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Ausgabe 24, 01. August 2006

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Warum entstehen bewaffnete Konflikte?
Eine Studie des Berlin-Instituts untersucht den Einfluss der demografischen Entwicklung auf die Wahrscheinlichkeit von Krieg und Gewalt. Afrika und der Mittlere Osten bergen demnach das höchste Konfliktrisiko

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Wenn Migranten krank werden
Deutsche Ärzte sind nur unzureichend auf spezifische Gesundheitsprobleme von hier lebenden Ausländern vorbereitet

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Warum entstehen bewaffnete Konflikte?
Eine Studie des Berlin-Instituts untersucht den Einfluss der demografischen Entwicklung auf die Wahrscheinlichkeit von Krieg und Gewalt. Afrika und der Mittlere Osten bergen demnach das höchste Konfliktrisiko

Länder, in denen eine große Zahl junger Menschen keine adäquate Rolle in der Gesellschaft und im Arbeitsleben finden, gelten unter Konfliktforschern als besonders anfällig für gewaltsame Auseinandersetzungen. Nach der Theorie des "Youth bulge", des "Jugendüberhangs", sind vor allem junge Männer bereit, sich ihren Platz in der Gesellschaft nötigenfalls auch mit Gewalt zu erobern.

Der Sozialwissenschaftler Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat jetzt den Zusammenhang zwischen Altersstruktur, sozioökonomischem Entwicklungsstand und der Wahrscheinlichkeit von Krieg und Gewalt für den Zeitraum zwischen 1950 und 2000 untersucht. (zur Studie)
Tatsächlich erleben Länder mit geringem Jugendanteil, in denen die 15- bis 25-Jährigen weniger als 25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ausmachen, äußerst selten bewaffnete Konflikte. Zum Beispiel hat Deutschland mit derzeit zwölf Prozent einen der weltweit geringsten Bevölkerungsanteile dieser Altersgruppe. Weitere Länder mit derart geringen Jugendanteilen sind etwa die Schweiz oder Italien. All diese Staaten haben sich in der jüngeren Vergangenheit als außerordentlich friedfertig erwiesen.

In Ländern, in denen hingegen 25 bis 33 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zwischen 15 und 25 Jahren alt sind, beträgt die Konfliktwahrscheinlichkeit bis zu 41 Prozent - zwei von fünf Ländern mit einer solchen Altersstruktur haben mit gewaltsamen Konflikten zu rechnen.

Wirtschaftliche und soziale Entwicklung reduzieren deutlich die Wahrscheinlichkeit von Krieg und Gewalt - ohne allerdings den Einfluss des Jugendanteils aufzuheben. In Ermangelung langer Zeitreihen für wirtschaftliche Indikatoren verwendet die Studie die Säuglingssterberate als Indikator für den gesellschaftlichen Entwicklungstand.
Sie steht in hohem Zusammenhang mit den sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen der Menschen und ist nahezu deckungsgleich mit dem "Human Development Index" (HDI) der Vereinten Nationen, der den Stand der menschlichen Entwicklung im weltweiten Vergleich ermöglicht. Jugendanteil einerseits und sozioökonomischer Entwicklungsstand andererseits haben dabei statistisch einen genau gleich großen aber in der Wirkung gegenläufigen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Überraschenderweise gilt dieser Zusammenhang nicht für Länder mit extrem hohen Jugendanteilen. Diese erleben seltener gewaltsame Konflikte als Nationen, deren Anteil junger Erwachsener im mittleren bis hohen Bereich liegt. Dieses Ergebnis des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung widerlegt Vermutungen anderer Wissenschaftler, die Konfliktwahrscheinlichkeit einer Gesellschaft steige proportional zum Bevölkerungsanteil junger Erwachsener: Je mehr davon, so deren Theorie, desto größer die Gefahr einer bewaffneten Auseinandersetzung.

Tatsächlich aber sinkt genau diese Bedrohung, und zwar unabhängig vom sozioökonomischen Entwicklungsstand, in Ländern mit einem Jugendanteil von über 37 Prozent. Einen solch starken Jugendüberhang registrieren Nationen, die sich in zwei verschiedene Gruppen klassifizieren lassen: Es sind erstens Länder, in denen einstmals hohe Geburtenraten aufgrund günstiger wirtschaftlicher oder sozialer Entwicklung binnen kurzer Zeit stark sinken, so dass die Jugendkohorten größer sind als die nachfolgenden Kindergeneration und so zwangsläufig einen übergroßen Teil der Gesamtbevölkerung ausmachen. Diese Länder ernten eine "demografische Dividende": Weil sie vergleichsweise wenig in die Bildung der jüngsten Altersgruppen investieren müssen und große Kohorten junger Menschen Arbeit in der ersten Phase der Industrialisierung finden, können sie sich, von niedrigem Niveau kommend, rasch wirtschaftlich entwickeln.


Aids reduziert die Kriegsgefahr

Zur zweiten Gruppe der konfliktarmen Nationen gehören Länder, die stark von Aids betroffen sind. Da die Immunschwächekrankheit vor allem Menschen im besten Erwachsenenalter dahinrafft, steigt der Jugendanteil an der Gesamtbevölkerung relativ gesehen auch dort extrem an. In Simbabwe etwa sterben jährlich 1,3 Prozent der Bewohner an Aids. 40,5 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahre sind zwischen 15 und 24 Jahre alt - einer der höchsten Jugendanteile weltweit. Der frühe Tod so vieler Erwachsener hinterlässt gravierende Lücken in der Erwerbsbevölkerung. Dies verschafft Jugendlichen, allem Elend zum Trotz, bessere Aussichten auf sozialen Aufstieg, als in wenig entwickelten Ländern mit geringer HIV-Rate. Auf diese Weise könnte sich das Risiko gewaltsamer Konflikte reduzieren.

Die Studie des Berlin-Instituts ermittelt für jede Nation eine statistische Wahrscheinlichkeit des Auftretens von gewaltsamen Konflikten - je nach sozioökonomischem Entwicklungsstand des Landes und dem Jugendanteil an der Bevölkerung (Abb. 1). Zieht man in diesem Modell die Annahmen der Vereinten Nationen zur kommenden Bevölkerungs- und zur sozioökonomischen Entwicklung zu Hilfe, stellt sich die Frage, ob sich damit auch Projektionen der zukünftigen Konfliktwahrscheinlichkeit erstellen lassen.

Generell steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Land, einen gewaltsamen Konflikt zu erleben, wenn der Jugendanteil einen Wert zwischen 25 und 37 Prozent erreicht, deutlich an. Länder mit geringerem Jugendanteil sind selten an Konflikten beteiligt. Aber bei einem sehr hohen "Youth bulge" reduziert sich die Gefahr einer gewaltsamen Auseinandersetzung wieder. Unabhängig vom Jugendanteil sinkt das Konfliktrisiko mit steigender sozioökonomischer Entwicklung, hier erkennbar an einer rückläufigen Säuglingssterberate. Der über die Jahre veränderte Jugendanteil und die veränderte Säuglingssterberate zwischen 1975 und 2000 sind bei dieser Berechnung für alle Länder berücksichtigt.

Die Welt könnte friedlicher werden

Geht man nun von der vereinfachenden Annahme aus, dass die Konfliktwahrscheinlichkeit eines Landes vielfach vom sozioökonomischen Entwicklungsstand und dem Jugendanteil bestimmt wird, so lassen sich unter Verwendung des Modells jene Regionen benennen, in denen eine hohe Wahrscheinlichkeit für künftige Konflikte besteht.

Nach diesem Modell erreicht die Welt im gegenwärtigen Zeitraum - zwischen 2005 und 2010 - einen Höhepunkt des Risikos bewaffneter Konflikte. Weltweit kommen derzeit die historisch größten Gruppen junger Menschen ins Erwachsenenalter, eine Folge des starken Bevölkerungswachstums vieler Entwicklungsländer in den vergangenen Jahrzehnten. Da die Geburtenraten derzeit jedoch in den meisten dieser Länder sinken und gleichzeitig mit weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritten zu rechnen ist, könnte die Zahl der Länder mit hohem und höchsten Konfliktrisiko nach 2010 zurück gehen. Dies widerspräche der mitunter von Konfliktforschern geäußerten Vermutung, die Welt stehe durch das Eintreten der historisch größten Zahl Jugendlicher in das Erwachsenenalter an der Schwelle einen neuen "Epoche der Kriege". Wiesen im Jahr 2000 noch 33 Länder ein hohes oder höchstes statistisches Konfliktrisiko auf, so verharrt diese Ziffer nach dem Modell des Berlin-Instituts bis 2010 auf diesem Niveau (Abb. 2), sinkt aber bis 2020 (Abb. 3) auf 24 Staaten ab.

Im statistischen Modell wird die Zahl der Länder mit hohem und sehr hohem Konfliktrisiko bis 2010 auf dem heutigen Niveau von 33 Ländern verweilen und danach sinken. Für das Jahr 2020 ermittelt die Projektionsrechnung noch 24 Staaten mit hoher Wahrscheinlichkeit gewaltsamer Auseinandersetzungen. Besonders konfliktträchtig sind die subsaharischen Staaten entlang des 10. nördlichen Breitengrades sowie der mittlere Osten mit Afghanistan und Pakistan. Eine "Vorhersage" von Konflikten ist mit dem statistischen Modell nicht möglich, weil bei deren Entstehung viele unwägbare Faktoren eine Rolle spielen.

Nach dem Modell weisen künftig vor allem afrikanische Staaten entlang des fünften nördlichen Breitengrades - von Sierra Leone am Atlantischen bis zu Somalia am Indischen Ozean - eine hohe statistische Konfliktwahrscheinlichkeit auf. Ein zweiter, anhaltender Konfliktherd zeichnet sich im Mittleren Osten ab, in Afghanistan, Pakistan und den früheren Sowjetrepubliken Turkmenistan, Aserbaidschan und Tadschikistan. Außerhalb dieser Haupt-Konfliktregionen liegen nur wenige Staaten mit einem hohen statistischen Konfliktrisiko - etwa Papua-Neuguinea, Kambodscha, Myanmar und Laos. In Südamerika gehört derzeit kein einziger Staat mehr zur Risikogruppe.


Spielt der Islam eine Rolle?

Besonders zahlreich unter den Nationen mit hohem statistischem Konfliktrisiko finden sich Staaten mit islamischer Bevölkerungsmehrheit. Diese Staaten fallen aber weniger wegen der Religion ihrer Einwohner in diese Gruppe, sondern vor allem deshalb, weil für sie demografische und sozioökonomische Werte zu erwarten sind, die besonders häufig mit gewaltsamen Konflikten in Zusammenhang stehen. 40 Prozent der weltweit 41 Staaten mit islamischer Bevölkerungsmehrheit würden nach dem Modell im Jahr 2010 zur Gruppe mit hoher Konfliktwahrscheinlichkeit gehören und fast die Hälfte aller Länder mit hohem Konfliktrisiko. Erst nach 2010 ginge ihr Anteil wieder zurück.

Der beobachtete statistische Zusammenhang weist nicht zwingend und nicht in jedem Einzelfall eines Konfliktes auf einen ursächlichen Zusammenhang hin. Eine "Vorhersage" von Konflikten ist mit dem statistischen Modell nicht möglich, weil bei deren Entstehung viele unwägbare Faktoren eine Rolle spielen. Konflikte entstehen aus den verschiedensten, oft singulären Gründen (Dürreperioden, Streit um Rohstoffe, Gegensätze schürende Politiker, ethnische Unterschiede etc.), die sich statistisch nicht erfassen lassen. Dennoch legt die Analyse die Vermutung nahe, dass Jugendanteil und sozioökonomischer Entwicklungstand einen größeren Einfluss auf die Entstehung kriegerischer Auseinandersetzungen haben, als gemeinhin angenommen.
(Zur Studie)

Für Interviews steht Steffen Kröhnert unter 030 - 22 32 48 44 zur Verfügung.


Die ausführliche Untersuchung zum Zusammenhang zwischen demografischer und sozioökonomischer Entwicklung und Konflikten im Zeitraum 1950 bis 2000 ist im April 2006 erschienen:
Kröhnert, S.(2006): Demografische Faktoren bei der Entstehung gewaltsamer Konflikte. Eine empirische Untersuchung für den Zeitraum 1950 bis 2000. In: Zeitschrift für Soziologie (35) 2: 120-143.

 

   
     
 

Wenn Migranten krank werden
Deutsche Ärzte sind nur unzureichend auf spezifische Gesundheitsprobleme von hier lebenden Ausländern vorbereitet

Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, sind anders krank als die einheimische Bevölkerung. Genaue Zahlen lassen sich dazu allerdings nicht finden. Denn obwohl diese Menschen - Arbeitsmigranten, Aussiedler, deren Angehörige oder Asylsuchende - zusammengenommen rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung stellen, werden sie in den meisten Erkrankungs- und Todesfallstatistiken nicht gesondert erfasst. Immerhin lassen sich für die zur Zeit rund 1,7 Menschen mit türkischem Pass, die den Hauptanteil der in Deutschland wohnhaften Ausländer stellen, einige qualitative Aussagen treffen.

Bis zum Anwerbestopp für "Gastarbeiter" im Jahre 1973 kamen vor allem junge, gesunde Männer und Frauen aus der Türkei in die Bundesrepublik. Inzwischen jedoch haben die Alterung, der Familiennachzug und die so genannte Heiratsmigration - junge türkische Männer holen sich ihre Braut aus ihrem Ursprungsland - dazu geführt, dass sich die Zusammensetzung und die Altersstruktur der türkischstämmigen Bevölkerung stark verändert haben: Der Anteil der Frauen ist gestiegen, und es gibt mehr Betagte, die anfällig für altersbedingte Gebrechen oder gar pflegebedürftig sind.

Aus all diesen Gründen steigt seit einigen Jahren die Zahl der Erkrankungen in dieser Gruppe merklich an. Das heißt nicht, dass Türken häufiger krank sind als Deutsche. Nur anders. So haben Menschen aus Zentral- und Ostanatolien genetisch bedingt ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, wenn sie sich, wie hierzulande üblich, fett- und cholesterinreich ernähren. Dank fettem Fast Food, dem Überangebot an Süßem und Bewegungsmangel sind auch immer mehr Türkischstämmige übergewichtig, vor allem Kinder. Dadurch steigt das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Prävention stößt freilich angesichts von Problemen mit der deutschen Sprache sowie geringer Kenntnisse über den eigenen Körper und physiologische Zusammenhänge schnell an Grenzen. Und selbst informierte türkischstämmige Diabetiker sind mitunter schwer davon abzubringen, das religiöse Fastengebot im Ramadan zu brechen und auch tagsüber kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, um ihren Blutzuckerspiegel konstant zu halten.

Besonders stark zugenommen haben in der türkischen Bevölkerung psychische Erkrankungen wie Depressionen. Bei Frauen treten diese doppelt so häufig auf wie bei Männern, was Psychotherapeuten vor allem auf die isolierte Lebensweise der Frauen zurück führen, auf mangelnde Bildung und Sprachkenntnisse, die es ihnen erschweren, sich an den deutschen Alltag anzunähern. Hinzu kommt, dass Frauen wie auch Männer sich entwurzelt und gesellschaftlich an den Rand gedrängt fühlen. Und dass die Arbeitslosigkeit bei der Gruppe der Türken besonders hoch ist. Das schlägt vielen aufs Gemüt.

Einen Psychiater suchen türkische Patienten mit Depressionen jedoch höchst ungern auf und beim Hausarzt geben sie ausschliesslich körperliche Symptome an. Denn in der Kultur des östlichen Mittelmeerraumes wird stigmatisiert, wer an Kopf oder Seele erkrankt. Generell gilt Krankheit als etwas, das ohne eigenes Zutun von außen in den Körper dringt. Türken nehmen etwa auch Schmerzen flächendeckender wahr als dies Mitteleuropäer tun. Und sie erwarten von einem Arzt, dass er ihnen die Diagnose auf den Kopf zusagt; wenn er sorgfältig Symptome erfragt, neigen sie dazu, ihm dies als Unfähigkeit auszulegen.

Solche kulturellen Unterschiede führen oft zu Missverständnissen, wenn ausländische Patienten deutsche Arztpraxen oder Krankenhäuser aufsuchen. Hinzu kommen handfeste medizinische Besonderheiten, die den meisten Ärzten unbekannt sind, wie das erwähnte genetisch bedingte erhöhte Herzinfarkt-Risiko bei Menschen aus Zentral- und Ostanatolien. Die Folgen dieser Kommunikationsprobleme: Fehldiagnosen, falsche Behandlungen, teure, aber nutzlose Odysseen von Spezialist zu Spezialist.

"Migration kann einen Einfluss haben, sowohl auf das Risiko zu erkranken als auch auf die Chance, eine adäquate Therapie zu erhalten", sagt der Arzt und Epidemiologe Oliver Razum von der Universität Bielefeld. Ein Missstand, für den es im Zuwanderungsland Deutschland erst wenige Lösungsansätze gibt. Zum Beispiel das bundesweit bisher einzigartige Wahlpflichtfach "Migrantenmedizin", das angehenden Ärzten an der Justus-Liebig-Universität Gießen seit Sommer 2004 angeboten wird. Eine Zusatzausbildung für "interkulturelle Kompetenz im Gesundheits- und Sozialwesen" an der Fachhochschule Hannover. Oder den Gemeindedolmetscherdienst in Berlin, wo medizinisch gebildete Muttersprachler zwischen Arzt und ausländischem Patienten vermitteln.

Der Bielefelder Epidemiologe Oliver Razum fordert, das deutsche Gesundheitssystem müsse sich besser auf die spezifischen Bedürfnisse der Migranten einstellen. Allein deshalb, weil Zuwanderer der ersten Generation häufig im Vorteil sind, was die typischen Gesundheitsrisiken der industrialisierten Länder angeht. So sind sie zunächst weniger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt betroffen. Erst nach einer Übergangszeit, in der sie sich allmählich an den Lebensstil des Aufnahmelandes anpassen, nähern sie sich dem Niveau der alteingesessenen Bevölkerung an. Dies, so Razum, biete eine Chance, mit der Prävention möglichst früh zu beginnen.

Razum fordert Präventionsmaßnahmen, die an die jeweilige Kultur und die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst sind. Dazu gehört eine bessere Ausbildung des medizinischen und Pflegepersonals. Dazu gehört aber auch, die gesundheitsbezogenen Daten von Ausländern besser zugänglich zu machen und sinnvoller zu erschließen: Bisher unterscheidet die bundesweite Todesursachenstatistik zum Beispiel nur zwischen den Kategorien deutsch, nichtdeutsch und staatenlos. "Es würde schon viel helfen", so Oliver Razum, "die Variable 'Geburtsland der Eltern' einzuführen".


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