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Ausgabe 34, 30. Mai 2007

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Not am Mann
Eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung analysiert Ursachen und Folgen der Abwanderung junger Frauen aus den neuen Bundesländern: Die Regionen verarmen - sozial, wirtschaftlich und demografisch. Ein Teil der zurückbleibenden Männer bildet eine neue Unterschicht

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Die klugen Mädchen vom Lande lassen die ostdeutschen Arbeiterjungen zurück
Weit bessere Bildungsabschlüsse von Frauen in den neuen Bundesländern sind der Hauptgrund für deren überproportionale Abwanderung

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Wo junge Frauen fehlen, erhalten die rechten Parteien Zulauf
Die starke Abwanderung junger Frauen aus entlegenen Regionen der neuen Bundesländer bringt das soziale Gleichgewicht durcheinander. Eine der Folgen: In Kreisen mit hohem Männerüberschuss erzielen rechte Parteien ihre besten Wahlergebnisse

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Not am Mann
Eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung analysiert Ursachen und Folgen der Abwanderung junger Frauen aus den neuen Bundesländern: Die Regionen verarmen - sozial, wirtschaftlich und demografisch. Ein Teil der zurückbleibenden Männer bildet eine neue Unterschicht

Seit dem Fall der Mauer haben über 1,5 Millionen Menschen ihre alte Heimat in den neuen Bundesländern verlassen - rund zehn Prozent der Bevölkerung zum Ende der DDR-Ära. Gegangen sind vor allem junge, qualifizierte und weibliche Personen. In der Altersklasse der 18- bis 29-Jährigen fehlen insbesondere in den entlegenen, wirtschafts- und strukturschwachen Regionen die jungen Frauen. Entsprechend herrscht dort ein Männerüberschuss von 25 Prozent und mehr. Diese Frauendefizite sind europaweit ohne Beispiel. Selbst Polarkreisregionen im Norden Schwedens und Finnlands, die seit langem unter der Landflucht speziell von jungen Frauen leiden, reichen an ostdeutsche Werte nicht heran.

Die Autoren der Studie "Not am Mann" sehen in dem Bildungsvorsprung von jungen Frauen den Hauptgrund für deren überproportionale Abwanderung: Die besseren Leistungen der Schülerinnen, die bundesweit zu beobachten sind, treten im Osten Deutschlands - und dort vor allem in den wirtschaftsschwachen Gebieten - deutlicher zutage. Da junge Frauen bessere Zeugnisse vorweisen können als ihre männlichen Altersgenossen, haben sie es anderenorts leichter, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden.

Die Folgen für die betroffenen Regionen gehen weit über den reinen Verlust an Bewohnerinnen hinaus. So fehlen aufgrund der Frauenabwanderung in den neuen Bundesländern rund 100.000 Kinder. Das Fortgehen der jungen Frauen beschleunigt auch den wirtschaftlichen und sozialen Erosionsprozess. Während sich die Mädchen schon in der Schule durch gute Leistungen auf eine mögliche spätere Abwanderung vorbereiten, fallen die Jungen weiter zurück - vermutlich, weil sie sich durch die im Umfeld verbreitete Arbeitslosigkeit unter den überzähligen jungen Männern weiter entmutigen lassen.

In den Landstrichen mit den größten wirtschaftlichen Problemen ist deshalb eine neue, von Männern dominierte Unterschicht entstanden, deren Mitglieder von einer Teilhabe an wesentlichen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen sind: Viele von ihnen haben keinen Job, keine Ausbildung und keine Partnerin. Genau diese misslichen Lebensverhältnisse erschweren es, den weiteren wirtschaftlichen und demografischen Abwärtstrend aufzuhalten oder gar umzukehren. Hinzu kommt, dass Regionen mit Männerüberschuss besonders anfällig für rechtsradikales Gedankengut sind. Aus all diesen Gründen verlieren diese Gebiete weiter an Attraktivität für Frauen: In jenen Landstrichen, aus denen bereits viele Frauen abgewandert sind, fällt auch deren weitere Abwanderung besonders dramatisch aus.

Elternhäuser wie auch Schulen reagieren bis heute nicht angemessen auf die Defizite der männlichen Jugendlichen: Einerseits ermutigen Eltern ihre Töchter tendenziell zu höherer Bildung als ihre Söhne. Andererseits führt gerade in den neuen Bundesländern ein extrem hoher Anteil weiblicher Grundschullehrer dazu, dass Jungen Ansprechpartner und Vorbilder fehlen und sie nicht adäquat motiviert werden.

Das Berlin-Institut empfiehlt in der Studie "Not am Mann" dringend ein Motivations- und Bildungsprogramm, das sich speziell den abgehängten, männlichen Jugendlichen widmet.


Die gesamte Studie finden Sie im Internet unter www.berlin-institut.org/not_am_mann.html

Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Steffen Kröhnert unter 030-22324844 und Dr. Reiner Klingholz unter 030-31017560 zur Verfügung.

 

   
     
 

Die klugen Mädchen vom Lande lassen die ostdeutschen Arbeiterjungen zurück
Weit bessere Bildungsabschlüsse von Frauen in den neuen Bundesländern sind der Hauptgrund für deren überproportionale Abwanderung

Deutschlandweit liefern Mädchen und junge Frauen heute bessere Schulnoten ab als ihre männlichen Altersgenossen. Interessanterweise treten diese Unterschiede im Osten Deutschlands weit deutlicher zutage als im Westen. Das Bildungsgefälle ist die Hauptursache dafür, dass in den vergangenen Jahren wesentlich mehr Frauen als Männer die neuen Bundesländer Richtung Westen verlassen haben. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit dem Titel "Not am Mann". In manchen ländlichen Regionen hat die überproportionale Abwanderung von Frauen mittlerweile zu einem Männerüberschuss von mehr als 20 Prozent in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen geführt.

Bisher glaubten viele Sozialwissenschaftler und Arbeitsmarktexperten, Frauen würden nur deshalb überproportional in den Westen gehen, weil sie in ihrer alten Heimat häufiger unter Arbeitslosigkeit leiden. Doch obwohl in den vergangenen Jahren die Arbeitslosenquote junger Männer deutlich über jene der Frauen gestiegen ist, hält der Exodus an.

Schülerinnen reagieren offenbar klüger als ihre männlichen Mitschüler auf die schwierige wirtschaftliche Lage - und auf das Fehlen von Ausbildungsplätzen in modernen Dienstleistungsberufen. Sie erkennen eher als junge Männer, dass ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz auch außerhalb der neuen Bundesländer steigen, wenn sie sich besser qualifizieren: Zwischen 1999 und 2004 verließen 31 Prozent aller jungen Ost-Frauen die Schule mit Abitur. Bei den Männern waren es nur 21 Prozent. Unter den knapp 1,4 Millionen Schulabgängern der neuen Bundesländer (einschließlich Berlin) erwarben in diesen fünf Jahren 64.000 mehr Frauen als Männer die Hochschulreife. Dagegen blieben fast 50.000 mehr Männer als Frauen ohne Hauptschulabschluss.

Jungen erreichen häufiger nur einen Hauptschulabschluss und machen seltener Abitur als Mädchen - vor allem im Osten

In den neuen Bundesländern ist der Frauenanteil unter den Schulabgängern mit höchstens Hauptschulabschluss (inklusive Personen ohne Abschluss) deutlich geringer als in den alten Bundesländern.

Die Studie des Berlin-Instituts zeigt, dass männliche Jugendliche, aber auch deren Eltern und Erzieher zu sehr alten Rollenbildern verhaftet sind: Demnach herrscht immer noch der Glaube vor, dass Männer schon einen Job in klassischen Berufen wie der Bauwirtschaft finden werden, wofür in der Vergangenheit ein einfacher Schulabschluss ausreichte. Gerade in abgelegenen Landkreisen, in denen moderne Branchen fehlen und Land- und Bauwirtschaft noch immer viele Menschen beschäftigen, schneiden die jungen Männer in punkto Bildung besonders schlecht ab. Junge Frauen, die in diesen Branchen wenig Chancen haben, engagieren sich entsprechend mehr in der Schule, mit dem Erfolg, dass sie nach dem Abschluss häufiger Fachschulen besuchen oder ein Hochschulstudium aufnehmen und mit diesen Qualifikationen im Westen eher gute Jobs finden. Weil junge Männer oft noch gar nicht realisiert haben, dass gerade in den klassischen Berufen der Industriegesellschaft die meisten Arbeitsplätze abgebaut werden, droht ihnen dann häufiger die Arbeitslosigkeit.

Die starken Bildungsunterschiede in den neuen Bundesländern haben auch Einfluss auf die Partnerwahl: Wer als Frau einen Freund oder Ehemann auf gleicher Augenhöhe sucht, wird immer seltener fündig. Ein Drittel aller Frauen gibt deshalb einen "privaten Grund" als Hauptantrieb für die Abwanderung vor. Die Folge: Partnerschaften zwischen Ost-Frauen und West-Männer kommen bundesweit bei den 18- bis 39-Jährigen etwa dreimal häufiger vor als in umgekehrter Konstellation.

Das deutschlandweit größte Geschlechter-Missverhältnis in Sachen Bildung herrscht im südbrandenburgischen Kreis Elbe-Elster, einer der Regionen, die in der Studie vertieft untersucht wurden. Dort sind 70 Prozent der Schulabgänger, die seit 1995 keinen oder höchstens einen Hauptschulabschluss erreicht haben, männlich. Unter den Abiturienten finden sich nur 38 Prozent Männer. Das Bildungsgefälle hat sich längst auf das zahlenmäßige Geschlechterverhältnis ausgewirkt: In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen fehlt ein Fünftel aller Frauen.

Abgehängt

Schulabgänger nach Geschlecht und Schulabschluss in Ost- und Westdeutschland (1999 bis 2004

An beiden Enden der Bildungshierarchie driften junge Frauen und Männer im Osten weit auseinander: Während doppelt so viele Jungen wie Mädchen nicht einmal den Hauptschulabschluss schaffen, machen die jungen Frauen anderthalbmal so häufig Abitur wie ihre männlichen Altersgenossen. Das Bildungsgefälle wirkt sich längst auf das Wanderungsverhalten der jungen Menschen aus: Während Frauen die strukturschwachen Regionen überproportional häufig verlassen, bleiben deutlich mehr junge, schlecht qualifizierte Männer zurück.


Die gesamte Studie finden Sie im Internet unter www.berlin-institut.org/not_am_mann.html

Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Steffen Kröhnert unter 030-22324844 und Dr. Reiner Klingholz unter 030-31017560 zur Verfügung.

 

   
     
 

Wo junge Frauen fehlen, erhalten die rechten Parteien Zulauf
Die starke Abwanderung junger Frauen aus entlegenen Regionen der neuen Bundesländer bringt das soziale Gleichgewicht durcheinander. Eine der Folgen: In Kreisen mit hohem Männerüberschuss erzielen rechte Parteien ihre besten Wahlergebnisse

In Regionen mit einem deutlichen Überschuss an jungen Männern fällt rechtes Gedankengut auf besonders fruchtbaren Boden. Dies ist ein Ergebnis der jüngsten Studie des Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung mit dem Titel "Not am Mann". Seit 1991 haben in den Altersklassen der jungen Erwachsenen jedes Jahr mehr Frauen als Männer die neuen Bundesländer - und dort besonders die ländlichen Kreise - in Richtung Westen verlassen. Nach der Studie, die sich den Ursachen und Folgen des überproportionalen Wegzuges junger Frauen widmet, steht der Männerüberschuss in den Kreisen der neuen Bundesländer in deutlichem Zusammenhang mit den Wahlergebnissen rechter Parteien wie NPD und Republikaner.

Dieser Zusammenhang ist stärker als jener mit anderen sozioökonomischen Indikatoren wie etwa der Arbeitslosenquote. Die Rechten schneiden sogar in solchen Regionen besser ab, wo vergleichsweise viele junge Männer eine Beschäftigung finden, die aber von traditionellen Wirtschaftsbranchen wie Produktion, Bau und Landwirtschaft dominiert werden.

Frauenmangel treibt Männer ins rechte Lager

Der Zusammenhang zwischen den Wahlergebnissen der NPD und den regionalen Männerüberschüssen ist deutlich zu erkennen. Die Frustration die sich in deren Wahlverhalten ausdrückt, beruht vermutlich auch auf der Entwertung klassischer männlicher Rollenbilder in jenen Regionen, denen junge Frauen besonders häufig den Rücken kehren.

Eine Ursache dafür sieht das Berlin-Institut in einer tief greifenden Entwertung traditioneller männlicher Rollenvorstellungen. In diesen Regionen, wo früher klassische "Arbeiterjobs" dominierten und auch einfach qualifizierten Männern Einkommen und Ansehen verschafften, sind die Zukunftsaussichten in diesen Berufen mittlerweile höchst prekär. Während viele junge Frauen bessere Bildungsabschlüsse erlangen, zukunftsträchtige Dienstleistungsberufe ergreifen und die Peripherregionen verlassen, bleiben immer häufiger Männer gering verdienend, schlecht qualifiziert und ohne Partnerin zurück. Umfragen zeigen, dass sich partnerlose junge Männer in Ostdeutschland deutlich häufiger als Männer in Partnerschaften aber auch häufiger als ihre westdeutschen Geschlechtsgenossen von der Gesellschaft benachteiligt fühlen.

Die gefühlte Benachteiligung könnte in Teilen der männlichen Bevölkerung eine Sehnsucht nach Aufwertung der klassischen Männerrolle entstehen lassen, so die Studie des Berlin-Instituts. Rechte Parteien stehen für ein solches Rollenbild und für die traditionelle Machtverteilung zwischen den Geschlechtern. In 14 der 16 Kreise, in denen Republikaner und NPD bei der Bundestagswahl im Jahr 2005 zusammen mehr als sechs Prozent aller Stimmen erhielten lebten weniger als 85 Frauen je 100 Männer in der Altersgruppe von 18 bis 35 Jahren. Wahlanalysen zeigen, dass rechte Parteien von Männern dieses Alters überdurchschnittlich viele Stimmen bekommen.


Die gesamte Studie finden Sie im Internet unter www.berlin-institut.org/not_am_mann.html

Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Steffen Kröhnert unter 030-22324844 und Dr. Reiner Klingholz unter 030-31017560 zur Verfügung.

 

   
 

 

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