Viel Lob, aber keine Grundförderung für das Berlin-Institut

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Viel Lob, aber keine Grundförderung für das Berlin-Institut

Eine Kurzstudie des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und der Vodafone Stiftung Deutschland empfiehlt Stiftungen, die Arbeit unabhängiger, advokatorischer Thinktanks zu fördern.

"Das Berlin-Institut macht fast alles richtig", sagte Stephan Gutzeit, Vorstandsmitglied der Stiftung Charité, kürzlich in Berlin bei der Präsentation der Kurzstudie "Denken fördern", vorgelegt vom Bundesverband Deutscher Stiftungen (BVDS) und der Vodafone Stiftung Deutschland. Die Studie gibt Stiftern und Stiftungen Anregung, wie sie die Arbeit unabhängiger Thinktanks, auch Denkfabriken genannt, unterstützen können.

Thinktanks sind "Themenmotoren für den gesellschaftlichen Wandel", schreiben die Autorinnen - und zählen viele Beispiele aus den USA und Großbritannien auf, die als Beleg für die durchschlagende Wirkung dienen, die solche Konzeptschmieden erzielen können. Die meisten Institute dort sind privat finanziert und arbeiten "advokatorisch", das heißt, sie setzen Themen auf die politische Tagesordnung und stoßen so gesellschaftliche Debatten und Veränderungen an. In Deutschland hingegen herrscht der Typus des akademischen Thinktanks vor, der sich mit seinen Analysen und Empfehlungen vornehmlich an Politiker und Expertenzirkel richtet. Die Einrichtungen hierzulande, die man im weitesten Sinne als Denkfabriken bezeichnen könne, seien überwiegend als "relativ staatsnah einzustufen", sagt Hans Fleisch, BVDS-Generalsekretär: Es fehle in der deutschen Thinktank-Landschaft an "privat finanzierten Ideenschmieden, die in Ergänzung zum Staat und zur Wirtschaft zur Vielfalt von Lösungsansätzen beitragen."

Gerade für gemeinnützige Stiftungen, die sich als Impulsgeber für gesellschaftliche Veränderungen verstehen, bietet sich hier ein sinnvolles Betätigungsfeld. Das ist der wichtigste Befund der Studie "Denken fördern", die auch eine mehrstufige Befragung unter führenden Köpfen deutscher Stiftungen einschließt: Thinktank-Arbeit kontinuierlich zu unterstützen eröffnet die Chance, mittel- und langfristig mehr in Bewegung zu setzen. Die Förderung von Einzelprojekten hingegen kann bestenfalls einzelne Impulse geben. Thinktanks institutionell zu fördern heißt auch, Stiftungsressourcen effizienter einzusetzen. Dabei kann die Unterstützung je nach den Möglichkeiten der Stiftung ganz unterschiedliche Ausprägungen annehmen. In den Empfehlungen am Ende der Studie sind einige aufgezählt: Neben der finanziellen Förderung reicht das Spektrum von Unterstützung bei der Suche nach Personal oder dem Aufbau von Netzwerken bis zur Gründung eines eigenen Thinktanks.

Allerdings klafft zwischen Erkenntnis und Umsetzung noch eine große Lücke. Gängige Praxis ist nach wie vor die Förderung einzelner Projekte, die schnelle Erfolgsmeldungen versprechen. Insbesondere bei der institutionellen Förderung von Thinktanks - also einer kontinuierlichen finanziellen Grundversorgung, die erst die geforderte Stabilität und gleichzeitig Flexibilität des Forschens und Denkens ermöglicht - ist das Engagement deutscher Stiftungen "ausbaufähig", wie es in der Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Studie heißt.

Das Beispiel Berlin-Institut zeigt diese Diskrepanz deutlich. Dem Stiftungsexperten und Berater Stephan Gutzeit zufolge leistet das Institut hocheffiziente Arbeit: Kleines Team, gute Köpfe und hohe öffentliche Resonanz. Das Konzept umfasst nach Gutzeits Darstellung drei Schritte: Erstens komplexe Zusammenhänge analysieren, zweitens daraus einen zündenden Gedanken ableiten und drittens dieses Ganze allgemein verständlich aufzubereiten. Nur so ist es möglich, dass gesellschaftlich relevante Themen nicht ausschließlich unter Experten sondern in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Unabhängige und advokatorische Thinktanks wie das Berlin-Institut können somit zugleich Ideen- und Impulsgeber für breit geführte, gesellschaftliche Debatten sein. Funktionen, die viele rein wissenschaftliche Institutionen nur unzureichend ausfüllen können.

Auch in der Studie selbst erhält der "Minitank" Lob: "Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (...) weckte 2004 mit seiner Studie Deutschland 2020 - Die demografische Zukunft der Nation große Medienaufmerksamkeit und trägt erheblich zur Verbreitung von Wissen über den demografischen Wandel und damit auch zur Akzeptanz politischer Veränderungen bei." Dennoch, heißt es in der Studie auch, konnte das Berlin-Institut trotz seiner kontinuierlich guten Arbeit "in den über zehn Jahren seines Bestehens keine Stiftung für eine institutionelle Förderung gewinnen."

Bis heute finanziert das unabhängige, gemeinnützige Berlin-Institut seine Arbeit überwiegend über Projektförderung und ohne öffentliche Finanzierung. Spenden an das Berlin-Institut sind steuerlich abzugsfähig. Informationen über den Förderkreis des Berlin-Instituts oder die Möglichkeit einer Zustiftung erhalten sie von Reiner Klingholz.

 

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Gesprochener Redetext der BI-Lecture mit Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble zum Download bereit

Auf der Webseite des Berlin-Instituts steht seit heute der gesprochene Redetext der BI-Lecture zum Thema "Demographischer Wandel - Chancen und Risiken für die Finanzpolitik" mit Bundesfinanziminister Dr. Wolfgang Schäuble vom 1. September 2011 zum Download bereit.

Ausgabe 132, 30. Januar 2012

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Dr. Reiner Klingholz
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