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Ausgabe 110, 26. Januar 2011

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Vorbildliche Familienpolitik: das schwedische Doppelverdiener-Modell
Schon lange macht das Land immer mehr immer besser - die jüngsten Reformen sind jedoch umstritten

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Heirat statt Schulbildung
In Nepal werden Mädchen aus armen Familien früh verheiratet - auch deshalb ist die Müttersterblichkeit hoch

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Vorbildliche Familienpolitik: das schwedische Doppelverdiener-Modell
Schon lange macht das Land immer mehr immer besser - die jüngsten Reformen sind jedoch umstritten

Woran lässt sich festmachen, ob ein Land eine gute Familienpolitik betreibt? Vor allem daran, dass Mütter, Väter und Kinder zufrieden sind. Dies wiederum hängt unter anderem davon ab, ob beide Elternteile ihr Leben so gestalten können, wie sie es sich individuell vorstellen - also in den allermeisten Fällen auch davon, wie gut sie Familie und Beruf vereinbaren können. Schweden ist hier vergleichsweise erfolgreich und hat sich dadurch den Ruf eines familienpolitischen Vorzeigelandes erworben. Im Jahr 2008 wurden jedoch widersprüchliche Reformen eingeführt. Tommy Ferrarini und Ann-Zofie Duvander von der Universität Stockholm haben untersucht, was die schwedische Familienpolitik kennzeichnet und welche Konsequenzen die jüngsten Reformen für Familien haben.

Schweden gilt als Beispiel für das sogenannte Doppelverdiener-Modell. Dieses ermutigt beide Elternteile, erwerbstätig zu sein und gleichzeitig die unbezahlte Arbeit zu teilen, die im Haushalt und bei der Kinderbetreuung anfällt. Das Modell steht seit den 1970er Jahren auf drei Säulen: Erstens werden beide Elternteile individuell besteuert. Im Unterschied zu Deutschland setzt der schwedische Staat also keinen finanziellen Anreiz dafür, dass der Mann, der in der Regel mehr verdient als die Frau, arbeitet, und sie den Haushalt führt - das ist beim deutschen "Ehegatten-Splitting" der Fall. Zweitens ist das öffentliche Kinderbetreuungssystem in Schweden sehr gut ausgebaut - auch das erleichtert es Familien, dass beide Elternteile erwerbstätig sind. Und drittens zahlt Schweden Müttern und Vätern ein einkommensabhängiges Elterngeld - das sollte auch Väter motivieren, eine "Babypause" einzulegen. 1974 galt die Regelung nur für die ersten sechs Monate nach der Geburt, in den 1980er Jahren wurde sie nach und nach auf ein Jahr ausgeweitet. 1995 wurde zunächst ein Monat dieser bezahlten Elternzeit an die Bedingung geknüpft, dass nicht ein Elternteil allein in diesem Zeitraum beruflich aussetzt. Seit 2002 beträgt die Elternzeit 16 Monate. Mindestens zwei davon muss jeder Elternteil nehmen, um das Elterngeld und den vollen Umfang der beruflichen Freistellung zu erhalten. Derzeit gehen in Schweden nicht nur alle Mütter in Elternzeit, sondern auch immerhin neun von zehn Vätern - wenn auch deutlich kürzer.

Kindertagesstätten in Schweden

Seit vier Jahrzehnten baut Schweden kontinuierlich die öffentliche Kinderbetreuung aus. Jedes Kind hat Anspruch auf einen Platz in einer öffentlichen Kindertagesstätte (Kita). Dies gilt auch für Kinder, deren Mütter arbeitslos sind - und bietet diesen Frauen den nötigen Freiraum, um sich zu bewerben oder weiterzubilden. Die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten sind zudem besonders geschult: 60 Prozent aller Betreuerinnen haben einen Hochschulabschluss, die übrigen können eine spezielle Ausbildung für Kinderbetreuung vorweisen. Heute sind 77 Prozent aller Ein- bis Dreijährigen und 97 Prozent aller Vier- bis Fünfjährigen in einer Kita untergebracht. In Deutschland dagegen hat sich die Bundesregierung zwar das Ziel gesetzt, ab 2013 jedem Kind unter drei Jahren einen Platz in einer Kita zu garantieren, aber ob dies Ziel auch erreicht werden wird - und ob die Betreuung nur für ein paar Stunden oder den ganzen Tag verfügbar sein wird -, ist noch unsicher.

Auch die ganz Kleinen verlassen morgens das Haus
Anteil der ganztags betreuten Kinder (30 Stunden und mehr) nach Altersgruppen in Schweden und Deutschland in Prozent 2009

Fast zwei Drittel aller schwedischen Kinder besuchten 2009 eine Kindertagesstätte. Der Staat garantiert die Betreuung. In Deutschland dagegen sind Kitaplätze Mangelware, zumindest für die ganz Kleinen. Hierzulande sind weniger als 15 Prozent der unter Dreijährigen tagsüber außer Haus, während der Anteil in Schweden fast 70 Prozent erreicht (Datengrundlage: Eurostat).

Erhöhte Erwerbstätigkeit von Frauen

Zu Schwedens Erfolg bei der Familienpolitik hat auch das Einkommenssteuerrecht beigetragen. Familien mit zwei niedrigen bis mittleren Einkommen haben durch die 1971 in Kraft getretene individuelle Einkommenssteuer gegenüber Familien mit nur einem hohen Einkommen steuerliche Vorteile. Das bietet einen zusätzlichen Anreiz für Paare, dass beide einem Beruf nachgehen und sich die Familienarbeit teilen. Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist in Schweden dann auch von 50 Prozent Mitte der 1960er Jahre auf 80 Prozent Anfang der 1990er Jahre gestiegen.

Allerdings gehen auch in Schweden immer noch vorwiegend Mütter in Elternzeit - Väter nehmen überwiegend nur die für sie reservierten zwei Monate in Anspruch. Dabei deckt dort eine geschlechterneutrale Elternversicherung - also das schwedische Elterngeld, das schon 1974 das "Muttergeld" ersetzte - die Verdienstausfälle der Eltern während der Pflege von Kleinkindern für einen Zeitraum von 13 Monaten nach der Geburt eines Kindes ab. Ziel der schwedischen Politik ist es, dass Frauen von Arbeitgebern nicht länger als Risiko betrachtet werden, weil sie Kinder bekommen und ausfallen könnten. Für die Männer besitzt die Regelung den Vorteil, dass sie gleichermaßen Verantwortung für ihr Kind übernehmen können und mehr gemeinsame Zeit auch dazu beitragen kann, eine engere und stabilere Beziehung zu ihm aufzubauen. Auch wenn die Qualität des Zusammenseins sicherlich wichtiger ist als die Dauer - das deutsche "male breadwinner model" lässt demgegenüber weniger gemeinsame Zeit. Allerdings bröckelt dieses Modell in Deutschland ebenfalls, wenn auch aus einem anderen Grund: Ein Einkommen reicht oft nicht mehr aus, um die Familie zu ernähren.

Neue Elemente in Schwedens Familienpolitik

Im Juli 2008 wurden zwei Reformen eingeführt: zum einen der Bonus für Geschlechtergleichstellung, also eine Steuerermäßigung, den Eltern erhalten, die ihren Elternurlaub gleichmäßig untereinander aufteilen. Mit bis zu rund 275 Euro ist der Bonus zwar doppelt so hoch wie in Deutschland, aber immer noch sehr gering und wegen der Individualbesteuerung für die meisten uninteressant. Zum andern eine Zulage für die Betreuung der Kinder zu Hause. Sie sind das Ergebnis eines politischen Kompromisses ausgehend von gegensätzlichen Interessen innerhalb der "Mitte-Rechts-Regierung": Während die Liberale Partei eine Verfechterin des "Doppelverdiener-Modells" ist, bevorzugen die christlichen Demokraten - wie viele ihrer europäischen Schwesterparteien - seit Jahrzehnten die Betreuung der Kinder durch die Mütter zu Hause.

Die fast vier Jahrzehnte lang andauernde Erweiterung des "Doppelverdiener-Modells" in Schweden ist zum Erliegen gekommen - nichtsdestotrotz besteht es fort. Die Folgen der jüngsten politischen Reformen, etwa für das Zusammenleben von Familien und die Aufgabenteilung im Hinblick auf Erwerbs- und Fürsorgearbeit, sind wegen ihres widersprüchlichen Charakters nur schwer vorherzusagen. Insbesondere Kinder aus bildungsfernen, sozial schwachen Familien verlieren womöglich durch die "Herdprämie" die Chance, dass die Gesellschaft ihnen ein besseres Lernumfeld bietet. Bildungsexperten wie C. Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin weisen für die Situation in Deutschland immer wieder darauf hin, dass ein Kita-Besuch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass diese Kinder den Sprung auf das Gymnasium schaffen. Und für Frauen mit geringem Einkommen und einer wenig attraktiven Erwerbsarbeit ist der Anreiz womöglich größer, zu Hause zu bleiben und auf ein eigenständiges Einkommen, Rentenansprüche und die daran geknüpfte Unabhängigkeit zu verzichten. In Schweden, wo Frauen selbstverständlicher arbeiten und Kinder grundsätzlich die Kita besuchen, weil öffentliche Betreuung positiv besetzt ist, besteht diese Gefahr weitaus weniger - aber möglicherweise gerade für Kinder aus Einwandererfamilien mit sehr geringem Einkommen.

Was kann Deutschlands Familienpolitik von Schweden lernen?

Die schwedische Familienpolitik war nie explizit darauf ausgerichtet, die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ("total fertility rate") zu steigern. Aber auch ohne dass die Regierung ein solches Ziel anstrebt, bekommen Schwedinnen im Schnitt 1,94 Kinder. Sie werden im europäischen Vergleich nur noch von den Isländerinnen, Irinnen und Französinnen übertroffen, wie die Zahlen des Europäischen Amts für Statistik Eurostat für 2009 belegen.


Schweden spielt in der oberen Liga mit
Durchschnittliche Kinderzahl je Frau 1990 bis 2009

Vergleicht man die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, liegt Schweden mit 1,94 Kindern pro Frau (2009) im oberen Feld. Island belegt mit 2,23 Kindern pro Frau den ersten Platz. Der schwedische Spitzenwert von 2,13 Kindern pro Frau im Jahr 1990 lässt sich vor allem mit dem damaligen wirtschaftlichen Aufschwung erklären sowie mit der 1980 eingeführten und 1985 veränderten "Geschwindigkeitsprämie". Diese ermutigte schwedische Eltern, ihre Kinder in kürzeren Abständen zu bekommen. Umgekehrt ist der anschließende Einbruch der Fertilität auf die 1990 einsetzende ökonomische Krise und drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit zurückzuführen: Vor allem nicht erwerbstätige Frauen bekamen weniger Kinder als zuvor (Datengrundlage: Eurostat; Deutschland von 1990 bis 2000 vom Statistischen Bundesamt).

Die schwedische Familienpolitik zielt darauf ab, Geschlechtergerechtigkeit zu fördern, indem sie Frauen und Männer dabei unterstützt, sich aus überkommenen Rollenmustern zu lösen. Vor allem soll verhindert werden, dass Frauen durch die Geburt eines Kindes vom Berufsleben ausgeschlossen und durch die daraus erwachsende Fürsorgearbeit benachteiligt werden. Gleichzeitig soll es Vätern erleichtert werden, sich für mehr Zeit mit der Familie zu entscheiden.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie trägt offenbar zu einer höheren Kinderzahl bei, wie auch die Studie "Emanzipation oder Kindergeld?" des Berlin-Instituts gezeigt hat. Deutschland könnte viel von Schweden lernen: Flächendeckende und stark subventionierte sowie flexible Kinderbetreuungsangebote, Anreize für Väter, Elternzeit zu nehmen und steuerliche Vorteile für Familien statt für den Status einer Partnerschaft wären die ersten Schritte. Da aber auch in Schweden Frauen auf dem Arbeitsmarkt noch nicht dieselben Chancen haben wie Männer, ist klar, dass weitere Schritte folgen müssen - etwa eine Ausdehnung der "Papa-Monate", also des Anteils der Erziehungszeit, der verfällt, wenn der Vater sie nicht in Anspruch nimmt.

Literatur / Links

Andersson, Gunnar (2005): Familienpolitik: Was machen die Schweden anders? Rostock. www.zdwa.de.

Bundesfamilienministerium, www.bmfsfj.de.

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (2010): Berlin will Kita und Familie stärker vernetzen. Pressemitteilung vom 10.12.2010. www.diw.de.

Europäische Kommission (2010): Eurostat, www.epp.eurostat.ec.europa.eu.

Ferrarini, Tommy / Ann-Zofie Duvander (2010): Earner-Carer Model at the Cross-Roads: Reforms and Outcomes of Sweden’s Family policy in Comparative Perspective. International Journal of Health Services. Stockholm.

Hoem, Jan M. (2005): Warum bekommen die Schweden mehr Kinder als die Deutschen? Rostock. www.zdwa.de.

Kröhnert, Steffen / Klingholz, Reiner (2008): Emanzipation oder Kindergeld? Was die neue Familienpolitik Deutschlands von anderen europäischen Ländern gelernt hat. Berlin. www.berlin-institut.org.

Neyer, Gerda (2006): Geburtenentwicklung und Familienpolitik: Ergebnisse vergleichender Studien zu den nordischen Ländern. Forschungsbericht 2006. Max-Planck-Institut für demographische Forschung. www.mpg.de.

Statistisches Bundesamt, www.destatis.de.

 

   
     
 

Heirat statt Schulbildung
In Nepal werden Mädchen aus armen Familien früh verheiratet - auch deshalb ist die Müttersterblichkeit hoch

In Deutschland folgen üblicherweise auf Schulbesuch und Ausbildung erst Erwerbstätigkeit und dann Familiengründung. In vielen anderen Ländern der Welt werden heranwachsende Mädchen von ihren Familien entweder auf eine weiterführende Schule geschickt, für bezahlte und unbezahlte Arbeit eingesetzt - oder verheiratet. Dabei fällt die Entscheidung vor allem dann zu Ungunsten des Schulbesuchs aus, wenn die Mädchen aus armen Familien stammen.

Dies lässt sich unter anderem in Nepal beobachten. Dort hat sich der Zugang zu Bildung in den letzten Jahrzehnten stark verbessert, auch für Mädchen. Doch weil viele Familien arm sind, endet deren Bildungsweg häufig sehr früh. Nepal ist mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 500 US-Dollar pro Jahr eines der ärmsten Länder der Welt. 55 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. Beim Human Development Index, der Bildung, Lebenserwartung und Wirtschaftsleistung der Bevölkerung misst, belegt Nepal einen Platz im unteren Fünftel (Rang 138 von 169). Zugleich ist einerseits die Erwerbstätigkeit von Frauen und Mädchen hoch und andererseits das durchschnittliche Heiratsalter niedrig - über die Hälfte der 20- bis 24-jährigen Nepalesinnen ist bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet.

Welchen Einfluss Armut auf den Lebensverlauf von jungen Mädchen hat, belegt eine Studie, die 400 nepalesische Mädchen über einen Zeitraum von acht Jahren begleitete. Die Forschergruppe hat dabei unter anderem untersucht, wie sich die materielle Lage in der Kindheit auf Bildung und Erwerbstätigkeit während des Übergangs ins Erwachsenenalter auswirkt. Die Wahrscheinlichkeit, als Teenager zu arbeiten statt die Schule zu besuchen, war bei den Mädchen aus armen Haushalten mehr als doppelt so hoch wie bei jenen aus wohlhabenderen. Und die Wahrscheinlichkeit, minderjährig verheiratet zu werden, war für sie sogar über dreieinhalb Mal so hoch. Neben der Armut erweist sich in der Studie vor allem die Kastenzugehörigkeit als ausschlaggebend fürs Heiratsalter: Für Mädchen aus niedrigen hinduistischen Kasten liegt das Risiko einer frühen Verheiratung sieben Mal höher als für ihre Altersgenossinnen in den hohen Kasten.

Dass arme Familien in Nepal ihre Töchter früh verheiraten, liegt nicht zuletzt daran, dass die Kosten für die Mitgift mit zunehmendem Heiratsalter steigen. Hinzu kommt, dass die Mädchen mit der Heirat ihre eigene Familie verlassen. Es lohnt sich also nicht, längerfristig in sie zu investieren, wenn der spätere wirtschaftliche Vorteil einer höheren Bildung nur der Familie des Bräutigams zu Gute kommt.

Dabei verstößt die Verheiratung Minderjähriger, die in Nepal und vielen anderen Ländern gang und gäbe ist, gegen die UN-Kinderrechtskonvention, denn die Betroffenen werden stark in ihrer persönlichen Entfaltung eingeschränkt. Und nicht nur das: Wenn auf die Hochzeit bald Nachwuchs folgt, birgt dies auch große gesundheitliche Gefahren für die Mädchen, insbesondere wenn sie mangelernährt oder noch nicht ausgewachsen sind. Für 15- und 19-Jährige stellen Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt weltweit die häufigste Todesursache dar. Die Müttersterblichkeitsrate ist bei ihnen doppelt so hoch wie bei älteren Frauen zwischen 20 und 24. Sind die Mädchen jünger als fünfzehn Jahre, ist das Sterberisiko sogar noch wesentlich höher.

Somit tragen die frühe Verheiratung und die daraus resultierenden Teenager-Schwangerschaften dazu bei, dass die Müttersterblichkeitsrate in Nepal hoch ausfällt - pro 1.000 Geburten kommt es im Schnitt zu 83 Todesfällen unter den werdenden Müttern. Das heißt, dass von zehn Frauen, die in ihrem leben fünf Kinder bekommen, vier das Mutterwerden nicht überleben. Für die Müttersterblichkeit ist aber auch die insgesamt mangelhafte medizinische Betreuung während Schwangerschaft und Geburt verantwortlich. Nicht einmal ein Fünftel aller Geburten findet in Nepal unter fachkundiger Aufsicht statt.

Die frühe Heirat birgt also für Mädchen ein hohes gesundheitliches Risiko. Wird Mädchen dagegen der Besuch einer weiterführenden Schule ermöglicht, verschiebt sich das Erstgeburtsalter nach hinten. Damit sinkt nicht nur die Gefahr von Komplikationen bei der Mutterschaft, sondern auch die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau. Sekundarschulbildung erweist sich somit als Bremse des rasanten Bevölkerungswachstums, das für die Armut in Ländern wie Nepal mit verantwortlich ist.

Literatur / Links

Bajracharya, Ashish/Amin, Sajeda (2010): Poverty, Marriage Timing and Transitions to Adulthood in Nepal: A Longitudinal Analysis Using the Nepal Living Standards Survey. Population Council: Working Paper 19. www.popcouncil.org.

Population Reference Bureau (2010): Data base. www.prb.org.

Smith, Rhonda/Ashford, Lori/Gribble, Jay/Clifton, Donna (2009). Family planning saves lives, 4th edition. Population Reference Bureau. www.prb.org..

UNICEF: Childinfo. Monitoring the Situation of Children and Women. Child Marriage. www.childinfo.org.

UNFPA: Population and Reproductive Health Profiles, Statistics and Indicators. www.unfpa.org.

Weltbank (2010): World Development Indicators. www.worldbank.org.

 

   
 

 

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