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Ausgabe 30, 20. März 2007

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Kinder bringen die Wirtschaft auf Trab
Wie eine kluge Familienpolitik die ökonomischen Folgen des demografischen Wandels abmildern kann

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Übergewicht bedroht die Lebenserwartung
Wir essen zu fett, zu süß und vor allem zu viel. In den USA leben schon heute zwei Drittel der Bevölkerung mit Übergewicht. In Deutschland leiden mehr als die Hälfte der Männer und Frauen darunter. Das hat enorme gesundheitliche Konsequenzen. Warum werden wir trotzdem immer älter?

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Kinder bringen die Wirtschaft auf Trab
Wie eine kluge Familienpolitik die ökonomischen Folgen des demografischen Wandels abmildern kann

Nach der neuesten Bevölkerungs-Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes altert die Gesellschaft Deutschlands noch stärker als bisher angenommen. Wenn in 15 bis 20 Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre ins Rentenalter kommen, gerät das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Versorgungsempfängern in eine bedrohliche Schieflage - mit absehbar negativen wirtschaftlichen Konsequenzen. Denn weniger Arbeitskräfte produzieren auch weniger und zahlen auch weniger Steuern und Sozialabgaben.

In der aktuellen elften koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung
kalkuliert das Bundesamt mit einer stärker steigenden Lebenserwartung als noch in ihrer früheren Prognosen von 2003. Heute gehen die Statistiker in ihrer Basisvariante davon aus, dass ein im Jahr 2050 geborenes Mädchen eine Lebenserwartung von 88 und ein Junge von 83,5 Jahren haben werden. Als Folge des längeren Lebens wären 2050 fast genauso viele Menschen in Deutschland über 60 Jahre alt, wie es Erwerbsfähige zwischen 20 und 59 Jahren gibt. Diese Zahlen beruhen auf dem heute üblichen Renteneintrittsalter von etwa 60 Jahren. Stiege das tatsächliche Ende der Erwerbstätigkeit auf 65 Jahre oder darüber, fiele der Rentnerquotient weniger dramatisch aus - auf zwei Rentner kämen dann etwa drei Erwerbsfähige.

Verschärft wird die Alterung der Bevölkerung dadurch, dass immer weniger Zuwanderer nach Deutschland kommen. Waren es in den 1990er Jahren im Mittel noch über 200.000 pro Jahr, so wanderten im Saldo 2003 noch 103.000 und im vergangenen Jahr nach ersten Berechnungen nur noch 20- bis 30.000 ein. Da die meisten Zuwanderer im arbeitsfähigen Alter sind, verjüngen sie die Bevölkerung und machen sie dadurch produktiver. Wie viele Menschen in Zukunft nach Deutschland einwandern werden, hängt von vielen Faktoren, wie der Lage im Herkunftsland und den Aufnahmebedingungen in Deutschland ab und ist schwer vorherzusagen. Deshalb haben die Statistiker zwei Basis-Varianten berechnet: Bei 100.000 Netto-Zuwanderern käme es bis 2050 fast zu einem 1:1 Verhältnis von Rentnern und Erwerbsfähigen. Bei 200.000 Zuwanderern im Jahr kämen auf sechs Rentner immerhin sieben Erwerbsfähige.

So verändert sich die Bevölkerungsstruktur.

Was bedeuten diese Veränderungen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland? Wie kann die Volkswirtschaft weiterhin produktiv sein, wenn sich die Arbeit auf die Schultern von immer weniger Menschen verteilt? Und wie können diese wenigen dann noch für Nachwuchs sorgen?

In der Studie "Wachstumseffekte einer bevölkerungsorientierten Familienpolitik"
zeigt das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW), dass ein gutes Rezept gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen des demografischen Wandels in einer nachhaltigen Familienpolitik liegt.


Die Wachstumstreiber in der Familienpolitik

Die Ökonomen des IW in Köln haben auf der Grundlage eines vom Sachverständigenrat entwickelten Wachstumsmodells errechnet, wie gut familienpolitische Maßnahmen das Wirtschaftswachstum ankurbeln können. Das Modell betrachtet sieben Einflussfaktoren im Hinblick auf das zukünftige Wachstum. Ein Großteil dieser "Wachstumstreiber" Faktoren kann von der Familienpolitik direkt oder indirekt beeinflusst werden.

Klar ist, dass mehr 25- bis 64-Jährige, also Menschen im Erwerbsalter, heranwachsen, wenn mehr Kinder geboren werden - oder wenn mehr junge Menschen zuwandern. Eine gute Familienpolitik sorgt aber nicht nur für eine wachsende Kinderschar, sie kann auch mehr Menschen in die Erwerbstätigkeit bringen: Dann, wenn bei einem besseren und umfangreicheren Kinderbetreuungsangebot Frauen leichter berufstätig sein können. Bei einer höheren Frauenerwerbstätigkeit und einer ausgeglichenen Bevölkerungsstruktur steigen die Steuereinnahmen sowie die Leistungen an die Sozialkassen, was die Abgabenquote sinken lässt und Produktivität erhöht. Schließlich kann durch eine bessere Bildungspolitik, von differenzierter Vorschulbildung bis einer straffen Universitätsausbildung, das so genannte Humankapital gesteigert werden, gemessen in Jahren formaler Bildung pro Kopf. All diese Maßnahmen beeinflussen sich gegenseitig, verbessern das Familienklima, die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft und führen dazu, dass in die Volkswirtschaft mehr investiert wird.

Aber was ist gute Familienpolitik? Aus den wenigen Studien zur Wirksamkeit familienpolitischer Instrumente hat sich herauskristallisiert, dass sich Kinderzahl tendenziell am besten über die Kinderbetreuungskosten, die Kosten einer Erwerbsunterbrechung und das Elterngeld beeinflussen lässt.

Konkret vermuten die Ökonomen, das Elterngeld führe dazu, dass Paare sich dank mehr Einkommenssicherheit und der Wahlfreiheit zwischen der Betreuung durch einen der Elternteile eher für ein (weiteres) Kind entscheiden. Durch einen schnelleren Wiedereinstieg der Mütter ins Erwerbsleben würden sich die Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen erhöhen, die Sozialaufwendungen verringern. Es sei auch zu erwarten, dass Frauen schon vor einer Geburt mehr Anreize zur Erwerbstätigkeit haben, da sich die Höhe des Elterngeldes nach dem Erwerbseinkommen richtet. Nicht zuletzt setzen die Wissenschaftler auf das Humanvermögen der Frauen, die nach einer Elternzeit wieder in den Arbeitsmarkt eintreten - schließlich sind Frauen heute im Mittel besser qualifiziert als Männer. Und die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften wird in Zukunft steigen.

Ebenso vielfältige Folgen könnten gute Betreuungseinrichtungen, vor allem für unter Dreijährige haben, Ganztagsschulen sowie die Verkürzung der Schul- und Ausbildungszeiten. Ein Mehr an guten Kindergärten würde nicht nur Beruf und Familie besser vereinbar machen, sondern auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen. Kindergärten, die ihren Bildungsauftrag wahrnehmen, können die Kinder verschiedener sozialer Herkunft mit vergleichbaren Startchancen zur Einschulung bringen. Wie seit der Bildungsstudie "Pisa" bekannt ist, bestimmt das Elternhaus eines Schülers seine späteren Erfolgchancen nirgendwo in Europa so stark wie in Deutschland. Dabei ist nicht das Einkommen sondern der Bildungsstand der Eltern für das spätere Bildungsniveau der Kinder ausschlaggebend.

Um diese Defizite zu kompensieren, empfehlen die Ökonomen auch die Einführung von Ganztagsschulen. Allgemein raten sie, die Ausbildungszeiten zu intensivieren und zu verkürzen, damit junge Menschen schneller ins Arbeitsleben einsteigen können und für Familiengründung und Berufseinstieg mehr Zeit zur Verfügung steht.

Einfach nur mehr Kinder?

Doch wie wichtig ist der demografische Faktor für das Wirtschaftswachstum? Das IW hat dafür zunächst den Effekt einer reinen Geburtensteigerung berechnet und dann mit der zusätzlichen Auswirkungen der Familienpolitik verglichen. Heute kommen in Deutschland pro Frau durchschnittlich knapp 1,4 Kinder zur Welt. Eine Geburtenziffer von 1,7 gilt als erreichbar - so viele Kinder wünschen sich die Menschen in Deutschland. Siehe dazu: Newsletter "Kinder - nein Danke". Die Berechnungen ergaben: Bleibt die Kinderzahl, wie sie ist, wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2050 um drei Viertel ansteigen, was einen starken Rückgang des Trendwachstums von heute 1,4 bis 1,7 Prozent auf nur noch 0,7 Prozent bedeutet. Unter der Annahme, dass die Geburtenrate bis 2014 auf 1,7 Kinder pro Frau stiege, bliebe das BIP bis 2050 über der Ein-Prozent-Marke.

Somit können die zusätzlichen Kinder, die in den nächsten Jahren geboren würden, nur einen Teil der Wachstumsverluste abfangen, die durch die Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge zu erwarten ist. Zwar wird es Schwankungen in der Wachstumsrate geben, weil die zusätzlichen Kinder zunächst während ihrer Ausbildung Mehrkosten für Eltern und Gesellschaft mit sich bringen. Langfristig bedeutet aber eine höhere Geburtenrate eine Stabilisierung der Produktions- und Wachstumsraten.

Familienpolitik kann jedoch mehr, als nur die Geburtenzahlen erhöhen. Würde sich über eine bessere Betreuung der Kinder die Frauenerwerbstätigkeit erhöhen und sich über eine bessere Bildung der Eintritt junger Menschen in den Job erleiden, kämen deutlich höhere Wachstumsdividenden zustande: Trotz kürzerer Studienzeiten stiegen die durchschnittlichen Bildungsjahre von derzeit 13,5 auf 14,4 Jahre bis 2050 an, weil insgesamt mehr Menschen an Bildungsangeboten teilhaben könnten. Die Arbeitslosigkeit sänke durch eine höhere Qualifikation und mehr Frauenerwerbstätigkeit von 9,3 auf 7,9 Prozent. Das alles hätte zur Folge, dass das BIP bis 2050 um fast ein Viertel mehr steigen würde als unter gleich bleibenden Bedingungen.

In einem Szenario mit konstant niedrigen Geburtenziffern würde das Wirtschaftswachstum bis 2030 auf 0,7 Prozent absinken. Das besagt ein Gutachten des Instituts für Wirtschaftsforschung in Köln. Würden in Zukunft 1,7 Kinder je Frau geboren, bliebe das Wachstum bei über einem Prozent. Bei einer guten Familienpolitik, die eine höhere Frauenerwerbstätigkeit und eine bessere Bildung zu Folge hätte, wäre ein noch stärkeres Wachstum zu erwarten.


Diese Ergebnisse legen nahe, dass Familienpolitik sich nicht einzig auf eine Erhöhung der Kinderzahlen konzentrieren sollte. Sie ist vielmehr so zu gestalten, dass sie wirtschaftliches Wachstum auf mehreren Ebenen fördert. Auch würde sich eine reine Geburtenerhöhung erst später auswirken, da die zusätzliche Kinder zunächst Geld kosten, bevor sie ins erwerbsfähige Alter kommen. Eine gute Kinderbetreuung, bessere Bildungschancen für Kinder aller sozialen Klassen und kürzere Ausbildungszeiten sind in mehrfacher Hinsicht sinnvoll - nicht zuletzt aus Gründen gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Gemeinsam mit einer gezielten Anwerbung von qualifizierten Zuwanderern für den Arbeitsmarkt könnten diese Maßnahmen helfen, dem drohenden Fachkräftemangel und dem demografisch bedingten Wachstumsrückgang entgegen zu wirken.

 

   
     
 

Übergewicht bedroht die Lebenserwartung
Wir essen zu fett, zu süß und vor allem zu viel. In den USA leben schon heute zwei Drittel der Bevölkerung mit Übergewicht. In Deutschland leiden mehr als die Hälfte der Männer und Frauen darunter. Das hat enorme gesundheitliche Konsequenzen. Warum werden wir trotzdem immer älter?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer weltweiten Fettsuchtepidemie. Nach ihren Angaben sind mehr als eine Milliarde aller Erwachsenen übergewichtig und über 300 Millionen Menschen fettsüchtig. Und der Trend zum Übergewicht steigt weiter an. Im Jahr 2015 werden nach Prognosen 2,3 Milliarden Menschen übergewichtig und rund 700 Millionen Menschen fettsüchtig sein.


Ab einem Body Mass Index von 30 spricht man von krankhafter Fettsucht. Hier sind jene Länder dargestellt, in denen bereits über 20 Prozent der Menschen an dieser Form von massivem Übergewicht leiden. Auffällig ist die Ausbreitung in Nord- und Südamerika. Aber auch einige Länder Europas, Asiens und Afrikas sowie Australien sind von der Epidemie betroffen. Ganz besonders drastisch sind die Werte auf den südlichen und westlichen Pazifikinseln. In Mikronesien, Tonga oder auf den Cookinseln sind rund 70 Prozent der Bevölkerung fettsüchtig, auf Samoa und Palau 48 respektive 43 Prozent.


Mittlerweile gibt es Anzeichen, dass es auf Grund der Völlerei bald schon vorbei sein könnte mit der ständig steigenden Lebenserwartung. So hat eine Studie unter der Leitung des amerikanischen Demografen Jay S. Olshansky an der Universität von Illinois in Chicago die Auswirkung von Übergewicht und krankhafter Fettsucht (medizinisch: Adipositas) auf die demografische Entwicklung der Vereinigten Staaten berechnet.

Die Forschergruppe kommt zu dem Schluss, dass die Lebenserwartung in den USA entgegen aller Prognosen nicht weiterhin ansteigt, sondern zurückgehen wird. Vor allem durch den hohen Anteil übergewichtiger Kinder erhöht sich bereits in jungen Jahren das Risiko von Diabetes, Herzkrankheiten und anderen Begleit- und Folgekrankheiten so stark, dass die Lebensspanne in den nächsten 50 Jahren um zwei bis fünf Jahre sinken könnte. Damit würde die Fettleibigkeit die Auswirkungen aller Krebsarten übertreffen. Die jüngeren Generationen würden nach diesen Ergebnissen erstmals in der modernen Geschichte ein kürzeres und weniger gesundes Leben als ihre Eltern führen.
Obwohl sich einige Forscher Olshanskys Aussagen anschließen, weisen andere seine Forschungsergebnisse als unrealistisch, einseitig und zu pessimistisch zurück. So müsse nicht jeder Übergewichtige zwangsläufig an einer Begleitkrankheit leiden.
Immerhin ist in den USA die Anzahl massiv fetter Menschen in den letzten 30 Jahren rasant angestiegen. Zwei Drittel der Amerikaner sind übergewichtig, mehr als 30 Prozent fettsüchtig. Auf eindrucksvolle Weise belegen dies die Studien des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES).

Zeitverzögert zeigt sich in Deutschland eine ähnliche Entwicklung. Dies belegen der Bundesgesundheitssurvey des Robert- Koch- Instituts, der seit 1998 Daten liefert und seitdem durch telefonische Gesundheitsbefragungen aktualisiert wird sowie der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Beide zeichnen ein Bild der Essgewohnheiten und ermitteln das Gewicht der Deutschen. Egal welche Daten man zu Rate zieht, die Lage ist erschreckend: Jeder zweite Deutsche ist übergewichtig, jeder fünfte sogar fettsüchtig. 15 Prozent der drei- bis 17-Jährigen leiden bereits unter Übergewicht, sechs Prozent unter Adipositas. Da der erste gesamtdeutsche Bundesgesundheitssurvey allerdings erst 1998 durchgeführt wurde und die Daten des Mikrozensus zum Übergewicht erst seit 1999 erhoben werden, lässt sich hier schwerer ein Trend nachvollziehen.

In den USA ist Übergewicht zu einer Epidemie geworden. Dort hat sich die Anzahl der adipösen Menschen seit Ende der 1970er Jahre verdoppelt. Aber auch die Deutschen werden immer fetter. Auffallend ist, dass Deutschland im Vergleich zu den USA einen hohen Anteil übergewichtiger, aber einen geringeren Anteil fettsüchtiger Menschen aufweist.


Um Übergewicht und Fettsucht zu definieren, wird der Body Mass Index (BMI) herangezogen. Dieser berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Metern.

BMI= Gewicht (kg)
Größe (m)2

Laut WHO gilt für Erwachsene ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 als optimal. Von Untergewicht spricht man bei Personen, deren BMI einen Wert von 18,5 unterschreitet. Übergewicht hingegen haben Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9. Adipositas beginnt ab einem BMI von 30, ab 40 geht man von schwerer Adipositas aus.

Bei Kindern und Jugendlichen fällt es schwerer, eine einheitliche Bestimmung für Übergewicht und Adipositas auszumachen. So nutzen die meisten Studien auch hier den BMI zur Erklärung, berücksichtigen aber stärker Alter und Geschlecht. Als übergewichtig gelten Kinder, deren BMI höher liegt als der BMI von 90 Prozent aller Kinder der entsprechenden Alters- und Geschlechtsgruppe. Als adipös werden jene Kinder und Jugendlichen bezeichnet, deren BMI höher als bei 97 Prozent des Referenzkollektivs ausfällt.

Wie kommt es zu solch einem Anstieg des Übergewichtes in allen Altersklassen?

Weniger körperliche Arbeit sowie eine hochwertige Ernährung führen einerseits zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen. Diese Faktoren sind unter anderem der Grund dafür, dass wir immer älter werden. Aber zugleich die Vorraussetzungen für Übergewicht und Adipositas. Wachsende Motorisierung des Alltags und damit einhergehender Bewegungsmangel besorgen den Test. Die Folge: Der Körper, der sich immer weniger bewegt, kann nicht alles verbrauchen, was der Mensch an Nahrung zu sich nimmt.

Zu den ersten Beschwerden zählen Kurzatmigkeit, Schwitzen sowie Kreuz- und Gelenkschmerzen. Als gefährlicher erweisen sich aber die Folge- und Begleitkrankheiten: Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten und Diabetes Typ 2. Auch psychosoziale Beschwerden wie Angststörungen, vermindertes Selbstbewusstsein, soziale Isolation, Partner- und Berufsprobleme treten auf. All diese Krankheiten führen dazu, dass Übergewichtige ein deutlich höheres Sterberisiko als normalgewichtige Personen aufweisen.


Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen nach der Welt- Gesundheitsorganisation (WHO)


Die Frage, ob sich die durchschnittliche Lebenserwartung auf Grund der ständig wachsenden Zahl von Übergewichtigen tatsächlich verringert, ist noch nicht ausreichend geklärt, denn gleichzeitig wirken Faktoren wie die verbesserte Medizin, die für ein längeres Leben sorgen. Klar ist aber, dass Fettleibigkeit eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Gesellschaft darstellt. Vor allem angesichts der hohen Zahlen im Kindes- und Jugendalter ist mit einem Anstieg der Folgekrankheiten zu rechnen. Nach Ansicht von Medizinern haben die Jugendlichen, die im Extremfall schon als Teenager unter Alterserkrankungen wie Gelenkproblemen oder Herz-Kreislauf-Störungen leiden, kaum eine Chance älter als 50 Jahre zu werden.

Um das Schlimmste zu verhindern und um die Ausgaben auf Grund von Übergewicht, die in den USA schon heute mehr als sechs Prozent und in den europäischen Ländern zwischen ein und fünf Prozent der gesamten Gesundheitskosten betragen, nicht noch weiter zu erhöhen, bedarf es umfassender Prävention. Zum einen sind Eltern und Familien gefordert, ihrem Erziehungsanspruch auch in Sachen Ernährung nachzukommen. Zum anderen liegt es in der Hand von Schulen und anderen Sozialeinrichtungen, für Aufklärung zu sorgen, also umfangreiche Kenntnisse über unsere Gesundheit und über Lebensmittel und deren Zubereitung zu vermitteln. Außerdem sollten sich Schulen und Eltern um ausreichende Bewegung der Kinder kümmern. Des Weiteren sind auch Wirtschaft und Medien gefordert, energiereiche Lebensmittel nicht noch zu bewerben und zu Tiefstpreisen zu verkaufen.


Quellen:

Benecke, Andrea, Vogel, Heiner (2003): Übergewicht und Adipositas.
Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 16.
Gesundheitsbericht (2005) Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes
Mikrozensus 2005. Körpermaße der Bevölkerung. www.destatis.de
National Center for Health Statistics: www.cdc.gov/nchs
Olshansky, S. Jay et al. "A Potential Decline in Life Expectancy in the United States in the 21st Century." The New England Journal of Medicine. 17.3.2005
Robert-Koch-Institut: www.rki.de
World Health Organisation (WHO) - Weltgesundheitsorganisation.: www.who.int
World Health Organisation Regional Office for Europe - Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro für Europa: www.euro.who.int

 

   
 

 

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