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Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Was tun mit den Schrumpfregionen?

Was tun mit den Schrumpfregionen?

Am 09. November 2015 hat das Berlin-Institut gemeinsam mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius die Podiumsdiskussion „Schlagabtausch zur Demografie“ veranstaltet – diesmal zum Thema „Der ländliche Raum: fördern oder fallen lassen?“. Bei der zweiten Veranstaltung in der vierteiligen Reihe diskutierten die Bundestagsabgeordnete Ute Vogt (SPD) und der Architekt und Publizist Philipp Oswalt, ob und wie die Versorgung peripherer, schrumpfender Landstriche gewährleistet werden kann.

In vielen ländlichen Regionen sinken seit Jahren die Einwohnerzahlen. Vor allem junge Menschen zieht es in die attraktiven Ballungsräume, während die älteren Landbewohner in den Dörfern zurückbleiben. Der demografische Wandel zeigt sich in diesen Landstrichen daher besonders deutlich. Für die betroffenen Kommunen wird es zudem schwieriger, öffentliche Versorgungsstrukturen von Kindergärten über öffentlichen Nahverkehr bis hin zu Ärzten aufrecht zu erhalten. Im Umgang mit diesen Veränderungen verfolgen die beiden Podiumsgäste unterschiedliche Ansätze.

So macht sich die Politikerin Ute Vogt für eine Wiederbelebung des ländlichen Raums stark. Durch angemessene politische Förderung könne es gelingen, mehr Menschen für ein Leben im ländlichen Raum zu begeistern, sagt die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion für die Bereiche Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit, Ernährung und Landwirtschaft. Dazu müsse vor allem die Infrastruktur aufgewertet werden.

Breitband für alle? 

Die Bundestagsabgeordnete Ute Vogt (Mitte) und Architekt und Publizist Philipp Oswalt (rechts) diskutieren im Berliner Collegium Hungaricum über die Zukunft des ländlichen Raums. (Foto: David Ausserhofer)

Dem widerspricht Philipp Oswalt, Mitautor des Buches „Raumpioniere in ländlichen Regionen. Neue Wege der Daseinsvorsorge“. Ihm zufolge sollte die Politik die Umzugswünsche der Menschen akzeptieren und nicht versuchen, diese umzukehren. Vielmehr müsse es darum gehen, die Versorgung im ländlichen Raum an die bestehenden Bedingungen anzupassen und dabei auch neue Wege zu beschreiten – etwa durch mobile, temporäre oder digitale Angebote. Auch müsse die ansässige Bevölkerung in einigen Bereichen selbst Verantwortung übernehmen. Die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen dafür seien bislang aber eher hinderlich.

Die Moderation der kontroversen Debatte führte die GEO-Journalistin Katja Trippel. Wie beim „Schlagabtausch zur Demografie“ üblich, band sie auch das Publikum ein, das mit kritischen Fragen die Diskussion bereicherte. Als Gastgeber hatten Hannah Jacobmeyer, Programmleiterin im Team Wissenschaft und Forschung der ZEIT-Stiftung sowie Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts, mit inhaltlichen Akzenten auf den Abend eingestimmt.

Der „Schlagabtausch zur Demografie“ ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Dabei debattieren jeweils zwei Experten aktuelle Themen des demografischen Wandels. Die Veranstaltungen finden wechselseitig in Hamburg und Berlin statt. Der nächste Schlagabtausch findet voraussichtlich im Juni 2016 in Hamburg statt.