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Ausgabe 102, 19. August 2010

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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"Nicht Migration ist ein Risikofaktor für Gesundheit, sondern die sozialen Verhältnisse sind es"
Interview mit Prof. Dr. Theda Borde, Leiterin der Alice-Salomon-Hochschule Berlin

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Hohe Kosten durch Demenz
Von der psychischen Gesundheit hängen Lebensqualität und Leistungsfähigkeit ab

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Wie begegnet der Staat den Herausforderungen des demografischen Wandels?
Ein Berliner Kongress setzt sich mit den Folgen von Alterung und Schrumpfung für Sozialsysteme, Personalpolitik, Stadt- und Regionalentwicklung auseinander

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"Nicht Migration ist ein Risikofaktor für Gesundheit, sondern die sozialen Verhältnisse sind es"
Interview mit Prof. Dr. Theda Borde, Leiterin der Alice-Salomon-Hochschule Berlin

Prof. Dr. Theda Borde (geboren 1957), promoviert in Gesundheitswissenschaften/Public Health, leitet gegenwärtig die Alice-Salomon-Hochschule Berlin. Dort lehrt sie seit 2004 medizinische und medizinsoziologische Grundlagen der Sozialen Arbeit. Nach dem Studium der Politologie und Amerikanistik in Berlin arbeitete und forschte sie für verschiedene Institutionen zu Gesundheit und Bildung von Migranten und Migrantinnen.

In Deutschland leben rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, das entspricht etwa einem Fünftel der Gesamtbevölkerung. Unterscheiden sie sich gesundheitlich von der Mehrheitsgesellschaft?

Zunächst einmal: Die Unterscheidung nach Migrationshintergrund nimmt das Statistische Bundesamt erst seit 2005 vor. Sie ist also noch relativ neu und hat die Unterscheidung nach In- und Ausländer abgelöst. Denn die war nicht mehr präzise genug. Der Migrationshintergrund von Spätaussiedlern zum Beispiel und Eingebürgerten konnte in der Statistik nicht abgebildet werden. Mit dem Begriff "Migrationshintergrund" haben wir nun eine neue statistische Kategorie, bei der allerdings weiter unterschieden wird zwischen eigener Migrationserfahrung oder Migrationserfahrung der Familie, binational, einseitig oder zweiseitig. Diese Daten liegen erst seit wenigen Jahren vor.

Was lässt sich über die Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund aussagen?

Es ist gar nicht möglich, diese Frage so pauschal zu beantworten. Migranten unterscheiden sich deutlich in Bezug auf ihre Bildung, ihre soziale Lage und Lebenslage. Deswegen brauchen wir sehr viel differenziertere Analysen, um die Effekte dieser Aspekte beschreiben zu können. Wir wissen, dass Gesundheit und soziale Lage sehr eng zusammenhängen und dass Menschen in einer schlechteren sozialen Lage auch schlechtere Gesundheitsvariablen aufweisen.

Wenn man nun diese Vereinfachung wagt und die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund auf der Basis der vorhandenen, leider unvollständigen Daten betrachtet - woran ließe sich dann eine Diskriminierung oder gelungene Gleichberechtigung erkennen?

Dabei muss man zwischen Gesundheitsstatus und Gesundheitsversorgung unterscheiden: Zum Gesundheitsstatus liegt der Bericht des Robert-Koch-Instituts "Migration und Gesundheit" vor, der alle vorhandenen Analysen aufführt, die es hierzu gibt. Das Ergebnis: Die Säuglingssterblichkeit ist immer noch höher bei Frauen mit Migrationshintergrund oder Ausländerinnen. Außerdem bilden ältere Migranten eine Problemgruppe, und Kinder und Jugendliche sind spezifischen Belastungen ausgesetzt. Sie sind zum Teil aber auch in einer besseren Verfassung, so leiden die Kinder beispielsweise weniger unter Allergien als einheimische Kinder. Es gibt also Datensätze dazu, aber die wenigsten lassen tatsächlich Rückschlüsse zu, eben weil Menschen mit Migrationshintergrund eine sehr heterogene Gruppe bilden.

Und wie steht es bei der Gesundheitsversorgung?

Der Zugang zur Gesundheitsvorsorgung ist für Menschen ohne Papiere und die, die nicht krankenversichert sind, vor allem aus rechtlichen und finanziellen Gründen schwierig. Der größte Teil der in Deutschland lebenden Bevölkerung mit Migrationshintergrund beziehungsweise ethnischen Minderheiten ist aber krankenversichert. Die Zugangsbarrieren liegen hier oft auf einer anderen Ebene: So klärt das Fachpersonal die Patienten oft zwar formal auf, dies geschieht aber in einer Weise, die nicht für die Zielgruppe angemessen ist.

Inwiefern?

Zum Beispiel, wenn dies in einer Sprache geschieht, die die Patienten nicht verstehen, oder wenn gedruckte Informationen so geschrieben sind, dass sie nicht jeder begreifen kann ...

... etwa Packungsbeilagen ...

... oder Informationen zu Operationen: Die gibt es zwar schon in verschiedenen Sprachen, aber das ist häufig sehr kompliziert formuliert und verlangt fachliches Vorwissen. Das sind strukturelle Probleme. Denn die Therapietreue wird beeinträchtigt, wenn die Patienten den Anweisungen der Ärztin oder des Arztes nicht folgen, weil sie nicht verstanden haben, warum diese wichtig und richtig sind. Und man hat durch Studien herausgefunden, dass dieses Verständnis ein wichtiger Faktor ist, damit die Patienten sich so verhalten, wie es nach medizinischem Wissensstand am besten für sie wäre. Der Patient ist Koproduzent von Gesundheit, und das erfordert eine gemeinsame Entscheidungsfindung.

Welche Probleme treten bei der gesundheitlichen Versorgung noch auf?

Migranten haben in der Regel in den ersten Jahren, in denen sie in einem anderen Land leben, noch nicht die erforderlichen Sprachkompetenzen. Bestimmte Gruppen wie beispielsweise ältere Migrantinnen, die nur eine geringe Schulbildung hatten, haben möglicherweise auch nur rudimentär Deutsch gelernt. Darüber hinaus gibt es auch im Gesundheitswesen Rassismus, der ethnischen Minderheiten begegnen kann.

Woran lässt sich das festmachen?

Dazu gibt es hierzulande - soweit ich weiß - keine Studien, da müsste man sicher systematische teilnehmende Beobachtungen machen, um das nachweisen zu können. Aber wir haben die subjektive Sichtweise der Betroffenen sowie Studien aus Großbritannien und den USA, die das belegen. Ich denke, hierzulande ist die Situation nicht anders.

Sie haben in einer Berliner Studie verglichen, wie oft Migranten und Einheimische Rettungsdienste aufsuchen. Was haben Sie herausgefunden?

Wir haben bei der Berliner Notfallambulanzstudie unterschieden nach einheimischen Deutschen und Migrantinnen und Migranten, die wir, dann noch nach ihrer selbst genannten Muttersprache verschiedenen Sprachgruppen zugeordnet haben. Und weil die sich als türkisch definierende Gruppe eine der größten ist, haben wir zunächst diese untersucht und mit der deutschen Gruppe verglichen. Wir haben festgestellt, dass sich die Altersstruktur in der Nutzung der Notfallambulanzen widerspiegelt: So finden sich in den Notfallambulanzen in den Berliner Innenstadtbezirken viele alte Deutsche und viele junge Migrantinnen und Migranten.

Was ist Ihnen noch aufgefallen?

Dass die Migranten aus der Türkei häufiger an Wochenenden und in den Abendstunden kommen als einheimische Deutsche - also dann, wenn die Arztpraxen geschlossen sind. Sie werden häufiger von Angehörigen in die Rettungsstelle gebracht, während die Deutschen den Krankentransport deutlich häufiger in Anspruch nahmen. In der Analyse zur Angemessenheit der Inanspruchnahme haben wir nicht nur die medizinische Definition eines Notfalls sondern auch die subjektive Sicht der befragten Patientinnen und Patienten berücksichtigt. Wenn man das mit einbezieht, beispielsweise besonders starke Schmerzen, Angst vor einer lebensbedrohlichen Krankheit, dann gibt es keine Unterschiede zwischen den Vergleichsgruppen. Aus der medizinischen Definition konnten wir feststellen, dass der Anteil der stationären Aufnahmen, der ja die Angemessenheit der Inanspruchnahme zweifelsfrei belegt, bei den Deutschen höher war.

Welche konkreten Schwierigkeiten begegnen Migranten noch im Gesundheitssystem?

Oft fehlt das Wissen über Strukturen, die Information über die Zuständigkeit von Institutionen. So gehen Menschen bei Bedarf lieber an Orte, die ihnen bekannt sind. Wenn eine Frau aus Berlin-Kreuzberg beispielsweise im Urban-Krankenhaus ein Kind bekommen hat, geht sie im Notfall, wenn sie selbst oder Familienangehörige plötzlich starke körperliche Beschwerden haben, wieder dorthin. Außerdem erwarten die Migranten in Krankenhäusern eher, dass dort jemand ist, der die eigene Sprache spricht. Deshalb haben Krankenhäuser und auch klinische Notfallambulanzen besondere Bedeutung. Aber wir konnten nicht feststellen, dass türkische Migranten seltener niedergelassene Ärzte aufsuchen.

Lassen sich zu anderen Migrantengruppen Aussagen treffen?

Eine große Gruppe derer, die Notdienste nutzen, sind junge Studierende aus allen Teilen der Welt. Sie gehen möglicherweise deshalb dahin, weil sie hier keinen Hausarzt haben.

Ist Migration ein Risikofaktor für Gesundheit?

Migranten sind häufiger arbeitslos als Einheimische, ihre soziale Lage ist oft schlechter. Aber Migration kann auch lebensrettend sein - etwa bei Flucht oder Verfolgung. Nicht Migration ist ein Risikofaktor für Gesundheit, sondern es sind die sozialen Verhältnisse, die das Risiko ausmachen. Dazu gehört für große Teile der Bevölkerung mit Migrationshintergrund auch, dass Möglichkeiten zur Teilhabe fehlen.

Wo müsste man ansetzen, um das zu verändern?

Bei der Bildungsförderung. An der Alice-Salomon-Hochschule etwa führen wir gerade eine Schulkampagne durch, um Schülerinnen und Schüler, die einer ethnischen Minderheit angehören oder einen Migrationshintergrund haben, für die Gesundheits- und sozialen Berufe zu gewinnen. Auch im diesen Berufen sollte sich die ethnische Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln. Bildung ist sicherlich ein Schlüsselfaktor für die Verbesserung der Partizipation und die Veränderung von Institutionen.

Es geht also nicht nur um Migranten als Patienten, sondern auch als Ärzte oder Altenpfleger - ein Punkt, der angesichts des demografischen Wandels hierzulande besonders wichtig ist.

Ja, beim Pflegepersonal herrscht bereits Fachkräftemangel, und der Ärztemangel kommt auch auf uns zu. Wir werden auf der Versorgerseite eine größere Vielfalt haben. Das ist eine auch Zukunftsaufgabe, auf die sich die Gesundheitsversorgung einrichten muss.

Können wir von anderen Ländern lernen, um die Gesundheitsversorgung von Migranten zu verbessern?

Ja, ganz bestimmt von Großbritannien, die in allen möglichen Bereichen immer auch ein so genanntes ethnisches Monitoring durchführen: Alle Institutionen müssen Vorgaben erfüllen, die es hinsichtlich der ethnischen Vielfalt für den Personalschlüssel, für die sprachliche Kommunikation und andere Bereiche gibt. Auch die Vereinigten Staaten, Kanada und Australien, die sich ja alle als Einwanderungsland verstehen, können sicherlich als Vorbild dienen: Sie stellen sich den Anforderungen, die sich aus der Diversität der Bevölkerung für die Gesellschaft ergeben. Deutschland dagegen tat sich lange Zeit schwer damit, sich als Einwanderungsland zu verstehen. Jetzt sind die Themen Migration, Integration und Partizipation jedoch endlich ganz oben auf der politischen Tagesordnung.

 

   
     
 

Hohe Kosten durch Demenz
Von der psychischen Gesundheit hängen Lebensqualität und Leistungsfähigkeit ab

Psychische Erkrankungen sind an sich zwar nicht tödlich, aber folgenreich - auch finanziell. Im Jahr 2008 lagen die gesamten Krankheitskosten in Deutschland bei 254,3 Milliarden Euro. Am teuersten kamen die Volkswirtschaft mit 37 Milliarden Euro Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu stehen, gefolgt von Krankheiten des Verdauungssystems, auf die 34,8 Milliarden Euro entfielen. An dritter Stelle finden sich psychische und Verhaltensstörungen - sie kosteten knapp 28,7 Milliarden Euro. Das ist eines der Ergebnisse der neuen Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamtes. In die Berechnung fließen neben medizinischen Heilbehandlungen auch sämtliche Gesundheitsausgaben für Prävention, Rehabilitation und Pflege ein.

Für gut die Hälfte der Kosten für psychische Erkrankungen waren nur zwei Diagnosen verantwortlich: 9,4 Milliarden Euro wurden für Demenzerkrankungen und 5,2 Milliarden Euro für Depressionen ausgegeben. Während andere Erkrankungen zurückgehen, weil sie sich beispielsweise wie Infektionskrankheiten durch Impfung, Früherkennung oder verbesserte Behandlungsmöglichkeiten verringern lassen, steigt der Anteil psychischer Erkrankungen. Neben Demenz und Depressionen zählen dazu etwa Angst- und Essstörungen sowie Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol und illegalen Substanzen.

Ein Zeitvergleich zeigt, dass die Kosten durch psychische Erkrankungen von 2002 bis 2008 besonders stark gestiegen sind: Mit 5,3 Milliarden Euro war das Plus hier höher als bei allen anderen Krankheitsarten. Allein bei Demenz und Depressionen erhöhten sich die Kosten in diesem Zeitraum um zusammen 3,5 Milliarden Euro beziehungsweise 32 Prozent. Insgesamt sind die Krankheitskosten seit 2002 um 35,5 Milliarden angestiegen, das entspricht einem Zuwachs von 16 Prozent.

Nun treten Demenzen zunehmend im höheren Lebensalter auf. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnen sie somit zusätzlich an Bedeutung, denn die Lebenserwartung steigt. Gegenwärtig leben rund 1,2 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. Frauen sind häufiger als Männer davon betroffen, weil sie in der Regel älter werden. Zwar erreichen immer mehr Menschen bei guter Gesundheit ein höheres Alter, aber die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, wächst ab dem 65. Lebensjahr - und dann mit steigendem Tempo. Weniger als drei Prozent der Demenzen treten der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge vorher auf.

In Gesellschaften wie der deutschen, in denen die Menschen immer älter werden und die durchschnittliche Kinderzahl je Frau unter dem sogenannten bestandserhaltenden Niveau von 2,1 liegt, steigt das Durchschnittsalter. Seit rund zwanzig Jahren ist hierzulande jede Kindergeneration etwa ein Drittel kleiner als die jeweilige Elterngeneration - entsprechend werden weniger Kinder geboren. Immer weniger Junge müssen immer mehr Ältere versorgen. Das macht ein politisches Umdenken erforderlich - und schnelles Handeln. Denn ab 2015, wenn die ersten Jahrgänge der Generation der Babyboomer ins Rentenalter kommen, wird sich diese Entwicklung noch beschleunigen. Die psychische Gesundheit verdient größere Aufmerksamkeit als bisher. Angesichts der Ängste, die mit dem Sprechen über Demenzen und Depressionen verbunden sind, wäre die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema und die Verbreitung grundlegender Informationen ein erster Schritt.

Literatur/Links

Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Robert Koch-Institut (2009): Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Wie hat sich die Gesundheit in Deutschland entwickelt? Berlin.

Statistisches Bundesamt (2010):Hohe Kosten durch Demenz und Depressionen. Pressemitteilung Nr. 280 vom 11. August 2010. Wiesbaden.

 

   
     
 

Wie begegnet der Staat den Herausforderungen des demografischen Wandels?
Ein Berliner Kongress setzt sich mit den Folgen von Alterung und Schrumpfung für Sozialsysteme, Personalpolitik, Stadt- und Regionalentwicklung auseinander

Das Stichwort "demografischer Wandel" bezeichnet kein Zukunftsszenario - er findet bereits statt: Deutschlands Bevölkerung wird im Schnitt immer älter, weil die Menschen länger leben und weniger Kinder bekommen. Noch in dieser Legislaturperiode werden die ersten Jahrgänge der Babyboomer in den Ruhestand treten. Viele Branchen spüren bereits jetzt den Mangel an Fachkräften. Das Problem wird zunehmen und sich nicht durch Weiterbildungsprogramme allein lösen lassen, neue Ideen sind gefragt, um qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuziehen. Auch die Siedlungsstrukturen verändern sich: In weiten Teilen werden sich ländliche Räume weiter leeren. Einige Städte schrumpfen ebenfalls und müssen sich auf eine ältere Bevölkerung mit entsprechenden Bedürfnissen einstellen. Schon immer waren Zuwanderer Teil der Gesellschaft - in vielen Städten wächst der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund stark. Der Staat muss sich an die schon jetzt bestehenden Verhältnisse anpassen und heute die Weichen für die Zukunft stellen.

Hier setzt der 5. Demographie-Kongress der Behörden Spiegel-Gruppe an, der vom 6. bis 7. September 2010 im dbb forum berlin stattfindet. Der Titel der Veranstaltung lautet: "Der Staat im Wandel – Generationenpolitik zwischen Fürsorge, Vorsorge und Gewährleistung". Hinter den Schlagworten steht ein Bündel von Fragen, etwa: Welchen Staat wollen wir? Wie soll in einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung zukünftig die soziale und technische Daseinsvorsorge gewährleistet werden? Ist in Zukunft das Dogma der "gleichwertigen Lebensverhältnisse" noch aufrechtzuerhalten?

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung steuert als Partner des Kongresses einige Vorträge bei, um diese Fragen zu beantworten. Die Experten widmen sich insbesondere dem Thema Familie. Sie untersuchen beispielsweise die Folgen der beruflichen Mobilität - Umzüge, Pendeln - für die Familie oder die Zusammenhänge zwischen alternativen Lebensformen wie Partnerschaften ohne Trauschein und Kinderzahl.

Einer der Beiträge analysiert die unterschiedlichen Erwartungen von Deutschen und Franzosen an die Frauen- und Mutterrolle. Das liegt nahe, denn immer wieder wird Frankreich in der deutschen Diskussion als familienpolitisches Vorbild angeführt - allerdings ist auch dort nicht alles so familienfreundlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag (siehe Demos 90 und die Studie "Emanzipation oder Kindergeld?" des Berlin-Instituts). Der Kongressbeitrag, der den Einfluss der strukturellen und kulturellen Unterschiede in beiden Ländern auf den Kinderwunsch prüft, belegt jedoch einmal mehr: Ob Hausfrau oder berufstätig - in Frankreich sind beide Modelle gesellschaftlich akzeptiert. Das könnte Deutschland von seinem Nachbarn lernen. Aber auch Frankreich muss sich mit viel Energie den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen, wie etwa das Discussion Paper des Berlin-Instituts "Ungleiche Nachbarn" gezeigt hat.

Mehr Informationen über den Demographie-Kongress

 

   
     
 

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Russia's Demographic Crisis
by Rainer Lindner

Russia's demographic crisis derives from low birth rates, the lowest life expectancy Europe-wide, high death rates and the ageing of society. The state of health of most people is poor and is additionally aggravated by excessive alcohol consumption and drug abuse. Russia's peripheral regions are depopulating as a result of net migration outflows exceeding inflows. The future risks entailed in the demographic crisis affect the Russian statehood as well as the economic and military security of the country.

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