eingesetzt - oder verheiratet. Dabei fällt die Entscheidung vor allem dann zu Ungunsten des Schulbesuchs aus, wenn die Mädchen aus armen Familien stammen.
Newsletter Demos 109, 08. Dezember 2010
Bevölkerungswachstum als Triebfeder des Klimawandels
Alterung, Verstädterung und der Zugang zu Familienplanung wirken sich auf die Höhe der künftigen CO2-Emissionen aus
In der mexikanischen Küstenstadt Cancún findet vom 29. November bis zum 10. Dezember dieses Jahres der Uno-Klimagipfel statt. Die Politik sucht nach Wegen, um dem Klimawandel zu begegnen. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf Maßnahmen, die dazu beitragen, den Energieverbrauch zu senken. Entsprechend fördert sie neue Technologien und fordert Bürger und Unternehmen zu energieeffizientem Handeln auf.
Newsletter Demos 104, 22. September 2010
Bevölkerungswachstum behindert das Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele
Weniger Kinder lassen sich leichter und besser versorgen - vor allem, wenn wie im Afrika südlich der Sahara Trinkwasser, Nahrung und Bildung zu den knappen Ressourcen gehören
Dieser Tage findet in New York ein Gipfeltreffen der Vereinten Nationen zum Stand der Millenniums-Entwicklungsziele statt. Im Jahr 2000 hatten sich die Mitglieder der Vereinten Nationen darauf verständigt, entwicklungspolitische Erfolge zu messen und für acht verschiedene Bereiche Ziele festzulegen: die "Millennium Development Goals", kurz MDGs. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs beraten sich nun drei Tage lang mit Experten, um die Entwicklung zu überprüfen und einen Weg festzulegen, um diese Ziele zu erreichen. Denn die Zeit wird knapp - und die Versorgungslage in den Entwicklungsländern ist immer noch unbefriedigend, auch wenn durchaus Fortschritte zu melden sind.
Newsletter Demos 104, 22. September 2010
Investitionen in Familienplanung zahlen sich mehrfach aus
Je weniger Frauen ungewollt schwanger werden, desto besser - auch für die Entwicklung eines Landes
Amerikanische Forscher sind der Frage nachgegangen, wie sehr das Bevölkerungswachstum zurückginge, wenn es keine ungewollten Schwangerschaften mehr gäbe. Sie haben dazu 99 Entwicklungsländer und die USA untersucht. Heute leben rund vier Milliarden Menschen in diesen Ländern. Wäre die Nachfrage nach Verhütungsmitteln gedeckt, so das Fazit der Studie der Entwicklungshilfeorganisation Futures Group, wüchse die Bevölkerung der betrachteten Staaten bis 2050 auf 6,3 Milliarden Menschen. Die mittlere Variante der Vereinten Nationen (UN) dagegen geht von einer Zunahme auf 6,7 Milliarden Menschen aus.
Newsletter Demos 98, 09. Juni 2010
Starke demografische Verwerfungen im Land der Fußball-WM
Sinkende Kinderzahlen tragen zur wirtschaftlichen Entwicklung Südafrikas bei - aber Aids hält die Lebenserwartung niedrig
Von allen Staaten Subsahara-Afrikas - abgesehen von den Inselstaaten Mauritius und den Seychellen - hat Südafrika gegenwärtig die niedrigste Fertilitätsrate. Im Jahr 2009 lag sie bei 2,38 Kindern je Frau. Gleichzeitig erzielt die südafrikanische Wirtschaft seit Jahren mit die höchsten Wachstumsraten des Kontinents - im Zeitraum von 2000 bis 2008 von durchschnittlich 4,8 Prozent pro Jahr. Grundlage für den ökonomischen Erfolg sind der Rohstoffreichtum und der gut ausgebaute industrielle Sektor des Landes, der Südafrika zum wichtigsten Industriestaat des Kontinents macht. Auch die jüngste Wirtschaftskrise hat Südafrikas Ökonomie relativ gut überstanden: Trotz des massiven Einbruchs der Rohstoffpreise ging das Wachstum im Jahr 2009 lediglich um zwei Prozent zurück.
Newsletter Demos 96, 17. Mai 2010
Kaum Kinder in Südkorea
Mit durchschnittlich 1,22 Kindern pro Frau liegt der Staat weltweit am unteren Ende der Rangliste - ist die Bevölkerungspolitik über ihr Ziel hinausgeschossen?
In den 1960er und 1970er Jahren sorgte sich die Weltöffentlichkeit um eine "Bevölkerungsexplosion". Viele Entwicklungsländer versuchten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das Bevölkerungswachstum mit politischen Strategien zu verlangsamen. Sie reagierten damit auf die hohen Wachstumsraten, die mehr als das Dreifache dessen betrugen, was die Industrieländer je erlebt hatten. Hinzu kam, dass sich in einem Großteil der Entwicklungsländer seit 1950 die Sterberate verringerte - eine Entwicklung, wie sie vorangehend schon in Europa und Nordamerika stattgefunden hatte. Die Strategien der Entwicklungsländer erzielten stark unterschiedliche Ergebnisse, von großem bis zu gar keinem Erfolg.
Newsletter Demos 95, 28. April 2010
Immer mehr Menschen leben in Städten - Arm und Reich nebeneinander
Ein großes Wohlstandsgefälle führt zu gespaltenen Wohnformen
Seit 2008 lebt den Vereinten Nationen zufolge die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten. Gegenwärtig sind es etwa 3,5 Milliarden Menschen. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Weltregionen stark: Nordamerika, Lateinamerika und die Karibik, Europa und Ozeanien weisen einen hohen Grad von Verstädterung auf, der bis 2050 sogar noch zunehmen wird. Im März 2010 reichte er von 70 Prozent in Ozeanien, wozu Australien, Neuseeland und verschiedene Südseestaaten zählen, bis zu 82 Prozent in Nordamerika. In Afrika dagegen lag der Grad der Verstädterung bei 40 Prozent, in Asien bei 42 Prozent. Die Vereinten Nationen erwarten bis 2050 ein Wachstum auf 62 beziehungsweise 65 Prozent.