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Ausgabe 55, 25. August 2008

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Jamaica ist die erfolgreichste Olympia-Nation im "Demografie-Medaillenspiegel"
Kein Land hat, gemessen an seiner Bevölkerungszahl, mehr Goldmedaillen erzielt als die Karibik-Insel

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Ost-West-Verschiebung
Eine neue Studie des Berlin-Instituts zeigt, wie sich die demografischen Gewichte in Europa verlagern

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Im Schatten des Babybooms
Alle Staaten Europas altern - aber sehr verschieden

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In eigener Sache
Neu im Online-Handbuch Demografie

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Jamaica ist die erfolgreichste Olympia-Nation im "Demografie-Medaillenspiegel"
Kein Land hat, gemessen an seiner Bevölkerungszahl, mehr Goldmedaillen erzielt als die Karibik-Insel

Die Olympiade im eigenen Land hat die chinesischen Sportler zu Höchstleistungen angespornt. 51 Goldmedaillen haben die Boxer und Turnerinnen, die Tischtennisspieler und Schützen aus dem Reich der Mitte eingesammelt - soviel wie nie zuvor bei olympischen Spielen. Erstmals haben sich die Chinesen damit im Medaillenspiegel auf Platz 1 geschoben.

Olympia 2008: Goldmedaillenspiegel

China hat bei der diesjährigen Olympiade in Peking mit Abstand die meisten Goldmedaillen eingesammelt. Eine enorme Leistung - aber sie verblasst, wenn man berechnet, wie viele potenzielle Sportler hinter diesen Zahlen stehen.

Berechnet man einen Medaillenspiegel nicht wie gewohnt anhand der tatsächlich erzielten ersten Plätze, sondern danach, wie viel Gold je eine Million Einwohner zusammengekommen ist, dann steht das bevölkerungsreichste Land der Welt mit seinen gut 1,3 Milliarden Einwohnern nicht mehr so glänzend da.

Vielmehr genügen Jamaica ein paar Sprinterinnen und Sprinter, um sich ähnlich spektakulär auf Platz 1 der Rangliste zu katapultieren wie Usain Bolt bei seinem 100-Meter-Weltrekordlauf. Weil auf Jamaica lediglich 2,8 Millionen Menschen leben, reichen dem Land sechs Goldmedaillen, um auf einen Wert von 2,1-mal Gold je eine Million Einwohner zu kommen. Damit ist Jamaika das bei weitem erfolgreichste Land im "Demografie-Medaillenspiegel". Auf Platz 2 folgt der Kleinstaat Bahrain mit seinen 700.000 Einwohnern und einmal Gold. Allerdings hat die Medaille im 1.500-Meter-Lauf keine in Bahrain geborene Person erzielt, sondern die aus Äthiopien stammende 1.500-Meter-Läuferin Rashid Ramzi, eine der vielen "Laufasylanten" aus Afrika, die die Staatbürgerschaft eines anderen Landes angenommen haben. Mit Estland folgt ein weiterer Kleinstaat, dem ebenfalls eine einzige Goldmedaille genügt, um an der sportlichen Weltspitze mitmischen zu können - Platz 3. Erst dann folgen die sportbegeisterten Neuseeländer und Australier mit jeweils knapp 0,7 Goldenen je eine Million Einwohner. Diese fünf Länder nutzen ihr sportliches Potenzial am effizientesten, wenn man die Podestplätze in Peking als Maßstab heranzieht.

"Demografie-Medaillenspiegel"

Aus dem Verhältnis der Goldmedaillen zur Bevölkerungszahl ergibt sich eine Rangliste, in der die kleinen Staaten mit Spitzensportlern besser dastehen: Jamaica führt hier vor Bahrain und Estland.

China schneidet wegen seiner hohen Bevölkerungszahl wesentlich schlechter ab: Trotz der 51-fachen Goldflut hat statistisch nur jeder 26-millionste Chinese eine Goldmedaille gewonnen. Bei einem Wert von 0,04 Goldmedaillen pro ein Million Einwohner, reicht das nur für Platz 47 im "Demografie-Medaillenspiegel". Hätte China eine so hohe Ausbeute wie Jamaica erzielen wollen, hätten seine Athleten 2.844 Goldene gewinnen müssen. Noch schwerer tut sich Indien, die zweite demografische Supermacht der Welt. Mit einer Goldmedaille bei 1,14 Milliarden Menschen kommen die Inder lediglich auf Platz 55 in der Nationenwertung. Da sollte in London 2012 mehr drin sein.

Deutschland, immerhin Europas einwohnerstärkstes Land, rutscht im "Demografie-Medaillenspiegel" auf Platz 21 ab - von Platz 5 in der herkömmlichen Wertung. Mit 0,19 Goldmedaillen pro ein Million Einwohner stehen die Deutschen einen Platz hinter dem kleinen Nachbarn Schweiz (0,26). Aber noch deutlich vor Russland (0,16) und den USA (0,12) - und das, obwohl die Amerikaner 36-mal Gold mit nach Hause nehmen.


Links

The Official Website of the Beijing 2008 Olympic Games August 8-24, 2008

CIA Factbook

 

   
     
 

Ost-West-Verschiebung
Eine neue Studie des Berlin-Instituts zeigt, wie sich die demografischen Gewichte in Europa verlagern

Niedrige Kinderzahlen und offene innereuropäische Grenzen sorgen für massive Bevölkerungsveränderungen. Die meisten mittel- und osteuropäischen Staaten verzeichnen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs einen regelrechten Einbruch der Geburtenraten. Zudem sind aus einigen Ländern des ehemaligen Ostblocks Millionen junger Erwerbstätiger auf der Suche nach Arbeit abgewandert. Aber auch dort, wo die Menschen schon länger wenig Nachwuchs bekommen, in Deutschland und Österreich, in Spanien oder Italien, haben unaufhaltsame Alterungs- und ein schleichende Schrumpfungsprozesse eingesetzt.

In der Gegenwart zeigt sich der Effekt anhaltend niedriger Kinderzahlen vor allem in peripheren ländlichen Gebieten, in denen früher kinderreiche Familien die Regel waren. Diese Regionen haben immer schon die nachwuchsärmeren und wachsenden Ballungszentren mit jungen Menschen versorgt. Seit aber selbst in der Peripherie, in Nordspanien wie in Süditalien, in Ostdeutschland wie in weiten Teilen Rumäniens oder Bulgariens die Kinderzahlen je Frau zum Teil deutlich unter den Wert von 2,1 gesunken sind, der eine langfristig stabile Bevölkerungszahl verspricht, haben entlegene Zonen der Abwanderung nichts mehr entgegenzusetzen - sie bluten regelrecht aus.

In Staaten mit höherer Fertilität und anhaltender Zuwanderung, in Frankreich, Irland oder Norwegen, gibt es hingegen genug Menschen, um auch in Gebieten, die früher unter der Landflucht gelitten haben, die Bevölkerungszahlen zu stabilisieren. Manche dieser Regionen wachsen sogar.

Bevölkerungsprognose heute bis 2030

Nirgendwo in Europa ist damit zu rechnen, dass die Fertilitätsraten von heute durchschnittlich 1,5 Kindern je Frau wieder wesentlich über 2,1 steigen werden. Nur Nationen mit einer relativ jungen Bevölkerung wie Irland könnten noch eine Zeit lang aus natürlichen Gründen weiter wachsen.

Überall dort, wo die wenigen Kinder der Vergangenheit bereits zu wenigen potenziellen Eltern herangewachsen sind, müssten diese weit mehr als 2,1 Kinder bekommen, um den längst eingeleiteten Schwund zu kompensieren - und das ist nicht zu erwarten.

Demzufolge ist in den meisten Ländern Europas Wachstum oder auch nur Stabilität einzig auf Basis von Zuwanderung möglich. Viele westeuropäische Nationen, insbesondere Irland und Großbritannien, haben ihre Arbeitsmärkte mit Kräften aus Polen und Lettland aufgefrischt. Nach Spanien und Italien zogen die Rumänen und Bulgaren. Deshalb wächst die Bevölkerung in den Zuwanderungsländern. Die Länder Mittel- und Osteuropas setzen jetzt selbst auf Einwanderung. Der Blick geht dabei im Allgemeinen weiter nach Osten. Aber auch dort haben die Länder, die Ukraine oder die Republik Moldau etwa, kaum noch junge Menschen zu bieten. In Zukunft müssten die Migranten somit vermehrt aus außereuropäischen Staaten kommen.

Das europäische Statistikamt Eurostat geht in seinen Prognosen bis 2030 davon aus, dass für drei Viertel aller Regionen die Zuwanderung die einzige Möglichkeit ist, dem Schrumpfen etwas entgegenzusetzen. Knapp 40 Prozent dieser Gebiete werden trotz Zuwanderung einen Bevölkerungsrückgang erleben. Nur ein Viertel der Regionen erreicht eine Stabilität (teilweise auch ein Wachstum) aus eigener Kraft. Bei der den Prognosen zugrunde liegenden Migration dürfte die EU-27 bis 2050 um etwa vier Prozent wachsen. Ohne den Zustrom von außen würde sie um etwa 50 Millionen auf rund 450 Millionen schrumpfen - das sind so viele Menschen, wie heute in Polen und Griechenland leben.

Die grundsätzlichen demografischen Veränderungen in Europa werden sich regional sehr unterschiedlich auswirken. Deutschlands Osten wird weiterhin zu den größten Verlierern gehören, ebenso werden Rumänien und Bulgarien, Teile Polens sowie die noch weiter östlich gelegenen Nicht-EU-Länder an Bevölkerung verlieren. Westdeutschland wird in den wirtschaftsstarken Zonen wachsen und in den schwachen schrumpfen. Die Benelux-Länder bleiben einigermaßen stabil, wobei die dicht besiedelten Niederlande sogar an Einwohnerzahl zulegen werden. In dem zentraleuropäischen Gebiet, das von Südschweden und Dänemark über Westdeutschland bis nach Norditalien, Ostösterreich und Slowenien reicht, dürfte eine stabile Wirtschaftsentwicklung für eine ähnlich stabile, gleichwohl alternde Bevölkerung sorgen.

Wachsen werden vor allem kleine Staaten wie Luxemburg oder Zypern, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Sonderrolle Arbeitskräfte anziehen. Auch die vergleichsweise nachwuchsreichen Länder Frankreich, Norwegen, Irland und Island werden ihre Schulen und Kindergärten weiter ausbauen müssen. Großbritannien, Finnland und Schweden entwickeln sich stabil auf hohem Niveau. In Spanien und Italien gilt dies nur in wenigen Regionen, und auch das nur, wenn die Zuwanderung anhält. Italien und Deutschland bräuchten die höchste Nettozuwanderung um den Bestand der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter auf konstantem Niveau zu halten.

Der überwiegende Teil der thematischen Landkarten in der Studie "Die demografische Zukunft von Europa" wurde auf Grundlage des Programms EasyMap der Lutum+Tappert DV-Beratung GmbH, Bonn, erstellt.

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Im Schatten des Babybooms
Alle Staaten Europas altern - aber sehr verschieden

1950 lag in Europa das Medianalter, das eine Bevölkerung in eine jüngere und eine ältere Hälfte teilt, noch bei 31 Jahren. 2005 hatte es 38 Jahre erreicht und Projektionen zufolge dürfte es bis 2050 auf 48 Jahre steigen. Damit altert die Bevölkerung Europas derzeit um etwa zwei Tage die Woche und es wird bald schon mehr über 65-Jährige als unter 20-Jährige geben.

Mit dem längeren Leben geht einerseits ein Menschheitstraum in Erfüllung, zumal die meisten Europäer das Alter in einer erstaunlich guten Verfassung erreichen. Andererseits steht der wachsenden Gruppe der Rentner und Pensionäre eine kleiner werdende, jüngere Bevölkerung gegenüber, die im Umlageverfahren und nach dem "Generationenvertrag" die Älteren versorgen müssen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Nachkriegsbabyboom zu, den alle europäischen Nationen mehr oder weniger ausgeprägt erlebt haben. In dieser Phase vergleichsweise hoher Kinderzahlen in den 1950er und 1960ern kamen Jahrgänge zur Welt, die in fast allen Ländern deutlich stärker besetzt sind als die nachfolgenden Generationen.

Europaweit fällt die Alterung regional sehr unterschiedlich. So wird der Anteil der über 75-Jährigen, der heute in der italienischen Region Ligurien mit 13 Prozent den europäischen Maximalwert erreicht, dort bis 2030 auf 18 Prozent steigen. In der ostdeutschen Region Chemnitz hingegen, die stark von der Abwanderung junger Menschen geprägt ist, verdoppelt sich der Anteil der über 75-Jährigen fast von zehn auf 19 Prozent. Er steigt aber auch im kinderreichen Irland - dort allerdings nur von viereinhalb auf achteinhalb Prozent.

Drei Beispiele: Irland, Deutschland, Bulgarien

Bis vor 25 Jahren glich die Bevölkerungspyramide Irlands der eines Entwicklungslandes. Dann sanken auch dort die Kinderzahlen je Frau - allerdings nicht unter einen Wert von zwei. Damit dürften kommende Nachwuchsgenerationen etwa so kopfstark bleiben wie heute. Nirgendwo in Europa sanken die Kinderzahlen so früh so massiv wie in Deutschland. Heute stellen die nach dem „Pillenknick“ Geborenen schon eine ausgedünnte Elterngeneration, die ihrerseits nur wenige Kinder hat. Die Folge: Die Bevölkerung altert kontinuierlich. In Bulgarien brach die mehr oder weniger konstante Fertilitätsrate zu kommunistischen Zeiten in den 1990er Jahren um fast die Hälfte ein. Weil damit in Zukunft potenzielle Eltern fehlen, droht dem Land bis 2030 eine extreme Überalterung - und vermutlich eine wachsende Altersarmut.


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