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Ausgabe 113, 08. März 2011

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Auf einen Blick: Gleichstellung von Frauen und Männern weltweit
Eine Datensammlung verdeutlicht, dass das Ziel noch längst nicht erreicht ist

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Nachhaltiges Wirtschaftswachstum durch Geschlechterpolitik
Die EU hat einen neuen Fahrplan für die Gleichstellung von Männern und Frauen bis 2015 aufgestellt

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Für JournalistInnen
Pressekonferenz und Studienpräsentation: "Die demografische Lage der Nation"

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Auf einen Blick: Gleichstellung von Frauen und Männern weltweit
Eine Datensammlung verdeutlicht, dass das Ziel noch längst nicht erreicht ist

Rechtzeitig zum 100. Jahrestag des Internationalen Frauentags am 8. März 2011 hat das Population Reference Bureau das World's Women and Gilrs 2011 Data Sheet veröffentlicht. Darin sind aus allen Ländern der Welt Daten und Fakten zu Demografie, reproduktiver Gesundheit, Ausbildung sowie Arbeit und öffentlichem Leben zusammengefasst. Das Data Sheet gibt so Auskunft über den Stand der Gleichstellung von Männern und Frauen - beziehungsweise über das Machtgefälle zwischen ihnen. Ziel der Zusammenstellung ist es, durch Verbreitung der Fakten die Barrieren zu beseitigen, die einer Gleichstellung der Geschlechter im Wege stehen.

Das Data Sheet zeigt, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Regionen der Welt unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Gewalt gegen Frauen, eine hohe Müttersterblichkeit, niedrige Alphabetisierungsraten, hohe Geburtenraten und junges Heiraten sind Anzeichen dafür, dass Frauen in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt und gegenüber Männern benachteiligt sind.

Gewalt gegen Frauen verhindert Gleichstellung

In vielen Ländern der Welt ist körperliche Gewalt gegen Frauen an der Tagesordnung - und sogar Frauen halten es für legitim, dass Ehemänner ihre Frauen schlagen. In Indien stimmten 30 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer der Aussage zu, es sei in Ordnung, eine Frau zu schlagen, wenn sie ihrem Mann widerspricht. In Uganda halten es 31 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer für legitim, eine Frau zu schlagen, wenn sie sich weigert, mit ihrem Mann zu schlafen.

Gewalt gegen Frauen bei beiden Geschlechtern häufig akzeptiert
Anteil der Frauen und Männer, der es in Ordnung findet, wenn der Ehemann seine Frau bei Auseinandersetzungen schlägt, in Prozent

In vielen Ländern der Welt ernten Frauen für Widerworte Schläge vom Ehemann. Dass sogar der weibliche Teil der Bevölkerung dies für legitim hält, zeigt, wie stark solches Gedankengut in einer Gesellschaft verwurzelt sein kann. Deshalb müssen Antigewaltprogramme immer mit beiden Geschlechtern arbeiten (Datengrundlage: PRB/Demographic Health Surveys).

Die Gewalt verletzt nicht nur den Körper, sondern auch die individuelle Würde der Frauen. Warum in Uganda, Indien und Ghana mehr Frauen als Männer diesen Formen der systematischen Unterdrückung von Frauen zustimmen, erklärt das Data Sheet nicht. Doch die hohe Zustimmung deutet darauf hin, dass Mädchen dort von klein auf in diesem Bewusstsein erzogen werden. Die kulturelle Prägung und die Abhängigkeit vieler Frauen von ihren Männern scheinen so groß zu sein, dass sich die Frauen andere Machtverhältnisse nicht einmal mehr vorstellen können.

Mangelnde Gleichstellung gefährdet die Gesundheit

In vielen Kulturen werden Söhne gegenüber Töchtern bevorzugt. Das heißt, die Jungen bekommen mehr zu essen und werden eher geimpft als Mädchen. Die Bevorzugung von Jungen führt in einigen Ländern sogar zu geschlechterspezifischen Abtreibungen - dadurch entsteht ein zahlenmäßig unnatürliches Verhältnis von Frauen und Männern.

Bei der idealen Kinderzahl für eine Familie gehen die Vorstellungen von Frauen und Männern laut PRB oft auseinander: Männer in Entwicklungsländern wollen dabei in der Regel mehr Kinder als ihre Frauen, wie zum Beispiel in Kenia, wo sich Männer etwa 0,5 Kinder mehr wünschen. Das zeigt, dass Programme zur Familienplanung sowohl auf Frauen als auch auf Männer ausgerichtet sein müssen.

Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau liegt weltweit bei 2,5. Dabei bekommen Frauen in den Industrienationen durchschnittlich 1,7 Kinder im Leben, Frauen in Entwicklungsländern dagegen durchschnittlich 3,1 Kinder. In einigen Ländern sind die Zahlen viel höher: In Niger zum Beispiel bekommt eine Frau im Durchschnitt 7,4 Kinder, in Burkina Faso 6,0, in Kenia 4,6 und in Afghanistan 5,7 Kinder. Die Lasten von Schwangerschaft und Geburt tragen die Frauen – und da es bei der Geburt oft auch an professioneller Unterstützung mangelt, ist das Risiko hoch, dabei zu sterben.

Frühe Heirat verhindert Entwicklung

Eine frühe Heirat und die meist damit einhergehenden Schwangerschaften bergen für Mädchen große gesundheitliche Risiken. Die Müttersterblichkeit ist höher als bei Frauen, die ihre Kinder im Erwachsenenalter bekommen, und Komplikationen bei der Geburt sind bei Frauen unter 18 Jahren deutlich häufiger. Zudem verlassen Frauen, die jung heiraten, die Schule in der Regel früher und haben damit meist weniger Möglichkeiten, ein unabhängiges Einkommen zu erwerben. In Mali, Niger und Tschad etwa heiraten 70 Prozent der Mädchen, bevor sie 18 Jahre alt sind - diese Länder rangieren alle am untersten Ende des UN-Entwicklungsindex.

Das durch Grafiken anschauliche Data Sheet des PRB wirft einen schlaglichtartigen Blick auf die Benachteiligung von Frauen vor allem in den wenig entwickelten Ländern. Das macht deutlich, wie weit entfernt die Welt von der Gleichstellung von Frauen und Männern noch ist - auch wenn das in den Industrieregionen oft nicht so stark im Bewusstsein ist. Eine ausführliche Tabelle mit Daten zu Demografie, reproduktiver Gesundheit, Ausbildung sowie Arbeit und öffentlichem Leben zeigt aber, dass auch hier noch viel zu tun bleibt. Eine Interpretation der vielfältigen Daten liefert das Data Sheet nicht - das bleibt den Leserinnen und Lesern überlassen.

Literatur / Links

PRB (2011): The World´s Women and Girls 2011 Data Sheet. Washington. www.prb.org.

Sen, Amartya (2001): The many faces of Gender Ineqality. In: The New Republic, 17. September 2001, S. 35-40.

 

   
     
 

Nachhaltiges Wirtschaftswachstum durch Geschlechterpolitik
Die EU hat einen neuen Fahrplan für die Gleichstellung von Männern und Frauen bis 2015 aufgestellt

Die Europäische Kommission hat im Herbst 2010 ihre neue "Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2010-2015" präsentiert. Indem sie sich in die übergreifende EU-Strategie "Europa 2020" einpasst, betont sie den Nutzen der Gleichstellung der Geschlechter für eine intelligente, also auf Wissen und Innovation gestützte, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.

Wie die 2006 bis 2010 verfolgte Vorgängerstrategie für die Gleichstellung zielt der neue Plan darauf ab, dass Frauen und Männern über die gleiche ökonomische Unabhängigkeit verfügen. Deshalb soll die Erwerbstätigenquote von Frauen bis 2020 auf 75 Prozent angehoben werden. Dazu braucht es nicht nur bessere Bedingungen, um Familie und Beruf vereinbaren zu können, sondern auch eine höhere Arbeitsmarktbeteiligung etwa von Alleinerziehenden, älteren Frauen und Migrantinnen. Von 2000 bis 2009 ist die Beschäftigungsquote der 20- bis 64-jährigen Frauen im EU-Mittel nur von 57,3 auf 62,5 Prozent gestiegen.

Die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter nimmt ab. Ein höherer Frauenanteil auf dem Arbeitsmarkt trägt dazu bei, dies auszugleichen. Das wiederum verringert den Druck auf den Staatshaushalt und stärkt die Wirtschaft der EU. Um die Frauenerwerbstätigkeit zu erhöhen, will die Europäische Kommission unter anderem Frauen als Unternehmerinnen und Selbstständige fördern, über die Fortschritte der Mitgliedsstaaten in Bezug auf Kinderbetreuungseinrichtungen berichten sowie Geschlechtergleichstellung in allen Initiativen zur Integration von Migranten verankern.

Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in Europa immer noch hoch

Ein weiteres Ziel der Strategie besteht darin, den so genannten Gender Pay Gap weiter zu senken, also die geschlechterbedingten Einkommensunterschiede. "Gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit" - dieser Grundsatz gilt seit der Unterzeichnung des Amsterdamer Vertrages im Jahr 1997 auch in Deutschland. Zudem enthält das Allgemeine Gleichstellungsgesetz von 2006 das Verbot der Entgeltdiskriminierung. Dennoch ist der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern in Europa immer noch zu hoch. So verdienten im Jahr 2008 die Männer im Schnitt 17,5 Prozent mehr als die Frauen.

Neben der Tatsache, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen, bilden die deutlichen Entgeltunterschiede sowohl zwischen einzelnen Branchen als auch zwischen einzelnen Berufen eine der wesentlichen Ursachen dafür. Frauen arbeiten insgesamt in einem engeren Spektrum an Branchen und Berufen als Männer. Gleichzeitig sind die Bereiche, in denen Frauen tätig sind - etwa als Erzieherin oder medizinische Fachangestellte -, gesellschaftlich oft geringer angesehen und vergütet. Der Versuch, Berufs- und Familienleben zu vereinbaren, führt zu einem hohen Anteil von Frauen in Teilzeitarbeit. Diese wird im Vergleich zur Vollzeitarbeit jedoch schlechter bezahlt. Zudem wird die Erwerbsquote von Frauen dauerhaft durch Mutterschaft gesenkt, wenn sie nicht sogar ihre Karriere ganz aufgeben müssen. Frauen erreichen dadurch nicht nur ein geringeres Gehaltsniveau als Männer, sondern auch weniger auf die Rente anrechenbare Berufsjahre.

Immer noch großes Einkommensgefälle zwischen Mann und Frau
Gender Pay Gap in ausgewählten EU-Ländern in 2006 und 2009 in Prozent

Der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern stagniert im europäischen Mittel bei knapp 18 Prozent. Auffallend ist das niedrige Lohngefälle in Italien, das sich mit den generell niedrigen italienischen Gehältern erklären lässt (Datengrundlage: Eurostat, EU-27-Wert aus dem Jahr 2008).

Vorgesehene Maßnahmen, um den Gender Pay Gap zu schließen oder wenigstens zu verringern, sind zum Beispiel Selbstverpflichtungen und Auszeichnungen für vorbildliche Arbeitgeber, die Frauen und Männern gleiche Löhne zahlen. Des Weiteren sollen Frauen ermutigt werden, sich für weniger traditionell weibliche, etwa technische Berufe in der Umweltbranche zu entscheiden.

Frauen zu wenig an Entscheidungsprozessen beteiligt

Zum Gender Pay Gap trägt bei, dass Frauen nur selten in gut bezahlten Führungspositionen arbeiten. Obwohl Frauen heutzutage fast die Hälfte der europäischen Arbeitskräfte ausmachen, sind sie besonders auf höchster Ebene weiterhin unterrepräsentiert. Nur jedes zehnte Aufsichtsratmitglied in großen börsennotierten Unternehmen ist weiblich. Deutschland bildet da keine Ausnahme: Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst ist seit Jahren unverändert niedrig, trotz Bundesgleichstellungsgesetz. Mit einem Anteil von 30,8 Prozent Frauen in allgemeinen Leitungspositionen liegt Deutschland im europäischen Vergleich unter dem EU-Durchschnitt von 32,5 Prozent auf Rang elf. Besonders gering ist der Anteil auf Vorstandsebene mit drei Prozent und in Aufsichtsgremien mit rund elf Prozent.

Frauen in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert
Geschlechterverhältnis in den Führungsorganen der größten börsennotierten Unternehmen 2009 in Prozent

Norwegen sticht in Europa im Jahr 2009 als das einzige Land hervor, in dem in den Führungsorganen großer Unternehmen fast ein Gleichgewicht der Geschlechter herrscht - das ist das unmittelbare Ergebnis der drei Jahre zuvor eingeführten gesetzlichen Quote. Innerhalb der EU sind Schweden und Finnland die beiden einzigen Länder mit mehr als 20 Prozent Frauen in Führungsorganen (Datengrundlage: Europäische Kommission).

Deshalb will die neue Gleichstellungsstrategie den Frauenanteil in Entscheidungsprozessen und Führungspositionen anheben. Das 2006 vereinbarte Ziel, den Frauenanteil in der Führungsebene auf 25 Prozent zu erhöhen, wurde noch nicht erreicht. Als erstes DAX-Unternehmen hat die Deutsche Telekom AG im Frühjahr 2010 eine Frauenquote von 30 Prozent bis zum Jahr 2015 auf der oberen und mittleren Führungsebene eingeführt.

Literatur / Links

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2010): Frauen in Führungspositionen. Barrieren und Brücken. Heidelberg. www.bmfsfj.de.

Deutscher Frauenrat (2009): Entgelt - gleich! Positionspapier des Deutschen Frauenrates zur geschlechtergerechten Entlohnung. Berlin. www.frauenrat.de.

Europäische Kommission (2010): Mehr Frauen in Führungspositionen. Ein Schlüssel zu wirtschaftlicher Stabilität und Wachstum. Luxemburg. http://ec.europa.eu.

Europäische Kommission (2010): Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2010-2015. Brüssel. http://eur-lex.europa.eu.

Europäische Kommission (2010): Mitteilung der Kommission Europa 2020. Eine Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Brüssel. http://ec.europa.eu.

Europäische Kommission (2006): Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. Ein Fahrplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2006-2010. Brüssel. www.eur-lex.europa.eu.

European Commission (2010): Strategy for equality between women and men 2010-2015. http://ec.europa.eu.

 

   
     
 

Für JournalistInnen
Pressekonferenz und Studienpräsentation: "Die demografische Lage der Nation"

Das Berlin-Institut stellt am 15. März 2011 seine neue Studie vor: "Die demografische Lage der Nation. Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet".

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