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Ausgabe 104, 22. September 2010: Schwerpunkt Millenniums-Entwicklungsziele

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Bevölkerungswachstum behindert das Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele
Weniger Kinder lassen sich leichter und besser versorgen - vor allem, wenn wie im Afrika südlich der Sahara Trinkwasser, Nahrung und Bildung zu den knappen Ressourcen gehören

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"Nur Unternehmen, die sich heute den Armutsmärkten zuwenden, werden überleben"
Interview mit Peter Spiegel, Geschäftsführer GENISIS Institute for Social Business and Impact Strategies gGmbH, Berlin

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Investitionen in Familienplanung zahlen sich mehrfach aus
Je weniger Frauen ungewollt schwanger werden, desto besser - auch für die Entwicklung eines Landes

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Bevölkerungswachstum behindert das Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele
Weniger Kinder lassen sich leichter und besser versorgen - vor allem, wenn wie im Afrika südlich der Sahara Trinkwasser, Nahrung und Bildung zu den knappen Ressourcen gehören

Dieser Tage findet in New York ein Gipfeltreffen der Vereinten Nationen zum Stand der Millenniums-Entwicklungsziele statt. Im Jahr 2000 hatten sich die Mitglieder der Vereinten Nationen darauf verständigt, entwicklungspolitische Erfolge zu messen und für acht verschiedene Bereiche Ziele festzulegen: die "Millennium Development Goals", kurz MDGs. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs beraten sich nun drei Tage lang mit Experten, um die Entwicklung zu überprüfen und einen Weg festzulegen, um diese Ziele zu erreichen. Denn die Zeit wird knapp - und die Versorgungslage in den Entwicklungsländern ist immer noch unbefriedigend, auch wenn durchaus Fortschritte zu melden sind.

Das erste und das siebte Ziel: weniger extreme Armut, mehr Umweltschutz

Das erste Millenniums-Entwicklungsziel besteht darin, die Zahl der in Armut lebenden Menschen weltweit bis zum Jahr 2015 gegenüber dem Jahr 1990 zu halbieren. Den Vereinten Nationen zufolge ist der Anteil der extrem armen Menschen, die von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag leben müssen, in den Entwicklungsländern zwischen 1990 und 2005 von 46 auf 27 Prozent gesunken. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg - vor allem, weil im selben Zeitraum die Bevölkerung dieser Länder von 4,1 auf 5,3 Milliarden Menschen gewachsen ist.

Ost- und Südostasien waren bei der Armutsbekämpfung bislang am erfolgreichsten: 1990 zählten noch 60 beziehungsweise knapp 40 Prozent der Bevölkerung in diesen Regionen zu den absolut Armen. 2005 dagegen waren es weniger als 20 Prozent. In anderen Regionen, insbesondere in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, verbesserte sich die Lage der Armen allerdings nur geringfügig. Hier lassen auch die Erfolge hinsichtlich anderer Millenniums-Entwicklungsziele auf sich warten.

Eine Ursache dafür liegt in den hohen Kinderzahlen: In dieser Region wächst die Bevölkerung seit Jahrzehnten schneller als anderswo auf der Welt. Rund fünf Kinder bringt in Subsahara-Afrika eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich zur Welt - mehr als doppelt so viele wie Frauen in Lateinamerika oder Asien. All diese Kinder müssen essen, brauchen sauberes Trinkwasser und möchten zur Schule gehen. Angesichts ihrer großen Zahl wird es immer schwieriger, ihre Versorgung sicherzustellen, geschweige denn, Fortschritte zu erzielen.

Für Länder wie Niger, Uganda oder Ruanda, in denen sich die Einwohnerzahlen bis 2050 mehr als verdoppeln werden, ist es nahezu unmöglich, den Anteil an armen Menschen zu halbieren. Durch das Bevölkerungswachstum erhöht sich zudem der Druck auf natürliche Ressourcen wie fruchtbare Böden und Waldflächen oder das unter anderem für die Landwirtschaft genutzte Wasser. Übernutzte Ackerflächen bilden die Folge, weshalb sich dann auch die Erträge verringern.

Außerdem kann der Klimawandel, der vielerorts verheerende Dürren oder Überschwemmungen mit sich bringt, dazu führen, dass Ernten ausfallen und die Menschen Hunger leiden. Im Niger sind laut Weltbank bereits zwei Drittel der Landesfläche landwirtschaftlich unbrauchbar - mit katastrophalen Folgen für die lokale Bevölkerung. Auch das siebte MDG, das ökologische Nachhaltigkeit bei der Nutzung von Umweltressourcen vorsieht, rückt damit in weite Ferne.

Ziele zwei und drei: universelle Grundbildung und Gleichstellung der Geschlechter

Hinsichtlich der universellen Grundbildung - das zweite MDG - hinkt die Region Subsahara-Afrika der restlichen Welt ebenfalls deutlich hinterher. Während in Lateinamerika, Nordafrika und Südostasien mittlerweile rund 95 Prozent aller Kinder eingeschult werden, besucht auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara den Vereinten Nationen zufolge im Schnitt noch immer ein Viertel aller Kinder keine Schule. Forscher des amerikanischen "Education and Policy Data Center" gehen davon aus, dass in einigen afrikanischen Ländern bis 2025 die absolute Zahl der Menschen ohne Schulbildung sogar zunehmen wird, weil die Bevölkerung dort so stark wächst. Das gilt etwa für Mali, Tschad oder Burkina Faso - dort ist es nahezu unmöglich, allen Kindern bis zum Jahr 2015 eine allgemeine Grundschulbildung zu bieten. Zudem sind weitere Anstrengungen nötig, um das Geschlechterverhältnis in den Grund- und weiterführenden Schulen sowie Universitäten auszugleichen. Auch hier besteht in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sowie in Süd- und Westasien am meisten Nachholbedarf.

Ziele vier, fünf und sechs: Gesundheit

Dass die größten Schwierigkeiten auf dem afrikanischen Kontinent bestehen, gilt in gleichem Maße für die gesundheitsbezogenen Millenniums-Entwicklungsziele. So verzeichnen laut Weltbank die Länder des südlichen Afrikas die weltweit höchste HIV-/Aids-Rate: In Botswana, Swasiland und Lesotho ist ein Viertel der 15- bis 49-jährigen Bevölkerung mit dem Virus infiziert. Auch die Kinder- und die Müttersterblichkeit ist hoch. Von 1.000 Neugeborenen erleben zum Beispiel in Somalia, Angola und der Zentralafrikanischen Republik über hundert ihren ersten Geburtstag nicht. Zum Vergleich: Auf den Philippinen und in China unterliegen nur noch 22 von 1.000, in Peru nur 20 von 1.000 Neugeborene demselben Sterberisko. Die Müttersterblichkeit liegt Schätzungen der Weltbank zufolge in Sierra Leone, Malawi, Ruanda und einer Reihe weiterer afrikanischer Staaten südlich der Sahara bei über 1.000 Sterbefällen pro 100.000 Geburten und damit etwa doppelt so hoch wie in den südostasiatischen Entwicklungsländern Laos und Kambodscha, die zu den ärmsten Ländern Asiens zählen. Für die oben genannten afrikanischen Länder bedeutet das, dass bei jeder hundertsten Geburt die Mutter stirbt. Geht man davon aus, dass dort im Schnitt jede Frau mindestens fünf Kinder zur Welt bringt, so stirbt etwa jede zwanzigste bei einer Geburt.

Dem unabhängigen Guttmacher Institute zufolge könnten in der Region Investitionen in Familienplanung von jährlich 2,4 Milliarden Dollar bis zu 790.000 Leben retten, denn bei weniger ungewollten Schwangerschaften sinkt sowohl die Mütter- als auch die Säuglingssterblichkeit. Vor allem junge, ungebildete, teils unterernährte und in Armut lebende Frauen haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln und gehen daher mit ihrer ersten Schwangerschaft ein hohes gesundheitliches Risiko ein. Dieses Risiko würde sich verringern, könnten die Frauen die erste Geburt weiter hinausschieben.

In Subsahara-Afrika, wo weltweit die meisten Kinder pro Frau geboren werden, ist der ungedeckte Bedarf an modernen Verhütungsmitteln am höchsten. Einen ungedeckten Bedarf haben Frauen zwischen 15 und 49 Jahren, die sexuell aktiv sind, keine moderne Methode der Empfängnisverhütung anwenden und in den nächsten zwei oder mehr Jahren keine oder keine weiteren Kinder bekommen möchten. Laut Guttmacher Institute ist in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara eine von fünf Schwangerschaften nicht gewollt. Solche ungewollten Schwangerschaften setzen die Frauen einem unnötigen gesundheitlichen Risiko aus. Oft handelt es sich um Frauen, die unmittelbar nach der Geburt eines Kindes wieder schwanger geworden sind. Es sind aber auch Jugendliche, teilweise mangelernährt, deren Körper im Hinblick auf Schwangerschaft und Geburt noch nicht ausgereift sind. So kommt es häufig zu Komplikationen, die fatale Folgen für Mutter und Kind haben können. Denn vor allem um die medizinische Versorgung Schwangerer ist es gerade in Subsahara-Afrika schlecht bestellt. In der Region wird den Vereinten Nationen zufolge nicht einmal die Hälfte aller Geburten halbwegs fachkundig betreut. In Südostasien dagegen muss nur ein Viertel aller Schwangeren bei der Geburt ohne medizinisches Personal auskommen, in Lateinamerika sogar nur ein Siebtel.

Familienplanung als Hebel, um Entwicklung zu fördern

Erfolgreiche Familienplanungsprogramme können sich auch auf andere Millenniums-Entwicklungsziele auswirken: Wenn weniger Kinder geboren werden, verändert sich die Altersstruktur der Bevölkerung, und das Verhältnis von Abhängigen und Erwerbsfähigen wird günstiger. Gelingt es, die Menschen zwischen 15 und 64 Jahren in den Arbeitsmarkt zu integrieren, steigt das Pro-Kopf-Einkommen, und die Wirtschaft wächst. So können wiederum mehr Mittel für die Armutsbekämpfung oder Schulbildung frei werden (MDG 1 und 2). Dass frühe Schwangerschaften vermieden werden, ist darüber hinaus eine Voraussetzung dafür, dass Mädchen länger zur Schule gehen und Gleichstellung erlangen können (MDG 3). Die Bereitstellung von modernen Verhütungsmethoden, insbesondere von Kondomen, leistet außerdem einen großen Beitrag zu der Eindämmung der HIV-/Aids-Pandemie (MDG 6). Investitionen in Familienplanung mildern schließlich das Bevölkerungswachstum und damit den Kampf ums tägliche Überleben, um die natürlichen Ressourcen, um Trinkwasser und Ackerland sowie um Nahrungsmittel (MDG 1 und 7).

Angesichts dieser Zusammenhänge ist es verblüffend, dass die Millenniums-Entwicklungsziele weder Familienplanung noch Bevölkerungswachstum explizit und ausführlich thematisieren. Die Bereitstellung von zuverlässigen, modernen Verhütungsmethoden gehört unbedingt auf die entwicklungspolitische Agenda, denn ohne diesen Schritt können die Millenniums-Entwicklungsziele nicht erreicht werden. Nur wenn es gelingt, den ungedeckten Bedarf an Verhütungsmitteln zu beheben, haben die meisten afrikanischen Länder südlich der Sahara überhaupt eine Chance auf Entwicklung.

Literatur / Links

Allen, Rebecca (2007): The Role of Family Planning in Poverty Reduction. In: Obstetrics & Gynecology, Vol. 110, No. 5: 999-1002.

Guttmacher Institutee/ IPPF (2010): Facts on Satisfying the Need for Contraception in Developing Countries. New York.

Vereinte Nationen (2010): The Millennium Development Goals Report 2010. New York.

United Nations, Population Division (2009): World Population Prospects: The 2008 Revision Population Database.

Wils, Annababette (2007): Window on the future: 2025. Projections of education attainment and its impact. Washington, DC: Education Policy Data Center.

World Bank (2010): World Development Indicators.

 

   
     
 

"Nur Unternehmen, die sich heute den Armutsmärkten zuwenden, werden überleben"
Interview mit Peter Spiegel, Geschäftsführer GENISIS Institute for Social Business and Impact Strategies gGmbH, Berlin

Peter Spiegel, geboren 1953, gehörte 2008 zu den Gründern des GENISIS Institute for Social Business and Impact Strategies Außerdem ist er Initiator des Vision Summit,der erstmals 2007 stattfand. Die Konferenz soll Konzepte für eine nachhaltige Gestaltung der Globalisierung vorstellen und deren Umsetzung anschieben. Peter Spiegel hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt "Global Impact – der neue Weg zur globalen Verantwortung". Ab Herbst 2010 ist er Lehrbeauftragter für Social Business an der Privatuniversität Witten-Herdecke.

Was heißt "Social Business"?

Unternehmen, die Social Business betreiben, wollen wirtschaftlich arbeiten - und zugleich soziale und gesellschaftliche Probleme lösen helfen, also auch ökologisch nachhaltig sein. In Social Businesses erhalten die Investoren keine Dividende für ihre Einlagen, Gewinne werden in den Gründungszweck des Business reinvestiert.

Wer engagiert sich zum Beispiel auf diese Weise?

Etwa Adidas, Veolia oder Danone - zumindest mit einzelnen Projekten, nicht als gesamtes Unternehmen.

Und warum betreiben diese Firmen Social Businesses?

Aus vielfältigen Gründen, denke ich. Auch in der Wirtschaft gibt es immer wieder herausragende Persönlichkeiten, die der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen von dem, was sie von ihr erhalten haben. Vor diesem Hintergrund ist Social Business die klügste, die intelligenteste Form der Philanthropie.

Inwiefern?

Weil dahinter der Anspruch steht, Gutes zu tun - und zwar mit einem Modell, das sich wirtschaftlich selbst trägt. Das investierte Kapital kommt zurück und kann ein zweites, drittes oder zehntes Mal eingesetzt werden. Diese Hebelwirkung ist die eine Schiene der Motivation und ein starker Antrieb, den man nicht unterschätzen sollte. Außerdem ist es bei Unternehmen heute so, dass sie Gutes tun müssen.

Weil der öffentliche Druck größer wird?

Ja, aber auch wegen der Mitarbeiter, die sich ja mit ihrem Arbeitgeber identifizieren wollen. Der Wettbewerb um die besten Kräfte in der Wirtschaft wächst jeden Tag. Aber es gibt noch eine andere Schiene der Motivation, die nur scheinbar komplett anders gelagert ist. Vergessen Sie einmal die soziale Seite und versetzen Sie sich in die Lage eines Konzernführers. Nehmen wir das Beispiel Danone. Das Unternehmen ist heute in fast allen Ländern der Welt vertreten. Es fehlt nur noch eine Kleinigkeit zur vollständigen Abdeckung des Weltmarktes - der fehlende Teil betrifft aber immerhin zwei Drittel der Menschheit.

Sie meinen die Märkte der bevölkerungsreichen Entwicklungsländer?

Ja, mehr als die Hälfte der Menschheit lebt von weniger als zwei Dollar am Tag. Das gibt nicht viel Markt her. Nun gibt es aber mittlerweile Instrumente, etwa Kleinkredite, um Entwicklung - und damit gleichzeitig Märkte - zu fördern. Auch die chinesische Regierungspolitik der letzten 15 Jahre hat Millionen Menschen erfolgreich aus der Armutsfalle herausgeführt. Der Weg aus der Armut ist also möglich und gestaltbar, und da werden weitere Erfolge zu verzeichnen sein.

Und hierbei gehören Unternehmen zu den entscheidenden Akteuren? Warum sollten Firmen dieses Ziel verfolgen?

Nur Unternehmen, die sich heute den so genannten Base-of-the-Pyramid-Märkten - den Armutsmärkten - mit adäquaten Produkten und Dienstleistungen zuwenden, sind gut aufgestellt und werden überleben. Alle anderen werden erhebliche Probleme bekommen, wenn sie diesen Zug verpassen. Diese Dimension wird heute noch fast komplett übersehen. Es besteht ein ökonomischer Überlebenszwang, sich diesen Märkten zuzuwenden sowie Produkte und Dienstleistungen zu schaffen, die dort funktionieren. Die also günstig genug sind und in dem Sinne gut sind, dass sie dem Weg aus der Armut oder dem Zugang zu sauberem Wasser dienen und so weiter.

Nehmen wir das Beispiel Bangladesch: Der Weltkonzern Danone hat dort eine Fabrik mit 50 Angestellten aufgebaut, die der Idee des Social Business folgt. Angesichts der heute rund 160 Millionen Einwohner ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein - insbesondere, wenn man vor Augen hat, dass wir 2025 mit etwa 195 Millionen und 2050 mit 222 Millionen Bangladeschis rechnen können. Weil das Bevölkerungswachstum enorm ist, werden Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung schlichtweg aufgezehrt. Was muss passieren?

Um das Bevölkerungswachstum zu bremsen, muss der Wohlstand zunehmen - oder anders ausgedrückt: die Lebenssicherheit. Genau dieser Zusammenhang wird oft übersehen. Eine Überzahl an Kindern ist oft nichts anderes als ein Ersatz für das fehlende Rentensicherungssystem.

Diese Entwicklung - wachsender Wohlstand, weniger Kinder - hat es ja auch in Deutschland gegeben.

Ja, und das zeigt: Es ist völlig egal, ob es ein christliches Land, ein muslimisches oder ein anderes ist, ob der Papst dort das Sagen hat oder Atheisten bestimmen. Wir beobachten überall den gleichen Mechanismus: Wachsende Lebenssicherheit ist das beste Mittel gegen Überbevölkerung.

Das beweist etwa der Erfolg der Kleinkredite?

In den Regionen der Welt, in denen Kleinkrediten vergeben werden, insbesondere an Frauen, nimmt das Bevölkerungswachstum am radikalsten und schnellsten ab. Die Frauen haben ab dem Tag, an dem sie einen Kleinkredit bekommen, erstmals die Möglichkeit, ihr Leben zu planen und selbstständig zu handeln.

Geht es den Unternehmen nicht häufig nur um ein gutes Image statt um nachhaltiges Engagement?

Aufgesetzte Motive, und seien es auch aufgesetzte Gutmenschenmotive, sind schlechte Motive - auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Sie verlieren an Kraft. Ethik dagegen ist das beste Geschäftsmodell. Das gilt auch für Unternehmen, die jetzt in Base-of-the-Pyramid-Märkten aktiv sind und dort Produkte entwickeln. Das mag zunächst vor allem dem Image des Unternehmens dienen. Aber wenn dieses Motiv im Vordergrund steht und nicht das beste Geschäftsmodell, dann wird die Arbeit nicht lange Bestand haben.

Was folgt daraus?

Es zeigt sich, dass gute Behandlung der Mitarbeiter, offener Zugang zu Informationen, flache Hierarchien und ökologische Nachhaltigkeit in einer sich wandelnden Wirtschaft ausschlaggebend sind für Erfolg. Warum? Weil wir beispielsweise abhängig sind von den Ökosystemen - das spüren wir. Genauso ist es mit dem Umgang auf dem chinesischen oder indischen Markt: Wer weiterhin versucht, bloß die Ressourcen dieser Länder, darunter die Arbeitskraft, auszunutzen, wird verlieren. Das ist der entscheidende Punkt im sozialen Bereich: Wer nicht die Potenziale des Weltmarktes - die Ärmsten, die Vergessenen, die Ausgeschlossenen - aktiviert, wer diese ökonomische Intelligenz nicht aufbringt, der wird nicht überleben. Diesen Wandel müssen wir begreifen. Dann werden wir auch anders handeln.

Erfordert ein solches Umdenken nicht viel Zeit?

Nein, das glaube ich nicht. Nehmen wir das Beispiel Grameen Shakti: Das Unternehmen, gegründet vom Erfinder der Grameen Bank, dem Nobelpreisträger Muhammad Yunus, treibt die Verbreitung von Solartechnik und die Nutzung anderer erneuerbarer Energiequellen in Dörfern in Bangladesch voran. Es verzeichnete zunächst nur geringe Wachstumsraten. Dann ging die Kurve plötzlich so stark nach oben, dass Bangladesch heute das Land mit den meisten Solardächern der Welt ist. Innerhalb von zehn Jahren ist das Unternehmen nicht nur Marktführer in seinem Bereich geworden, sondern auch das stärkste Unternehmen in einer Ökonomie von 160 Millionen Menschen. Ein Unternehmen, das als Social Buiness angefangen hat, ist heute der beste Steuerzahler des Landes mit inzwischen fast 500.000 installierten Solar Home Systems und dem erklärten Ziel, bis 2015 nicht weniger als 75 Millionen Menschen zu erreichen!

Das sind gute Beispiele - und die Verbreitung dieser Ideen gehört wahrscheinlich auch zu den Beweggründen, den Vision Summit zu veranstalten. Was soll mit dieser internationalen Konferenz, die 2011 zum vierten Mal stattfindet, erreicht werden?

Wir haben zwei große Ziele: Erstens möchten wir verschiedene Bewegungen vernetzen, damit es nicht mehr so viele mehr oder minder voneinander getrennt Szenen gibt, die letztendlich alle ökonomisches Denken und gesellschaftliche Verantwortung besser zusammenführen wollen. Das will Corporate Social Responsibility, das will die Social Entrepreneurship Bewegung, das wollen Social Business und einige Bewegungen mehr. Wir wollen zweitens, dass der soziale Sektor als das große Feld für große Innovationen erkannt wird, wir wollen also die Tür aufstoßen zu einer sozialen Innovationsrevolution.

Sie wollen zu einem Umdenken nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in den Industriestaaten anregen?

Social Business, diese ganze Denkweise, kann tatsächlich auch unsere Gesellschaft revolutionieren. Wir haben eine anders gelagerte soziale Krise als in Bangladesch, das ist offensichtlich. Aber wir haben eine soziale Krise allererster Güte. Die sozialen Sicherungssysteme sind in der Form, wie sie bisher laufen, nicht mehr lange finanzierbar.

Wo sehen Sie den Veränderungsbedarf?

Der Kollaps der sozialen Systeme ist die Folge des demografischen Wandels. Wir müssen das Gesundheitssystem und alles, was ursprünglich außerhalb der wirtschaftlichen Innovationskraft steckt, komplett auf den Prüfstand stellen. Wir müssen vor allem innovativ sein! Der soziale Sektor ist der innovationsfreieste Raum in unserer Gesellschaft. Vor noch zweihundert, dreihundert Jahren war der Mensch, der mit technischen Innovationen kam, in Gefahr, in der Klapsmühle oder sogar auf dem Scheiterhaufen zu landen. Wenn Sie heute technische Innovationen verkünden, ist das ganz normal, die Zuversicht ist da, dass das funktioniert. Wir sind technikgläubig geworden. Aber wir sind gnadenlos Ungläubige für soziale Innovation.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Wenn wir über unser Bildungssystem reden, kommt die Forderung nach mehr Geld und mehr Lehrern - ist das tatsächlich die Antwort, die wir brauchen? Haben wir tatsächlich nicht die Phantasie, dass wir unser Bildungssystem grundlegend anders aufstellen müssen, dass wir vielleicht viel weniger Lehrer im klassischen Sinne brauchen? Es gibt ein großes Bildungsprojekt in Kolumbien, das ganz ohne Lehrer auskommt. Dort werden Einheimische in den ländlichen Regionen zu Tutoren herangebildet. Laut dem Testat des Bildungsministeriums in der Hauptstadt Bogotá sind die Schüler dieses Bildungssystems jenen der staatlichen Bildungseinrichtungen etwa eineinhalb Jahre voraus.

Was folgt daraus für Deutschland?

Dass wir uns unsere ganzen sozialen Systeme viel fundamentaler anschauen müssen. Es müssen letztlich viel mehr Gemeinschaftsleistungen entstehen. Warum - um bei der Bildung zu bleiben - führen wir nicht eine Art Zivildienst für Menschen mit hoher beruflicher Erfahrung ein, die damit dann im Bildungssektor Dienstleistungen erbringen? Die bringen nicht nur Wissen, sondern auch Lebenserfahrung mit. Kann das nicht unser Bildungssystem deutlich auffrischen? Das sind nur Beispiele dafür, welche Denkmauern eingerissen werden müssen. Plötzlich kann man sich Dinge dann ganz anders vorstellen, und sie sind möglicherweise sogar erheblich kostengünstiger.

Hat uns der Schock von Pisa nicht genug durchgerüttelt und zum Umdenken bewegt?

Was haben wir denn an neuen Lösungen vorangetrieben? Das Siegerland der Pisa-Studie war ja Finnland. Welches Land hat nun die wichtigsten Aspekte des finnischen Bildungssystems am genauesten analysiert und aufgegriffen? China. China hat seine besten Bildungsexperten für drei Jahre nach Finnland geschickt.

Und was haben die Chinesen mit den Erkenntnissen angefangen?

Sie haben anschließend in ausgewählten Regionen Chinas Pilotprojekte aufgesetzt. Diese erzielten gute Ergebnisse, und China wird die Reformen jetzt flächendeckend umsetzen. China will die Bildungsnation Nummer eins werden. Da sehen wir mit unserer Art von Bildungspolitik nicht gut aus. Der Wettbewerb in dieser Hinsicht - nach besten Konzepten, nach besten Ideen in allen Bereichen: Ökologie, Ökonomie, Technik, im Bildungsbereich, überall - ist längst da.

Und wie hängt das mit dem Konzept von Social Business zusammen?

Man könnte beispielsweise - ich benutze hier bewusst einen belegten Begriff - Freihandelszonen für soziale Experimente, für soziale Innovationen schaffen. Dies im Sinne von freier handeln. Wir brauchen im Bildungsbereich viel mehr Experimentierraum. Natürlich muss der Staat hier aufpassen, dass spezielle Kriterien erfüllt sind. Aber wir haben so viele schlechte Schulen, dass wir es verkraften sollten, wenn etwas im Experimentierfeld mal nicht so optimal läuft. Gesamtgesellschaftlich ist das ein überschaubares Risiko. Der Nutzen dagegen für die Gesellschaft ist phänomenal.

Wie soll dieser Wandel ablaufen?

Im Bildungsbereich müssen wir vor allem die Art der Innovatoren verändern. Wer ist bei uns Innovator im Bildungssystem? Die Kultusbürokratie. Deren Innovationskraft ist meiner Ansicht nach nicht sehr ausgeprägt. Und es sind die Lehrer. Und ein paar wenige Bürger, die sich trotz aller Hürden doch eine kleine Nische in dem Feld erobern. Hier braucht es Raum für Social Businesses: Unternehmerisch geführte, kreative Bildungsprojekte, sollten nach einer kurzen Phase, in der sie sich bewährt haben, den Freiraum erhalten, etwas auszuprobieren.

Aber wer entscheidet darüber, was schließlich umgesetzt wird?

Da braucht es dann wieder ein demokratisch legitimiertes Gremium. Aber es müsste für mehr Leute die Möglichkeit geben, sich am Entstehungsprozess der Projekte zu beteiligen. Die Menschen, von denen wir Innovationen erwarten - die Experten -, sind jedenfalls nicht die besten Innovatoren. Die Universität Potsdam hat die Methode des Design Thinking entwickelt. Dabei wird in der entscheidenden Phase der Innovationsentwicklung unter Ausschluss der Experten gearbeitet, weil diese den kreativen Freigeist blockieren. Experten denken in ihren bis dahin entwickelten technischen Umsetzungsphantasien und verlassen diese auch nicht.

Aber das Wissen der Experten ist doch unverzichtbar und wichtig?

Sie werden nicht überflüssig, im Gegenteil, aber sie bekommen einen anderen Platz. Die Experten werden nach der neuen Methode der Innovationsentwicklung eingeladen, wenn man sie braucht. Das müssen wir in allen Sektoren, in sozialen und gesellschaftlichen Feldern radikal umsetzen. Engagierte sozialunternehmerische Bürger müssen das Bildungssystem verbessern - Bürger aus der Breite der Gesellschaft, nicht nur Experten.

Ist diese Aufgabe nicht zu groß für den Durchschnittsbürger?

Der Bürger wird staatlicherseits sehr bevormundet, wenn auch ohne böse Absicht des Staates, ohne geht es ja überhaupt nicht. Auch die Menschen an den bürokratischen Stellen sind vielleicht als Privatbürger hoch innovative Menschen. Aber die Funktionen, die man ihnen zugewiesen hat, sind beschränkt durch gegenseitige Kontrolle und Ängstlichkeit, etwas zu riskieren. Es ist ein Systemproblem, nicht ein Problem der Menschen. Wir müssen diese Abläufe öffnen. Wir müssen schauen, wo es in der Welt erfolgreiche Beispiele gibt. Warum wurde ein Banking für die Armen nicht im Westen erfunden? Wir hielten es schlicht für undenkbar.

Das Interview führte Christian Kutzner.
Nachdruck unter Quellenangabe (Christian Kutzner / Berlin-Institut) erlaubt.

 

   
     
 

Investitionen in Familienplanung zahlen sich mehrfach aus
Je weniger Frauen ungewollt schwanger werden, desto besser - auch für die Entwicklung eines Landes

Amerikanische Forscher sind der Frage nachgegangen, wie sehr das Bevölkerungswachstum zurückginge, wenn es keine ungewollten Schwangerschaften mehr gäbe. Sie haben dazu 99 Entwicklungsländer und die USA untersucht. Heute leben rund vier Milliarden Menschen in diesen Ländern. Wäre die Nachfrage nach Verhütungsmitteln gedeckt, so das Fazit der Studie der Entwicklungshilfeorganisation Futures Group, wüchse die Bevölkerung der betrachteten Staaten bis 2050 auf 6,3 Milliarden Menschen. Die mittlere Variante der Vereinten Nationen (UN) dagegen geht von einer Zunahme auf 6,7 Milliarden Menschen aus.

Die Wissenschaftler der Vereinten Nationen orientieren sich bei ihren Prognosen an der Vergangenheit. Sie betrachten die Geburtenraten und die Lebenserwartung der letzten Jahrzehnte, leiten aus der Entwicklung einen Trend ab und übertragen diesen auf die Zukunft. In die Annahmen von Futures Group ist darüber hinaus eingeflossen, wie viel Prozent der Frauen wahrscheinlich in einer Partnerschaft leben und wie viele von ihnen moderne Verhütungsmittel wie die Pille und Kondome nutzen würden, wenn sie Zugang dazu hätten. Außerdem haben die Forscher der Entwicklungshilfeorganisation die Empfängnisverhütungsrate sowie Fortschritte in der Frauenbildung in ihre Berechnungen einbezogen. Denn je länger Frauen eine Ausbildung machen, desto später bekommen sie in der Regel ihr erstes Kind - und desto geringer ist im Schnitt auch die Zahl der Kinder, die sie zur Welt bringen.

Ob die Prognose von Futures Group zutrifft, hängt jedoch nicht zuletzt davon ab, wie viel Geld die internationale Entwicklungsgemeinschaft für Familienplanung ausgibt. Die Kosten dafür haben die amerikanischen Forscher ebenfalls berechnet: 638 Milliarden US-Dollar müssten in den Entwicklungsländern für moderne Verhütungsmittel bereitgestellt werden, wenn die Prognose wahr werden soll.

Von den Ausgaben für Familienplanung hängt die Größe der Bevölkerung ab

Um in den nächsten vierzig Jahren die Nachfrage nach modernen Verhütungsmitteln wie Pille oder Kondom zu decken und ungewollte Schwangerschaften in den untersuchten 99 Entwicklungsländern und den USA zu vermeiden, sind laut Futures Group 1,1 Billionen US-Dollar erforderlich. Der höchste finanzielle Anteil an den Gesamtkosten entfiele mit etwas über 40 Prozent auf die USA, da dort die durchschnittlichen Kosten pro Anwender deutlich höher liegen als in den Entwicklungsländern. Falls der Bedarf an Verhütungsmitteln gedeckt wird, würde sich die Bevölkerung von heute vier Milliarden Menschen in diesen Ländern bis 2050 auf rund 6,3 Milliarden erhöhen. Je niedriger die Investitionen in Familienplanung insgesamt ausfallen, desto stärker wächst die Bevölkerung der betroffenen Staaten. Die mittlere Variante der Vereinten Nationen geht von rund 6,7 Milliarden Menschen im Jahr 2050 aus. Um auf diese Zahl zu kommen, sind jedoch auch Ausgaben von immerhin insgesamt mehr als einer Billion US-Dollar für die Bereitstellung von Verhütungsmitteln nötig (Datengrundlage: Futures Group).

Investitionen in Familienplanung sind Investitionen in Entwicklung. Für Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft verhindern können, wachsen die Chancen, dass sie eine Ausbildung machen, einem Beruf nachgehen, den Armutskreislauf durchbrechen und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Mit der Lebensqualität der Mütter nimmt auch die der Kinder zu: Frauen, die gesund sind und über eine Ausbildung verfügen, schicken ihre Kinder häufiger zur Schule und helfen somit der nächsten Generation, eine Lebensperspektive zu entwickeln.

Damit sind Investitionen in Familienplanung auch jeweils für die Entwicklung des ganzen Landes wichtig: Wenn weniger Kinder geboren werden, verringern sich beispielsweise die Kosten für staatliche Schulbildung oder für den Ausbau der Infrastruktur - etwa im Gesundheitsbereich oder in der Wasserversorgung. Verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum, geht auch der Bedarf an natürlichen Ressourcen und Nahrung zurück. Außerdem können soziale und wirtschaftliche Entwicklungsziele leichter erreicht werden, denn es ist einfacher, wenigen Menschen aus der Armut zu helfen als vielen.

Das Recht, über die Anzahl seiner Kinder und den Zeitpunkt ihrer Geburt frei zu entscheiden, ist seit 1968 ein international anerkanntes Menschenrecht. Dennoch sieht bis heute in vielen Teilen der Welt die Wirklichkeit anders aus. So haben gegenwärtig weltweit 215 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter keinen ausreichenden Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. Diese Zahl steht für jene Frauen zwischen 15 bis 49 Jahren, die jederzeit schwanger werden könnten, dies aber zumindest in den nächsten zwei Jahren nicht wollen.

Weltweit flossen 2007 etwa 8,8 Milliarden US-Dollar in bevölkerungsrelevante Maßnahmen wie die Bereitstellung von Verhütungsmitteln, die Verbesserung der Gesundheit von Schwangeren und Neugeborenen und die HIV-Bekämpfung. Mehr als ein Drittel davon ging nach Subsahara-Afrika. Es ist allerdings davon auszugehen, dass diese Gelder nur zum geringsten Teil für Familienplanung aufgewendet werden, da sich die internationale Gebergemeinschaft verstärkt der Eindämmung der HIV-/Aids-Pandemie widmet.

Ebenso wie Futures Group hat sich auch das unabhängige Guttmacher Institute mit Kosten und Nutzen der Familienplanung beschäftigt. Die Berechnungen der Forscher für Subsahara-Afrika belegen, dass sich Investitionen in Familienplanung finanziell lohnen. Ihnen zufolge spart hier jeder US-Dollar, der für die Bereitstellung moderner Verhütungsmethoden verwendet wird, 1,30 US-Dollar bei der Betreuung von Schwangeren und Neugeborenen ein. Und zwar allein deshalb, weil weniger Kinder zur Welt kommen, deren Mütter ungewollt schwanger geworden sind.

Die vom Guttmacher Institute geforderte Summe von 2,4 Milliarden US-Dollar, die die Region pro Jahr benötigt, um den ungedeckten Bedarf an Verhütungsmitteln zu decken, wird jedoch vermutlich nicht aufgebracht werden. Da diese Annahme den Vorausberechnungen der Futures Group zugrunde liegt, ist davon auszugehen, dass deren Bevölkerungsprognosen die Realität verfehlen. Wahrscheinlicher ist die mittlere Variante der Vereinten Nationen, die von 6,7 Milliarden Menschen in den 99 Entwicklungsländern und den USA im Jahr 2050 ausgeht. Forscher des Washingtoner Population Reference Bureaus halten selbst diese mittlere Variante noch für zu optimistisch. Denn damit diese zum Beispiel in Subsahara-Afrika zutrifft, müsste sich dort die durchschnittliche Kinderzahl in den nächsten 40 Jahren von heute 5,2 auf 2,6 Kinder pro Frau halbieren. Und dieses Ziel ist ohne größere Investitionen in Familienplanung und ohne den politischen Willen der lokalen Regierungen kaum zu erreichen.

Guttmacher Institute/ UNFPA (2009): Subsahara-Africa. Facts on Investing in Family Planning and Maternal and Newborn Health. New York.

Guttmacher Institute/ IPPF (2010): Facts on Satisfying the Need for Contraception in Developing Countries. New York.

Lutz, Wolfgang (2009): Sola schola et sanitate: human capital as the root cause and priority for international development? In: Philosophical Transactions of the Royal Society 2009/364, S. 3031-3047.

Moreland, Scott/ Smith, Ellen/ Sharma, Suneeta (2010): World Population Prospects and Unmet Need for Family Planning. Futures Group. Washington, DC.

UNFPA (2009): Financial Resource Flows for Population Activities in 2007. New York.

 

   
 

 

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