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Ausgabe 29, 31. Januar 2007

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Falsch gepaart
Liegt ein Schlüssel zur Demografie in den Genen? Ob Frauen Kinder kriegen, ist offenbar nicht allein eine Frage der gesellschaftlichen Umstände. Wann, mit wem und wieviel Nachwuchs sie bekommen, wird auch durch ihr evolutionäres Erbe bestimmt - und durch die hormonelle Verfassung, in der sie sich befinden.

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Familienförderung in Italien
Italien - das einst so kinderreiche Land altert. Was tut die Familienpolitik, um dies zu ändern?

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Falsch gepaart
Liegt ein Schlüssel zur Demografie in den Genen? Ob Frauen Kinder kriegen, ist offenbar nicht allein eine Frage der gesellschaftlichen Umstände. Wann, mit wem und wieviel Nachwuchs sie bekommen, wird auch durch ihr evolutionäres Erbe bestimmt - und durch die hormonelle Verfassung, in der sie sich befinden.

Forschungen der Evolutionspsychologin Martie Haselton von der University of California in Los Angeles legen nahe: Die weibliche Entscheidung für Nachwuchs wird unter anderem von Jahrmillionen alten unbewussten Faktoren gesteuert, die in unserer evolutionären Vergangenheit geformt wurden. Viele heimliche Kriterien für die Partnerwahl sind kaum bekannt. Diese archaischen Instinkte könnten jedoch mit kulturellen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten in modernen Industriegesellschaften kollidieren.

Wie subtil viele tief im menschlichen Stammbaum verankerte Vorlieben die weibliche Sexualität prägen, konnte Haselton in ihrer jüngsten Veröffentlichung zeigen. Die Psychologin fand heraus: Ohne es zu wissen, signalisieren Frauen an ihren fruchtbarsten Tagen eindeutig Paarungsbereitschaft. Sie kleiden sich schicker, legen mehr Rouge auf, gehen öfter aus - und flirten häufiger mit anderen Männern als mit ihrem festen Partner.

Diese Befunde stellen eine lang gehegte Theorie auf den Kopf: Bisher dachten die Forscher, dass man Frauen ihre Fruchtbarkeit nicht ansehen könne - anders als etwa bei Affenweibchen, die mit ihren deutlichen Genitalschwellungen auf sich aufmerksam machen. Nun glauben die Wissenschaftler, sich auch die menschlichen Paarungssignale mit der so genannten Gute-Gene-Hypothese erklären zu können: Primaten-Weibchen (zu denen auch die der Spezies Homo sapiens gehören), die in einer geschützten Zweierbeziehung leben, können mit einem Seitensprung zur richtigen Zeit das Erbgut flatterhafter, aber besonders viriler Partner auf ihre eigenen Kind übertragen.

Hinter dieser Taktik verbirgt sich ein biologischer Trick: Während Partner, die sich durch gute soziale Eigenschaften auszeichnen, als gute Väter begehrt sind, weil sie für Verlässlichkeit, für Schutz und Nahrung sorgen, taugen jene Männer, die für Evolutionspsychologen besonders erfolgreiches Erbgut signalisieren - kantiges Kinn, symmetrisches Gesicht, tiefe Stimme - eher als kurzfristige Partner.

Weil die Partner mit "Guten Genen" von vielen Konkurrentinnen begehrt sind, können sie schon rein quantitativ nicht alle als netter Papi dienen. Das tut dann jener, zuverlässige aber genetisch eher glanzlose Mann, dem derartige Kuckuckskinder untergejubelt werden.

Zu diesem Bild passt: Frauen in festen Beziehungen sehnen sich am Gipfel der Fruchtbarkeit vermehrt nach Partnern mit Macho-Eigenschaften. Solche Merkmale sind zur Zeit des Eissprungs auch dann attraktiv, wenn die getesteten Frauen normalerweise auf derartige Tarzan-Symbole eher hinab sehen. Doch die Verlockungen fremder Gene sind so subtil, dass auch anspruchsvolle Frauen messbar nachgeben: "Frauen am Gipfel ihres Zyklus haben eine Vorliebe für intelligente, kreative, aber unstete Typen", hat Haselton herausgefunden. "In anderen Phasen ihrer Periode mögen sie eher solide Versorger".

Kriterien, die in unserer fernen Vergangenheit ihren Nutzen hatten, sind auch im heutigen Leben weiter im Spiel - freilich verdeckt. Schon länger bekannt ist etwa, dass sich Partner mit unterschiedlichen Immunsystemen anziehen - vermutlich, weil eine solche Mischung gesunde Nachkommen wahrscheinlicher macht. Solche Attraktivität können wir zwar nicht bewusst erfassen. Aber wir erkennen - intuitiv - am Geruch, wie ähnlich das Immunsystem eines potenziellen Partners dem unseren ist. Die unerklärliche und blitzartige Anziehung zwischen zwei Menschen geht durch die Nase. Auch die Tage um den Eisprung können Männer erschnuppern. Testpersonen bewerteten den Körpergeruch von Frauen während der Ovulation als besonders attraktiv.

"Für wen wir dahinschmelzen, wird von einer ganzen Reihe Faktoren bestimmt, von denen uns einige bewusst sind, andere nicht", sagt Haselton. Aber all diese Faktoren - das vergessen wir heute oft - stehen im Dienste eines evolutionären Zieles: Kinder zu kriegen. Was Menschen als Attraktivität erleben, ist in vieler Hinsicht, so zeigen Haseltons Untersuchungen, ein maskierter Kinderwunsch. Hier liegt der springende Punkt: Genau diese archaischen, aber sensiblen psychologischen Mechanismen setzt unsere Zivilisation häufig außer Kraft.

Dazu trägt besonders die Pille bei, die über 80 Prozent der deutschen Frauen zur Verhütung bevorzugen. Die Pille polt nachweislich die Geruchssignale möglicher Partner um - und bringt in einem verhängnisvollen coup de foudre immunologisch gesehen genau die Falschen zusammen, die sich ohne Hormontabletten kaum finden würden. "Frauen, die mit der Pille verhüten, riskieren es, einen Mann zu wählen, der genetisch nicht mit ihnen harmoniert", sagt Haselton. Probleme tauchen möglicherweise dann auf, wenn sie das Verhütungsmittel absetzen und Nachkommen planen: Plötzlich fehlen die unbewussten Impulse zur Familienplanung. Wenn der Partner immunologisch nicht passt, bleibt der Kinderwunsch möglicherweise aus - trotz Ganztagsbetreuungsangebot und Elterngeld.

Leben in Deutschland - dessen Frauen wie in kaum einer zweiten Nation zur Kontrazeption die Pille favorisieren - Millionen von Paaren zusammen, die auf einer elementaren biologischen Ebene nicht optimal aufeinander eingestellt sind? Es ist jedenfalls denkbar - wenn auch experimentell und statistisch nicht belegt - dass die Konsequenzen der Anti-Baby-Pille über die reine Empfängnisverhütung hinausgehen. Sie könnten nicht nur die Biologie, sondern auch die Psychologie der Fruchtbarkeit verändern und so ein Klima der seelischen Verhütung schaffen, in dem viele Paare Kinder intuitiv nicht wollen - auch wenn sie sich selbst nicht erklären können, warum.

Haseltons Forschungen unterstreichen, wie komplex die Psychologie der menschlichen Fortpflanzung ist. Ihre Erkenntnisse machen deutlich, warum es so schwer sein kann, Unterschiede in der Fruchtbarkeitsrate einzelner Länder wie Deutschland und Frankreich zu erklären, die zwar alle einen ähnlichen Lebensstandard haben, aber doch alle auch unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten, Traditionen und Rollenbilder. Die Brisanz von Haseltons Ergebnissen und denen anderer Forscher zeigt: Unsere emotionale Seite wird von Sozialwissenschaftlern bis heute zu wenig in Rechnung gestellt.

Gerade hier schlummern aber möglicherweise Lösungen für hartnäckige Probleme. So ließe sich vermuten, dass die schwankende Präferenz für bestimmte Rollenbilder während des weiblichen Zyklus mit wichtigen Bedürfnissen und Selbstbildern einer modernen Frau kollidiert - und dass auch ein solches Dilemma den Kinderwunsch unbewusst einschränken könnte. Ungeahnte - und politisch nicht korrekte Zusammenhänge eröffnen sich: Selbst die in der deutschen Gesellschaft noch in Teilen übliche Abwertung von Frauen, die sich attraktiv kleiden, könnte Konsequenzen für die nationale Fertilität haben.

"Einen Partner zu wählen ist die folgenreichste Entscheidung unseres Lebens", sagt Martie Haselton. "Und doch sind wir mit ihr oft unzufrieden". Für die modernen westlichen Gesellschaften könnte sich nicht nur ein emotionales Dilemma dahinter verbergen - sondern auch ein demografisches.

Quellen:

Buss et al. (1998): Adaptations, Exaptations, and Spandrels. American Psychologist 53 (5): 533-548.

Haselton, M. G. (2006): Sexual attraction: the magic formula. Times Online, 28. Mai.

Haselton, M. G.; Miller, G. M. (2004): Fertility favors Creative intelligence. In preparation (online unter http://www.sscnet.ucla.edu/comm/haselton/webdocs/haseltonmiller.pdf).

Haselton, M.G.; Gangestad, S. W. (2006): Conditional expression of womens's desires and men's mate guarding across the ovulatory cycle. Hormones and Behavior 49: 509-518.

Haselton, M.G. et al. (2007): Ovulatory shifts in human female ornamentation: Near ovulation, women dress to impress. Hormones and Behavior 51(1): 40-45.

Pillsworth, E. G.; Haselton, M. G.; Buss, D. M. (2004): Ovulatory shifts in female sexual desire. J Sex Res 41(1): 55-65.


Für Nachfragen und Interviews steht Dr. Andreas Weber unter 0170-8118492 zur Verfügung.




 

   
     
 

Familienförderung in Italien
Italien - das einst so kinderreiche Land altert. Was tut die Familienpolitik, um dies zu ändern?

Italien hat eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit. Nur 1,34 Kinder bringen die italienischen Frauen im Durchschnitt zur Welt. Angesichts des traditionell hohen Stellenwertes von Familie und Kindern in Italien wirkt es befremdlich, dass gerade hier so wenige Geburten zu verzeichnen sind.

Wie lässt sich das erklären?

Aufschluss darüber gibt ein Blick auf die Familienpolitik, die in Italien gewisse Besonderheiten aufweist: Nur 3,8 Prozent der Sozialausgaben werden für den Bereich Familie verwendet. Im Vergleich dazu geben die europäischen Länder 8,2 Prozent aus. Als Anteil am Bruttoinlandsprodukt nehmen die Ausgaben für Familien in Italien nicht einmal ein Prozent ein. Abgesehen von Spanien ist Italien darüber hinaus das einzige Land Europas, das kein universelles System der Kindergeldzahlungen besitzt.


Die Kinderzahl je Frau in Italien von 1950 bis 2005

Quelle: Eurostat 2006

Die Fertilitätsrate in Italien sinkt seit 1965. Im Jahr 1995 erzielt sie ihr historisches Tief von 1,19 Kindern pro Frau. Seitdem steigt sie wieder leicht an. Allerdings ist diese Erholung nicht für Gesamtitalien kennzeichnend, sondern nur für die norditalienischen Regionen. Im Süden sinkt die Geburtenrate weiterhin. In Gesamtitalien erreicht sie im Jahr 2005 einen Wert von 1,34 Kindern pro Frau, der deutlich unter dem bestandserhaltenden Wert von 2,1 Kindern pro Frau liegt.


Zentraler Bestandteil der italienischen Familienpolitik ist der assegno per il nucleo familiare, eine Beihilfe für die Kernfamilie, die sich nach der Höhe des Familieneinkommens und der Anzahl der von diesem Einkommen abhängigen Personen richtet. Bei wenigen Familienmitgliedern und bei steigendem Einkommen sinken die Leistungen. Ab einer bestimmten Einkommensgrenze werden überhaupt keine Gelder mehr bezogen.

Um den nucleo familiare, die Kernfamilie, zu bestimmen, zählt man den Antragssteller, den Ehepartner (wenn er nicht gesetzlich geschieden ist), die Kinder unter 18 Jahren sowie die Kinder über 18, wenn sie behindert und nicht arbeitsfähig sind. Dies gilt für alle diese Personen unabhängig davon, ob sie mit dem Antragsteller zusammen leben oder nicht. Ausgeschlossen sind die volljährigen Kinder, auch wenn sie im gleichen Haushalt leben (Studenten, Arbeitslose oder junge Menschen auf der Suche nach der ersten Arbeit). Alleinerziehenden, Geschiedenen oder Ledigen mit minderjährigen oder behinderten Kindern werden höhere Einkommensgrenzen einberaumt. Langzeitarbeitslose und Selbstständige haben keinen Anspruch auf Zahlungen.
Die Beihilfe wird anhand eines Schlüssels berechnet, der jedes Jahr zum 1. Juli
entsprechend der Preisentwicklung aktualisiert wird. Aufgrund der Einkommensbescheide erhalten die bezugsberechtigten Familien dann im darauffolgenden Berechnungszeitraum den ihnen zustehenden monatlichen Betrag.

1999 wurden zwei weitere Beihilfen eingeführt: der assegno per i nuclei con almeno tre figli minori, eine Beihilfe für Familien mit mindestens drei minderjährigen Kindern von 118,38 Euro monatlich für einen Zeitraum von dreizehn Monaten und der assegno di maternità, eine Mutterschaftsbeihilfe von 283,92 Euro monatlich für fünf Monate. Aber auch diese richten sich sowohl nach der Anzahl der Familienmitglieder, als auch nach dem Familieneinkommen. Auch hier gilt: Nur Familien mit geringem Einkommen und vielen Kindern kommen in den Genuss dieser Beihilfe.

Auch Steuererleichterungen werden auf der Basis des Haushaltseinkommens und der Größe der Familie gewährt. Vom Familieneinkommen abhängige Personen dürfen nur geringe eigene Einkünfte haben, um bei der Steuerbemessung berücksichtigt zu werden. Kinder werden hierbei bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres berücksichtigt, auch wenn sie nicht im Haushalt der Eltern leben. Für Studenten können bis zur Vollendung des 26. Lebensjahres Steuererleichterungen bezogen werden. Für behinderte Kinder gelten steuerliche Sonderregelungen.

Sowohl die Familienbeihilfen als auch die steuerlichen Entlastungen richten sich in Italien nach dem Einkommen. Mit steigendem Einkommen sinkt nicht nur der monatliche Betrag oder die monatliche Begünstigung. Es sinkt vor allem die Wahrscheinlichkeit, überhaupt in deren Genuss zu kommen. Diese Regelung ist problematisch, da so Einverdienerhaushalte und einkommensschwache Personen bevorzugt werden. Familien mit mittlerem und hohem Einkommen werden auf diese Art und Weise von den Zahlungen und Vergünstigungen ausgeschlossen. Frauen werden nicht motiviert einer Arbeit nachzugehen.

Auch bei der Kinderbetreuung werden in Italien massive Defizite deutlich. Sie gilt als nicht zeitgemäß und wird noch immer mehr der Familie als öffentlichen Einrichtungen zugeschrieben. Die asili nidi, die Kinderkrippen, in denen die Kinder bis zum dritten Lebensjahr betreut werden, erreichten im Jahr 2000 nicht einmal sechs Prozent der Kinder. Eine bessere Abdeckungsquote mit fast 90 Prozent erreicht hingegen die scuola materna, der Kindergarten oder die Vorschule, in der die drei- bis fünfjährigen Kinder betreut werden. Allerdings existieren hier starke regionale Unterschiede. Besuchen im Norden des Landes fast alle Kinder die Vorschule, so sind es in den südlichen Regionen, vor allem auf den Inseln Sardinien und Sizilien, gerade einmal 80 Prozent. Im Norden sind die Vorschulen über acht Stunden am Tag geöffnet, während auf den Inseln der größte Teil der Einrichtungen nur vormittags öffnet.

Auch an dieser Stelle fallen die Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf. Die Betreuung der Kleinstkinder kann nicht allein der Familie überlassen werden. Auf diese Art und Weise werden Mütter dazu gezwungen, für längere Zeit aus dem Berufsleben auszusteigen, ein Umstand, der viele junge Menschen von der Familiengründung abhält.

Eine kleinere, aber dennoch wichtige Erneuerung ergab sich im Bereich des Elternschaftsurlaubes, den seit dem Jahr 2000 beide Elternteile gleichzeitig in Anspruch nehmen können. Der so genannte fakultative Elternurlaub kann in den ersten acht Lebensjahren des Kindes sowohl von der Mutter als auch vom Vater genommen oder zwischen ihnen aufgeteilt werden. Beide Elternteile zusammen können insgesamt elf, ein Elternteil allein sechs Monate zu Hause bleiben. Erklärt sich auch der Vater bereit, mindestens drei Monate Urlaub zu machen, kann die Mutter auch sieben Monate Elternschaftsurlaub beanspruchen. Alleinstehenden steht es frei, zehn Monate von der Arbeit fern zu bleiben. Selbstständige hingegen haben nur die Möglichkeit, drei Monate im ersten Lebensjahr des Kindes zu pausieren. Während dieser Zeit werden bis zu einer festgelegten Einkommensgrenze 30 Prozent des Gehaltes gezahlt. Die Aufteilung des Erziehungsurlaubs erleichtert so zumindest ansatzweise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen.

Ob die familienpolitischen Leistungen aber insgesamt in der Lage sind, die gegenwärtigen demografischen Probleme zu lösen, ist fraglich. Die Lösung scheint im Interesse der italienischen Politik zu sein, denn im Jahr 2006 wurde ein eigenes Familienressort geschaffen, das sich nun konkret um die Probleme der Familien und um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf kümmern soll. Künftiges Ziel ist eine Betragserhöhung der Familienbeihilfe. Außerdem sollen die Steuererleichterungen in Abhängigkeit zum Gehalt erhöht werden. Für Kinderbetreuung sollen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden.

All dies ändert allerdings nichts an dem grundsätzlichen Problem, dass die familienpolitischen Leistungen nicht universell sondern nach wie vor einkommensabhängig gezahlt werden. Nutzen daraus ziehen primär Einverdienerhaushalte oder einkommensschwache Familien. Außerdem richten sie sich grundsätzlich nur an angestellte Arbeitnehmer und nicht an Selbstständige oder an Langzeitarbeitslose.

Optimisten könnten behaupten, die ersten Schritte der italienischen Familienpolitik zeigten bereits Erfolge. Denn tatsächlich ist die Geburtenrate von 1,19 Kindern im Jahr 1995 auf nunmehr 1,34 Kinder je Frau gestiegen. Die gegenwärtige Steigerung geht allerdings nur auf die norditalienischen Regionen zurück und nicht auf den Süden Italiens. Zwar sind die Geburtenraten im Süden wesentlich später zurückgegangen, liegen nun aber unter den Werten des Nordens. Die norditalienischen Regionen verzeichnen einen deutlich höheren Ausländeranteil, der zum Teil die dortigen Steigerungen erklärt.

Eine gute Familienpolitik wäre aber vor allem angesichts der Alterung der italienischen Gesellschaft von großer Bedeutung. Denn auf Grund der niedrigen Kinderzahlen und der sehr hohen Lebenserwartung altern die Italienerinnen und Italiener schneller als beispielsweise die Deutschen.

Im Jahr 2005 lag der Anteil der über 65-Jährigen bei 19,5 und der Anteil der unter 18-Jährigen bei 17,1 Prozent. Im Jahr 2050 werden 34 Prozent der Menschen 65 Jahre und älter und nur 15,4 Prozent der Italiener und Italienerinnen unter 18 Jahren alt sein.


Die Lebenserwartung von italienischen Frauen und Männern von 1980 bis 2003

Quelle: Eurostat 2006

Die Lebenserwartung der Männer und Frauen steigt seit Jahrzehnten konstant an. Mit Werten von 76,8 Jahren bei Männern und 82,5 Jahren bei Frauen liegt Italien im Jahr 2003 im internationalen Vergleich unter den führenden Nationen. Der Rückgang der Lebenserwartung im Jahr 2003 gründet auf der erhöhten Sterblichkeit während des ungewöhnlich heißen Sommers.


Literatur:

- Saraceno, Chiara (2003): Mutamenti della famiglia e politiche sociali in Italia. Il Mulino. Bologna
- Governo Italiano - Italienische Regierung: www.governo.it
- ISTAT - Statistisches Zentralamt www.istat.it
- Missoc Info: http://ec.europa.eu/employment_social/social_protection/missoc_info_de.htm
- Statistisches Amt der EU (Eurostat): http://www.eds-destatis.de/

 

   
 

 

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