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Ausgabe 101, 06. August 2010

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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"Einen Schwerpunkt bei der Bekämpfung von Kinderarmut setzen"
Interview mit Prof. Dr. Claudia Weinkopf, Universität Duisburg-Essen

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Senioren-Boom: Wer sorgt 2030 für die Älteren?
Nicht nur die demografische Alterung sondern auch veränderte Lebensformen bedeuten neue Aufgaben bei der Pflege älterer Menschen

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Chinesische Delegation besucht Schulung im Berlin-Institut
Die Experten wollen ein Überwachungs- und Messsystem einrichten, das eine nachhaltige und sozial ausgeglichene Entwicklung der verschiedenen Regionen ermöglicht

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"Einen Schwerpunkt bei der Bekämpfung von Kinderarmut setzen"
Interview mit Prof. Dr. Claudia Weinkopf, Universität Duisburg-Essen

Prof. Dr. Claudia Weinkopf (geb. 1963), studierte Diplom-Volkswirtin, ist seit 2007 Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen und leitet dort die Abteilung "Flexibilität und Sicherheit". Vorher war sie Forschungsdirektorin im Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen.

17 Prozent der EU-Bevölkerung gelten als armutsgefährdet - was heißt das?

Die Armutsgefährdungsquote ist ein Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut. Danach gilt als armutsgefährdet, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren "Nettoäquivalenzeinkommens" im jeweiligen Land verfügt. Bei Mehr-Personen-Haushalten wird das Haushaltsnettoeinkommen nach einem bestimmten Schlüssel bedarfsgewichtet in Pro-Kopf-Einkommen umgerechnet.

Da das mittlere Einkommen in der EU je nach Heimatland auf sehr unterschiedlichen Niveaus liegt, ist auch die Schwelle für Armutsgefährdung verschieden hoch. Wo ist sie in Deutschland anzusiedeln?

In Deutschland lag die Armutsgefährdungsschwelle von Alleinstehenden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2008 bei 787 Euro pro Monat. Eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren galt als armutsgefährdet, wenn sie im Monat weniger als 1.652 Euro zur Verfügung hatte.

Wer ist besonders betroffen?

Auch hier gibt es im Detail Unterschiede zwischen den EU-Ländern. Aber im Durchschnitt kann man sagen, dass Frauen etwas stärker betroffen sind als Männer. Alleinerziehende haben ein ganz besonders hohes Armutsrisiko: 35 Prozent von ihnen sind armutsgefährdet. Überdurchschnittlich betroffen sind darüber hinaus über 64-Jährige und Personen mit Migrationshintergrund.

Wie lässt sich das erklären?

Dass Frauen häufiger von Armut bedroht sind, steht in einem engen Zusammenhang mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Erwerbsbeteiligung. Frauen sind seltener als Männer überhaupt erwerbstätig; die Frauenerwerbsquote liegt im EU-Durchschnitt um 13,7 Prozent niedriger als die der Männer. Außerdem arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit: im EU-Durchschnitt 31,1 Prozent der erwerbstätigen Frauen im Vergleich zu 7,9 Prozent der Männer. Darüber hinaus verdienen Frauen im Durchschnitt pro Stunde 17,6 Prozent weniger als Männer.

Wie sieht es in Deutschland bei den Frauen aus?

In Deutschland sind diese Unterschiede sogar noch stärker ausgeprägt. Obwohl die Frauenerwerbsquote in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, hat sich der Anteil von Frauen am gesamten Erwerbsarbeitsvolumen nicht erhöht. Das liegt vor allem daran, dass die durchschnittlichen Erwerbsarbeitszeiten von Frauen gesunken sind. Die Teilzeitquote von Frauen in Deutschland liegt mit über 45 Prozent weit über dem EU-Durchschnitt. Und Ähnliches gilt auch für den Gender Pay Gap, der in Deutschland mehr als 23 Prozent beträgt.

Und was könnte die EU dagegen tun?

Eine wichtige Rolle der EU sehe ich grundsätzlich darin, Denkanstöße zu geben und Ziele zu formulieren - wie etwa zur Steigerung der Erwerbsquoten von Frauen und Älteren im Rahmen der Lissabon-Strategie oder aktuell zur Reduzierung der Zahl der von Armut Bedrohten um 20 Millionen bis 2020.

Was hat die EU bisher getan?

Zu beiden Themen - Armutsbekämpfung und Gleichstellung der Geschlechter - hat die EU in den vergangenen Jahren mehrere wichtige Grundsatzpapiere veröffentlicht, die den Mitgliedsländern Anregungen geben. Außerdem sind internationale Vergleiche ein gutes Mittel, um deutlich zu machen, wo Deutschland gegenüber anderen Ländern Defizite hat und was man verbessern müsste. Nicht zuletzt finanziert die EU auch einschlägige Studien - im vergangenen Jahr ist beispielsweise eine Untersuchung erschienen, die zeigt, dass Gleichstellung kein Kostenfaktor ist, sondern maßgeblich zur Steigerung des Wirtschaftswachstums beitragen kann.

Welche konkreten Maßnahmen würden Sie also Deutschland empfehlen?

Ich würde einen Schwerpunkt bei der Bekämpfung von Kinderarmut setzen. Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Bildungschancen von Kindern in Deutschland ja besonders stark durch die soziale Herkunft geprägt. Mehr und vor allem auch bessere öffentliche Kinderbetreuungsangebote und Ganztagsschulen sind ein wichtiger Ansatzpunkt für mehr Chancengleichheit.

Für einkommensschwache Haushalte spielen dabei natürlich auch die Kosten eine wichtige Rolle. Aber die Kassen vieler Kommunen sind ebenfalls leer. Einige erhöhen deshalb etwa die Elternbeiträge für Kitas - wie beurteilen Sie die gegenwärtige politische Entwicklung?

Als höchst problematisch. Auf der Ebene des Bundes muss das sogenannte Betreuungsgeld gestoppt werden, dessen Einführung ab 2013 geplant ist. Wir brauchen keine Prämie dafür, dass unter dreijährige Kinder zuhause betreut werden, sondern hochwertige Betreuungsangebote mit einem guten Personalschlüssel. Ein wichtiger Nebeneffekt besserer Betreuung wäre, dass die Eltern mehr Zeit für Erwerbstätigkeit oder auch die eigene Qualifizierung haben - und damit auch bessere Chancen, aus der Armut herauszukommen.

Wo könnte Deutschland noch ansetzen, um Armut zu verhindern?

Ganz wichtig: auf dem Arbeitsmarkt. Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen und ist inzwischen auch im internationalen Vergleich besonders groß. Außerdem franst das Lohnspektrum immer weiter nach unten aus. Die Löhne sind teilweise so niedrig, dass man selbst bei Vollzeitarbeit nicht davon leben kann.

Können Sie hier Zahlen nennen?

Im Jahr 2008 arbeiteten beispielsweise fast 1,2 Millionen Beschäftigte für Stundenlöhne von unter fünf Euro brutto. Frauen sind hiervon besonders betroffen. Viele dieser Beschäftigten mit Niedrigstlöhnen brauchen aufstockende Hartz IV-Leistungen, um finanziell über die Runden zu kommen. Pro Jahr werden elf Milliarden Euro für aufstockende Leistungen an Erwerbstätige aufgewendet.

Brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn als verbindliche Lohnuntergrenze, um diesen Kostenaufwand zu senken?

Ja - und auch, damit Betriebe dies nicht zum Lohndumping nutzen können. Andere Länder zeigen, dass Frauen von einem gesetzlichen Mindestlohn besonders profitieren. Und dass dies auch dazu beitragen kann, die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zu verringern.

Droht die Gefahr, dass gering entgoltene Jobs verschwinden, wenn sie durch einen Mindestlohn teurer werden?

Die Erfahrungen in Großbritannien sprechen dagegen. Als man dort den gesetzlichen Mindestlohn im Jahr 1999 einführte, befürchteten manche erhebliche Jobverluste. Dazu ist es nicht gekommen - was auch daran liegt, dass Niedriglohnjobs oft im Bereich ortsgebundener Dienstleistungen angesiedelt sind. Die Reinigung von Hotelzimmern beispielsweise lässt sich nicht in Billiglohnländer verlagern.

Empfehlen Sie auch Maßnahmen, die speziell die Armutsgefährdung von Menschen mit Migrationshintergrund senken können?

Von den angesprochenen Maßnahmen im Bereich Kinderbetreuung und Bildung würden auch Menschen mit Migrationshintergrund stark profitieren. Für diejenigen, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, sind außerdem Sprachkurse wichtig. Denn die Fähigkeit, sich zu verständigen, bildet einen zentralen Schlüssel für die berufliche und gesellschaftliche Integration. Verbessert und erleichtert werden müsste nicht zuletzt auch die Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen. Hier liegen erhebliche Qualifikationsreserven, die bislang noch zu wenig genutzt werden.


Das Interview führte Margret Karsch.
Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut) erlaubt.

 

   
     
 

Senioren-Boom: Wer sorgt 2030 für die Älteren?
Nicht nur die demografische Alterung sondern auch veränderte Lebensformen bedeuten neue Aufgaben bei der Pflege älterer Menschen

Künftig werden in Deutschland weniger jüngere Menschen immer mehr Ältere zu versorgen haben. Das liegt daran, dass seit der Geburtsgeneration der Babybommer in den 1960er Jahren immer weniger Kinder geboren werden. Und daran, dass immer mehr Menschen bei besserer Gesundheit ein höheres Alter erreichen. Diese demografischen Rahmenbedingungen sind auf Sicht von Jahrzehnten vorgegeben.

Wer jedoch Aussagen darüber treffen will, wie viele Menschen in den nächsten Jahrzehnten zu versorgen sein werden, wie der Pflegebedarf in Zukunft aussehen und wer die Pflege übernehmen wird, muss nicht nur den demografischen Wandel sowie den gesundheitlichen und medizinischen Fortschritte im Auge haben. Er muss den Blick auch auf andere Veränderungen der Lebensumstände richten: den gestiegenen Ausbildungsstand und die gewachsene Erwerbsbeteiligung von Frauen, veränderte Familienmuster und häufigere Kinderlosigkeit.

Der Sammelband "Ageing, Care Need and Quality of Life. The Perspective of Care Givers and People in Need of Care" will sich dieser Herausforderung stellen. Die Herausgeber haben sich das Ziel gesetzt, die verschiedenen Aspekte von Pflege einzubeziehen, sie zusammenzudenken, in den politischen Rahmen einzuordnen und Handlungserfordernisse zu benennen. Nicht alle Beiträge, welche die Autorinnen und Autoren bereits vor zweieinhalb Jahren in einem Workshop präsentiert haben, werden diesem hohen Anspruch gerecht. Der Band enthält keine Überraschungen und stützt sich - dem allgemein vorherrschenden Tempo des deutschen Wissenschaftsbetriebs entsprechend - nicht auf die neuesten, nach Erscheinen verfügbaren Zahlen. Er belegt mit seinen Einschätzungen zum zukünftigen Pflegebedarf und den Versorgungsmöglichkeiten allerdings überzeugend, dass die gesellschaftliche Alterung ein Thema ist, dem sich Gesellschaft und Politik dringend und mit viel Energie zuwenden sollte.

So untersucht der erste Beitrag auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamts, wie die Altersstruktur der Bevölkerung auf Bundes- wie auf Länderebene die Anzahl der Personen beeinflusst, die in Zukunft Langzeitpflege in Anspruch nehmen werden. Auf nationaler Ebene ist die Zahl derer, die Langzeitpflege benötigen, von 2,02 Millionen im Jahr 1999 auf 2,13 Millionen im Jahr 2005 gewachsen. Ausschlaggebend hierfür war vor allem der gestiegene Anteil Hochaltriger: 1999 waren 3,6 Prozent der Bevölkerung 80 Jahre oder älter, 2005 bereits 4,5 Prozent. Zugenommen hat darüber hinaus sowohl die absolute Zahl als auch der Anteil derer, die sich nicht allein auf die familiäre Unterstützung verlassen, sondern professionelle Pflegeangebote benötigen. Das ist zum einen darauf zurückzuführen, dass immer weniger Jüngere für immer mehr Ältere sorgen müssen. Zum anderen wohnen die Kinder häufig nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern. Und obendrein sind die Töchter immer öfter erwerbstätig. In zwei Szenarien, einem mit stabiler und einem mit abnehmendem Pflegebedarf, wächst die Zahl der Pflegebedürftigen - und zwar in dem ersten Szenario von 2,13 Millionen Pflegebedürftigen in 2005 auf 2,91 Millionen in 2020, also um mehr als ein Drittel, und auf 3,36 Millionen in 2030, also um beinahe drei Fünftel seit 2005. Dem zweiten Szenario zufolge wird es 2020 immerhin rund 2,68 Millionen Pflegebedürftige geben, 2030 dann 2,95 Millionen. Besonders dramatisch stellt sich die Situation in Ostdeutschland dar, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, während die Stadtstaaten Hamburg und Bremen nur einen geringen absoluten Zuwachs an Pflegebedürftigen verzeichnen werden.

Ein anderer Beitrag bestätigt für das Jahr 2050, dass sowohl die absolute Zahl als auch der Anteil der Langzeitpflegebedürftigen ansteigen wird. Die Ursache dafür liegt der Analyse zufolge vor allem in der steigenden Lebenserwartung. Für alle, die ebenfalls mit Prognosen arbeiten, ist an dem Aufsatz besonders interessant, dass die Arbeit die Berechnungsgrundlagen und -methoden detailliert offen legt.

Weitere Beiträge nähern sich mit jeweils leicht verschobenem Fokus und mit Bezug auf verschiedene Datenquellen dem zukünftigen Pflegebedarf, den Pflegebedürftigen und ihren möglichen Ressourcen an: Welches sind die gesundheitlichen Faktoren, die die künftige Pflegebedürftigkeit beeinflussen? Wie stark hängen sie von Geschlecht und Alter ab? Welchen Einfluss haben Familienstatus oder Kinderlosigkeit auf die künftige Entwicklung des Pflegebedarfs? Der Beitrag von Gabriele Doblhammer und Uta Ziegler etwa hebt hervor, dass in Zukunft mehr ältere Menschen als je zuvor in einer Ehe leben werden und in ihrer Vergangenheit mindestens ein Kind in die Welt gesetzt haben- beides steht laut Statistik in engem Zusammenhang mit einer besseren Gesundheit im Alter.

Die einzelnen Untersuchungen erläutern grundlegende demografische Entwicklungen: Ein Artikel untersucht Haushaltsgröße und Arbeitsmarktbeteiligung und die Entwicklung bis 2050, ein anderer berechnet den Anteil von Menschen mit Demenz im Jahr 2050. Ein Beitrag belegt, dass Frauen zwar ein geringeres Sterberisiko haben, aber eher als Männer Gefahr laufen, pflegebedürftig zu werden. Das ist wenig überraschend, denn mit einer höheren Lebenserwartung steigt nun mal das Risiko, ein Pflegefall zu werden. Erstaunlich - und im Widerspruch zu anderen Studien stehend - ist dagegen das Ergebnis, dass bei Fettleibigen das Sterberisiko geringer ist als bei Über- und Untergewichtigen. Der Artikel bestätigt allerdings, dass Fettleibigkeit ein höheres Risiko für spätere Pflegebedürftigkeit mit sich bringt.

Ein weiterer Beitrag zeigt, dass bei der Generation der über 50-Jährigen in den 1980er und 1990er Jahren ein leichter Trend zu besserer Gesundheit und ein starker Trend zu zumindest stabiler Gesundheit zu beobachten ist. Die interessanten, zuweilen allerdings kleinteiligen Forschungsergebnisse bleiben leider häufig unverbunden nebeneinander stehen. So bleibt es oft den Leserinnen und Lesern überlassen, Erklärungen zu finden und über mögliche Forschungs- und Handlungsansätze nachzudenken, die weiterführen könnten.

Herausgegeben haben den Band Gabriele Doblhammer, die unter anderem als Direktorin des Rostocker Zentrums zur Erforschung des demografischen Wandels tätig ist, und Rembrandt Scholz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Das Buch ist in der Schriftenreihe "Demografischer Wandel - Hintergründe und Herausforderungen" erschienen. Diese soll laut Verlagsaussage Forschern und Praktikern aus den Bereichen Demografie, Gesundheit und Pflege nützlich sein. Für letztere dürfte es allerdings bereits eine große Hürde bilden, dass der Band auf Englisch erschienen ist. Auch enthält der Tagungsband viele fachsprachliche Formulierungen, so dass ihn wohl nur Akademiker zur Hand nehmen werden.

Zudem fehlt ein abschließender Beitrag mit einem Fazit, das die Kernaussagen bündelt. Darüber hinaus wäre ein Ausblick wünschenswert gewesen, der Anregungen gibt, in welchen Bereichen weiter geforscht werden sollte und welche Ansätze für die praktische Arbeit im Pflegebereich bereits vorliegen oder entwickelt werden sollten. Denn bei allen Details - die große Frage bleibt: Wie sichern wir angesichts des demografischen Wandels die Lebensqualität der Pflegebedürftigen und der Pflegenden?

Doblhammer, Gabriele/Scholz, Rembrandt (Hg.) (2010): Ageing, Care Need and Quality of Life. The Perspective of Care Givers and People in Need of Care. VS RESEARCH. Wiesbaden. 243 Seiten. ISBN 978-3-531-16626-1. 34,95 Euro

 

   
     
 

Chinesische Delegation besucht Schulung im Berlin-Institut
Die Experten wollen ein Überwachungs- und Messsystem einrichten, das eine nachhaltige und sozial ausgeglichene Entwicklung der verschiedenen Regionen ermöglicht

Eine 13-köpfige Delegation aus China ist im Juli 2010 durch Deutschland und Polen gereist, um sich über die europäischen Erfahrungen im Bereich der Überwachung und Messung regionaler Entwicklung zu informieren. Zu diesem Zweck haben die Besucher Vertreter verschiedener Regierungsebenen in Europa sowie von Forschungs- und Beratungseinrichtungen getroffen und auch das Berlin-Institut besucht. Organisiert hat die Trainingsreise die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Rahmen ihres Programms für Wirtschafts- und Strukturreform.

Seit Einführung der Wirtschaftsreformen 1978 hat China ein beeindruckendes Entwicklungstempo vorgelegt: Die durchschnittliche Wachstumsrate betrug rund neun Prozent. Aber nicht die gesamte Bevölkerung hat gleichermaßen davon profitiert. Die größten Unterschiede lassen sich zwischen den Einwohnern der reichsten Küstenregionen Ostchinas und den verarmten Regionen in Zentral- und Westchina ausmachen.

Um die derzeitige Situation genau analysieren und in der Folge eine nachhaltige und sozial ausgeglichene Entwicklung der verschiedenen Regionen sicherstellen zu können, ist der Zugang zu relevanten Informationen mittels eines Überwachungs- und Messsystems für Regionalentwicklung von entscheidender Bedeutung. Zwar stellen in China verschiedene Regierungsebenen entsprechende Informationen in großem Umfang bereit, aber es gibt keine einheitliche Plattform, die für eine systematische Erfassung und Bearbeitung der Daten nötig wäre.

Vor diesem Hintergrund entwickelt das Staatsinformationszentrum (State Information Centre (SIC)) gegenwärtig in Kooperation mit anderen staatlichen Institutionen ein System zur Ermittlung und zum Austausch der Daten aus allen Provinzen, autonomen Gebieten und den regierungsunmittelbaren Städten - das sind Beijing (Peking), Shanghai, Chongqing und Tianjin, also den Provinzen gleichgestellte Städte. Das Projekt soll es darüber hinaus ermöglichen, die Daten einem Netzwerk von Experten zur Diagnose verfügbar zu machen - auch online - und eine international vergleichbare und transparente Datenbank zu schaffen.

Die zehntägige Schulungsreise diente der Vorbereitung dieses Projekts. Daran nahmen Mitarbeiter des Nationalen Informationszentrums (State Information Centre, SIC) teil sowie Mitglieder von Provinzvertretungen und der Nationalen Kommission für Reform und Entwicklung (NDRC). Ziel der Schulung "Regional Development Monitoring, Measuring and Evaluation Systems" war es, viel über Theorie und Anwendung regionaler Überwachungs- und Steuerungssysteme in Europa zu lernen sowie über die Auswirkungen des regionalen Monitorings auf den Entwurf neuer Reformvorschläge und Gesetze in der EU. Außerdem sollte die Reise Kooperationsmöglichkeiten mit wichtigen Institutionen und Experten im Europäischen Raum eröffnen und dazu beitragen, wissenschaftliche Monitoring-Netzwerke aufzubauen und instand zu halten.

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung stellte der chinesischen Delegation zwei seiner Studien vor: "Die demografische Lage der Nation" und "Die demografische Zukunft von Europa". Beide untersuchen demografische Veränderungen und ihren Einfluss auf die regionale Entwicklung anhand eines Indikatorensets. Zu den Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Wirtschaft, Integration von Ausländern, Bildung und Umwelt, die in die Analyse eingeflossen sind, gehören etwa die durchschnittliche Kinderzahl je Frau, die Wanderung, die Frauenerwerbstätigkeit oder auch die Jugendarbeitslosigkeit. Die Deutschlandstudie leitet die Entwicklung der Bundesländer und Deutschlands insgesamt aus der Analyse der Kreise ab, die Europastudie bewertet insgesamt 285 Gebietseinheiten der europäischen Statistik - so genannte Nuts-2-Regionen.

Die chinesische Delegation besuchte das Berlin-Institut aber nicht nur, um mehr über Einzelheiten der Methodik und der Forschungsergebnisse zu erfahren, sondern auch wegen des erklärten Ziels der Stiftung Berlin-Institut, die nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die große Medienaufmerksamkeit, die das Berlin-Institut für seine Studien erhält, belegt den Erfolg: Die bearbeiteten Fragestellungen und Handlungsempfehlungen sind offensichtlich nicht nur für Experten aus Forschung und Politik, sondern auch für die Bevölkerung insgesamt von Interesse.

Ein Grund dafür dürfte in der Unabhängigkeit des Instituts liegen, die es den Wissenschaftlern erlaubt, auch unpopuläre politische Konzepte vorzuschlagen. Zudem tragen eine klare Sprache sowie die anschauliche grafische Darstellung der Ergebnisse dazu bei, dass die Studien eine weitere Verbreitung finden als viele andere demografischen Veröffentlichungen.

Das Berlin-Institut hat in den bald zehn Jahren seines Bestehens viele Politiker unterschiedlicher Regierungsebenen beraten: Vor allem natürlich in Deutschland, aber auch Entscheider aus Schweden, Japan, der Schweiz, Österreich, Frankreich, Russland, Südkorea, Singapur oder Rumänien haben das Gespräch über die besonderen Probleme ihrer Heimatländer oder -regionen gesucht. Der Kontakt zu chinesischen Experten begann früh - und er hält bis heute an.

 

   
     
 

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Mitarbeiter/in gesucht

Das Berlin-Institut sucht zum nächstmöglichen Termin eine/n Wirtschafts- oder Sozialwissenschaftler/in mit Erfahrung in der statistischen Datenanalyse.

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