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Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Happy Birthday Berlin-Institut

Happy Birthday Berlin-Institut

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat dieser Tage sein 15-jähriges Bestehen gefeiert. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 ist es zu einer der wichtigsten Anlaufstellen zum Thema Bevölkerungsentwicklung geworden und hat mit viel beachteten Studien die Öffentlichkeit informiert und die Politik beraten.

Als das Institut entstand, gab es in Deutschland noch kein wesentliches Interesse an demografischen Veränderungen. Der Ideengeber Hans Fleisch, damals Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, fand zwar in der Hannoveraner Stifterin Marlene von Reichenbach eine Person, die das notwendige Gründungskapital bereit stellte, aber öffentliche Mittel zum Betrieb einer unabhängigen Denkfabrik zu diesem Thema waren nicht zu mobilisieren. Erst als die amerikanische William and Flora Hewlett Foundation für fünf Jahre eine Anschubfinanzierung bereitstellte, konnte die Arbeit beginnen. William Hewlett war einer der ersten großen Philanthropen unter den Selfmade-Milliardären aus dem Silicon Valley, die erhebliche Summen ihres Vermögens gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung stellten.

Die mittelfristige Finanzierung alleine löste aber noch nicht alle Probleme der jungen Denkfabrik. Offen blieb die Frage, wie man die Deutschen für ein Thema interessieren konnte, das sie bislang mit Nichtbeachtung gestraft hatten. Die Nationalsozialisten hatten die demografische Forschung mit ihrer Rassenideologie verbrannt, die Nachkriegspolitik einen großen Bogen um sie gemacht und bis heute gibt es nur eine einzige Universität im Lande, an der man dieses Fach studieren kann.

Bewährtes Design

Von seiner ersten Studie "Deutschland 2020" (links) bis zur kürzlich erschienen Studie "So geht Einheit" (rechts) zeichneten sich alle Studien des Berlin-Instituts durch klare und verständliche Texte aus. Hinzu kommt ein schlankes Design, das mit Grafiken komplexe Zusammenhänge anschaubar macht.

Zwar dämmerte es Politik und Bevölkerung um die Jahrtausendwende langsam, dass die Gesellschaft vor einer massiven Alterung stand,  dass es bald schon deutlich mehr Ruheständler zu finanzieren galt und dass die Sozialsysteme auf die anstehenden Veränderungen nicht vorbereitet waren. Doch die Diskussion blieb abstrakt, weil die bundesweit gemittelten Zahlen des Wandels noch absolut undramatisch klangen. Was er für jeden Einzelnen und vor allem auf regionaler Ebene bedeutete, blieb im Dunkeln.

Deshalb wagten sich damals drei Wissenschaftler des Berlin-Instituts (und damit die gesamte Mannschaft) in ihrem kleinen Büro am Berliner Gendarmenmarkt an eine erste Studie, in der sie die demografische Lage der Nation und die Zukunftsaussichten der damals 440 Landkreise und kreisfreien Städte analysierten. Ihr Ziel war es, jeden Abgeordneten, jeden Landrat und Bürgermeister sowie die breite Öffentlichkeit über die aktuelle Situation vor Ort zu informieren und eine Diskussion über notwendige politische Maßnahmen anzukurbeln.

Im April 2004 präsentierte das damals völlig unbekannte Berlin-Institut auf einer Pressekonferenz seine Untersuchung „Deutschland 2020 – die demografische Zukunft der Nation“ und stand mit einem Schlag im Rampenlicht: Sämtliche deutschen regionalen und überregionalen Zeitungen nahmen das Thema in großen Berichten auf, das Magazin GEO druckte gar einen 84-seitigen Bericht, die internationalen Blätter New York Times, The Economist, Newsweek und Time folgten. Innerhalb von zwei Wochen gab es über 2.000 Medienzitate, die Studie musste mehrfach nachgedruckt werden und die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb: „Noch nie hatte eine demografische Studie ein solches Echo“. Das Thema Demografie war endgültig in der Öffentlichkeit angekommen.

Über die Jahre folgten weitere bahnbrechende Studien zur selektiven Frauenabwanderung aus den neuen Bundesländern während der Nachwendezeit, zur demografischen Lage Europas, zur Zukunft der Dörfer, zum Stand der Integration in Deutschland oder zu den demografischen Potenzialen und Problemen Afrikas. Längst ist das Berlin-Institut zu einer festen Größe geworden und hat Studien und Gutachten für die Vereinten Nationen und die Weltbank erarbeitet, für das Wirtschafts-, Familien- und Bauministerium oder die Gesellschaft für Konsumforschung.

Dabei ist das Institut klein, überschaubar und hocheffizient geblieben. Mit heute etwa zehn Wissenschaftlern hat es sich seinen Status als politisch unabhängige Einrichtung ohne jede öffentliche Grundförderung erhalten. Das Institut arbeitet ausschließlich mit Drittmitteln, also mit Forschungsaufträgen von Ministerien, aus der Privatwirtschaft und mit Förderungen von Stiftungen. Um darüber hinaus Themen bearbeiten zu können, die unbequem oder (noch) nicht in der öffentlichen Diskussion sind, unterhält das Institut einen Förderkreis, in dem Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen einen jährlichen Beitrag zur Finanzierung des Berlin-Instituts leisten.

Die Themen sind uns in den vergangenen 15 Jahren nicht ausgegangen. Ganz im Gegenteil: Derzeit beschäftigen uns besonders die Veränderungen in den ländlichen Gebieten Deutschlands, die Lage der Flüchtlinge und deren Integration sowie die Bevölkerungsentwicklung in den armen Ländern der Welt, die immer häufiger zu Krisenstaaten werden und künftig für noch größere Wanderungsbewegungen sorgen dürfte.

Wer die wichtige Arbeit des Berlin-Instituts unterstützen möchte, über eine Spende oder eine Mitgliedschaft im Förderkreis, findet hier Informationen:

www.berlin-institut.org/foerderkreis-des-berlin-instituts.html