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Ausgabe 56, 10. September 2008

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Leben Migranten länger?
Wieso die Sterberate von Zuwanderern verzerrt ist

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Den USA gehen die qualifizierten Arbeitskräfte aus
Das Zusammentreffen von der Verrentung der Babyboomer, einer stagnierenden Bildungs- und einer restriktiven Einwanderungspolitik steht dem Wirtschaftswachstum im Weg

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Entwicklung braucht Zusammenarbeit
Die ärmsten Länder stellen die wirkliche Herausforderung für die Entwicklungszusammenarbeit dar

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Leben Migranten länger?
Wieso die Sterberate von Zuwanderern verzerrt ist

Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von knapp 83 Jahren werden ausländische Männer dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zufolge fast sechs Jahre älter als deutsche. Ausländische Frauen erreichen ein durchschnittliches Alter von über 86 Jahren. Deutsche Frauen sterben laut der amtlichen Statistik (bezogen auf die Jahre 2005/06) in der Regel vier Jahre früher, mit 82,5 Jahren.

Jahrelang bereitete den Forschern dieses Phänomen Kopfzerbrechen. Wieso leben Migranten länger, obwohl sie doch oft sozial und wirtschaftlich schlechter gestellt sind? Das scheint ein Widerspruch zu sein, da viele Studien auf Zusammenhänge zwischen erhöhter Sterblichkeit und ungleichen Lebensbedingungen hinweisen (vgl. DEMOS 37 und 51).

Schreibt man die auffällig hohe Lebenserwartung der Migranten allerdings statistischen Messfehlern zu, löst sich dieser Widerspruch auf. Tatsächlich sind die Daten örtlicher Melderegister höchst fehlerhaft, was zu erheblichen Verzerrungen bei der Messung der Sterblichkeit führt. Die Zahl der Migranten wird in Deutschland oft überschätzt, weil viele von ihnen zwar immer noch hier gemeldet sind, aber längst anderswo leben. Laut Gesetz müssten sie sich offiziell abmelden, bevor sie Deutschland dauerhaft verlassen. Kaum jemand tut das aber. Andere wiederum möchten ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik behalten, verbringen aber trotzdem eine große Zeit ihres Ruhestandes in ihrem Heimatland und sterben möglicherweise dort. Von den Ämtern werden nur Geburten- und Sterbefälle in Deutschland registriert, weil sie einer Anzeigepflicht unterliegen. Ausländer, die längst fortgezogen oder im Ausland verstorben sind, altern in der Statistik und sterben nie. So steigt die durchschnittliche Lebenserwartung der Migranten zu Unrecht. Manch einer erreicht ein biblisches Alter von über hundert Jahren. Die Beamten dürfte das stutzig machen, aber in den seltensten Fällen fällt ein solcher Fall überhaupt auf. Noch seltener wird daraufhin die Einwohnermeldestatistik korrigiert (vgl. DEMOS 16).

Woher stammen die Sterbezahlen der Migranten?

Üblicherweise drückt die "rohe Sterberate" aus, wie viele Menschen in einem bestimmten Zeitraum bezogen auf 1.000 Personen gestorben sind. Voraussetzung hierfür ist ein funktionierendes Meldewesen, das die Sterbefälle dokumentiert. Präzisere Aussagen über bestimmte Bevölkerungsgruppen sind möglich, wenn die Sterberate auf eben solche Gruppen beschränkt wird. So kann die Sterblichkeit einer bestimmten Altersgruppe oder einer Nationalität gemessen werden.

Die Sterblichkeit von Migranten ist schwer zu bestimmen, weil die Datenlage dafür relativ schlecht ist. Die letzte Volkszählung in Deutschland, bei der die gesamte westdeutsche Bevölkerung erfasst wurde, fand 1987 statt. Der letzte Zensus der DDR stammt aus dem Jahr 1981. Befragt wurden die damaligen Einwohner neben demografischen Angaben zu Alter, Geschlecht und Familienstand auch nach ihrer Staatsangehörigkeit. Zwischen den jeweiligen Zensen wird die Bevölkerung statistisch fortgeschrieben und vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht, um regelmäßige Aussagen zu den Einwohnerzahlen treffen zu können. Hierbei schleichen sich Jahr für Jahr Fehler ein, die über die Zeit kumulieren. So ist dem Statistischen Bundesamt seit längerer Zeit bekannt, dass in Deutschland mindestens 1,3 Millionen Menschen weniger leben als offiziell angegeben.

Zu Ungenauigkeiten bei der Bestimmung der Mortalität von Migranten können weiterhin die Angaben über Staatsangehörigkeit und Alter führen. Eine Person, die zwar zugewandert ist, aber nach einer Zeit eingebürgert wurde, verschwindet aus der Statistik der ausländischen Migranten. Wenn sie stirbt, wird ihr Fall der Sterberate der Deutschen zugerechnet. Asylbewerber oder Flüchtlinge haben oft keinen Reisepass, manche kennen nicht einmal ihr Geburtsjahr. Falsche Schätzungen oder Einträge können deshalb die Sterberate von Migranten verzerren.

Schließlich bestimmt das Alter einer Bevölkerungsgruppe deren Sterblichkeit. Da die Altersgruppe der über 60-Jährigen die meisten natürlichen Sterbefälle pro 1.000 Personen aufweist, der Anteil der über 60-jährigen Ausländer aber vergleichsweise niedrig ist, liegt die rohe Sterberate der ausländischen Bevölkerung insgesamt unter jener der deutschen Bevölkerung. Dem Statistischen Bundesamt zufolge zählen 25 Prozent der Deutschen zu dieser Alterklasse, aber nur 12,6 Prozent der Ausländer.

Eine entscheidende Rolle spielt ferner die Datenquelle, auf der die Berechnungen der Sterblichkeit basieren. Anstelle der amtlichen Statistik der Sterbefälle durch die Einwohnermeldeämter können statistische Analysen über Migranten mit Daten des Ausländerzentralregisters gespeist werden. Das Ausländerzentralregister dokumentiert neben demografischen Daten, Meldestatus und Staatsangehörigkeit auch den Sterbezeitpunkt eines Ausländers. Ein Vergleich mit der amtlichen Statistik zeigt, dass die Unterschiede in der Sterblichkeit zwischen Ausländern und Deutschen basierend auf den Daten des Ausländerzentralregisters geringer ausfallen. Doch auch hier können sich Erhebungsfehler einschleichen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung im Vergleich

Während die Differenz in der Lebenserwartung von deutschen und ausländischen Männern nach der amtlichen Statistik 5,8 Jahre beträgt, verringert sie sich nach dem Ausländerzentralregister (AZR) auf vier Jahre. Die Lebenserwartung von ausländischen Frauen unterscheidet sich nach dem AZR sogar nur um zwei Jahre von der der deutschen, gegenüber 3,7 nach der amtlichen Statistik. Tatsächlich dürfte die Lebenserwartung von Ausländern unter der von Alteingesessenen liegen (Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008): Leben Migranten wirklich länger? Eine empirische Analyse der Mortalität von Migranten in Deutschland. Working Paper 16. Nürnberg).

Für Mortalitätsanalysen besser geeignet sind daher Daten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, die ebenfalls den Todeszeitpunkt eines Mitgliedes erfassen. Da die Rentenauszahlung von dem Meldestatus des Empfängers abhängt, treten Meldefehler seltener auf. Problematisch ist allerdings, dass bestimmte Erwerbsgruppen wie Selbstständige, Beamte und auch Hausfrauen nicht erfasst werden können und die Daten daher nicht vollständig sind.

Die Sterberate der über 60-Jährigen im Vergleich

Die Sterberate, die sich hier auf die Altersgruppe der über 60-Jährigen bezieht, ist auch nach den Daten der gesetzlichen Rentenversicherung für ausländische Mitbürger niedriger als für deutsche. Die Differenz zwischen ausländischen und deutschen Frauen ist größer als bei den Männern. Die Ursachen könnten in der unvollständigen Datenlage liegen (Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008): Leben Migranten wirklich länger? Eine empirische Analyse der Mortalität von Migranten in Deutschland. Working Paper 16. Nürnberg. Nach Daten der Gesetzlichen Rentenversicherung).

Vieles deutet also darauf hin, dass die Migranten gar nicht älter werden, sondern dass ihre Todesfälle einfach nur seltener registriert werden.

Literatur / Links

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2005): Land ohne Daten. Demos 16. Berlin.

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2007): Gesundheit und ein langes Leben für alle? Demos 37. Berlin.

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2008): Arme und Ungebildete sterben früher. Demos 51. Berlin.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008): Healthy-Migrant-Effect, Erfassungsfehler und andere Schwierigkeiten bei der Analyse der Mortalität von Migranten. Eine Bestandesaufnahme. Working Paper 15. Nürnberg.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008): Leben Migranten wirklich länger? Eine empirische Analyse der Mortalität von Migranten in Deutschland. Working Paper 16. Nürnberg.

Robert Koch-Institut/Statistisches Bundesamt (2008): Migration und Gesundheit. Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichtserstattung des Bundes. Berlin.

Statistisches Bundesamt (2008): Bevölkerungszahl vermutlich um 1,3 Millionen zu hoch. Pressemitteilung Nr. 265 vom 22.07.2008.

Statistisches Bundesamt (2008): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Ergebnisse aus dem Ausländerzentralregister. Wiesbaden.

 

   
     
 

Den USA gehen die qualifizierten Arbeitskräfte aus
Das Zusammentreffen von der Verrentung der Babyboomer, einer stagnierenden Bildungs- und einer restriktiven Einwanderungspolitik steht dem Wirtschaftswachstum im Weg

Ihren Aufstieg zur Supermacht und ihre wirtschaftliche Vormachtstellung verdanken die USA unter anderem einer hochqualifizierten Arbeitnehmerschaft. Bei ihrem Eintritt in die Arbeitswelt galten die Arbeitnehmer der Babyboomer-Generation als die besten der Welt. Nun kommen sie allmählich in die Jahre. Gehen die Babyboomer in Rente, fehlt es an gut ausgebildetem Nachwuchs. Denn aufgrund schwerer Versäumnisse in der Bildungspolitik stagniert das Bildungsniveau auf dem Stand von vor 30 Jahren.

Zwar könnte die Zuwanderung von qualifizierten Kräften aus dem Ausland Abhilfe schaffen, doch ausgerechnet die wurde in den letzten Jahren stark eingeschränkt. Und da andere Staaten nicht schlafen, verschärft sich nun der Wettbewerb um die klügsten Köpfe. Großzügige Investitionen in das Bildungssystem werden nach der langen Periode des Stillstands nur langfristig Wirkung zeigen. Kurzfristig hilft nur qualifizierte Einwanderung. Dazu müssen die Zuwanderungsgesetze reformiert werden, um den stetigen und wirtschaftlich bedeutsamen Zufluss von hochqualifizierten Arbeitskräften einzuleiten.

Doch stattdessen schraubten die USA in den vergangenen Jahren die Zuwanderungshürden hoch. Dabei ist die Nachfrage vorhanden: Im April 2008 stellten US-Unternehmen 163.000 Anträge auf ein H-1B Visum (qualifizierte Arbeitskräfte und ausländische Studenten mit Abschluss einer US-Universität), von denen nur knapp die Hälfte bewilligt wurde. Die größten und wettbewerbsfähigsten amerikanischen Unternehmen bekommen keine Visa für dringend benötigte Fachkräfte.

Dabei war Zuwanderung schon immer eine der Grundlagen für die Innovationsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft: Wie bei Google, eBay und Yahoo stammt bei mehr als der Hälfte der in den vergangenen 15 Jahren im Silicon Valley gegründeten Firmen mindestens einer der Gründer aus dem Ausland. Nicht nur aufstrebende Staaten wie Indien und China konkurrieren mit den USA um das beste Personal. Auch OECD-Staaten, die von einer noch stärkeren Alterung der Bevölkerung betroffen sind, arbeiten an der Liberalisierung ihrer Einwanderungsgesetze für hochqualifizierte Zuwanderer. Das Interessante dabei: Vielen Staaten kopieren das US-Modell, beispielsweise die EU mit der Blue-Card, einer Abwandlung der amerikanischen Greencard (vgl. GMR Juli 2008). Hier könnte sich ein erbitterter Wettbewerb um die klügsten Köpfe entwickeln. Für die USA steht nicht weniger als ihre Führungsrolle in der globalen Wirtschaft auf dem Spiel.

Literatur / Links

Atlantic Community (2008): Global Must Reads, August 2008.

Jacob F. Kirkegaard (2008): US-High-Skilled Immigration Policy: A Self-Inflictet Wound, Peterson Institute for International Economics, Juli 2008.

 

   
     
 

Entwicklung braucht Zusammenarbeit
Die ärmsten Länder stellen die wirkliche Herausforderung für die Entwicklungszusammenarbeit dar

In seinem Buch "Die unterste Milliarde" vergleicht Paul Collier die Welt mit einem Kuchen. Dieser Kuchen besteht aus sechs Stücken mit jeweils einer Milliarde Menschen. Auf einem der Stücke - jenem mit dem Sahnehäubchen - leben wir Europäer und Nordamerikaner in Wohlstand. Vier weitere Stücke gehören den Menschen aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie Indien, China oder Brasilien. Länder, mit denen es allmählich bergauf geht. Ein letztes Kuchenstück wird von den ärmsten Menschen der Erde bewohnt. Es sind Länder, deren Entwicklung stagniert oder sich verschlechtert hat. Diese Menschen nennt Paul Collier die "unterste Milliarde".

Die zentrale These des Buches ist, dass sich die Distanz zwischen den ärmsten Ländern und den übrigen Entwicklungsländern vergrößert hat. Die ärmsten Länder schließen insgesamt 58 kleine Staaten ein, die zusammen eine Milliarde Menschen - ein Sechstel der Weltbevölkerung also - beherbergen. Zu 70 Prozent liegen sie in Afrika. Aber auch Länder anderer Kontinente wie Nordkorea oder der Jemen zählen dazu. Sie stellen die wirkliche Herausforderung für die Entwicklungszusammenarbeit dar. Während andere Länder allmählich wachsen und sich mit der Zeit dem Wohlstand annähern werden, haben sich die Werte der Entwicklungsindikatoren bei der untersten Milliarde verschlechtert. Diese Länder sind heute ärmer als vor vierzig Jahren.

Paul Collier hat dafür plausible Erklärungen. Mit zahlreichen Forschungsergebnissen und anschaulichen Länderbeispielen untermauert, beschreibt er vier Entwicklungsfallen. In mindestens einer davon ist ein jedes Land der untersten Milliarde gefangen. Die Konfliktfalle verhindert die Entwicklung von Ländern, die längere Perioden der Gewalt durchlaufen. Das können Bürgerkriege wie in Somalia oder Ruanda sein, militärische Konflikte mit Nachbarländern oder Staatsstreiche. Die Ressourcenfalle bedeutet nicht, dass ein rohstoffarmes Land für immer vom Handel ausgeschlossen sein wird, sondern eine Gefahr, die vom Umgang mit Überfluss ausgeht: Rohstoffreichtum kann den Wert anderer Exportgüter verringern und so eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung verhindern. Im Fall von Nigeria war es der Ölboom, in Kenia der Kaffeeexport. In der dritten Falle sitzen Binnenstaaten, die von sogenannten schlechten Nachbarn umgeben sind. Nachbarn, die sie von der Außenwelt, vom Handel und von ihrer Chance auf Entwicklung abschneiden. Sei es, weil sie dem Land ihrerseits keinen Marktplatz für dessen Waren bieten können und wollen, sei es, weil es an Straßen- und Bahnlinien fehlt oder in ihnen Bürgerkrieg herrscht. Von solchen Nachbarn ist etwa Uganda umgeben. In der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan und in Somalia herrschen Gewalt und in Kenia und Tansania sind die Straßen sehr schlecht. Die vierte Falle ist die der Bad Governance, der fehlerhaften Regierungsführung. Korruption und eine schlechte Wirtschaftspolitik verhindern das Wachstum, wie das Beispiel des Tschads zeigt, der laut Transparency International zu den korruptesten Staaten der Erde zählt.

Die unterste Milliarde sitzt seit Jahrzehnten in diesen Entwicklungsfallen fest. Aus eigener Kraft schaffen sie den Aufstieg nicht mehr. Staaten wie Indien oder China haben mittlerweile die Nischen im Weltmarkt gefüllt. Dennoch ist die unterste Milliarde nicht dazu verflucht, in ewiger Armut zu verharren, sofern die Industrienationen ihnen helfen. Doch zur Lösung ihrer Probleme bedarf es mehr als Entwicklungshilfe. Paul Collier betont, dass die G-8-Länder sich dem Thema annehmen müssen und entwirft eine Strategie: Neben der Entwicklungshilfe, die im Wesentlichen auf Budgethilfe reduziert wird, spielen darin drei andere Instrumente eine Rolle: militärische Interventionen, Gesetze und Chartas sowie eine reformierte Handelspolitik.

Inwieweit seine Vorschläge durchführbar sind und tatsächlich zur Lösung der Probleme führen, darüber lässt sich allerdings streiten. Auch der starke wirtschaftswissenschaftliche Fokus bietet Angriffsfläche für Kritik. Für den ehemals bei der Weltbank beschäftigten Ökonomen Paul Collier steht und fällt die Entwicklung eines Landes mit dessen Wirtschaftswachstum. Aspekte der menschlichen Entwicklung wie Bildung und Gesundheit, die insbesondere für das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele von Bedeutung sind, werden nicht thematisiert. Dass aber gerade ein hohes Bevölkerungswachstum die wirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflusst, belegen andere Studien. Hohe wirtschaftliche Wachstumsraten sollten deshalb nicht das ausschließliche Ziel von Entwicklung sein. Wirtschaftliche Entwicklung ist nur ein Teilbereich von Entwicklung, und Armut definiert sich nicht nur durch fehlenden materiellen Wohlstand. Das wird deutlich am Beispiel des südindischen Bundesstaates Kerala. Im indischen Kontext verzeichnet Kerala nach Carl Haub und O.P. Sharma die besten Ergebnisse in der menschlichen Entwicklung und weist unter anderem die höchste Alphabetisierungsrate bei den Frauen, die niedrigste Fertilität und eine hohe Lebenserwartung auf. In der wirtschaftlichen Entwicklung aber schneiden andere Bundesstaaten besser ab, denn Investoren bevorzugen diese Regionen des Subkontinents.

Collier, Paul (2008): Die unterste Milliarde. Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann. C.H. Beck, München, 19,90 Euro (gebundene Ausgabe).

Erhältlich im Buchhandel oder bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

 

   
     
 

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Bevölkerungsentwicklung in der Türkei von Steffen Kröhnert

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