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Ausgabe 20, 20. März 2006

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Deutschland weltweit Schlusslicht bei Geburtenrate

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Deutschland weltweit Schlusslicht bei Geburtenrate

In der vergangenen Woche haben die Medien ausgiebig über den Kindermangel in Deutschland berichtet. Anlass war unter anderem die neue, am 15. März 2006 erschienene Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung "Die demografische Lage der Nation". In Zeitungen und Nachrichtensendungen kam es dabei gelegentlich zu einer Verwechselung von Daten. Hierzu eine Klarstellung:

Die Vermehrungsfreudigkeit einer Bevölkerung lässt sich auf verschiedene Weise ermitteln - etwa über die "Gesamtfruchtbarkeitsrate" oder über die "rohe Geburtenrate". Die Gesamtfruchtbarkeitsrate gibt an, wie viele Kinder eine Frau durchschnittlich im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn die altersspezifischen Geburtenziffern in Verlauf ihrer gesamten fruchtbaren Lebensphase auf dem Niveau des Stichjahres blieben. Die "Gesamtfruchtbarkeitsrate" wird vereinfacht auch als "durchschnittliche Kinderzahl je Frau" bezeichnet. In Deutschland lag sie 2004 bei 1,36. Dieser sehr niedrige Wert ist allerdings nicht der niedrigste der Welt. Länder wie Spanien, Italien, Griechenland, einige osteuropäische Nationen, aber auch Südkorea oder Taiwan liegen derzeit darunter.

Weltweit sind während der vergangenen Jahrzehnte in den Industrienationen die Kinderzahlen zurückgegangen. Aber nicht überall gleich stark. Deutschland gehört mit weniger als 1,4 Kindern je Frau zu den an Nachwuchs ärmsten Staaten der Welt. Bei dieser Zahl ist jede Kindergeneration um ein Drittel kleiner als die ihrer Eltern.



Da aber Deutschland in den 1970er Jahren das erste Land weltweit war, in dem die Gesamtfruchtbarkeitsrate auf einen derart niedrigen Wert sank, kommen seit Jahren nur noch entsprechend kleine Gruppen von Menschen in das Alter einer potenziellen Elternschaft. Menschen, die in den 1970er Jahren nicht geboren wurden, können heute keine Kinder bekommen. Deshalb sinkt die Zahl der jährlich geborenen Kinder in Deutschland immer weiter ab. Während 1960 in Deutschland 1.262.000 Kinder geboren wurden, waren es 2004 noch knapp 706.000. Das statistische Bundesamt vermeldet nach vorläufigen Schätzungen für 2005 nur noch 680.000 bis 670.000. Dies ist der geringste Wert seit Gründung der Bundesrepublik. Er wird aufgrund der weiter schrumpfenden Elternjahrgänge in den kommenden Jahren noch deutlich tiefer sinken.

Die rohe Geburtenrate gibt an, wie viel Nachwuchs in einer Gesellschaft bezogen auf die Gesamtbevölkerung geboren wird. Dieser Wert lag in Deutschland im Jahr 2004 bei 8,5 Neugeborenen je 1.000 Einwohner. Lediglich Macao und Hongkong (nicht selbstständige städtische Territorien, die jeweils zur Volksrepublik China gehören) weisen geringere Werte auf. Somit ist Deutschland der Staat mit der weltweit niedrigsten rohen Geburtenrate.

Betrachtet man die Zahl der Geburten je 1.000 Einwohner, so liegt Deutschland heute, wie schon vor 30 Jahren, weltweit auf dem letzten Platz. Dieser Messwert ist besonders wichtig, denn er beschreibt die Kopfstärke der nachwachsenden Generation, die für die Lösung der Zukunftsaufgaben zur Verfügung steht. Sie ist im Vergleich zu den Älteren, die es zu versorgen gilt, nirgendwo so klein wie in Deutschland.



Der Grund dafür liegt wiederum darin, dass in Deutschland die Kinderzahlen sehr früh sehr tief gesunken sind, dass gleichzeitig die Lebenserwartung stark gestiegen ist und deshalb bezogen auf die Gesamtbevölkerung nur sehr wenige Menschen im potenziellen Elternalter zur Verfügung stehen. Deutschland erlebt somit derzeit weltweit die stärkste demografische Alterung. Länder, die den Geburtenrückgang später erlebt haben, in denen mittlerweile die Kinderzahl je Frau aber unter den deutschen Wert gesunken ist (Spanien, Südkorea etc.), werden in den kommenden Jahren in ihrer rohen Geburtenrate noch weiter abfallen.




Länder mit den weltweit niedrigsten Geburtenraten (Geborene je 1.000 Einwohner im Jahr 2004)

Quelle: US Census Bureau; http://www.census.gov/ipc/www/idbnew.html



Für Fragen und Interviews stehen Ihnen Steffen Kröhnert unter 030-22324844 und Dr. Reiner Klingholz unter 030-31017560 bzw. 0171-5078390 zur Verfügung.

 

   
 

 

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