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Ausgabe 27, 10. November 2006

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Hauptrisiko Alter
Warum gibt es immer mehr Alzheimerkranke und wer versorgt die wachsende Zahl an Patienten?

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Von Ost- nach Westdeutschland
Die Zahl der Wanderungen aus den neuen in die alten Bundesländer nimmt ab - wer umziehen kann und will, hat es schon getan. Aus dem Osten in den Westen, aus der Stadt ins Umland. Zurück bleiben dünn besiedelte Landschaften, in deren Infrastruktur zu investieren sich kaum noch lohnt.

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Hauptrisiko Alter
Warum gibt es immer mehr Alzheimerkranke und wer versorgt die wachsende Zahl an Patienten?

In Zukunft wird der Anteil älterer Menschen in der deutschen Bevölkerung stetig größer. Dank des medizinischen Fortschritts leben wir immer länger. Und weil wir immer weniger an "einfachen", früher tödlichen Infektionskrankheiten sterben, erkranken immer mehr Menschen an chronischen Zerfallserscheinungen wie der Alzheimerschen Krankheit. Denn das Risiko für Demenzen steigt mit dem Alter rapide an. Während von den 65-Jährigen gerade jeder 26. Alzheimer bekommt, ist es bei den 85-Jährigen schon jeder Dritte. Die Kranken- und Pflegekassen und letztlich jeder einzelne Privathaushalt müssen sich auf eine ständig steigende Zahl von Alzheimer-Patienten einstellen.

Vor hundert Jahren, als der Nervenarzt Alois Alzheimer auf einer Tagung der Südwestdeutschen Irrenärzte am 3. November 1906 in Tübingen von der "eigenartigen Erkrankung der Hirnrinde" seiner Patientin Auguste Deter berichtete, stieß er bei den Fachkollegen zunächst auf wenig Interesse. Lange blieb die Krankheit von untergeordneter Bedeutung - schlicht und einfach, weil es wenige Fälle gab. Erst seit die amerikanische Schauspielerin Rita Hayworth in den 1980er Jahren an Alzheimer erkrankte, aber vor allem als der ehemalige amerikanische Präsident Ronald Reagan mit seinem Leiden an die Öffentlichkeit trat, findet die Krankheit öffentliche Beachtung. Heute sind in Deutschland etwa eine Million Menschen betroffen, in den USA vier, weltweit zwölf Millionen - und es wird intensiv nach Ursachen und Therapieansätzen geforscht.

Menschen mit Alzheimer verlieren nach und nach ihr Gedächtnis und damit die Erinnerung an ihre eigene Persönlichkeit. Im fortgeschrittenen Stadium sind sie komplett auf fremde Hilfe angewiesen. Was genau die Alzheimersche Demenz auslöst, ist noch immer wenig verstanden. Als Hauptrisikofaktor nennen Mediziner das Alter selbst.

Der demografische Wandel wird also mit Sicherheit mehr Alzheimerfälle mit sich bringen:
Schon 2020 wird jeder dritte Deutsche über 60 Jahre alt sein. Das liegt nicht nur an der ständig steigenden Lebenserwartung, sondern auch daran, dass die Deutschen immer weniger Kinder bekommen. Seit gut 30 Jahren liegen unsere Geburtenraten weit unter dem "Ersatzniveau", bei dem die Kinder- ihre Elterngeneration ersetzt. Seit den 1970er Jahren bekommt jedes Paar im Mittel 1,4 Kinder, wodurch jede Nachwuchsgeneration rein rechnerisch um ein Drittel kleiner ist als die ihrer Eltern.

Entwicklung der unter 6- und über 75-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 1950 bis 2050

Datengrundlage: Statistisches Bundesamt
Dank einer steigenden Lebenserwartung und durch mangelnden Nachwuchs steigt die Zahl der über 75-Jährigen an, während die der Kindergartenkinder zurückgeht. Bis 2050 werden in Deutschland 13 Millionen Menschen das 75. Lebensjahr überschritten haben.

Entsprechend beginnen die wirklichen Probleme für die Gesundheitssysteme, wenn die in den 1960ern geborenen, geburtenstarken Jahrgänge über 60 Jahre alt werden - also etwa von 2020 an. Denn mit dem 60. Lebensjahr steigen die Gesundheitskosten pro Kopf überdurchschnittlich stark an. "Die höhere Lebenserwartung fußt auf einem medizinischen System, das mit immer neuen, und immer teuereren Methoden ein erträgliches Leben auch in Gegenwart von Krankheiten ermöglicht", sagte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts, auf dem Symposium "Altern und Alzheimer" des Interdisziplinären Forschungszentrum für Neurowissenschaften (IFZN) in Mainz. Aus heute zwei Millionen Pflegebedürftigen werden bis zum Jahr 2050 vermutlich fünf Millionen. Auf diese Entwicklung sind die Versorgungssysteme bisher weder von der Infrastruktur noch von der finanziellen Ausstattung her vorbereitet.

Von der Pyramiden- zur Pilzform: Wenn die geburtenstarken Jahrgänge, heute 35 bis 50 Jahre alt, also mitten im Berufsleben, ins Rentenalter kommen, wird es nicht mehr so viele Erwerbstätige geben. Zwangsläufig sinken dann die Einzahlungen in die Sozialsysteme. Weil mittlerweile die geburtenschwachen, in den 1970ern und später geborenen Jahrgänge selbst im Elternalter sind, die ihrerseits im Mittel nur 1,4 Kinder bekommen, wird die Zahl der jungen Menschen weiter zurückgehen.

Neben der Frage, wovon die Alten in Zukunft leben sollen, stellt sich die, wer sie pflegen wird. Heute spielen die Pflegeheime bei der Versorgung eine untergeordnete Rolle: Die meisten Pflegebedürftigen werden bisher in der Familie versorgt, meist von Partnern, Töchtern und Schwiegertöchtern. Familien gibt es aber immer weniger - und Schwiegertöchter, die versorgend eingreifen, werden aufgrund steigender Scheidungsraten ebenfalls immer seltener. Zudem werden die wenigen jungen Menschen stetig mobiler und sind oft aus rein räumlichen Gründen nicht in der Lage, ihre eigenen Eltern zu betreuen. (siehe Newsletter "Kinder? Nein Danke")
Bei der Diagnose Alzheimer können Mediziner heute noch immer keine heilende Therapie anbieten: Die gebräuchlichen Medikamente verzögern den Krankheitsverlauf im besten Fall um ein, zwei Jahre. Nur 40 Prozent der Patienten sprechen überhaupt darauf an. Außerdem ist die Einnahme meist mit Nebenwirkungen verbunden. Der schleichende Prozess, der die Nervenzellen abtötet, beginnt bereits 15 bis 30 Jahre bevor die Krankheit sich zu erkennen gibt. Bestimmte Proteine, so genannte Amyloide, verklumpen im Gehirn zu steinharten Plaques und greifen die Nervenzellen an, die dann absterben. Dieser Prozess ist eng verknüpft mit anderen altersbedingten Veränderungen. So entstehen die gefährlichen Proteine vor allem dort, wo viel Cholesterin in die Zellmembran eingelagert ist und am ehesten, wenn die Zelle besonders viel oxidativem Stress durch freie Radikale ausgesetzt ist. Freie Radikale entstehen beim Stoffwechsel und können Zellmembran, wichtige Proteine sowie Erbmaterial beschädigen.

Wie beim ganz normalen Alterungsprozess kann das Gehirn den Verlust von Nervenzellen zunächst gut kompensieren, weshalb man dem Patienten nichts anmerkt. Dass es sich um eine Demenz handelt, wird meist erst klar, wenn das Gedächtnis schon stark in Mitleidenschaft gezogen ist. Das ist auf Hirn-Bildern aus der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) zu erben. "Bei Alzheimer ist der Verlust meist zuerst am Hippocampus zu sehen, einer Gehirnstruktur, die für Speicherung und Erhalt von Gedächtnisinhalten wichtig ist", so die Psychiaterin Isabella Heuser von der FU Berlin auf dem Symposium in Mainz. Erste Anzeichen für eine verminderte Gedächtnisleitung sollten daher ernst genommen werden. "Wenn man das Gefühl hat, es habe sich etwas verändert mit dem Gedächtnis, sollte man das in einer Memory Clinic checken lassen." Wenn eine leichte kognitive Störung (Mild Cognitive Impairmant, MCI) schon früh erkannt wird, können Medikamente wie bestimmte Entzündungshemmer noch der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz entgegen wirken.

Mangels Therapie raten Mediziner auf die wichtigsten Risikofaktoren selbst Einfluss zu nehmen: Bluthochdruck, hoher Kalorienverbrauch und Übergewicht, Cholesterin und Diabetes mellitus stehen im Zusammenhang mit Alzheimer. "Eine kalorienarme, an mehrfach ungesättigten Fettsäuren reiche Diät (mediterrane Diät), der Genuss von viel grünem Tee, sowie körperliche und geistige Aktivität senken das Risiko beachtlich", sagt Christian Behl von der Universität Mainz. Doch es gibt auch genetische Faktoren, die auf die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, einwirken. Wie groß der Einfluss von Genen ist, welche Rolle Umweltfaktoren spielen und welche Rolle der Zufall spielt, ist noch umstritten.

Manche Forscher, die neue Alzheimer-Medikamente entwickeln, hoffen, dass es bald gelingen wird, die Krankheit aufzuhalten, auch wenn sie bereits ausgebrochen ist. "Ich denke, wir werden in fünf Jahren so weit sein", glaubt Falk Fahrenholz von der Universität Mainz. Es werden sowohl Stoffe gesucht, die Enzyme daran hindern, dass sich Plaques überhaupt bilden, als auch solche, die die vorhandenen Plaques auflösen und über die Blutbahn abführen können. Doch bisher haben Stoffe, die im Tierversuch Wirkung zeigten, sich am Menschen nicht bewährt. Im praktischen Alltag mit Demenzkranken zeigt sich denn auch menschliche Nähe und Zuwendung als das wirkungsvollste Medikament, so das Fazit von Michael Jürgs, Autor des Buches "Alzheimer - Spurensuche im Niemandsland".


Literatur: Michael Jürgs, Alzheimer - Spurensuche im Niemandsland, Bertelsmann, München, 2006

Weitere Informationen unter: www.ifzn.uni-mainz.de

 

   
     
 

Von Ost- nach Westdeutschland
Die Zahl der Wanderungen aus den neuen in die alten Bundesländer nimmt ab - wer umziehen kann und will, hat es schon getan. Aus dem Osten in den Westen, aus der Stadt ins Umland. Zurück bleiben dünn besiedelte Landschaften, in deren Infrastruktur zu investieren sich kaum noch lohnt.

Immer weniger Menschen verlassen die neuen Bundesländer. Vor allem das Potenzial an jungen Erwachsenen, die im Westen Arbeit oder Ausbildung suchen, scheint nach und nach erschöpft zu sein. Das zeigen Zahlen, die das Statistische Bundesamt zum Tag der deutschen Einheit veröffentlicht hat. Netto verloren die neuen Bundesländer im vergangenen Jahr rund 49 000 Einwohner, fast 3000 weniger als noch 2004. Damit setzt sich ein rückläufiger Trend fort, der seit 2001 zu beobachten ist.

Seit der Wende verlieren die neuen Bundesländer Einwohner an die Länder des alten Bundesgebiets. Während der ersten Welle der deutschen Binnenmigration verließen rund eine Million Menschen den Osten (1989-1992). Mit den umfangreichen Investitionen zum "Aufbau Ost" kam in den Neunzigerjahren die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft in den neuen Bundesländern doch noch erholen würde - und die Abwanderung erreichte 1996 den Tiefststand der Nachwendezeit mit 25 000 Netto-Abgewanderten. Doch schon ab dem folgenden Jahr nahm die Abwanderung in das alte Bundesgebiet wieder zu, bis 2001 mit netto 97 000 ein nächster Hochpunkt erreicht war. Seitdem geht der Saldo wieder langsam zurück.

Ost-West-Wanderungssaldo (ab 2001 ohne Berlin)

Direkt nach der Wende verlor der Osten die meisten Einwohner. In den Neunzigerjahren ging die Zahl auf 25 000 (1996) zurück, nahm aber zur Jahrtausendwende hin wieder zu. Seit 2001 wandern immer weniger Menschen von Ost nach West. Frauen verlassen den Osten seit 1991 in wesentlich größerem Umfang als Männer.

Ende der neunziger Jahre wurden die Gesamtabwanderungsquoten der neuen Länder dadurch abgemildert, dass viele Berliner ihren Wohnsitz vor die Stadtgrenzen verlegten. Berücksichtigt man diese spezielle West-Ost-Bewegung, die eigentlich durch die Suburbanisierung Berlins entsteht, beträgt das Abwanderungssaldo des Ostens 1996 nur rund 17 000, 1997 nur 2500 Menschen. Bis 2001 verringerte sich die Stadtflucht aus Berlin von rund 26 000 Menschen in 1997 auf 7000 und bleibt seither auf etwa diesem Niveau.

Mehr als die Hälfte der Ostflüchtigen sind zwischen 18 und 25 Jahren alt. Doch nun ist vor allem in dieser beweglichsten Altersgruppe in den vergangenen Jahren Ruhe eingekehrt. Sind 2001 noch drei Prozent der jungen Erwachsenen vom Osten in den Westen gezogen (netto), waren es 2005 nur noch zwei Prozent. Ursache könnte sein, dass die qualifizierten und dynamischen jungen Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt im Westen eine Chance haben, bereits größtenteils den Osten verlassen haben - und dass es nicht viel Nachwuchs an 18jährigen Wanderungswilligen und - fähigen gibt.

Junge Frauen zieht es nach wie vor stärker in den Westen als junge Männer, auch wenn die Wanderung insgesamt nachlässt. 2001 sind netto 2,3 Prozent der jungen Männer abgewandert, aber 3,7 Prozent der jungen Frauen. 2005 sind es nur noch 1,6 Prozent der 18-25-jährigen Männer, aber 2,5 Prozent der jungen Frauen.

Mehr als die Hälfte der Abwanderer aus Ostdeutschland ist zwischen 18 und 25 Jahre alt. Nach wie vor wandern mehr junge Frauen als Männer ab, wobei die Zahl der Wanderungen insgesamt seit 2001 zurückgeht: von 2,3 Prozent der jungen Männer und 3,7 Prozent der jungen Frauen (2001) auf 1,6 Prozent der Männer und 2,5 Prozent der Frauen (2005).

Für junge Menschen aus dem Osten liegt der wohl wichtigste Grund, in den Westen zu gehen, in besseren Chancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Vor allem Ostdeutsche Frauen mit traditionell hohen Erwerbsquoten suchen im Westen eine Arbeit oder Ausbildungsmöglichkeit, die es im Osten nicht mehr gibt, schreibt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in der Analyse "Bevölkerungsumverteilungen und Auswirkungen innerdeutscher Wanderungen". Mittlerweile besteht in allen Regionen der neuen Bundesländer ein Männerüberschuss, vor allem bei den jungen Erwachsenen. Einzig in einigen Universitätsstädten gibt es noch genauso viele junge Frauen wie junge Männer. Besonders gravierend ist das Ungleichgewicht in ländlichen Gebieten - in einigen Landkreisen kommen auf 100 Männer weniger als 80 Frauen. Das erklärt sich dadurch, dass weniger Frauen als Männer in die neuen Bundesländer (zurück) wandern (Statistisches Bundesamt).

Arbeitsplätze gibt es in wirtschaftsstarken Regionen. So profitieren diese von der Abwanderung aus dem Osten und betreiben "demografischen Klau" an qualifizierten Arbeitskräften. Mehr als jeder fünfte Abwanderer zieht nach Bayern. Etwas weniger gehen jeweils nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die meisten kommen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Auch Verdichtungsräume wie etwa um Hamburg, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart und München ziehen mit einem dynamischen Arbeitsmarkt und Bildungs- Kultur- und Freizeitangeboten Menschen aus Schwundregionen an.

Die Binnenmigration hat weit reichende Folgen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Regionen und löst in vielen Bereichen einen weiteren Bevölkerungsschwund aus. Die überdurchschnittliche Abwanderung der Frauen führt dazu, dass in den Geberregionen noch weniger Kinder geboren werden und sich familienfreundliche Strukturen kaum noch lohnen. Kindergärten und Schulen werden geschlossen. Mit der Wende ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in den neuen Bundesländern von 1,7 (1988) auf 0,7 (1994) zurückgegangen. Zwingende Folge war, dass sieben Jahre später die Hälfte der Schulbänke leer blieb. Mit der Schließung der Schulen werden die Schulwege länger - das macht diese Regionen noch unattraktiver für Familien.

Ein Verlust an qualifizierten Arbeitskräften führt zu einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale. Denn trotz einer hohen Arbeitslosigkeit mangelt es im Osten an Fachkräften. Und wo kein qualifizierter Nachwuchs ist, siedeln sich auch keine Firmen an. Ein überwiegender Teil der Arbeitslosen ist bereits über 55 Jahre alt, unter den jungen haben überdurchschnittlich viele keinen Schulabschluss. Bis 2010 wird sich die Zahl der Schulabgänger nochmals halbieren, da dann die geburtenschwachen Nachwende-Jahrgänge ins Ausbildungsalter kommen.

Dramatisch sind die Folgen des Bevölkerungsschwunds für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind. In schrumpfenden Regionen schließen Supermärkte, Arztpraxen und Behörden. Daher ist damit zu rechnen, dass Ältere in Zukunft verstärkt wieder in die Städte ziehen oder in Gebiete, die sich mit ihrem Dienstleistungsangebot speziell auf Ältere eingestellt haben. Angesichts der steigenden Bedeutung dieser Bevölkerungsgruppe sind diese Bewegungen nicht zu unterschätzen.

Stadtplaner haben mit Leerständen und einer zu geringen Auslastung von Infrastrukturen wie Wasser- und Abwasserleitungen zu kämpfen. Eine Million Wohnungen, 13 Prozent des Bestandes der neuen Bundesländer, sind unbewohnt - die Hälfte davon ist abrissbereit. Bei einer geringen Einwohnerzahl haben die Kommunen auch weniger Einnahmen, mit denen sie die Aufrechterhaltung der Infrastrukturen finanzieren könnten.

Fast überall verlieren die Städte Einwohner an das Umland. Meist sind es Familiengründer, die ein attraktives Wohnumfeld suchen, möglichst nah an der Großstadt, aber dennoch im Grünen. Die Abwanderung dieser Gruppe aus den Kernstädten führt zu einer Suburbanisierung: Einkommensstarke Schichten wohnen in den Speckgürteln der Städte, während einkommensschwache Schichten in den Stadtkernen zurück bleiben. Dadurch büßen die Städte dringend benötigte Steuereinnahmen ein.

Um der Unterversorgung mit Bildungs-, und Gesundheitsangeboten zu begegnen, sollte sich die Förderung der schrumpfenden Regionen auf einzelne Städte als Wachstumskerne konzentrieren. Eine flächendeckende Versorgung ist angesichts leerer Staatskassen und dem unaufhaltsamen demografischen Wandel nicht zu gewährleisten, folgert das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Um die Suburbanisierung zu begrenzen, müssen Städte familienfreundlicher werden und die einkommensstarken Schichten an sich binden.

Mehr über das Ausmaß, die Ursachen und Folgen der Binnenmigration lesen Sie in der Analyse "Bevölkerungsumverteilungen und Auswirkungen innerdeutscher Wanderungen", die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt hat.

Quellen:
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 29.9.2006
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Bevölkerungsumverteilungen und Auswirkungen innerdeutscher Wanderungen

 

   
 

 

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