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Ausgabe 45, 14. Dezember 2007

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Die Philippinen wollen ein Zehntel ihrer Agrarfläche an China verpachten
Die wachsende Bevölkerung im Reich der Mitte kann ihren steigenden Lebensmittelbedarf nicht mehr im eigenen Land decken.

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Siedlungszerfall im ländlichen Raum Japans
Eine Studie der japanischen Regierung warnt davor, dass der Bevölkerungsschwund die gesellschaftliche Basis erschüttern könnte.

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Die Philippinen wollen ein Zehntel ihrer Agrarfläche an China verpachten
Die wachsende Bevölkerung im Reich der Mitte kann ihren steigenden Lebensmittelbedarf nicht mehr im eigenen Land decken.

China hat eine Bevölkerung von 1,3 Milliarden. Im Jahr 2025 werden den Prognosen der Vereinten Nationen zufolge 1,4 Milliarden Menschen dort leben. Das ist rund ein Fünftel der Weltbevölkerung. Der Wirtschaftsboom und der neue Wohlstand lassen die Nachfrage nach Nahrungsmitteln steigen. Um den wachsenden Bedarf zu decken, legen chinesische Unternehmen - unterstützt von ihrer Regierung - jetzt die Hand auf Territorien außerhalb ihrer Heimat.

Chinesische Unternehmen bauen unter anderem in Kuba auf einem 150 Hektar großen Areal Reis an, kauften in Mexiko 1.050 Hektar Ackerland, pflanzen in Laos auf einer Fläche von 5.000 Hektar Getreide an und nutzen in Indonesien eine Million Hektar Regenwald für die Produktion von Palmöl, Zuckerrohr und Maniok.

Die Philippinen gehören ebenfalls zu den Partnern chinesischer Unternehmen. Aber auch die philippinische Bevölkerung wächst, den UN-Prognosen zufolge von heute 88,7 Millionen auf 120,2 Millionen im Jahr 2025 und 149,8 Millionen im Jahr 2050. Zudem sind 21 Prozent der Kinder unter fünf Jahren untergewichtig. Armut ist ein ländliches Phänomen - und 52 Prozent der Bevölkerung leben in ländlichen Gegenden. Entsprechend bildet die Armutsbekämpfung in den davon betroffenen Regionen das oberste Ziel des mittelfristigen nationalen Entwicklungsplans für 2004 bis 2010.

Ein Drittel der philippinischen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft oder in damit zusammenhängenden Industrien beschäftigt. Vom Agrarsektor, der größten Rohstoffquelle, hängt auch die übrige Wirtschaft des Landes ab. Der nationale Entwicklungsplan der Philippinen sieht vor, in den nächsten sechs Jahren zwei Millionen Hektar Agrarfläche zu schaffen, um mindestens zwei Millionen neue Arbeitsplätze bereitstellen und den Bedarf nach Nahrungsmitteln decken zu können.

Die philippinische Regierung hat - neben 18 weiteren Vereinbarungen mit ausländischen Unternehmen, die Landwirtschaft und Fischerei betreffen - ein Abkommen mit einer chinesischen Firma abgeschlossen, die plant, auf einer Fläche von einer Million Hektar hybriden Reis, Getreide und Hirse anzubauen. Der Vertrag soll um die 3,87 Milliarden Dollar an Investitionen einbringen.

Philippinische Experten sorgen sich nun um die Folgen für die Landwirte und die Nahrungsmittelsicherheit. Die Kritiker der Vereinbarungen beziehen sich zu einem großen Teil auf die darin enthaltenen Formulierungen, die unklar und vage seien. Das chinesische Unternehmen pachtet das Land, das sowohl in privatem als auch in öffentlichem Besitz ist, für 25 Jahre, und der Vertrag kann um weitere 25 Jahre verlängert werden. Nach der Verfassung dürfen aber nur die Unternehmen, die wenigstens zu 60 Prozent Filipinos gehören, Land verpachten - und nicht mehr als 1.000 Hektar. Damit sollte den Landwirten wenigstens ein Minimum an Kontrolle über ihr Land gesichert werden.

Neben den rechtlichen Fragen zielt die Kritik auch auf die philippinische Lebensmittelsicherheit. Es gibt keine Gewähr, dass die chinesischen Unternehmen nicht die gesamte Produktion nach China exportieren. Auf den Philippinen betreffen die Abkommen insgesamt ein Zehntel der gesamten Agrarfläche des Landes.

Literatur / Links:

The Ashai Shimbun, 17.10.2007
Gemma Bagayaua, 17.10.2007
National Economic and Development Authority: Medium Term Philippine Development Plan 2004-2010
www.news.ops.gov.ph
Population Reference Bureau (2007): 2007 World Population Data Sheet

 

   
     
 

Siedlungszerfall im ländlichen Raum Japans
Eine Studie der japanischen Regierung warnt davor, dass der Bevölkerungsschwund die gesellschaftliche Basis erschüttern könnte.

In manchen dünn besiedelten Gegenden Japans sinken die Geburtsraten und altert die Bevölkerung so schnell, dass einzelne Siedlungen von Verödung und Zerfall bedroht sind. Es gibt im ländlichen Raum Siedlungen, in denen mehr als die Hälfte der Bevölkerung 65 Jahre und älter ist. Hier könnte es in Zukunft schwer werden, Sicherheit, Feuerschutz und andere lokale Dienstleistungen zu gewährleisten, die von Bürgern ausgeführt werden.

Altersverteilung der japanischen Bevölkerung im Jahr 2005

60 Prozent der Japaner waren im Jahr 2005 zwischen 16 und 59 Jahre alt (Quelle: UN Population Division, 2005).

Altersverteilung der japanischen Bevölkerung im Jahr 2050

Im Jahr 2050 wird den Prognosen zufolge zwar der Anteil der unter 15-Jährigen leicht zurückgegangen sein, da aber der Anteil der über 60-Jährigen umso stärker steigen wird, stellen beide Altersgruppen zusammen mehr als die Hälfte der Bevölkerung (Quelle: UN Population Division, 2005).

Viele dieser Siedlungen liegen flussaufwärts in den Bergen. Der Niedergang der nationalen Land- und Forstwirtschaft hat die arbeitsfähige Bevölkerung ihres Lebensunterhalts beraubt und sie gezwungen, die Älteren zurückzulassen und woanders Arbeit zu suchen. Weil das öffentliche Verkehrswesen fernab der großen Trassen zwischen den Städten extrem schlecht entwickelt ist, wird es immer schwieriger, Einkäufe zu erledigen und Kliniken zu besuchen. Wälder und Ackerland zu bewirtschaften ist hier ebenso problematisch wie das Abhalten von Heirats- oder Beerdigungszeremonien.

Die Zahl der vom Aussterben bedrohten Siedlungen ist in letzter Zeit gestiegen: Einer Regierungsumfrage zufolge sind gegenwärtig mehr als 7.800 davon betroffen. 2.600 davon sollen kurz vor der Auflösung stehen, und 200 sind in den letzten sieben Jahren tatsächlich verschwunden.

In Japan bekommen Paare im Durchschnitt 1,3 Kinder, so wenige wie in fast keinem anderen Land der Welt. Zwischen 1950 und 2000 ist der Anteil der japanischen Bevölkerung, die in ländlichen Gegenden lebt, von 63 auf 21 Prozent gesunken. Die Studie der japanischen Regierung betont, dass es in Japan nötig sei, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Familie zu finden und Menschen mit Kindern finanziell besser zu unterstützen, um der niedrigen Geburtenrate entgegenzuwirken. Spezifische Maßnahmen, wie dieses Ziel zu erreichen wäre, enthält das Papier jedoch nicht.

Japans Regierung kann mittlerweile ganze Gemeinden, größere Gebietseinheiten als Siedlungen, als Abwanderungsgebiete deklarieren. Dazu muss die Gemeinde einen bestimmten Schwellenwert ihrer Finanzkraft unterschreiten und eine der folgenden drei Bedingungen erfüllen: Die Einwohnerzahl muss entweder innerhalb der letzten 25 Jahre um mehr als 25 Prozent zurückgegangen sein; oder die Einwohnerzahl muss innerhalb der letzten 25 Jahre um mehr als 20 Prozent zurückgegangen und über 16 Prozent der Einwohner sollten über 65 Jahre alt sein; oder die Einwohnerzahl muss innerhalb der letzten 25 Jahre um mehr als 20 Prozent zurückgegangen und weniger als 16 Prozent der Einwohner sollten zwischen 15 und 30 Jahre alt sein. Doch selbst diese Kriterien müssen nicht zu einem Aussterben führen, denn einige Abwanderungsgebiete entwickeln sich gegen den Trend und haben sogar Zuwanderung und eine positive ökonomische Entwicklung zu verzeichnen.

Um der Verödung von Siedlungen entgegen zu wirken, kommen jetzt unkonventionelle Konzepte zum Einsatz: Die Stadt Ayabe in der Kyoto-Präfektur hat fünf Siedlungen ausgewählt, die mehr als 25 Kilometer entfernt von dem nächsten Stadtbüro und an Wasserquellen liegen, die einen Anteil von Älteren von mehr als 60 Prozent haben und in denen weniger als zwanzig Haushalte leben. Mit einem Budget von umgerechnet knapp 250.000 Euro unterstützt die Stadt diese Siedlungen fünf Jahre lang bei ihren Anstrengungen, spezielle Produkte zu entwickeln und leer stehende Häuser zu nutzen, um neue Anwohner anzuziehen. Eine Siedlung beispielsweise hat inzwischen die Herstellung eines traditionellen Reiskuchens wieder aufgenommen.

Im Unterschied zu anderen Projekten gegen die Verödung werden bei dieser Art der Unterstützung die Menschen selbst ermutigt, zu entscheiden, wie sie zukunftsfähig werden wollen. In der Vergangenheit sind etliche standardisierte Projekte gegen Entvölkerung gescheitert. Es hat sich gezeigt, dass die Initiativen nur zum Erfolg führen, wenn sie die speziellen Charakteristika einer Siedlung berücksichtigen und die Bewohner die Verantwortung übernehmen.

Literatur / Links:

P. P. Karan (2005): Japan in the 21st Century: Environment, Economy, and Society. Lexington.
Population Reference Bureau (2007): 2007 World Population Data Sheet
The Asahi Shimbun, 24.10.2007

 

   
     
 

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