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Ausgabe 19, 15. März 2006

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Die demografische Lage der Nation
Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?

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Die demografische Lage der Nation
Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?

Zwei Jahre nach der viel zitierten Studie "Deutschland 2020" legt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung eine neue Untersuchung zur demografischen und wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit der Bundesländer, der deutschen Landkreise und kreisfreien Städte vor: "Die demografische Lage der Nation", erscheint am 15. März 2006 als Buch im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) und ist überall im Buchhandel erhältlich.

In den vergangenen zwei Jahren hat die deutsche Bevölkerung endgültig begonnen zu schrumpfen. Denn mittlerweile können auch Zuwanderer die demografischen Lücken nicht mehr füllen, die entstehen, weil bereits seit Jahrzehnten weniger Kinder geboren werden als Menschen sterben. Gleichzeitig ist die im internationalen Vergleich ohnehin schon niedrige Geburtenrate weiter gesunken. Derzeit bekommen die Deutschen nur noch 1,36 Kinder je Frau. Und weil die innerdeutsche Binnenwanderung aufgrund der prekären Arbeitsmarktlage weiterhin anhält, ziehen die immer weniger werdenden jungen Menschen nach wie vor in die Gewinner-Regionen des wirtschaftlichen Strukturwandels - vor allem also in die süddeutschen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Regional führt diese Entwicklung zu enormen Verwerfungen. Schon jetzt leiden die neuen Bundesländer, aber auch die klassischen Industriereviere Ruhrgebiet und Saarland unter massiver Überalterung und Bevölkerungsschwund. Bis 2020 wird über die Hälfte aller deutschen Kreise vom Schrumpfen betroffen sein.

"Die demografische Lage der Nation" verdeutlicht den wachsenden Wettbewerb der Regionen, das Werben der Kommunen und Bundesländer um Anwohner und Steuerzahler und die sich weiter verstärkende Trennung des Landes in Osten und Westen, aber auch in Norden und Süden. Denn die Schere öffnet sich weiter: Starke Regionen wachsen, schwache verlieren - nur selten konnte dieser Trend der vergangenen Jahre gestoppt werden. Auch wenn die Wirtschaft in den neuen Bundesländern nominell wächst, sie kann bis dato weder die Arbeitslosigkeit senken noch die Abwanderung junger Menschen stoppen.

Spitzenkreis der Gesamtbewertung in Sachen Zukunftsfähigkeit ist der nahe der Wissenschaftsmetropole Ulm gelegene baden-württembergische Landkreis Biberach, gefolgt von den oberbayerischen Kreisen Erding und Freising im Umland von München. Mit zwölf Kreisen unter den besten 20 Deutschlands führt Baden-Württemberg die Gesamtwertung der Bundesländer an. Bayern stellt sieben der 20 Spitzenkreise. Mit Vechta schiebt sich interessanterweise ein Landkreis im eher ländlich geprägten Westen von Niedersachsen in die Spitzengruppe.

Die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam ist unter den ostdeutschen Städten jene, die es am weitesten nach vorn schafft - immerhin auf Platz 25. Zu den Vorzeige-Regionen der neuen Bundesländer gehören auch das thüringische Jena (Rang 34) und die sächsische Landeshauptstadt Dresden (Rang 68). Diese ostdeutschen Städte gehören zu den wenigen Regionen, die den ökonomischen und demografischen Abwärtstrend stoppen konnten.

Die vier Schlusslichtkreise der Studie, Bernburg, der Burgenlandkreis, das Mansfelder Land und Köthen, liegen allesamt in Sachsen-Anhalt, jenem Bundesland, das am meisten unter dem Zerfall der Industriestruktur nach der Wende gelitten hat. Diese Kreise verloren auch seit 1997 noch Jahr für Jahr etwa ein Prozent ihrer Bevölkerung. Junge Menschen unter 35 Jahren stellen dort nur noch ein Drittel der Einwohner. Die Zahl der Erwerbstätigen geht überall zurück. Allein Köthen verlor in nur sechs Jahren zwölf Prozent aller Jobs.

Die größten Problemkreise im Westen finden sich durchweg in Regionen, in denen Subventionen den Strukturwandel über lange Zeit verzögert haben: Im Ruhrgebiet, wo in Gelsenkirchen und Herne die durch Kohle und Stahl geprägte Schwerindustrie nach wie vor auf dem Rückzug ist. Und in Oberfranken, wo die Stadt Hof und der Landkreis Wunsiedel den Wegfall der einstigen Zonenrandförderung nicht verkraftet haben. Im Osten Oberfrankens sank die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 1997 und 2003 um fast fünf Prozent.

Die am stärksten überalterten Landkreise Deutschlands sind Goslar und Osterrode im Harz - dort sind elf Prozent der Einwohner älter als 75 Jahre. Den deutschlandweit geringsten Anteil an Hochbetagten gibt es mit etwas über fünf Prozent in Freising bei München und Bad Doberan bei Rostock - Kreise, die in jüngster Vergangenheit stark vom Zuzug junger Familien profitiert haben.

Die Abwanderung junger Frauen aus dem Osten Deutschlands hält weiter an. Besser qualifiziert als ihre männlichen Altergenossen, machen sie sich nach wie vor auf der Suche nach Ausbildung, einem Job oder einem Partner auf den Weg Richtung Westen - oder gar ins Ausland. Je strukturschwächer eine Region, desto stärker ist der Druck zur Abwanderung. Im mecklenburg-vorpommerschen Landkreis Uecker-Randow herrscht das größte Defizit an jungen Frauen - dort fehlen in der Altersklasse der 18- bis 29-Jährigen 26 Prozent der Frauen. Kaum besser sieht es in Parchim oder im thüringischen Ilm-Kreis aus. Diesen Gebieten sind 22 Prozent der Frauen im besten Familiengründungsalter abhanden gekommen.

Die meisten Kinder werden im westniedersächsischen Cloppenburg geboren - dort bekommt jede Frau durchschnittlich 1,8 Kinder. Im Umfeld dieser Stadt liegen sechs der zehn Kreise mit den deutschlandweit höchsten Kinderzahlen. Entsprechend hoch ist auch der Bevölkerungsanteil der unter 35-Jährigen. In Cloppenburg sind 47 Prozent aller Einwohner in diesen jungen, produktiven und kreativen Jahren, auch das ist Spitze in Deutschland. Im sächsischen Hoyerswerda und im sachsen-anhaltinischen Dessau hingegen ist aufgrund ständiger Abwanderung und geringer Geburtenzahlen der Anteil junger Menschen auf den deutschlandweit niedrigsten Wert von 32 Prozent gesunken.

Am wenigsten Nachwuchs gibt es in den Studentenstädten Würzburg und Heidelberg - den einzigen Kreisen, in denen durchschnittlich weniger als ein Kind je Frau zur Welt kommt.

Spitzenreiter der Wirtschaftswertung ist der Landkreis Ludwigsburg. Im Stuttgarter Umland gelegen, verfügt er nicht nur über ein erstklassiges Bruttoinlandsprodukt, geringe Schulden und über ein Spitzen-Durchschnittseinkommen, auch die Beschäftigungsquote der über 50-Jährigen ist im deutschlandweiten Vergleich günstig. Schlusslichter der Wirtschaftswertung sind das ostmecklenburgische Demmin und das sachsen-anhaltinischen Köthen. Der Landkreis Demmin verlor zwischen 1997 und 2003 rund 14 Prozent seiner Erwerbstätigen.

Nahezu Vollbeschäftigung herrscht dagegen in den bayerischen Landkreisen Eichstädt und Freising. Dort sind weniger als vier Prozent aller Einwohner zwischen 18 und 65 Jahren arbeitslos oder auf Sozialhilfe angewiesen. In Demmin und in Bremerhaven lebt dagegen ein Viertel der Bevölkerung im Erwerbsalter von staatlicher Unterstützung.

Die am stärksten unter Abwanderung leidende Stadt Deutschlands ist und bleibt Hoyerswerda. Die sächsische Stadt verlor zwischen 2001 und 2003 jährlich durchschnittlich drei Prozent ihrer Bevölkerung, weil die Menschen ihr den Rücken kehrten. Die für Zuwanderer attraktivsten Landkreise waren das bayerische Landsberg am Lech und Lüneburg in Niedersachsen, die jährlich mehr als ein Prozent ihrer Bevölkerung durch Zuzug gewannen. Mit Weimar, dem Landkreis Havelland und Potsdam-Mittelmark gehören auch drei Kreise der neuen Bundesländer zu den zehn attraktivsten Zuwanderungsgebieten der vergangenen Jahre.

In der Bildungswertung belegt Heidelberg gemeinsam mit dem Landkreis München den ersten Platz. Dort verlassen nur etwa vier Prozent aller Schulabgänger die Lehranstalten ohne jeden Abschluss. Nicht einmal vier Prozent aller jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren sind arbeitslos. Bei den Schlusslichtern der Bildungswertung Aschersleben-Stassfurt und dem Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt liegen die Werte sowohl der Jugendarbeitslosigkeit wie auch der Schulabgänger ohne Abschluss bei erschreckenden 16 Prozent. Die meisten jungen Menschen, die nicht einmal die Hauptschule mit einem Zertifikat verlassen, leben im sachsen-anhaltinischen Landkreis Bernburg. 19 Prozent der Schüler werden dort mit großer Wahrscheinlichkeit von der Schulzeit in die Langzeitarbeitslosigkeit entlassen. Kein Wunder, dass Bernburg auch die rote Laterne in der Gesamtwertung der Deutschlandstudie trägt.

Die höchste Arbeitslosigkeit unter jungen Erwachsenen herrscht in den mecklenburg-vorpommerschen Landkreisen Uecker-Randow und Demmin. 16 Prozent aller 18- bis 25-Jährigen - sechs Mal mehr als in Heidelberg oder Bonn - finden dort keine Beschäftigung.

Die meisten Hochqualifizierten finden sich in den Wissenschaftsstädten Erlangen (Bayern) und Jena (Thüringen). Dort verfügen 23 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über einen Hoch- oder Fachschulabschluss. In den ländlich geprägten bayerischen Landkreisen Ansbach und Straubing-Bogen haben hingegen weniger als 2,5 Prozent aller Beschäftigten eine ebenso hochklassige Ausbildung.

Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Steffen Kröhnert unter 030-22324844 und Dr. Reiner Klingholz unter 030-31017560 bzw. 0171-5078390 zur Verfügung.

Dieses Projekt wurde gefördert durch:

 

   
 

 

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