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Ausgabe 83, 20. Oktober 2009

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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"Döner war gestern"
Interview mit Ele Schöfthaler, Quartiersmanagerin in Schwabach

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Weniger ungewollte Schwangerschaften, mehr Schutz für die Natur
In der Entwicklungszusammenarbeit lassen sich Umweltschutz, Gesundheitsversorgung und Familienplanung erfolgreich verbinden

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Größe und Zusammensetzung von Bevölkerungen verändern sich - was folgt daraus für die Politik?
Der neue "Atlas der Globalisierung" liefert Fakten und Analysen zu Alterung, Migration, Bevölkerungswachstum und anderen demografischen Entwicklungen weltweit

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Aktuelle Daten über Standort- und Lebensbedingungen in Deutschland
Die CD-ROM "INKAR 2009" des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) enthält Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung

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"Döner war gestern"
Interview mit Ele Schöfthaler, Quartiersmanagerin in Schwabach

Ele Schöfthaler, geboren 1952, hat Soziologie in Berlin und Tübingen studiert und gehörte 1976 zu den Gründerinnen der feministischen Zeitschrift "Courage". Sie hat lange als Journalistin gearbeitet. Seit 2002 ist sie Quartiersmanagerin und Vorsitzende des Zentrums für Arbeit und Kultur (ZAK e.V.), in Schwabach. Dort hat sie für das Projekt "Sonnenkinder von Schwabach" bereits zum zweiten Mal den Bundespreis "Soziale Stadt" vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung verliehen bekommen - für das Schaffen und die Förderung familienfreundlicher Initiativen und erfolgreiche Integrationsarbeit.

Schwabach ist mit rund 40.000 Einwohnern die kleinste kreisfreie Stadt Bayerns und gehört zur Metropolregion Nürnberg. Was macht eine Quartiersmanagerin dort?

Sie sorgt dafür, dass Menschen, die schon seit langer Zeit in dem Quartier wohnen, dort auch wohnen bleiben können. Aber möglichst zu besseren Bedingungen. Sie regt also beispielsweise die Besitzer an, Häuser, die in einem schlechten Zustand sind, zu renovieren. Oder sie regt die Besitzer dazu an, die Häuser an Menschen zu verkaufen, die die Kosten für eine Renovierung stemmen können.

Geht es vor allem darum, die Lebens- durch die Wohnqualität zu heben?

Ich bin eine Mittlerin zwischen dem reinen Bauen und zwischen dem, was sonst an anderen Orten die Manager machen. Ich bin für Geschäfte zuständig, aber auch direkt für die Menschen, die dort leben, und da spielt Bauen natürlich eine große Rolle.

Auch die Förderung der lokalen Wirtschaft?

Ja, wir renovieren eine Straße nach der anderen - und wenn Läden leer stehen, ist das natürlich schade. Es gibt da viele schöne Ideen, wie man Läden beleben kann, und ich verhandele dann mit den Besitzern. Beispielsweise läuft nun in einem ehemaligen Drogeriemarkt, der leer stand, die Ausstellung von Holzkunstwerken eines stadtbekannten Künstlers. Das ist eine sinnvolle Zwischennutzung.

Haben Sie auch Beispiele für länger laufende Läden?

Ja, in einem bietet eine ehemalige Langzeitarbeitslose ihre Dienste als Büglerin an. Ein anderes Beispiel ist ein über 50-jähriger Franzose, der auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen hatte, sich aber mit einem Geschäft selbstständig gemacht hat. Er hatte mich gefragt, ob ich ihm dazu Kapital verschaffen könne, und ich habe ihm geraten, sich mit einem Kollegen in Potsdam zusammenzutun und Waren auf Kommission zu verkaufen. Mit seinem französischen Akzent lockt er gerade Frauen an. Er hat mit Tischdecken angefangen, inzwischen verkauft er auch französischen Honig und Schokolade, die Leute pilgern sogar aus Nürnberg hierher. Dort hatte er auf dem Christkindlmarkt für seinen kleinen Laden in Schwabach geworben - das zieht.

Die Deutschen werden weniger, älter und kulturell vielfältiger, wie auch Ihr letztes Beispiel verdeutlicht - wie sieht die Entwicklung in Schwabach aus?

In der Altstadt haben wir immer noch sehr viele Kinder, weil dort relativ viel großer Wohnraum zur Verfügung steht. Nach wie vor leben hier auch viele ältere Menschen. Aber die Wohnungen sind oft noch nicht so umgebaut, dass sie auch für Ältere geeignet sind.

Welchen Anteil stellen Menschen mit Migrationshintergrund?

In Schwabach insgesamt knapp acht Prozent der Einwohner. In der Altstadt leben doppelt so viele wie in den anderen Stadtteilen, auch deshalb haben wir eine sehr lebendige Innenstadt. Aber auch im Rest Schwabachs klappt das Zusammenleben sehr gut. Schwabach ist von der Tradition her eine alte Hugenottenstadt und offen gegenüber Fremden.

Wie zeigt sich das?

In Vereinen trifft man sich unabhängig von nationaler Herkunft. In der Altstadt haben wir jetzt eine türkisch-deutsche Schülerküche eingerichtet. Hier bekommen Schülerinnen und Schüler für einen Euro ein Mittagessen. Zwei Türkinnen kochen, und eine deutsche Metzgerin lernt bei ihnen, wie man nach alter türkischer Küche die Mahlzeiten zubereitet.

Kommt das an bei den Schülern?

Das kommt super an. Und inzwischen haben wir daraus auch einen Partyservice entwickelt - das ist trendig, die kleine, feine Art. Früher war das nur italienische oder griechische Küche, heute ist es auch die türkische. Und eben nicht Döner - Döner war gestern.

Sie mischen als Quartiersmanagerin also auch dabei mit, Geschäftsideen zu entwickeln und zu verwirklichen?

Ja, ich habe einen kleinen Verein gegründet, mit dem wir schnell handeln können, er hat nur zehn Mitglieder, alle altstadtinteressiert. Wir haben beispielsweise ein Projekt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bekommen, und mit dem Geld konnten wir drei Jahre lang Integration in der Praxis fördern - beim Nähen oder Kochen. Letzteres hat sich als großer Erfolg erwiesen, weil wir da zwei besonders begabte Frauen in Schwabach haben, die das langfristig betreiben können mit der Schülerküche und dem Partyservice.

Was ist der Vorteil dabei, dass Sie das nicht als Privatperson, sondern als Quartiersmanagerin leisten?

Als Quartiersmanagerin kann ich meine Zeit darauf verwenden, Anträge zu stellen und Projektvorschläge an verschiedene Institutionen zu schicken. Und ich kann dann nach einem Verein suchen, der das umsetzt - oder das Projekt selbst mit dem eigenen Verein durchführen, wenn der Vorstand zustimmt.

Gehören auch Kinder zu Ihrer Zielgruppe?

Ja - und im Vergleich zu dem, wie es in anderen Städten aussieht, herrscht in Schwabach Luxus: Bei uns kann man die Kleinsten in Kindernestern, so genannten Tagesmütterkooperativen, zu allen Zeiten betreuen lassen, zu denen die Eltern tatsächlich arbeiten - und das Ganze für einen Euro in der Stunde. Wir haben ein flächendeckendes Netz von Tagesmüttern und Krankheitsvertretungen. Dadurch ist die Betreuung so solide wie in einer regulären Kindereinrichtung - nur eben flexibler.

Steigt in Schwabach die Zahl älterer Menschen?

Ja, auch wenn die Innenstadtviertel zu einem guten Teil lange aus sehr heruntergekommenen Häusern bestanden haben. Dort lebten wenig ältere Menschen, enge, steile Treppenhäuser, mangelhafte sanitäre Anlagen. Das war für ältere Menschen, die ein bisschen Geld haben, nicht gerade verlockend. Wir haben jetzt in der Altstadt einen Treffpunkt organisiert, an dem Ältere unabhängig von Religion und politischer Richtung zusammenkommen. Von den Wohlfahrtsverbänden werden wir dafür ein bisschen kritisch beäugt, der so genannte Markt der Alten war ja lange verteilt unter den Wohlfahrtsverbänden.

Es gelingt Ihnen also, den Älteren die Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen?

Ja, die sind dabei und sagen, was ihnen gefällt und was nicht. Wir hatten zum Beispiel eine Spielplatzinitiative organisiert: Kinder haben die Spielplätze getestet und dazu auch Ältere befragt. Mehrheitliches Ergebnis: Die älteren Menschen hätten auch gerne einen Spielplatz. Wir haben deshalb überlegt, ob wir Spielplatzecken entsprechend zu Senioren-Spielplätzen aus- oder umbauen könnten, also Geräte aufzustellen, an denen Ältere ihr Körpergefühl ausprobieren können.

So ähnlich wie die Klimmzugstangen, Ringe und Schaukeln in China, die von Älteren und Jüngeren gleichermaßen genutzt werden? Das hat in Deutschland ja bereits an verschiedenen Orten Schule gemacht.

Das Gute daran ist, dass neben der Bewegungsmöglichkeit auch Treffpunkte entstehen - im Unterschied zu den Trimm-dich-Pfaden.

Wenn ich aus Ihren Tätigkeiten ein Berufsbild ableiten sollte, stellt sich mir die Frage: Sind Sie als Quartiersmanagerin so etwas wie Integrationsbeauftragte, Familien- und Wirtschaftspolitikerin in einer Person?

Ja.

Eine spezielle Ausbildung dafür gibt es aber nicht?

Nein, viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind Sozialpädagogen, ich bin Soziologin und Journalistin mit Erfahrung in der Journalistenausbildung.

Sie sind sehr erfolgreich mit Ihren Projekten und haben dafür viele Auszeichnungen erhalten - haben Sie Tipps für Ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Städten?

Alle müssen sehen, welches Potenzial in ihnen selber liegt und das Potenzial der Region ausloten. Mein Prinzip ist es, auf Lücke zu arbeiten: Eine Quartiersmanagerin muss gucken, was ohnehin schon da ist, und das fördern, was noch gebraucht wird. Eine Musikgruppe Jugendlicher braucht beispielsweise einen Probenraum, andere brauchen Raum, um ihre Waren zu präsentieren - da kann ich mit relativ einfachen Mitteln gezielt und schnell weiterhelfen.

Das Interview führte Margret Karsch.

Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut) erlaubt.

 

   
     
 

Weniger ungewollte Schwangerschaften, mehr Schutz für die Natur
In der Entwicklungszusammenarbeit lassen sich Umweltschutz, Gesundheitsversorgung und Familienplanung erfolgreich verbinden

Die Industriestaaten sind zwar die Hauptverantwortlichen für Ressourcenausbeutung, Umweltverschmutzung und Klimawandel. Sie bekommen die Folgen der Naturzerstörung aber nicht so stark und unmittelbar zu spüren wie die weniger entwickelten Länder der Welt. Dort sind die Mütter- und Kindersterberaten hoch, viele Menschen kämpfen mit dem täglichen Überleben und haben keine Möglichkeit, sich an die Veränderungen in ihrer Umwelt anzupassen: Sie sind auf eine intakte Natur angewiesen - auf ein Klima, das ihnen die Ernte sichert, auf fruchtbaren Boden, auf den Fischbestand und sauberes Trinkwasser.

Dies gilt umso mehr, je mehr Menschen sich gemeinsame Nahrungsquellen wie den Ertrag der Felder oder die Fischpopulation eines Sees teilen. Starkes Bevölkerungswachstum erhöht den Druck auf die natürlichen Ressourcen. Wer viele Kinder zu versorgen hat und fruchtbaren Boden zum Nahrungsmittelanbau braucht, fällt Bäume - auch wenn es die letzten sind. Eine an die Umweltbedingungen angepasste Familienplanung kann deshalb einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Rückgang der weltweiten Waldbestände und Bevölkerungswachstum

Während die Weltbevölkerung stetig wächst, nimmt der Waldbestand kontinuierlich ab. Da der Flächenbedarf vor allem dort steigt, wo das Bevölkerungswachstum am höchsten ist, sind es meist die artenreichen, tropischen Regenwälder, die für Siedlungs- und Ackerfläche weichen müssen. Vielerorts stecken allerdings kommerzielle Interessen hinter dem Raubbau an der Natur (Datengrundlage: FAOSTAT).

Bei kleineren Familien können Eltern ihre Kinder zudem besser versorgen. Die Größe der Familien wirkt sich somit auch auf den Gesundheitszustand ihrer Mitglieder aus. Nicht überall jedoch verfügen Frauen und Männer über Zugang zu Aufklärung und Verhütungsmitteln.

Einige Projekte der Entwicklungszusammenarbeit verknüpfen deshalb Naturschutz mit Gesundheitsversorgung und Familienplanung. Die Idee dazu ist allerdings nicht neu: Seit dem Jahr 2000 kämpfen beispielsweise Geo schützt den Regenwald e.V. und die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung zusammen mit weiteren Partnern für den Erhalt der verbliebenen Regenwälder im südwestlichen Hochland von Äthiopien. Das Bonga Forest Projekt verfolgt das Ziel, die wildwachsenden Kaffeepflanzen, die dort nicht nur ihren Ursprung sondern auch das weltweit einzige natürliche Verbreitungsgebiet haben, mitsamt ihrem Naturraum zu schützen. Ein nachhaltiges Waldmanagementsystem ermöglicht eine Ressourcen schonende Nutzung des Waldes. Die Verarbeitung der Kaffeebohnen und der Aufbau von Vermarktungsstrukturen sichern den Menschen in der Region ein Einkommen. Eine weitere Komponente des seit zehn Jahren erfolgreichen Projektes ist Aufklärungsarbeit, denn ungewollte Schwangerschaften sind der Hauptgrund für das dortige Bevölkerungswachstum. Vor allem Jugendliche - die Eltern von morgen - erhalten Informationen über und Zugang zu Mitteln der Familienplanung. Im Idealfall sinken mit Hilfe des Projektes die Kinderzahlen je Frau, die Familien können sich besser ernähren und haben mehr Mittel, in die Bildung ihrer Kinder zu investieren. Diese können dann andere Berufe als die des Kleinbauern ergreifen, was wiederum den Druck auf die verbleibenden Naturräume mindert.

Auch die amerikanische Entwicklungshilfeorganisation United States Agency for International Development (USAID) unterstützt Projekte, die Familienplanung und Naturschutz kombinieren. So zum Beispiel in Kambodscha. Im Cardamom Gebirge im Südwesten des Landes leben bedrohte Arten wie der asiatische Elefant, der Tiger und das siamesische Krokodil. Der dortige Wald ist aber auch die Lebensgrundlage der seit Jahrhunderten ansässigen und stetig wachsenden Khmer Bevölkerung. Unkontrollierte Migration, hohe Bevölkerungswachstumsraten und kommerzielle Interessen haben dazu geführt, dass die Menschen zunehmend in die Natur eingreifen und diese aus dem Gleichgewicht gerät. Heute sind 43 Prozent der lokalen Bevölkerung unter 15 Jahre jung und werden im Erwachsenenalter erst noch eine Familie gründen, was ohne Geburtenkontrolle sämtliche Naturschutzaktivitäten binnen einer Generation zu Nichte machen würde. Das von Conservation International und der Mitorganisation CARE in Kambodscha umgesetzte Projekt ermöglicht der Bevölkerung den Zugang zu Verhütungsmitteln und trägt zum Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur bei. Gleichzeitig stärkt es die Arbeit bestehender Naturschutzorganisationen, indem Landnutzungspläne aufgestellt und umgesetzt werden und alternative Einkommensquellen wie die Rekultivierung aufgegebener Reisfelder geschaffen werden.

Ein anderes von USAID mitgetragenes Projekt führen Save the Children und der World Wide Fond for Nature (WWF) auf den Philippinen durch. Ziel ist es, das einzigartige, maritime Ökosystem der Sulu Sulawesi Meeresökoregion zu erhalten, das von Überfischung bedroht ist. Hinter dem Fischfang stecken einerseits wirtschaftliche Interessen, andererseits aber auch die Armut der über 35 Millionen Küstenbewohner. Bis zum Jahr 2035 soll sich ihre Bevölkerungszahl verdoppeln. Um den Bevölkerungsdruck zu verringern, leisten die Projektträger zum einen Aufklärungsarbeit und bauen Gesundheitsdienstleistungen wie den Zugang zu Verhütungsmitteln und reproduktiver Gesundheitsversorgung aus. Zum anderen schaffen sie lokale Strukturen, um das maritime System zu überwachen und zu schützen. Zum dritten fördern sie umweltverträgliche, Einkommen generierende Maßnahmen wie die Algenzucht und schulen die lokale Bevölkerung, nachhaltig zu fischen.

Literatur / Links

CARE

Conservation International

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: Pille als Waldschutz

Geo schützt den Regenwald e.V.: Rettung für die Kaffeewälder in der Kaffa Region, Äthiopien

Save the Children

USAID (2008): Integrating Population, Health and Environment in Cambodia

USAID: Cambodia - Population Environment Project

USAID: Successful Communities from Ridge to Reef

World Wide Fond for Nature (WWF)

 

   
     
 

Größe und Zusammensetzung von Bevölkerungen verändern sich - was folgt daraus für die Politik?
Der neue "Atlas der Globalisierung" liefert Fakten und Analysen zu Alterung, Migration, Bevölkerungswachstum und anderen demografischen Entwicklungen weltweit

Das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung steigt - was hat diese Nachricht mit meinem alltäglichen Leben zu tun? Statistiken bleiben oft abstrakt. Der von der Monatszeitschrift "Le Monde diplomatique" herausgegebene neue "Atlas der Globalisierung" zeigt die Bedeutung weltweiter Entwicklungen für den Einzelnen, indem er sie durch Beispiele und Grafiken veranschaulicht, Zusammenhänge herstellt, die politischen Rahmenbedingungen hinterfragt und Alternativen zu den gängigen Handlungskonzepten der Akteure auslotet.

So lässt sich in nahezu allen Ländern der Welt eine Entwicklung von hohen zu niedrigen Geburten- und Sterberaten beobachten. Dieses Phänomen wird als "demografischer Übergang" bezeichnet. Er vollzieht sich in zwei Phasen, die allerdings unterschiedlich lang andauern können: Vor langer Zeit lagen überall auf der Welt Geburten- und Sterberaten hoch. Dann sank letztere in den sich entwickelnden Staaten, während die Geburtenrate unverändert hoch blieb. In dieser Phase wächst die Bevölkerung. Später sank auch die Geburtenrate, und das Bevölkerungswachstum verlangsamte sich - zunächst in den Industrienationen, später in den Schwellen- und vielen Entwicklungsländern. Wenn schließlich die Geburten- unter die Sterbeziffer sinkt, kommt es zu einem Bevölkerungsrückgang. Die Bevölkerung wird älter.

Die Geburten- und Sterberate beeinflussen die Altersstruktur einer Bevölkerung – ebenso wie die Migration. Von der Struktur der Bevölkerung, vor allem deren Alter und Bildungsgrad, hängt die wirtschaftliche Entwicklung wesentlich ab. Deshalb fordern Bevölkerungsveränderungen die sozialen Systeme heraus: Sind viele Kinder und alte Menschen zu versorgen? Übernimmt dies die Gesellschaft oder die Familie? Teilen Frauen und Männer sich die hier anfallende Arbeit gleichermaßen? Wie kann ein finanzierbares Sozialsystem aussehen? Die Politik muss außerdem dafür sorgen, dass Zuwanderer sich integrieren können. Nur dann werden ihre Potenziale genutzt. Dabei dürfen die Folgen nicht außer Acht gelassen werden, die es für die Herkunftsländer hat, wenn junge Menschen ihre Heimat in großer Zahl verlassen und etwa von West- oder Ostafrika nach Westeuropa oder Nordamerika ziehen. In diesen Regionen muss der Hunger bekämpft, der Zugang zu sauberem Trinkwasser garantiert werden.

Der "Atlas der Globalisierung" stellt in allen Beiträgen auch die Frage: Wie können wir mehr Gerechtigkeit schaffen? Diese Frage richtet sich genauso an die professionellen politischen Macher wie an den Einzelnen. Das Heft sucht Antworten darauf und fordert dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Die Herausgeber sind dabei keine weltfremden Idealisten, sie glauben an Gestaltungsmöglichkeiten.

Ob es um wirtschaftliche Entwicklungen wie die gegenwärtige Finanzkrise geht, um die Energie- oder die Wasserversorgung, den Klimawandel oder Umweltschutz, regionale, nationale oder internationale Interessen und Konflikte - das Heft liefert zu allen wichtigen Themen, die die Welt gerade beschäftigen, grundlegende Informationen. Wem das nicht reicht, für den verweisen die Autoren auf die Quellen und weiterführende Literatur.

Die Monatszeitung "Le Monde diplomatique" ist eine der verlässlichen Institutionen, die regelmäßig einen kritischen Blick auf vorherrschende Strukturen wirft, auf intelligente Art Kritik übt und nach neuen Lösungen sucht. Wie die beiden vorherigen Ausgaben rückt der jüngste "Atlas der Globalisierung" zudem Regionen in den Blick, die in den täglichen Nachrichten sonst nur am Rande vorkommen - obwohl die Probleme dort oft besonders dringlich sind. Die Verbindung von theoretischem und geschichtlichem Hintergrund sowie praktischen Vorschlägen, welche Reformen mehr Gerechtigkeit schaffen könnten, gelingt auch in diesem Heft. Der Preis macht es auch für Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende erschwinglich, die aufbereiteten Fakten lassen sich gut im Unterricht nutzen. Die Autorinnen und Autoren sind anerkannte Wissenschaftler und Journalisten. Der Atlas ist in diesem Oktober zum dritten Mal erschienen - und wie 2003 und 2006 ist es ein Gewinn, ihn zu lesen.

Le Monde diplomatique: Atlas der Globalisierung. Berlin 2009, 313 S., 13 Euro.

 

   
     
 

Aktuelle Daten über Standort- und Lebensbedingungen in Deutschland
Die CD-ROM "INKAR 2009" des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) enthält Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung

Die Haushalte im Landkreis Starnberg verfügen mit durchschnittlich 2.300 Euro über das höchste Einkommen in Deutschland. Dort haben männliche Neugeborene mit über 80 Jahren zugleich die höchste Lebenserwartung. Im mecklenburgischen Uecker-Randow liegt das durchschnittliche Haushaltseinkommen dagegen lediglich bei 1.100 Euro. Männer werden dort im Durchschnitt 73 Jahre alt. Wer sich über die Standort- und Lebensbedingungen in Deutschlands Städten, Kreisen und Regionen informieren möchte, sollte die aktuelle CD-ROM "INKAR 2009" des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zur Hand haben. Die diesjährige Ausgabe der CD-ROM umfasst 450 Indikatoren zu gesellschaftlichen Schlüsselfeldern wie Arbeit, Wirtschaft, Finanzen, Bevölkerung und Bildung. Die Indikatoren basieren auf Daten der amtlichen Statistik des Bundes und der Länder sowie von Forschungseinrichtungen und Verbänden.

INKAR 2009 erlaubt als interaktive Anwendung einen flexiblen Zugang zu den Indikatoren und Raumeinheiten. In wenigen Schritten lassen sich thematische Karten erstellen, beispielsweise zum Anteil der Hochschulabsolventen in einem Landkreis oder einer Region, zur durchschnittlichen Rentenhöhe oder zur Prognose der Schülerzahlen. Die Visualisierung der Indikatorwerte gibt den Anwendern der CD-ROM einen schnellen Überblick über das Ausmaß regionaler Unterschiede. Die Werte der einzelnen Indikatoren sind ebenfalls in einer Tabelle darstellbar. Diese kann für vertiefende Analysen wie Rankings von Kreisen und Regionen dienen. Die Karten, Grafiken und Tabellen können ausgedruckt und in alle gängigen Formate umgewandelt werden.

Mit der CD-ROM bietet das BBSR eine verlässliche Recherchequelle für Medien, Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen, Kreise und Regionen sowie Verbände. Unternehmen können INKAR unter anderem für regionale Marktanalysen nutzen. Für den Geografie- und Gemeinschaftskundeunterricht ist die CD-ROM ein wesentliches didaktisches Arbeitsmittel.

Die CD-ROM kostet 45,00 Euro zzgl. Versand und ist beim BBSR oder im Buchhandel erhältlich.

BBSR (2009): INKAR - Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung. CD-ROM

 

   
 

 

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