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Ausgabe 59, 13. November 2008

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Das Hoch im Norden
Mecklenburg-Vorpommern lockt deutschlandweit die meisten Touristen je Einwohner an - fast so viele wie das Ferienparadies Malta

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Bewölkter Platz an der Sonne
Der beschauliche Lebensabend im Süden ist für viele Nordeuropäer mit Schwierigkeiten behaftet

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In eigener Sache
Pressefrühstück und Buchpräsentation: "Europe´s Demographic Future - Growing Regional Imbalances"

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Das Hoch im Norden
Mecklenburg-Vorpommern lockt deutschlandweit die meisten Touristen je Einwohner an - fast so viele wie das Ferienparadies Malta

Mecklenburg-Vorpommern ist mit mehr als 14 Gästeübernachtungen je Einwohner und Jahr das tourismusintensivste Gebiet in Deutschland. Es belegt damit innerhalb Europas einen beachtlichen 23. Platz unter 285 Regionen. Dies zeigt der europaweite Regionenvergleich der Studie "Die demografische Zukunft von Europa" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Das nordostdeutsche Bundesland, dessen Einwohnerzahl seit 1990 von 1,9 Millionen auf weniger als 1,7 Millionen Menschen gesunken ist, taugt eher selten für positive Schlagzeilen. Die Arbeitslosenquote gehört seit Jahren zu den bundesweit höchsten und Prognosen der europäischen Statistikbehörde Eurostat sagen dem Bundesland bis 2030 einen weiteren Bevölkerungverlust von beinahe 20 Prozent voraus. Doch mit der mecklenburgischen Seenplatte, der 350 Kilometer langen Ostseeküste, den Urlaubsinseln Rügen, Usedom oder Hiddensee und den vielerorts noch immer moderaten Preisen zieht es die meisten Übernachtungsgäste an. Schleswig-Holstein, das Bundesland mit zwei Küsten und der Vorzeigeinsel Sylt ist demgegenüber mit nur knapp acht Übernachtungen je Einwohner weit abgeschlagen.

Selbst im europäischen Vergleich kann sich Mecklenburg-Vorpommern sehen lassen: Die Region liegt auf Rang 23 - nur knapp hinter der Mittelmeerinsel Malta oder dem österreichischen Vorarlberg. Demografisch sind jene Regionen allerdings besser aufgestellt: In Mecklenburg-Vorpommern sind gerade noch 36 Prozent der Einwohner jünger als 35 Jahre, in Vorarlberg und auf Malta sind es 46 Prozent.

Allerdings spielen die europäischen Spitzenreiter im Tourismus in einer anderen Liga: Die meisten Übernachtungsgäste des Kontinents locken die Balearischen Inseln an, Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera. Dorthin zieht es mehr als 62 Gäste je 100 Einwohner. Platz zwei und drei belegen die italienische Region Bozen und das österreichische Bundesland Tirol. Bei Reisenden am wenigsten beliebt sind derzeit ländliche und touristisch kaum entwickelte Regionen in Polen, Bulgarien und Rumänien. Die polnische Wojewodschaft (so heißen in Polen die Verwaltungseinheiten) Großpolen rund um die Stadt Posen kommt gerade auf 0,35 Gästeübernachtungen je Einwohner. Innerhalb Deutschlands ist die nördlich des Ruhrgebietes gelegene nordrhein-westfälische Region Münster am wenigsten attraktiv. Dort übernachteten pro Einwohner gerade einmal 1,37 Gäste - in Europa reicht das nur für Rang 248 unter 285 Regionen.


Mecklenburg-Vorpommern bei Reisenden beliebt
Die für Touristen attraktivsten Regionen in Europa (in Gästeübernachtungen pro Jahr je Einwohner)

Bezogen auf die Einwohnerzahl ist Mecklenburg-Vorpommern die tourismusintensivste Region Deutschlands. Damit erreicht sie immerhin Platz 23 von 285 europäischen Regionen. Mit gut 14 Übernachtungen je Einwohner und Jahr liegt das ostdeutsche Nordland knapp hinter Ferienregionen wie Malta oder dem österreichischen Vorarlberg.


Literatur / Links

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2008): Die demografische Zukunft von Europa. Wie sich die Regionen verändern. München.

 

   
     
 

Bewölkter Platz an der Sonne
Der beschauliche Lebensabend im Süden ist für viele Nordeuropäer mit Schwierigkeiten behaftet

Immer mehr Nordeuropäer verlagern ihren Lebensmittelpunkt in den Mittelmeerraum. Besonders ältere Leute, die sich dem Rentenalter nähern oder bereits pensioniert sind, zieht es in südliche Gefilde. So lebten im Jahr 2007 nach Angaben des nationalen Statistikinstituts in Madrid offiziell rund 450.000 Briten und Deutsche in Spanien. Von ihnen war über die Hälfte älter als 50 Jahre, und ein Viertel hatte sogar die 65-Jahre-Grenze überschritten. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2001 hatten sich gerade einmal 170.000 Briten und Deutsche in Spanien niedergelassen, von denen nur rund 20 Prozent älter als 65 Jahre waren.

Neben den registrierten Eingewanderten wohnen viele Nordeuropäer jedoch unangemeldet in Spanien. Das Institut für Public Policy Research in London schätzt die Zahl der in Spanien lebenden Briten auf fast eine Million. Diese Zahl könnte Berechnungen des Instituts zufolge bis zum Jahr 2050 auf ungefähr 3,3 Millionen anwachsen.

Immer mehr nordeuropäische Einwanderer in Spanien

Die Zahl britischer und deutscher Einwanderer in Spanien hat innerhalb des letzten Jahrzehnts stark zugenommen. Im Jahr 2007 lebten viermal so viele Briten in Spanien wie noch im Jahr 1998. Die Zahl der Deutschen hat sich in diesem Zeitraum verdreifacht.

Doch woher rührt der Zuwachs an älteren Immigranten? Einerseits werden bereits Einwanderer aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung im Durchschnitt älter. Andererseits strömen immer mehr Menschen im Rentenalter gen Süden. Sie schätzen das warme Mittelmeerklima und genießen den damit verbundenen Lebensstil. Auch fühlen sie sich durch merkbar niedrigere Lebenshaltungskosten angezogen. Laut Toni Breuer spielen außerdem häufige berufliche und touristische Auslandsaufenthalte eine Rolle. Sie nehmen den Menschen die Scheu vor der Emigration.

Der Ruhestand im Süden hat allerdings auch seine Schattenseiten. Ältere Menschen leiden vermehrt an gesundheitlichen Problemen und können die Anforderungen des täglichen Lebens oft nicht mehr alleine meistern. Begrenzte Mobilität führt in vielen Fällen zu Isolation. Einschränkungen dieser Art stellen Menschen im Ausland vor weit größere Probleme als daheim. Zwar erlaubt das EU-Gebot der Nichtdiskriminierung Einwanderern, das Sozialsystem des Empfängerlandes in gleichem Maße zu nutzen wie Inländer. Aber das bedeutet in Südeuropa, ein deutlich niedrigeres Leistungsniveau akzeptieren zu müssen. So dient die traditionell starke Rolle der Familie in südeuropäischen Staaten oft als eine Art "Sozialstaatersatz" für die Pflege älterer Personen. Da Einwanderer in ihrer neuen Heimat selten über ein ausgeprägtes Familiennetzwerk verfügen, bleibt ihnen diese Art der Unterstützung vorenthalten. Des Weiteren haben viele Einwanderer Sprachprobleme, was den Zugang zu öffentlichen sozialen Einrichtungen behindert.

In einer Gemeinschaftsstudie von Age Concern España, einer britischen Wohltätigkeitsorganisation in Spanien, und dem Economic and Social Research Council haben Wissenschaftler die spezifischen Probleme britischer Einwanderer näher untersucht. Dafür wurden vier Wochen lang alle Anfragen an Age Concern España aufgezeichnet und ausgewertet. Das Ergebnis war eindeutig: Einwanderer haben Schwierigkeiten, soziale Kontakte aufzubauen. Auch haben sie Probleme, sich Zugang zu Pflegeeinrichtungen und Gesundheitsversorgung zu verschaffen. Ferner scheitern sie oft an einfachen Übersetzungen, verstehen das lokale Transportsystem nicht oder sind mit dem Abwickeln ihrer finanziellen Angelegenheiten überfordert. Selbst eine Rückkehr nach Großbritannien bewältigen viele nur mit Unterstützung.

Gute Integration von Einwanderern ist somit nicht nur eine Frage für Arbeitsmigranten. Wie diese fallen auch die britischen Rentner in die Lücke zwischen den Zuständigkeiten: Die britische Regierung fühlt sich nicht mehr für sie zuständig, während die spanischen Behörden eine Überlastung ihrer Sozialsysteme fürchten und deswegen der Unterstützung dieser Einwanderer eher skeptisch gegenüberstehen.

Dennoch, eine verbesserte Infrastruktur für englischsprachige Minderheiten kann nicht der alleinige Weg zur Lösung des erwähnten Problems sein. Notwendig sind deshalb verbesserte Möglichkeiten zur Integration - etwa Sprachkurse - die zumindest einen Teil des Problems bekämpfen können. Dies erfordert allerdings auch ein gewisses Maß an Eigeninitiative und Motivation seitens der Einwanderer.


Literatur / Links

Anuario Estadístico de España (1990-2008): Instituto Nacional de Estadística (INE), Madrid.

Breuer, T. (2005): Retirement Migration or rather Second-Home Tourism? German Senior Citizens on the Canary Islands. Die Erde, 136, 313-333.

Hall, K. (2008): The Challenges of Retiring Abroad: A Case of Older British Migrants. Regions, 271, 29-32.

Hardill, I., Spradbery, J., Arnold-Boakes, J., & Marrugat, L. (2004): Retirement migration: the other story. Issues facing English speaking migrants who retire in Spain. Paper presented at RSA Conference, Europe at the Margins: EU Regional Policy, Peripherality and Rurality.

Moro, D. (2006): International Retirement Migration: Legal Framework in the European Union. Working Paper, Warwick University, Department of Economics.

Sriskandarajah, D., & Drew, C. (2006): Brits Abroad: Mapping the Scale and Nature of British Emigration. Institute for Public Policy Research.

 

   
     
 

In eigener Sache
Pressefrühstück und Buchpräsentation: "Europe´s Demographic Future - Growing Regional Imbalances"

Das Berlin-Institut stellt am 24. November 2008 in Brüssel die englische Ausgabe seiner neuen Studie vor: "EUROPE´S DEMOGRAPHIC FUTURE - GROWING REGIONAL IMBALANCES".

Mehr Informationen zum Pressefrühstück und zur Buchpräsentation finden Sie hier.

 

   
 

 

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